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Full text of "Geologie von Oberschlesien. Eine Erläuterung zu der im Auftrage des Königl. Preuss. Handels-Ministeriums von dem Verfasser bearbeiteten geologischen Karte von Oberschlesien in 12 Sektionen, nebsteinem von dem Königl. Oberbergrath Dr. Runge in Breslau verfassten das Vorkommen und die Gewinnung der Nutzbaren Fossilien Oberschlesiens betreffenden Anhange"

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Geologie von Oberschlesien. 

1^707.- ' ___ 

Höli. 

, Eine Erläuterung 

.zu der 

im Aufträge des Königl. Preuss. Handels-Ministeriums 
von dem Verfasser bearbeiteten geologischen Karte von 
Oberschlesien in 12 Sektionen 

nebst einepi 


von dem Königl. Oberbergrath Dr. Runge in Breslau 
verfassten das Vorkommen und die Gewinnung der nutzbaren Fossilien 
Oberschlesiens betreffenden Anhänge 


von 

Dr. Ferd. Roemer, 


BWsloia crf MaH mfa 
Secüonal libroty 


Königl. Geh. Bergrath, ord. Professor der Mineralogie und Geologie an der 
Universität Breslau, korresp. Mitgliede der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, und anderer gelehrten 

Gesellschaften Mitgliede. 


Mit einem 

Atlas von 50 die bezeichnenden Versteinerungen 
der einzelnen Ablagerungen Oberschlesiens darstellenden litbographirten Tafeln 
und einer Mappe mit Karten und Profilen. 




Auf Staatskosten gedruckt. 


Breslau, 

Drixok von Kobert 

1870. 



Vorwort. 


Die vorliegende Schrift ist zunächst bestimmt als Erläuterung zu der im 

Aufträge des Königlicli Preussischen Ministeriums für Handelj Gewerbe und 
öffentliche Arbeiten von dem Verfasser bearbeiteten geognostischen Karte 
von Oberschlesien zu dienen und ist vorzugsweise aus der Zusammen- 
stellung und Verarbeitung der Beobachtungen hervorgegangen, welche die 
Herstellung dieser Karte zum Zweck hatten. 

Diese Beobachtungen wurden in dem Zeiträume von 1862 — 1869 ange- 
stellt, nachdem durch einen Erlass des Königlich Preussischen Ministeriums 
für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten vom 3. Juli 1862 die Her- 
stellung einer geognostischen Karte von Oberschlesien im Maassstabe von 
angeordnet und dem Verfasser die wissenschaftliche Leitung dieses 
Unternehmens übertragen worden war. Die Mehrzahl der in der gegen- 
wärtigen Schrift mitgetheilten Thatsachen wurde bei der Ausführung der 
Special - Aufnahmen zur Feststellung der Grenzen der einzelnen For- 
mationen und Formations-Glieder gewonnen. 

An diesen Arbeiten gebührt dem Königl. Bergrath Herrn 0. Degen- 


IV 


har dt ein wichtiger Antheil. Derselbe ist während des ganzen sechsjähri- 
gen Zeitraums 1862 — 1868 bis zu seiner Versetzung in die westlichen Pro- 
vinzen ausschliesslich mit den Special- Aufnahmen beschäftigt gewesen 
und namentlich wurde durch ihn der östlich von der Oder liegende 
grössere Theil des Karten -Gebietes aufgenommen. Seiner umsichtigen 
und aufopfernden Thätigkeit ist es vorzugsweise zu danken, dass die 
ganze Karte in einem verhältnissmässig so kurzen Zeiträume vollendet 
werden konnte. 

Die Special-Aufnahmen des westlich von der Oder liegenden Theiles 
des Kartengebietes sind vorzugsweise durch den Königlichen Bergeleven 
Herrn Anton Halfar bewirkt. Die gewissenhafte Sorgfalt, mit welcher 
Herr Halfar sich diesen Arbeiten gewidmet hat wird überall, wo die auf 
der Karte angegebenen Grenzen der einzelnen Ablagerungen einer nähren 
Prüfung unterworfen werden, sich bewähren. Sie führte auch zu der Ent- 
deckung von verschiedenen bisher unbekannten Fundorten von Verstei- 
nerungen, durch welche die sichere Altersbestimmung von mehreren in 
ihrer Stellung bisher zweifelhaften Ablagerungen möglich wurde und 
namentlich das Verständniss von dem geognostischen Bau des ausgedehn- 
ten zwischen der Oppa und dem krjstallinischen ürgebirge des Altvaters 
sich verbreitenden Grauwacken -Gebietes eine wesentliche Erweiterung 
erfuhr. 

Herr Dr. H. Eck hat die geognostische Aufnahme des ausgedehnten 
Muschelkalk-Gebietes zwischen Tarnowitz und Krappitz an der Oder aus- 
geführt. Die dabei angenommene Eintheilung des Muschelkalks in ver- 
schiedene Glieder wurde von ihm in einer werthvollen besonderen Schrift 
näher begründet, welche auch die Grundlage für die in dem gegenwärti- 
gen Werke gegebene Darstellung des betreffenden Gebietes gewährte. 


V 


Die Aufnalime der jurassischen Ablagerungen zwischen Olkusz und Czen- 
stochau ist vorzugsweise das Verdienst des Königlichen .Bergreferendars 
Herrn A. Dondorff. Dasselbe erscheint um so grösser, als für dieses 
Gebiet fast jede Vorarbeit fehlte und die ünwirthlichkeit des Landes der 
Aufnahme auch äussere Schwierigkeiten entgegenstellte. Endlich ist auch 
der Königliche Bergreferendar Herr J. Janik an den Aufnahmearbeiten 
betheiligt gewesen, indem er die Special -Aufnahme der einzelnen Partien 
von Keuper-Gesteinen in den Flussgebieten der Malapane und des Stober- 
Baches, sowie diejenige der braunkohlenführenden Tertiär- Bildung in dem 
Gebiete zwischen Oppeln und Bernstadt ausführte. 

Das Königliche Ober-Bergamt in Breslau hat sowohl die äusseren 
geschäftlichen Angelegenheiten des Unternehmens vertreten, als auch für 
die Untersuchungen selbst jede wünschenswerthe Unterstützung gewährt. 
Im Besonderen ist der Königliche Oberbergrath Herr Dr. W. Runge wäh- 
rend der ganzen Dauer der Aufnahmen für das Unternehmen thätig gewe- 
sen. Durch die ausführliche, das Vorkommen und die Gewinnung der 
nutzbaren Fossilien Oberschlesiens betreffende Abhandlung, welche von 
ihm dieser Schrift als Anhang beigegeben wurde, hat dieselbe eine wich- 
tige und sehr erwünschte Ergänzung erhalten. 

Durch das Königliche Ministerium für Handel, Gewerbe und 
öffentliche Arbeiten wurden bereitwillig die Mittel gewährt, welche für die 
Ausführung der Aufnahmen , für die Herstellung der Karte und für den 
Druck der vorliegenden Schrift erforderlich waren. 

So ist es möglich geworden, in dem verhältnissmässig kurzen Zeiträume 
von acht Jahren das ganze Unternehmen durch Vollendung der ein 600 
Quadratmeilen grosses Gebiet begreifenden Karte und dieser zunächst als 
Erläuterung der Karte bestimmten Schrift zu Ende zu führen. 


VI 


Mögen immerhin beiden vielfache Mängel und Unvollkommenheiten 
noch anhaften, so wird doch, wie der Verfasser hoffen zu dürfen glaubt, 
bei einer näheren Prüfung nirgends die sorgfältige und gewissenhafte 
Arbeit vermisst und bei einer Vergleichung mit dem bisher Vorhandenen 
ein wesentlicher Fortschritt in der geologischen Kenntniss Oberschlesiens 
erkannt werden. 

Breslau, den 15. Juli 1870. 


Ferd. Roemer. 


Inhaltsverzeicliniss. 


Seite. 


Vorwort III 

Einleitendes. 

Begrenzung des Karten-Gebietes XV 

Orographische Skizze desselben XVI 

Literatur XXI 

Uebersicht über die Geschichte der geologischen Kenntniss von Oberschlesien . XXII 

Specieller Theil. 

TJrgebirge. 

1. Gneiss 1 

2. Glimmerschiefer 3 

3. Granit 4 


Versteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 

I. Palaeozoische Formation. 

1. Devonische Schichten. 

A. Devonische Schichten am Ostabhange des krystallinischen Altvatergebirges. 
1) Würbenthaler Quarzite und Thonschiefer. 


a) Geschichtliches 5 

b) Petrographisches Verhalten 7 

c) Lagerungsverhältnisse 8 

d) Verbreitung 9 

e) Orographisches Verhalten 9 

f) Eruptiv-Gesteine 9 

Diorit und Dioritschiefer 9 

g) Erzführung 11 

h) Besondere Mineralvorkommnisse 13 

i) Versteinerungsführung . 14 

k) Altersbestimmung 17 

2) Engelsberger Grauwacke 17 

a) Petrographisches Verhalten 17 

b) Lagerungsverhältnisse 19 

c) Verbreitung , . . • 19 

d) Organische Einschlüsse 20 

e) Altersbestimmung 21 

3) Bennischer Schichten 21 

a) Petrographisches Verhalten 21 

b) Erzvorkommen 23 


VIII 


Seite. 

c) Verbreitung 24 

d) Versteinerungen 29 

e) Altersbestimmung 31 

B. Devonische Gesteine im Westen des Polnischen Jura-Zuges 32 

1) Partieen in der Umgegend von Siewierz 32 

a) Hügel bei Dziwki 32 

b) Hügel bei Nova-Wioska 34 

c) Schwarzer Dolomit bei der Eisenbahnstation Zawierzie 35 

2) Partie von Dembnik bei Krzeszowice 36 

2. Steinkohlengebirge 39 

A. Untere Abtheilung 39 

1) Culm 39 

a) Geschichtliches 39 

b) Petrographisches Verhalten 43 

c) Stratographisches Verhalten 45 

d) Verbreitung 47 

Culm -Partien von Zyrowa und Tost 49 

e) Gliederung 51 

f) Organische Einschlüsse 52 

Verzeichniss der in den Schlesisch-Mährischen Culmschichten beob- 
achteten Versteinerungen 54 

g) Vergleichung der Oberschlesisch -Mährischen Culmbildung mit den 

Culmschichten anderer Gegenden 56 

h) Verhalten der Culmbildung zum Kohlenkalk 57 

2) Kohlenkalk 59 

B. Obere Abtheilung 61 

Productives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 

a) Literatur 61 

b) Geschichtliches 62 

c) Verbreitung 62 

d) Orographisches Verhalten 65 

e) Petrographisches Verhalten 66 

f) Bemerkenswerthe Mineralvorkommnisse 70 

g) Lagerungsverhältnisse 73 

h) Organische Einschlüsse 75 

1) Pflanzen 75 

2) Thiere 76 

Aufzählung der marinen Fossilien in dem oberschlesisch -polnischen Kohlen- 
gebirge 78 

V erhalten in England 92 

Gliederung in Yorkshire 96 

i) Gliederung 101 

k) Vergleichung des Oberschlesisch -Polnischen Steinkohlenbeckens mit 

anderen Kohlenbecken und im Besonderen mit demjenigen Nieder- 
schlesiens 102 

3. Permische oder Zechstein-Gruppe 103 

Rothliegendes 103 

a) Geschichtliches 103 

b) Beschreibung der einzelnen Gesteine; Kalkconglomerate 104 

c) Rothe und weisse Sandsteine 105 

d) Porphyr-Tuffe 106 

e) Quarzporphyr und Melaphyr 108 

aa) Melaphyr nebst Mandelstein 108 

bb) Quarzführender Feldspath-Porphyr 111 


IX 


Seite. 

f) Karniowicer Kalk 114 

Altersbestimmung der Permischen Gesteine 118 

II. Trias Formation 122 

1 ) Der bunte Sandstein 122 

a) Verbreitung 123 

b) Petrographische Zusammensetzung 123 

c) Organische Einschlüsse 123 

d) Gliederung 124 

a. Unterer bunter Sandstein 124 

b. Roth 125 

aa) petrographische Zusammensetzung 125 

bb) Verbreitung 125 

cc) Organische Einschlüsse 126 

2) Muschelkalk 129 

a) Verbreitung 129 

b) Gliederung 131 

c) Beschreibung der einzelnen Glieder des Muschelkalks 133 

I. Unterer Muschelkalk 133 

A. Aequivalente des unteren Wellenkalks 133 

a) Cavernöser Kalk 133 

b) Schichten von Chorzow 134 

B. Aequivalente des Schaumkalks 136 

a) Blauer Sohlenstein 136 

b) Schichten von Gorasdze 137 

c) Die Encriniten- und Terebratel-Schichten .... 139 

d) Die Schichten von Mikultschütz 140 

e) Der Himmelwitzer Dolomit 142 

II. Mittlerer Muschelkalk 144 

III. Oberer Muschelkalk oder Rybnaer Kalk 145 

Vergleichung des Oberschlesisch-Polnischen Muschelkalks mit dem typischen 
Muschelkalke im westlichen Deutschland 147 

3) Keuper 148 

a) Literatur 148 

b) Geschichte 148 

c) Allgemeines petrographisches und stratographisches Verhalten . . . 150 

d) Verbreitung 150 

e) Orographisches Verhalten 151 

f) Gliederung 152 

l) Die Lettenkohlengruppe 153 

a) Geschichtliches 153 

b) Petrographisches Verhalten 153 

c) Lagerungsverhältnisse 153 

d) Organische Einschlüsse 153 

e) Verbreitung 154 

2) Eigentlicher oder mittlerer Keuper 156 

1. Braunrothe und bunte Thone 156 

a) Petrographisches Verhalten 156 

b) Verbreitung ' 157 

c) Einlagerungen von Kalksteinen, Breccien, Sandsteinen, 

Kohlen und Brauneisensteinen in den Keuper-Thonen . 160 

aa) Woischniker Kalk 160 

1. Petrographisches Verhalten 160 

2. Lagerungsverhältnisse 161 

3. Organische Einschlüsse , 162 

• b 


X 


Seite. 

4. Verbreitung ^ . 162 

bb) Lissauer Breccien 163 

1. Petrographisches Verhalten 163 

2. Lagerungsverhältnisse 165 

3. Organische Einschlüsse 165 

4. Verbreitung 165 

cc) Blanowicer Kohlen (Pusch’s Moorkohlen) . . . 167 

1. Geschichtliches 167 

2. Petrographisches Verhalten 168 

3. Verbreitung 169 

dd) Porembaer Brauneisensteine 170 

3) Oberer Keuper oder Rhätische Schichten 171 

a) Wilmsdorfer Schichten mit pflanzenführenden Sphaerosideriten 171 

aa) Geschichtliches 171 

bb) Petrographisches Verhalten 171 

cc) Gliederung 172 

dd) Lagerungsverhältnisse 173 

ee) Verbreitung 173 

ff) Organische Einschlüsse 174 

b) Hellewalder Estherien-Schichten 174 

Organische Einschlüsse 176 

A. Pflanzen 177 

a) Pflanzen der Thoneisensteine der Wilmsdorfer Schichten 177 

aa) Geschichtliches 177 

bb) Aufzählung der Arten 178 

Pflanzen aus den Sphärosideriten von Wilmsdorf, 

Goslau und Ludwigsdorf 178 

Pflanzen aus den Kalkschichten bei Ellguth 

unweit Woischnik . 182 

B. Thiere 183 

g) Vergleichung des oberschlesisch-polnischen Keupers mit dem typischen 

Keuper im mittleren Deutschland 186 

III. Jura Formation 189 

1) Literatur 189 

2) Geschichtliches . 190 

3) Verbreitung und orographisches Verhalten 191 

4) Stratographisches Verhalten 194 

5) Gliederung 194 

6) Beschreibung der einzelnen Glieder 196 

a) Schichten des Inoceramus polyplocus und andere Ablagerungen von wesentlich 

gleichem Alter 196 

aa) Eisenschüssiger brauner Sandstein mit Inoceramus polyplocus und Pecten 

pumilus bei Helenenthal unweit Woischnik 196 

bb) Kostczelitzer Sandstein d. i. eisenschüssiger brauner Sandstein mit un- 
deutlichen Zweischalern, Einlagerungen in losem gelbem Sande bildend . 200 

1) Geschichtliches 200 

2) Petrographisches Verhalten 201 

3) Lagerungsverhältnisse 202 

4) Verbreitung 202 

5) Organische Einschlüsse 204 

6) Altersbestimmung 204 

cc) Grauer Sandmergel und lockere Schiefer von Lysiec und Siedlec .... 205 

dd) Schichtenfolge des feuerfesten Thons von Mirow . . 206 


XI 


Seite. 

b) Schichten des Ammonites Parkinsoni 208 

aa) Petrographische Zusammensetzung 208 

bb) Lagerungsverhältnisse 209 

cc) Verbreitung 209 

dd) Gliederung . 209 

11) Untere Abtheilung mit der grossen Form des Ammonites Parkinsoni 210 

a) Verbreitung 210 

b) Organische Einschlüsse 211 

Versteinerungen der thonigen Sphaerosiderite von Bodza- 

nowitz, Wichrow und Sternalitz bei Landsberg .... 212 

12) Schichten mit der kleinen Form des Ammonites Parkinsoni . . . 221 

a) Verbreitung 221 

b) Organische Einschlüsse 222 

1) Versteinerungen der Eisensteinförderungen östlich von Blanowice 

unweit Kromolow 223 

2) Versteinerungen von Poremba-Mrzyglodzka zwischen Siewierz und 

Kromolow 226 

3) Versteinerungen von Grodzisko südlich von Klobucko 229 

4) Versteinerungen von Gnaszyn westlich von Czenstochau .... 229 

5) Versteinerungen von Hutka bei Panki 229 

c) Schiehten des Ammonites macrocephalus 230 

a) Petrographisches Verhalten 230 

b) Verbreitung 230 

e) Organisehe Einschlüsse . 234 

Verzeichniss der in den Schichten mit Ammonites macrocepha- 
lus zwischen Bahn und Wielun beobachteten Arten .... 235 

d) Schichten mit Ammonites cordatus 240 

1) Petrographisches Verhalten 240 

2) Verbreitung 240 

3) Gliederung 241 

1. Schichten mit der kleinen Form des Ammonites cordatus (Zone des Ammo- 

nites Arduennensis) 241 

Verzeichniss der in den weissen Kalkmergeln am westlichen Abhange des 

Klarenbergs beobachteten Versteinerungen 242 

2. Schichten mit der grossen Form des Ammonites cordatus 250 

Verzeichniss der in den weissen Kalkschichten mit der grossen Form 
des Am. cordatus vorkommenden V'ersteinerungen ....... 250 

e) Schichten der Rhynchonella lacunosa. (Unterer Felsenkalk.) 257 

f) Schichten der Rhynchonella trilobata. (Oberer Felsenkalk.) 259 

g) Schichten der Rhynchonella Astieriana 261 

Aufzählung der in den Schichten mit Rhynchonella Astieriana beobachteten Ver- 
steinerungen 263 

h) Nerineenkalk von Inwald •. . . 271 

i) Schichten mit Exogyra virgula. (Kimmeridge Bildung.) 273 

7) Vergleichung des polnisch oberschlesischen Jura mit der Entwickelung der Jura- 

Formation in anderen Gegenden 274 

IV. Kreide-Formation. . 277 

A. Kreide-Bildungen der Nord-Karpathen oder Beskiden 277 

I. Neocom 278 

1) Untere Teschener Schiefer 279 

2) Teschener Kalkstein 279 

3) Obere Teschener Schiefer und Grodisehter Sandstein 280 

. 4) Wernsdorfer Schichten 281 

II. Gault , 238 

b* 


XII 


Seite. 

III, Obere Kreide d. i. Kreide über dem Gault 285 

Friedecker ßaculiten-Mergel und Baschka-Sandstein 285 

Verbreitung der einzelnen Glieder der Kreide-Formation in denNord-Karpathen . . . 285 

B. Kreide-Bildungen der Gegend von Oppeln und Leobschütz 287 

a. Kreidebildungen der Umgebung von Oppeln 287 

aa) Cenomane sandige Kreide-Schichten im Liegenden des turonen Kreidemergels 

von Oppeln 288 

1) Geschichtliches 288 

2) Verbreitung 288 

3) Lagerungsverhältnisse 289 

4) Gliederung 289 

5} Organische Einschlüsse 290 

Versteinerungen der sandigen Cenoman -Bildung von Groschow^itz 

bei Oppeln • 290 

6) Altersbestimmung und Vergleichung mit anderen cenomanen Kreidebil- 
dungen Oberschlesiens 294 

bb) Turoner Kreidemergel von Oppeln 294 

1) Geschichtliches 294 

2) Petrographisches und stratographisches Verhalten 295 

3) Verbreitung 296 

4) Organische Einschlüsse 299 

5) Altersbestimmung und Gliederung 324 

cc) Senoner lockerer Sandstein bei Dambrau 327 

b. Kreide-Bildungen der Umgebungen von Leobschütz 328 

1) Geschichtliches 328 

2) Beschreibung 329 

aa) Weisse Sande und Sandstein mit Exogyra columba 329 

1) Petrographisches und stratographisches Verhalten ....... 329 

2) Verbreitung 329 

3) Organische Einschlüsse 332 

4) Altersbestimmung und Vergleichung mit gleichstehenden Ablagerungen 

anderer Gegenden 336 

bb) Graue sandige Kalkmergel mit Ammonites Rhotomagensis 337 

1) Petrographisches Verhalten 337 

2) Stratographisches Verhalten 337 

3) Verbreitung 337 

4) Organische Einschlüsse .... 339 

11) Versteinerungen des sandigen grauen Mergels in dem am westlichen 

Ausgange von Bladen gelegenen Steinbruche 339 

2®) Aufzählung der Versteinerungen aus dem Kalkmergel der Mergel- 
grube am Wehr der Rothen Mühle bei Bladen 340 

3^) Aufzählung der Versteinerungen aus dem Kreidemergel von Hohn- 
dorf 343 

5) Altersbestimmung und Vergleichung mit gleichstehenden Ablagerungen 

benachbarter Gegenden 344 

Gegenseitige Beziehungen der einzelnen Kreide - Bildungen in der Gegend von 
Oppeln und Leobschütz 345 

C. Kreidebildungen auf der Ostseite des polnischen Jurazuges 346 

1) Literatur 346 

2) Geschichtliches 346 

3) Petrographisches Verhalten 347 

4) Verbreitung 347 

5) Gliederung 348 

6) Beschreibung der beiden Glieder . . ............ . 348 


XIII 

Seite. 

a) Untere aus losen zum Theil glaukonitischen Sanden und Sand- 
steinen bestehende Schichtenfolge 348 

1) Petrographisches Verhalten 348 

2) Verbreitung 349 

3) Organische Einschlüsse . . * 351 

4) Altersbestimmung 353 

b) Weisse Kalkmergel mit Belemnitella mucronata 354 

1) Petrographisches und stratographisches Verhalten . . 354 

2) Organische Einschlüsse 354 

3) Altersbestimmung 357 

V. Tertiär-Formation 358 

A. Nummuliten führende Eocän-Gesteine in den Nord-Karpathen 358 

1) Petrographisches Verhalten 358 

2) Stratographisches Verhalten 359 

3) Verbreitung 359 

4) Gliederung • 360 

a) Nummuliten führende untere Abtheilung ,361 

b) Menilit-führende obere Abtheilung ' . . . 362 

5) Eruptiv-Gesteine vom Alter der eocänen Schichten (Teschenit) .... 363 

a) Geschichtliches und Literatur 363 

b) Mineralogische Zusammensetzung 363 

b) Verbreitung 365 

d) Alter des Teschenits 366 

B. Miocäne Tertiärablagerungen - 367 

1) Geschichtliches 367 

2) Verbreitung 369 

3) Mächtigkeit und stratographisches Verhalten 371 

4) Gliederung 371 

a) Untere Abtheilung (mariner Tegel nebst Leitha- Kalk) .... 372 

1) Petrographisches Verhalten 372 

2) Verbreitung und Entwickelung im Einzelnen ..... 373 

a. Verbreitung auf der rechten Seite der Oder .... 373 

Verzeichniss von Versteinerungen aus den glaukoniti- 
schen tertiären Mergeln des Hauptschlüsselstollens 

bei Zabrze 375 

Verzeichniss von Versteinerungen aus dem Versuchs- 
schachte No. 7 der Gottessegen - Galmeigrube bei 
Biskupitz 380 

b. Verbreitung auf der linken Seite der Oder 389 

Verzeichniss der in dem tertiären Kalke (Leitha- Kalke) 

von Hohndorf bei Leobschütz vorkommenden orga- 
nischen Einschlüsse 394 

Verzeichniss der fossilen Organismen der marinen mio- 

cänen Tertiär-Bildungen in Oberschlesien .... 401 

3) Altersbestimmung und Vergleichung mit gleichstehenden 

Ablagerungen anderer Gegenden 404 

4) Bemerkenswerthe Mineral-Vorkommen 404 

b) Obere Abtheilung (weisse Sande und Thone mit Thoneisenstei- 
nen bei Kieferstädtel und Stanitz) 407 

1) Geschichtliches 407 

2) Petrographisches Verhalten 407 

3) Verbreitung 408 

4) Organische Einschlüsse 408 


XIV 


Seite. 

Vergleichung der oberschlesischen miocänen Tertiärbildungen überhaupt 

mit denjenigen des Wiener Beckens 409 

C. Oligocäne braunkohlenführende Tertiär-Bildung 410 

1) Geschichtliches 411 

2) Petrographisches Verhalten 411 

3) Verbreitung 413 

4) Basalte 419 

Aufzählung der im Gebiete der Karte bekannten Basalt-Punkte. . . 420 

I. In den in das Gebiet der Karte fallenden Theilen von Oesterreichisch- Schle- 
sien und Mähren 420 

II. In Preussisch-Oberschlesien 423 

A. Auf der linken Oder-Seite 423 

B. Auf der rechten Oder-Seite 425 

VI. Diluvium 428 

VII. Alluvium 436 

Beilage. 

Mikroskopische Untersuchung des rothen Porphyrs von Mienkina und des schwarzen Eruptiv- 
Gesteins (Olivin-Gabbro) aus dem Thiergarten bei Krzeszowice bei Krakau durch Herrn 
Dr. M. Websky 437 

Anhang. 

Ueber das Vorkommen und die Gewinnung der nutzbaren Fossilien Oberschlesiens von Herrn 
Ober-Bergrath Dr. Runge 441 





Netz 


der neognoslisehen Karte von OB E R ' S C H L E S I E N. 



Jtaassstah der Karle i: 100,000. dieser Uebersiclit - 1 : 1,600,000. 


Stich und Druck M. . Spiegel, Art. Jnst. Breslau. 


Einleitung*. 


1. Begrenzung des Gebietes. 

Das Preussische Oberschlesien ist kein natürlich begrenztes Gebiet. 
Man muss gewisse Theile von Oesterreichisch Schlesien, Galizien und 
Russisch Polen hinzunehmen, um ein orographisch und geognostisch natur- 
gemäss abgeschlossenes Ganzes zu erhalten. Das ist denn auch bei der 
Grenzbestimmung der geologischen Karte von Oberschlesien geschehen. 
Für dieselbe sind im Allgemeinen im Westen das Altvater- Gebirge, im 
Süden die Nord-Karpathen oder Beskiden, im Osten der jurassische Höhen- 
zug zwischen Krakau und Wielun in Polen als Grenzen gewählt wor- 
den. Gegen Norden ist keine natürliche Grenze für Oberschlesien gegeben. 
Hier schliesst es sich ohne merkbare Scheide an die Ebenen Nieder-Schle- 
siens, der Provinz Posen und Russisch Polens an^). In solcher Begren- 
zung erstreckt sich das Kartengebiet zwischen 51^ 22^' und 49^ 39|-' 
Nördlicher Breite und zwischen 35^ bis 37^ 2V Oestl. Länge und begreift 
einen Flächenraum von 633 Quadratmeilen^). Eine Erweiterung 


1) In der natürlichen für die Karte von Oberschlesien gewählten Begrenzung begreift das Kar- 
tengebiet 

1) das ganze sogenannte Preussische Oberschlesien d. i. den Regierungsbezirk Oppeln; 

2) Theile des Regierungsbezirks Breslau, namentlich der Kreise Brieg, Namslau, Oels, Polnisch- 
Wartenberg; 

3) einen Theil des zur Provinz Posen gehörigen Kreises Schildberg ; 

4) den grössten Theil von Oesterreichisch-Schlesien; 

5) Theile der Markgrafschaft Mähren, namentlich der Umgebungen von Mährisch- Ostrau, Freu- 
denthal, Bärn u. s. w. 

6) den westlich von Krzeszowice und Alwernia liegenden Theil des jetzt zu Galizien gehörenden 
ehemaligen Grossherzogthums Krakau ; 

7) den grössten Theil des zu Galizien gehörenden Kreises Wadowice; 

8) Theile von Russisch-Polen, namentlich der Kreise Bendzin, Czenstochau und Wielun. 

2) Das nebenstehende -Netz lässt die Ausdehnung des Kartengebietes, sowie die Begrenzung 
der einzelnen Sektionen mit einem Blicke übersehen. 


XVI 


des Kartengebietes über die politischen Grenzen von Oberschlesien hinaus 
war nothwendig, weil nur so die auf Preussischem Gebiete vorhandenen 
geognostischen Bildungen in ihrer ganzen Ausdehnung und Entwickelung 
übersehen und richtig verstanden werden können. So ist z. B. das Ober- 
schlesische Steinkohlenbecken nur in Verbindung mit den Partien des 
Steinkohlengebirges in der Umgebung des von Krzeszowice imKrakau’- 
schenj derenLiegendes der Kohlenkalk bildet, richtig aufzufassen und ebenso 
wird für die Entwickelung der Trias-Formation in dem Preussischen Ober- 
schlesien erst durch die Hinzunahme der betreffenden Ablagerungen in 
den benachbarten Theilen von Russisch -Polen und Galizien das wahre 
Verständniss gewonnen. Gegen Westen schliesst sich das Kartengebiet an 
dasjenige der früher in dem gleichen Maassstabe auf Staatskosten 
erschienenen Karte von Niederschlesien ‘) an. 

2. Orographische Skizze^). 

Das Preussische Oberschlesien oder das Land auf beiden Seiten des 
oberen Oder-Laufes ist ein Gebiet von einförmigem und wenig bemerkens- 

1) Geologische Karte von dem Niederschlesischen Gebirge und den angrenzenden Gebieten, im 
Aufträge des Königl. Preuss. Handelsministers Herren von der Heydt bearbeitet von E. Beyrich, 
G. Rose, J. Roth und W. Runge in 9 Blättern. Berlin, Verlag der S chropp’schen Landkarten- 
Handlung. 

2) Auf den verschiedenen Sectionen der Karte sind über 800 Höhenpunkte eingetragen. Die- 
selben sind, als von mehreren Autoren herrührend und theils auf barometrischer theils auf trigono- 
metrischer Messung beruhend, augenscheinlich von sehr verschiedenem Werthe. Da die 
Messungen ursprünglich in verschiedenem Maasse angegeben sind, so wurden zur Gewinnung einer 
gewissen Einheit alle Höhenangaben auf das gemeinsame Maass des Rheinländischen oder Preussi- 
schen Fusses reducirt. Die Messungen auf Preussischem Gebiet beziehen sich auf den mittleren 
Wasserstand des Ostseespiegels bei Swinemünde als Nullpunkt. Für die Oesterreichischen Höhen 
angaben musste dagegen der Spiegel des Adriatischen Meeres zwischen Fiume und Aquileja als 
Nullpunkt beibehalten werden, da sich das Verhalten des Niveau’s beider Meere bisher noch nicht 
mit Sicherheit hat feststellen lassen. Die für die auf der Karte angegebenen Höhenpunkte benutzten 
Quellen sind: 

a. R.’ von Garn all: Die vorzüglichsten Höhenpunkte Oberschlesiens gegen den Oderspiegel 
beim Einflüsse der Neisse und über der Meeresfläche durch barometrische Beobachtungen bestimmt. 
Karsten’s Archiv für Bergbau und Hüttenwesen. Bd. 18. S. 283 ff. Berlin 1829. 

b. F. Prudlo: Die vorhandenen Höhenmessungen in Schlesien beider Antheile, der Grafschaft 
Glatz, der Preuss. Lausitz und der Angrenzungen, vorzüglich in den gebirgigen Theilen. Breslau, 
Grass & Barth 1837. 

Aus dieser Schrift sind auch die Höhenangaben aller früheren Preussischen Autoren entlehnt. 
Nur bei den Höhenmessungen R. v. CarnalTs wurden die Original- Angaben mit blosser Reduction 
auf das Preussische Maass benutzt und demgemäss in so weit sie wegen der Erhöhung aller auf der 


XVII 


werthen orographisohem Verhalten. Es ist eine flach wellenförmige Hoch- 
fläche von einer durchschnittlichen Erhebung über den Meeresspiegel von 
600 bis 900 Fuss und einzelnen bis über 1200 Fuss ansteigenden Erhebun- 
gen und Höhenzügen. Auf der rechten Seite der Oder sind es besonders 
einzelne Rücken des Steinkohlengebirges, wie namentlich diejenigen in der 
Umgebung von Nikolai, und Theile des von Tarnowitz bis zur Oder in 
ost-westlicher Richtung streichenden Muschelkalk -Rückens, welche über 
die mittlere Erhebung der Hochfläche ansteigen. In der dem Muschelkalk- 
Rücken aufgesetzten Basaltkuppe des Annaberges bei Le schnitz erreicht 
mit 1232 Fuss das Land auf der rechten Seite der Oder überhaupt die 
grösste Seehöhe. Nordwärts des Muschelkalk-Rückens fällt das Land dann 
stärker gegen Nordwesten ab^), offenbar zum Theil deshalb weil hier der Boden 
durch leichter zerstörbare Gesteine gebildet wird. Nur einzelne Anhöhen erhe- 
ben sich über dieses niedrige Flachland. Unter denselben ist der Woisch- 
nik-Lublinitzer Höhenzug der bemerkenswertheste. In der Gegend 
zwischen Kromolow, Mrzyglod und Siewierz in Polen beginnend 
tritt derselbe bei Woischnik auf Preussisches Gebiet und zieht sich dann 
über Lubschau und Koschentin zusammenhängend bis Lublinitz und 
in einzelnen Ausläufern bis in die Nähe von Guttentag in einer Erhebung 
von 900' bis 1150' fort^). Aus den flachen sandigen Niederungen, welche 


Berechnung des Tarnowitzer Marktplatzes basirenden Messungen um 10 Par. Fuss aus Prudlo’s 
Werke zu entnehmen waren, um 64 Par. Fuss verringert. 

c. Neumann: Zeitschrift für allgemeine Erdkunde No. 81. März 1860. 

Aus dieser Schrift sind die corrigirten und auf die Ostsee reducirten Nivellements-Angaben der 
Oberschlesischen, der Neisse-Brieger, der Cosel -Oderberger und der Oppeln -Tarnowitzer Eisen- 
bahn entnommen. 

d. Acta generalia, betreffend die Höhenmessungen im Schlesischen Hauptbergdistrikte Vol. 11 
(Registratur des Königl. Oberbergamts in Breslau). 

Dieses Aktenstück enthält namentlich die Seehöhen der Bahnhöfe der Zweigbahn von Nicolai 
nach Leobschütz. 

e. Pusch: Geognostische Beschreibung von Polen, so wie der übrigen Nordkarpathen-Länder. 
Stuttgart und Tübingen 1833. Th. I S. 25—27. 

f. Koristka: Hypsometrie von Mähren und Oesterreich-Schlesien mit einer Höhenschichten- 
Karte. Brünn 1863. In Commission bei Hölzel in Olmütz. 

g. Karte von Galizien. Verlag und Eigenthum von x\rtaria & Co. Depot des k. k. militär- 
geographischen Instituts in Wien. 

1) Der Abschnitt der Oppeln -Tarnowitzer Eisenbahn zwischen Oppeln und Kolonowska liegt 
zwischen 500 bis 639', der Eisenbahnhof von Constadt an der Rechten- Oderufer -Eisenbahn liegt 
533,60', derjenige von Namslau 487,66', derjenige von Bernstadt 478,06' hoch. 

2) Der Zogelberg bei Woischnik 1148', der Grojetzberg W. von Lubschau 1161', der Kapellen- 
berg N. O. von Koschentin 1025', der Lubetzkoberg N. W. von Lublinitz 952'. 


XVIII 


sich längs des südwestlichen Fusses dieses Höhenzuges verbreiten, erscheint 
derselbe bei dem ziemlich plötzlichen Ansteigen aus der Ebene viel bedeu- 
tender, als von Nordosten her gesehen, wo er sich ganz allmählich in das 
angrenzende Land verflacht. 

Auf der linken Oder- Seite steigt die Hochfläche gegen Westen und 
Süden d. i. gegen das Bergland des Altvater -Gebirges oder Gesenkes aus 
der Oder -Ebene allmählich an. Nur ein ganz kleiner Theil Preussischen 
Gebietes südlich von Neustadt und Ziegen hals gehört hier schon dem 
Berglande selbst an. In dem durch die Thäler der Öppa, der Hotzenplotz 
und der Oder oder durch die Lage der Städte Hultschin, Troppau, 
Jägerndorf, Leobschütz, Ober-Glogau, Krappitz, Cosel, Rati- 
bor und Oderberg begrenzten Gebiete erreichen selbst die höchsten 
Punkte’) nicht 1000 Fuss Meereshöhe, üeberall sind die Höhen flach 
gerundete Kuppen und die Gehänge der Thäler mässig geneigte Flächen 
ohne felsige Abstürze. 

Orographische Verhältnisse von entschiedenerem Charakter und grös- 
serer Marmichfaltigkeit treten erst an der östlichen, südlichen und west- 
lichen Grenze des Kartengebietes jenseits der Grenzen des preussischen 
Oberschlesiens auf. Im Osten bildet der aus jurassischen Gesteinen zusam- 
mengesetzte Höhenzug, welcher, bei Krakau entspringend, über Olkusz, 
Pilica bis Czenstochau in nördlicher Richtung sich erstreckt, trotz der 
nicht sehr bedeutenden Höhe eine ausgezeichnete orographische Erschei- 
nung. Von Westen her aus der Gegend von Slawkow oder SiewTerz 
gesehen, erscheint er wie ein plötzlich aufsteigender, mit vielen zinnenartig 
vorragenden Felsspitzen gekrönter zusammenhängender Rücken. Tritt 
man dagegen in den Höhenzug selbst ein, so sieht man, dass es eine 2 bis 
3 Meilen breite, durchschnittlich gegen 400 bis 500 Fuss über das angren- 
zende Gebiet aufsteigende Erhebung ist, welche durch zahlreiche, mit 
Diluvial- Sand erfüllte Querthäler in viele kleine Berggruppen zerschnitten 
ist. Einige dieser letzteren erheben sich zu mehr als 1500 Fuss^). 

Gegen Süden wird das Kartengebiet in ausgezeichneter Weise durch die 
Nord-Karpathen oder B eskiden begrenzt. Dieselben bestehen aus einer 
Hauptkette von steil aufragenden mächtigen Bergrücken von zum Theil 


1) Der Berg mit den Liptiner Linden S. S. W. Kätscher 993', der Leisnitzer Berg S. Leisnitz 
unweit Leobschütz 875', der Strassenauer Berg W. Autischkau 937', der Matzkircher Berg unweit 
Bauerwitz 922'. 

2 ) Nach einer auf preussische Fuss reducirten Angabe der Reimann’schen Karte beträgt die See- 
höhe der Felsen am Podzamczer Felsen-Schlosse unweit Pilica 1525 Fuss. 


XIX 


mehr als 4000 Fuss Höhe und einem nordwärts davor liegenden Hügel- 
laiide von durchschnittlich nur 1000 Fuss Meereshöhe. Die Städte Frie- 
deck, Teschen, Skotschau, Bielitz, Biala, Kenty und Wado- 
wice liegen in dem Bereiche dieses Hügellandes. In dem Grodischtberge 
nordwestlich vonT eschen erreicht das Hügelland eineHöhe von 1341 Fuss 
und in demTul südöstlich von Teschen erbebtes sich sogar bis zu 1900 Fuss. 

Die Grenze zwischen dem Hügellande und der Hauptkette ist nirgends 
zweifelhaft. Plötzlich und ohne Vermittelung erheben sich die steilen, 
bewaldeten Sandsteinrücken der letzteren an der südlichen Grenze des Hügel- 
landes. Der Godula-Berg südwestlich von Teschen hat eine Höhe von 
23 7 r Fuss, die Grosse Czantory südlich von Skotschau eine Höhe von 
3153 und der Skr'zy czni-Berg östlich von Saybusch eine von 3974 Fuss. 
Die über 4000 Fuss hohe Lissa Hora südlich von Friedeck fällt schon 
nicht mehr in den Bereich unserer Karte. 

Gegen Südwesten endlich bildet das Mäh rische Gesenke oder Altva- 
ter-Gebirge die Begrenzung des Kartengebietes. Von dem aus krystalli- 
nischen ürgebirgs- Schiefern bestehenden eigentlichen Altvatergebirge, 
welches bei einer mittlern Erhebung von 3000', in einzelnen Kuppen über 
4000' und in dem Altvater selbst bis 4500' ansteigt, fällt nur eine ganz 
schmale Zone an dem westlichsten Saume der Sektion Leobschütz in das 
Kartengebiet. Dagegen gehört das unter der Benennung des Niederen 
Gesenkes bekannte Bergland, welches sich gegen Südosten an das eigent- 
liche Altvater-Gebirge anschliesst, zum grossen Theile unserem Kartenge- 
biete an. Es ist ein ausgedehntes von Osten nach Westen allmählich 
ansteigendes 1000' bis 3000' hohes Grauwacken-Gebiet, welches von den 
zum Theil engen und tief eingeschnittenen Thälern der Oppa- und Oder- 
Zuflüsse durchfurcht wird. Auf die breiten Rücken des Grauwacken- und 
Thonschiefer-Gebirges sind zwischen Freu d ent hal und Hof in Mähren 
dann noch die das Land weithin beherrschenden kegelförmigen Basalt- 
Berge, wie namentlich der Köhlerberg und der 2476' hohe Rauden- 
berg aufgesetzt. 

Von den Nord -Karpathen oder Beskiden bleibt das den südlichsten 
Abschnitt der Sudeten bildende Gesenke durch eine eigen thüm liehe zwi- 
schen Mährisch-Ostrau und Prerau sich erstreckende mit tertiären 
Thonen erfüllte Thalniederung scharf getrennt. In dieser die Verbindung 
zwischen Schlesien und Mähren bildenden und in ihrem mittleren Abschnitte, 
wo die Oder in dieselbe eintritt, deshalb als Mährische Pforte bezeichneten 
Niederung liegt nördlich von Weisskirchen in der unbedeutenden Meeres- 
höhe von 932 Preuss. Fuss die Wasserscheide zwischen zwei der bedeu- 


XX 


tendsten Stromgebiete Europas, demjenigen der Oder und der Donau. 
Nur der nördlichste Abschnitt dieser Niederung in der Umgebung von 
Mährisch- Ostrau fällt übrigens noch in das Kartengebiet. 

In hydrographischer Beziehung vertheilt sich das Gebiet der Karte 
in die Flussgebiete der Oder, der Weichsel und der March. Der bei Wei- 
ten grössere Theil fällt in das Flussgebiet der Oder. In der That lässt sich 
das Preussische Oberschlesien vorzugsweise als das Flussgebiet des oberen 
Oder-Laufes bezeichnen. Die in 2000 F. Meereshöhe gelegenen Quellen der 
Oder liegen zwar nicht mehr in dem Bereiche der Karte, aber doch dem 
südlichen Rande derselben ganz nahe. Das Gefälle des Flusses beträgt 
in dem ganzen 40 Meilen langen Laufe von den Quellen bis zum Austritte 
aus dem Gebiete derKarte oberhalb OhlauQ gegen IGOOFuss. Aberfreilich 
ist das Gefälle in den verschiedenen Abschnitten des Laufes ein sehr 
abweichendes, denn während es in dem 15 Meilen langen Abschnitte von 
den Quellen bis Oderberg 1406 Fuss beträgt, ist es in dem gegen 30 Mei- 
len langen Abschnitte von Oderberg bis Ohlau nur 184 Fuss. Von bei- 
den Seiten erhält die Oder in dem Gebiete der Karte zahlreiche Zuflüsse. 
Die bedeutendsten Nebenflüsse auf der linken Seite sind die Oppa, die 
Zinna, die Hotzenplotz und die Neisse, auf der rechten Seite die Ostra- 
witza, die Olsa, die Birawka, die Klodnitz, die Malapane und der Stöber. 
Sehr bedeutend ist endlich ,auch der Theil des Kartengebietes, welcher 
durch Zuflüsse der Oder entwässert wird, die sich erst nordwärts von der 
nördlichen Grenze der Karte in die Oder ergiessen. So gehört nament- 
lich das ganze weit ausgedehnte Gebiet, welches sich im Nordosten und 
Norden des aus Keuper-Gesteinen bestehenden Woischnik-Lublinitzer 
Höhenzuges verbreitet und namentlich die Gegend von Czenstochau, 
Krzepice und Landsberg in das Flussgebiet der Warthe und ihres 
Nebenflusses der Prosna. Andererseits fällt die Gegend von Polnisch- 
Wartenberg, Namslau und Bernstadt in das Flussgebiet der Weida, 
welche sich unterhalb Breslau in die Oder ergiesst. Der in das Flussge- 
biet der Weichsel entfallende Theil des Kartengebietes ist viel unbedeu- 
tender und beträgt nur 150 Quadratmeilen. Es ist der obere Theil des 
Flusslaufes, welcher der Karte angehört. Die 3100 Fuss hoch südöstlich 
von Skotschau entspringenden Quellen liegen freilich schon jenseits der 
südlichen Grenzen der Karte. Zwischen Freistadt und Schwarzwas- 
ser im Kreise Te sehen liegt die durch die Ferdinands -Nordbahn über- 


1) Am Oberwasser des Wehres bei Ohlau ist die Meereshöhe 410,81 Rheinl. Fuss. 


XXI 


schrittene Wasserscheide zwischen Weichsel und Oder in einem ganz flach- 
welligen mit Löss bedeckten Htigellande in 750 Fuss Meereshöhe. Zahl- 
reiche Zuflüsse, von denen die Sola und die Skawa die bedeutendsten sind, 
strömen von der rechten Seite d. i. von den Nord-Karpathen oder Beskiden 
her der Weichsel zu, von der linken oder nördlichen Seite erhält sie dage- 
gen nur einen bedeutenderen Zufluss nämlich die Przemsa, die aus der 
Vereinigung von zwei Hauptarmen der weissen und schwarzen Przemsa 
bei Slupna unweit Myslowitz entsteht. Die ganze ausgedehnte Hoch- 
fläche, welche sich zwischen der Gegend vonKönigshütte undTarnowitz 
einerseits und dem Polnischen Jura-Zuge andererseits ausdehnt, wird durch 
diesen Fluss entwässert. 

Ganz unbedeutend und nur wenige Quadratmeilen gross ist endlich 
der zu dem Flussgebiete der March und damit der Donau gehörende 
Theil des Kartengebietes. Es ist die Gegend von Deutsch-Lodenitz, 
Bärn und Domstadtl in Mähren, weiche an den Zuflüssen der bei 
Olmütz in die March sich ergiessenden Bistrzitza gelegen ist. 


3. Literatur. 

Allgemeinere Schriften über die Geognosie von Oberschlesien. 

1805. Leop. von Buch: Geognostische üebersicht von Neu-Schlesien 
d. d. Berlin, 2. Februar 1805. Leop. von Buch’s Gesammelte 
Schriften, herausgegeben von J. Ewald, J. Roth und H. Eck. 
Erster Band. Berlin 1867. S. 719— 739. 

1822. Carl von Oeynhausen: Versuch einer geognostischen Beschrei- 
bung von Oberschlesien und den nächst angrenzenden Gegenden 
von Polen, Galizien und Oesterreichisch-Schlesien. Nebst einer geog- 
nostischen Karte und drei Special-Abrissen. Essen. 

1844. R. von Carnall: Geognostische Karte von Oberschlesien. Berlin, 
Verlag von Simon Schropp & Co. 

1844. R. von Carnall: Entwurf eines geognostischen Bildes von 
Oberschlesien. Bergmännisches Taschenbuch. Erster Jahrgang. 
S. 100 ff. 

1845. E. Beyrich: lieber die Entwickelung des Flötzgebirges in Schle- 
sien. Karsten’s Archiv für Bergbau und Hüttenk. Bd. 18. S. 1 — 86. 


xxir 


1857. R. von Garn all: Geognostische Karte von Oberschlesien, in zwei 
Blättern und ein Blatt mit Gebirgsdurchschnitten. Zweite Auflage. 
Simon Schropp in Berlin. 

18G0. R. von Carnall: Oberschlesiens Gebirgsschichten oder Erläute- 
rungen zu der geognostischen Karte von Oberschlesien. Jahrbuch 
des Schlesischen Vereins für Berg- und Hüttenwesen. Zweiter Band. 
Breslau 1860. S. 44— 58. 

1867. Ferd. Roemer: Erläuterungen zu den Sektionen Gleiwitz, Königs- 
hütte. Loslau und Pless der geognostischen Karte von Oberschlesien 
im Maassstabe Berlin. 


4. üehersicht über die geschichtliche Entwickelung der geognostischen 
Kenntniss von Oberschlesien. 

Den ersten freilich sehr aphoristischen Bericht über die allgemeineren 
geognostischen Verhältnisse Oberschlesiens verdanken wir Leop. v. Buch. 
Derselbe führt den Titel: Geognostische üebersicht von Keuschlesien. 
Schon im Jahre 1805 verfasst und der damaligen obersten Preussischen 
Bergbehörde übergeben ist er erst unlängst in den gesammelten Schriften 
L. V. ßuch’s gedruckt erschienen. Es ist in diesem Aufsatze eine kurze 
Beschreibung der in Neu -Schlesien d. i. in dem von 1795 bis 1807 unter 
Preussischer Herrschaft stehenden, das Fürstenthum Siewierz begreifen- 
den Theile von Polen entwickelten Sedimentär- Bildungen mit besonderer 
Beziehung auf die in denselben vorkommendeii nutzbaren Fossilien und 
unter Vergleichung des Verhaltens derselben Bildungen in dem angrenzen- 
den Oberschlesien gegeben worden. Im Besonderen werden das Steinkoh- 
lengebirge, der erzführende Muschelkalk, der Jurakalk und die kohleu- 
führenden Keuper -Schichten beschrieben. Zu dem Jurakalke werden 
schon mit Bestimmtheit die Kalkschichten des jurassischen Höhenzuges 
zwischen Krakau und Czenstochau gerechnet und die kohlenführenden 
Keuper -Schichten werden unter der Benennung „neueres Steinkohlenge- 
birge^‘ von dem älteren Steinkohlengebirge schon sicher geschieden. 

Vielfach auf L. v. Buch’s Beobachtungen sich stützend, aber zugleich 
durch umfassende eigene’ Beobachtungen vorbereitet lieferte dann im Jahre 
1822 C. von Oeynhausen in seiner Schrift: Versuch einer geognostischen 


XXIII 


Beschreibung von Obersclilesien die erste ausführlichere Darstellung der 
geognostischen Verhältnisse von Oberschlesien und den angrenzenden 
Theilen von Polen, Galizien und Oesterreichisch Schlesien. Eine unbe- 
fangene und scharfsichtige Beobachtung zeichnet diese Arbeit von Oeyn- 
hausen’s aus und lässt dieselbe noch heute als werthvoll erscheinen, 
obgleich die Ansichten über die Altersstellung der darin beschriebenen 
Sedimentär-Bildungen sich seitdem zum Theil freilich sehr wesentlich geän- 
dert haben. 

In den vierziger Jahren folgen dann die Arbeiten R. von CarnalTs, 
der in seiner vieljährigen amtlichen Thätigkeit in Oberschlesien der 
geognostischen Erforschung des Landes mit besonderem Eifer und mit 
dem glücklichsten Erfolge sich widmete. Abgesehen von verschiede- 
nen einzelne Ablagerungen betreffenden Untersuchungen, welche in dem 
Folgenden bei der Beschreibung der einzelnen Formationen näher zu 
erwähnen sein werden, gab er auch in seiner geognostischen Karte von 
Oberschlesien, von welcher 1857 eine neue wesentlich verbesserte Auflage 
erschien, eine graphische Darstellung von dem geognostischen Baue Ober- 
schlesiens überhaupt. Wenngleich nach der Grösse des Massstabes nur 
als Uebersichtskarte zu betrachten und obgleich in manchen Punkten noch 
irrig, ist diese einen so grossen Landstrich begreifende Karte doch als 
Werk eines Einzelnen höchst verdienstlich und der mit derselben für die 
geognostische Kenntniss Oberschlesiens gewonnene Fortschritt ergiebt sich 
am Besten aus einer Vergleichung mit der durch C. von Oeynhausen 
seinem Werke beigegebenen Karte. 

Im Jahre 1845 veröffentlichte E. Beyrich als das Ergebniss einer in 
den Jahren 1842 und 1843 ausgeführten Bereisung des Landes einen wich- 
tigen und inhaltreichen Aufsatz über die Entwickelung des Flötzgebirges in 
Schlesien, in welchem er namentlich mit Hülfe der Paläontologie das Alter 
und den Zusammenhang der einzelnen in Schlesien vorkommenden Sedi- 
mentär-Bildungen genauer als bisher geschehen festzustellen vermochte. 
Der zweite Abschnitt dieses Aufsatzes bezieht sich auf Oberschlesien und 
das Gebirgs-System der Karpathen. Die verschiedenen hier auftretenden 
Sedimentär-Bildungen werden beleuchtet und die Kenntniss einer jeden 
mehr oder minder wesentlich erweitert. Besonders gilt das von dem 
Muschelkalk, der Jura-Formation und den Tertiär-Bildungen. 

Seit dem Jahre 1862, in welchem die Arbeiten für die Herstellung der 
gegenwärtig vollendeten geognostischen Karte von Oberschlesien ihren 
Anfang nahmen,, habe ich selbst eine Reihe von Aufsätzen über einzelne 
der in Oberschlesien vorkommenden Formations -Glieder veröffentlicht. 


XXIV 


In einem kurzen erläuternden Berichte zu den den Oberschlesischen Berg- 
distrikt begreifenden Sektionen: Gleiwitz, Königshütte, Loslau und 
Pie SS habe ich ferner die in dem Bereiche dieser Sektionen auftretenden 
Formationen übersichtlich geschildert. Die gegenwärtige Schrift soll eine 
annähernd vollständige Darstellung der geognostischen Verhältnisse Ober- 
schlesiens und der angrenzenden Gebiete liefern, wie sie sich unter 
Benutzung der früheren Arbeiten aus den für die Herstellung der Karte 
angestellten Untersuchungen ergeben hat. 


TJrgebirge 


Das kristallinische Urgebirge besitzt in dem Kartengebiete nur eine 
sehr geringe Yerbreitung. Es erscheint lediglich in einem ganz schmalen 
Streifen an dem westlichen Rande der Sektion Leobschütz auf der 
Strecke zwischen Würbenthal, Zuckmantel und Neisse. Dieser 
Streifen bildet den nordöstlichen Saum der ausgedehnten Partie von 
älteren krjstallinischen Gesteinen in dem Gebirgsstocke des hohen Altvater- 
gebirges und seiner Umgebungen. Gneiss, Glimmerschiefer und Granit 
sind die Gesteine, welche in diesem Streifen des ürgebirges auftreten. 

1. Giieiss. 

Derselbe erscheint in dem Kartengebiete in zwei Partien von sehr ver- 
schiedenem Verhalten. Er bildet nämlich: 

a) eine schmale Zone zwischen Würbenthal und Zuck- 
mantel. Diese Zone erstreckt sich unmittelbar westlich von dem aus 
weissen Quarziten, glimmerreichen Quarzitschiefern und schwarzen 
glimm er schief erähnlichen Thonschiefern bestehenden Streifen unter-devo- 
nischer Gesteine, welche am Einsiedler -Dürrberge bei Würbenthal 
Grammysia Hamiltonensis , Homalonotus crassicauda, Spirifer macropterus 
und andere Versteinerungen führen. Der Gneiss bildet das unmittelbare 
Liegende dieser unter - devonischen Gesteine. In diesem Lagerungs ver- 
hältniss lässt er sich auf der ganzen Strecke von Ludwigsthal bei 
Würbenthal bis Obergrund bei Zuckmantel verfolgen. In der Regel 
hat der Gneiss ein Glimmerschiefer-ähnliches Ansehen, indem das Gefüge 
bei dem Reichthum an Glimmer ein sehr vollkommen schiefriges ist und 

1) Wahrscheinlich mit Beziehung auf dieses deutlich krystallinisch- schiefrige Gefüge haben 
ihn Oesterreichische Geologen auf den geologischen Karten des Altvater- Gebietes als Phyllit- 
Gneiss bezeichnet. 


1 


2 


ürgebirge. 


auf den Schieferungsflächen fast nur Glimmer sichtbar ist. Auch ist der 
Feldspath bei fast mit derjenigen des Quarzes ganz übereinstimmender 
grauer Färbung von dem Quarz nur schwer zu unterscheiden. Die Farbe 
des ganzen Gesteins ist meistens ein schmutziges Dunkelgrün. Dieselbe 
ist abhängig von feinen Schüppchen oder Flasern von Chlorit, welche 
neben dem Glimmer und häufig der Masse nach über diesen selbst über- 
wiegend in der Richtung der Schieferungsflächen des Gesteins sich aus- 
breiten. Der Glimmer ist durch die hellgraue oder silberweisse Farbe 
von dem Chlorit stets leicht zu unterscheiden. Zuweilen erscheint der 
Glimmer in zollgrossen Tafeln und giebt dann dem Gesteine ein sehr aus- 
gezeichnetes Aussehen. Namentlich auf dem linken Thalgehänge der 
Weissen Oppa bei Ludwigsthal unterhalb Carlsbrunn fanden sich 
Gneissschichten mit solchen grossen Glimmer-Tafeln. 

Zuweilen nimmt nun aber der Gneiss ein von dem bisher beschrie- 
benen sehr abweichendes granitähnliches Ansehen an. Er verliert das 
deutliche krystallinisch schiefrige Gefüge, so dass man die Parallel-Struktur 
nur noch im Grossen erkennen kann, wird reich an Feldspath und hellgrau 
von Farbe. Dieser granitähnliche Gneiss bildet Einlagerungen in dem 
dunkelen deutlich schiefrigen Gneiss. Namentlich lässt sich eine solche 
Einlagerung als eine langgezogene schmale Zone von einem zwischen dem 
Davidstein und der Victor -Hütte in Ludwigsthal liegenden Punkte an 
über die Machold-Platte verfolgen. 

Allgemein zeigt der Gneiss eine grosse Neigung zur Felsbildung. Die 
zum Theil haushohen senkrecht abstürzenden Felswände, welche an den 
Thalgehängen der Weissen und Mittel-Oppa an vielen Punkten hervortretend 
und unter denen der Davidstein, die Machold-Platte, der Rauberstein 
und der Johannisstein einige der ausgezeichnetsten sind, geben davon 
Zeugniss. Als bemerkenswerth ist noch das Aufsetzen eines erzführenden 
Quarzganges in dem Gneisse zu erwähnen. Biegt man am obersten Dorf- 
ende von Ludwigsthal bei der Försterei links in südöstlicher Richtung 
in den tiefen Einschnitt eines Nebenthaies ein, so sieht man gleich am Ein- 
gänge des Thaies eine weisse Felsklippe an dem Thalgehänge hervor- 
treten. Weiter aufwärts sieht man noch einige andere solcher weissen 
Klippen in der Nähe eines neu angesetzten Stollens und der sogenannten 
Kupferschächte, d. i. Pingen von alten Stollenlichtlöchern, hervor- 
treten. Diese Felsen bestehen aus weissem Quarz und sind augenschein- 
lich das Ausgehende eines Quarzganges, dessen nördliche Fortsetzung 
wahrscheinlich „die weissen Steine^^ auf dem Zimmerberge bilden 
und dessen Vorhandensein auch noch weiterhin durch lose Quarzblöcke 


Urgebirge. 


3 


bezeichnet wird, welche man in der von der Macholdplatte ostwärts hinab- 
laufenden Waldschneise neben alten verfallenen Schächten beobachtet. 
Weniger sicher ist das Fortsetzen des Ganges gegen Süden nach 
Dürrseifen hin nachzuweisen, obgleich nordöstlich von dem genannten 
Orte sehr zahlreiche Quarzblöcke umherliegen. Die Mächtigkeit des Gan- 
ges beträgt in der Nähe der Kupferschächte gegen 12 Fuss. Das Ein- 
fallen ist mit 80 gegen Westen. Bei den Kupfers chächten setzt nun in 
diesem Quarzgange ein nur zwei Zoll mächtiges Trum von Kupferkies auf. 
Gewöhnlich erscheint der Kupferkies in zoll- bis faustgrossen Knollen und 
kleinen Schnüren. Eine Rinde von Kupferpecherz umgiebt ihn gewöhnlich. 
Auch faseriger Malachit und erdiges Kupferlasur kommen in Glimmer- 
partien untergeordnet vor. 

b) Gneiss-Partie bei Deutschwette zwischen Ziegenhals 
und Neisse. Diese Partie ist von ganz beschränktem Umfange. Die 
einzigen Aufschlüsse derselben sind die Felsen am Katternberge auf dem 
rechten Biele-Ufer neben der grossen Mühle von Deuts chwette. Das 
Gestein ist weiss und stark zersetzt. Gewöhnlich sieht man nur Quarz 
und Feldspath und der Glimmer fehlt entweder ganz oder ist nur in 
sparsamen ganz kleinen weissen Schüppchen vorhanden. Quarz ist der 
entschieden vorwaltende Gemengtheil. Er ist von hellgrauer Farbe und 
bildet dünne Lamellen oder langgezogene Körnchen. Der Feldspath ist 
in der Regel ganz zu erdigen weissen Kaolin aufgelöst. Nur ganz aus- 
nahmsweise sieht man ihn noch krystallinisch blätterig. Das Gestein ist 
also ein glimmerarmer Gneiss mit zersetztem Feldspath. 

Uebrigens ist diese Gneiss-Partie von Deutschwette nicht ganz isoHrt, 
sondern *|4 Meile in südwestlicher Richtung auf dem schon auf dem Blatte 
Glatz der geologischen Karte von Niederschlesien gelegenen Höllenberge 
südlich von der Braunkohlengrube Lentsch tritt dasselbe Gestein in einer 
viel grösseren Partie zu Tage. Auf der geognostischen Karte von Nieder- 
schlesien ist es als Quarzit bezeichnet. 

2 . Glimmerschiefer. 

Das Auftreten dieses Gesteins in dem Kartengebiete beschränkt sich 
auf eine ganz kleine Partie westlich von Ziegenhals. An dem Punkte, 
wo der Weg von Ziegenhals nach Niklas dorf das Biele-Thal hinab- 
führt, befinden sich links vom Wege Steinbrüche, in welchen der Glimmer- 
schiefer zur Gewinnung von Platten gebrochen wird. Das Gestein ist ein 
echter Glimmerschiefer mit sehr vollkommen krystallinisch schieferiger 
Struktur und von grauer Farbe. Uebrigens ist dieses Auftreten des Ghm- 

u 


4 


Urgeijirge. 


merscliiefers nicht ein für sich bestehendes, sondern dasselbe bildet nur 
den äussersten nordöstlichen Ausläufer einer grösseren in der Richtung 
gegen Südost, gegen Freiwaldau hin, sich erstreckenden Partie. 

3. Granit. 

Auch die Verbreitung dieses Gesteins in dem Kartengebiete ist eine 
ganz beschränkte. 

a) Ein Paar kleine Partien westlich von Zuckmantel in der 
Nähe der Endersdorfer Hütte. Die eine dieser kleinen Partien liegt 
nordöstlich von der Endersdorfer Hütte und ist durch Sandgruben auf- 
geschlossen, in welchen Sand zum Scheuern gegraben wird. Das Gestein 
ist nämlich durchaus zersetzt und zu einem weissen Granitgrus zerfallen. 
Eine andere Partie liegt weiter nördlich neben der Salis-Mühle, westlich 
von Schönwaldau. Hier ist der Granit in hohen nackten Felswänden 
entblösst. Wie an der ersteren Stelle ist er auch hier zu Grus zerfallen. 
Zwischen Niklasdorf und Freiwaldau tritt derselbe Granit den Glim- 
merschiefer durchbrechend in mehreren kleinen Partien auf. 

b) Granit-Gänge im Gneis s bei Deuts chwette. Die früher auf- 
geführte Gneiss-Partie bei Deuts chwette wird in allen Richtungen von 
1 bis 2 Fuss dicken Granit-Gängen durchsetzt. Wie der Gneiss, in wel- 
chem die Gänge aufsetzen, so ist auch der Granit selbst stark zersetzt und 
der Feldspath zu weissem Kaolin aufgelöst. 

c) Granit-Gänge im Gneiss bei Ludwigsthal. Dicht unterhalb 
der Philippshütte in Ludwigsthal bei Würbenthal über dem steilen 
linken Thalgehänge der Weissen Oppa am Eingänge in das dortige Neben- 
thal setzt mitten in dem grünlich-grauen Gneiss ein Gang von graulich- 
weissem Granit auf. Das Gestein besteht aus Aveissem Feldspath, grauem 
Quarz und schmutzig grünem Glimmer. Von anderer Beschaffenheit ist 
der Granit, welcher oberhalb des Elisabeth-Hammers an der Mittel-Oppa 
in losen Blöcken, Avelche jedenfalls auch von einem Gange im Gneiss her- 
rühren, umherliegend gefunden wird. In diesen Stücken ist der Glimmer 
dunkelfarbig, fast schwarz, und der Feldspath fleischartig. 


V ersteinerungsf ührendes Sedimentär-Gebirge. 


1. Palaeozoische rormation. 


I. Devonische Schichten. 

A. Devonische Schichten am Ost-Abhange des krystallinischen Altvatergebirges. 

1. Würbenthaler Quarzite und Thonschiefcr '). 
a. Geschichtliches. 

Die hier zu beschreibenden Schichten werden hier, um eine kurze Be- 
zeichnung zu haben, nach dem Städtchen Würbe nthal in Oesterreichisch- 
Schlesien, in dessen Umgebungen sie deutlich entwickelt sind, benannt. 
Von allen früheren Beobachtern sind sie dem krystallinischen Gebirge 
zugerechnet und als solche auf den geognostischen Karten verzeichnet 
worden. In der That ist auch das äussere Ansehen derselben ein so 
krystallinisches und die Verbindung mit echten Urgebirgs arten, namentlich 
Gneiss und Glimmerschiefer, eine so enge, dass man durch das minera- 
logische Verhalten und die Lagerungsverhältnisse durchaus nur ver- 
anlasst sein konnte, sie für älter als die ältesten versteinerungsführenden 
Schichten zu halten. Erst ein glücklicher Fund von Versteinerungen hat 
in Betreff des wirkhchen Alters unerwarteten Aufschluss gewährt. Herr 
A. Halfar entdeckte im Sommer 1865 in glimmerreichen weissen Quar- 
ziten auf der Höhe des bei dem Dorfe Einsiedel, *|2 Meile nördlich von 
dem Städtchen Würbenthal gelegenen Dürrberges zahlreiche verhältniss- 
mässig wohl erhaltene Versteinerungen, aus deren näherer Untersuchung 
sich mir die Zugehörigkeit der Quarzite zu der unteren Abtheilung der 
Devonischen Gruppe mit Sicherheit ergab ^). An diese Altersbestimmung 
der Quarzite als unter- devonisch knüpften sich weitere Folgerungen in 

1) Auf der Karte mit de^ bezeichnet. 

2) Vergl. Ueber die Auffindung Devonischer Versteinerungen auf dem Ostabhange des Alt- 
vatergebirges von Ferd. Roemer. Zeitschr. der D. geol. Ges. Jahrg. 1865, S. 579 fit*. 


6 


Versteinerungöführendes Sedimentär - Gebirge. 


Betreff des Alters des weiter östlich sich verbreitenden Grauwacken- 
gebirges. Wenn bei Würbenthal unter -devonische Quarzite, welche, 
wie früher gezeigt wurde, glimmerreichen Gneiss zur unmittelbaren Unter- 
lage haben, mit nord-südlichem Streichen entwickelt sind, und wenn 
anderer Seits bei Troppau, Jägerndorf, Hotzenplotz u. s. w. Grau- 
wackensandsteine und Thonschiefer mit Poddonomya Bechen und anderen 
bezeichnenden Organismen der Culm-Bildung sich verbreiten, so ist es 
zunächst durchaus wahrscheinlich, dass in dem am Ostabhange des Alt- 
vatergebirges sich ausdehnenden Berglande von Westen nach Osten immer 
jüngere Gesteine aufeinander folgen, und dass also die zunächst östlich 
von den Quarziten des Dürrberges folgenden devonischen Schichten von 
jüngerem Alter sind. Da fast gleichzeitig mit der Entdeckung der Ver- 
steinerungen in den Quarziten des Dürrberges in gewissen eisenstein- 
führenden und von Diabas -Mandelsteinen und Schalsteinen begleiteten 
Schichten bei Bennisch unweit Freudenthal durch A. Halfar Verstei- 
nerungen aufgefunden wurden, welche auf eine höhere Abtheilung der 
devonischen Gruppe hinweisen, so erschien es als eine naturgemässe Fol- 
gerung, einen Theil der zwischen Bennisch und dem Dürrberge bei Wür- 
benthal entwickelten Grauwacken und Thonschiefer einer mittleren 
Abtheilung der devonischen Gruppe zuzuweisen. Paläontologische Beweis- 
mittel zur Unterstützung dieser letzteren Annahme sind freilich nicht vor- 
handen, denn die einzigen aus dem ganzen zwischen Bennisch und 
dem Dürrberge liegenden Gebiete bekannt gewordenen Versteinerungen 
sind die wenigen durch den verstorbenen Dr. Scharenberg vor einer 
Reihe von Jahren in den Dachschieferbrüchen von Dittersdorf bei 
Engelsberg bekannt gewordenen, in der Form von undeutlichen Stein- 
kernen erhaltenen und specifisch nicht bestimmbaren Reste. Aber wenn 
diese Reste der Annahme von dem mittel-devonischen Alter der fraglichen 
Schichten auch eine Stütze nicht gewähren, so stehen sie doch auch anderer 
Seits dieser Annahme durchaus nicht entgegen. Die Begrenzung der mittel- 
devonischen Schichten gegen die unter -devonischen Quarzite des Dürr- 
berges unweit Würbenthal ist durchaus unsicher. Weder paläonto- 
logische Merkmale, noch solche des petrographischen Verhaltens und der 
Lagerung gewähren für dieselbe ein festes Anhalten. Auf der Karte wurde 
die Grenze so gezogen, dass die blaugrauen krystallinischen Kalkstein- 
lager noch zu dem unter-devonischen Schichten -Systeme gehören, weil 
deren Gefüge ein so krystallinisches und das ganze Verhalten ein dem- 
jenigen der älteren Urkalke so ähnliches ist, dass ihre Verbindung mit dem 
älteren Schichtenkomplexe natürlicher schien. 


V ersteinerungsfuhrendes Sedimentär - Gebirge. 


7 


Auf diese Weise nehmen also an der Zusammensetzung des zwischen 
dem Altvater und der Oppa sich verbreitenden Grauwacken-Gebirges, wel- 
ches vor zehn Jahren noch als ungegliedert galt, in Wirklichkeit drei ver- 
schiedene Abtheilungen des devonischen Systems und die den Kohlenkalk 
vertretende Calm-Bildung Antheil. 

h. Petrographisches Verhalten. 

Das ganze Schichtensystem besteht aus weissen Quarziten und schwar- 
zen glimmerschieferähnlichen Thonschiefern, die letzteren mit Einlage- 
rungen von krystallinischem Kalkstein. 

Die Quarzite bilden das unterste Glied der ganzen Schichtenfolge. Die 
Hauptmasse der Thonschiefer mit den Kalksteinlagern lagern darauf. Ein- 
zelne Lager von Thonschiefer kommen auch schon zwischen den Quarziten 
vor. Das nähere petrographische Verhalten dieser Gesteine betreffend, 
so sind die Quarzite weiss oder grau und stets deutlich geschichtet, mit 
mehr oder minder zahlreichen Glimmerblättchen von weisser oder durch 
Verwitterung kupferrother Färbung auf den ebenen Schichtflächen. Durch 
Aufnahme von mehr Glimmer wird der Quarzit häufig schieferig und 
gewinnt der Glimmer noch mehr die Oberhand, so findet zuweilen selbst 
ein üebergang in Glimmerschiefer statt. Namentlich gegen das Nordende 
der Zone wechsellagern die Quarzite mit echten hellgrauen Glimmer- 
schiefern, in welchen selbst Krystalle verschiedener Mineral-Species sich 
ausscheiden, wie namentlich Staurolith und Granat. Der Letztere wurde 
namentlich in den Glimmerschiefern des sehr steil abfallenden Thal- 
gehänges der Biele westlich von Ziegenhals beobachtet. 

Die Thonschiefer sind schwarz, auf den Schieferungsflächen schim- 
mernd fast wie Glimmerschiefer und diesen auch durch halbkrystallinisches 
Gefüge enge verbunden. Deutlich ausgeschiedene Glimmerblättchen wer- 
den jedoch niemals bemerkt, sondern die Masse bleibt immer gleichartig. 
Die Schieferungsflächen sind fein gefältelt, wie das bei ähnlichen halb- 
krystallinischen Thonschiefern auch in anderen Gegenden gewöhnlich ist. 
Die Falten sind haarförmig dünn und unter sich parallel. Zuweilen 
schwellen sie aber auch zu dickeren Runzeln an. Würfel von Schwefel- 
kies, zum Theil bis ^|2 Zoll gross, erfüllen nicht selten den Thonschiefer. 

Der Kalkstein ist gewöhnlich ein feinkörniger krystallinischer Kalk- 
stein von blaugrauer Farbe und gleicht durchaus den den Urthonschiefern 
und krystallinischen Schiefem untergeordneten Urkalken anderer Gegen- 
den. Dieser Kalkstein bildet mehrere beschränkte Partien in dem Gebiete 
der Thonschiefer, welche als stockförmig auftretende Massen zu betrachten 


8 


Versteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


sind. Eine solche Partie liegt ganz nahe bei W ürb enthäl, am Zusammen- 
flüsse der drei Oppa-Quellen nördlich von der Stadt. Sie ist durch mehrere 
Steinbrüche aufgeschlossen, in welchen Wegebau-Material und Kalk zum 
Kalkbrennen gewönnen wird. Eine zweite Partie befindet sich neben der 
Kirche des Dorfes Ein siedel. Auch diese ist durch einige zum Theil sehr 
bedeutende Steinbrüche aufgeschlossen. Eine dritte liegt ganz in der Nähe 
der Rochus-Kirche bei Hermannstadt, eine vierte \ Meile nördlich von 
der Wallfahrts -Kirche Mariahilf bei Zuckmantel. Die letztgenannte 
Partie ist wieder durch mehrere Steinbrüche aufgeschlossen. Eine fünfte 
liegt östlich von Endersdorf. Auch hier gewährt ein grossartiger Stein- 
bruch einen deutlichen Aufschluss’). Auch über die Grenzen der Karte 
hinaus sind ähnliche Kalkpartieen gegen Süden weiter verbreitet und 
namentlich kennt man mehrere derselben in der Gegend von Kl ein - 
Mohra. 

c. Lagerungsverhältnisse. 

Im Allgemeinen ist die Schichtenstellung in dem ganzen Schichten- 
Systeme eine steile und äusserst gestörte. Die Sättel und Mulden, in 
welche die Schichten gefaltet sind, stehen viel steiler und gedrängter, als 
in dem weiter östlich gelegenen Theile des Gebirges. 

Das Streichen der Schichten ist im Ganzen von Süden nach Norden. 
Nur im Einzelnen zeigen sich mehr oder minder bedeutende Abweichungen 
von dieser herrschenden Streichungsrichtung, z. B. in der Erhebung des 
Querberges. 

Das Verhalten gegen die angrenzenden Schichten ist das der gleich- 
förmigen Zwischenlagerung zwischen die unten und oben angrenzenden 
Gesteine. Nach unten ist dies ein glimmerreicher Gneiss, der, wie früher 
bei den Gesteinen des Urgebirges angegeben wurde, eine schmale Zone 
zunächst westlich von den Quarziten zwischen Würbenthal und Zuck- 
mantel bildet. Nach oben ist es die aus Thonschiefern und Grauwacken- 
sandsteinen zusammengesetzte Schichtenfolge, welche weiterhin unter der 
Benennung der Engelsberger Schichten beschrieben werden wird. Die 
Grenze gegen diese letzteren ist sehr wenig bestimmt. Das weniger 
krystallinische Gefüge der Thonschiefer der Engelsberger Schichtenfolge 

1) Die Angabe einer in südlicher Richtung verlaufenden Kalkzone im Südwesten von Würben- 
thal auf der Geolog. Karte der Markgrafsch. Mähren und des Herzogth. Schlesien, bearb. von 
Fötterle. Wien 1866, ist irrthümlich. In dem von derselben angeblich eingenommenen Raume treten 
vielmehr Diorite und Dioritschiefer hervor. Eben so wenig ist die auf der genannten Karte zwischen 
Obergrund und Hermann stadt südlich vom Querberge verzeichnete Kalkpartie in Wirklichkeit 
vorhanden. 


yerstelnerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


9 


und das Vorkommen von dünnen Sandsteinschichten an der Basis der- 
selben ist für die Abgrenzung vorzugsweise benutzt worden. 

d, Verbreitung. 

Die Würbenthaler Schichten bilden eine von Süden nach Norden 
vorherrschend ausgedehnte Zone zwischen Neu- Vogelseifen unweit 
Engelsberg einer Seits und Ziegenhals anderer Seils. Die Breite der- 
selben schwankt zwischen ^jg bis ^|4 Meilen. Die grösste Breite hat sie in 
der Erhebung des Querberges südlich von Zuckmantel. Gegen Süden 
lässt sich diese Zone auch über die Grenzen unserer Karte hinaus weiter 
verfolgen. Sie erstreckt sich hier mit einer Richtung gegen S. S.W. über 
Bergstadt hinaus bis in die Nähe von Schönwald und wahrscheinlich 
bis in das March-Thal. In dem Bereiche der Zone, so weit sie unserer 
Kartö angehört, liegen die Orte "Würbenthal, Ober-Hermannstadt 
und Zuckmantel. 

e. Orographisches Verhalten. 

Das von diesen Gesteinen eingenommene Gebiet ist ein Bergland mit 
hoch aufragenden steilen Bergrücken und tief eingeschnittenen engen 
Thälern. Die höchsten, zum Theil über 3000 Fuss hoch ansteigenden Berg- 
rücken bildet der Quarzit, welcher auf dem Kamme der Berge häufig in 
senkrecht abfallenden, 10 bis 30 Fuss hohen Klippen zu Tage tritt. Zu 
den höchsten durch den Quarzit gebildeten Bergen gehören namentlich der 
Würbenthaler Hoheberg, der Ludwigsthaler Schlossberg, der 
Rauberstein (östlicher Abhang), der Einsiedler Dürrberg, der 
Mothseifenkamm , der Hackelstein und der Kahleberg in der Berg- 
gruppe des Querberges. 

f. Eruptiv -Gresteine. 

Diorit und Dioritschiefer. 

Die einzigen Eruptiv - Gesteine des Schichtensystems sind Diorit und 
Dioritschiefer. Dieselben treten in dem Bereiche der Thonschiefer auf. 
Nur am Querberge finden sie sich in dem Gebiete der Quarzite. Meistens 
treten sie als schroffe Felspartieen auf der Höhe der Bergrücken hervor. 

Das petrographische Verhalten des Diorit betreffend, so sind sehr 
feinkörnige und undeutlich krystallinisch körnige Varietäten des Gesteins 
durchaus vorherrschend. Nur ausnahmsweise sind die Gemengtheile deut- 
lich erkennbar. Diö Hornblende ist dann zum Theil in 2 Linien grossen 
Krystallen von grünlich-schwarzer Farbe ausgeschieden, die namentlich 
auf den Verwitterungsflächen deutlich hervortreten, indem sie von der 

2 


10 


Verßteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


Verwitterung weniger als der feldspathartige Gemengtheil angegriffen 
werden. Der Oligoclas von grünlich-weisser oder schmutzig-weisser Farbe 
ist nur äusserst selten in deutlichen Krjstallen erkennbar, meistens ist er 
undeutlich krjstallinisch körnig oder dicht. Fast nur in dem Diorite süd- 
lich von dem Würbenthaler Schiesshause wurden deutliche Krjstalle von 
Oligoclas beobachtet. Nicht selten ist der Diorit mit kleinen eingespreng- 
ten Partieen von Magnetkies erfüllt. So namentlich am Schlossberge bei 
Würbenthal. Die Farbe des Gesteins ist gewöhnlich dunkel lauchgrün. 
Zuweilen aber auch durch Vorherrschen des Oligoclas viel heller. 

Ein schieferiges Gefüge des Gesteins ist sehr gewöhnlich. Mit solchen 
Dioritschiefern sind dann häufig auch eigenthümliche grüne Schiefer von 
sehr wechselnder Beschaffenheit ohne deuthch erkennbare Gemengtheile 
enge verbunden. Zum Theil nehmen diese Schiefer Kalk auf und werden 
zu echtem Kalkgiimmer schiefer. Solche Schiefer bilden auffallend höcke- 
rige Felsen auf dem sogenannten Schreiberbusche nördlich der Kirche 
von Wiedergrün. Eine Reihe ähnlicher Felsen desselben Gesteins lässt 
sich von hier aus gegen Süden im Osten der Eisenerzlager von Klein- 
Mo hra verfolgen. 

Die Verbreitung des Diorit betreffend, so bildet der eigentliche 
Diorit zahlreiche grössere und kleinere, gewöhnlich in der Richtung von 
Süden nach Norden, mehr oder minder langgezogene Partieen. Eine solche 
Partie befindet sich zunächst am östlichen Fusse des Nesselberges zwischen 
Wiedergrün und Carlsbrunn. Es liegen dort zwar nur lose Blöcke 
umher, aber von solcher Form und in solcher Häufigkeit, dass an dem 
Anstehen des Gesteins nicht gezweifelt werden kann. Ein kleiner Felsen 
von Diorit ragt ferner 600 Schritt westlich von Dürrseifen bei Engels- 
berg, südlich vom Wege nach Carlsbrunn, hervor. Eine dritte Partie 
tritt auf dem breiten Rücken der Ascherlehne, ‘I 2 Meile N.W. von Engels- 
berg, hervor. Eine weitere Partie befindet sich westlich von der Stadt 
Würbenthal, südlich von dem Schiesshause. Schon C. v. Oeynhausen 
hat dieselbe gekannt. Einen einzelnen Fels bildet ferner der Diorit S.O. 
vom Südende von Ludwigsthal, oberhalb der Kupferschächte. Eine 
bedeutende Partie ist diejenige des Ludwigsthaler Schlossberges. Der 
Gipfel und die östliche Abdachung des Berges bestehen daraus. Auf dem 
Gipfel tritt das Gestein als ein vorwiegend aus grobkörnigem Diorit 
zusammengesetzter scharfer Felsgrat hervor. Auch auf dem östlichen 
Abhange des Berges werden kleine Diorit-Felsen beobachtet. Dann folgt 
eine Partie bei Einsiedel. N. N.W. von der Kirche des Dorfes, an dem 
höchsten westlichen Theile des Dorfes, liegen lose Blöcke von Diorit so 


Versteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


11 


massenhaft umher, dass das Gestein hier nothwendig anstehend sein muss. 
In einer Partie am südwestlichen Theile des Kahleberges, in der Berg- 
gruppe des Querberges, geht der Diorit in Hornblendegestein über. Eine 
ansehnliche Partie liegt südwärts von der Endersdorfer Kalkmasse. Das 
Gestein findet sich hier sowohl in Felsen anstehend, als auch in zahlreichen 
lose umherliegenden Blöcken. Nur durch solche lose Blöcke ist ein Diorit- 
Vorkommen in Schönwalde bezeichnet. Die Blöcke von zum Theil 
bedeutender Grösse liegen zerstreut in den Gärten des Dorfes umher. 
Endlich ist auch noch eine östlich von Carlsbrunn am Südabfalle des 
Holzberges gelegene Partie, obgleich nicht mehr in das Kartengebiet 
fallend, wegen des deutlich krystallinisch körnigen Gefüges, welches hier 
der Diorit zeigt, zu erwähnen. 

g. Erzführung. 

Die hier zu einer Gruppe zusammengefassten unter - devonischen 
Gesteine haben sich an mehreren Punkten erzführend erwiesen. Das 
bekannteste Erzvorkommen ist 

1. Das Vorkommen goldhaltiger Kiese am Querberge bei 
Obergrund unweit Zuckmantel. Dieses Erzvorkommen besteht 
wesentlich aus Partieen von kleinen Krystallen von goldhaltigem Schwefel- 
kies und Kupferkies, die in einem aus talk- und glimmerschiefer-ähnlichen 
Schiefern und Quarziten bestehenden Schichtensysteme auftreten. Zum 
Theil sind diese Partieen echte Gänge, zum Theil bestehen sie nur in 
unregelmässigen Imprägnationen des Gesteins. Die Krystalle von Schwe- 
felkies und Kupferkies sind klein, meistens nur von der Grösse eines Hirse- 
korns, selten von halber Erbsengrösse. Die Würfelform des Schwefel- 
kieses ist wie die Tetraeder-Form des Kupferkieses oft deutlich zu erkennen. 
Besonders auf dem Querbruche des Gesteins zeichnen sich die Erzlager als 
lebhaft metallglänzende Schnüre zwischen dem dunklen Glimmerschiefer 
und dem weissen Quarze auffallend aus. Der Kupferkies hat durch seine 
Zersetzung häufig Veranlassung zur Bildung von erdigem Malachit, Ziegel- 
erz und Kupferschwärze gegeben. Da der ehemalige Goldbergbau ganz 
zum Erliegen gekommen, so ist übrigens die nähere Kenntniss des Erz- 
vorkommens am Querberge eine sehr unvollkommene. Herr A. Halfar 
erhielt durch Herrn Moritz Richter in Würbenthal, welcher einige 
Gruben am Querberge zur Gewinnung von Kiesen für Schwefelsäure-Fabri- 
kation betreibt, noch einige das dortige Erzvorkommen betreffende Notizen. 

Auf der Sarkander-Zeche soll Schwerspath als Gangart Vorkommen. 
Auf der Grube Mariatrost kennt man Magneteisenstein. Bleiglanz hat 

2 * 


12 


Versteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


man im „Blauen Stollen,“ wo er mit Zinkblende, Kupferkies und Schwefel- 
kies in einem quarzreichen Glimmerschiefer aufsetzt, angetroffen. Auf 
den, Gruben Bleistollen, Carolus und Sarkander ist das Haupterz ein 
Gemenge von Schwefelkies und Kupferkies, jedoch in solchem Verhältniss, 
dass gewöhnlich der Schwefelkies durchaus vorwaltet und nur selten, wie 
an einigen Stellen auf Carolus-Grube und in grösserer Teufe auf Sarkander, 
dem Kupferkies an Menge nachsteht. Auf diesen Gruben wird das Erz- 
vorkommen zugleich mit Bestimmtheit als ein gangartiges bezeichnet. Auf 
dem 1 bis 3 Fuss mächtigen Carolus- Gange, welchen man 1865 zwanzig 
Klafter weit verfolgt hatte, ist das genannte Erzgemenge vorzugsweise 
goldhaltig. Sonst ist ein Goldgehalt auch auf dem 4 bis 5 Fuss mächtigen 
Hauptkluftgange der Alt-Hackelsberger Zeche beobachtet. Ferner 
auch auf dem 3 bis 4 Fuss mächtigen Drei-Brüder-Gange und auf dem 
Segen-Gottes-Gange. Auf diesen beiden letzteren Gängen ist es die Zink- 
blende, welche das Gold enthält. 

2. Gangartige Erzvorkommen im Gebiete des Thonschiefers. 
An zahlreichen Punkten in dem Gebiete des Thonschiefers geben alte 
Halden und Pingenzüge von ehemals betriebenem Erzbergbau Zeugniss. 
Nur an sehr wenigen Stellen sind aber die Ueberreste dieses ehemaligen 
Bergbaues so deutlich, dass die Natur des Erzvorkommens näher ersicht- 
lich wäre. 

Auf der Halde des nordwestlich von Dürrseifen gelegenen und erst 
vor einigen Jahren verlassenen Augustin-Stollens fand A. Halfar in den 
massenhaft umherliegenden Stücken von weissem Quarz, welcher anschei- 
nend das erzführende Gestein ist, Schnüre von Spatheisenstein und ausser- 
dem in kleineren Partieen eingesprengt Schwefelkies, Kupferkies, Arsenik- 
kies und silberhaltigen Bleiglanz. Der Quarz scheint Schnüre und Nester 
in einem blauschwarzen, zum Theil auch grünlichen Thonschiefer zu bilden. 

Ganz ähnlich scheint das Erzvorkommen in dem unweit Würbenthal 
gelegenen ehemaligen Hohenberg-Bergwerke gewesen zu sein. An dem 
Mundloche des ganz verfallenen Stollens steht dunkler Thonschiefer an, 
welcher von Schnüren von Spatheisenstein und von weissem Quarz durch- 
schwärmt wird. Kleine Partieen von Kupferkies, der zum Theil zu 
Ziegelerz zersetzt ist, sind namentlich in den Spatheisenstein eingesprengt. 
Endlich ist auch anzuführen, dass das Gold, welches in einer älteren allu- 
vialen Sandablagerung nördlich von dem Dorfe Dürr seifen, westlich von 
Engelsberg, vorkommt und durch Waschbetrieb gewonnen wird, sehr 
wahrscheinlich aus westlich davon anstehenden, im Thonschiefer einge- 
lagerten, bedeutenden Quarzmassen herrührt. 


Versteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


13 


3. Lager von Eisenglanz, Rotheisenstein und Magneteisen- 
stein bei Kl ein -Mohr a. Dieses Erzvorkommen fällt zwar grösstentheils 
nicht mehr in das Kartengebiet, soll hier aber, als dem Würbenthaler 
Schichtensysteme untergeordnet, wenigstens erwähnt werden. Schon 
C. V. Oeynhausen’) hat dieselben beschrieben. In gliramerschieferähn- 
lichen Thonschiefern und grünen Schiefern von undeutlicher Zusammen- 
setzung treten Kalkstein- und Quarzlager auf, denen die Eisenerze unter- 
geordnet sind. Lebhaft metallglänzender blätteriger Eisenglanz ist das 
Haupterz. Nicht selten mit demselben Magneteisen, zum Theil in deut- 
lichen oktaedrischen Krystallen. Schwefelkies ist häufig eingesprengt. 
Dieses Erzvorkommen giebt zu einer ansehnlichen Erzgewinnung Ver- 
anlassung. Aehnliche aber unbedeutendere Eisenerzlager wie diese bei 
Klein-Mohra sind weiter nördlich zwischen Würbenthal und Hermann- 
stadt, so wie auf der nordöstlichen Abdachung des Querberges nördlich 
von der Mariahilf- Kirche, grünem Schiefer untergeordnet, bekannt, und 
sind, wie Beste alter Grubenbaue nachweisen, früher abgebaut worden. 

h. Besondere Mineral -Vorkommnisse. 

Als solche sind anzuführen: 

1. Cyanit. In grossen, bis 6 Zoll langen und ^|4 Zoll breiten, schilf- 
förmigen, an den Enden nicht deutlich ausgebildeten Krystallen von him- 
melblauer Farbe in gelblich-weissem , dem . Glimmerschiefer untergeord- 
netem Quarze eingewachsen an dem steilen nördlichen Biele-Ufer westlich 
von Ziegenhals und auch in einem etwas weiter südlich gelegenen Stein- 
bruche. Durch Herrn A. Halfar im Jahre 1864 aufgefunden. Vergl. 
43. Jahrber. der Schles. Ges. für vaterl. Cultur. Breslau 1866. S. 38. 

2. Staurolith. In kleinen, selten bis Zoll langen, undeutlich 
begrenzten, in Glimmerschiefer eingewachsenen Krystallen an derselben 
Fundstelle. 

3. Granat. In braunen, bis ‘I 2 Zoll grossen Rhomben -Dodekaedern 
ebendaselbst. 

4. Fas er quarz, die Rinde von haselnuss -grossen Schwefelkieswür- 
feln bildend, welche in einem unregelmässig gefältelten und gerunzelten, 
glimmerschieferähnlichen grauen Thonschiefer am Westende von Dürr- 
seifen, am Wege nach Carlsbrunn, eingewachsen verkommen. Der 
Quarz ist weiss und meistens nur unvollkommen faserig. Gewöhnlich sind 
nur einige der Würfelflächen der auf der Oberfläche in Brauneisenstein 


1) a. a. 0. S. 52. 


14 


Verstcinerungsfuhrendes Sedimentär - Gebirge. 


verwandelten Schwefelkieses mit der nur etwa *|2 Linie dicken Quarzrinde 
überzogen. Das Vorkommen gleicht durchaus dem von Gr. Rose (Vergl. 
Zeitschr. der D. geol. Ges. XVI. Bd. 1864. S. 595 ff.) beschriebenen Faser- 
quarz-Vorkommen von Ligneuville bei Malmedy, von Salm bei Lüt- 
tich und von Ingleborough in Nordamerika. 

i. Yersteinerungsführung. 

Vergl. Tafel I. 

Nur an einem einzigen Punkte haben sich bisher in dem hier zu betrach- 
tenden Schichtensysteme organische Einschlüsse gefunden. Das ist der 
Einsiedler Dürrberg, ^|2 Meile von Würbenthal in Oesterreich-Schlesien. 
Auf dem kahlen Scheitel des Berges, dessen Bewaldung vor einer Reihe 
von Jahren durch einen Waldbrand zerstört wurde, stehen sehr feste, 
plattenförmig abgesonderte weisse Quarzite in 10 bis 20 Fuss hohen senk- 
recht abfallenden Klippen zu Tage. Die Abhänge des Berges sind ausser- 
dem mit losen Blöcken desselben Gesteins in wilder Unordnung überstreut. 
Sowohl in den anstehenden Felsklippen wie in den lose umherliegenden 
Blöcken wurden Versteinerungen beobachtet. Im Ganzen sind sie selten 
und scheinen auf eine einzelne dünne Bank beschränkt zu sein. Findet 
man Blöcke dieser Schicht, so zeigen sie sich oft ganz erfüllt mit Ver- 
steinerungen. Die Erhaltung ist im Ganzen ziemlich gut. Bei den zwei- 
schaligen Muscheln hat sich zwar die Schale nicht in einer von derjenigen 
des Quarzits gesonderten Substanz erhalten, aber es sind auch nicht immer 
Steinkerne, sondern die ursprüngliche Skulptur der Aussenfläche der Schale 
hat sich erhalten. Andere Arten sind aber auch nur als Steinkerne bekannt. 
Häulig ist die Oberfläche der Versteinerungen durch Eisenoxyd roth gefärbt 
und dadurch scharf gegen den einschliessenden Quarzit begrenzt. Nach- 
dem A. Halfar zuerst diese Versteinerungen im Jahre 1865 aufgefunden 
und ich selbst demnächst die Fundstelle besucht hatte, habe ich eine Dar- 
stellung des Vorkommens und eine Beschreibung der Arten geliefert und 
das Alter des Quarzits nach diesen Arten bestimmt*). Auf unserer Tafel I. 
sind nur die wichtigeren Arten wiederum abgebildet worden. 

Die bisher bekannt gewordenen Arten sind folgende : 

1. Grammysia Hamiltonensis E. de Verneuil. Taf. I. Fig. 1. Zeitschr. 
der D. geol. Ges. 1. c. p. 582. Fig. 1. u. 2. (conf. Ferd. Roemer in Leih, 
geogn. Th. II. p. 431.) 


q lieber die Auffindung devonischer Versteinerungen auf dem Ostabhange des Altvater- 
gebirgcs; hierzu Taf. XVII. Zeitschr. der Deutschen geol. Ges. Jahrg. 1865. S. 579 fi'. 


Versteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


15 


In zahlreichen Varietäten, welche man leicht versucht sein könnte für 
selbstständige Arten zu halten. Die Verschiedenheit der Individuen zeigt 
sich namentlich in der mehr oder minder starken Ausdehnung in die Quere 
und in der Beschaffenheit der concentrischen Anwachsringe. Fig. 1. 
unserer Tafel stellt eine Form mit wenigen starken Anwachsringen dar; 
Fig. 2. der Tafel XVII. in Zeitschr. d. Deutschen geol. Ges. a. a. 0. ein 
schmaleres mehr in die Quere ausgedehntes Exemplar der linken Klappe. 

Vorkommen: Die häufigste Art von allen, welche in zahlreichen Exem- 
plaren vorliegt. 

2. Pterinea sp. Fig. 2. Obgleich die für die Gattung bezeichnenden 
Schlossleisten nicht erkennbar sind, so weiset doch die allgemeine Form 
am meisten auf Pterinea hin. Es liegen zwei Exemplare vor. Die Figur 
stellt ein als ein Steinkern erhaltenes Exemplar der rechten Klappe dar. 

3. Edmondia (?) acutangula n. sp. Zeitschr. der D. geol. Ges. 1. c. 
Fig. 4. Durch den sehr scharfkantigen hinteren Kiel und durch eine gewisse 
Drehung der ganzen Schale ausgezeichnet. Eine breite flache Eirisenkung 
zieht sich von dem Wirbel gegen den Ventralrand der Schale hinab. Die 
Gattungsbestimmung ist völlig unsicher. J. Hall hat gewisse einiger- 
maassen ähnliche Zweischaler zu Edmondia gebracht. Es liegt nur ein 
deutliches Exemplar vor. 

4. Edmondia sp. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. I. c. Fig. 5. Ein 
vielleicht ebenfalls zur Gattung Edmondia gehörender Zweischaler, bei 
welchem die Wirbel viel mehr am vorderen Ende der Schale liegen als 
bei der vorigen Art. 

5. Sjoirifer macropterus Goldf; Taf. I. Fig. 3. Stimmt gut mit gewissen 
kleineren Formen der Art in der Rheinischen Grauwacke überein. Die aus- 
gewachsene grosse Rheinische Form wurde nicht beobachtet. Es liegen 
8 Exemplare vor. 

6. Naiicopsis (?) sp. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 1. c. Fig. 7. Ein 
stets verdrückter und unvollkommen erhaltener Gastropod, dessen Zugehö- 
rigkeit zur Gattung Naticopsis ganz zweifelhaft ist, der aber seiner grossen 
Häufigkeit wegen Beachtung verdient. Fast immer ist nur der letzte 
Umgang mit mehr oder minder scharfkantigem Rücken erhalten. Das 
Gewinde ist niemals deutlich erkennbar, war aber jedenfalls ganz niedrig. 

7. Pleurotomaria sp. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 1. c. Fig. 8. 
Nicht näher bestimmbarer Steinkern. 

8. Murchisonia sp. Taf. I. Fig. 7. Da die Skulptur der Schale nicht 
erhalten ist, so ist eine nähere Bestimmung kaum thunlich. Selbst die Gat- 
tungsbestimmung ist keineswegs zweifellos. Nur 4 Exemplare liegen vor. 


16 


V ersteinerungsführendes Sedimentär - Gebirge. 


9. Tentaculites grandis n, sp. Taf. 1. Fig. 5. Die grösste mir bekannte 
Art der Gattung, welche mehr als 1^|.2 Zoll in der Länge erreicht. Die 
Zwischenräume zwischen den starken Ringwülsten haben keine feineren, 
erhabenen Linien und sind anscheinend glatt. Die braun gefärbten Schicht- 
flächen gewisser dünner Platten des Quarzits sind häufig ganz bedeckt mit 
den Individuen dieser Art. Diese sind schwarz durch Schwefelkies, dessen 
Zersetzung die braune Färbung der Schichtflächen bewirkt. Zuweilen ist 
ausser dem Abdrucke der Oberfläche auch der Steinkern der inneren Höh- 
lung erhalten. Die Abbildung stellt ein Exemplar in natürlicher Grösse 
nach einem Gutta-Percha- Abgusse dar. 

10. Cyrtoceras (?) sp. Taf. I. Fig. 6. Ein nicht näher bestimmbarer ein- 
zelner Steinkern. Die Lage des Sipho ist nicht sichtbar. Nur das rasche 
Anwachsen und eine leichte Krümmung des Gehäuses bestimmt, den Stein- 
kern zu Cyrtoceras und nicht zu Orthoceras zu stellen. 

11. Homalonotus crassicauda Saiidberger; Taf. I. Fig. 4. Es liegen vier 
mehr oder minder verdrückte Exemplare des Schwanzschildes und ein 
einzelnes Rumpf-Segment vor. Die üebereinstimmung des Schwanzschildes 
mit solchen der rheinischen Grauwacke und namentlich von Daun in der 
Eifel ist so vollständig, dass an der Identität der Art nicht wohl zu zwei- 
feln ist. Bei dem einen der vorliegenden Exemplare des Schwanzschildes 
endet dasselbe anscheinend in eine feine Spitze, wie sie die Abbildung 
zeigt. Uebrigens verstehe ich Ä crassicauda nicht in dem Umfange wie 
die Gebrüder Sandberger (Rhein. Schichten -Syst, in Nassau p. 27), 
welche den H, KnigJitii der englischen Ludlow-Schichten als ein Synonym 
citiren und also die Benennung H. crassicauda nur als eine vermeintlich 
nomenklatorisch passendere der älteren englischen substituiren, sondern 
halte die devonische Art von der genannten silurischen Art für specifisch 
verschieden. Die von S alter neuerlichst gegebene genauere Beschrei- 
bung des H. Knightii ist dafür entscheidend. 

12. Serpulites sp. Taf. I. Fig. 8. Ein Bruchstück in natürlicher Grösse! 
Einzelne der vorliegenden Exemplare sind 2 Fuss lang, ohne eine Endigung 
zu zeigen. Häufig liegen mehrere Exemplare nebeneinander in demselben 
Gesteinsstücke. Es sind übrigens lediglich Steinkerne von zusammen- 
gedrückt elliptischem Querschnitt und ohne alle Spur einer Oberflächen- 
Skulptur. Die Art erinnert an den Serpuliies longissimus Murch. der oberen 
Ludlow-Schichten, welcher nach der hornig-kalkigen Beschaffenheit der 
häufig erhaltenen Schale gewiss eine Anneliden-Röhre ist. Sonst sind ähn- 
liche Avurmförmige Körper, die in Sandsteinen verschiedener Formationen 
Vorkommen, ja auch häufig als pflanzliche Reste gedeutet Avorden. . 


Engelsberger Grauwacke. 


17 


Ausser den vorstehend aufgezählten Arten liegen noch verschiedene 
unvollkommen erhaltene und eine nähere Bestimmung nicht zulassende 
Zweischaler und GastrojToden vor. 

k. Altersbestimmung. 

Obgleich die Zahl der sicher bestimmbaren unter den vorstehend auf- 
gezählten Arten von Versteinerungen eine sehr geringe ist, so genügen sie 
doch, um das Alter der Quarzite festzustellen. Grammysia Hainiltonensis, 
Spirifer macropterus und Homalonotus crassicauda, sind die drei Arten, auf 
welche die Altersbestimmung fast allein zu gründen ist. Alle drei sind 
bekannte Devonische Arten und zwar der unteren Abtheilung der Devoni- 
schen Gruppe, welche in den älteren Rheinischen Grauwackenschichten 
oder der Grauwcke von C oblenz ihre typische Entwickelung hat. Alle 
drei kommen in der That auch am Rheine vor. Man wird daher auch 
wohl kein Bedenken tragen dürfen die Quarzite des Dürrberges für wesent- 
lich gleichalterig mit der Rheinischen Grauwacke zu halten, obgleich 
abgesehen von diesen drei Arten, eine eigentliche Identität der beiden 
Faunen nicht besteht, da die übrigen am Dürrberge beobachteten Arten 
am Rheine nicht bekannt sind. Damit ist also die früher ganz unbekannte 
Thatsache gewonnen, dass Unter-Devonische Schichten an der Zusammen- 
setzung des südlichen Abschnittes der Sudeten Theil nehmen, während man 
bisher östlich vom Harze Schichten dieses Alters überhaupt nicht kannte. 
Auch für die Altersbestimmung der jüngeren von dem krjstallinischen Kerne 
(ies Gebirges entfernteren und weiter gegen Osten gerückten Schichten des 
Gesenkes ist durch diese Bestimmung ein festerer Ausgangspunkt gewonnen 
worden. Anderer Seits wird aus dieser Altersbestimmung zu folgern sein, 
dass, da die unmittelbare Unterlage der Quarzite durch Gneiss gebildet 
wird, man ältere versteinerungsführende Schichten, also Silurische in die- 
sem südhchen Abschnitte der Sudeten nicht zu finden erwarten darf. 

2. Engelsberger Grauwacke 0» 

a. Petrographisches Verhalten. 

Nach dem besonders deuthchen Vorkommen in der Umgebung der 
Stadt Engelsberg wird hier ein über einen grossen Flächenraum ver- 
breitetes aus Grauwacken und Thonschiefern zusammengesetztes mächti- 
ges Schichten-System benannt. 

Das vorherrschende Gestein sind Grauwacken - Sandsteine von eigen- 


1) Auf der Karte mit der Farbe de 3 bezeichnet. 


3 


18 


Devonische Schichten. 


thümlichem halbkrystallinischen Gefüge. Die Gemeiigtheile des Gesteins 
sind sehr innig mit einander vereinigt und in einander verflossen. Bei 
frischen deutlichen Yarietäten unterscheidet maif weisse Körner, die zum 
Theil Quarzkörner, zum Theil aber auch Feldspath sind und ein dunkeles, 
gewöhnlich dunkel lauchgrünes Talk- oder Chlorit-ähnliches halbkrystalli- 
nisches thoniges Bindemittel. Ein mehr oder minder bedeutender Kalk- 
gehalt ist meistens vorhanden und verräth sich durch Brausen mit Säuren. 
Ein unvollkommen schiefriges Gefüge des Gesteines ist ganz allgemein 
und wird selbst dann wahrgenommen, wenn es in dicken Bänken abge- 
lagert ist. Grauwacken-Conglomerate kommen im Ganzen selten 
und nur untergeordnet vor. Das Bindemittel ist hier von derselben dunkel- 
lauchgrünen talkähnlichen Beschaffenheit wie bei den Sandsteinen. In 
demselben liegen weisse hnsenförmig zusammengedrückte erbsen- bis 
haselnussgrosse Gerölle von weissem Quarz und unregelmässig ovale bis 
l'|2Zoll grosse flache Lamellen von schwarzem fein gefältelten Thonschiefer. 
Diese Thonschiefer -Lamellen befinden sich in paralleler i\nordnung und 
bringen ein unvollkommen schieferiges Gefüge des Gesteines hervor. Auf 
den Schieferungsflächen treten diese Thonschiefer-Schuppen viel mehr als 
der Quarz hervor* den letzteren erkennt man fast nur auf dem Querbruche 
des Gesteins. Namentlich am Wege von Würbenthal nach Eng eis b erg 
und zwischen Lichtenwerden und Altstadt bei Freudenthal sind 
solche Grauwacken-Conglomerate deutlich aufgeschlossen. 

Die Thon schiefer sind gewöhnlich dunkel grünlich-grau und ebenfalls 
von unvollkommen krystallinis ehern Gefüge, jedoch in minderem Grade 
als die Thonschiefer des Würbenthaler Schichten -Systems. Sie werden 
zwar auch zuweilen dem Chloritschiefer und Glimmerschiefer ähnlich, 
aber niemals in solchem Grade, dass deutliche Glimmer- oder Chlorit- 
Krystalle erkennbar würden. Eine feine Fältelung der Schieferungsflächen 
ist ganz allgemein, jedoch weniger fein und weniger regelmässig, als bei 
den Thonschiefern des Würbenthaler Schichten-Systemes. 

Zuweilen treten statt der gewöhnlichen Thonschiefer ausgezeichnete 
Dachschiefer auf. Dieselben bilden mehrere dünne Zonen in dem Schich- 
ten -Complexe. Sie sind an vielen Stellen durch Schieferbrüche aufge- 
schlossen. Ausgedehnte Schieferbrüche sind namentlich bei Dittersdorf 
östlich von Engelsberg. Sonst auch bei Kotzendorf zwischen Schrei- 
berseifen und Neu-Ebersdorf nördlich von Freudenthal, auf den 
Fleischerbergen südlich von Kronsdorf im Westen von Jägerndorf 
und südlich von dem Dorfe Wildgrund nordöstlich von Zuckmantel. 

In dem Veik’schen Dachschieferbruche bei Dittersdorf umschliesst eine 


Engelsberger Grauwacke, 


19 


Thonschiefer-Lage, welche in dem Bruche zu oberst liegt, faustgrosse, bis 
mehrere Centner schwere gerundete Geschiebe von einem sehr feinkörni- 
gen graulich weissen Granit, der mit keiner der im Altvater- Gebirge an- 
stehend gekannten Granit- Varietäten übereinstimmt. 

Zwischen den Grauwacken und Thonschiefern findet ein unregelmässi- 
ger Wechsel Statt, jedoch so, dass die Grauwacken vorherrschen. Zu- 
weilen wechselt feinkörniger Grauwacken- Sandstein und Thonschiefer in 
ganz dünnen, kaum Zoll dicken Lagen, so dass der Querschnitt des Gesteins 
bandförmig gestreift erscheint. 

h. Lagerungsverhältnisse. 

Das ganze Schichten -System ist wie die angrenzenden Systeme in 
eine Menge paralleler, von lokalen Abweichungen abgesehen, von Nor- 
den nach Süden streichender Falten gebogen. Ein Fallen der Schich- 
ten gegen Osten ist vorherrschend. Man darf sich durch dasselbe nicht 
verführen lassen, die in gleicher Richtung fallenden Schichten als eine ein- 
fache Schichtenfolge anzusehen. Eine solche ist nirgends scharf zu ermit- 
teln und deshalb auch die Mächtigkeit des ganzen Schichten-Systems, die 
jedoch jedenfalls mehrere tausend Fuss beträgt, nicht mit Sicherheit zu 
bestimmen. 

Sehr allgemein ist die Erscheinung der transversalen oder falschen 
Schieferung in den Thonschiefern und feinkörnigen Grauwacken -Sand- 
steinen des Schichtensystems verbreitet. Häufig ist die dadurch bewirkte 
Absonderung so vollkommen, dass die Richtung der ursprünghchen Schich- 
tung schwer erkennbar wird. Bei Neu -Ebersdorf südwestlich von 
Jägerndorf und am Kreutzberge bei Alt-Bürgersdorf südwestlich 
von Tropplo witz wurde die Erscheinung namentlich deutlich beobachtet. 

Die Grenzen des Schichten-Systems nach oben und unten sind in gleicher 
Weise wenig scharf bestimmbar. Nach unten gegen die Würbenthaler 
Schichten hin wird, wie schon bei jenen bemerkt wurde, das erste Auf- 
treten von^Grauwacken-Sandsteinen, die den Würbenthaler Schichten 
fremd sind, als Grenzlinie angenommen, nach oben gegen die Bennischer 
Schichten hin ist das Vorkommen von gewissen verwitterten gelbgrauen 
Sandsteinen und schwarzen gelbgefleckten Thonschiefern in dem untersten 
Theile dieses letzteren Schichten-Systems für die Abgrenzung leitend. 

c. Verbreitung. 

Die Gesteine dieses Schichten-Systems bilden eine grosse, in der Rich- 
tung nach Süden vorzugsweise ausgedehnte, zwischen den Städten 

3 * 


20 


Devonische Schichten. 


Sternberg in Mähren und Zuckmantel in Oesterreichisch - Schlesien 
7‘|2 Meilen lange und zwischen Engelsberg und Bennisch 2 ^ 1 ^ Meilen 
breite Zone. Dieselbe wird gegen Westen durch die Zone der Würben- 
thaler Schichten, gegen Osten durch diejenige der Bennischer Schichten, 
begrenzt. Der ganze von derselben eingenommene Flächenraum beträgt 
gegen 12 Quadrat-Meilen. Die Städte und Flecken Engelsberg, Freu- 
denthal, Friedland, Braunseifen, Deutsch-Hause undSternberg 
liegen namentlich in dem Bereiche dieser Zone ^). 

d. Organische Einschlüsse. 

Nur von einem einzigen Punkte, von Dittersdorf östlich von Engels» 
berg nämlich, sind bisher einige wenige Versteinerungen aus diesem 
mächtigen und weit verbreiteten Schichten - Systeme bekannt geworden. 
Im Jahre 1855 gab der seitdem verstorbene Dr. Scharenberg eine 
Notiz über einige von ihm bei Engelsberg aufgefundene Versteinerungen 
und führte neben Crinoiden und Polypen namentlich auch Lituiten auf. 
Diese von Scharenberg aufgefundenen Versteinerungen sind schlecht 
erhaltene Steinkerne, welche eine genaue Bestimmung nicht zulassen. Das 
bemerkenswertheste Stück ist ein 4 Zoll breiter verdrückter Steinkern eines 
spiral aufgerollten gekammerten Cephalopoden (Vergl. Taf. 2 Fig. 1), 
welchen Scharenberg für einen Lituiten erklärte, den ich selbst aber 
lieber zu der Gattung Gyroceras stellen möchte, ohne ihn freilich auf eine 
bestimmte bekannte Art dieser Gattung näher beziehen zu können. Die 
übrigen von Scharenberg gesammelten Arten sind ganz unvollkommen 
erhaltene einzellige Cyathophylliden und Säulenstücke von Crinoiden mit 
radial gestreiften Gelenkflächen. Zu diesen von Scharenberg aufgefun- 
denen Arten kommen nun noch einige durch A. Halfar in dem auf der 


1) Das südliche Ende dieser Zone fällt nicht mehr in den Bereich der Karte. Für die Kenntnis» 
desselben ist Fötterle’s geologische Karte der Markgrafschaft Mähren etc. zu vergleichen. Auf 
dieser Karte sind die Gesteine der in Rede stehenden Zone als Devonische Grauwacken und Thon- 
schiefer bezeichnet. Die Grenzen dieser Gesteine gegen Westen und Osten auf der genannten Karte, 
welche durch H. Wolf in Wien aufgenommen wurden, stimmen im Grossen und Ganzen mit der für 
unsere Zone angenommenen überein. 

2) Vergl. 33ster Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländ. Cultur, 1855. S. 22. 
Diese von Scharenberg aufgefundenen Versteinerungen werden in der Sammlung der königlichen 
Bergakademie aufbewahrt und haben mir zur Vergleichung Vorgelegen. Herr A. Halfar hat ermit- 
telt, dass während Scharenberg selbst nur allgemein Engelsberg als Fundort dieser Versteine- 
rung angiebt, dieselben in Wirklichkeit aus den Dachschieferbrüchen von Dittersdorf östlich von 
Engelsberg und zwar aus dem Veik’schen, an dem obersten Dorfende gelegenen Schieferbruche 
herrühren. 


ßennisoher Schichten. 


21 


Südseite des unteren Dorfendes von Dittersdorf gelegenen Alscher- 
schen Schieferbruche gesammelte, freilich auch nur sehr unvollkommen 
erhaltene Arten hinzu. Es sind Säulenstücke von Crinoiden, einzellige 
Cjathophylliden und eine nicht näher bestimmbare Art der Gattung Syrin- 
gopora. Sie liegen auf der angewitterten Oberfläche eines dichten oder 
sehr feinkörnig krjstallinischen dunkel blaugrauen Kalksteins, welcher in 
dem genannten Steinbruche zwei durch einen l^IgFuss grossen Abstand von 
einander getrennte 2 bis 4 Zoll dicken Lagen in dem Dachschiefer bildet 

e. Altersbestimmung. 

Die wenigen vorstehend aufgeführten organischen Einschlüsse, welche 
bisher aus dem Schichten-Systeme bekannt geworden sind, genügen für 
dessen genauere Altersbestimmung nicht. Der Umstand, dass die durch 
die Schichten gebildete Zone östlich von derjenigen der unzweifelhaft 
Unter-Devonischen Würbenthaler Schichten und westlich von derjenigen 
der jedenfalls auch Devonischen Bennischer Schichten liegt, lässt es als 
sicher erscheinen, dass auch die Schichten selbst der Devonischen Gruppe* 
angehören. Für die Ermittelung der näheren Stellung innerhalb der Gruppo 
gewähren aber auch diese Verhältnisse der Lagerung kein Anhalten, weil 
die Stellung der ostwärts angrenzenden Bennischer Schichten auch nicht 
näher bestimmbar ist. 

3. Bennischer Schichten. 

Unter dieser Benennung wird hier ein aus Grauwacken -Sandsteinen^ 
Thonschiefern, Quarz-Conglomeraten und Diabas-Mandelsteinen mit unter- 
geordneten Kalkstein-, Eisenstein- und Schalstein - Lagern bestehendes 
Schichten-System zusammengefasst, welches bei der östlich von Freuden- 
thal gelegenen kleinen Stadt Bennisch deutlich entwickelt und zum Theil 
durch Bergbau aufgeschlossen ist und nach seiner Lagerung zwischen den 
Engelsberger Schichten einer Seits und den Culm - Schichten anderer Seits 
eine Altersstellung zwischen beiden einnehmen muss. 

a. Petrographisches Verhalten. 

Die Grauwacken-Sandsteine sind deutlich körnig und unterschei- 
den sich von denjenigen der Engelsberger Schichten durch die deutliche 
Sonderung der nicht verflössten Gemengtheile. Ein fast beständiger Kalk- 
gehalt ist im Vergleich zu jenen ebenfalls bezeichnend. Selten wird das 
Gestein so grobkörnig, dass man es als Grauwacken-Conglomerat bezeich- 
nen kann. Die Farbe ist im frischen Zustande dunkel bläulich oder dunkel 


22 


Devonische Schichten. 


grünlich grau. Durch Verwitterung des Gesteins wird sie heller. Gewisse, 
die Eisensteinlager zunächst begleitende Sandsteine von geringer Mächtig- 
keit sind ganz mürbe und von gelber Farbe. 

Die Thonschiefer haben im Vergleich zu denjenigen des Engels- 
berger Schichten-Systems viel mehr das Ansehen gewöhnlicher mechanisch 
gebildeter Sedimente und niemals das halbkrystallinische, derjenigen des 
Glimmerschiefers ähnliche Gefüge, welches dort häufig ist. Auch die bei 
jener so gewöhnliche feine parallele Fältelung fehlt. Die falsche oder 
transversale Schieferung ist nicht selten und wurde z. B. in den Thon- 
schiefern von Andersdorf südwestlich von Bärn deutlich beobachtet. 
Gewisse die Eisenerze zunächst begleitende Lagen des Thonschiefers sind 
kalkhaltig und zur Verwitterung geneigt. Die Verwitterung zeigt sich 
zuerst in dem Hervortreten grosser heller Flecken auf den Schichtflächen. 
Zuletzt wird die ganze Masse des Schiefers gelb und mürbe. 

Schwarze Kiesel schiefer sind in dünnen Lagen den Thonschiefern 
untergeordnet, welche die Eisenerze begleiten. 

Kalkstein kommt nur sehr untergeordnet vor. Er bildet kleine stock- 
förmige den Diabas -Mandelsteinen untergeordnete Massen von schwarzer 
oder rother Farbe. 

Die Quarz-Conglomerate sind von lichter gelblich weisser Farbe 
und bestehen aus erbsengrossen bis haselnussgrossen, durch ein kieseliges 
Bindemittel verkitteten Quarzgeröllen. Uebergange in Sandstein sind häufig. 
Das Gestein ist stark zerklüftet und zeigt grosse Neigung zu zerfallen. Es 
besteht daraus eine Zone, welche sich vom Kreuzwaldberge westlich 
von Bärn mit einiger Unterbrechung über die nördlich der Stadt gelegene 
ehemalige Giesshütte westlich anNeu-W altersdorf vorbeibis Ochsen - 
stall erstreckt. Ein gesonderter kleiner Ausläufer des Gesteins zeigt sich 
auch noch in dem Dorfe Carlsberg. Die deutlichsten Aufschlüsse ge- 
währt eine Anzahl von Steinbrüchen, welche nordöstlich von der genann- 
ten Giesshütte im Walde zerstreut liegen. Ein westlich der Giesshütte 
auf dem gegenüberliegenden Thalgehänge befindlicher Steinbruch zeigt das 
Gestein in losen Gruss aufgelöst. Auch westlich und nördlich von Neu- 
Waltersdorf ist das Gestein, welches sich hier fast nur als Sandstein 
zeigt, durch Steinbrüche aufgeschlossen. Lose Blöcke des Gesteins liegen 
auf der östlichen Abdachung des Kreuzwaldberges bei Andersdorf 
westhch von Bärn umher. 

Der Diabas-Mandelstein erscheint in der sehr mannichfaltigen 
äusseren Form, wie sie dem Gesteine auch in anderen Gegenden seines 
Vorkommens und namentlich in Nassau und am Harze eigenthümlich 


Bennischer Schichten. 


28 , 


ist. In einer dunkeln dichten Grundmasse liegen weisse Körner von Kalk- 
spath. Die gewöhnliche Farbe der Grundmasse ist dunkel lauchgrün. Im 
ganz frischen Zustande des Gesteins ist die Farbe grünlich schwarz. Bei 
stärkerer Verwitterung färbt sich das Gestein braun. Die mohnkorngrossen 
oder linsengrossen Kalkspath - Körner werden dann ausgelaugt und das 
ganze Gestein wird schwammig porös. Ein mehr oder minder deutliches 
schieferiges Gefüge kommt dem Gesteine allgemein zu, Uebergänge in 
Schalstein und Kalkschiefer sind nicht selten. Man beobachtet dergleichen 
namentlich nördlich von der Spachendorfer Fabrik. 

Das Eisenerz ist von sehr verschiedener äusserer Erscheinungsweise. 
Durchaus vorherrschend ist ein an Quarz oder Kalkstein gebundenes 
Magneteisen. Zuweilen erscheint dieses letztere in deutlich ausgebildeten 
lebhaft glänzenden Oktaedern. Meistens ist es dicht. Zuweilen ist neben 
dem Magneteisen auch schuppiger Eisenglanz in ganz kleinen Blättchen 
eingestreui So namentlich auf den Gruben in Lodenitz unweit Bärm 
Ist die Grundmasse kalkig, so ist die Farbe des ganzen Erzes schwarz 
oder dunkelgrau. Pechglänzende schwarze Schnüre von grossblätterigem 
Stilpnomelan durchziehen dann häufig das dunkele Erz. So namentlich 
bei Christdorf nördlich von Hof und auf dem Tief- Anna-Schachte 
bei Bennisch. 

b. Erzvorkommnen. 

Abgesehen von dem vorher beschriebenen der Schichtenfolge fast in 
ihrer ganzen Verbreitung eigenthümlichen Magneteisenstein -Vorkommen 
ist an einer einzelnen Stelle auch noch eine Lagerstätte von silberhaltigem 
Bleiglanz der Schichtenfolge untergeordnet. Diese Lagerstätte ist diejenige 
des südlich von Bennisch gelegenen Silberschachtes, welche früher 
Gegenstand eines bedeutenden, jetzt verlassenen Bergbaues gewesen ist. 
Nur durch Berichte der früher auf der Grube beschäftigten Arbeiter und 
durch die auf den Halden liegenden Gesteinsstücke kann man sich gegen- 
wärtig von der Natur dieses Erzvorkommens eine Vorstellung bilden. An- 
geblich ist das Erzvorkommen ein gangartiges gewesen. Der vorzugsweise 
gebaute „Haupt- oder Mittags - Gang“ hatte ein Streichen von Süden nach 
Norden und fiel mit 40*^ gegen Osten ein. Die Mächtigkeit schwankte 
zwischen 1 bis 6 Fuss. Das die Erze einschliessende Gestein besteht aus 
Schwerspath, Kalkspath und Quarz. Von dem Schwerspath findet man 
krystallinisch blätterige Massen und Aggregate von bläulich weissen Krjstal- 
len noch auf den Halden. Das Erz selbst ist silberhaltiger Bleiglanz mit 
gelber Blende, Kupferkies und viel Schwefelkies. Mehrere Stufen dieses 


24 


Devonische Schichten. 


Erzgemenges wurden in Bennisch erworben. In grosser Häufigkeit liegen 
auf den Halden Blöcke einer aus eckigen Stücken von schwarzem Kiesel- 
schiefer und einem Bindemittel von weissem Quarz bestehenden Breccie. 
Zerstreut an der Oberfläche umherliegende Blöcke desselben Gesteins 
lassen sich südwärts bis zum Glammersberge, nordwärts bis zum 
Georgs schachte verfolgen. 

Dicht südlich von der Kirche von Seitendorf ist ein demjenigen des 
Silberschachtes ähnliches Erzvorkommen bekannt. Hier ist Kieselschiefer 
das erzführende Gestein. 

c. Yerhreitung. 

Die Gesteine dieses Schichtensystems setzen eine schmale 5*|2 Meilen 
lange und gewöhnlich kaum Meile breite Zone zusammen, welche sich von 
Sternberg in Mähren bis Lichten südlich von Jägerndorf in Oester- 
reich. Schlesien erstreckt. Gegen Osten wird diese Zone durch die Culm- 
Schichten, gegen Westen durch die Engelsberger Schichten begrenzt. Die 
Grenze gegen die letzteren Schichten ist bei der Aehnlichkeit der Grau- 
wacken-Sandsteine und Thonschiefer der oberen Abtheilung der Engels- 
berger Schichtenfolge mit denjenigen der Bennischer Schichtenfolge und 
bei der Abwesenheit von Versteinerungen in den Grenzschichten sehr 
schwierig scharf festzustellen und namentlich da, wo die Diabas -Mandel- 
steine und die die Eisenstein -Lager gewöhnlich begleitenden den Thon- 
schiefern untergeordneten Kieselschiefer fehlen, hat man kaum ein Anhal- 
ten für eine sichere Abgrenzung der Zone. Die Grenze gegen die Culm- 
Bildung ist meistens durch die an der Basis dieser Bildung gewöhnlich auf- 
tretenden groben Grauwacken- Conglomerate bezeichnet. Auch orogra- 
phisch zeichnet sich die Zone vor der angrenzenden im Ganzen wenig aus. 
Nur die Diabas -Mandelsteine treten gewöhnlich in höckerigen 15 bi^ 
30Fuss hohen Felsen in auffallender Weise auf den durch die Thonschiefer 
und Grauwacken gebildeten breiten Rücken oder Hochflächen hervor. 

Die Verbreitung dieser Zone ist wie ihre Zusammensetzung vorzugs- 
weise durch die zahlreichen Eisensteingruben bekannt*). Das Eisenerz- 
vorkommen besteht in aufgerichteten Lagern von fein eingesprengtem 
Magneteisenstein, welche gewöhnlich zu mehreren und unter sich parallel in 


1) Der Eisensteinbergbau auf diesen Gruben wird vorzugsweise für die Roth Schild’ sehen 
Hüttenwerke in Witkowitz bei Mährisch«Ostrau, für diejenigen der Gebrüder Klein zu Buch- 
bergsthal in Oesterreich. Schlesien und an mehreren Orten in Mähren und besonders bei Barn 
für die Erzherzoglich Albrecht’schen Hüttenwerke in der Gegend von Te sehen betrieben. 


Bennischer Schichten. 


25 


einer zwischen 50 und 180 Fuss schwankenden Gesamrnt-Mächtigkeit auf- 
treten. Die Mächtigkeit der einzelnen Lager beträgt zwischen 1 bis 27 Fuss, 
ihre Ausdehnung in der Richtung des Streichens 30 bis 300 Fuss. 

Der südlichste Punkt des Eisensteinvorkommens ist Deutsch -Lode- 
nitz, wo die in dem Dorfe selbst befindliche Ferdinandsgrube auf dem- 
selben baut. Dicht südwärts von der Kirche des Dorfes tritt der Diabas- 
Mandelstein dicht unter dem Rasen auf. Die dann in der Richtung gegen 
Nord-Ost zunächst folgenden Eisenstein- Gruben sind diejenigen auf dem 
Kreuzwaldberge bei Andersdorf. Der Diabas -Mandelstein tritt in 
dem Felde dieser Gruben nicht in orographisch auffallenden Formen her- 
vor. Dagegen beginnt an dem nordöstlichen Abfalle des Kreuz wald- 
berges eine bis an den nordöstlich von Bärn gelegenen Sarnickel-Berg 
zu verfolgende Reihe von auffallend höckerigen Felsen von Diabas-Mandel- 
stein. Zu denselben gehört auch der unmittelbar bei der Stadt sich erhe- 
bende Kapellenberg, von dessen Höhe sich die anderen Felsen am 
besten übersehen lassen. Das Vorkommen des Eisensteins in der Umge- 
bung von Bärn betreffend so geht besonders um Brockersdorf ein sehr 
alter Bergbau um. Neben dem Magneteisenstein kommt hier auch Roth- 
eisenstein vor, was, obgleich häufig behauptet, von keinem anderen Punkte 
der Zone bekannt ist. 

Weiter nördlich folgen dann die Gruben bei Christdorf. Sie liegen 
an dem Nordende des Dorfes und zeichneten sich namentlich früher durch 
ein Vorkommen von besonders reichem Erze aus. Stilpnomelan in zum 
Theil l Zoll starken Trümern ist hier häufig. 

Eine deutliche Entwickelung gewinnen die Gesteine der Zone bei 
Spach endorf an der nordöstlichen Abdachung der Berggruppe des 
Rautenberges. Der Diabas-Mandelstein tritt besonders am nördlichen 
steil abstürzenden Thalgehänge der Mora in deutlichen Felsen auf. 
Schwarze Schiefer mit faustgrossen Kalksteinknollen sind östlich dem 
Diabas-Mandelsteine angelagert. Diese Schiefer sind durch einen etwas 
weiter nördlich gelegenen bedeutenden aber jetzt verlassenen Kalkstein- 
bruch aufgeschlossen. In einem einige hundert Schritt weiter südöstlich 
gelegenen viel kleineren Steinbruche stehen dunkele Kalkschiefer und in 
deren Hangendem hellfarbige zersetzte Schiefer an. Eisensteinbergbau 
wird gegenwärtig besonders westlich von Spachend orf betrieben. West- 
lich von der Heidenpiltscher Fabrik sind mehrere Gruben, deren Erz 
zum Theil ein mit fein vertheiltem Magneteisen imprägnirter dunkel lauch- 
grüner Quarz ist. 

Westlich des von Spachendorf nach Bennisch führenden Weges, 

4 


26 


Devonische Schichten. 


*|4 Meile nördlich von ersterem Orte, befinden sich in einem Birkenwalde 
versteckt alte verlassene Eisenerzförderungen, in welehen früher ein in 
Begleitung von Diabas -Mandelstein auftretendes sehr reiches Eisenerz 
gewonnen wurde. 

Dann folgen weiter nördlich alte Eisensteinförderungen auf einem rechts 
von dem Wege nach Bennisch gelegenen niedrigen Hügel. Dicht westlich 
an diesen Förderungen treten Schaalsteine zu Tage. Unfern dieses Punktes 
zieht sich auf der linken Seite des nach Bennisch führenden Weges eine 
schmale Zone eines eigenthümlichen schieferigen Gesteines von grau grün- 
licher Farbe entlang. In einer Serpentin-artigen durchscheinenden weichen 
a.morphen Grundmasse liegen zersetzte und zu Kaolin aufgelöste kleine 
weisse Krystalle ( Oligoclas?) porphyrartig ausgesondert. 

Weiter nordöstlich gelangt man zu den südlich von Bennisch gele- 
genen Erzförderungen. Zunächst zu denjenigen am Glammers berge, 
einem mit Laubholz bestandenen aus einzelnen 10 bis 15 Fuss hohen höcke- 
rigen Felsen bestehenden niedrigen Höhenzuge, welcher selbst aus Diabas- 
Mandelstein besteht. Auf dem am westlichen Abhange gelegenen David- 
schachte wurde früher ein aus der Zersetzung von Magneteisenstein her- 
vorgegangener mulmiger Brauneisenstein gegraben. Auf dem Gl^mmers- 
berge selbst sind zwei Erzlager aufgeschlossen worden, von denen das 
eine bis 36 Zoll Mächtigkeit hat und sehr steil gegen Osten einfällt. Das Erz 
gleicht demjenigen, welches bei Spachendorf an der vorher erwähnten 
Stelle vorkommt. Es ist ein kieseliges Gestein von dunkel lauchgrüner 
Farbe mit grossen ziegelrothen Partien von rothem Eisenkiesel, in welches 
kleine mit blossem Auge kaum erkennbare glänzend glatte Oktaeder von 
Magneteisenstein eingesprengt sind. In unmittelbarer Nähe dieser Eisen- 
erzlager steht wahrscheinlich der Kalkstein an, welcher nordwärts von 
diesem Punkte auf einem Feldwege in losen Blöcken umherliegt. Derselbe 
ist von graulich weisser Farbe, von krystallinisch körnigem Gefüge und ist 
erfüllt mit Säulenstücken von Crinoiden, namentlich auch solchen mit fünf- 
fachem Nahrungskanal (Cupressocrinus?),^ 

Nur durch einen kleinen Zwischenraum getrennt folgen die Eisenerz- 
förderungen von Tief- Anna und Gross- Anna an dem Wilde Gans ge- 
nannten höckerigen Felsen von Diabas-Mandelstein. Der Tief- Anna-Schacht 
liegt hart an diesem Felsen. Das hier abgebaute Lager soll bis 10 Fuss 
Mächtigkeit haben und fällt mit 45® gegen Osten ein. Es hat angeblich 
Thonschiefer zum Liegenden und schieferigen Sandstein zum Hangenden. 
Das Erz ist ein schwarzes, häufig mit Schnüren von grossblätterigen Stilpno- 
melan durchzogenes kalkiges Gestein. Dasselbe schliesst Goniatiten und 


Bennischer Schichten. 


27 


Orthoceren ein. Durch einen 40 bis 50 Fuss grossen Zwischenraum davon 
getrennt befindet sich im Hangenden ein 6 bis 8 Zoll starkes Kalklager, 
welchem wahrscheinlich die auf den Halden liegenden Stücke eines korallen- 
reichen rothgefleckten grauen Kalksteins angehören. 

In nordöstlicher Richtung weiter fortschreitend gelangt man zu den 
Gruben bei S eiten dorf‘). An der Südseite des Dorfes westlich von der 
Kirche hat das Erzlager eine Mächtigkeit von 3^|2 bis 7 Fuss. Es ruht auf 
nierenförmig abgesondertem Kalkstein und wird von Schalstein überlagert. 
Auf den letzteren folgt weiter im Hangenden Thonschiefer. Mehrere 
Schürfe in der nordwärts von dem Bache gelegenen Hälfte des Dorfes 
haben ebenfalls das Erzlager und den Merenkalk aufgeschlossen. 

Nördlich von Seitendorf befindet sich unmittelbar an der von Ben- 
nisch nach Troppau führenden Landstrasse einem Kreuze gegenüber 
ein verlassener Schacht, in welchem früher Eisenerze in Begleitung von 
Diabas -Mandelstein gewonnen wurden. Nördlich von derselben Land- 
strasse liegt *|4 Meile weiter gegen Westen im Walde versteckt am östlichen 
Ende eines ganz niedrigen' Hügelrückens ein alter verlassener Steinbruch, 
in welchem auf kalkigem Grauwacken-Sandstein eine 6 bis 10 Fuss mäch- 
tige Bank von hellfarbigem grünlich grauen dünnschieferigen Wetzschiefer 
lagert, der seiner Seits von blauschwarzem dünnschieferigen Thonschiefer 
bedeckt wird. Dieser Thonschiefer schliesst dünne Zwischenlagen von 
Serpentin mit zersetzten weissen Krystallen ( Oligoclas?) ein. Dieses Vor- 
kommen Serpentin artiger Zwischenlagen gleicht durchaus dem früher er- 
wähnten zwischen Spachendorf und Bennisch. Zugleich enthält der 
Thonschiefer Versteinerungen, namentlich Trilobiten (Acidasjpis sp,)^ 
Tentaculiten und ein nicht näher bestimmbares Cjathophyllid. 

Ein anderer Aufschlusspunkt befindet sich bei den Frobelhof- Wald- 
häusern südlich des von Bennisch nach Zossen führenden Weges. Eine 
alte Schachtpinge bezeichnet die Stelle, an welcher früher Eisenerz, welches 
auch hier in Begleitung von Diabas -Mandelstein auftrat, gefördert wurde. 

Endlich ist an der nordwestlichen Seite des Dorfes Lichten Diabas- 
Mandelstein anstehend. Derselbe bildet einige kleine höckerige Felsen auf 
dem Grundstücke des Bauern Johann Meier und tritt auch weiter nördlich 
an der westlichen Abdachung der nördlich vorliegenden hohen Bergkuppe 
noch einmal hervor. Es ist dies der nördlichste Punkt an w^elchem der 
Dmbas-Mandelstein bekannt ist. Zugleich endigt hier die Zone der Ben- 
nischer Schichten insofern, als genau in der Fortsetzung der bisherigen 


1) Wilhelmine- und Heinrich-Schächt genannt. 

» 4* 


28 


Devonische Schichten. 


Richtung der Zone gegen Norden Gesteine derselben überhaupt nicht mehr 
bekannt sind. 

Allein wenn auch die Zone in ihrer typischen Entwickelung hier ihr 
nördliches Ende erreicht, so lässt sie sich in gewissen Ausläufern noch viel 
weiter gegen Nordwesten verfolgen. In die Richtung einer Linie, welche man 
von Olbersdorf nach dem östlichen Ende des nordöstlich von Zuck- 
mantel gelegenen Dorfes Wildgrund in nord-nord- westlicher Richtung 
zieht, fallen verschiedene schmale Partien oder Züge von Diorit, welche 
augenscheinlich Einlagerungen in dem Grauwacken -Gebirge bilden. Der 
Umstand, dass die Linie, in welcher diese Diorit-Partien liegen, in ihrer V^er- 
längerung gegen Süd-Südost genau auf den nordöstlichsten Punkt des Diabas- 
Vorkommens bei Lichten trifft, so wie die Thatsache, dass diese Diorite 
an dem nördlichsten Ende dieser Zone bei Wildgrund durch Kalkgehalt 
und schieferiges Gefüge eine gewisse Verwandtschaft mit Diabas-Mandel- 
stein zeigen, begründen die Vermuthung, dass man in dieser Diorit-Zone eine 
nord-nordwestliche modificirte Fortsetzung der Bennischer Gesteins-Zone 
und im Besonderen der Diabas -Mandelsteine vor sich hat. Meistens sind 
die Diorite nur in der Form von losen Blöcken bekannt. Aber das Vor- 
kommen der Blöcke ist dann unter Ausschluss von Blöcken anderer Gesteins- 
arten gewöhnlich so gehäuft, dass das Anstehen in unmittelbarer Nähe nicht 
zweifelhaft sein kann. Meistens ist das Gestein massig und die Blöcke sind 
kubisch oder polyedrisch. Nur gegen das nordwestliche Ende der Zone 
nimmt es ein schieferiges Gefüge an. So zeigt es sich namentlich oberhalb 
Langenbrück südlich an dem Ufer des Zuckmanteler Wassers, wo es 
einige kleine im Gebüsch versteckte niedrige Felshöcker zusammensetzt, 
und ganz ähnlich an dem nördlichsten Ausläufer des Birkberges nörd- 
lich von Wildgrund, wo das Gestein früher in einem Steinbruche gewon- 
nen wurde. Der massige Diorit ist gewöhnlich feinkörnig und lässt sehr 
selten die Gemengtheile deutlich erkennen. Nur ausnahmsweise ist die 
Hornblende in deutlichen Krystallen ausgebildet. Schwefelkies ist in klei- 
nen Partien häufig eingesprengt und besonders sind die sehr feinkörnigen 
Varietäten des Gesteins reich daran. Das bemerkenswertheste Vorkom- 
men des Diorits befindet sich an der Mandelbecher Kuppe S.S.O. von 
Johannesthal. Dicht östlich von dem Gipfel des Berges befinden sich 
grosse Haufen von Blöcken, die man in dem Walde zusammengelesen 
und hier abgelagert hat. Ganz in der Nähe dieses Punktes wurden auch 
einzelne Stücke des Gesteins gefunden, welche Hornblende in deutlich 
ausgebildeten 1''' bis 3'^' langen Krystallen zeigen. Auch an der süd- 
östlichen Abdachung des Lorbeerberges südlich von Johannesthal 


Beniiischer Schichten, 


29 


sind Blöcke des Gesteins sehr häufig. Sie liegen hier zwischen den lan- 
gen mauerähnlichen Steinhaufen auf den Ackerrainen. Hier wurden 
auch einzelne zollgrosse Quarzgerölle in dem Diorit bemerkt. Auch in 
dem obersten Theile des Dorfes Klein- Wallstein liegen grosse Blöcke 
des Gesteins, welches hier sehr feinkörnig ist und die Gemengtheile nur 
undeutlich erkennen lässt, umher. Völlig scharfkantige und deshalb in 
keinem Falle aus grösserer Entfernung herbeigeführte Blöcke trifft man 
östlich von Gross-Wallstein oben an der Abdachung der zunächst lie- 
genden Bergkuppen an. 

d. Versteinerungen, 

Vergl. Tafel II. 

Im Ganzen sind organische Einschlüsse in den Schichten dieses Systems 
sehr selten und nur von wenigen Fundorten bisher nachgewiesen. Diese 
Fundorte sind folgende: 

1. Die Halden des ^[3 Meile südlich von Bennisch gelegenen 
Gross- Anna-Schacht es. 

Knollen eines krystallinischen grauen Kalksteins mit sehr kleinen 
Oktaedern von Magneteisenstein schliessen unregelmässige wallnussgrosse 
bis kopfgrosse Partien eines feinkörnig krystallinischen rothen Kalksteins 
ein. Diese letzteren rothen Kalkpartien erweisen sich bei näherer Unter- 
suchung als Korallenstöcke und zwar von mehreren Arten. Am häufig- 
sten ist Heliolites porosa mit zum Theil sehr deutlich erhaltener Struktur. 
Nächstdem Stromatopora polymorpha, Älveolites suborbicularis (?) und Am- 
plexus sp. Die Hauptmasse des grauen Kalkes besteht aus Säulengliedern 
von Crinoiden. Darunter wurden namentlich solche mit kreuzförmigem 
vierlappigen Nahrungs-Kanal bemerkt. Ausserdem fand sich ein undeut- 
lich erhaltenes vielleicht als Atrypa reticularis zu bestimmendes Brachiopod. 
Stücke von verwittertem grauen Mergelschiefer, die mit den Kalkstein- 
knolien auf der Halde liegen, haben endlich ein Paar Trilobiten- Arten 
geliefert. Am häufigsten sind Kopfschilder von Phacops latifrons. Bei 
mehreren Exemplaren dieser Kopfschilder ragt der vordere Rand der 
Glabella über den allgemeinen Umriss des Kopfschildes (Vergl. Fig. 7) 
und erinnert dadurch an Phacops cephalotes Corda (Vergl. Barrande Syst. 
Sil. Boh. I. Trilob. p. 509, tab. 20 Fig. 1 — 14) aus Ober-Silurischen Schich- 
ten (Etage G) Böhmens. Ausserdem wurden unvollständige Exemplare 
einer Art der Gattung Acidaspis beobachtet (vergl. Taf. 2. Fig. 4 und 5). 

2. Die Halden des östlich von dem Gross- Anna-Schachte 
gelegenen Klein- Anna-Schachtes und des Fundschachtes. In 


30 


Devonische Schichten. 


einem ähnlichen kalkigen Mergelschiefer kommen hier kleine Brachiopoden 
und namentlich eine kleine Form Rhynchonella parallelepipeda und eine 
nicht näher bestimmbare glatte Terebratel vor. 

3. Die Halden des Tief- Anna-Schachtes. Das schwarze kalkige 
mit Schnüren von Stilpnomelan durchzogene Erz enthält Goniatiten und 
Orthoceren, Die zwei bis drei Zoll grossen Goniatiten^) gehören einer Art 
aus der Gruppe der Goniatiten mit einfachem Dorsal-Lobus und ohne deut- 
liche Lateral- Loben an, wie sie vorzugsweise in Unter -Devonischen und 
Silurischen Schichten verkommen und sind vielleicht mit dem Goniatites 
lateseptatus B e y r i c h aus den Dachschiefern von Wissenbach, dem auch 
der Goniatites plebejus Barr an de aus Ober-Silurischen Schichten Böhmens 
sehr nahe steht, identisch. Die fingerdicken Orthoceren sind zu undeutlich 
erhalten, um eine nähere Bestimmung zuzulassen. Auch eine kleine thurm- 
förmige sehr langsam sich verjüngende Art der Gattung Loxonema wurde 
in demselben dunkelen kalkigen Gesteine beobachtet. 

4. Auf dem von dem Tief- Anna-Schachte nach dem ehemali- 
gen David-Schachte führenden Feldwege liegen nördlich vom 
Glammersberge lose Blöcke von hellgrauem krystallinischen Kalkstein 
umher. Auf den Verwitterungsflächen des Gesteins erkennt man, dass 
dasselbe fast ausschliesslich aus Säulenstücken von Crinoiden zusammen- 
gesetzt ist. Unter diesen wurden einzelne kleine Säulenstücke beobachtet, 
welche, wie es nur bei den Säuiengliedern der Gattung Cupressocrinus be- 
kannt ist, ausser demi centralen Nahrungskanale, noch von vier anderen 
excentrischen durchbohrt sind. (Vergl. Taf. 2. Fig. 14, 15.) 

5. Zwischen den Frobelhof- Waldhäusern und Seitendorf 
finden sich in dem schon vorher erwähnten verlassenen Steinbruche 
in dunkelgrauen kalkigen Thonschiefern einige in der Form von Stein- 
kernen erhaltene organische Einschlüsse. Am häufigsten ist ein kleines 
einzelliges Cyathophyllid. Ferner wurden einzelne unvollständige Rumpf- 
Segmente eines zur Gattung Acidaspis gehörenden Trilobiten beobachtet. 
Endlich sind gewisse Lagen des Schiefers ganz erfüllt mit den zusamm en- 
gedrückten und nach Art der Tentacuiites striatus Richter mit einem mitt- 
leren Längsknick versehenen nur 4 millim. langen Schalen eines kleinen 
Tentaculiten ähnlichen Körpers^). Dieselbe Art kommt in gleicher Zu- 
sammenhäufung in einem ähnlichen aber mürberen Thonschiefer bei Go- 
bitschau unweit Sternberg vor. 


1) Vergl. Taf. 2 Fig. 2 und 3. 
Vergl. Taf, 2 Fig. 11. 


Bennischer Schichten. 


31 


e. Altersbestimmung*. 

Die allgemeine Betrachtung, dass die Bennischer Schichten gegen 
Osten durch Grauwacken und Thonschiefer mit Posidonomya Becheri, also 
durch wesentlich dem Kohlenkalke aequivalente Gesteine begrenzt wer- 
den und dass sie anderer Seits in ansehnlicher Entfernung gegen Westen 
die Unter-Devonischen Quarzite des Einsiedler Dürrberges bei Wür- 
benthal haben, macht es wahrscheinlich, dass sie der oberen Abtheilimg 
der Devonischen Gruppe angehören. Die petrographische Beschaffenheit 
und die organischen Einschlüsse bestätigen zum Theil diese Annahme. Die 
Diabas -Mandelsteine von Bärn, Bennisch u. s. w., gleichen durchaus 
denjenigen, welche in Nassau, in Westphalen und am Harze dem 
durch Goniatiten und Cljmenien vorzugsweise als Ober-Devonisch bezeich- 
neten Schichten-Systeme untergeordnet sind. Auch das Vorkommen von 
Eisensteinlagern in der Begleitung der Diabas-Mandelsteine entspricht dem 
Verhalten in Nassau, in Westphalen und am Harze. Freilich ist das 
Eisenerz nicht wie in den genannten Gegenden Rotheisenstein, sondern 
Magneteisenstein. Aber diese mineralogische Verschiedenheit des Erzes 
hebt doch wohl die in dem Vorkommen der Eisensteinlager überhaupt be- 
gründete Analogie nicht auf. Die organischen Einschlüsse betreffend, so sind 
die bisher bekannt gewordenen leider zu sparsam um einen ganz sicheren 
Schluss auf das Alter der Schichten zu begründen. Die in dem Kalksteine 
des Gross-Anna- Schachtes bei Bennisch beobachteten Korallen, wie 
namentlich Heliolites joorosa Stromatoposa polymorpha und Älveolites suborbi- 
cularis sind Devonische, der mittleren und oberen Abtheilung der Gruppe 
gemeinsame Arten. Auch der auf den Halden desselben Schachtes be- 
obachtete Phacops latifrons ist für die nähere Altersbestimmung nicht ent- 
scheidend, da diese Trilobiten-Art wohl in der mittleren Abtheilung der 
Devonischen Gruppe ihre Hauptverbreitung hat, aber auch in der mittleren 
und unteren gefunden wird. Das Vorkommen der Goniatiten in den 
schwarzen mit Diabas-Mandelsteinen in enger Verbindung stehenden Erzen 
auf den Halden des Tief- Anna-Schachtes erinnert im Allgemeinen an 
das Vorkommen der Goniatiten in den ebenfalls von Diabas-Mandelsteinen 
begleiteten Eisensteinen von Nassau und Westphalen. Allein der Art 
nach stimmt der Goniatit von Bennisch vielmehr mit Unter-Devonischen 
und Ober-Silurischen, als mit Ober-Devonischen Arten überein. 

Die in den am Glammersberge lose umherliegenden Blöcken be- 
obachteten Säulenglieder von Cupressocrinus sind wohl für die Devonische 
Natur des Kalksteins beweisend, aber für die nähere Altersbestimmung 
sind sie kaum entscheidend. Die übrigen Versteinerungen sind für die 


32 


Devonische Gesteine im Westen des Polnischen Jura-Zuges. 


Feststellung des geognostischen Niveau’s der Schichten nicht zu benutzen. 
Unter diesen Umständen bleibt das Alter der Bennischer Schichten 
ziemlich unbestimmt und es muss die Auffindung anderer entscheidenderer 
organischer Einschlüsse abgewartet werden um diese Unsicherheit zu be- 
seitigen. Immerhin ist aber aus den allgemeinen Lagerungs- 
verhältnissen so viel unbedenklich zu folgern, dass der hier 
unter der Benennung „Bennischer Schichten“ zusammenge- 
fasste Schichten-Complex jünger ist als die unzweifelhaft 
Unter-Devonischen Quarzite des Einsiedler Dürrberges bei 
Würbenthal und auch als die Engelsberger Schichten, da- 
gegen älter als die ostwärts verbreiteten durch Posidonomya 
Becheri bezeichneten Culm-Grauwacken. 


B. Devonische Gesteine im Westen des Polnischen Jura -Zuges. 

Die Verbreitung dieser Gesteine ist nur gering, aber dennoch ist ihr 
Vorkommen von bedeutendem Interesse, namentlich weil durch sie die 
Grenze des Oberschlesisch -Polnischen Kohlenbeckens gegen Osten und 
Süd-Osten fest bestimmt wird. 

An zwei Stellen kennt man Gesteine dieses Alters. Einmal in den 
Umgebungen von Siewierz in Russisch-Polen und andererseits bei 
Dembnik unweit Kreszowice im Krakau’schen Gebiete. 

1. Partien in der Umgebung von Siewierz 0* 

Hierher gehören drei kleine Partien : 

a. Der Hügel hei Dziwki. 

Der zwei bis drei Meilen breite Zwischenraum zwischen dem nord- 
östlichen Flügel des grossen oberschlesisch-polnischen Steinkohlenbeckens 
und dem polnischen Jura-Zuge von Olkusz, Pilica und Czenstochau 
wird durch Gesteine der Trias-Formation ausgefüllt. Ein durch verschie- 
dene Glieder des Muschelkalks gebildeter Rücken erstreckt sich mit nord- 
westlicher Richtung von Olkusz über Slawkow bis Siewierz. Am süd- 
westlichen Abhange dieses Rückens tritt der bunte Sandstein in der Form 
braunrother Letten hervor und bildet eine schmale, das Steinkohlengebirge 
zunächst begrenzende Zone. Der Boden des flachen und meistens wald- 


i) Vergl. F. Roemer, Ueber die Auffindung devonischer Kalksteinschichten bei Siewierz ini 
Königreiche Polen. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1866. S. 433 ff. 


Partien in der Umgebung von Siewierz. 


33 


bewachsenen Gebietes östlich und nordöstlich von dem Muschelkalkriicken 
bis zu dem jurassischen Höhenzuge setzt dagegen eine mehrere Hundert Fus'S 
mächtige Schichtenfolge von braunrothen und grünlichgrauen Thonen mit 
Einlagerungen von glimmerreichen, mürben, grauen Sandsteinen, breccien- 
artigen oder conglomeratischen Kalksteinschichten und wenig mächtigen 
und unreinen Kohlenflötzen zusammen, welche dem Keuper angehört. 

Ringsum von diesen braunrothen Keuper -Letten umgeben, erhebt sich 
nun ^|4 Meilen nördlich von dem etwa 4 Meilen östlich von Tarnowitz 
gelegenen Städtchen Siewierz unmittelbar nördlich von dem Dörfchen 
Dziwki ein schmaler, aber fast 'I2 Meile langer, von Osten nach Westen 
streichender, mit Buschwerk bewachsener niedriger Rücken, welcher aus 
einem ganz fremdartigen Gesteine besteht. Es ist ein dunkelblaugrauer, 
an der Luft hellgrau ausbleichender, beim Zerschlagen stark bituminös 
riechender, dichter kompakter Kalkstein. Zahlreiche auf der mit Busch- 
werk bewachsenen Oberfläche des Rückens und auf den die Abhänge bil- 
denden Feldern lose umherliegende grössere und kleinere Blöcke gewäh- 
ren gute Gelegenheit zur Beobachtung des Gesteines. Ausserdem tritt es 
aber auch an einzelnen kleinen, wenige Fuss hohen vorstehenden Klippen 
auf der Oberfläche des Rückens hervor. An diesen letzteren ist denn auch 
mit Deutlichkeit zu beobachten, dass die Bänke des Kalksteines mit einem 
steilen Neigungsmittel gegen Norden einfallen. 

Der Kalkstein ist reich an organischen Einschlüssen, die jedoch immer 
nur auf der angewitterten Oberfläche der Stücke in Durchschnitten her- 
vortreten, niemals aber aus der gleichmässig dichten Masse des Gesteins, 
mit welcher sie innig verwachsen sind, sich auslösen lassen^). Korallen- 
stöcke herrschen durchaus vor. Zuweilen sind sie so dicht zusammen- 
gehäuft, dass das ganze Gestein als ein Aggregat von Korallenstöcken er- 
scheint. Am häufigsten sind Stromatopora polymorpha, CyathopJiyllum liexa- 
gonum und vor allem Calamopora filiformis n. eine kleine, zwei Linien 
dicke walzenrunde Stämmchen bildende Art der Gattung. An der Oberfläche 
umherliegende und lange der Verwitterung ausgesetzt gewesene Stücke des 
Kalksteins sind oft auf allen Seiten mit den vorragenden dicht zusammen- 


1) Vergl. Taf. 3 Fig. 1 — 9. 

2) Die Art ist der Calamop. cervicornis (Calamop. polymorpha var. cervicornis Goldf.) ähnlich, 
aber von viel geringerem Durchmesser und viel weniger zur Verästelung geneigt. Dieselbe Art ist 
auch in den Devonischen Kalksteinschichten des Polnischen Mittelgebirges und namentlich in 
denjenigen von Chen ein häufig. (Vergl. Geognostisehe Beob. im Poln. Mittelgeb. von F. Roemer, 
Zeitschrift der Deutsch, geol. Ges. S. 678.) Auch bei Oberkunzendorf erfüllt sie gewisse Lagen 
des dunkelblaugrünen Kalksteins. 


34 


Devonische Gesteine im Westen des Polnischen Jura -Zuges. 


gedrängten verkieselten Stämmchen dieser Koralle ganz bedeckt. Selte- 
ner wurden Heliolites porosa und Calamopora cervicornis ( Calamopora poly- 
morpha var, cervicornis Goldf. ; Favosites cervicornis Edw. et Haime), Äheoli- 
tes suhorhicularis und eine einzellige kreiselförmige Cyathophyllen Art von 
der allgemeinen Form des C. ceratites Goldf, beobachtet. Schalthiere sind 
viel seltener. Gewisse Schichten des Kalksteines sind jedoch mit den 
Schalen eines grossen Brachiopoden erfüllt, welchen vollständig aus dem 
Gesteine zu lösen zwar nicht gelang, welcher sich aber dennoch durch 
Vergleichung der nach verschiedenen Richtungen geführten Durchschnitte 
auf den Verwitterungsflächen des Gesteins mit Sicherheit als String ocepha- 
lus Burtini bestimmen liess. Wenn die Korallen die Devonische Natur des 
Kalksteins überhaupt erweisen, so bezeichnet String ocephalus Burtini auch 
die Abtheilung der Devonischen Schichtenreihe, in welche der Kalkstein 
gehört. Er muss dem durch String ocephalus Burtini vorzugsweise bezeich- 
neten Kalke von Paffrath, d. i. der oberen Abtheilung des Eifeier Kalks 
gleichstehen. 

Jüngere paläozoische Gesteine, namentlich Kohlen-Kalk oder per- 
mische Ablagerungen, welche man in der Umgebung dieser ganz isolirten 
Erhebung devonischer Gesteine etwa erwarten könnte, sind nicht vorhan- 
den. Dagegen tritt allerdings der Muschelkalk in der nächsten Umgebung 
des Devonischen Kalkrückens auf. Namentlich auf der Nordseite de» 
Hügels ist er an mehreren Stellen aufgeschlossen. Es sind die durch 
Cylindrum annulatum Eck (Nullipora annulata Schaf h.) bezeichn eten dolo- 
mitischen Bänke des unteren Muschelkalks. Die noch tieferen Glieder des 
Muschelkalks fehlen eben so wie die jüngeren. Auch auf der Südseite des 
Rückens tritt der Muschelkalk an ein Paar Punkten hervor und es ist 
durchaus wahrscheinlich, dass er die Devonische Erhebung mantelförmig 
umlagert. Jenseits des Muschelkalks sind überall die rothen Keuper-Let- 
ten verbreitet. 

h. Der Hügel bei Mowa-Wioska. 

Südöstlich von dem nur *{4 Meile von Dziwki entfernten Dorfe Nowa- 
Wioska erhebt sich ein niedriger, mit Wachholdersträuchen bewachsener^ 
stumpf konischer Hügel, auf dessen Oberfläche ein dunkelblauschwarzer 
Dolomit in Blöcken und niedrigen, wenige Fuss hohen Klippen zu Tage 
steht. Das Gestein ist mit den cjlindrischen Stämmchen derselben kleinen 
Calamopora filiformis erfüllt, welche in gleicher Weise gewisse Schichten 
des Kalksteins von Dziwki durchzieht. Freilich erscheint sie hier in einer 
viel weniger deutlichen Erhaltung als dort, indem meistens nur die durch 


Partien in der Umgebung von Siewierz. 


35 


hellere Versteinerungsmasse bezeichneten Umrisse der fadenförmigen klei- 
nen Koralle in dem dunkelen Gesteine hervortreten. Zuweilen ist die 
Substanz der Koralle selbst verschwunden, und dann erscheint das Gestein 
von den entsprechenden dicht gedrängten wurmförmigen Hohlräumen 
durchzogen. Ausser dieser Koralle wurde nur noch ein undeutlicher Ab- 
druck, der vielleicht zu TJncites gryphus gehören könnte, beobachtet. 

c. Schwarzer Dolomit bei der Eisenbahnstation Zawierzie. 

Dieser dritte Punkt liegt Meilen weiter östlich. Wenige Schritte 
von der Eisenbahnstation Zawierzie an der Warschau- Wiener Eisenbahn 
ist in einem dicht neben der Mühle am Ufer des Baches gelegenen, jetzt 
zum Theil schon wieder verschütteten Steinbruche ein dunkelgrauer, fast 
schwarzer Dolomit mit deutlich krystallinisch körnigem Gefüge aufge- 
schlossen, welcher, obgleich er keine bestimmbaren, organischen Reste er- 
kennen liess, doch durch sein petrographisches Verhalten sich dem Ge- 
steine von No wa-Wioska so verwandt zeigt, dass er diesem im Alter 
unbedenklich gleichgestellt werden darf. Ohne die Kenntniss der beiden 
anderen Partien würde man wohl durch den Contrast, in welchem das hier 
bei Zawierzie so vereinzelt hervortretende, dunkele Gestein gegen die 
ringsum herrschenden, rothen Keuper-Letten und alle anderen benachbar- 
ten Gesteine des Flötzgebirges steht, betroffen sein, aber kaum daran 
denken, eine devonische Bildung vor sich zu haben. So aber ist sie'nicht 
Zweifelhaft. 

Es sind also in der Gegend von Siewierz drei beschränkte 
Partien von kalkigen devonischen Schichten vorhanden, 
welche sich inselartig isolirt aus den ringsum herrschenden 
Keuper-Thonen erheben und von anderen devonischen Ge- 
bieten weit getrennt liegen. 

Am nächsten, aber immerhin noch gegen 7 Meilen entfernt, ist die 
gleich näher zu betrachtende kleine Partie von Dembnik bei Krzeszo- 
wice unweit Krakau. Eine andere Vergleichung bietet sich für die de- 
vonischen Kalkpartien bei Siewierz mit den allerdings weiter entfernten 
devonischen Schichten des von Pusch so genannten Sandomirer Mit- 
telgebirges oder der Höhenzüge bei Kielce im südlichen Polen. In der 
That sind im Mittelgebirge devonische Kalksteinschichten von ganz ähn- 
licher Beschaffenheit, wie diejenigen bei Siewierz, bekannt. Nament- 
lich kommen in der Umgebung von Chencin, südwestlich von Kielce, 
dunkelblaugraue devonische Kalkstein schichten vor, welche, wie schon 
vorher erwähnt wurde, in ganz gleicher Weise mit den cjlindrischen 

5 * 


36 


Devonische Gesteine im Westen des Polnischen Jura-Zuges. 


Stämmchen der kleinen Calamopora filiformis erfüllt sind, wie gewisse 
Schichten des Kalkes bei Dziwki. Die Streichungslinie der Schichten bei 
Chen ein gegen Westen fortgesetzt gedacht, trifft in der That genau auf 
die devonischen Partien bei Siewierz, welche selbst von Osten gegen 
Westen streichen. Man wird diese letzteren als äusserste westliche Aus- 
läufer der devonischen Erhebung des Mittelgebirges betrachten müssen, 
obgleich sie durch einen mehr als 20 Meilen langen Zwischenraum, über 
welchen Kreide- und Jura-Gesteine sich verbreiten, von der Haupterhe- 
bung des Mittelgebirges bei Kielce getrennt sind. 

2. Partie von Dembnik bei Rrzeszowice. 

Die felsigen Wände des Thaies, welches sich von Krzeszowice 
imRudawa-Thale gegen das Kloster Czerna nach Norden hinaufzieht, 
werden durch Kalksteinbänke gebildet, welche durch ihre organischen 
Einschlüsse, unter welchen namentlich Productus giganteus und Prod. stria- 
tus häufig sind, als Kohlenkalk mit Sicherheit bezeichnet werden. In 
gleicher Weise ist das mit diesem parallele, aber 1 Meile weiter östlich 
gelegene Thal, welches bei dem Dorfe Rudawa in das Thal der Rudawa 
einmündet, im Kohlenkalk eingeschnitten. Auf dem durch diese beiden 
Thäler begrenzten und mehr als 500 Fuss über die Sohle des Rudawa- 
Thales sich erhebenden Plateau liegt das Dorf Dembnik (Debnik) mit 
seinen Marmorbrüchen, dessen Marmor seit alter Zeit in Polen berühmt ist 
und namentlich auch das Material zu vielen schönen Bildwerken in den 
Kirchen von Krakau geliefert hat. Es ist eine gegen Nordwesten ein- 
fallende Schichtenfolge von dunkelgrauem bis schwarzen, beim Zerschla- 
gen bituminös riechenden, im Inneren unvollkommen nierenförmig abge- 
sonderten dichten Kalkstein, dessen feste Bänke den Marmor liefern. 
Da der Kohlenkalk fast ringsum in den benachbarten Thälern ansteht, 
so würde man an sich durchaus geneigt sein müssen, auch die Kalk- 
steinschichten dieser Marmorbrüche als Kohlenkalk anzusprechen. In 
der That ist das auch von allen früheren Beobachtern geschehen und 
namentlich hat auch Pusch, der sich mit der durch die Mamiichfaltigkeit 
ihrer geognostischen Erscheinungen, wie auch durch landschaftliche Schön- 
heit so ausgezeichneten Gegend von Krzeszowice sehr eingehend be- 
schäftigt hat, den Marmor von Dembnik den von ihm schon richtig als 
Kohlenkalk erkannten Kalksteinschichten von Czerna im Alter gleich- 
gestellt^). Erst durch die Auffindung organischer Einschlüsse, welche in 


1) Vergl. Pusch, Geognost. Beschreib, von Polen Thl, I. S. 149. 


Partie von Demhnik bei Krzeszowice. 


37 


dem frischen Kalkstein der Marmorbrüche^ allerdings nur äusserst selten, 
erkennbar sind, gelang es, dem Kalkstein seine richtige Stelle in der devo- 
nischen Schichtenreihe anzuweisen. Bei meinem ersten Besuche der Mar- 
morbrüche im Jahre 1862 fand ich Stromatopora ;polymorpha und hierdurch 
zu weiteren Nachforschungen ermuthigt, im folgenden Jahre Atrypa reticu- 
laris und einige andere Fossilien, weiche die devonische Natur des Kalk- 
steins entschieden^). Diese Versteinerungen wurden theils auf angewitter- 
ten Gesteinsstücken der beiden Marmorbrüche beobachtet, theils in einem 
200 Schritt weiter nordwärts gelegenen Wasserrisse, in welchem dünne 
mit 30® gegen Norden einfallende Schichten von bituminösem zum Theil 
mergeligen grauen Kalkstein anstehen, gesammelt. Im Ganzen wurden 
folgende Arten beobachtet: 

1. Atrypa reticularis^ Taf. 3 Fig. 11. Sowohl in dem Gesteine des grösse- 
ren Marmorbruchs wie auch in den durch den Wasserriss aufge- 
schlossenen Schichten nicht selten. 

2. Pentamerus galeatus, var. mit zahlreichen Falten. Taf. 3 Fig. 10. 
ln den in dem Wasserrisse aufgeschlossenen Schichten nicht selten. 

3. Belleroplion Folonicus n. sp, Taf. 3 Fig. 12, 13, 14. Dem Bellerophon 
striatusY^.r. nahe stehend, unterscheidet er sich vorzugsweise durch 
die Skulptur der Oberfläche, welche aus stärkeren Querreifen und 
feineren Längslinien bestehend ein zierlich gegittertes Ansehen hervor- 
bringt. Ausserdem scheint auch die Grösse des Gehäuses stets eine 
weit geringere zu sein, denn von den zahlreichen vorliegenden Exem- 
plaren überschreitet keines die Dimensionen des abgebildeten. Vor- 
kommen: Auf angewitterten Gesteinsflächen des schwarzen Kalksteins 
des grösseren Marmorbruches in zahlreichen Exemplaren zusammen 
mit einer sehr kleinen nicht näher bestimmbaren Art der Gattung 
Murchisonia. 

4. Camarophoria (?) Polonica Ferd. Roemer. Vergl. Geognost. Beob- 
achtungen im Poln. Mittelgeb. von Ferd. Roemer in: Zeitschr. der 
Deutsch, geol. Ges. Bd. XVIII. 1866. p. 676. Taf. XIII. Fig. 9, 10. Die 
lieber ein Stimmung mit Exemplaren von Szydlowek bei Kielce ist 
vollständig. Jüngere Exemplare haben w^enige Falten. Häufig in den 
Schichten des Wasserrisses. 

5. Spirifer sp. conf. Spirifera nuda Sow. bei Phillips Palaeoz. foss. p. 78; 
Orthis liians Hohenegger: Geogn. Karte des ehemal. Gebietes von 
Krakau, zusammengest. durch Fallaux. Wien 1866. p. 7. (von L. v. 

1) Vergl. Die Altersbestimmung des schwarzen Marmors von Dembnik im Gebiete von Kra- 
kau von Ferd, Roemer. Zeitsehr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1863 S. 708 — 713. 


38 


Devonische Gesteine im Westen des Polnischen Jura-Zuges. 

Buch). Die Bestimmung Hohenegger’s als Ortliis hians L, v. Buch 
(Brut von String ocephalus Burtini) ist irrthümlich, wie ich mich durch 
Vergleichung der Original -Exemplare bestimmt überzeugen konnte. 
Durch Hohenegger in mehreren Exemplaren in dem nördlichen 
Marmorbruche aufgefunden. 

6. Stromatopora polymorpha Goldf. Wurde nur einmal in dem Gesteine 
des grösseren Marmorbruchs beobachtet. 

So wenig zahlreich die vorstehend aufgezählten Arten von Versteine- 
rungen auch sind, so genügen sie doch vollständig, um die Kalkstein- 
schichten vonDembnik als Devonisch zu bezeichnen und zwar weisen 
sie auf die mittlere Abtheilung der devonischen Schichtenreihe hin. Ob- 
gleich sich String ocephalus Burtini bisher nicht hat nachweisen lassen, so ist 
dennoch das Gleichstehen mit dem Kalkstein von Dziwki bei Siewierz 
wahrscheinlich^). Uebrigens liegt diese Partie von D embnik ebenso isolirt 
und weit getrennt von allen anderen ausgedehnteren Partien devonischer 
Gesteine wie die kleinen Erhebungen devonischer Kalksteinschichten in der 
Gegend von Siewierz. Wie diese letzteren wird man sie wohl ebenfalls 
als einen äussersten östlichen Ausläufer der devonischen Erhebung des Pol- 
nischen Mittelgebirges betrachten müssen. Von Dembnik gegen Westen 
trifft man erst bei Weisskirchen und bei Rittberg unweit Olmütz in 
Mähren devonische Kalksteinschichten von ungefähr gleichem Alter an. 

Das Lagerungsverhältniss der devonischen Kalksteinschichten zu den- 
jenigen des in den benachbarten Thälern von Czerna, Paczoltowice 
und Radwanowice anstehenden Kohlenkalks betreffend, so ist dasselbe 
in der dichtbewaldeten Gegend nicht unmittelbar zu beobachten. An- 
scheinend umlagert der Kohlenkalk mantelförmig die domförmige Erhe- 
bung der devonischen Schichten. Uebrigens ist nun durch das Auftreten 
der devonischen Schichten bei Dembnik in der Gegend von Krzeszo- 
wice eine so vollständige Aufeinanderfolge der Glieder des älteren Gebir- 
ges gegeben, wie an keinem anderen Punkte in der Umgebung des Ober- 
schlesisch-Polnischen Kohlenbeckens, nämlich devonischer Kalk, Kohlen- 
kalk, produktives Steinkohlengebirge und endlich auch noch Permische 
Gesteine. Die südöstliche Grenze des Kohlenbeckens ist hier durch das 
Auftreten des Kohlenkalks und der devonischen Schichten auf das schärfste 
bezeichnet. 


ö In der That ist auch der Kalkstein von Dziwki demjenigen von Dembnik ganz ähnlich 
und wenn ein Bedürfniss dazu vorhanden sein sollte, so würde man gewiss mit Leichtigkeit in dem 
Hügelrücken von Dziwki ebenfalls eine Schichtenfolge von ähnlichen als Marmor verwendbaren 
Kalksteinbänken durch einen Steinbruch aufschliessen können. 


Steinkohlengebirge. Culm. 


39 


2. Steinkohlengebirge. 

A. Untere Abtheilung. 

1. Culm. 

a. Geschichtliches. 

In einer im Jahre 1837 veröffentlichten Abhandlung^) über die älteren 
Sedimentärge steine der Grafschaft Devonshire bezeichneten Sedgwick 
und Murchison einen aus Schiefern, Sandsteinen und untergeordneten 
dünnen Kalksteinbänken bestehenden mächtigen Schichten -Complex, wel- 
cher im mittleren Devonshire ein von Osten nach Westen ausgedehntes, 
auf den jüngsten durch Spirifer calcaratus (Sp. Verneuilii) in ihrem Alter 
bestimmten devonischen Schichten aufruhendes Becken bildet, als ,jCulmi- 
ferous series,^^ weil in einem gewissen Niveau dieses Schichtensystems Lager 
von unreiner Steinkohle (culm) Vorkommen, die auch Gegenstand eines 
freilich nur unbedeutenden Bergbaus sind. Sie unterscheiden in diesem 
Schichten-System eine untere Abtheilung (Lower culm measures) und eine 
obere (Upper culm measures). Die untere Abtheiliing besteht vorherrschend 
aus einem Wechsel von dunkeln Thonschiefern und Sandsteinen und 
schliesst oben mit einer Schichtenfolge schwarzer kalkiger Schiefer und 
dünner Lagen von schwarzem mit weissen Kalkspathadern durchzogenen 
Kalkstein. Diese letzteren Kalksteine und kalkigen Schiefer schliessen 
Goniatiten (G, spliaericus und G. mixolohus) und Posidonomya (P. Becheri) 
ein. Die obere Abtheilung dagegen ist ausschliesslich aus dunkelen Sand- 
steinen und Schieferthonen zusammengesetzt und enthält in einem ihrer 
unteren Grenze nahe liegenden Niveau die Lager von unreiner Kohle 
(culm), welche die Benennung des ganzen Schichten-Systems veranlasst 
haben. Von organischen Einschlüssen sind nur Pflanzen und zwar nur 
solche Arten, welche auch in dem produktiven Steinkohlengebirge (cool 
measures) des mittleren Englands häufig sind, bekannt. Die Englischen 
Autoren stellen daher schliesslich die „upper culm measures^^ dem produkti- 
ven Steinkohlengebirge (coal measures) im Alter geradezu gleich, während 
sie die „lower culm measures^^ und namentlich die Kalkschichten mit Posido- 
nomya Becheri und Goniatiten dem Kohlenkalk parallelisiren. Später erkann- 
ten Murchison und Sedgwick^) das aus Schieferthonen, Kieselschiefern 


1) On the physical structiire of Devonshire, and on the subdivisions and geological relations 
of its older stratified deposits, etc. Transact. geol. soc. 2end. Ser. Vol. V. pag. od3 — ^703. 

2) On the distribution and Classification of the older or palaeozoic deposits öf the north of Ger- 
many and Belgium. London 1842. Transact. of the geol. soc. of London. Sec. Ser. Vol. VI. p. 221 ff. 


40 


Steinkohlengebirge. 


und plattenförmigen grauen Kalksteinen bestehende und paläontologisch 
besonders durch PosidonomyaBecheri bezeichnete Schichtensystem, welches 
in Westphalen eine schmale Zone im unmittelbaren Liegenden des West- 
phälischen Steinkohlenbeckens zusammensetzt, als eine mit den lower culm 
measures‘‘ in England durchaus gleichalterige Bildung und deuteten 
auch für gewisse Schichten des Oberharzes dieselbe Stellung als wahr- 
scheinlich an. 

Im Jahre 1852 bezeichnete mein Bruder Ad. Roemer^) die jüngere 
Grauwacke des Oberharzes, welche Pflanzenreste und namentlich Cola- 
mites transitionis enthält und in den damit wechsellagernden Posidonomyen- 
Schiefern Posidonomya Becheri einschliesst, als Culm. Seitdem hat man 
sich ziemlich allgemein dieses englischen Wortes zur Benennung des 
durch PosidonomyaBecheri vorzugsweise bezeichneten, vorherrschend aus 
Grauwackensandstein und Thonschiefern bestehenden Schichten-Systems, 
welches im Allgemeinen als den Kohlenkalk vertretend angesehen werden 
muss, bedient. Freilich darf man dabei nicht vergessen, dass nicht die 
von Murchison und Sedgwick als ,yCulmiferons series‘‘ in Devonshire 
bezeichneten Schichten überhaupt, sondern nur deren untere Abtheilung 
(die lower culm measures) den in Deutschland unter der Benennung Culm 
zusammengefassten Schichten entsprechen, während die obere Abtheilung 
(upper culm measures), welche allein die Lager von unreiner Kohle (culm) 
enthalten, ein höheres Niveau annehmen und schon dem produktiven Stein- 
kohlengebirge gleichzustellen sind. Die aus diesem Verhalten etwa her- 
zuleitenden Bedenken gegen die Benennung treten vor dem Vortheil, einen 
kurzen, von der Gesteinsbeschaffenheit unabhängigen Namen für das in 
Deutschland sehr verbreitete Schichtensystem zu gewinnen, zurück. 

Eben dieses Schichtensystem ist nun auch in Ob er Schlesien und in 
den angrenzenden Theilen von Oesterreichisch Schlesien und Mäh- 
ren und namentlich in dem die östlichen und südlichen Vorberge des hohen 
Altvatergebirges bildenden Berglande in grosser Verbreitung ent- 
wickelt. Freilich sind die hierher gehörenden Gesteine erst in jüngster 
Zeit als solche erkennt. 

Die älteren Autoren, welche sich mit den geognostischen Verhältnissen 
Oberschlesiens und Oes terreichisch - Schlesiens beschäftigten, 
haben die hierher gehörigen Gesteine einfach als Thonschiefer- und Grau- 
wacken-Gebirge bezeichnet und sich auf eine Beschreibung des petrogra- 


1) Beitrag zur geologischen Kenntniss des nordwestl. Harzgeb. Zweite Abtheil. Cassel 1852. 
(H.v. Meyer und Dunk-er, Palaeontogr.) S. 89. 


Culm. 


41 


phischen und stratographischen Verhaltens desselben beschränkt ohne eine 
nähere Altersbestimmung desselben zu versuchen. Das geschah nament- 
lich durch V. Oeynhausen, welcher auf der seinem Werke beigegebenen 
Karte von Oberschlesien die östliche Grenze „des üebergangs- Thon- 
schiefer und der Grauwacke“ durch den ürthonschiefer bilden lässt. Der 
erste Schritt zu einer näheren Altersbestimmung mit Hilfe der organischen 
Einschlüsse zu gelangen, wurde durch Gö pp er t dadurch gemacht, dass 
er in den Grauwacken der Gegend von Leobschütz und von Tr o pp au 
Pflanzenreste nachwies, welche mit solchen der schon damals als unteres 
Steinkohlengebirge bestimmten Grauwacke von Landshut, Hausdorf 
und Altwasser im Niederschlesischen Gebirge identisch waren, wie 
namentlich Calamites transitionis, C. dilatatus u. s. w.'). Göppert beobach- 
tete solche Pflanzenreste namentlich im Steinbruche der Spital-Mühle 
bei Berndau und bei Kittelwitz unweit Leobschütz. Auch in dem 
Dachschiefer von Grätz bei Troppau fand er eine Art der Gattung Cala- 
mites auf. Durch diese Beobachtungen Göppert’s wurde also wenigstens 
der östliche Rand des zwischen dem Altvater und der Gegend von Leob- 
schütz sich ausbreitenden älteren Gebirges als zur unteren Abtheilung des 
Kohlengebirges gehörend mit Wahrscheinlichkeit bestimmt. 

Ausführlicher theilte Göppert seine Beobachtungen über das ober- 
schlesische Grauwacken-Gebirge in seiner 1852 erschienenen Schrift über 
die fossile Flora des Uebergangsgebirges mit^). Die Beziehung dieser 
pflanzeiiführenden Grauwacke der Gegend von Leobschütz zu den 
pflanzenführenden Culm-Grauwacken des Oberharzes und zu den Posi- 
donomyen-Schiefern von Na ssau und dem Harze war übrigens durch jene 
Beobachtungen noch nicht klar gestellt, denn noch in seiner jüngsten im 
Jahre 1859 erschienenen üebersicht über die fossilen Pflanzen der älteren 
Formationen^) unterscheidet Göppert eine Flora der Culm -Grauwacke 


9 Vßrgl. Ueber die fossile Flora der Grauwacke oder des Uebergangsgebirges, besonders in 
Schlesien, von Prof. Dr. Göppert. Neues Jahrb. für Miner, etc. Jahrg. 1847 S. 675 ff. 

2) Fossile Flora des Uebergangsgebirges von H. R. Göppert, init 44 Tafeln. Breslau und 
Bonn 1852. S. 69 ff. Die schon in dem früheren Aufsatze und hier wiederholte Angabe von dem 
Vorkommen einer Glymenia in kalkigen Schichten bei Unter-Paulsdorf (Nieder-Paulowitz), unweit 
H otzßnplotz in Oesterreichisch Schlesien muss auf einem Irrthume beruhen, da an jener Stelle nur 
Culm - Schichten anstehen und Devonische Schichten nur weiter westlich zu erwarten sind. Da 
Göppert nach der in dem ersten Aufsatze gemachten Angabe die Glymenia nicht selbst in den 
Schichten auffand, sondern sie erst nachdem der Schacht, in welchem sie vorgekommen sein sollte, 
wieder geschlossen war, dort erhielt, so ist die Annahme einer Verwechselung nahe liegend. 

3) Ueber die fossile Flora der Silurischen, der Devonischen und unteren Kohlenformation oder 
des sogenannten Uebergangsgebirges, mit 12 Tafeln. (Act. Acad. Leopold. Carol. Vol. XXVII.) 
1859. S. 176. 


6 


42 


Steinkohlengebirge. 


einschliesslich Posidonomyen-Schiefer und eine solche der jüngsten Grau- 
wacke, zu welcher letzteren er die Grauwacken Oberschlesiens rechnet, 
freilich schon die nahe Verwandtschaft beider betonend. Ein wichtiger 
Fortschritt in der Kenntniss der hier in Rede stehenden Gesteine wurde 
durch die Auffindung von thierischen Resten und namentlich von Posidono- 
mya Beclieri gemacht. Im Jahre 1860 berichtete ich über die durch Herrn 
von Gellhorn geschehene Auffindung der Posidonomya Becheri bei 
Johannesfeld unweit Troppau^) und sehr bald darauf noch in demsel- 
ben Jahre über die Nachweisung von thierischen und pflanzlichen Resten 
an zahlreichen Punkten in Oesterreichisch-Schlesien und in Mähren 
durch Heinr. Wolf in Wien. Die Kenntniss der pflanzlichen üeberreste 
des Mährisch -Schlesischen Culm- Gebirges ist endlich durch eine mono- 
graphische Arbeit über diesen Gegenstand von C. v. Ettingshausen sehr 
wesentlich gefördert worden^). Für die Bestimmung der westlichen Grenze 
der Culm-Bildung gegen die devonischen Gesteine war die Entdeckung 
der Posidonomya Becheri in den 1 Meile südöstlich von Bennisch gelege- 
nen Dachschieferbrüchen von Eckersdorf"^) von Bedeutung. Inzwischen 
waren auch die nach der Aufnahme von H. Wolf geognostisch kolorirten 
Blätter der österreichischen Generalstabskarte, welche Oesterreichisch- 
Schlesien und die angrenzenden Theile von Mähren begreifen, durch ein- 
zelne von der geologischen Reichsanstalt in Wien veranstaltete Copien 
zugänglich geworden. Auf diesen Blättern ist die ausgedehnte Verbreitung 
der Culm -Schichten im Osten und Süden des krystallinischen Hauptstocks 
des Altvater-Gebirges zum ersten Male dargestellt und zwischen ihnen und 
dem krystallinischen Urgebirge noch eine Zone von älterem, vielleicht devo- 
nischen Thonschiefer- und Grauwacken - Gebirge angenommen worden. 
Durch die in den letzten Jahren für die Herstellung der geognostischen 
Karte von Oberschlesien ausgeführten Arbeiten und im Besonderen durch 
die Untersuchungen des Herrn A. Halfar ist endlich ein so umfangreiches 
neues Material für die Kenntniss der schlesisch-mährischen Culm-Bildung ge- 
wonnen worden, dass sich dieselbe nun viel bestimmter als früher gestaltet. 


1) Notiz über die Auffindung von Posidonomya Becheri im Grauvracken - Gebirge der Sudeten, 
von Ferd. Roemer. Zeitschr. der Deutsch, geoi. Ges. Jahrg. 1860. S. 350—382. 

2) Weitere Nachricht von dem Vorkommen der Posidonomya Becheri und anderer für die Culra- 
Schichten bezeichnender Fossilien in den Sudeten und in Mähren, nach den Beobachtungen von 
H. Wolf in Wien, ebendaselbst, S. 513 ff. 

3) Die fossile P’lora des Mährisch-Schlesischen Dachschiefers; mit 7 lithographirten Tafeln und 
15 in den Text gedruckten Zinkographien. Wien 1865. (Aus den Schriften der Wiener Akademie.) 

4) Ueber Vorarbeiten zur Herstellung einer geologischen Karte von Oberschlesien. Neues 
Jahrb. für Mineral. Jahrg. 1863. S. 341. 


Culm. 


4B 


b. Petrographisches Verhalten. 

Die Culra-Bildimg von Ob er Schlesien, Oe sterreichisch- Schlesien 
und Mähren stellt ein mehrere tausend Fuss mächtiges aus einem Wech- 
sel von Grauwacken -Sandsteinen und Thonschiefern mit fast völligem 
Ausschluss kalkiger Schichten bestehendes Schichten- System dar. Die 
Sandsteine sind regelmässig dunkelfarbig und haben das dunkele kieselig- 
thonige Bindemittel, Avelches für die Grauwacken überhaupt bezeichnend 
ist. Die dunkele Farbe und die grössere Festigkeit des Bindemittels unter- 
scheiden diese Culm-Sandsteine allgemein von den Sandsteinen des pro- 
duktiven Steinkohlengebirges. Gewöhnlich ist die Farbe der Sandsteine 
graubraun. Die braune Farbe ist aber immer schon Folge einer gewissen 
Verwitterung. Im ganz frischen unzersetzten Zustande ist die Farbe dun- 
kel blaugrau. Eine mittlere Grösse des Korns ist das gewöhnliche. Zu- 
weilen gehen die Sandsteine in Conglomerate über. Diese Conglomerate 
gleichen in jeder Beziehung den Conglomeraten der Culm -Bildung des 
Oberharzes, auf welche die Benennung Grauwacke zuerst angewendet 
wurde. Abgerundete Gerölle von Quarz und eckige oder halbgerundete 
Bruchstücke von Thonschiefern sind durch ein aus fein zerriebenen Theilen 
derselben Gesteine bestehendes sehr festes und zähes Bindemittel verbun- 
den. Die Grösse der Gerölle ist gewöhnlich erbsengross bis haselnuss- 
gross. Sehr selten werden die Gemengtheüe kopfgross. Man kennt solche 
sehr grobkörnige Grauwacken -Conglomerate namentlich auf dem Glem- 
kauer Galgenberge westlich von Hotzenplotz, in einer Thalschlucht 
nördlich von Peischdorf bei Tropplowitz, ferner süd- südöstlich von 
Bennisch am Wege nach Alt-Erbesdorf, südlich von Bautsch in 
Mähren am Wege nach Altendorf und südlich von W eisskirchen. Auf 
dem Glemkauer Galgenberge beobachtete A. Halfar einzelne Bänke 
der Grauwacke mit mehr als kopfgrossen Gemengtheilen. BeiPeiseh- 
dorf enthält die Grauwacke Rollstücke von zähem und festen Grünstein 
mit Serpentin-ähnlicher Grundmasse und von weissem Granit. Gneiss- 
Brocken wurden an mehreren Punkten in den Conglomeraten beobachtet. 
Das frischeste mir bekannt gewordene Grauwacken- Conglomerat ist das- 
jenige von Weisskirchen. Es ist von dunkelblaugrauer Farbe mit erb- 
sen- bis haselnussgrossen Gemengtheilen und das Bindemittel so fest, dass 
beim Zerschlagen des Gesteins die weissen Quarzgeschiebe stets mitten 
durchgespalten werden. Neben den Quarzgeröllen sind eckige oder halb 
abgerundete Bruchstücke von schwarzem Glimmerschiefer-ähnlichen Thon- 
schiefer am häufigsten. Bemerkens werth ist an diesem Grauwacken- Con- 
glomerate von W eisskirchen das häufige Vorkommen von ganz frischem 

6 * 


44 


Steinkohlengebirge. 


weissen gemeinen Feldspath (Orthoclas) in erbsengrossen krystallinisch 
blätterigen eckigen Stücken. An dem Lichtreflex der ebenen Spaltungs- 
flächen unterscheiden sich diese Feldspath-Stücke sogleich von den Quarz- 
geröllen. Gewöhnlich ist die Grauwacke mehr oder minder verwittert 
und dann graubraun oder braun von Farbe. Meistens ist dann auch das 
Bindemittel mehr oder minder aufgelockert. Gewöhnlich ist die Mächtig- 
keit der Grauwacken -Conglomerate nur gering und beträgt nur wenige 
Fuss. Zuweilen wird sie aber auch viel bedeutender. Bei Peischdorf 
z. B. beträgt sie nach A. Halfar mehr als 200 Fuss. Die Haupt- 
entwickelung der Conglomerate ist an der unteren Grenze der Culm- 
Bildung. Das ist namentlich bei Weisskirchen nachweisbar, wo ganz 
nahe unter den Grauwacken -Bänken die obersten devonischen Schichten 
zum Vorschein kommen. Nächst den Sandsteinen und Conglomeraten ist 
der Thonschiefer das wichtigste Gestein der Cülm- Bildung. Es sind vor- 
herrschend dunkel blaugraue Thonschiefer von dem gewöhnlichen An- 
sehen der älteren Thon schiefer überhaupt. Sehr häufig werden sie durch 
Aufnahme von Quarzkörnern sandig. Durch Aufnahme von mehr Quarz 
werden ganz unmerkliche üebergänge in Grauwacken - Sandstein bewirkt. 
Die Parallelstruktur des Thonschiefer’s ist mehr oder weniger deutlich 
entwickelt. Nicht selten wird sie so vollkommen, dass ausgezeichnete 
Dachschiefer entstehen. In zahlreichen Dachschieferbrüchen werden diese 
Dachschiefer in Oesterreichisch- Schlesien und Mähren gewonnen 
und diese Gewinnung bildet eine wichtige, zahlreiche Arbeiter beschäfti- 
gende Industrie. Es sind hier namentlich diejenigen von Mel t sch bei 
Troppau, von Eckersdorf bei Bennisch und von Altendorf bei 
B auts ch zu nennen. Die Schieferung dieser Dachschiefer ist der ursprüng- 
lichen Schichtung parallel und nicht etwa wie bei dem Dachschiefer ande- 
rer Gegenden, ein Ergebniss der sogenannten falschen oder transversalen 
Schichtung^). Das beweist das Vorkommen der thierischen und pflanzlichen 
Versteinerungen in diesen Dachschiefern, welche mit ihren breiten Flächen 
auf den Spaltungsflächen der Schiefer ausgebreitet liegen. In den Thon- 
schiefern und Grauwackenschiefern ist sonst die falsche oder transversale 
Schichtung (slaty cleavage der Engländer) d. i. das durch mechanischen 
Druck bei der Hebung und Biegung der Schichten bewirkte Strukturver- 
hältniss, dem zufolge die Ebene der Schieferung nicht der Schichtungsebene 
parallel geht, sondern diese unter einen mehr oder minder grossen Winkel 
schneidet, keineswegs selten, sondern im Gegentheil über ausgedehnte 


ü Eine Ausnahme zeigt sich in dem Dachschieferbruche am Mühlberge rechts am Wege von Hof 
nach B autsch, wo die transversale Schieferung über die versteckte Schichtung völlig vorherrscht. 


Culm. 


45 


Flächen verbreitet. Ich beobachtete sie namenthch zwischen Fr enden - 
thal und Jägerndorf an mehreren Punkten und namentlich bei Neu- 
Erbesdorf. A. Halfar sah sie zwischen Bärn und Bautsch und nament- 
lich am Wege von Unter- nach Ober-Gundersdorf. Rein kalkige 
Schichten sind der Schlesisch -Mährischen Culm -Bildung durchaus fremd. 
Ebenso fehlen die Kieselschiefer durchaus, welche für die Culm-Bildung 
des Harzes, Westphalens undNassau’s so bezeichnend sind. Dagegen 
treten an einigen Punkten Alaunschiefer-Lager in dem Thonschiefer auf. Die 
bemerkenswerthesten sind diejenigen von Gross-Pohlom an der Land- 
strasse von Troppau nach Mährisch-Ostrau. Es sind nach C. v. Oeyn- 
hausen') zwei Lager von 1 und 1 Lachter Mächtigkeit. Die Schiefer sind 
sehr bituminös und reich an unsichtbar eingesprengtem Schwefelkies. Eine 
Zeit lang wurden diese Schichten abgebaut. Auch bei Tropplowitz 
kamen dergleichen Alaunschieferlagen nach C. v. Oeynhausen vor. 

Bauwürdige Steinkohlenflötze sind nirgends in der Oberschlesisch-Mäh- 
rischen Culm-Bildung bekannt, so oft auch das Vorkommen dunkeier mit 
kohligen Theilen erfüllter Schieferthone Versuche auf Kohle veranlasst hat. 
Auch Erzlagerstätten kennt man in derselben nicht^). 

c. Stratographisches Verhalten. 

Die Gesteine der Culm-Bildung theilen durchaus die aufgerichtete und in 
vielfachen parallelen Wellen oder Falten gebogene Schichtenstellung, welche 
dem ganzen ostwärts von dem krystallinischenürgebirge des Altvater-Stocks 
ausgedehntem Berglande eigenthümlich ist. Die Schichten sind durchgängig 
steil aufgerichtet und in den mannigfachsten Richtungen gebogen und ge- 
brochen. Jedoch ist im Allgemeinen bei einem durchaus vorherrschenden 
und nur ganz lokale Abweichungen erleidenden Streichen der Schichten von 
Süden nach Norden ein östliches Fallen der Schichten gewöhnlich. Zu- 
gleich nimmt im Allgemeinen die Steillieit der Schichtenstellung von Westen 
gegen Osten allmählich ab. Während in der Nähe der Grenze gegen das 
Devonische Gebirge die Stellung der Schichten meistens fast senkrecht 
ist, so beträgt dagegen in der Gegend von Leob schütz z. B. in den Sand- 
steinbrüchen bei Leissnitz und Sabschütz die Neigung der Schichten 
durchschnitthch nur 15® bis 20®. Die im Westen steilen und dicht an ein- 
ander gedrängten Schichtenfalten werden gegen Osten zu breiten und 


1) a. a. 0. S. 70. 

2) Es ist jedoch zu erwähnen, dass alte Grubenbaue SSWestlich von Pohorz, östlich von 
Odrau auf die ehemalige Gewinnung von Erzen hindeuten. Vergl. v. Oeynhausen, Versuche 
einer geogn. Beschreibung von Oberschlesien. Essen 1822. S. 71. 


46 


Steinkohlengebirge. 


flachen ündulationen von Moilden und Sätteln, wie es überhaupt in den 
Oe birgs erheb ungen mit einer krystallinischen Achse das gewöhnliche Ver- 
halten ist. Dieser Verschiedenheit der Schichtenstellung entspricht auch 
eine Verschiedenheit des petrographischen Verhaltens. Je mehr man von 
Osten gegen Westen fortschreitend steile und gestörte Schichten Stellungen 
hervortreten sieht, desto mehr nimmt auch die Festigkeit der Gesteine zu 
und die aus rein mechanischen Aggregaten bestehenden Gesteine nehmen 
ein halbkrjstallinisches Gefüge an. Die in der Gegend von Leo b schütz 
massig festen und zum Theil zu Werkstücken zu verarbeitenden Grau- 
wacken-Sandsteine werden gegen die West-Grenze des Culm-Gebietes zu 
einem sehr festen kieseligen Gesteine, in welchem die Quarzkörner mit dem 
kieseligen Bindemittel innig verschmolzen sind. Ebenso werden die an der 
Luft zerfallenden Schieferthone, welche in der Gegend von Leob schütz 
die Bänke des Grauwacken -Sandsteines von einander trennen, gegen 
Westen allmählich zu sehr festen, zum Theil Glimmerschieferähnlichen 
Thonschiefern und Dachschiefern. Auch dieses ist ein Verhalten, wie es 
in anderen Gebirgen mit krjstallinischer Achse häufig beobachtet wird. 

Das Lagerungsverhältniss der Culm- Bildung zu den nächst älteren 
und den nächst jüngeren Ablagerungen betreffend, so ist zwar dasselbe 
zu den Devonischen Gesteinen an der westlichen Grenze des Culm- 
Gebietes, wie namenthch in der Gegend von Bennisch, bei der sehr 
gestörten Schichtenstellung nicht mit Sicherheit zu ermitteln, jedoch ist es 
an sich durchaus wahrscheinhch, dass die Auflagerung auf die obersten 
Devonischen Schichten eine gleichförmige ist. Dagegen ist nach H. Wolf 
die Auflagerung auf den mittel-devonischen Kalkstein in Mähren überall 
eine ungleichförmige und üb ergreif ende, wie namentlich bei Rittberg, 
Kebetein, Rokos, Leipnik und Weisskirchen. Anderer Seits ist es 
zuverlässig sicher, dass das produktive Steinkohlengebirge den obersten 
Culm- Schichten gleichförmig aufruht. Namentlich westlich von Hoschial- 
kowitz unweit Hultschin treten die Grauwacken der Culm-Bildung den 
Gesteinen des produktiven Steinkohlengebirges an der Oberfläche ganz nahe. 
An der südlichsten Spitze des Winkels, der durch die Vereinigung der Oppa 
mit der Oder gebildet wird, ist ächter Kohlensandstein durch Steinbrüche 
aufgeschlossen und eine ganz kurze Strecke weiter nordwärts steht schon 
Culm-Grauwacke an, in welcher bei Bobrownik Posidonomya Bechen 
und andere für die Culm-Bildung bezeichnende Fossilien gefunden wurden. 

Eigenthümliche Eruptiv-Gesteine, d. i. solche, deren Hervorbrechen in 
die Ablagerungszeit der Schichten fiele, sind der Schlesisch -Mährischen 
Culm-Bildung fremd. 


Culra. 


47 


d. Verbreitung. 

Die Gesteine der Culm-Bildimg verbreiten sich im Osten und Süden des 
aus krystallinischen Urgebirgsmassen zusammengesetzten Gebirgsstocks 
des eigentlichen Altvaters über einen mehr als fünfzig Quadrat -Meilen 
grossen Flächenraum, welcher orographisch ein unter der Benennung des 
Niederen Gesenkes bekanntes Berg- oder Hügelland mit gerundeten Berg- 
formen darstellt. Die Hauptmasse dehnt sich zusammenhängend zwischen 
den Flussthälern der Oppa und March und im Süden durch das mit 
Jüngern miocänen Tertiär- Ablagerungen erfüllte, die Sudeten von den 
Karpathen scheidende Thal zwischen Prerau und Mährisch- Ostrau 
begrenzt, ohne alle Bedeckung durch jüngere Gesteine aus. Die Städte 
Neustadt, Jägerndorf, Troppau, Weisskirchen, Prerau und 
Olmütz bezeichnen durch ihre Lage den Umfang dieser grossen Haupt- 
masse der Culm-Gesteine. Nur die westliche Grenze ist nicht in gleicher 
Weise durch eine orographische oder petrographische Scheide einfach 
gegeben, sondern es stösst die scharfe Feststellung derselben auf grosse 
Schwierigkeiten. Es findet hier nämlich ein scheinbar ganz allmählicher 
Uebergang in die Devonischen Gesteine Statt, welche, wie früher nach- 
gewiesen wurde, eine Zone zwischen den Culm-Gesteinen und dem krjstal- 
linischen Urgebirge des Altvaters bilden. Geht man in gerader Richtung 
von Hotzenplotz nach Zuckmantel, oder von Jägerndorf nach 
Freudenthal, oder auch von Troppau nach Hof in Mähren, so über- 
schreitet man mehr oder minder steil aufgerichtete Grauwacken-Sandstein- 
und Thonschiefer-Schichten in vielfachem Wechsel, welche wohl allmählich 
eine festere und zum Theil halbkiystallinische Beschaffenheit annehmen, 
aber nirgends einen auffallenden Abschnitt wahrnehmen lassen, der als die 
Grenze zweier Formationen gelten könnte. Durch die petrographische 
Beschaffenheit der Gesteine allein würde man kaum veranlasst sein, zwi- 
schen jenen Orten eine Grenze zu ziehen und doch ist eine solche vorhan- 
den. Es müssen die freilich bisher nur an sehr vereinzelten Punkten be- 
obachteten Versteinerungen und das Auftreten gewisser Eruptiv-Gesteine 
benutzt werden, um die Grenzlinie zwischen Culm und Devon zu ziehen. ^ 

In Betreff der Versteinerungen ist zunächst die Thatsache zweifellos, dass 
während bei Troppau, Jägerndorf und Hotzenplotz die bezeichnen- 
den Landpflanzen und Meeresthiere der Culm -Bildung Vorkommen, bei 
Engelsberg, nordwestlich von Freudenthal und bei Bennisch östlich 
von Freudenthal thierische Versteinerungen einer durchaus verschiede- 
nen Fauna gefunden werden. Bei Bennisch werden, wie vorher berich- 
tet wurde, auf den südlich von der Stadt gelegenen Eisensteingruben zahl- 


48 


Steinkohlengebirge. 


reiche Devonische Korallen in einem roth gefleckten Kalksteine, Avelcher in 
Begleitung von Diabas-Mandelsteinen auftritt, beobachtet und kaum ^ 4 Mei- 
len südöstlich voü diesem Punkte fand sich in den Dachschieferbrüchen 
von Eckersdorf Posidonomya Becheri. Hier muss also die Grenze zwi- 
schen diesen beiden Punkten durchgehen und man wird mit Wahrschein- 
lichkeit annehmen dürfen, dass südwärts und nordwärts, wo Culm- Ver- 
steinerungen nicht in gleicher Nähe der in Begleitung von Diabas-Mandel- 
steinen auftretenden Devonischen Schichten bekannt sind, die Grenze eben- 
falls nicht weit östlich von diesen Schichten zu suchen ist. Noch weiter 
nordwärts treten in der Fortsetzung der Diabas-Mandelsteine schmale Züge 
von Dioriten auf, welche, da die Culm-Gesteine nirgendwo eigenthümliche 
Eruptiv -Gesteine einschliessen, ebenfalls noch als Devonischen Schichten 
untergeordnet angesehen werden müssen, so dass auch östlich von ihnen 
die Grenze zu ziehen ist. In solcher Weise hat sich bisher die Grenze 
zwischen Culm und Devon nur sehr allgemein bestimmen lassen und erst 
die Auffindung von Culm -Versteinerungen an zahlreicheren den Diabas- 
Mandelstein - Zügen nahe gelegenen Punkten wird dieselbe mit grösserer 
Schärfe festzustellen gestatten. 

Im Südosten bildet zwar im Allgemeinen die die Sudeten von den Kar- 
pathen scheidende mit Tertiär -Ablagerungen erfüllte Thaleinsenkung zwi- 
schen Pr er au und Mährisch-Ostrau die südöstliche Grenze des Culm- 
Gebietes, allein eine zwischen Weisskirchen und Leipnik ausgedehnte 
Partie von Culm-Gesteinen liegt auf der Südostseite dieses Thaies. Südlich 
von Weisskirchen wird diese Grauwacken -Partie, von dem Beczwa- 
Flusse in einem engen steilwandigen Thale durchbrochen. Ausgezeichnet 
frische grobkörnige Grauwacken-Conglomerate, welche auffallend mit den 
typischen Grauwacken - Conglomeraten des Oberharzes übereinstimmen, 
stehen hier an. 

Diese bisher betrachtete zwischen der Oppa und March sich aus- 
dehnende und im Nordwesten an die Devonischen Gesteine sich anlehnende 
Hauptmasse der Culm-Gesteine hat nun aber noch zahlreiche, jenseits 
jener Grenzen liegende Ausläufer. Namentlich verbreitet sie sich von 
Jägerndorf und Troppau über die Oppa hinaus gegen Norden und 
Nordosten in der Richtung von Neustadt, Hotzenplotz, Leobschütz, 
Bauerwitz, Deutsch-Neukirch und Kätscher. Zwischen Jägern- 
dorf, Hotzenploz und Neustadt erscheint die Culm -Grauwacke auf 
der linken Seite der Oppa noch als eine zusammenhängende Zone an der 
Oberfläche. Weiter hin gegen Nordosten in der Richtung von Ober- 
Glogau und Leobschütz liegt auf den Höhen überall der Löss und nur 


Culm. 


49 


in den Thaleinschnitten tritt hin und wieder auf kurze Strecken die Grau- 
wacke zu Tage. So ist das Verhalten namentlich nördlich von Le Ob- 
schütz in den durch die Zuflüsse des Straduna-Baches gebildeten Thal- 
einschnitten bei Sabschütz, Leissnitz, Berndau, Kittelwitz und 
Steubendorf. Zahlreiche Steinbrüche in dem Grauwacken -Sandsteine 
gewähren hier vortrefflichen Aufschluss über die Natur des Gesteines. Bei 
Hohndorf, H'2 Meilen südöstlich von Leobschütz, ist die Culm-Grau- 
wacke an drei Punkten des Bachthalgehänges aufgeschlossen und wird an 
dem einen von wagerechten Schichten eines versteinerungführenden Kreide- 
mergels ungleichförmig überlagert. In den Umgebungen von Dirschel 
und Deutsch-Neukirch bilden die Culm-Schichten die Unterlage der 
dort verbreiteten Gyps-führ enden Tertiär -Bildung und treten an mehreren 
vereinzelten Punkten zu Tage*). Auch an dem südlichen Ende des durch 
die Oppa und die Oder gebildeten Winkels in der Umgebung von Hult- 
schin^) erscheint die Grauwacke nochmals auf dem linken Ufer der Oppa, 
hier nachweislich das unmittelbare gleichförmige Liegende des produkti- 
ven Steinkohlengebirges bildend, welches ganz in der Nähe durch zahl- 
reiche Kohlengruben bei Petrzkowitz aufgeschlossen ist. 

Culm-Partien von Zyrowa und Tost. 

Viel weiter als die bisher genannten Ausläufer sind die auf der rechten 
Seite der Oder gelegenen Partien von Culm-Gesteinen, diejenige von Zy- 
rowa zwischen Krappitz und Leschnitz und diejenige von Tost, von 
der zwischen Oppa und March entwickelten Hauptmasse derselben ge- 
trennt. Beide liegen am südlichen Rande des grossen oberschlesischen 
Muschelkalk-Zuges, von dem Muschelkalke selbst noch durch eine schmale 


1) So namentlich östlich und nordöstlich von Dirschel. Die Aufschlüsse sind hier ein in dem 
Dorfe selbst gelegener Steinbruch, ein anderer an seinem Ostende und zwei Brüche westlich von der 
Kalkmühle. Die Schichten fallen meist mit flacher Neigung und nur in dem nördlichsten der genann- 
ten Brüche mit 35® gegen Osten ein. Weiter westlich ist die Grauwacke durch einen Steinbruch am 
Neuhofe zwischen Nass i edel und Hochkretscham aufgeschlossen. Südlich von Bieskau 
bei Deutsch-Neukirch sind Culm-Schichten durch einen alten Steinbruch am Potich-Grabeii 
aufgeschlossen. Eine kleine Partie der Grauwacke tritt südlich von Br anitz auf dem linken Ufer 
der Oppa hervor. 

2) Eine ganz kleine Partie bildet die Grauwacke bei Kosmitz westlich von Hultschin. Viel 
ansehnlicher ist die von Hultschin über Bobrownik nach Hoscialkowitz sich erstreckende 
Partie. Bei Bobrownik wurden unzweifelhafte Culm -Versteinerungen, namentlich Calamites 
transitionis, Goniatites mixolohus und Orthoceras striolatum beobachtet. Die südlichste Spitze des 
Winkels zwischen Oppa und Oder wird schon durch Kohlensandstein gebildet, der in mehreren 
ansehnlichen Steinbrüchen aufgeschlossen ist. 


7 


50 


Steinkohlengebirge. 


Zone von buntem Sandstein geschieden. Die Partie von Zyro wa erstreckt 
sich als eine 1 Meile lange und nur etwa % Meile breite Zone in ostwest- 
licher Richtung von Oberwitz über Jeschiöna nach Zyrowa. Eigent- 
lich sind es drei getrennte Partien, allein die Trennung wird nur durch 
aufgelagertes Diluvium bewirkt und es ist nicht zu bezweifeln, dass sie 
unter dieser Bedeckung sich im Zusammenhänge befinden, ln dem Dorfe 
Zyrowa stehen die Schichten deutlich zu Tage. Es sind steil aufgerich- 
tete dünn geschichtete dunkele Grauwacken-Sandsteine. Organische Ein- 
schlüsse wurden nicht beobachtet. 

Die Partie von Tost ist ausgedehnter. Zunächst besteht der Schloss- 
berg, ein isolirter kegelförmiger Hügel daraus. Im Süden der Stadt ver- 
breitet sich das Gestein bis nach Boguschütz in einer ansehnlichen Partie. 
An den Gehängen des Bachthaies ist es deutlich aufgeschlossen. Viel 
beschränkter ist die Verbreitung an einer Stelle südlich von Kottlischo- 
witz, wo unmittelbar neben der Grauwacke der bunte Sandstein aufge- 
schlossen ist. Noch beschränkter endlich ist ein Vorkommen südlich von 
Schierot an dem linken Gehänge des Bachthaies. Obgleich an der Ober- 
fläche durch Löss getrennt, ist es auch bei diesen verschiedenen Partien 
von Tost nicht zweifelhaft, dass sie Zusammenhängen. Das Gestein ist 
an allen Punkten wesentlich dasselbe. Steil aufgerichtete, mit kohligen 
Theilen erfüllte dunkele plattenförmige Grauwacken-Sandsteine und san- 
dige Schiefer. Das allgemeine Ansehen ist von demjenigen der sandigen 
Schichten des produktiven Steinkohlengebirges verschieden. Schon die 
durchgehends dunkele Färbung ist unterscheidend. Deutliche organische 
Einschlüsse sind sehr selten. Doch erhielt ich Calamites transitionis und 
ein wahrscheinlich mit L. tetragonum identisches Lepidodendron von dort. 
Die erstere Art beobachtete auch schon früher Göppert daselbst. Hier- 
nach würde die Zugehörigkeit der Schichten zur Culm-Bildung nicht zwei- 
felhaft sein. 

Diese Grauwacken-Partien von Tost und Zyrowa haben ein beson- 
deres Interesse, weil sie für die Verbreitung des oberschlesischen Kohlen- 
beckens ein bestimmtes Anhalten gewähren. Nordwärts einer von Zy- 
rowa nach Tost und darüber hinaus gegen Osten gezogenen Linie wird 
aller Wahrscheinlichkeit nach jeder Versuch auf Steinkohlen vergeblich 
sein, denn die Culm-Grauwacke bildet ja eben das Liegende des produk- 
tiven Steinkohlengebirges. 

Im fiebrigen wird man die Grau wacken - Partien von Zyrowa und 
Tost nur als die äussersten östlichen Ausläufer des grossen westlich gele- 
genen Culm - Gebietes betrachten können. In der That beträgt auch der 


Ciilm, 


51 


Abstand des nördlichen Grauwacken -Vorkommens ') zwischen Leob- 
schütz und Ober-Glogau von demjenigen von Zyrowa nur wenige 
Meilen. In grösserer Tiefe würde in diesem Zwischenräume sehr wahr- 
scheinlich die Grauwacke überall anzutreffen sein. Westlich von einer 
Zyrowa und Leobschütz verbindenden geraden Linie wird das pro- 
duktive Steinkohlengebirge nicht mehr zu suchen sein und vielleicht reicht 
es selbst nicht über eine von Tost nach Kätscher gezogene gerade Linie 
hinaus gegen Westen. 

Endlich ist auch noch der Verbreitung der Culm-Gesteine im Südwesten 
der March in Mähren zu gedenken. Wenn wir in dem Vorstehenden 
besonders nur die Entwickelung der Culm-Gesteine zwischen Oppa und 
March in’s Auge fassten, so bildet doch die March keineswegs die 
äusserste Grenze der Verbreitung. Im Südwesten dieses Flusses verbrei- 
ten sich dieselben vielmehr noch über einen ausgedehnten Flächenraum, 
welcher fast der Hälfte des ganzen Gebietes derselben zwischen March 
und Oppa gleich kommt. Sie reichen gegen Südwesten bis in die Nähe von 
Brünn und Blansko. Auf Fötterle’s geologischer Karte von Mähren^) 
ist diese Verbreitung nach den Aufnahmen von H. Wolf näher angegeben. 
Nach der Ansicht des letzteren Beobachters^) ist aber wahrscheinlich auch 
bei Brünn noch nicht die südlichste Grenze, sondern anscheinend treten 
sie unter den Rossitzer und Oslawaner Kohlenlagern in der südlichen 
Fortsetzung über Kromau wieder hervor, indem hier wieder grobe Grau- 
wacken- Conglomerate von der Beschaffenheit derjenigen bei Henners- 
dorf in Oesterreichisch Schlesien bekannt sind. Ist die letzte Annahme 
begründet, so reichen die südlichsten Culm- Schichten bis 10 Meilen vor 
Wien. 

e. Gliederung. 

Obgleich es bei der jedenfalls sehr bedeutenden Mächtigkeit der Ober- 
schlesisch-Mährischen Culm -Bildung an sich durchaus wahrscheinlich ist, 
dass dieselbe nicht eine einzige ungegliederte Masse darstellt, so fehlt es 


1) Südwestlich von Kostenthal, auf dem Wege nach dem Dorfe Militsch wurde nach An- 
gabe des Kreis-Baumeister Zi ekler in Cosel mit einem Bohrloche, welches die Aufsuchung von 
Steinkohlen bezweckte, in 4 Lachter Tiefe Grauwacken-Sandstein von gleicher Beschaffenheit wie 
derjenige bei Leis nitz angetroffen. Dieses würde das der Grauwacken-Partie von Zyrowa am 
meisten genäherte Vorkommen der Grauwacke in der Gegend von Leobschütz und Cosel sein. 

2) Geologische Karte der Makgrafschaft Mähren und des Herzogthums Schlesien von Franz 
Fötterle. Wien 1866. 

3) Vergl. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1860. S. 515. 


r 


52 


Steinkohlengebirge. 


doch bis jetzt an jedem festen Anhalten für die Unterscheidung von Unter- 
abtheilungen. Namentlich bietet die Yertheilung der organischen Ein- 
schlüsse, so weit sie bis jetzt bekannt ist, kein Mittel für eine solche Unter- 
scheidung. In petrographischer Beziehung verdient der Umstand Beach- 
tung, dass die groben Grauwacken-Conglomerate vorzugsweise der Basis 
des ganzen Schichten -Systems an der Grenze gegen die Devonischen Ab- 
lagerungen anzugehören scheinen. Namentlich bei Weisskirchen, am 
Glemkauer Galgenberge bei Hotzenplotz und bei Rittberg unweit 
Olmütz ist diese Lagerung der Grauwacken-Conglomerate nachweisbar. 
Die Dachschiefer haben anscheinend ein geognostisches Niveau etwa in 
der Mitte des ganzen Schichten-Systems. 

f. Organische Einschlüsse. 

" Vergl. Taf. 4, 5 und 6. 

In Betracht der jedenfalls sehr bedeutenden Mächtigkeit der Oberschle- 
sisch-Mährischen Culm-Bildung ist deren fossile Fauna und Flora eine dem 
Umfange nach sehr beschränkte. Namentlich die erstere, wenn man sie 
mit der artenreichen Fauna des Kohlenkalks vergleicht, von welchem die 
Culm-Bildung nur eine andere Facies aus gleicher Bildungszeit darstellt, 
wie weiterhin gezeigt werden wird. Ausserdem ist auch das Vorkommen 
der thierischen und pflanzlichen Reste nur auf gewisse, im Vergleich mit 
der Gesammtmächtigkeit des ganzen Schichtensystems sehr wenig mäch- 
tige Schichtenlagen eingeschränkt. Bedeutende dazwischen liegende 
Schichtenreihen von Grauwacken-Sandsteinen und Thonschiefern sind an- 
scheinend ganz frei davon. Die meisten Fundorte von Versteinerungen 
liegen in dem östlichen und mittleren Theile des Verbreitungsgebietes der 
Bildung, wo die Schichtenstellung eine mässig geneigte und die petrogra- 
phische BeschalFenheit seit der ursprünglichen Ablagerung eine wenig ver- 
änderte ist. Wo dagegen gegen Westen hin d. i. mit der Annäherung an 
die krystalhnische Achse des Gebirges steile und gestörte Schichtenstellun- 
gen herrschend werden und die Gesteine ein festes halbkrystallinisches 
Ansehen gewinnen, da werden die organischen Einschlüsse sehr selten 
oder fehlen ganz, wahrscheinhch nur desshalb, weil sie bei der vorzugs- 
weise durch Druck bewirkten Aenderung der Gesteine verwischt oder 
undeutlich geworden sind. Uebrigens enthalten sowohl die Sandsteine 
wie die Thonschiefer Versteinerungen und nur die groben Grauwacken- 
Conglomerate sind nicht für die Erhaltung derselben geeignet gewesen. 
Besonders verschiedene Dachschieferbrüche, wie namentlich derjenige von 
Meltsch bei Troppau und diejenigen von Altendorf und Tschirm bei 


Culm. 


53 


Bautsch in Mähren haben sich„als reiche Fundorte von pflanzlichen und 
thierischen Versteinerungen erwiesen. 

Die fossile Flora der Oberschlesisch-Mährischen Culm-Bildungen wird, 
abgesehen von zwei nur in unvollkommener Erhaltung bekannten und 
wohl nicht zweifellosen Fucoiden der G-attung Chondrites nur durch Land- 
pflanzen, und zwar solcher Geschlechter, welche auch für das produktive 
Steinkohlengebirge bezeichnend sind, gebildet. Es sind vorzugsweise 
Farrenkräuter, Calamiten und Lepidodendren. Die Farrenkräuter gehö- 
ren namentlich den Gattungen S^henopteris, Neuropteris, Cydopteris, Tricho- 
manites und Hymenophyllites an. Unter den Calamiten ist (7. transitionis 
Göpp. die wichtigste Art und neben Lepidodendron tetragonum überhaupt 
die verbreitetste Leitpflanze. C. v. Ettingshaus eiF) zählt im Ganzen 
38 Pflanzenarten auf. 

Die dem Umfange nach beschränkte fossile Fauna besteht ausschliess- 
lich aus Meeresthieren. Zweiklappige Muscheln (Lamellihmnchiaten) und 
Cephalopoden bilden die Mehrzahl der Arten. Unter den Muscheln ist Pasi- 
donomya Becheri Bronn weitaus die verbreitetste und überhaupt das wich- 
tigste Leitfossil. Sie wurde namentlich in den Dachschieferbrüchen von 
M eit sch bei Troppau in grossen und schönen Exemplaren beobachtet. 
Sonst auch bei Johannesfeld^) östlich von Troppau, in den Dach- 
schieferbrüchen von Eckersdorf bei Bennisch, bei Nieder-Paulo- 
witz unweit Hotzenplotz, und bei Altendorf unweit Bautsch^) in 
Mähren. Unter den Cephalopoden ist Goniatites sphaericus So w. f Gonia- 
tites crenistria Phill.) die verbreitetste Art. Man kennt sie namentlich aus 
den Dachschieferbrüchen von M eit sch bei Troppau und von Altendorf 
bei Bautsch, aus dem Thönschiefer von Nieder-Paulowitz und aus 
den Grauwacken-Sandsteinen von Leissnitz und Sabschütz bei Leob- 
schütz. Eine zweite kleinere Art der Gattung, Go7i, mixolohus, wurde 
ebenfalls an mehreren Orten beobachtet, freilich stets nur in sehr unvoll- 


Die fossile Flora des Mährisch- Schles. Dachschiefers. Wien 1865. (Schriften der Wien. Akad.) 

2) Der Aufschluss bei Johannesfeld ist ein Einschnitt der Landstrasse an einem kleinen Ab- 
hange. Ausser Posidonomya Becheri fanden sich in dem an der Luft rasch in kleine Stüekchenzer- 
fallenden Schieferthone auch Lepidodendron tetragonum. 

3) Der Aufschluss bei Nieder-Paulowitz besteht in einem verfallenen Stollen bei der 
Klappermühle, mit welchem man vor etwa 20 Jahren in dem schwarzen Thonschiefer nach Stein- 
kohlen schürfte. In diesem schwarzen, auf den zahlreichen Klüften mit einem dünnen braunen 
Häutchen von Brauneisenstein überzogenen Thonschiefer sind Versteinerungen, freilich nur in sehr 
unvollkommener Erhaltung, nicht selten. Durch A. Halfar wurden dort gesammelt: Posidonomya 
Becheri, Pecten sp., Goniatites sphaericus, Orthoceras striolatum und Calamites transitionis. Ausser 
dem Stollen wurden damals auch einige jetzt wieder verschüttete kleine Schächte zu demselben 
Zwecke abgeteuft. 


54 


Steinkohlengebirge. 


kommener Erhaltung mit ganz zusammengedrückter Schale. Auch zwei 
Arten der Gattung Orthocercis, 0. scalare und 0. striolatum, welche ursprüng- 
lich aus den Schieferthonen der Culm-Bildung bei Herborn in Nassau 
beschrieben wurden, fanden sich an mehreren Stellen. Eine Art der Gat- 
tung Phillipsia, welche ebenfalls aus den Culm-Schiefern von Nassau be- 
kannt ist, Ph. latispinosa Sandb., wurde in den Dachschiefern an der 
Tschirmer-MühlebeiBautsch gefunden. Endlich fand sich ein seiner 
systematischen Stellung nach durchaus zweifelhafter wurmförmiger Körper, 
Nemertites Sudeticus, in den Dachschieferbrüchen von M eit sch bei Trop- 
pau. Die Gesammtzahl der aus der Oberschlesisch -Mährischen Culm- 
Bildung bisher bekannt gewordenen Arten von Thier en beträgt nur 8. J)as 
nachstehende Verzeichniss lässt die aus der Oberschlesisch -Mährischen 
Culm-Bildung bisher bekannt gewordenen organischen Einschlüsse mit den 
Fundorten übersehen. 

Verzeichniss der in den Schlesisch-Mährischen Culm-Schichten 
beobachteten Versteinerungen. 

-A. Pflanzen. 

Ghondrites vermiformis C. v. Etting sh. . Tschirm bei Bautsch in Mähren. 

Chondrites tenellus Göppert Altendorf bei Bautsch in Mähren. 

Calamites transitionis Göppert. ..... Sabschütz und Kittel witz bei Leobschütz; 

(Taf. 4, Fig, 1, 2, 3.) Bobrownik bei Hultschin; Meltsch, Grätz 

• und Alt-MokrolasetzbeiTroppau; Nieder- 

Paulowitz bei Hotzenplotz; Altendorf, 
Tschirm, Mora witz, Seibersdorf bei Dom- 
stadtl, Austy und Teplitz bei Weisskirchen 
in Mähren; Tost (?). 


Calamites tenuissimus Göppert Altendorf. 

Calamites laticostatus C. v. Etting sh. . . Mohradorf in Mähren. 

Calamites communis C. v. Etting sh. . . . Tschirm, Mohradorf. 

Calamites Poemeri Göppert. Tschirm, Mohradorf. 

Galarnites dilatatus Göppert . Schönstein. 

Equisetites Göpperti C. v. Ettings h. . . . Tschirm bei Bautsch. 

Sphenopteris elegans Brongn Alten dorf bei Bautsch. 

Bphenopteris distans Sternberg. Altendorf. 

(Taf. 5, Fig. 2.) 

Bphenopteris lanceolata Gutb Mohradorf. 

Neuropteris Loshii Brongn Alten dorf. 

Neuropteris heterophylla Brongn Altendorf. 

Cyclopteris Haiding er i C. v. Etting sh. . . Altendorf, Kunzendorf. 
(Taf. 5, Fig. 1.) 

Cyclopteris Hochstetteri C. v. Etting sh. . Kunzendorf. 


Ciilm. 


55 


Gymnogramme obtusiloba C. v. Etting sh. Altendorf. 

Adiantum antiquum C. v. Ettingsh. . . . Altendorf, Kunzendorf. 

Trtchomanes dissectum C. v. E 1 1 i n g s h. . Altendorf. 

Trichomanes moravicum C. v. Ettingsh. . Altendorf. 

Trichomanites Göpperti C. v. Ettingsh. . Altendorf, Kunzendorf. 

Trichomanites Machanehii C. v. Ettingsh. Altendorf. 

Trichomanites gyrophyllUs Göppert. . . . Mohradorf. 

Hymenophyllites quercifolius Göppert. . . Altendorf. 

Hymenophyllites patentissimus C. v. E 1 1 i n g. Altendorf. 

Schizaea transitionis 0. v. Ettingsh. . . . Altendorf. 

Aneimia Tschermakii C. v. Ettingsh. . . Altendorf, Tschirm. 
ßchizopteris lactuca Presl. . Tschirm, Mohradorf. 

Lepidodendron tetragonum Sternb Meltsch, Schönstein, Morawitz, Bleischwitz 

bei Jägerndorf, Johannesfeld beiTroppau, 
Leissnitz bei Leobschütz, Boblowitz a. d. 
Oppa, Kreutzendorf bei Leobschütz. 

Sagenaria Veltheimiana Presl. ...... Meltsch, Altendorf, Tschirmer Mühle bei 

(Taf. 4, Fig. 5.) Bautsch, Mohradorf. 

Sagenaria var.(Knorria imbricata Bieskau bei Deutsch-Neukirch, Hennerwitz 

(Taf. 4, Fig. 4.) bei Leobschütz. 

Sagenaria acuminata Göppert Mohradorf. 

Megaphytum Simplex Göppert Mohradorf. 

Nöggerathia Rücheriana Göppert Morawitz^ Leissnitz. 

Nöggerathia palmaeformis Göppert. ... Tschirm, Mohradorf. 

Stigmaria ficoides Brongn. var, undu- 

lata Göppert. . Mohradorf. 

Trigonocarpum ellipsoideum Göppert. . . Mohradorf. 

Rhabdocarpus conchaeformis Göppert.. . Mohradorf. 


B. Thiere. 


Posidonomya Becheri Bronn. 

(Taf. 6, Fig. 1.) 


Reden sp. mit gerundeten ausstrahlenden Rippen 
Orthoceras scalare H. v. Meyer. . , . . . . 
(Taf. 6, Fig. 4, 4a.) 

Orthoceras striolatum H. v. Meyer 

(Taf. 6, Fig. 5.) 

Goniatites sphaericus Sow. (=.G.crenistria) 
(Taf. 6, Fig. 2, 2a.) 

Goniatites mixolobus P h i 1 1. ; (Taf. 6, Fig. 3,8a.) 
Rhillipsia latispinosa S a n d b. ; (Taf. 6, Fg. 6.) 
Nemertites Sudeticus n. sp. (Taf. 6, Fig. 7.) 


Morawitz, Meltsch bei Troppau, Altendorf 
bei Bautsch, Johannesfeld bei Troppau, 
Eckersdorf bei Bennisch, Nieder -Paulo- 
witz, Waltersdorf, Bleischwitz bei Jägern- 
dorf (?), Bladen bei Leobschütz ; Bobrow- 
nik bei Hultsehin (?). 

Bautsch, Nieder-Paulowitz, Morawitz. 

Leobschütz, Meltsch, Tschirm bei Bautsch. 

Morawitz, Bobrownik, Nieder-Paulowitz. 

Leissnitz u.Sabschütz b.Leobschütz, Meltsch, 
Schönstein, Altendorf, Nieder-Paulowitz, 

Meltsch; Bobrownik bei Hultsehin. 

Tschirmer Mühle bei Bautsch. 

Meltsch. 


56 


Steinkohlengebirge. 


Im Ganzen sind die thierischen Versteinerungen im Vergleich zu den 
pflanzlichen durchaus untergeordnet nach Zahl der Arten und Allgemeinheit 
des Vorkommens und verhalten sich in dieser Beziehung fast wie die wenigen 
Meeresthiere des oberen oder produktiven Steinkohlengebirges den zahl- 
reichen Landpflanzen gegenüber. Ebenso wie das produktive Kohlen- 
gebirge wird man daher die Culm-Bildung als eine lacustre oder brackische 
Bildung anzusehen haben. 

g. Vergleichung der Oherschlesisch- Mährischen Culm-Bildung mit den 
Culmschichten anderer Gegenden. 

Zunächst würde die Oberschlesisch -Mährische Culm-Bildung mit den 
Culmschichten Nie der Schlesiens zu vergleichen sein. Bekanntlich ist 
in den Umgebungen des Niederschlesischen oder Waldenburger 
Kohlenbeckens uud namentlich auf der Nordseite desselben in der Gegend 
von Landeshut und Bolkenhain ein mächtiges Schichtensjstem von 
Grauwacken - Sandsteinen und Grauwacken - Conglomeraten verbreitet. 
Durch das stratographische Verhalten im Liegenden des produktiven Koh- 
lengebirges ebensowohl wie auch durch die paläontologischen Merkmale 
erweist sich diese Niederschlesische Grauwacke als eine der Oberschle- 
sisch-Mährischen Culm-Bildung gleichstehende Ablagerung. Die aus der- 
selben bekannten Pflanzenreste, welche schon früh von Göppert als 
verschieden von denjenigen des produktiven Steinkohlengebirges erkannt 
wurden, sind dieselben wie diejenigen der Oberschlesischen Culm-Bildung 
und namentlich sind Calamites transitionis, Lepidodendron tetragonum und 
Sagenaria Veltlieimiana Presl. (Knorria imhricata Sternb.) beiden ge- 
meinsam. Dagegen fehlen der Niederschlesischen Culm-Grauwacke 
alle thierischen Organismen und besonders die bezeichnende Posidonomya 
Bechen. In petrographischer Beziehung ist ausserdem das Fehlen der 
Dachschiefer und die viel geringere Entwickelung der Thonschiefer in 
Niederschlesien unterscheidend. 

Der Culm-Bildung des Fichtelgebirges, welche zunächst zu ver- 
gleichen sein würde, fehlen ebenso wie der Niederschlesischen alle thieri- 
schen Einschlüsse^). In dieser Beziehung sind die Culmschichten des 
Harzes mit denjenigen Ob erschlesiens und Mährens näher verwandt. 
In der Gegend von Clausthal wechseln Posidonomya Bechen führende 
Schieferthone mit Grauwacken-Sandsteinen und Grauwacken-Conglomera- 


1) Vergl. üeber Clymenieii in den Uebergangsgebilden des Fichtelgebirges von Dr. C. W. Güm - 
bei. (Abdruck aus Palaeontograph. Bd. XL) Cassel 1863. p. 19. 


Culm. 


57 


ten ab, welche die bezeichnenden Landpflanzen der Culm -Bildung wie 
namentlich Calamites transitionisj Lepidodendron tetragonum und Sagenaria 
VeltJieimiana enthalten. Das ist also ganz dasselbe Verhalten wie in der 
Gegend von Troppau, Jägern dorf und Leobschütz. Dagegen sind 
die Kieselschiefer, wie sie namentlich zwischen Clausthal und Osterode 
entwickelt sind, und die dunkelen mit Goniatites sphaericus erfüllten Kalk- 
steinschichten von Grund^) der Oberschlesisch-Mährischen Culin-Bildung 
durchaus fremd. In Westphalen und Nassau besteht die Culm-Biidung 
im Gegensatz zu dem Verhalten in Oberschlesien und Mähren vorherrschend 
aus Schieferthonen und Thonschiefern (Posidonomyen-Schiefern) nebst Kie- 
selschiefern und plattenförmigen Kalksteinen, während Grauwacken-Sand- 
steine und Grauwacken-Congloinerate ganz untergordnet sind. Dagegen 
ist in paläontologischer Beziehung die Uebereinstimmung grösser, in so- 
fern auch in Westphalen und Nassau Landpflanzen und Meeresthiere 
Vorkommen. Zugleich sind die Arten der Mehrzahl nach identisch und 
Posidonomya Becheri, welche ja zuerst aus den dunkelen Schiefern des 
Geistlichen Berges bei Herborn beschrieben wurde, ist hier im west- 
lichen Deutschland ebenso wie in den Sudeten das vorzugsweise bezeich- 
nende Fossil. Die Englische Culm-Biidung endlich, wie sie räumlich von 
derjenigen der Sudeten am weitesten absteht, scheint auch in petrographi- 
scher und paläontologischer Entwickelung sich am weitesten zu entfernen. 
Die schwarzen Kalke mit Posidonomya Becheri und Goniatiten, welche 
die obere Grenze der Lower culm measures in Devonshire bezeichnen, 
fehlen der Oberschlesisch- Mährischen Culm-Biidung durchaus, während 
anderer Seits die pflanzenführenden Dachschiefer dieser letzteren in Eng- 
land nicht gekannt sind. 

Im Ganzen ergiebt sich aus dieser Vergleichung, dass die Oberschle- 
sisch-Mährische Culm-Biidung mit derjenigen des Oberharzes die meiste 
Verwandtschaft zeigt, indem in beiden Gegenden sandige und thonige 
Gesteine an der Zusammensetzung Theil nehmen und sowohl Landpflanzen 
wie Meeresthiere verkommen. 

h. Verhalten der Culm-Biidung zum Kohlenkalk. 

Murchison und Sedgwick sprachen schon in ihrer ersten Abhand- 
lung über die älteren Gesteine in Devonshire die Ansicht aus, dass da 
die Upper culm measures nach ihren mit solchen des produktiven Stein- 


1) Vergl. A. Roemer: Beitrag zur geologischen Kenntniss des nordwestlichen Harzgebirges. 
Cassel 1850. S. 89. 


8 


58 


Steinkohlengebirge. 


kohlengebirges in anderen Theilen von England specifisch identischen 
Pflanzen dem eigentlichen Kohlengebirge gleichzustellen seien, die schwar- 
zen Kalklager der Lower culm measures ein Aequivalent gewisser Schich- 
ten des Kohlenkalks darstellen müssen, besonders da auch die Goniatiten 
und Posidonomyen der dunkelen Kalke mit solchen des Kohlenkalks ver- 
wandt oder identisch seien. Der auch für alle Culm- Ablagerungen des 
Continents geltende Umstand, dass ihr Auftreten die Entwickelung des 
Kohlenkalks regelmässig ausschliesst, scheint die Auffassung, derzufolge 
die Culm-Schichten den Kohlenkalk vertreten, durchaus zu bestätigen und 
es könnte nur zweifelhaft sein, ob die Culm-Schichten der Gesammtmasse 
des Kohlenkalks oder nur einer Abtheilung desselben der Ablagerungszeit 
nach entsprechen. Der Umstand, dass in N orthumberland Posidono- 
mya Becheri in oberen, dem Mills tone grit genäherten Lagen des Kohlen- 
kalks vorkommt, könnte bestimmen, in der Culm-Bildung nur ein Aequi- 
valent der oberen Lagen des Kohlenkalks zu sehen^). Auch die wichtige 
Beobachtung H. v. Dechen ’s^), derzufolge bei Neviges, nordwestlich 
von Elberfeld, plattenförmige Kalksteine, welche sich als die Ausläufer 
des ächten Kohlenkalks von Ratingen darstellen, durch Thonschiefer und 
Kieselschiefer mit Posidonomya Becheri gleichförmig überlagert werden, 
könnte dafür beweisend scheinen. Allein anderer Seits würde man bei 
dieser Annahme, da, wo der Kohlenkalk fehlt und nur die Culm-Bildung 
zwischen dem Devon und dem produktiven Steinkohlengebirge entwickelt 
ist, ein Aequivalent für den unteren Kohlenkalk ganz vermissen. Es 
scheint desshalb naturgemässer, die Culm-Bildung als ein Aequivalent der 
Gesammtmasse des Kohlenkalks zu betrachten. Vielleicht wird es sich 
auch nachweisen lassen, dass Posidonomya Becheri, ihrem Vorkommen in 
der oberen Abtheilung des Kohlenkalks in Northumberland ent- 
sprechend, auch in der Culm-Bildung ihre Hauptentwickelung in einem 
gewissen Niveau der oberen Abtheilung besitzt. Wenn im Fichtelgebirge 
nach der Darstellung von GümbeP) Kohlenkalk mit Productus semireticu- 


1) Sedgwick and Murchison 1. c. p. 693. „Now the genus Posidonia is foiind abundantly 
in the upper and lower limestone shales, for instance in the calp of Ireland, which is in the place 
of the lower shales, and in the upper limestone shales of Northumberland, not far 
below the millstone grit. Die Art des Kohlenkalks von Northumberland wird von den 
englischen Autoren gewöhnlich als Posidonomya tuherculata Sow. aufgeführt, allein vor mir liegende 
in rothem Schieferthon erhaltene Exemplare aus Northumberland stimmen in jeder Beziehung 
mit Posidonomya Becheri der deutschen Culm-Bildung überein. 

2) Vergl. Verhandlungen des naturhistorischen Vereins für Rheinland und Westphalen, Jahrg. 
VII., 1850, s. m. 

3) lieber Clymenien in den üebergangsgebilden des Fichtelgebirges (Abdruck aus Palaeonto- 


Kohlenkalk. 


59 


latus zwischen den Grauwacke -Schichten mit Calamites transitionis liegt, 
so wird man in diesen Kalkschichten nur das Aequivaleiit eines Theils des 
in anderen Gegenden mächtiger entwickelten Kohlenkalks sehen müssen. 
Allgemein wird sich die Culm- Bildung bezeichnen lassen als ein vor- 
herrschend aus Gräuwacken-Sandsteinen und Thonschiefern 
zusammengesetztes, aber zuweilen auch Kieselschiefer und 
Kalksteine einschliess endes, Landpflanzen und einzelne ma- 
rine Thierreste führendes mächtiges Schichten-System, wel- 
ches sich durch seine Lagerung und durch seine organischen 
Einschlüsse als ein Aequivaleiit und zwar als die lacrustre 
Facies des Kohlenkalks darstellt. 

2. Kohlenkalk. 

Nur an dem südöstlichen Ende des oberschlesisch -polnischen Stein- 
kohlenbeckens ist der Kohlenkalk, diese tj^pische Form der unteren Ab- 
theilung des Steinkohlengebirges, in dem Kartengebiete bekannt und auch 
hier nimmt er nur unbedeutende Flächenräume ein. Er tritt in den beiden 
steilwandigen, felsigen Nebenthälern auf, welche hier von Norden her in 
das Rudawa-Thal einmünden, demjenigen von Krz es zo wie e selbst und 
dem eine halbe Meile weiter östlich gelegenen, welches bei dem Dorfe 
Rudawa sich mit dem Hauptthale vereinigt. Die russisch-polnische Grenze 
bildet fast genau die Grenze der Verbreitung des Kohlenkalks gegen Nor- 
den. Er verschwindet hier unter dem überlagernden Löss. In dem Thale 
von Krzeszowice tritt er zuerst bei dem Dorfe Czatko wice in der Form 
weisser Kalkfelsen an der östlichen Thalwand auf. Productus striatus und 
Productus semireticulatus, welche hier von mir gesammelt wurden, bestim- 
men den Kalkstein sicher als Kohlenkalk. Auch höher hinauf in dem 
Thale und namentlich da, wo es sich gabelt, wurden in dem hier grauen 
Kalksteine Exemplare von. ■ Productus semireticulatus beobachtet. In der 
westlichen Verzweigung des Thaies, in welcher das langgestreckte Dorf 
Czerna gelegen ist, erscheint der Kohlenkalk an mehreren Punkten in 


grapliica Band XI.) Cassel 1863. S. 25. P^s wird hier nachstehende Gliederung der Culm-Bildung 
aufgestellt ; 

Praecarbonische Formation oder Culm -Schichten. 

Basis der produktiven Steinkolilen-P'ormation. 

1) Obere Calämiten Grauwacke-Schichten. Stufe des letzten Auftretens von Calamites transitionis, 

2) Bergkalk. Stufe des Productus semireticulatus. Produktus-Kalk. 

o) Untere Calamiten-Schichten. Stufe des ersten Auftretens von Calamites transitionis oder 
4) Grenzschicht. Obere Thüringer Dachschiefer-Schiehten, (Lehstener Schichten.) 

Devonische P’ormation, 


8 


60 


Stelnkohleiigebirge. 


deutlichen Aufschlüssen. Man sieht in dem Dorfe Czerna selbst die ge- 
neigten Schichtflächen des hier braunrothen eisenschüssigen Kalksteins mit 
den faustgrossen Schalen des Productus giganteus dicht bedeckt. Zwischen 
diesen, obgleich viel seltener, auch Chonetes comoides. Auch an der nordöst- 
lichen Verzweigung des Thaies, welche von Gorenice in Russisch-Polen 
herabkommend neben dem Dorfe Paczoftowice und dem Kloster 
Czerna vorbeiläuft, ist der Kohlenkalk, vom unteren Muschelkalke un- 
mittelbar bedeckt, an vielen Punkten aufgeschlossen. Neben dem Dorfe 
Paczoltowice tritt er in der Thalsohle selbst als blaugrauer Kalkstein, 
aus welchem sehr wasserreiche klare Quellen hervorbrechen, auf. Ober- 
halb des Dorfes, wenige Schritte von der russisch -polnischen Grenze ent- 
fernt, w^ar im Jahre 1865 ein Steinbruch eröffnet, in welchem eine mässig 
geneigte Schichtenfolge von dunkelen Kalksteinen und Mergeln au%e- 
schlossen war. Namentlich die mergeligen Schichten erwiesen sich reich 
an organischen Einschlüssen. Die meisten der auf Taf. 7 abgebildeteii 
Arten wurden hier gesammelt, namentlich Productus punctatus, Strepto- 
rhynchus crenistria, Orthis Michelini, Spirifer striatus var. mit sehr zahlreichen 
feinen ausstrahlenden Faltew^ , Sjnrig er a Boissyi, Rhynchonella pugnus^ Cho- 
netes Hardrensis, Fenestella plebeja und Syringopora reticulata. Chonetes 
Hardrensis und Streptorhynchus crenistria waren die beiden häufigsten Arten. 

In dem östlicher gelegenen Thale von Rudawa und seinen Verzwei- 
gungen ist die Verbreitung des Kohlenkalks eine noch bedeutendere, 
namentlich in den Umgebungen der Dörfer Zary, Dubie und Radwano- 
wice, und auch hier bezeichnen zahlreiche organische Einschlüsse das 
Gestein unzweifelhaft als Kohlenkalk*). 

Auf der Höhe zwischen den beiden Thälern treten die durch die Mar- 
morbrüche von Dembnik aufgeschlossenen Devonischen Kalkschichten 
hervor, welche früher beschrieben wurden. Im Grossen und Ganzen sind 
wahrscheinlich die Kohlenkalkschichten mantelförmig um diese devo- 


1) Der verstorbene L. Hohen egge r in Teschen hat hier zahlreiche Versteinerungen gesam- 
melt, welche mit seiner übrigen Sammlung in das Münchener Museum gelangt sind und mir von dort 
durch Herrn Prof. Dr. Zittel gütigst zur Vergleichung anvertraut wurden. Es Hessen sich bestim- 
men von Zary: Chonetes Hardrensis Phill., Streptorhynchus crenistria Dav. (Spirifer crenistria 
Phillips), Spirifer striatus S o w. und Poteriocrinus crassus Miller? (Säulenstück) ; von R a d w a - 
nowice: Streptorhynchus crenistria^ Spirifer striatus und Productus margaritaceus Phill.? Das 
bei Fallaux (Geognost. Karte des ehemal. Gebietes von Krakau u. s. w. von weil. L. Hohen- 
egger, zusammengestellt durch Cornelius E'allaux; Wien 1866; [Erläuterungen zu der Karte.) 
S. 8.) gegebene, durch Hohenegger aufgestellte Verzeichniss der an den genannten Fundorten 
vorkommenden Versteinerungen zählt noch mehrere Arten auf, die aber nach den betreffenden Ori- 
ginal-Exemplaren eine sichere Bestimmung in Wirklichkeit nicht zulassen. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


61 


nische Erhebung gelagert. Dieses im Einzelnen nachzuweisen, genügen 
jedoch die vorhandenen Aufschlüsse nicht. Der Fallwinkel und das 
Streichen sind an den verschiedenen Aufschlussstellen sehr verschieden. 
Der Fall Winkel schwankt zwischen 9® bis 60^. An mehreren Punkten des 
Thaies von Krzeszowice wird der Kohlenkalk durch die Schiefer des 
produktiven Kohlengebirges unmittelbar überlagert. So hat also das 
oberschlesisch -polnische Steinkohlenbecken hier an seinem südöstlichen 
Ende in dem Kohlenkalke seine normale Unterlage, während in dem gan- 
zen übrigen Umfange des Beckens das Liegende der flötzführenden oberen 
Abtheilung oder des Kohlengebirges im engeren Sinne entweder gar nicht 
bekannt ist oder durch die bereits oben beschriebenen Gesteine von ganz 
anderem Habitus, diejenigen der Culm.ßildung, gebildet wird. 

Uebrigens hat schon Pusch‘) den Kohlenkalk der Gegend von Krze- 
szowice richtig als solchen erkannt. Freilich irrte er noch darin, dass er 
die Devonischen Kalkschichten der Marmorbrüche von Dembnik damit 
vereinigte. 


B. Obere Abtheilung. 

Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 

a. Literatur. 

1805. Leop. von Buch: Geognostische Uebersicht von Neu -Schlesien 
in: Leop. von Buch ’s gesammelte Schriften, herausgegeben von 
Ewald, Roth und Eck. Bd. 1. Berlin 1867. S. 719 tf. 

1822. Carl von Oeynhausen: Versuch einer geognostischen Beschrei- 
bung von Oberschlesien. Essen, 1822. S. 112 — 197. 

1833. Pusch: Geognostische Beschreibung von Polen. Thl. I. S. 149 
bis 178. 

1854. Krug von Nidda: Ueber das Oberschlesische Steinkohlenbecken. 
32ster Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterl. Cultur. 
Breslau, 1854. S. 28—34. 

1860. Carl Mauve: Flötzkarte des Oberschlesischen Steinkohlengebirges 
zwischen Beuthen, Gleiwitz, Nikolai und Myslowitz im Massstabe 
von 1 : 16,000, bestehend aus 12 Sektionen und 6 Blättern mit Pro- 
filen. Hierzu von demselben Verfasser: Erläuterungen zu der Flötz- 
karte u. s. w. Breslau, 1860. 


1) Geognost. Beschreib, von Polen Thl. I. S. 142 — 149. 


62 


Steinkohlengebirge, 


1865. Schütze: Die Schlesischen Steinkohlenbecken und deren Fort- 
setzung nach Böhmen und Mähren. B. das Oberschlesische Stein- 
kohlengebirge in Preussen und Oesterreich; mit Taf. XXL XXIL in: 
Die Steinkohlen Deutschlands und anderer Länder Europas von 
H. B. Geinitz, H. Fleck und E. Hartig. 1. Band, Geologie. 
München, 1865. S. 237—257. 

h. Geschichtliches. 

Die erste eingehendere Darstellung des oberschlesischen Steinkohlen- 
gebirges gab C. von Oeynhausen in seiner noch heute werthvolleii, durch 
Unbefangenheit und Schärfe der Beobachtung ausgezeichneten geognosti- 
schen Beschreibung von Oberschlesien, nachdem L. v. Buch schon vorher 
einzelne Bemerkungen über dasselbe gemacht hatte*). Hier ist die Ver- 
breitung des oberschlesich- polnischen Steinkohlengebirges, so wie das 
petrographische und stratographische Verhalten schon in den allgemeinen 
Zügen richtig angegeben. Natürlich stützte sich C. v. Oeynhausen’s 
Darstellung grösstentheils auf die schon bei dem Bergbau gemachten 
Beobachtungen. Eine Darstellung des Kohlengebirges auf polnischem Ge- 
biete gab Pusch in seinem verdienstvollen Werke über die geologischen 
Verhältnisse Polens. Im Jahre 1854 gab Krug v. Nidda eine gedrängte 
Skizze des oberschlesischen Steinkohlengebirges und erörterte darin na- 
mentlich auch die Frage, in wie weit die Kohlenflötze des Steinkohlengebir- 
ges auch unter dem nordwärts sich auflagernden Muschelkalk-Plateau auf- 
zufinden sein dürften. Die Flötzkarte von C. Mauve stellte die durch 
den Bergbau gewonnenen Erfahrungen über die Lagerungsverhältnisse der 
einzelnen Kohlenflötze und deren Zusammenhang in dem Hauptgebiete des 
oberschlesischen Kohlenbergbaus zu einem grossen übersichtlichen Bilde 
zusammen und förderte dadurch wesentlich die Kenntniss des oberschlesi- 
schen Steinkohlengebirges überhaupt. Neuerlichst hat Bergmeister Schütze 
in Waldenburg eine kurze Darstellung des oberschlesischen Steinkohlen- 
gebirges geliefert und namentlich die Mächtigkeit und Beschaffenheit der 
Kohlenflötze in den einzelnen Flötzzügen näher berücksichtigt. 

c. Verbreitung. 

Das oberschlesisch - polnische Steinkohlengebirge bildet verschiedene, 
inselartig aus dem umgebenden Diluvium sich erhebende grössere und 


1) Theils in der Schrift; Entwurf einer geognost. Beschreibung von Schlesien. Geognostische 
Beobachtungen auf Reisen. Ister Band. Berlin, 1802. S. 81 ff.; theils in dem erst unlängst gedruck- 
ten, aber als Manuskript schon durch C. v, Oeynhausen benutzten Aufsatze über Neu-Schlesieu. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkoblengebirge im engeren Sinne. 63 

kleinere Partien. Die grösste dieser Partien ist diejenige, welche sich 
zwischen Gleiwitz und Myslowitz ausdehnt und an letzterem Orte, die 
preussische Grenze überschreitend, nach Polen hinübergreift und hier 
namentlich östlich und südöstlich von Bendzin über einen ausgedehnten 
Flächenraum sich verbreitet, ln dieser Partie, deren preussischer Antheil 
schon mehr als 5 Quadratmeilen gross ist, sind die mächtigsten Plötze ent- 
wickelt und liegen die wichtigsten und reichsten Kohlengruben, namentlich 
bei Zabrze, Königshütte, Kattowitz, Rosdzin, Myslowitz und 
Dombrowa (Dabrowa). Nur als ein südwestlicher Ausläufer dieser 
Haupt-Partie ist das Steinkohlengebirge in der Umgebung von Nikolai 
anzusehen, welches bis C z er wion kau reicht und namentlich auch die 
Gruben bei Orzesze begreift. Eine durch aufgelagerte Tertiär- und 
' Diluvial-Massen völlig getrennte Partie ist dagegen die viel kleinere und 
noch nicht 1 Q.-M. grosse zwischen Rybnik und Pschow, in welcher 
namentlich bei Czernitz, Birtultau und Ridultau ein ansehnlicher 
Bergbau umgeht. Die südwestliche Ecke des ganzen Kohlenbeckens bildet 
die Partie von Hultschin und Mährisch Ostrau, deren östliche Aus- 
läufer, durch Kohlengruben bei Michalko witz, Orlau und Karwin be- 
zeichnet, sich bis in die Nähe von Freistadt erstrecken. Namentlich bei 
Petrzkowitz, südöstlich von Hultschin, bei Hruschau und bei Mäh- 
risch Ostrau selbst findet in dieser Partie eine bedeutende Kohlen- 
gewinnung statt. Von viel beschränkterem Umfange als die bisher genann- 
ten sind die kleinen Partien von Chelm und Lendzin unweit Berun, 
und diejenige von Koslowagora zwischen Beuthen und Neudeck. 
Von grösserem Umfange ist die Partie von Tenczynek bei Krzeszo- 
wice unweit Krakau, in welcher noch ein beschränkter Bergbau auf 
einigen Kohlenflötzen von geringer Mächtigkeit betrieben wird. 

Alle diese verschiedenen in Oberschlesien und in den angrenzenden 
Gebieten auftretenden Partien des flötzführenden Steinkohlengebirges ge- 
hören, obgleich an der Oberfläche nicht zusammenhängend und zum Theil 
selbst durch weite Zwischenräume getrennt, doch augenscheinlich demsel- 
ben Becken an, denn nirgendwo treten zwischen ihnen ältere Gesteine zu 
Tage und zum Theil ist durch Bohrlöcher das Vorhandensein des Kohlen- 
gebirges in grösserer Tiefe in den zwischen den einzelnen Partien liegen- 
den Zwischenräumen nachgewiesen. Dieses grosse oberschlesisch -pol- 
nische Steinkohlenbecken reicht von Hultschin und Mährisch-Ostrau 
bis in die N ähe von Siewierz in Polen und anderer Seits von Tenczynek 
bei Krzeszowice bis über Gleiwitz hinaus gegen Nordwesten. Will 
man die ganze Ausdehnung dieses Beckens bestimmen, so wird man den 


64 


Steinkohlengebirge. 


äusseren Umfang desselben durch die Feststellung der Punkte, an welchen 
die zunächst älteren Gesteine hervortreten, zu ermitteln suchen. Im Westen 
wird die Grenze des Beckens durch die östlichsten Partien der Culm- 
Grauwacke, nämlich diejenigen von Hultschin, Kätscher, Deutsch- 
Neukirch, Bauerwitz, Leobschütz und Ober-Glogau bezeichnet 
sein. Im Norden wird eine Linie, welche die Grauwacken -Partie von 
Oberwitz und Zyrowa mit derjenigen von Tost verbindet und dann 
weiter gegen Osten nördlich von Tarnowitz vorbei bis nach Siewierz 
in Polen verlängert wird, als äusserste Grenzlinie des Beckens gelten 
müssen. Nördlich von der zuletzt genannten Stadt liegen die früher be- 
schriebenen Partien devonischer Kalksteinschichten und es ist daher jeden- 
falls südlich von diesen die nördliche Grenze des Kohlenbeckens zu suchen. 
Für die Bestimmung der Grenze des Beckens gegen Osten sind nur wenige 
feste Anhaltspunkte gegeben und man könnte, da ältere Gesteine hier nicht 
bekannt sind, sogar vermuthen, dass sich das Becken unter den triassischen 
und jurassischen Ablagerungen noch weit gegen Osten erstrecke. Allein der 
Umstand, dass bei Golonog, östlich von Dombrowa, in einem Eisen- 
bahneinschnitte die weiterhin näher zu beschreibenden flötzarmen Schich- 
ten des Kohlengebirges mit marinen Thierresten auftreten, welche jeden- 
falls der untersten Abtheilung des produktiven Steinkohlengebirges ange- 
hören, weiset mit Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass an diesem Punkte 
die östliche Grenze des Beckens nicht fern ist und dass wohl in keinem Falle 
die östliche Grenze des Beckens überhaupt jenseits einer von Siewierz 
nach Tenczynek bei Krzeszowice gezogenen geraden Linie zu suchen 
ist. An dem letzteren Punkte ist die östliche Grenze durch das Hervor- 
treten von unzweifelhaftem Kohlenkalk und von Devonischen Kalkschich- 
ten mit Sicherheit festgestellt. Gegen Süden ist die Grenze des Beckens 
durch das Auftreten von Gesteinen höheren Alters als das produktive 
Kohlengebirge selbst nirgends bezeichnet. Man wird dieselbe hier aber 
mindestens bis an den nördlichen Fuss der Nor d -Karpathen oder Bes- 
kiden vorschieben dürfen, denn ganz in der Nähe dieser Gebirgskette ist 
das Steinkohlengebirge an mehreren Stellen gekannt. An einem •‘*j4 Meilen 
südlich von Oswiencim auf dem rechten Ufer der Sola gelegenen Punkte 
treten sie zu Tage. Bei Goczalkowitz unweit Pless und bei Jastr- 
zemb unweit Loslau ist das Vorhandensein des Steinkohlengebirges mit 
bauwürdigen Flötzen durch Bohrlöcher unter der Bedeckung von tertiären 
Ablagerungen nachgewiesen worden. Noch näher liegen die Kohlen- 
gruben von Karwin und Orlau westlich von Freistadt und diejenigen 
von Mährisch-Ostrau dem nördlichen Fusse der Karpathen. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


65 


Nimmt man nun an, dass innerhalb des durch diese Grenzen^) bezeich- 
neten Raumes sich die Schichten des Kohlengebirges zusammenhängend 
verbreiten, wenn sie auch durch aufgelagerte diluviale, tertiäre und tri- 
assische Bildungen grossentheils der unmittelbaren Beobachtung an der 
Oberfläche entzogen sind, so wird die Grösse des ganzen Beckens gegen 
100 Quadrat-Meilen betragen^). 

d. Orographisches Verhalten. 

Das orographische Verhalten oder die Relief-Verhältnisse der Gebiete, 
in denen das produktive Steinkohlengebirge an der Oberfläche hervortritt, 
sind im Ganzen wenig ausgezeichnet. Die die wichtigsten Kohlengruben 
Ob er Schlesiens begreifende Partie zwischen Zabrze und Myslowitz bil- 
det eine ganz flache, aus einzelnen gerundeten Kuppen bestehende Erhe- 
bung, welche nur wenig über das allgemeine mittlere Niveau des ober- 
schlesischen Plateaus ansteigt. Die ansehnlichsten selbstständigen Erhe- 
bungen zeigt das Steinkohlengebirge in den Umgebungen von Nikolai, 
wo die daraus bestehenden bewaldeten Bergrücken bis gegen 1100 Fuss 
Meereshöhe erreichen. Auch die durch aufgelagerte jüngere Massen gegen- 
wärtig der unmittelbaren Beobachtung entzogenen Theile des Kohlen- 
beckens bildeten vor der Ablagerung der jüngeren Gesteine imd nament- 
lich der tertiären Schichten keinesweges eine ebene Fläche, sondern ein 
aus einem Wechsel von Höhen und Thälern bestehendes Land. Oft trifft 
man nämlich in verhältnissmässig geringer Entfernung von an der Ober- 
fläche anstehenden Partien des Steinkohlengebirges dieses erst in Tiefen 
von mehreren hundert Fuss unter den diluvialen und tertiären Ablagerun- 
gen wieder an. So wurde z. B. bei der Carl Oswald-Grube, ^|4 Meilen 
östlich von Zabrze, das Kohlengebirge mit einem Bohrloche erst in 400 Fuss 
Tiefe erschürft, während es bei Zabrze selbst bis zur Oberfläche reicht, 

1) Vielleicht reicht nur gegen Westen das SteinkohJengebirge nicht bis zu der bezeichnetea 
Grenze. Manche Umstände machen es wahrscheinlich, dass die Verbreitung des Kohlengebirges 
gegen Westen über eine von Hultschin nach Tost gezogene gerade Linie kaum hinübergreift. 

2) Die Grösse des Areals, in welchem das Kohlengebirge in Oberschlesien und Polen 
unmittelbar an der Oberfläche erscheint, wird dagegen nur gegen 15 Quadrat-Meilen betragen. Für die 
bequemere Uebersicht des Zusammenhangs der einzelnen Partien ist es erleichternd, das die Zwischen- 
räume zwischen denselben erfüllende Diluvium als nicht vorhanden anzusehen. Herr 0, Degen- 
hardt hat daher unter Zugrundelegung der grossen Karte in 12 Sektionen eine demnächst zu ver- 
öffentlichende geognostische Karte des oberschlesisch-polnischen Bergdistrikts mit Hinweglassung 
des Diluviums entworfen, welche für den angegebenen Zweck sehr belehrend ist. Die fragliche Karte 
zeigt freilich, dass auch bei Hinweglassung des Diluvium, in dem bei Weitem grösseren Theile des 
Beckens das Kohlengebirge durch die aufgelagerten Tertiär- Schichten der unmittelbaren Beobach- 
noch entzogen bleibt und im Allgemeinen nur einzelne höhere Rücken oder Höhenzüge als zusammen- 
hängende Partien erscheinen. 


9 


66 


Steinkohlengebirge. 


e. PetrograpMsclies Yerhalten. 

Die petrographische Zusammensetzung des obersciilesisch- polnischen 
Steinkohlenbeckens ist derjenigen anderer europäischer Kohlenbecken im 
Ganzen durchaus ähnlich. Sandsteine und Schieferthone mit untergeord- 
neten Steinkohlenflötzen sind die herrschenden Gesteine. Das Vorherrschen 
der Sandsteine gegen die Schieferthone^), die Seltenheit grobkörniger Con- 
glomerate und die zum Theil ungewöhnlich grosse Mächtigkeit der Flötze 
können etwa als bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten im Vergleich zu 
anderen Kohlenbecken und namentlich dem Mederschlesischen hervor- 
gehoben werden. Der Sandstein ist gewöhnlich von weisser Farbe und 
von mässig grossem oder feinem Korn. Feine Glimmerblättchen sind 
häufig eingestreut. Selten sind den Quarzkörnern kleine Stücke von ver- 
wittertem Feldspath und von schwarzem Kieselschiefer beigemengt. Häufig 
ist der Sandstein in mächtige gleichförmige Bänke abgesondert und gestat- 
tet die Gewinnung grosser Werkstücke. Der Schieferthon gleicht durch- 
aus demjenigen in anderen Kohlenbecken. Er bildet gewöhnlich das 
Liegende und Hangende der Flötze, und namentlich der weniger starken, 
aber immer nur in nicht sehr grosser Mächtigkeit. Nur in dem 2006^|3Fuss 
tiefen Bohrloche bei Königshütte wurde Schieferthon in einer Mächtig- 
keit von 45 Lachter durchsunken. Diese mächtigere Schichtenfolge 
gehört aber schon der unteren xibtheilung des produktiven Kohlengebir- 
ges, derjenigen unter den mächtigeren in Oberschlesien bebauten Flötzen 
an. LTebergänge des Schieferthons in sandige Schiefer und schieferige 
Sandsteine sind wie anderswo sehr gewöhnlich. Auch Brandschiefer 
und Alaunschiefer treten mit dem Schieferthon auf und sind demsel- 
ben untergeordnet. Die 10 Zoll starke Oberbank des Egmont-Flötzes 
auf der Gharlotte-Grube bei Czernitz ist ein braunschwarzer Brand- 
schiefer, welcher irrthümlich zuweilen als Gannel-Kohle bezeichnet wor- 
den ist. Kohleneisenstein (Black hand) wurde bisher nur auf der 
Grube Orzegow bei Schwientochlowitz beobachtet. Am Ausgehen- 
den löst sich der Schieferthon durch Verwitterung oft bis in ansehnliche 
Tiefe zu hellfarbigem grauen oder weissen plastischen Thone auf. Im 
Walde bei Kattowitz sind solche weisse Thone durch flache Gruben auf- 
geschlossen, welche leicht für tertiäre Thone gehalten werden könnten, wenn 
nicht gelegentlich darin vorkommende undeutliche üeberreste von Kohlen- 
pflanzen ihre wahre Natur verriethen. Bei Antonienhütte liefern solche 


1) C. V. Oeynhausen beschreibt deshalb das oberschlesische Kohlengebirge unter der Be- 
nennung „Kohlensandstein-Gebirge‘h 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlcngebirge im engeren Sinne. 


67 


Thone das Material zur Herstellung^ von Thonwaaren. Auch als feuerfeste 
Thone finden diese aus der Verwitterung von Schieferthonen hervorge- 
gangene Thone zum Theil Verwendung. 

An vielen Orten schliessen die Schieferthone lagenweise angeordnete 
Knollen von thonigem Sphaerosid erit ein, welche als Eisenerz 
bergmännisch gewonnen und mit den Brauneisensteinen der Muschel- 
kalk-Bildung gemengt verhüttet werden. Besonders reich an solchen 
Sphaerosideriten sind die Schieferthone zwischen den hängenderen Flötzen 
des Hauptzuges, namentlich im Myslowitzer Walde zwischen Katto- 
witz und Myslowitz, bei Orzesche, Lazisk, Ruda u. s. w. üebri- 
gens scheinen die Sphaerosiderite immer nur nesterweise und nicht in weit 
aushaltenden Lagern vorzukommen. Die Gewinnung kann daher meistens 
auch nur mit einem unregelmässigem Bergbau in kleinen Schächten, so- 
genannten Du ekeln, geschehen. 

Die Kohlen flötze sind durch die ganze Mächtigkeit des Kohlen- 
gebirges, soweit sie bekannt ist, verbreitet. Aber freilich ist diese Ver- 
breitung nicht gleichförmig und namentlich sind die Flötze bei gleichzeitig 
geringerer Mächtigkeit in der unteren Abtheilung des Kohlengebirges, wie 
sie besonders durch das tiefe Bohrloch bei Königshütte bekannt gewor- 
den ist, viel sparsamer, als in der oberen Abtheilung. Hier sind diesel- 
ben zu gewissen Gruppen oder Flötzzügen vereinigt. Der tiefste dieser 
Flötzzüge begreift die Flötze von Hultschin. Ein zweiter ist der die 
mächtigsten Flötze von Zabrze, Königshütte, Laurahütte und Ros d- 
zin umfassende Hauptzug. Ein dritter Flötzzug gehört einer Schichten- 
folge an, welche sich dem Südabfälle des die Flötze des Hauptzuges ein- 
schliessenden flachen Bergrückens anlegt. Zu einem vierten Flötzzüge 
gehören die Flötze der Gegend von Nikolai, deren Zahl mehr als 20 
beträgt. Als einen fünften Flötzzug lassen sich endlich die Flötze der 
Rybniker Flötzpartie zusammenfassen, dessen Alters verhältniss zu den 
anderen Flötzzügen freilich nicht ganz klar ist. 

Die Mächtigkeit der einzelnen Flötze ist zum Theil sehr bedeutend und 
beträgt zuweilen 15 bis 30 Fuss, ja das Xaveri-Flötz bei Dombrowa 
(Dabrowa) in Polen schwillt sogar bis zu der erstaunlichen Mächtigkeit 
von 45 Fuss bis 50 PMss an. Die Gesammtmächtigkeit der in dem ober- 
schlesischen Steinkohlengebirge bisher bekannt gewordenen Flötze wird 
von C. Mauve auf 333 Fuss berechnet. Erwägt man die im Ganzen 
flache Neigung der Flötze und den grossen Umfang des Beckens, so er- 
giebt sich ein ungeheuerer durch den Bergbau erreichbarer Vorrath von 
Steinkohlen. Nur das westphälische Kohlenbecken dürfte sich unter den 

9 * 


08 Steinkohlengebirge. 

verschiedenen europäischen Kohlenmulden eines ähnlichen Reichthums 
berühinen können'). 

Die chemische Beschaffenheit der oberschlesischen Steinkohlen be- 
treffend, so sind magere Kohlen durchaus vorherrschend. Fette, backende 
Kohlen sind fast nur auf der Königin-Louise-Grube bei Zabrze und 
bei Hultschin bekannt. Doch liefern auch die Kohlen vieler anderen 
Flötze brauchbare Koks (cohes). Die durchgängige Festigkeit der ober- 
schlesischen Kohlen, welche bei dem Abbau der Flötze die Gewinnung 
des grösseren Theils der Kohle in der Form von „Stückkohlen,“ d. i. 
mehr als faustgrossen, für die Verwendung vorzugsweise geeigneten 
Stücken gestattet, bildet einen besonderen Vorzug derselben. Durch das 
Vorhandensein regelmässiger Absonderungen (sogenannter Schlechten) 
wird die Gewinnung allgemein sehr erleichtert. 

Durch Entzündung von Kohlenflötzen haben sich an mehreren Punkten 
Oberschlesiens sogenannte Brandfelder gebildet, in deren Bereiche die 
thonigen und sandigen Gesteine des Kohlengebirges zu eigenthümlichen 
pseudovulkanischen Gesteinen von rothen und anderen lebhaften Farben 
umgeändert und die Flötze verbrannt und in Asche verwandelt wurden. 
Ein Theil dieser Brandfelder stammt aus vorhistorischer Zeit oder wenig- 
stens aus einer Zeit, in welcher noch kein Kohlenbergbau in Oberschlesien 
Statt fand, und es kann daher nur Selbstentzündung der Kohle Veran- 
lassung zum Ausbruche des Brandes gegeben haben. Das Letztere er- 
scheint deshalb auffallend, weil gegenwärtig solche Brände im unverritz- 
ten Gebirge kaum entstehen, wohl aber häufig beim Abbau selbst oder in 
den abgebauten Räumen ausbrechen, so dass Luftzutritt ein wesentliches 
Erforderniss der Entzündung zu sein scheint. Ein ausgezeichnetes vor- 
historisches Brandfeld ist dasjenige im Revier der Carolinen -Grube 
östlich von Hohenlohehütte und nördlich von Bogutschütz. Ein an- 
sehnlicher Hügel besteht hier ganz aus solchem älteren Brandgebirge, 
welches durch mehrere grosse Steinbrüche für die Gewinnung von Wege- 
Bau-Material aufgeschlossen ist. Die Schieferthone sind in ein dem so- 
genannten Porcellan-Jaspis ähnliches festes Email-artiges Gestein von zum 


1) Schon jetzt ist die Kohlengewinnung eine selir bedeutende und betrug nach amtlichem Aus- 
weis im Jahre 1867 über 92 Millionen Centner oder 25V'a Millionen Tonnen. (S. üebersicht von der 
Produktion der Bergwerke, Salinen und Hütten in dem preussischen Staate im Jahre 1867 in: Zeit- 
schrift für das Berg-, Hütten- und Salinen- Wesen im preussischen Staate, Bd. XVI.) Man müsste 
die jährliche Ausbeute der österreichisehen Gruben in der Gegend von Mährisch-Ost rau und im 
Krakau’schen Gebiete (Jaworzno, Tenczynek u. s. w.), sowie diejenige im Königreiche 
Polen (Dombrowa, Bendziii u. s. w.) hinzurechnen, um die Gesammt- Produktion des ober- 
schlesisch-polnischen Steinkohlenbeckens zu erhalten. 


Produktives Sieinkohleiigebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


69 


Tlieil lebhaften graulichen und röthlichen Färbungen umgewandelt. Die 
Sandsteine sind theilweise gefrittet und von lebhaft ziegelrother Färbung. 
Abdrücke von Calamiten und Lepidodendren, welche der Sandstein häufig 
einschliesst, lassen an seiner ursprünglichen Natur als Kohlensandstein kei- 
nen Zweifel. Zuweilen sind die Gesteine auch zu unförmlichen Schlacken 
von dunkeier Farbe zusaminengeschmolzen. Die Schicht- und Kluftflächen 
des Gesteins sind häufig mit einem dünnen üeberzuge von Hyalith bedeckt. 

Auch bei Colonie Carlsberg im Felde der Carls-Hoffnung-Grube 
unweit Laurahütte treten in ganz eigenthümlicher Art umgewandelte 
Gesteine des Steinkohlengebirges auf. Das eine kleine Kuppe bildende 
feste rothbraune Gestein gleicht fast einem Eruptiv-Gesteine und wurde 
von den Entdeckern für rothen Quarzporphyr gehalten, den sie gleich dem 
auf mehreren Landstrassen verwendeten Porphyr von Mienkina bei 
Krzeszowice als Wegebau-Material zu verwerthen gedachten. Faust- 
grosse Stücke desselben braunen dichten Gesteins, aussen mit einer scharf 
abgesetzten hellfarbigen lockeren Rinde, in welcher feine Quarzkörner 
erkennbar sind, umgeben, wurden auch in den Umgebungen der Siema- 
nowitz-Grube umherliegend von mir beobachtet. 

Auf der Königin-Louise-Grube bei Zabrze ist auf dem Südflügel 
der Mulde das Heinitz-Flötz durch einen Erdbrand gänzlich zerstört. 
Bei dem Betriebe des Hauptschlüssel-Erbstollens wurde das Flötz bis 
in die Stollensohle (18 Lachter unter Tage) verbrannt angetroffen. Kohlen- 
schlacken, roth gebrannter mürber Sandstein und Porzellan-Jaspis mit 
Uebergängen in Schieferthon erfüllten nach C. v. Oeynhausen den 
durch das Flötz früher eingenommenen Raum. 

Unter den verschiedenen, nachweislich erst durch den Bergbau ver- 
anlassten Brandfeldern ist dasjenige der Fanny -Grube bei Laurahütte 
das bedeutendste. Die drei Hauptflötze des Flötzzuges sind hier von dem 
Brande ergriffen und ein ungeheurer Vorrath von Kohlen (circa 6 Millio- 
nen Tonnen) bereits zerstört. Ein mehrere Morgen grosser Flächenraum 
ist daselbst in ein durch rauchende Spalten zerrissenes und mit hellfarbigen 
Brand-Produkten bedecktes Brandfeld verwandelt, welches an die Sol- 
fatara bei Neapel erinnert. Wie in dieser bilden sich aus den Fumaro- 
len verschiedene Zersetzungsprodukte durch Sublimation. Gediegener 
Schwefel wird häufig in kleinen Krystallen abgesetzt, die aber meistens 
nachher wieder zu einer gestaltlosen Kruste zusammenschmelzen. Auch 
Salmiak ist ein häufig vorkommendes Sublimations -Produkt. Magne- 
sia-Eisen-Alaun bildet sich als sekundäres Produkt oft in mehreren 
Zoll dicken Lagen. Auch auf der Königsgrube und auf der Königin- 


70 


Steinkohlengebirge. 


Louise- Grube finden noch gegenwärtig Grubenbrände von beschränkte- 
rem Umfange Statt und auf den meisten Gruben zeigt sich in den abgebau- 
ten Räumen Neigung zur Selbstentzündung der Kohle. 

üebrigens scheinen mehrfach gewisse auf dem Steinkohlengebirge 
ruhende Schichten von rothen Schieferthonen und Sandsteinen nur wegen 
ihrer rothen Farbe irrthümlich für verbranntes Kohlengebirge gehalten 
worden zu sein, während sie in Wirklichkeit wahrscheinlich zum bunten 
Sandstein gehören. Namentlich in Betreff solcher auf den Gruben Loui- 
sen’s-Glück und Guter-Traugott beiRosdzin beobachteten Schich- 
ten hat V. Krenski diese Zugehörigkeit wahrscheinlich gemacht'). 

f. Bemerkenswerthe Mineral- Vorkommen. 

1 . Löwigit. In unregelmässigen 1 bis 3 Zoll grossen sphäroidischen 
oder ellipsoidischen Knollen inmitten der Steinkohle des Pochhammer- 
Flötzes der Königin-Louise-Grube bei Zabrze. Die aussen mit 
einer schwarzen Kohlenrinde überzogenen Knollen bestehen im Innern aus 
einer amorphen blassgelblichen dichten Mineral-Substanz von auffallender 
Reinheit und Gleichförmigkeit. Das Mineral wurde zuerst von mir als 
Alaunstein auf Grund einer von C. Löwig ausgeführten Analyse beschrie- 
ben. (Notiz über ein eigenthümliches Vorkommen von Alaunstein in der 
Steinkohle bei Zabrze in Oberschlesien, in: Zeitschrift der Deutschen 
geolog. Gesellsch. YlII. Bd. 1856. S. 246 ff.) Später hat Alex. Mitscher- 
lich (Journal für prakt. Chemie, 1861, S. 474) das Mineral einer ein- 
gehenderen chemischen Untersuchung unterworfen und hat es wegen grös- 
seren Wassergehalts vom Alaunstein als neue Species unter der Benennung 
Löwigit unterschieden. Die Formel ist KO. SO 3 + 3 AI 2 O 3 . SO 3 + 9HO. 

2. Carolathin. Ein honiggelbes oder schmutzig weingelbes Fossil 
von geringer Härte (zwischen 2 und 3) und schwachem Fettglanz von 1,515 
specif. Gewicht, welches in Trümern oder als Ueberzug von Kluftflächen 
in der Steinkohle des Pochhammer-Flötzes bei Zabrze vorkam. (V^rgl. 
Sonnenschein: Ueber das Carolathin in: Zeitschrift der Deutsch, geolog. 
Ges. Bd. V., 1853, S. 223 ff.) Nach Sonnenschein ist die procentische 
Zusammensetzung des Fossils: 

Al 47 i 

^ ! 76,87 Fixe Bestandtheile. 

01 z9,d!2 ; 

theils als Wasser, theils in \ H 2,41 j 

Verbindung mit Kohlenstoff ( 0 19,39 | 23,13 als flüchtige Bestandtheile. 

C 1,33) 

1) Vergl. Jahrbuch des Schlesischen Vereins für Berg- und Hüttenwesen. Jahrg. HL, 1861. 
Wochenschr. S. 121. 


71 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 

Das Po chliammer-Flötz zeigt übrigens an der Stelle, an welcher 
der Carolathin vorgekommen ist, eine Aufstauchung und das Fossil ver- 
dankt daher wahrscheinlich der durch den Druck bewirkten Wärmeent- 
wickelung seinen Ursprung. 

3. Anthrakox^en. Dieses durch Reuss (Sitzungsbericht der Wiener 
Acad. 1856, XXL, S. 271 — 275) von Brandeisl bei Schlan in Böhmen 
beschriebene und benannte fossile Harz wurde durch Bergreferendar D on- 
dorff auch in dünnen Lagen von schwarzbrauner bis hyacinthrother Farbe 
auf Kohlenschiefer mit Streifen von Pechkohle und Russkohle auf der 
Napoleon-Grube bei Mokrau und in der Steinkohle der Burghard- 
Grub e beobachtet. An der ersten Stelle auch in der Form kleiner walzen- 
runder Stäbchen, welche von Geinitz (vergl. N. Jahrb. für Miner., 1864, 
S. 518} für einen Schwamm gehalten und als Spongillopsis carbonica be- 
schrieben worden sind. Eine chemische Analyse des Minerals durch 
Dr. H. Fleck (vergl. Die Steinkohlen Deutschlands und anderer Länder 
Europas von Geinitz, Fleck und Hartig. Bd. L München 1865. S. 37) 
ergab in 100 Gewichtstheilen ; 

68,852 Kohlenstoff, als aschenfreie Verbindung: 

6,192 Wasserstoff, 76,86^ Kohlenstoff, 

16,766 Sauerstoff, 6,867 Wasserstoff, 

8,190 Asche; 46,730 Sauerstoff. 

4. Bleiglanz. Zwei Zoll dicke krystallinisch-körnige Kluftausfüllun- 
gen im Kohlensandsteine der Charlotte-Steinkohlengrube bei Ryb- 
nik bildend. Durch Berginspektor v. Gellhorn gelangten faustgrosse 
Stücke des Vorkommens in das Breslauer Museum. Als dünner üeberzug 
ist Bleiglanz auch auf Steinkohle der König Saul-Grube bei Königs- 
hütte vorgekommen. In derselben Art hat er sich nach Pusch (a. a. 0. 

S. 158) auch bei Strzyzowice in Polen gefunden. 

5. Schaalenblende. Zusammen mit Bleiglanz 3 Linien dicke, aussen 
mit sehr kleinen Diamant -glänzenden Krystallen besetzte Schnüre von 
dunkel graubrauner Farbe bildend, zum Theil auch in 2 bis 3 Zoll grossen, 
auf der Oberfläche wie geflossen aussehenden Knollen mit sehr feiner excen- 
trisch faseriger Struktur im Kohlensandstein derselben Stelle auf der 
Charlotte-Grube. Ich erhielt Stufen des Vorkommens im Jahre 1866 
durch V. Gellhorn, der dasselbe auf der Grube selbst beobachtet hatte. 

6. Schwerspath. In regelmässig ausgebildeten bis U |4 Zoll grossen 
wasserhellen Krystallen auf einer Kluft im Steinkohlengebirge auf der 
combinirten Hohenlohe-Grube beim Bitko wer Zollhause. Die Haupt- 
ausfüllung der Kluft wird durch Binar-Kies in kleinen Krystallen gebildet. 


72 


Steinkohlengehirge. 


Auf diesen sind die Schwerspath-Krystalle aufgewachsen. (Vergl. Jahres- 
bericht der Schles. Ges. für vaterl. Cultur im Jahre 1862. Breslau 1863. 
S. 38.) Schon früher waren auf der Königsgrube Schwerspath-Krystalle 
unter ähnlichen Verhältnissen, aber nicht von gleicher Schönheit und Grösse 
vorgekommen. Faseriger Schwerspath von holzbrauner Farbe fand 
sich in nierenförmigen Massen auf Sprungklüften der Steinkohle auf Got- 
tesseegen-Grube bei Antonienhütte* in einem Steinbruche nahe bei 
dem Mundloche des Hauptschlüssel-Stollens bei Zabrze endlich kam nach 
mündlicher Mittheilung von Websky dichter erdiger Schwerspath in Mas- 
sen von ansehnlicher Grösse vor. 

7. Braunspath. Eine auf der Carlsseegen-Grube bei Brzensko- 
witz unmittelbar auf dem Carlsseegen-Flötze liegende sehr feste Sandstein- 
Lage enthält nach Websky zierliche Drusen von Braunspath, Schwefel- 
kies und Binarkies. 

8. Der auf das Vorkommen von Haar kies (Schwefel -Nickel) deu- 
tende Nickel-Gehalt in oberschlesischen Gruben wässern, welchen Po leck 
(s, Beiträge zur Kenntniss der chemischen Veränderungen fliessender Ge- 
wässer von Dr. Theod. Poleck; mit einer Karte, Breslau 1869. S. 71) 
beobachtete, ist hier ebenfalls zji erwähnen, ln dem Steinkohlengebirge 
von Saarbrücken und demjenigen von Westphalen ist der Haarkies 
auch krystallisirt bekannt. 

9. Gneiss- und Granulit-Geschiebe in der Steinkohle des Caro- 
line-Flötzes auf der Hohenlohe- Grube bei Kattowitz. (Vergl. 
Ferd. Roemer: Ueber das Vorkommen von Gneiss- und Granulit- Ge- 
schieben in einem Steinkohlen - Flötze Oberschlesiens, in: Zeitschrift der 
Deutsch, geol. Ges., Jahrg. 1864, S. 615 — 617.) Diese Geschiebe sind 
scheibenförmig und vollkommen abgerundet wie Flussgeschiebe. Das 
grösste der beobachteten Stücke ist 1 1 Zoll lang. Das Gestein der Ge- 
schiebe ist verschieden von irgend einem in Schlesien anstehend gekannten ; 
die Herkunft der Geschiebe ist bisher unbekannt. Ebenso ist die Art des 
Transports der Geschiebe bei der angenommenen Bildungsart der Stein- 
kohlenflötze schwer zu erklären. Phillips (Manual of geology, London 
1855, S. 225), welcher ein ähnliches Vorkommen von gerundeten Quarzit- 
oder Sandstein-Geschieben in einem Steinkohlen -Flötze bei New-Castle 
erwähnt, spricht die Vermuthung aus, dass die Geschiebe in das Wurzel- 
geflecht von Bäumen eingeschlossen mit diesen aus der Ferne herbeige- 
schwemmt seien. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


73 


g, Lagerungsverhältnisse, 

Im Ganzen sind die Lagerungsverhältnisse des oberschlesisch-polnischen 
Steinkohlengebirges einfach und viel weniger verwickelt, als diejenigen 
anderer deutscher Steinkohlenbecken. Flache Neigungen der Schichten 
sind durchaus herrschend. Am besten kennt man die Lagerungsverhältnisse 
in den Gegenden, wo der Haupt- Steinkohlenbergbau Statt findet, d. i. 
namentlich in einer Zone, welche sich von Zabrze über Königshütte, 
Hohenlohehütte bis Rosdzin und Myslowitz erstreckt. Das Koh- 
lengebirge ist bei einem west -östlichen Hauptstreichen der Schichten in 
dieser Zone zu einem Sattel aufgerichtet und in dieser Sattellinie heben 
sich noch einzelne Theile— die sogenannten Flötzb erge — kuppenförmig 
hervor. Die obersten Theile dieser Kuppen sind zerstört und fortgeführt. 
Deshalb haben die die oberen Steinkohlenflötze einschliessenden Schichten 
mit den Flötzen selbst an den Abhängen der Flötzberge ihr Ausgehendes 
und bilden einen Luftsattel, während die unteren Flötze die kuppenförmige 
Wölbung noch vollständig zeigen. Allgemein fallen die Schichten von der 
Hauptsattel-Linie in der genannten Zone einerseits flach gegen Norden und 
anderer Seits flach gegen Süden ein. Eine 15® übersteigende Neigung der 
Schichten ist in dem oberschlesischen Steinkohlengebirge durchaus unge- 
wöhnlich. Auf der ganzen Strecke von Zabrze bis Siemianowitz fallen 
die Flötze unter ganz flachen Neigungswinkeln, welche 10® noch nicht er- 
reichen, unter den Muschelkalk ein. Nur die unteren Flötze der Königin 
Louise-Grube zeigen ein steileres Einfallen bis zu 30®. 

Gegen diese durchaus vorherrschende flache und ungestörte Lagerung 
in dem grössten Theile von Oberschlesien bilden nun die Lagerungsver- 
hältnisse in dem südwestlichsten Theile des Beckens den aulfaUendsten 
Gegensatz. Hier sind in den Umgebungen von Hultschin und Mährisch- 
Ostrau und im Besonderen bei Petrzkowitz die Schichten des Stein- 
kohlengebirges bei nord-südlichem Streichen nicht nur steil aufgerichtet, 
sondern auf das mannichfachste gekrümmt und selbst zickzackförmig ge- 
knickt. Auch in dem Kohlenfelde vonStrzjzowice in Polen kommen 
nach Pusch^) starke Neigungen der Flötze von 45® — 60® vor. Die abge- 
sehen von diesen letzteren Lokalitäten im Vergleich mit anderen europäi- 
schen Kohlenbecken und im Besonderen mit demjenigen Niederschlesiens 
oder der Gegend von Waldenburg im Ganzen so aulFallend flache und 
regelmässige Lagerung des oberschlesischen Kohlengebirges findet in 


1) a. a. 0. Thl. I. S. 165. 

10 


74 


Steinkohlengebirge. 


dem Umstande, dass bei der Grösse des Beckens die eine flache Schichten- 
neigung vorzugsweise zeigenden mittleren Theile desselben, von den die 
Unterlage des Beckens bildenden steil aufgerichteten älteren Schichten durch 
einen weiten Abstand getrennt sind, wohl vorzugsweise ihre Erklärung. 
Das Vorkommen stärkerer Neigungswinkel der Schichten in den Umge- 
bungen von Hultschin und bei Strzyzowice ist damit im Einklänge, 
in sofern als an beiden Punkten die den Umfang des Beckens bildenden 
älteren Gesteine nahe liegen. Mit der völligen Abwesenheit von gleich- 
alterigen Eruptiv-Gesteinen in dem Bereiche des oberschlesisch-polnischen 
Kohlenbeckens sind ausserdem die durch solche plutonische Massen in 
anderen Mulden und namentlich auch in Niederschlesien bewirkten Störun- 
gen der Lagerung ausgeschlossen. Sie theilen durchaus die Lagerungs- 
verhältnisse der in der Nähe anstehenden Culm- Grauwacke, welcher sie 
auch gleichförmig aufruhen. 

Die im Allgemeinen regelmässige Lagerung des oberschlesich- polni- 
schen Steinkohlengebirges schliesst das häufige Vorkonunen partieller Stö- 
rungen durch Verwerfungen oder Sprünge nicht aus^). Einige der- 
selben haben eine Verschiebung der zu beiden Seiten des Sprunges liegen- 
den Gebirgstheile bis zu 250 Fuss senkrechter Höhe bewirkt. In Betreff 
der Entstehungszeit dieser Verwerfungen sind' verschiedene Ansichten auf- 
gestellt worden und namentlich ist es streitig gewesen, ob sie schon vor 
der Ablagerung des Muschelkalks vorhanden gewesen oder erst nach 
dessen Ablagerung entstanden seien. Bei einigen dieser Verwerfungen 
ist es jedoch unzweifelhaft, dass sie erst nach der Ablagerung des Muschel- 
kalks gebildet wurden, da die Schichten des letzteren durch dieselben Ver- 
werfungen, welche Theile des Steinkohlengebirges gegen einander ver- 
schoben, ebenfalls verrückt wurden. Besonders beweisende Beispiele dieser 
Art liefern namentlich ein Sprung auf der Florentine-Grube bei Beu- 
then, ferner ein solcher im Felde der König Saul-Grube bei Lipine, 
durch welchen die Schichten des bunten Sandsteins und des Muschelkalks 
verworfen wurden und endlich ein an dem Kreuzungspunkte der von 
Ben dz in nach Dombrowa führenden Landstrasse mit der Warschau- 
Wiener Eisenbahn in dem Eisenbahneinschnitte zu beobachtender Sprung, 
welcher auf das bestimmteste .die Verschiebung des Muschelkalks in der 
Richtung des das unterliegende Steinkohlengebirge verwerfenden Sprunges 
zu erkennen erlaubt. Ob alle oder nur ein Theil der Verwerfungen im 


ü Vergl. Die Sprünge im Steinkohlengebirge. Dargestellt von von Carnall (aus dem 9ten 
Bande von Karsten’ s Archiv besonders abgednickt) mit 9 Kupfertafeln. Berlin 1835. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkoblengebirge im engeren Sinne. 


75 


oberschlesisch-polnischen -Steinkohlengebirge jünger sind, als die Ablage- 
rung des Muschelkalks ist noch festzustellen. Bei der Aehnlichkeit ihres 
allgemeinen Verhaltens ist das erstere wahrscheinlich*). 

h. Organische Einschlüsse. 

1. Pflanzen. 

Das oberschlesische Steinkohlengebirge enthält zahlreiche Pflanzenreste 
aus denselben Pflanz en-Familien, welche für das Kohlengebirge überhaupt 
bezeichnend sind, namentlich Sigillarieriy Stigmarien, Lepidodendren, Cola- 
miten, Farne (Farrenkräuter) und Coniferen. Die Gattung Sigillaria ist 
namentlich durch zahlreiche Arten vertreten. Nach Göppert^) ist die 
Steinkohle Oberschlesiens, namentlich diejenige der bei Nikolai, Myslo- 
witz und Jaworzno abgebauten Flötze vorherrschend durch Sigillarien- 
Stäinme gebildet. Auch als aufrecht stehende Stämme haben sich die Sigil- 
larien zum Theil in dem Kohlensandstein erhalten und namentlich hat man 
dergleichen auf einer Grube bei Lipine beobachtet^). Man kann daher 
die Kohle Oberschlesiens als Sigillarien-Kohle bezeichnen. Lepidodendren, 
Stigmarien, Calamiten und Farrenkräuter haben nach Göppert im Allge- 
meinen nur einen untergeordneten Antheil an der Bildung der oberschlesi- 
schen Steinkohle. Farrenkräuter sind auch aus den Schieferthonen und 
Sandsteinen des oberschlesischen Steinkohlengebirges nur in geringer 
Zahl bekannt, namentlich wenn man die Mannichfaltigkeit der Farrenkraut- 
Flora in dem Waldenburger Steinkohlengebirge damit vergleicht. Eine 
gewisse Armuth und Einförmigkeit der oberschlesischen Kohlen-Flora ist 
namentlich durch diese Sparsamkeit der Farrenkräuter bedingt. Zum 
Theil mag die letztere freilich nur scheinbar sein, da zufällig solche Schiefer- 
thonschichten, in welchen sie vorzugsweise zu erwarten sind, durch den 
Bergbau weniger aufgeschlossen sind^). 


1) R. V. Carnall (Oberschlesien’s Gebirgsschichten S. 59) glaubt dagegen aus dem Verhalten 
der Sprünge folgern zu dürfen, dass dieselben der grösseren Mehrzahl nach, wenn nicht alle, in einer 
Zeit entstanden, in welcher die Schichten des Kohlengebirges noch nicht fest geworden waren, d. i. 
in der Zeit, in welcher sich in anderen Gegenden die Schichten des Rothliegenden und des Zech- 
steins absetzten. 

2) Vergl. Preisschrift über den Ursprung der Steinkohlen. Leiden, 1848. S. 276 ff. 

3) Bei einem Besuch der dortigen Kohlengrube unter Führung des Herrn Berginspektor F üllers 
im Jahre 1866 sah ich in dem die Wände einer Strecke bildenden Kohlensandsteine eine grosse 
Anzahl aufrecht stehender walzenrunder und zum Theil mehr als 1 Fuss dicker Sigillarien-Stämme. 

4) Eine monographische Bearbeitung der fossilen Flora des oberschlesischen Steinkohlengebir- 
ges, wie wir sie für andere Kohlenbecken besitzen, fehlt leider noch und ist das für eine solche erfor- 
derliche Material erst durch den bisher nur ungenügend bethätigten Eifer von Sammlern in Ober- 
schlesien selbst zusammenzubringen. Erst mit Hülfe einer solchen Monographie wird es möglich 

10 ’^ 


7 6 Steinkohlengebirge. 

2. Thiere. 

Vergl. Taf. 8. 

Bis zum Jahre 1862 waren nur einige wenige undeutliche und schlecht 
erhaltene Arten von thierischen Ueberresten aus dem oberschlesischen 
Steinkohlengebirge bekannt. Man kannte an mehreren Stellen, so nament- 
lich auf der Königin Louisen-Grube und auf den Gruben bei Orzesze, 
zusammengedrückte, gegenwärtig gewöhnlich zur Gattung Änthracosia ge- 
rechnete Zweischaler, wie sie, ohne in ihrer unvollständigen Erhaltung 
die Möglichkeit näherer specifischer Bestimmung zu gewähren, in dichter 
Zusammenhäufung auf den Schichtflächen gewisser Schichten in den Schie- 
ferthonen der meisten europäischen Kohlenmulden verkommen^). 

Tm Jahre 1862 erfolgte die sehr interessante Auffindung einer arten- 
reichen marinen Conchylien-Fauna auf der Carolinen- Grube bei Hohen- 
lohehütte. Diese zuerst durch Herrn Kör f er beobachteten Fossilien 
finden sich in einer 8 Fuss mächtigen, zahlreiche kleine Sphäre siderit- 
Nieren führenden Schieferthonschicht, welche unter den mächtigeren in 
Oberschlesien bebauten Kohlenflötzen aber unmittelbar im Hangenden 
eines anderen 30 Zoll starken Kohlenflötzes liegt. Ich habe eine nähere 
Beschreibung dieser Fossilien geliefert^). Es sind Arten der Gattungen 
Productus, Orthis, Lingula, Discina, Pecten, Area, Nucula, Bellerophon, Gonia- 
tites, Nautilus, Orthoceras, Poteriocrinus, Phillipsia u. s. w. Productus longi- 
spinus, Bellerophon TJrii, Littorina ohscura und Orthoceras undatum sind die 
häufigsten Arten. Nicht lange nach der Entdeckung dieser Fossilien auf 
der Carolinen-Grube erfolgte die Auffindung derselben Fauna unter 
durchaus ähnlichen Verhältnissen auf der Königsgrube bei Königs- 


sein, das oberschlesische Steinkohleugebirge in Betreff seines organischen Charakters mit anderen 
deutschen Kohlenbecken und namentlich mit demjenigen Niederschlesiens eingehend zu vergleichen. 

1) Auf der Kohlengrube Charlotte bei Czernitz im Kreise Rybnik wird das Hangende 
eines der dort gebauten Blötze, des Egmont-Flötzes, durch einen unreinen braunen Brandschie- 
fer, welcher ein ganz Braunkohlenähnliches Ansehen hat, an der Lichtflamme sich leicht entzündet 
und mit Flamme brennt, in der Mächtigkeit von wenigen Zollen gebildet. Die Schieferungsflächbn 
dieses dunkelbraunen Brandschiefers sind mit den Waizenkorn-grossen Hohldrücken eines kleinen 
Zweischalers bedeckt, welche, da sie gewöhnlich mit einer hellfarbigen erdigen Substanz ausgeklei- 
det sind, etwas deutlicher hervortreten, als es bei der geringen Grösse derselben sonst der Fall sein 
würde. Bei näherer Untersuchung zeigte dieser kleine Zweischaler entschieden die Form der Gat- 
tung Modiola. Die Skulptur der Oberfläche besteht nur in feinen eoncentrischen Anwachsringen. 
Da ich keine ähnliche Art aus dem produktiven Kohlengebirge kenne, so betrachte ich sie vorläufig 
als neu und nenne sie Modiola Carlotae. Vielleicht ist die Art mit Modiola sp., welche sich bei Vol- 
persdorf in der Grafschaft Gl atz zusammen mit Schuppen von Bhiizodus Sibherti findet (vergl. 
Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges., XVII., 1865, S. 276. Tab. VI. Fig. 6), identisch. 

2) Ueber eine marine Conchylien - Fauna im produktiven Steinkohlengebirge Oberschlesien’s ; 
hierzu Taf. XIV. bis XVI. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 1863. S. 567 — 606. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 7 7 

hütte durch Herrn Bergrath Meitzen, den ich um Nachforschungen in 
dieser Richtung gebeten hatte. Im Jahre 1864 wurde auch bei Rosdzin 
die Schicht mit marinen Conchylien durch Herrn von Krensky aufgefun- 
den. Zum Theil sind es hier dieselben Arten wie auf der Carolinen- 
Grube und Königs-Grube, wie namentlich Productus longispinus, Gonia” 
tites Listeri und Orthocerus telescopiolum. Es treten aber auch einige dort 
nicht beobachtete Arten hinzu. Das petrographische Verhalten ist etwas 
abweichend und namentlich ist das Vorkommen einer mehrere Zoll 
dicken dunkeln Kalksteinschicht zwischen den versteinerungsführenden 
Schieferthonen bemerkenswerth. Dagegen ist das Lagerungsverhältniss 
demjenigen an den anderen beiden Punkten durchaus gleich und lässt 
keinen Zweifel an der Identität des geognostischen Niveau’s. Die ver- 
steinerungsführende Schicht wurde auf der Grube Guter Traugott, etwa 
6 Lachter unter einem 4 Lachter mächtigen Flötze (dem sogenannten 
Nieder-Flötze), welches dem Carolinen-Flötze der Carolinen- 
Grube und dem Sattel-Flötze der Königs-Grube entspricht, ange- 
troffen. Demnächst kam nun ein viel weiter westlich gelegenes Vorkom- 
men hinzu. Herr Berginspektor von Gellhorn übersendete dem Ver- 
fasser undeuthch erhaltene, in einen dunkelen dickschieferigen Schieferthon 
eingeschlossene Conchylien zu, welche von ihm in dem Sk all ey- Sch achte 
der Königin Louise-Grube bei Zabrze in 53 Lachter Tiefe beobach- 
tet worden waren. Trotz der unvollkommenen Erhaltung Hessen sich 
einige Arten mit Sicherheit bestimmen. Unter diesen namenthch Productus 
longispinus, das häufigste Fossil auf der Carolinen-Grube und auf der 
Königs-Grube. Besonders häufig ist eine kleine Chonetes-Art, welche 
sich bei näherer Vergleichung als eine kleine Form der im Kohlenkalke 
weit verbreiteten Chonetes Hardrensis Phill. (conf. Davidson: Brit. foss. 
Brachiop. p. 186, Tab. 47. Fig. 12 — 18) erwies. (Vergl. Fig. 6, 7.) Es ist 
nicht zu bezweifeln, dass das geognostische Niveau dieser versteinerungs- 
führenden Schichten von Zabrze dasselbe ist wie dasjenige auf der Caro- 
linen-Grube, der Königs-Grube und bei Rosdzin. 

Während nun an den bisher genannten Punkten die marinen Conchylien 
im Schieferthone Vorkommen, so wurden ganz neuerlichst auch noch ein 
Paar andere Lokalitäten bekannt, an welchen es Sandsteine sind, welche 
die marinen Thierreste einschliessen*). 

Die eine dieser neu aufgefundenen Lokahtäten liegt an der von Beu- 

1) Vergl. Neuere Beobachtungen über das Vorkommen mariner Conchylien in dem oberschles,- 
polnischen Steinkohlengebirge von Ferd. Roerner in*. Zeitschrift der Deutschen geologischen Ge- 
sellschaft. Jahrg. 1866. S. 663 ff. 


78 


Steinkohlengebirge. 


then nach Neudeck führenden Landstrasse, der IJnterförsterei von Kos- 
lowagora gegenüber. Theils durch die Gräben der Landstrasse, theils 
durch andere kleine Entblössungen neben der Landstrasse sind hier gegen 
Norden einfalleiide dünn geschichtete graue Sandsteine aufgeschlossen, 
welche auf den Schichtflächen zum Theil mit Abdrücken und Steinkernen 
von Schalthieren bedeckt sind. Am häufigsten ist unter diesen Chonetes 
Hardrensis, Ausserdem wurden Bellerophon ürii und Phillipsia mucronata 
n. sp. beobachtet. In einem wenige Schritte östlich von der Landstrasse 
liegenden kleinen Steinbruche sind hellgraue Sandsteinschichten, welche 
den Schichten mit marinen Resten augenscheinlich aufruhen, aufgeschlos- 
sen, welche Lepidodendren und andere bekannte Pflanzenformen des pro- 
duktiven Steinkohlengebirges enthalten und ausserdem zwei kleine taube 
Kohlenflötze einschliessen. 

Die andere Lokalität ist ein Eisenbahneinschnitt an der Warschau- 
Wiener Eisenbahn östlich von dem unweit des grossen Hüttenwerkes von 
D^browa (spr. Dombrowa) gelegenen Dorfes Golonog. In Sandstein- 
schichten von ganz ähnlicher Beschaffenheit, wie diejenigen von Koslo- 
wagora, kommen hier, wie Herr ßerg^Assessor Degenhardt zuerst 
beobachtete, ebenfalls marine Thierreste vor. Chonetes Hardrensis ist auch 
hier das häufigste Fossil. Ausserdem wurden dort von mir gesammelt: 
Streptorhynchus ( Orthis) crenistria, Bellerophon TJrii, Orthoceras undatum, 
Phillipsia mucronata und Littorina obscura. Die meisten dieser Arten 
sind solche, welche auch in den Schieferthonen der Carolinen- Grube 
und der Königs-Grube Vorkommen und es ist nicht zu bezweifeln, dass 
das geognostische Niveau dieser Sandsteinschichten wesentlich dasselbe 
ist wie dasjenige der Schieferthonschichten mit marinen Thierresten auf 
der Grube Guter Traugott bei Rosdzin, der Königs-Grube, der 
Carolinen-Grube und der Königin Louise-Grube. 

Im Ganzen wurden folgende Arten in den die marinen Conchjlien ent- 
haltenden Schichten an den verschiedenen Fundstellen beobachtet: 

Aufzählung der marinen Fossilien in dem oberschlesisch- 
polnischen Kohlengebirge. 

Vergl. Taf. 8i). 

1. Rhombische Schuppe eines nicht näher bestimmbaren Ganoiden, 

Vorkommen: Ein Exemplar auf der Carolinen-Grube. 


1) Auf dieser Tafel sind nicht alle der in dem früheren Aufsatze (Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 
Jahrg. 1863 S. 567 — 606) von mir beschriebenen und abgebildeten Arten wieder gegeben, sondern 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


79 


2. Philli^sia mucronata n. sp. Taf. 8. Fig. 26, 27; Phillipsia sp, 
F. Roemer in: Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. S. 570, 
Taf. XIV, Fig. 1 a, b. 

Das auffallendste Merkmal der Art ist die Verlängerung des Hinter- 
randes des Pygidium in einen spitzen Stachel, der ‘jg so lang wie das 
übrige Pygidium. Die zahlreichen dicht gedrängten Ringe der Achse des 
Pygidium sind fein gekörnelt. Die Granulationen sind länglich, thränen- 
förmig und oft nicht vollständig von einander getrennt, sondern namentlich 
vorn in einander fliessend. Die Seitenrippen sind fast glatt. Auf den grauen, 
äusserlich braunen zolldicken Sandstein -Platten bei Golonog sind die 
Abdrücke solcher Pygidien häufig. Gewisse Lagen des schwarzen Schiefer- 
thones von Rosdzin enthalten in grosser Häufigkeit Pygidien von ganz 
gleicher Skulptur der Oberfläche, aber mit gerundetem Hinterrande ohne 
Stachel. Auf der Königs-Grube fand sich ein einzelnes eben solches 
Exemplar, welches ich als Phillipsia sp. aufgeführt und abgebildet habe. 
Ich halte bei der vollständig übereinstimmenden Skulptur der Oberfläche 
diese stachellosen Pygidien einer nur als Varietät von der Art von Golo- 
nog verschiedenen Form angehörend. Das Kopfschild ist selten vollstän- 
dig erhalten und die Glabella ist nur mässig gewölbt und glatt. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 26. Ansicht des Schwanzschildes 
ist natürlicher Grösse nach dem Gutta-percha- Abgusse eines Abdrucks im 
Sandstein von Golonog. Fig. 27. Ansicht des Kopfschildes eines kleinen 
Exemplars von Rosdzin. 

3. Phillipsia margaritifera n. sp. Taf. 8. Fig. 24, 25. 

Diese Art ist durch die sehr grobe und doch zugleich zierliche Granu- 
lation der Oberfläche ausgezeichnet. Das Kopfschild im Besonderen zeigt 
diese grobe Körnelung in der Gestalt halbkugeliger Tuberkel. Am stärksten 
sind dieselben auf dem hinteren Theile der Glabella. Besonders zierlich ist 
die Umgebung der Augen. Die elliptische Sehfläche des Auges, welche 
unter derLoupe sehr feine und äusserst zahlreiche Facetten zeigt, wird nach 
innen durch eine mit einer Doppelreihe von Tuberkeln gezierte Wulst be- 
grenzt. Der äussere Rand des Auges wird dagegen durch eine einfache 
Reihe von Perlen begrenzt. Nur die das Kopfschild umgebende Randwulst 
trägt keine groben Körnchen, sondern ist blos mit einigen linienförmigen 
scharfen Längsleisten verziert, zwischen denen man nur mit der Loupe 
ganz feine Knötchen erkennt. An den Hinter ecken verlängert sich diese 


nur die wichtigeren; diese sind zum Theil nach vollständigeren Exemplaren neu gezeichnet. Die 
Fig. 24 und 25, Ansichten des Kopfschildes von Phillipsia margaritifera^ sind ganz neu, 


80 


Steinkohlengebirge. 


Randwulst in kurze Spitzen. ^Der das Kopfschild nach hinten begrenzende 
Nackenring ist dagegen wieder granulirt. Der Rumpf und das Schwanz- 
schild haben eine ganz ähnliche grobe Granulation wie das Kopfschild. 

Unter den beschriebenen Arten ist Phillipsia Maccoyi Portlock Report, 
p. 309, tab. IX., Fig. 6 a, b, wegen der gleichfalls sehr groben Granulation 
der Oberfläche mit unserer Art zu vergleichen, aber die nach Portio ck’s 
Angabe sehr geringe Grösse der Glabella unterscheidet, abgesehen von 
anderen Merkmalen, die irländische Art sehr bestimmt von der unserigen. 

Vorkommen: Dicht neben einander liegen drei Exemplare in einem 
Schieferthonstücke von Ros dzin.' Dieselben sind zwar verdrückt, aber 
die ursprüngliche Form Hess sich mit Sicherheit wieder hersteilen. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 24. Ansicht des Kopfschildes 
in natürlicher Grösse. Fig. 25. Vergrösserte Ansicht desselben. 

4. Orthoceras sp. Taf. 8. Fig. 15, 16; Zeitschr. der Deutsch, geol. 
Ges. a. a. 0. S. 572, Taf. XIV., Fig. 3a, 3b. 

Eine Art von der Dicke des kleinen Fingers, welche, weil nur in der 
Form von Steinkernen erhalten, sich specifisch nicht sicher bestimmen Hess. 
Der Sipho ist excentrisch. Meistens finden sich nur die Steinkerne der 
W ohnkammer. Zuweilen hat sich auch ein Stück des gekammerten Theils 
des Gehäuses erhalten. Die Kammerwände sind so genähert, dass etwa sechs 
derselben auf eine dem Durchmesser gleiche Länge des Gehäuses kommen. 

Vorkommen: Die Art gehört auf der Carolinen-Grube zu den 
häufigsten Fossilien. Auch auf der Königs-Grube fanden sich Exemplare. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 15. Ansicht eines Exemplars 
von der Carolinen-Grube in natürlicher Grösse von der Seite. Fig. 16. 
Ansicht des unteren Endes mit dem excentrischen Sipho. 

5. Orthoceras undatum Flem. Taf. 8, Fig. 17, 18; Zeitschr. der Deutsch, 
geol. Ges. a. a. 0. S. 571, tab. XIV., Fig. 2 a, 2 b. 

Die oberschlesischen Exemplare stimmen mit solchen von Carluke in 
Schottland vollständig überein. M’Coy führt die Art auch aus dem 
Kohlenschiefer (coal-shale) von Glasgow an. 

Vorkommen: Die Art gehört zu den gewöhnlicheren Arten der Fauna. 
Besonders auf der Carolinen-Grube ist sie häufig. Einzelne Exemplare 
Heferte auch die Königs-Grube. Alle Exemplare sind übrigens nur 
^|2 Zoll bis 1 Zoll lange Fragmente des Gehäuses. Unvollständige Abdrücke 
des Gehäuses fanden sich auch im Sandsteine von Golonog. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 17. Ansicht eines Exemplars in 
natürlicher Grösse von der Seite. Ein Stück der Schale ist erhalten. Fig. 18. 
Ansicht des unteren Endes mit dem sub centralen Sipho. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


81 


6. Orthoceras sp. 

Ein 5 Zoll langes und am unteren Ende gegen 2 Zoll breites Exemplar 
ohne Schale von Rosdzin liegt vor. Dasselbe ist in graugelben krystalli- 
nischen Kalk versteinert. Die genauere Artbestimmung ist bei der unvoll- 
kommenen Erhaltung unthunlich. Vielleicht gehört zu derselben Art ein 
anderes gleichfalls in gelblichen krystallinischen Kalk versteinertes mit der 
Schale erhaltenes 2 Zoll langes Fragment, welches durch eine eigenthüm- 
liche Skulptur der Oberfläche ausgezeichnet ist. Die letztere besteht in 
feinen dicht gedrängten horizontalen Linien, welche sich mit eigenthümlicher 
Unregelmässigkeit gabeln und wieder zusammenfliessen. 

7. Orthoceras dilatatum Kon. Vergl. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 
a. a. 0. S. 573. Taf. XIV. Fig. 4a, 4 b. 

Sehr rasches Anwachsen des Durchmessers des Gehäuses und wellen- 
förmige Biegung der Kammerwands-Suturen zeichnen die hier zu beschrei- 
bende Art gleich auf den ersten Blick aus. Bei einer Länge von 2 Zoll 
beträgt die Breite des oberen Endes 1‘|.2 Zoll und diejenige des unteren 
Endes 11 Linien. Der Querschnitt des Gehäuses ist nicht vollkommen 
kreisrund, sondern in einer Richtung etwas mehr ausgedehnt. Das ganze 
Gehäuse erscheint daher etwas zusammengedrückt. Auf der einen der 
beiden breiteren Seiten des Gehäuses beschreiben die Kammerwands- 
Nähte zwei flach wellenförmige Biegungen, auf der entgegengesetzten Seite 
dagegen sind sie in einfachem Bogen nach auswärts gewendet. Die 
Kammerwände sind stark convex. Sie liegen so nahe aneinander, dass 
sechs auf die Länge eines Zolles kommen. Der kleine Sipho durchbricht 
dieselben nicht genau in der Mitte, sondern ist anscheinend der Seite, an 
welcher die Kammerwands - Nähte die doppelte wellenförmige Biegung 
beschreiben, etwas mehr genähert. 

Die Identificirung dieser Art mit dem Orthoceras dilatatum Kon. (Recher- 
ches sur les anim. foss. du terr. carbonif. Belg. p. 515, tab. XLV. fig. 8) 
ist keinesweges sicher, sondern geschieht hier vorzugsweise nur auf Grund 
der in dem raschen Anwachsen des Gehäuses liegenden Uebereinstimmung. 
Gewöhnlich ist bei den belgischen Exemplaren das Anwachsen noch viel 
rascher als bei der hier zu beschreibenden Form. Es kommen jedoch bei 
Chokier auch etwas schlankere Formen vor, welche sich der hier zu be- 
schreibenden mehr nähern. 

Vorkommen: Von den beiden vorliegenden Exemplaren stammt das 
eine vollständigere von der Hohenlohe -Grube, das andere von der 
Königs-Grube her. 


11 


82 


Steinkohlengebirge. 


8. Orthoceras telescopiolum Ferd. Roemer in: Zeitsclir. der Deutsch, 
geol. Ges. a. a. 0. S. 574, Taf. XIY. Fig. 5. 

Eine kleine pfriemenförinige Art der Gattung, welche durch eine zier- 
liche Skulptur der Oberfläche ausgezeichnet ist. Die Oberfläche ist nämlich 
mit sehr feinen, aber doch mit blossem Auge erkennbaren, regelmässigen 
Längslinien (gegen 30) bedeckt und diese werden von etwas schwächeren 
Querlinien in der Art gekreuzt, dass eine regelmässig gegitterte Skulptur 
entsteht. Dabei ist die Oberfläche des Gehäuses zugleich quer geringelt. 
Namentlich in dem oberen Theile sind die Querringe stark erhaben und 
scharf begrenzt. Gegen das untere zugespitzte Ende des Gehäuses dagegen 
werden sie undeutlich und an ihrer Stelle treten in regelmässigen Ent- 
fernungen kleine Absätze, an denen sich der Durchmesser des Gehäuses 
jedesmal um etwas verringert. Die in Absätzen erfolgende Verjüngung 
des Gehäuses erinnert an das Verhalten eines ausgezogenen Teleskops mit 
dem abnehmenden Durchmesser der auf einander folgenden Glieder. Der 
Sipho ist central, anscheinend verhältnissmässig ziemlich gross. 

Unter den bekannten Arten der Gattung ist keine, die mit der hier zu 
beschreibenden zu verwechseln wäre. 

Vorkommen: Es liegen zwei Exemplare vor. Ein vollständigeres 
von der Hohenlohe-Grube, und ein fragmentarisch erhaltenes von der 
Königs-Grube. 

9. Nautilus suhsulcatus Phillips, in: Zeitschr. der Deutsch, geolog. 
Ges. a. a. 0. S. 575, Taf. XIV., Fig. 6 a, 6 b. 

Das auffallendste Merkmal dieser scheibenförmigen, aus kaum mehr 
als zwei Umgängen bestehenden Art liegt in der subquadratischen Form 
des Querschnitts der Umgänge. Der ganz flache und ebene Rücken setzt 
nämlich fast genau rechtwinkelig gegen die Seitenflächen ab, die oberhalb 
ganz eben und ungefähr eben so breit wie der Rücken sind. Die Bauch- 
seite der Umgänge ist allerdings etwas schmaler, und besteht auch nicht 
aus einer einzigen Fläche, sondern aus drei, von denen die beiden äusse- 
ren und schmaleren stumpfwinkelig gegen die Seitenflächen geneigt sind^ 
die mittlere breitere etwas concav ist. 

Die vorliegenden Exemplare sind sämmtlich Steinkerne der Wohn- 
kammer. Deshalb sind denn auch die Längskiele der Schalenoberfläche^ 
deren Zahl und Vertheilung nach der Angabe der verschiedenen Autoren 
mannigfache Abänderungen zeigt, nicht zu beobachten. Nur an einem 
Stücke ist ausser der Wohnkammer auch die vorletzte Kammer erhalten. 
An diesem Stücke erkennt man, dass die Suturen der Kammerwände auf 
den Seiten einen stark concaven Rogen, auf dem Rücken einen etwas 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


83 


flacheren Bogen beschreiben. Der massig grosse Sipho liegt weit über der 
Mitte^ dem Rücken genähert. 

Trotz der unvollständigen Erhaltung der Stücke ist die Bestimmung der 
Art zweifellos. Mehrere vor mir liegende Exemplare von Carluke in 
Schottland stimmen vollständig mit den oberschlesischen Exemplaren 
überein. 

Vorkommen: Die Art gehört zu den häufigeren Species der Fauna. 
Es liegen 15 Exemplare vor; die Mehrzahl von Hohenlohe- Grrube, 
einige von der Königs-Grube. Obgleich aus dem Kohlenkalke angeführt, 
so scheint doch auch in anderen Gegenden die Art vorzugsweise den 
Schiefern des produktiven Steinkohlengebirges anzugehören. Sowerby 
bildet sie in der Abhandlung von Prestwich von Coalbrook Dale ab. 
M’Coy kennt sie aus dem Kohlenschiefer von Craige in der Grafschaft 
Kilmarnock in Schottland. Mir selbst liegen ausserdem Exemplare 
aus den Köhlenschiefern von Carluke in Schottland vor. 

10. Nautilus concavus Sow. Taf. 8, Fig. 21, 22; Prestwich, on the 
geology of Coalbrook Dale. in: Geol. Transact. sec. Ser. Vol. V. 
p. 492, tab. 40, Fig. 6. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. p. 57 6, 
tab. XIV. Fig. 7. 

Eine feine erhabene Längslinie in der Mitte der flachen oder ganz leicht 
concaven Rückenfläche bildet das auszeichnendste Merkmal dieser Art. 
Sonst ist die allgemeine Gestalt derjenigen der typischen Nautilen der jün- 
geren Formationen ähnlich. Das Gehäuse ist stark involut und die Um- 
gänge wachsen sehr rasch in der Höhe. Der tiefe Nabel ist durch fast 
senkrechte Wände t)egrenzt. Die Bauchseite der Umgänge ist für die Auf- 
nahme der vorhergehenden tief ausgehöhlt. Der mässig grosse Sipho ist 
nicht central, sondern etwas mehr der Bauch- als der Rückenseite ge- 
nähert. Die Suturen der Kammer wände laufen ohne merkliche Inflexion 
quer über den Rücken. Die Grösse ist unbedeutend und scheint 2 Zoll 
nicht zu übersteigen. Die meisten der vorliegenden Bruchstücke lassen 
kaum auf eine bedeutendere Grösse als 1 Zoll im Durchmesser schliessen. 

Vor mir liegende Exemplare von Coalbrook Dale zeigen sich mit 
den Oberschlesischen ganz übereinstimmend. Nur scheint meistens der 
Rücken bestimmter concav als bei den Oberschlesischen zu sein. 

Vorkommen: Die Art gehört zu den häufigsten Fossilien der Fauna. 
Es liegen gegen 30 Exemplare derselben vor; die meisten von der 
Hohenlohe-Grube, die übrigen von der Königs-Grube. Die meisten 
Exemplare sind Steinkerne der Wohnkammer und sind hinten durch die 
letzte Kammer begrenzt. Sonst ist die Art nur von Coalbrook Dale 

11 * 


84 


Steinkohlengebirge. 


bekannt. Sie gehört zu den Arten, welche die Aehnlichkeit der fossilen 
Fauna von Coalbrook Dale mit derjenigen von Oberschlesien be- 
gründen. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 21. Ansicht eines Exemplars 
gegen die Rückseite in natürlicher Grösse. Am unteren Ende ist die Sutur 
der letzten Kammerwand sichtbar. Fig. 22. Ansicht einer Kammerwandj 
die Form des Querschnittes der Umgänge und die Lage des Sipho zeigend. 

11. Nautilus nodoso-carinatus Ferd. Roemer. Taf. 8, Fig. 19; Zeit- 
schrift der Deutsch, geolog. Ges. a. a. 0. S. 577, Taf. XIV. Fig. 8. 

Diese Art gehört in die nächste Verwandtschaft des Nautilus Koninckii 
d’Orb. (Nautilus cariniferus Kon., non So w.) der im Kohlenkalke von 
Tournay nicht selten ist. Wie bei diesem ist der breite Rücken mit meh- 
reren Längskielen versehen und in der Mitte vertieft, die Umgänge höher 
als breit und die Mitte des Nabels von einer weiten OelFnung durchbohrt. 
Aber die Form des Querschnitts der Umgänge ist verschieden. Während 
derselbe bei der belgischen Art trapezförmig ist, so hat er bei der Ober- 
schlesischen Art eine subrectanguläre Gestalt. Die Höhe der Umgänge ist 
fast doppelt so gross als die Breite. Der mässig grosse Sipho ist subcentral, 
doch etwas mehr der Rücken- als der Bauchfläche genähert. Die Suturen 
der Kammerwände bilden auf der Mitte des Rückens eine starke stumpf- 
winkelige Inflexion. 

Vorkommen: Es liegen ein in Schwefelkies versteinertes fast voll- 
ständiges Exemplar und zwei Fragmente von der Carolinen-Grube vor. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 19. Ansicht des vollständigsten 
der vorliegenden Exemplare in natürlicher Grösse \^n der Seite. Die 
Suturen der Kammerwände sind sichtbar. Fig. 20. Ansicht der convexen 
Fläche einer Kammerwand mit dem Sipho. 

12. Goniatites diadema. Köninck. Taf. 8, Fig. 14; Zeitschr. der Deutsch, 
geolog. Ges. a. a. 0. S. 578. Taf. XV. Fig. 1 a, Ib, Ic. 

Die Exemplare des oberschlesischen Steinkohlengebirges sind auf den 
ersten Blick sehr verschieden von dem Goniatiten der schwarzen Kalk- 
nieren von Chokier bei Lüttich, welchen Goldfuss und nach ihm Bey- 
rich als Ammonites diadema aufgeführt haben. Sie sind namentlich viel 
grösser und stärker zusammengedrückt als die Form von Chokier, wie 
sie in der Abbildung und Beschreibung von Beyrich erscheint. Einige 
der oberschlesischen Exemplare haben mehr als 2 Zoll im Durchmesser, 
während die grösste Dicke wenig über ^j 2 Zoll beträgt. Dabei ist der 
Rücken namentlich solcher grösseren Exemplare flach und fast rechtwinke- 
lig gegen die Seitenflächen des Gehäuses abgesetzt. Dennoch scheint kein 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


85 


specifischer Unterschied vorhanden zu sein, denn die Loben sind wesent- 
lich dieselben und einzelne kleinere Exemplare nähern sich auch in der 
allgemeinen Gestalt mehr der typischen Form von Chokier. 

Vorkommen: Dieser Goniatit gehört zu den häutigeren Arten der 
Fauna. Es liegen 22 mehr oder minder vollständige Exemplare derselben 
vor* die meisten von der Carolinen-Grube, einige von der König s- 
Grube. Nachdem der Aufsatz in der Zeitschrift der Deutschen geologi- 
schen Gesellschaft bereits veröffentlicht war, erhielt ich durch Herrn Kör- 
fer kleine, Zoll grosse, in glänzenden Schwefelkies verwandelte Exem- 
plare von der Carolinen-Grube, welche mit den Exemplaren von 
Chokier auch die dem Mundrande parallelen Einschnürungen gemein 
haben. Auch überall sonst gehört, so weit bekannt, der Goniatites diadema 
dem produktiven Kohlengebirge an und scheint nirgends in den Kohlenkalk 
hinabzureichen. So namentlich bei Chokier und nach de Köninck auch 
in dem Schiefer von Am p sin bei Huy. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 14. Ansicht eines der grössten 
der vorliegenden Exemplare von der Carolinen-Grube in natürlicher 
Grösse von der Seite. 

13. Goniatites Listen. Phi 11. Taf. 8, Fig. 12, 13; Zeitschr. der Deutsch, 
geolog. Ges. a. a. 0. S. 580. Taf. XV. Fig. 2a, 2b. 

Die Ob er schlesischen Exemplare gleichen viel mehr der Form, welche 
Goldfuss nach Exemplaren aus dem Steinkohlengebirge von Werden 
an der Ruhr Ammonites carhonarius genannt hat, als der typischen Form, 
welche Martin und Sowerby aus dem Kohlenschiefer von Halifax in 
Yorkshire beschrieben haben und welche in so grosser Häufigkeit in den 
schwarzen Kalknieren von Chokier bei Lüttich vorkommt. Namentlich 
sind die Querfalten viel schwächer als gewöhnlich bei den Exemplaren von 
Chokier und erscheinen nur als feine undeutliche Linien. 

Vorkommen: Dieser Goniatit, obgleich weniger häufig als der Gonia- 
tites diadema, gehört doch zu den gewöhnlicheren Arten der Fauna. Auch 
überall sonst scheint der Goniatites Listen einem höheren Niveau als dem 
Kohlenkalk anzugehören. So namentlich bei Chokier und an anderen 
Punkten in Belgien, auf der Grube Hoffnung bei Werden (Ammonites 
carhonarius Goldf.), bei Halifax in Yorkshire, ferner bei Sheffield, 
Saddle worth, Colne und Holmfirth nach Phillips. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 12. Ansicht eines der vollstän- 
digsten der vorliegenden Exemplare von der Carolinen-Grube in natür- 
licher Grösse von der Seite. Fig. 13. Ansicht desselben Exemplares im 
Profil gegen die Mündung gesehen. 


86 


Steinkohlengebirge. 


14. Bellerophon TJrii Plem. Taf. 8, Fig. 10, 11^ Zeitschr. der Deutsch, 
geol. Ges. a. a. 0. S. 582, Taf. XV. Fig. Sa, 3b, 4 (male). 

Die gewöhnliche Erscheinungsweise, welche dieser Bellerophon in Ober- 
schlesien zeigt, lässt die für die Art bezeichnenden Merkmale so wenig 
hervortreten, dass, wenn er in dieser allein vorläge, nimmermehr der 
Bellerophon TJrii der Englischen Autoren darin erkannt werden würde. Die 
meisten Exemplare sind aus gelblichgrauem Sphärosiderit bestehende Stein- 
kerne mit glatter Oberfläche und 12 bis 25 Millim. Breite an der Mündung. 
In der allgemeinen Gestalt gleichen diese Steinkerne etwa dem Bellerophon 
tenuifascia. Selten und gewöhnlich nur dann, wenn die Versteinerungs- 
masse in Schieferthon übergeht, ist auch die Mündung des Gehäuses .erhal- 
ten. Diese zeigt dann feine bogenförmige Anwachsstreifen und unregel- 
mässig wellige Querfalten sowie in der Mitte einen etwa 5 Mm. langen und 
l‘j 2 Mm. breiten Längsspalt. Uebrigens ist die Oberfläche der gewöhnlichen 
Steinkerne glatt. Kleinere Steinkerne von 5 bis 8 Mm. Breite lassen nun 
aber häufig eine Längsreifung der Oberfläche erkennen. Am deutlichsten ist 
diese Längsreifung bei gewissen Exemplaren wahrzunehmen, bei welchen 
der Umgang plötzlich eine Knickung oder knieförmige Umbiegung erleidet, 
’Vvobei der umgebogene Theil der Windung zugleich plötzlich in Schiefer- 
thonmasse übergeht. Während dann die Oberfläche des übrigen aus hell- 
farbigem Sphärosiderit bestehenden Steinkernes ganz glatt erscheint, so 
sind auf dem aus schwarzem Schieferthon bestehenden Theile des Um- 
gangs die Reifen oft in völliger Deutlichkeit erhalten. Die Zahl der Reifen 
beträgt gegen 20. Die Zwischenräume sind zuweilen doppelt so breit als 
die Reifen selbst, oft aber auch kaum breiter als die letzteren. Zuweden 
sind Andeutungen der Längsreifen auch auf den aus hellfarbigem Sphäro- 
siderit bestehenden Theil der Steinkerne zu verfolgen. Da die in der an- 
gegebenen Weise längsgereiften kleineren Exemplare in der Form völlig 
mit den grösseren glatten Steinkernen übereinstimmen, so ist nicht daran 
zu zweifeln, dass sie derselben Art wie diese angehören. De Köninck 
giebt nun auch bei der Beschreibung des Bellerophon TJrii ausdrücklich an, 
dass die letzte Hälfte des äusseren Umgangs glatt ist. 

Vorkommen: Die Art ist das häufigste Fossil der ganzen Fauna. Es 
liegen gegen 300 Exemplare von der Carolinen- Grube und von der 
Königs-Grube vor. Auch in den Sandsteinschichten von Golonog und 
von Koslowagora wurde die Art gesammelt. Eine Sandstein-Platte von 
Golonog ist mit den Abdrücken gereifter Exemplare dicht bedeckt. Sonst 
kennt man die Art auch aus Schottland, England, Belgien und Nord- 
Amerika, und zwar theils aus dem Kohlenkalke, theils aus dem pro- 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


87 


duktiven Steinkohlengebirge (cool measures). In der deutlichsten und voll- 
kommensten Erhaltung findet sie sich in den Kohlenschiefern von Carluke 
bei Glasgow. Die Hauptentwickelung der Art fällt jedenfalls in ein über 
dem Kohlenkalke liegendes Niveau des Steinkohlengebirges. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 8. Ansicht eines ausgewachsenen 
Exemplars von der Carolinen-Grube in natürlicher Grösse, gegen den 
Rücken gesehen. Fig. 9. Ansicht desselben Exemplars von der Seite. Fig. 1 0. 
Ansicht eines kleinen Exemplars mit zum Theil erhaltenen Spiralreifen, gegen 
den Rücken gesehen, Fig. 11. Ansicht eines noch kleineren Exemplars mit 
vollständig erhaltenen Spiralreifen von demselben Fundorte, von der Seite. 

15. Littorina (?) obscura. Sow. Taf. 8, Fig. 23; Zeitschr. der Deutsch, 
geol. Ges.'a. a. 0. S. 584, Taf. XV., Fig. 5. 

Steinkerne, welche, abgesehen von der etwas geringeren Grösse, gut 
zu der von Sowerby gegebenen Abbildung passen. Die Gattungsbe- 
stimmung betreffend, so beruht sie natürlich lediglich auf der allgemeinen 
Aehnlichkeit des Habitus. Wären nicht marine Fossilien die Begleiter, 
so würde man auch an Paludina denken können. 

Vorkommen: Die Art gehört zu den häufigeren Species auf der 
Carolinen-Grube und auf der Königs -Grube. Auch im Sandsteine bei 
Golonog wurde ein Exemplar gesammelt. Die Art ist durch Sowerby 
von CoalbrookDale beschrieben. Sie gehört also zu denjenigen, welche 
die oberschlesische Fauna mit derjenigen der genannten englischen Loka- 
lität verbinden. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 23. Ansicht eines als Steinkern 
erhaltenen Exemplars in natürlicher Grösse von der Seite. 

16. Änthracosia (?) sp. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. S. 584, 
Taf. XV., Fig. 6. 

Die Zugehörigkeit zur Gattung Änthracosia ist keinesweges zweifellos, 
sondern wurde lediglich vermuthungs weise angenommen. 

Vorkommen: Nur ein einziges Exemplar von der Hohenlohe- 
Grube liegt vor. 

17. Änthracosia sp. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. S. 585, 
Taf. XV. Fig. 7. 

Die Zugehörigkeit zu der Gattung Änthracosia ist ebenso zweifelhaft 
als bei der vorhergehenden Art. Durch den quer ovalen Umriss und die 
nach vorn gerückte Lage der Wirbel erinnert die Art an TJnio parallelus 
Sow. von Coalbrook Dale. 

Vorkommen: Nur ein einziges etwas verdrücktes Exemplar von der 
Königs-Grube liegt vor. 


88 


Steinkohlengebirge. 


18. Schizodus sulcatus Bronn (?), Vergl. Zeitschr. der Deutsch, geol. 

Ges. a. a. 0. S. Taf. XV., Fig. Sa, 8b. 

Der einzige vorliegende Steinkern von der Carolinen-Grube hat den 
subtriangulären Umriss und den übrigen allgemeinen Habitus von Schizodus. 
Er passt im Ganzen gut zu der Abbildung der Donax (?) sulcata Sow. von 
Coalbrook Dale, doch ist er kleiner und weniger nach hinten verlängert. 

19. Leda attenuata Flem. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. 

S. 568, Taf. XV., Fig. 9 a, 9 b, 9 c, 9 d. 

Die meisten der vorliegenden Exemplare sind Steinkerne, welche un- 
zweifelhaft die Merkmale der Gattung Nucula zeigen und namentlich auch 
längs des Schlossrandes die bezeichnende, durch den Abdruck der kamm- 
förmigen Schlosszähne bewirkte Zickzacklinie erkennen lassen. 

Vorkommen: Auf der Carolinen- und auf der Königs-Grube 
nicht selten! In der vollkommensten Erhaltung kommt die Art in den 
Kohlenschiefern von Glasgow vor. Phillips führt sie von Northum- 
berland aus Schichten über dem Kohlenkalk (Yoredale rocks), aber auch 
aus dem Kohlenkalk von Bo 11 and in Yorkshire auf. 

20. JSfucula gibhosa, Flem.; Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. 

S. 587, Taf. XV., Fig. 10a, 10b, 10c. 

Die meisten der vorliegenden Exemplare von der Carolinen-Grube 
sind Steinkerne, welche die Gattungsmerkmale von Nucula zwar unzweifel- 
haft an sich tragen, eine sichere specifische Bestimmung dagegen nicht 
erlauben. Glücklicher Weise wurde aber auch ein einzelnes mit der Schale 
erhaltenes Exemplar entdeckt. Dieses stimmt vollständig mit vortrefflich 
erhaltenen Exemplaren aus dem Kohlenschiefer von Carluke bei Glas- 
gow überein. 

21. Ärca Lacordairiana. Köninck (?); Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 

a. a. 0. S. 588, Taf. XV. Fig, 11. 

Das einzige vorliegende Exemplar von der Carolinen-Grube passt 
ziemlich gut zu der Beschreibung und Abbildung de Köninck’ s. 

22. Pecten sp.? Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a, 0. S. 589, Taf. 

XV., Fig. 12. 

Die Oberfläche ist mit feinen concentrischen Anwachslinien bedeckt. 
Ausserdem ist eine unregelmässig radiale Skulptur erkennbar. Bei genaue- 
rer Prüfung sieht man jedoch, dass diese letztere nicht eine ursprüngliche 
ist, sondern in unregelmässigen kleinen Falten besteht, welche augenschein- 
lich durch Pressung und Quetschung der Schale während des Versteinerungs- 
processes entstanden sind, ähnlich wie dergleichen bei Posidonomya Becheri 
Vorkommen. 


Produktives Steirikohlengebirge oder Steiiikohlengebirge im engeren Sinne. 


89 


23. Pecten interstitialis Phill. ? Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. 
S. 589. Taf. XV., Fig. 13. 

Die specifisehe Bestimmung dieser Art ist ganz unsicher, da einerseits 
Phillips’ Beschreibung und Abbildung zu unvollkommen sind, um eine 
scharte Vergleichung zu erlauben und andererseits auch nur ein nicht ganz 
vollständig erhaltenes Exemplar von der Carolinen-Grube vorliegt. Die 
starken erhabenen Radiallinien vermehren sich gegen den Umfang hin sehr 
rasch durch Einsetzen neuer. Sie lassen eine undeutliche Reifung oder 
Körnelung wahrnehmen. Auch die Ohren tragen solche Radiallinien. 

24. Productus longispinus Sow. Taf. 8, Fig. 2, 3; Zeitschr. der Deutsch, 
geol. Ges. -a. a. 0. S. 589, Taf. XVL, Fig. 1 a, Ib. 

Die zahlreichen vorliegenden Exemplare dieser wohl bekannten und 
weit verbreiteten Art, deren Merkmale und Synonymie Davidson neuer- 
lichst genau festgestellt hat, stimmen in jeder Beziehung mit denjenigen 
anderer Lokalitäten überein. Namentlich zeigen sie auch die gewöhnliche 
Grösse. In dieser Beziehung halten sich die zahlreichen Exemplare in 
verhältnissmässig sehr engen Grenzen. Während die grössten Exemplare 
15 Mm. lang und 19 Mm. breit sind, so messen die kleinsten 12 Mm. in 
der Breite und 10 Mm. in der Länge. Alle sind mit einem deutlichen, schon 
unfern von den Wirbeln beginnenden, mittleren Sinus in der grösseren 
Klappe versehen. Die 35 bis 40 gerundeten ausstrahlenden Rippen oder 
Linien der grösseren Klappe sind ziemlich ungleich. Sie vermehren sich 
durch Einsetzen und vereinigen sich andererseits wieder gegen den Stirn- 
rand hin zum Theil. Von den für die Art bezeichnenden langen dünnen 
Stacheln ist an keinem der zahlreichen vorliegenden Exemplare auch nur 
eine Spur erhalten. Dagegen bemerkt man auf der grösseren Klappe ein- 
zelne unregelmässig zerstreute linearische Grübchen auf der oberen Fläche 
der Rippen, welche wohl die Narben der Stacheln sind. Die ohrförmigen 
Ecken des Schlossrandes treten sehr wenig vor und sind bei den meisten 
Exemplaren gar nicht bemerkbar. Die grösste Breite der Schale ist nicht 
am Schlossrande, sondern liegt viel weiter gegen die Stirn hin. 

Vorkommen: Die Art ist nächst dem Bellerophon ürii das häufigste 
Fossil der ganzen Fauna. Es liegen mehr als 200 Exemplare vor. Die 
meisten von der Carolinen-Grube, einige von der Königs-Grube. 
Kleine Exemplare fanden sich in unvollkommener, aber doch eine sichere 
Bestimmung zulassender Erhaltung auf dem Skalley-Schachte der 
Königin-Louise-Grube bei Zabrze. Anderwärts gehört diese weit 
verbreitete Art theils dem Kohlenkalke, theils dem produktiven Steinkohlen- 
gebirge an. ln letzterem kommt sie namentlich auch bei Glasgow vor. 


90 


Steinkohlengebirge. 


Sehr schön erhaltene mir vorliegende Exemplare von dort stimmen bis 
auf eine etv^as bedeutendere Grösse vollständig mit den Oberschlesischen 
überein. 

Erklärung der Abbildungen; Fig. 2. Ansicht in natürlicher 
Grösse gegen die grössere Klappe gesehen. Fig. 3. Ansicht gegen die 
kleinere concave Klappe. 

25. Productus semireticulatus Flem. var. (?) Zeitschr. der Deutsch, 
geol. Ges. a. a. 0. S. 590, Taf. XVI., Fig. 2. 

Kur ein einziges, nicht einmal vollständiges und namentlich etwas ver- 
drücktes Exemplar liegt vor. Eine sichere specifische Bestimmung ist da- 
her nicht zulässig. 

26. Productus pustulosus. Phill. Taf. 8, Fig. 1. Zeitschr. der Deutsch, 
geol. Ges. a. a. 0. S. 591, Taf. XVI. Fig. 3 a, 3 b. 

Vorkommen: Viel seltener als der Productus longispinus. Die meisten 
der vorliegenden Exemplare sind von der Carolinen-Grube. Die Ab- 
bildung stellt ein Exemplar der kleineren Klappe von Rosdzin gegen die 
Innenfläche gesehen dar. Sonst ist die Art bekanntlich von vielen Orten 
aus dem Kohlenkalke bekannt. Das Vorkommen im produktiven Stein- 
kohlengebirge wird sonst nicht erwähnt. 

27. Ortliis resupinata Köninck; Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 
0. S. 591, Taf. XVI. Fig. 4. 

Von dieser wohlbekannten, im Kohlenkalke weit verbreiteten Art liegen 
zwei Exemplare vor, welche, obgleich verdrückt und unvollständig, doch 
mit Sicherheit zu bestimmen sind. 

In England ist die Art ebenfalls an mehreren Orten im Kohlenschiefer 
beobachtet worden. 

28. Streptorhynchus (Ortliis) crenistria Davidson; Taf. 8, Fig. 4, 5; 
Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. S. 592, Taf. XVI., 
Fig. 5. 

Sehr häufig bei Golonog in grossen wohl erhaltenen Exemplaren. 
Selten auf der Carolinen-Grube. Uebrigens wird die Art auch in Eng- 
land aus Schichten des eigentlichen Steinkohlengebirges über dem Kohlen- 
kalke aufgeführt. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 4. Ansicht der grösseren (Ven- 
tral-) Klappe in natürlicher Grösse nach einem Exemplare von Golo- 
nog. Fig. 5. Ansicht des mittleren Längsschnittes durch die vereinigten 
Klappen. 

29. Chonetes Hardrensis Phill. Taf. 8, Fig. 6, 7. 

Diese im Kohlenkalke weit verbreitete Art, deren Synonymie durch 


Produktives Steinkohlengebirge oder SteinkohJengebirge im engeren Sinne. 


91 


Davidson (Brit. Carb. Brachiop. p. 186, tab. 47, fig. 12 — 18) näher fest- 
gestellt wurde, ist das häufigste Fossil der Sandsteinschichten von Koslo- 
wagora bei Neu deck. Auch bei Golonog ist sie häufig. In dem grauen 
Schieferthone des Skalley-Schachtes auf der Königin-Louise- 
Grube fanden sich Exemplare einer kleinen Form der Art zusammen mit 
Productus longispinus und Lingula mytiloides. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 6. Ansicht eines Exemplars von 
Koslowagora bei Neu deck. Fig. 7. Ansicht des mittleren Längs- 
schnitts durch die vereinigten Klappen. 

30. Lingula mytiloides Sow. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. 
S. 592, Taf. XVI., Fig. 6. 

Auf der Carolinen-Grube und bei Zabrze. 

Die Art ist von vielen Stellen in England, Schottland und Irland 
und zwar vorzugsweise aus produktivem Steinkohlengebirge (coal measures) 
bekannt. So namentlich auch von Carluke in Schottland, wo sie nach 
Davidson ausserordentlich häufig ist. 

31. Discina nitida Phill. ; Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a, a. 0. 
S. 592, Taf. XVI., Fig. 7. 

Nur ein einziges flach zusammengedrücktes Exemplar der oberen freien 
Klappe von der Carolinen-Grube liegt vor. Es stimmt gut mit engli- 
schen Exemplaren überein, wenn auch eine scharfe Identificirung bei der 
Art der Erhaltung nicht möglich ist. 

Discina nitida ist an vielen Stellen in England, Schottland und 
Irland beobachtet worden und zwar meistens in den „Coal measures^^ z. B. 
auch bei Coalbrook Dale, viel seltener im Kohlenkalke. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 7. Ansicht der grösseren Klappe 
in natürlicher Grösse. 

32. Poteriocrinus granulosus Phill.; Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 
a. a. 0. S. 593, Taf. XVI., Fig. 12. 

Es liegen zwei bis zum Grunde der Arme erhaltene Kelche von der 
Königs- Grube vor, welche gut zu den von Phillips gegebenen Abbil- 
dungen passen und die Zusammensetzung aus den einzelnen Kelchtäf eichen 
vollständig erkennen lassen. 

3 3 . Poteriocrinus crassus Miller^' Taf. 8, Fig. 28. 

Das abgebildete fast fingerdicke Säulenstück von Rosdzin mit grossen 
Narben von Ranken stimmt gut mit Belgischen und Englischen Exemplaren 
überein. Kleinere auf der Carolinen-Grube und auf der Königs- 
Grube gefundene Säulenstücke (vergl. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 
a. a. 0. Taf. XVI., Fig. 8 a, 8 b) gehören vielleicht zu Pot granulosus, 

12 * 


92 


Steinkohlengebirge. 


34. Nöggerathia sp. (?) Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. S. 594, 
Taf. XVI., Fig. 9. 

Fein längs und parallel gestreifte, blattförmige Ausbreitungen, welche 
nur vorläufig und keinesweges mit Sicherheit zur Gattung Nöggerathia 
gestellt werden. Das grösste der vorliegenden Exemplare ist 90 Mm. lang 
und 40 Mm. breit und nicht gerade, sondern leicht bogenförmig gekrümmt. 
Die Substanz des Blattes selbst ist übrigens in der Form einer *|2 Mm. dicken 
Kohlenrinde erhalten. 

Vorkommen: Es liegt ein grösseres Exemplar und mehrere kleinere 
von der Carolinen -Grube vor. 

35. Calamites sp. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. a. a. 0. S. 595, 
Taf. XVI., Fig. 10. 

Fingersdicke walzenrunde Stengel mit sehr regelmässigen 1 Mm. brei- 
ten Längsreifen. Quergliederungen werden an keinem der vorliegenden 
Stücke bemerkt, aber wohl nur, weil die Stücke nicht in hinreichender Länge 
erhalten sind. 

36. Trigonocarpum Nöggerathi. Brongn. ; Zeitschr. der Deutsch, geol. 

. Ges. a. a. 0. S. 595, Taf. XVL, Fig, 11. 

Es liegen mehrere Exemplare vor sowohl von der Carolinen-Grube 
als auch von der Königs-Grube, welche vollständig mit Exemplaren 
dieser weit verbreiteten Art von anderen Fundorten übereinstimmen. Doch 
erreicht keines der vorliegenden Exemplare die Dimensionen der Exem- 
plare des bekannten Fundortes von Jägersfreude bei Saarbrücken, 
üebrigens ist die Art auch sonst aus dem Oberschlesischen Steinkohlen- 
gebirge und namentlich von Ornontow.itz bekannt. 


Im Ganzen ist das Vorkommen mariner Conchjlien in der die Flötze ein- 
schliessenden oberen Abtheilung des Steinkohlengebirges über dem Kohlen- 
kalke ein sehr sparsames und vereinzeltes. Ausgedehnte und durch zahl- 
reiche Gruben aufgeschlossene Kohlenmulden haben bisher gar keine Reste 
dieser Art geliefert. Wenn neben den überall verbreiteten Landpflanzen in 
dem eigentlichen Kohlengebirge überhaupt thierische Reste sich finden, so 
sind es am häufigsten undeutliche, verdrückte Zweischaler, die früher 
meistens zu der Gattung Unio gestellt, später von King als der eigenthüm- 
lichen, wenn auch mit Unio nahe verwandten Gattung Änthracosia angehö- 
rig erkannt wurden. Die Art, wie diese Zweischaler gewöhnlich mit Aus- 
schluss aller anderen Species in grosser Zahl der Individuen gesellig Vor- 
kommen, erinnert so sehr an das Vorkommen von gewissen Zweischalern 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 93 

des süssen oder brackischen Wassers in verschiedenen Abtheilnngen des 
Flötzgebirges und in der Jetztwelt, wie namentlich der Cyrenen in dem 
Schieferthone der Weald-Bildung, dass sie schon hierdurch mit Wahrschein- 
lichkeit als Süsswasserbewohner bezeichnet werden. Das passt dann 
auch zu der Häufigkeit der Landpflanzen und zu der herrschenden Vor- 
stellung von der Entstehungsart der Kohlenflötze als durch Druck und 
chemische Zersetzung veränderter Aggregate von Landpflanzen, welche in 
feuchten dem Meere benachbarten Niederungen nach Art der Pflanzen in 
unseren Torfmooren wuchsen und nach dem Absterben sich übereinander 
anhäuften. 

Das Vorkommen mariner Thiergeschlechter in der die Steinkohlenflötze 
umschliessenden Reihenfolge sandiger und thoniger Schichten setzt noth- 
wendig die Depression des Festlandes unter den Meeresspiegel und die 
Bedeckung der bisherigen Landfläche mit Meerwasser voraus und ebenso 
bestimmt lässt das Vorhandensein eines Kohlenflötzes über den Schichten 
mit solchen Resten von Meeresthieren auf die nachherige Erhebung des 
Bodens in ein über dem Meeresspiegel liegendes Niveau schliessen^ da die 
Anhäufung der Pflanz entheile, aus welchen die Kohlenflötze entstanden, 
nur auf dem Festlande über dem Meeresspiegel erfolgt sein kann. Ent- 
schieden marine Conchylien sind in etwas grösserer Zahl bisher fast nur 
*aus dem produktiven Steinkohlengebirge Englands und Schottlands bekannt 
gewesen. Schon vor einer Reihe von Jahren hat Prestwich^) in seiner 
Beschreibung der vom Severn -Flusse durchschnittenen Kohlenmulde von 
Coalbrook Dale eine Aufzählung von marinen Fossilien aus den Schich- 
ten des dortigen produktiven Steinkohlengebirges gegeben. Es sind Arten 
unzweifelhaft nnd ausschliesslich mariner Geschlechter, wie namentlich 
der Gattungen Terebratula, Spirifer, Productus, Leptaena, Lingula, Discina 
(Orbicula), Pecten, Avicula, Nucula, Orthoceras, Nautilus, Bellerophon und 
Conularia. 

Die „Cool mecLsures^^ Yon Coalbrook Dale bestehen aus dem gewöhn- 
lichen Wechsel von Schieferthonen, Sandsteinen und Kohlenflötzen. In 
dem oberen kohlenarmen Theile der Bildung herrschen Mergel, Schiefer- 
thone und in dicken Bänken abgelagerte etwas kalkige Sandsteine vor. 
Die untere Abtheilung dagegen besteht vorzugsweise aus Schieferthonen 
mit Nieren von thonigem Sphärosiderit, harten, zuweilen in Conglomerat 
übergehenden Sandsteinen und zahlreichen Kohlenflötzen. Die Mächtig- 


1) On the geology of Coalbrook Dale by Joseph Prestwich jiin. in Transactions of the 
geolog. soc. of London. Vol. V. Sec. Ser. 1840. p. 413 — 493. 


94 


Steinkohlengebirge. 


keit der ganzen Bildung beträgt 1000 bis 1100 Fuss. Das Liegende wird 
durch den Kohlenkalk und wo dieser fehlt durch silurische oder devo- 
nische ( Old red sandstone) Schichten gebildet. Das unterste Glied der 
j,Coal measures^\ mit welchem dieselben auf ihrer Unterlage aufruhen, ist 
regelmässig ein sehr festes Kiesel-Conglomerat. Auf dieses Conglomerat 
folgen Schiefer und dünngeschichtete Sandsteine mit verschiedenen Kohlen- 
flötzen und zahlreichen Pflanzenresten der Gattungen Lepidodendron, 
Sigillaria, Stigmaria, Calamites, Sphenopteris, Neuropteris u. s. w. und in 
einer dünnen Lage auch mit Zweischalern der Gattung Anthracosia (ünio). 

Darüber liegt eine Schichtenfolge, welche reich ist an kleinen flachen 
Meren von thonigem Sphärosiderit. Diese Eisensteinlager führen die 
Lokal-Benennung Penneystone, welche dann auch auf die ganze Schichten- 
gruppe angewendet wird. Eben diese Schichtenfolge ist es nun, welche die 
marinen Conchylien enthält. Sie sind meistens in die Sphärosideritnieren 
eingeschlossen und grossentheils vortrefflich erhalten. An manchen Stellen 
schliesst fast jede der Sphärosideritnieren in der Mitte einen organischen 
Körper^ein. Das häufigste Fossil ist Productus scabriculus Sow. Nächst- 
dem kommt Spirifer bisulcatus in zahlreichen Exemplaren vor. Ausserdem 
dann die verschiedenen Arten von Nautilus, Bellerophon, Conularia, Pecten, 
Nucula, Orbicula, Lingula, Cyathocrinus (?) (Säulenstücke) u. s. w. Auch 
Schuppen und Knochen von Megalichthys Hibberti und Gyracanthus sind 
nicht selten. Als üeberreste von Süsswasserthieren sind die hin und wie- 
der vorkommenden Zweischaler der Gattung Anthracosia (Unio) zu deuten. 

Das Niveau betreffend, welches die an marinen Thierresten reiche Lage 
des Penneystone-Eisensieins einnimmt, so liegt sie etwa 150 Fuss über 
der Basis des produktiven Steinkohlengebirges (Coal measures). 
Die bei weitem grössere Hauptmasse des letzteren in einer Mächtigkeit 
von 850 bis 950 Fuss folgt über ihr. Im Ganzen ist daher das Niveau 
immer noch der unteren Grenze des produktiven Steinkohlengebirges ge- 
nähert. Die über dem Penneystone liegende Hauptmasse des Steinkohlen- 
gebirges enthält fast nur Pflanzenreste der gewöhnlichen für das Stein- 
kohlengebirge bezeichnenden Gattungen. Die üeberreste von Thieren 
beschränken sich auf Zweischaler der Gattung Anthracosia (JJnio), welche 
in einigen dünnen Lagen dicht zusammengedrängt sind, ferner auf einige bis- 
her nur in dieser Lokalität gefundene zu Limulus gerechnete Crustaceen, 
und wenige zerstreute Exemplare von Piscina ( Orbicula) reflexa und von 
einer Lingula-Kvi. Nur in einer einzigen, wiederum Sphärosideritnieren 
führenden und derjenigen des Penneystone überhaupt sehr ähnlichen Schicht, 
dem ^yChance Penneystone^^ kommen noch einmal marine Thiere in grösse- 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


95 


rer Häufigkeit, wenn auch in viel geringerer Mannigfaltigkeit vor. Pro- 
ductus scabriculus namentlich ist so häufig, dass an manchen Stellen fast 
jede Sphärosideritniere ein Exemplar desselben als centralen Kern enthält. 
Ausserdem wurden Conularia quadrisulcata, Megalichthys Hihherti und Gyva- 
canthus formosus in dieser Schicht beobachtet. Der „ Chance Penneystone^^ 
liegt 200 Fuss über dem ,^Penneystone^^ und fast eben so tief unter der obe- 
ren Grenze des produktiven Steinkohlengebirges. 

Sehr ähnlich mit demjenigen von CoalbrookDale ist ein Vorkom- 
men mariner Conchylien in dem Schottischen Steinkohlengebirge in der 
Gegend von Glasgow. Namentlich bei dem Dorfe Carluke in Lanark- 
shire ist ein derartiges Vorkommen bekannt. Die Erhaltungsart der dort 
auftretenden Versteinerungen gleicht derjenigen von Coalbrook Dale 
zum Verwechseln. Auch der Art nach sind die Conchylien beider Lokali- 
täten grossentheils identisch. Das gilt namentlich von Productus longispi- 
nuSj Leda attenuata, Nucula gibbosa und Nautilus bilobatus, V^ie bei Coal- 
brook Dale ist es auch bei Carluke eine bestimmte, Sphärosideritnieren 
führende Schicht von geringer Mächtigkeit, in welcher diese marinen Reste 
in grosser Häufigkeit verkommen, und auch hier ist es die untere Abthei- 
lung des produktiven Steinkohlengebirges (Coal measures), welcher die 
Schicht angehört. In dem höheren Theile der „ Coal measures^^ in der Ge- 
gend von Glasgow finden sich mehrere mit Zweischalern der Gattung 
Anthracosia erfüllte Lagen und Reste von Fischen aus den Gattungen 
Megalichthys und Gyracanthus. 

Seit langer Zeit sind marine Conchylien aus dem produktiven Stein- 
kohlengebirge von Yorkshire und den angrenzenden Grafschaften des 
nördlichen Englands bekannt. Schon J. Sowerby hat Goniatites Listerij 
Aviculopecten gapyraceus und Orthoceras Steinhaueri von Halifax beschrie- 
ben. Eine grössere Zahl von Arten hat später Phillips in seiner Geolo- 
gie von Yorkshire kennen gelehrt. Zugleich hat derselbe Beobachter 
auch nähere Angaben über die Art des Vorkommens dieser Fossilien ge- 
macht. Sie finden sich in einer ganz bestimmten Schicht von beschränkter 
Mächtigkeit, welche der unter der Lokal-Benennung „Ganister-Schichten- 
reihe (Ganister coal seriesy^ in dem Lande bekannten unteren Abtheilung 
der „Coal measures^^ angehört. Die Schicht bildet das Hangende (roof) 
eines gewöhnlich nur etwa 16 Zoll mächtigen, über einen ausgedehnten 
Flächenraum zu verfolgenden Kohlenflötzes, welches an mehreren Punkten 
in der Nähe von Leeds, bei Cathärine Slack und Swan Banks bei 
Halifax, bei Bull Houses unweit Penistone und endlich an verschie- 
denen westlich von Sheffield gelegenen Lokalitäten abgebaut wird. Zum 


96 


Steinkohlengebirge. 


Theil sind die marinen Versteinerungen der Schicht in feste Concretionen 
eingeschlossen, welche den Lokal- Namen „bäum führen. Dieselbe 
Ganister-Schichtenreihe schliesst aber in Yorkshire, Derbjshire und 
N orthumberland auch noch zwei mit Süsswasser-Muscheln der Gattung 
Anthracosia (ünio) erfüllte Lagen ein, von welchen die eine bedeutend 
über, die andere bedeutend unter der Schicht mit marinen Fossi- 
lien liegt. 

Um das geognostische Niveau, welches die fragliche Schicht mit mari- 
nen Fossilien in dem nordenglischen Steinkohlengebirge einnimmt, noch 
bestimmter zu erkennen, wird man sich der Gliederung der nordenglischen 
Kohlenformation erinnern müssen. 

Nach den Untersuchungen von Phillips*) lässt das englische Stein- 
kohlengebirge, da, wo es vollständig entwickelt ist, fünf Hauptgruppen 
unterscheiden, nämlich: 

e. Cool formation (upper group), 
d. Millstone grit (supramedial group), 
c. Yoredale rocks (medial group), 
b. Scar limestone (suhmedial group), 
a. Shales, etc, (lower group). 

Häufig fehlt die eine oder andere dieser Gruppen und noch öfter 
schrumpft eine Gruppe, welche in den Gegenden ihrer Hauptentwickelung 
eine Mächtigkeit von mehreren hundert Fuss hat, zu einer wenige Fuss 
dicken Schicht zusammen. So ist z. B. der „Millstone grif^ in Derbjshire 
und Yorkshire gegen 800 Fuss mächtig, in manchen Gegenden des süd- 
lichen Englands dagegen nur 3 bis 6 Fuss. 

Die oberste Abtheilung des englischen Steinkohlengebirges oder das 
eigentliche produktive Steinkohlengebirge ( Coal measures) besteht wie in 
anderen Ländern aus einem Wechsel von Sandsteinen und Schieferthonen 
mit eingeschalteten Kohlenflötzen. Ein scharfer petrographischer Unter- 
schied gegen die Gesteine der unteren Gruppen findet nicht statt. Es ist 
nach Phillips lediglich die grössere Häufigkeit der Flötze und das Fehlen 
aller Kalksteinschichten, welche die „Coal measures^^ vom „Millstone grif^ 
und den noch tieferen Gruppen trennt. 

In Betreif der besonderen inneren Gliederung verhalten sich die „Coal 
measures^^ in den verschiedenen Kohlenbecken Englands verschieden. In 
dem Kohlenbassin von Yorkshire besteht nach Phillips nachstehende 
Gliederung: 


1 ) Vergl. Manual of Geology by John Phillips. London and Glasgow 1855. p. 157. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 


97 


1. obere Flötzgruppe V 

(upper coals) ) 

2. rothe eisenschüssige 
Roberts u. s. w. 


Shales and Badsworth coal, 

Ackworth rockj 
Wraghy and Sharlston coals» 
grobe Sandsteine von Woollejj Hooton 


mittlere Flötzgruppe 
(middle coals) j 


5. untere Elötzgruppe 
(lower coals) 


Furnace coals^ 
intermediate coals, 
ironstone coals. 

4. Platten “Sandstein von Woodhouse 5 Bradford^ Eiland, Pe- 
niston u. s. ’w. 

Shales and ganister^') stone, 
coals, 

shales and ganister stone, 
coals, ■ 
shales etc. 

Die „lower coals^^ ruhen unmittelbar auf dem „Millstone grit“ auf; die 
„upper coals^^ werden vom Zechstein (magnesian limestone) abweichend 
bedeckt. 

Die untere Flötzgruppe (lower or ganister coal series), deren Gesammt- 
Mächtigkeit 350 bis 400 Fass beträgt, ist verhältnissmässig arm an Kohlen 
und die Kohlen sind von geringer Güte. Zwei dünne, aber bauwürdige 
Flötze liegen der unteren Grenze der ganzen Schichtenreihe nahe. Ausser- 
dem sind mehrere unbauwürdige Lagen vorhanden. Eines von den erste- 
ren beiden Flötzen ist dasjenige, welches in grosser Gleichförmigkeit über 
einen weiten Flächenraum zum unmittelbar Hangenden (roof) die schon 
erwähnte Schieferthonschicht mit marinen Fossihen hat. Die letzteren 
gehören namentlich den Gattungen Pecten, Goniatites, Nautilus und Ortho- 
ceras an^). 

Aus dem Vorstehenden ergiebt sich, dass in Yorkshire und in den 
angrenzenden Grafschaften des nördlichen Englands in geringer Höhe über 
der Basis der „Coal measures‘‘ eine dünne, mit Resten mariner Thier- 
geschlechter erfüllte Schicht vorhanden ist, während den oberen Abtheilun- 
gen der dortigen „Coal measures^^ solche marine üeberreste fremd sind. 


1) „Ganister“ auch „gaillard“ oder „seatstone“ heisst ein besonders fester kieseliger Sandstein, 
welcher in mehreren Bänken in dieser Schichteoreihe erscheint und namentlich auch zuweilen das 
unmittelbar Liegende der Kohlenflötze bildet, was in den oberen Abtheilungen der „coal measures“ 
niemals der Fall ist, indem die Flötze dort stets auf einer eigenthümlichen Lage von feinem Thon mit 
Stigmarien aufruhen. 

S) So namentlich Goniatites Listeri, Goniatites diadema^ Nautilus tuherculatm, Orthoceras Stein- 
haueri und Äviculo^ecten papyraceus belHalifax. 


13 


98 


Steinkohlengebirge. 


Das ist in Uebereinstimmung mit dem Verhalten bei CoalbrookDale, 
wo die Haupt- Anhäufung der marinen Conchylien ebenfalls in einer der 
unteren Grenze der „Coal measures^‘ nahe gelegenen Schicht stattfindet, 
während allerdings an der letzteren Lokalität einige wenige marine Arten 
auch noch in einem höheren Niveau wiederkehren. 

Auch das produktive Steinkohlengebirge Belgiens hat ziemlich zahl- 
reiche marine Reste geliefert. Seit langer Zeit sind die wohl erhaltenen 
kleinen Goniatiten in den schwarzen Kalknieren bekannt, welche bei Cho- 
kier an der Maas einer den Kohlenkalk unmittelbar bedeckenden Alaun- 
schiefer-Schicht untergeordnet sind. De Köninck führt in seinem klassi- 
schen Werke über die Fossilien des belgischen Kohlenkalks überhaupt 
25 Arten von Thieren aus dem produktiven Steinkohlengebirge auf und 
bemerkt, dass sie sämmtlich specifisch von Arten des Kohlenkalks ver- 
schieden seien. 

Die Mehrzahl der Arten sind solche, welche auch in dem produktiven 
Steinkohlengebirge Englands verkommen. Das gilt namentlich von Aviculo- 
pecten papyraceus, Lingula parallela, Orthoceras pygmaeum, Ortlioceras strigil- 
latum, Nautilus stygialis (= Nautilus subsulcatus Phi 11. var. bei J. D. C. So- 
werby), Goniatites diadema und Goniatites Listen. Die Fundorte dieser 
Arten sind Chokier und Lüttich. An beiden Stellen gehören sie, wie in 
England, einem der unteren Grenze des produktiven Steinkohlengebirges 
ganz nahe liegenden Niveau an. 

Auch aus dem Steinkohlengebirge Westphalens sind einzelne unzweifel- 
haft marine Thierformen bekannt. Schon Goldfuss führte in der 
V. Dechen’ sehen Bearbeitung des Handbuches der Geognosie von de la 
Beche(1832) Pecten papyraceus und Goniatites carbonarius aus den Kohlen- 
schiefern von W erden an der Ruhr an. Vollständigere Angaben über das 
Vorkommen mariner Conchylien in dem produktiven Steinkohlengebirge 
Westphalens haben später H. v. Dechen und Lottner gemacht. Nach 
Lottner^) hat sich der Goniatites carbonarius, der irrthüralich als Goniatites 
sphaericus bezeichnet wird, auf der Grube Hoffnung bei Werden un- 
mittelbar im Hangenden kehligen Schieferthon des Flötzes und in Sphäro- 
sideritnieren einer etwa 40 Zoll höheren Schieferthonlage gefunden; des- 
gleichen im Hangenden des Flötzes Schnellenschuss der Grube Pauli- 
nens Erbstollen; ferner auf der Grube Redlichkeit, im Hangenden 
des Flötzes Heidenreich bei Di Udorf, in einer Schicht circa 12 Lach- 


1) Geognostische Skizze des westphälischen Steinkohleiigebirges. Erläuternder Text zur 
Flötzkarte des westphälischen Steinkohlengebirges von F. H. Lottner. Iserlohn 1859. 


99 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne. 

ter über dem Flötz von St. Peter bei Vollraarstein, auf den Gruben 
Flachsteich bei Wengern und Ver. Schelle und Haberbank bei 
Sprockhövel, in der Eisensteingrube Eeulahn Vlll. und endlich sehr 
zahlreich in Sphärosideritnieren aus einer Schieferthonschicht 5 Lachter 
über dem sogenannten Stollenflötze der Eisensteingrube Hiddingshausen. 
An der zuletzt genannten Stelle wird der Goniatites carbonarius wie auf der 
Grube Hoffnung bei Essen von Amculopecten papyraceus begleitet. 

An allen den verschiedenen Punkten, an welchen diese marinen Fossi- 
lien in dem westphälischen Steinkohlengebirge verkommen, ist es auch 
wieder ein der unteren Grenze des produktiven Steinkohlen- 
gebirges nahe liegendes Niveau, welchem sie angehören. 
Lottner gliedert das ganze flötzführende Steinkohlengebirge Westpha- 
lens in drei Etagen, eine hangende, eine mittlere und eine liegende, 
von denen eine jede durch gewisse Leit-Flötze bezeichnet wird. In der 
liegenden Etage nimmt das Leit-Flötz Mausegatt oder Hundsnocken 
ein Niveau unter der Mitte der ganzen Schichtenreihe ein. Alle vorher 
genannten Vorkommen von marinen Fossilien gehören nun 
Schichten zwischen diesem Flötze und der unteren Grenze 
des produktiven Steinkohlengebirges an. Nur das Vorkommen 
von Ver. Schelle fällt über das Leitflötz, aber ebenfalls in die liegende 
Etage. 

Endlich sind auch aus dem produktiven Steinkohlengebirge Nord- 
Amerikas zahlreiche marine Fossilien bekannt, über welche namentlich 
E. T. Cox und Leo Lesquereux’) in dem paläontologischen Bericht der 
geologischen Aufnahme des Staates Kentucky werthvolle Beobachtungen 
mitgetheilt haben. In der untersten Abtheilung des produktiven Steinkohlen- 
gebirges im westlichen Theile des Staates Kentucky ist überall eine kleine 
Lingula-Art, Lingula umbonata Cox, welche sehr wahrscheinlich mit einer 
der von Davidson beschriebenen Formen der in den englischen Kohlen- 
schiefern so häufigen mytiloides Phill. identisch ist, in grosser Zahl 

der Individuen verbreitet. Ebenfalls ganz in dem unteren Theile des pro- 
duktiven Steinkohlengebirges, kaum 100 Fuss über dessen unterer Grenze, 
finden sich bei Nolin Iron works verschiedene Cephalopoden. Unter 
diesen ist die als Nautilus ferratus Cox aufgeführte Art dem bei Coal- 
brook Dale häufigen A/awÄ« bilobaius jedenfalls sehr nahe verwandt, 
wenn nicht mit ihm identisch. Ausserdem kommen nun aber im westlichen 

1) The paleontological Report ofS. S. Lyon, E. T. Cox and Le o Lesquereux as prepared 
for the geological report of Kentucky and published in Vol. 3. Fraiikfort, Kentucky 1857. pag. 
515—576. 

13* 


100 


Steinkohlengebirge, 


Kentucky zahlreiche andere marine Arten in einem bedeutend höheren 
Niveau vor. Freilich ist aber die ganze bekannte Mächtigkeit des dorti- 
gen Steinkohlengebirges nicht bedeutend und vielleicht fehlt dort ein so 
ansehnlicher Theil der ganzen Schichtenreihe, dass in Wirklichkeit auch 
das Niveau der zuletzt erwähnten marinen Fossilien noch unter die Mitte 
der ganzen Kohlenbildung fällt. 

Im Ganzen .liefern die Beobachtungen über das Vorkommen mariner 
Conchylien in dem produktiven Kohlengebirge der verschiedenen Länder 
folgende allgemeine Ergebnisse. 

1. Die in dem produktiven Steinkohlengebirge vorkommenden Meeres- 
thiere stimmen zwar der Gattung nach und zum Theil auch der Art nach 
mit Arten des Kohlenkalks überein, aber andere Arten, und gerade die am 
allgemeinsten verbreiteten, wie Ammlo^ecten papyraceus, Goniatites diadema 
und Goniatites Listen sind eigenthümliche. Die Gesammtheit der aus dem 
produktiven Steinkohlengebirge bekannten Arten stellt eine Fauna dar, 
welche derjenigen des Kohlenkalks sich zwar eng anschliesst, aber dennoch 
als eine selbstständige gelten muss. 

2. Die Haupt- Anhäufung der marinen Thierreste findet in der unteren 
Abtheilung des produktiven Kohlengebirges in einem gewöhnlich nur gegen 
100 Fuss über der Basis der ganzen Bildung liegenden Niveau statt. In 
die höheren Theile steigen nur ausnahmsweise einzelne Arten, namentlich 
der Gattungen Lingula und Discina hinan. 

3. Das Vorkommen mariner Conchylien auf der Carolinen-Grube 
und auf der Königs-Grube in Oberschlesien ist sowohl den Arten 
nach, als auch in Betreff des ganzen übrigen Verhaltens demjenigen von 
Coalbrook Dale in England, bei Chokier an der Maas und bei 
Werden an der Ruhr so ähnlich, dass man mit einem hohen Grade von 
Wahrscheinlichkeit auch auf die Gleichheit des geognostischen Niveaus an 
der Basis des produktiven Kohlengebirges schliessen darf. Wenn daher 
mit dem bis 2006^3 Fuss niedergebrachten tiefen Böhrloche bei Königs- 
hütte auch unter dem Niveau der versteinerungsreichen Schicht in grosser 
Mächtigkeit Schieferthone und Sandsteine mit einigen Kohlenflötzen ange- 
troffen worden sind, so gehören die-se Schichten trotz ihrer petrographi- 
sehen Aehnlichkeit mit solchen des produktiven Steinkohlengebirges nicht 
mehr diesem letzteren, sondern wahrscheinlich schon dem flötzleeren Sand- 
steine oder Millstone grit der Engländer an und muthmaasslich wird man 
allgemein eine solche Anhäufung mariner Thierreste als ein festes Niveau 
für die Ermittelung der unteren Grenze des produktiven Steinkohlengebir- 
ges ( Goal measures) benutzen können. 


Produktives Steinkohlengebirge oder Steinkohlengebirge im engeren Sinne'. 101 

Ganz vereinzelt ist bisher die Beobachtung eines Landthier es in dem 
Steinkohlengebirge Oberschlesiens, einer Spinne, nämlich in den Sphä- 
rosiderit-Meren führenden Schichten des Myslowitzer Waldes zwischen 
Kattowitz und Myslowitz. Das einzige durch den königlichen Berg- 
geschworenen Herrn von Schwerin dem Verfasser mitgetheilte Exemplar 
zeigt in deutlicher Erhaltung eine auf einem Schieferthon-Stück ausgebrei- 
tet liegende ächte Spinne, welche der lebenden Gattung Lycosa sich in den 
allgemeinen Merkmalen anschliesst und deshalb von dem Verfasser unter 
der Benennung Protolycosa anthracophila beschrieben wurde ^). Es ist die 
erste aus einer so alten Bildung, wie das Steinkohlengebirge, bekannt ge- 
wordene Spinne. Da Insekten, namentlich Arten aus den Familien der Scha- 
ben (Blattidae) und der Termiten schon in mehreren Steinkohlenbecken 
aufgefunden sind und da sogar aus der zu den Arachniden oder spinnen- 
artigen Thieren im weiteren Sinne gehörenden Familie der Skorpione zwei 
Arten aus dem Steinkohlengebirge Böhmens seit längerer Zeit bekannt 
sind, so hat auch die Auffindung einer ächten Spinne in dem Steinkohlen- 
gebirge Oberschlesiens an sich nichts Befremdendes. 

' i. Gliederung. 

Eine weitere ünterabtheilung in mehrere deutlich begrenzte Glieder 
hat das Oberschlesische Kohlengebirge ebensowenig zugelassen, als 
diese bei den meisten anderen Europäischen Kohlenmulden bisher möglich 
gewesen ist. Doch ist auf der Karte eine untere flötzarme, marine 
Thierreste führende und eine obere, die Haupt -Flötze einschliesserrde 
obere Abtheilung unterschieden worden. Die Grenze zwischen bei- 
den ist jedenfalls über das Mveau der marinen Thierreste und unter das 
tiefste der in dem Hauptflötzzuge gebauten Flötze zu setzen. Das letztere 
liegt nun aber auf der Carolinen-Grube nur einige Lachter über der 
versteinerungsführenden Schieferthonschicht und hier ist also die Grenze 
fast genau bezeichnet. Die bei Mienkinia unweit Krzeszowice auf- 
tretenden vom Quarzporphyr bedeckten Schieferthone des Steinkohlen- 
gebirges, welche bei der Nähe des Kohlenkalkes jedenfalls zu den tiefsten 
Schichten des produktiven Kohlengebirges gehören, haben ein von dem- 
jenigen der gewöhnlichen Kohlenschiefer etwas abweichendes Ansehen. 
Sie sind hellfarbiger und mehr grau als schwarz. Auch sind Pflanzen- 
abdrücke in denselben viel seltener. Ebensolche Schieferthone, zum Theil 


') Protolycosa anthracophila, eine fossile Spinne aus dem Steinkohlengebirge Oberschlesiens. 
Neues Jahrb. für Mineral. Jahrg. 1866. S. 136 ff. Taf. III. Fig. 1. 


102 


Steinkohleiifjebirge. 


bis in eine gewisse Tiefe braunroth gefärbt, kommen auch noch an anderen 
Stellen im Krakau’ sehen vor. Vielleicht sind die angegebenen Merk- 
male allgemein für die Schieferthone der unteren Abtheilung des produkti- 
ven Steinkohlengebirges in Oberschlesien und Polen bezeichnend. 

k. Vergleichung des Oberschlesisch-Polnischen Steinkohlenbeckens mit anderen 
Kohlenbecken und im Besonderen mit demjenigen Wiederschlesiens. 

Die Eigenthümlichkeiten des Oberschlesisch -Polnischen Steinkohlen- 
gebirges und 'dessen Beziehungen zu anderen Kohlenbecken und im 
Besonderen zu demjenigen Mederschlesiens ergeben sich aus der vorher- 
gehenden Darstellung desselben und lassen sich kurz in folgende Sätze 
zusammenfassen. 

1 . ln petrographischer Beziehung ist das Oberschlesische Kohlerigebirge 
in ganz ähnlicher Weise wie andere Kohlenbecken aus einer Aufeinander- 
folge von in vielfacher Wiederholung mit einander wechsellagernden Schich- 
ten von Schieferthon und Sandstein mit untergeordneten Kohlenflötzen in 
einer mehrere tausend Fuss betragenden Mächtigkeit zusammengesetzt. 
Das Vorherrschen der Sandsteine, die Seltenheit von Quarz-Conglomeraten 
und die bedeutende Mächtigkeit einzelner Flötze sind auszeichnende Eigen- 
thümlichkeiten im Vergleich zu anderen Kohlenbecken. 

2. In stratographischer Beziehung ist die flache, 10® bis 15^ in der Regel 
nicht übersteigende Neigung der Schichten im Gegensatz zu der steilen 
Aufrichtung und vielfachen Biegung in den meisten anderen Mulden be- 
merkenswerth. Nur in der südwestlichen Ecke des Beckens, in der Gegend 
von Hultschin und Mährisch-Ostrau sind steile und vielfach gestörte 
Schichtenstellungen herrschend. 

3. Die Unterlage des eigentlichen oder produktiven Kohlengebirges 
wird in den Oberschlesisch -Polnischen Becken durch Grauwacken -Sand- 
steine und Thonschiefer der sogenannten Culm-Bildung in der westlichen 
Hälfte und namentlich in der Gegend von Hultschin und Mährisch- 
Ostrau, durch Kohlenkalk in der östlichen Hälfte und ‘namentlich in 
der Gegend von Krzeszowice gebildet. Dieses Verhalten ist im Einklänge 
mit dem Verhalten des Köhlengebirges in Niederschlesien und in Wes t- 
phalen, wo in gleicher Weise zum Theil die Culm- Bildung, zum Theil 
Kohlenkalk die Unterlage des eigentlichen Kohlengebirges bildet. 

4. Eruptiv-Gesteine, deren Hervorbrechen in die Ablagerungszeit des 
Kohlengebirges fällt, fehlen dem Oberschlesisch -Polnischen Becken. In 
dieser Beziehung unterscheidet eS sich von dem. Niederschlesischen oder 
Waldenburger Kohlengebirge, während dessen Ablagerung zahlreiche 


Produktives Sieinkohleiigehirge oder Steiukohlengebirge im engeren Sinne. 


103 


Durchbrüche von rothem Quarzporphyr erfolgten, die zum Theil auffallende 
Contakt-Erscheinungen bewirkten und die Bildung eigen thümlich er Trüm- 
^mergesteine veranlassten. Die Porphyre von Mienkinia bei Krzeszo- 
wice und von anderen Punkten im Krakau’schen haben wohl die Schich- 
ten des Steinkohlengebirges durchbrochen, aber die Zeit ihres Hervor- 
brechens ist jünger als die Ablagerungszeit dieser Schichten und fällt in 
diejenige des Rothliegenden. 

5. In einem unter den Hauptflötzen, aber über verschiedenen noch bau- 
würdigen Flötzen liegenden Mveau hat sich durch einen grossen Theil von 
Oberschlesien eine mit Resten von Meeresthieren erfüllte Schicht verfolgen 
lassen. Diese Schicht kann für die Theilung des Kohlengebirges in eine 
untere und eine obere Abtheilung benützt werden. Auch in England, in 
Belgien und in Westphalen ist eine ähnliche Anhäufung von marinen 
Thierresten in einem etwa lOOFuss über der Basis des produktiven Kohlen- 
gebirges liegenden Mveau an mehreren Punkten beobachtet worden. In 
dem Waldenburger oder Medersclilesischen Steinkohlengebirge ist nichts 
Aehnliches bekannt. 


3. Permische oder Zechstein -Gruppe. 

Rothliegendes. 

a. GescMchtliches. 

Die hier zu beschreibenden Oesteine sind grobe Kalk-Conglomerate, 
mürbe Sandsteine und lose Sande, rothe Porphyr -Tuffe, Quarz -Porphyre 
und Melaphyre, welche in der IJmgebung von Krzeszowice im Krakau - 
sehen ihre Hauptverbreitung haben und in einzelnen Ausläufern nordwest- 
wärts bis in die Gegend von Dombrowa sich erstrecken. Schon v. 0 e y n - 
hausen und Pusch haben diese Gesteine gekannt und zum Theil eingehend 
beschrieben. Ich selbst habe dieselben im Jahre 1864 zuerst als zusammen- 
gehörig erkannt und dem Rothliegenden zugerechnet*), nachdem schon 
vorher L. Hohenegger in Teschen ein Jahr früher in einem mündlichen 
Vorträge^) einen Theil der Gesteine und namentlich die Conglomerate als 
Rothliegendes angesprochen hatte. Seitdem hat C. Fallaux in den 


1) lieber das Vorkommen des Rothliegenden in der Gegend von Krzeszowice im Gebiete 
von Krakau von Ferd. Roemer in: Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft. Jahrg. 
1864. S. 633 ff. 

2) In der Versammlung österreichischer Berg- und Hüttenleute in Mährisch- Os trau im Jahre 1863. 


104 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


erläuternden Berichten zu der geognostischen Karte des Gebietes von 
Krakau von L. Hohenegger dieselben Gesteine kurz beschrieben und 
sie dem bunten Sandsteine zugerechnet ^). 

h. Kalk-Conglomerate. 

Vollkommen abgerundete Gerolle von grauem oder röthlichen Kalk- 
stein sind durch ein graues, häufig eisenschüssiges braunrothes kalkiges 
Bindemittel zu einem ziemlich festen Aggregate verbunden. Gewöhnhch 
ist das Gestein sehr grobkörnig und häufig sind die Gerolle faust- oder 
kopfgross. Das Gestein der Gerolle ist ein dichter oder feinkörnig krjstal- 
linischer aschgrauer Kalkstein. Derselbe gleicht durchaus dem Kohlen- 
kalke, welcher in den dem Verbreitungsgebiete der Conglomerate benach- 
barten Thälern, namentlich in denjenigen vonCzerna und vonPaczolto- 
wice ansteht. In der That hat man auch in einzelnen Geröll en dieselben 
Productus- Arten, welche in dem anstehenden Kohlenkalke Vorkommen, 
beobachtet. Es ist daher zweifellos, dass das Material der Conglomerate 
aus der Zerstörung von Kohlenkalk-Schichten hervorgegangen ist. Ein- 
zelne sparsame Gerölle von schwarzem Kieselschiefer stammen wahr- 
scheinlich ebenfalls aus dem Kohlenkalke. 

Sehr allgemein zeigen die einzelnen Rollstücke oder Geschiebe die bei 
Conglomeraten überhaupt so häufig und zuerst bei der Nagelfluh in der 
Schweiz beobachtete Erscheinung, derzufolge das eine Rollstück in eine 
seiner eigenen Form entsprechende und wie durch Eindrücken hervorge- 
brachte Vertiefung des angrenzenden Geschiebes hineinpasst. 

Die Verbreitung dieses Conglomerats betreffend, so ist es besonders 
deutlich in dem westlich von Krzeszowice in das Rudawa-Thal ein- 
mündenden Thale von Filipowice zu beobachten. Während in dem 
unteren Theile des Thaies weisser Jurakalk mit Ammonites hijplex, mergelige 
Schichten des braunen Jura mit Ammonites macrocephalus, Muschelkalk 
und schwarze Schieferthone des Steinkohlengebirges mit unreinen Kohlen- 
flötzen die herrschenden Gesteine sind, so tritt höher hinauf das Congiome- 
rat in der Sohle des Thaies und an den Wänden desselben hervor. Fast 
in der Mitte des Dorfes sieht man die dicken ziemlich stark geneigten Bänke 
des Conglomerats mit eingelagerten Schichten von schieferigem braunrothen 
Sandstein quer durch den Bach setzen. Noch weiter hinauf in dem Thale 


1) Vergl. Geognostische Karte des ehemaligen Gebietes von Krakau mit dem südlich angrenzen- 
den Theile von Galizien von Ludwig Hohenegger, zusammengestellt durch Cornelius Fal- 
laux, mit einer Karte. Wien 1866. S. 11 ff. 


Rothliegendes. 


105 


wird die mauerartig steil abfallende linke Thalwand durch das hier beson- 
ders grosskörnige Conglomerat gebildet. Auch in den benachbarten Thä- 
lern tritt das Conglomerat an mehreren Stellen hervor. Nordwärts ver- 
breitet es sich namentlich in den Umgebungen des Dorfes Myslocho wice 
unweit der Eisenbahnstation Trzebinia und wurde in einem äussersten 
nordwestlichen Ausläufer selbst noch bei Golonog unweit Dombrowa 
in Begleitung von Porphyren und Porphyr-TulFen nachgewiesen 

c. Rothe und weisse Sandsteine. 

In der Mitte des Dorfes Filipowice stehen in dem Bette des Baches, 
wie schon erwähnt wurde, dünne Schichten oder Platten von braunrothem 
Sandstein zwischen den Bänken des Conglomerates an. Dieselben gleichen 
äusserlich Sandsteinen des Rothliegenden oder auch der Bunten-Sandstein- 
Bildung. Aehnliche rothe Sandsteine sind auch noch an anderen Punkten 
der Gegend von KrzeszOAvice in naher Verbindung mit den Conglome- 
rat en und Porphyr-Tuffen bekannt. 

Von ganz anderer Beschaffenheit sind gewisse Sandsteinschichten, 
welche den südlichen Abhang des Höhenzuges, welcher zwischen Chel- 
mek und Alwernia mit ganz gleicher Richtung gegen Ost-Südost sich fort- 
erstreckt und die erste Erhebung nördlich von dem Weich s el- Th ale in 
dieser Gegend bildet, zusammensetzen. In verschiedenen schmalen Schluch- 
ten, welche an dem mit Diluvial - Sand bedeckten Fusse des Höhenzuges 
beginnend sich nach dessen Rücken hinaufziehen und zum Theil sehr tief ein- 
gerissen sind, lassen’ sich diese Sandsteine deutlich beobachten. Besonders 


1) Im Ganzen wurde das Conglomerat, abgesehen von dem Vorkommen in dem Thale von 
Filipowice an folgenden Stellen naehgewiesen : 

1. In Schluchten südlich der Porphyr-Partien von Mienkinia. 

2. Unterhalb der Felsen von weissem krystallinischen Kalke (Karniowicer Kalk) zwischen Mien- 
kinia und Filipowice. 

3. In einem von der rechten Seite in das Thal von Filipowice einmündenden Nebenthale. 

4. In einer Nebenschlucht des Karniowicer Thaies. Porphyr-Tuff bildet hier das Liegende 
des Conglomerats. 

5. Bei Du Iowa südlich von Karn io wice. 

6. In einer grossen Partie bei Karniowice. 

7. In den Umgebungen des Dorfes Mloschowa. Hier vom Porphyr-Tuff überlagert. 

8. Flache Anhöhen bildend in weiter Verbreitung bei MysIachowice. Sandsteinschichten von 
gleicher Beschaffenheit wie diejenigen bei Kwaczala bilden allgemein hier das Liegende. 

9. Bei Gay nordwestlich von MysIachowice. Auch hier als Liegendes Sandstein. 

10. Bei Borbiskupi südlich von Slawkow, eine flache Kuppe östlich von dem Orte bildend. 

11. Eine undeutlich begrenzte Partie südlich von Slawkow. 

12. Bei Golonog unweit Dombrowa eine schmale Zone in Verbindung mit Porphyr und 
Porphyr-Tuffen bildend. 


14 


106 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


lehrreich ist eine solche Schlucht bei dem Dorfe K w a c z al a. Es sind weisse 
oder graue, zuweilen auch röthliche Sandsteinschichten von sehr geringem 
Zusammenhalt, welche mit flachem Einfallen gegen Norden hier aufgeschlos- 
sen sind. Weit entfernt etwa zu Werkstücken brauchbar zu sein, ist der 
Sandstein überall so locker, dass er leicht zwischen den Fingern zerbröckelt. 
Zuweilen entbehren die Sandkörner alles Bindemittels und bilden ein ganz 
loses Aggregat, welches man für eine ganz jugendliche Ablagerung zu hal- 
ten geneigt sein könnte. Bisweilen wird der Sandstein grobkörnig und geht 
in ein zum Theil aus haselnussgrossen weissen Quarzgeröllen bestehendes 
lockeres Conglomerat über. Grössere und kleinere dunkelgraue oder 
schwärzliche Bruchstücke von verkieseltem Holz sind in grosser Häufigkeit 
in die sandigen Schichten eingeschlossen. Auf dem Boden der Schluchten 
bei Kwaczafa und namentlich an der Mündung derselben liegen grosse 
bis 4 Fuss lange und mehrere Fuss dicke Stammstücke dieses zur Gattung 
Araucarites gehörenden Holzes umher ^). Auch sonst finden sich in dem 
Krakauer Gebiete Stücke von solchem verkieselten Holze an der Ober- 
fläche häufig vor. Dieselben rühren ohne Zweifel aus zerstörten Sandstein- 
schichten gleichen Alters wie diejenigen von Kwaczafa her. Zuoberst 
wird die mehr als 100 Fuss mächtige Reihe der sandigen Schichten bei 
Kwaczafa durch die später zu beschreibenden weissen Röth-Dolomite mit 
Myo'phoria fallax gleichförmig überlagert. Das Liegende ist nicht bekannt 
und wird durch das aufgelagerte Diluvium der Beobachtung entzogen. 

d. Porphyr- Tuffe. 

Die gewöhnliche Erscheinungsweise dieser Tuffe ist diejenige eines 
blass ziegelrothen oder bläulichrothen Aggregats von geringer Festigkeit 
und mit erdigem Bruch, ln einer Kaolin- artigen erdigen rothen Grund- 
masse liegen mohnkorngrosse oder kleinere eckige Körner eines weissen 
feldspathartigen Minerals, schwarze glänzende Glimmer -Schüppchen von 
zum Theil regelmässig sechsseitiger Form und sparsame ganz kleine Kör- 
ner von dunkel rauchgrauem Quarz. Diese Bestandtheile des Gesteines 
sind genau von der Beschaffenheit und in dem gegenseitigen Quantitäts- 
Verhältniss vorhanden, wie sie aus der Verwitterung und Zerstörung des 
später zu beschreibenden rothen Porphyrs von Mienkinia bei Krzeszo- 
wice sich ergeben würden. Gewöhnlich hat das Gestein einen hinreichen- 
den Zusammenhalt, um das Schlagen von Handstücken zuzulassen. Zu- 


1) Nach Göppert’s mündlicher Mittheilung ist die Zugehörigkeit dieser Hölzer zur Gattung 
Araucarites bei der zum Theil vortrefflich erhaltenen mikroskopischen Struktur derselben mit Sicher- 
heit festzustellen. Specifisch lässt sich die Art vom A. Schrollianus nicht unterscheiden. 


Rothliegendes. 


107 


weilen ist es aber auch eine ganz lose erdige Masse. Selten ist der Tuff 
ein festes Gestein mit ebenem oder selbst muscheligem Bruch. 

Die Verbreitung der Porphyr-Tuffe betreffend, so bilden sie mehrere 
grössere und kleinere Partien in der Gegend von Krzeszowice und von 
Alwernia und namentlich bei Filipowice und Karniowice und lassen 
sich von hier aus in einer schmalen, durch einzelne Aufschlusspunkte be- 
zeichneten Zone nordwärts bis nach Golonog östlich von Dombrowa 
verfolgen^). 

1) Im Gatizen sind die Tuffe an folgenden Stellen bekannt: 

1. Am Nordabhange des Klosterberges von Alwernia. In mehreren tiefen Schluchten und 
Wasserrissen ist das hier völlig lockere und zerreibliche Gestein aufgeschlossen. In einer 
dieser Schluchten folgen über den Tuffen lose rothe Sande und dann Muschelkalk. 

2. Im Dorfe Zalas. Der Tuff wird hier von jurassischen Sandsteinen (Schichten des Ammo- 
nites macrocephalus) überlagert. 

8. In einem südlich von dem Kloster Czerna im Jahre 1857 bei Aufsuchung von Eisenerzen 
abgeteuften Schachte. 

4. In der Umgebung des Porphyrs von Mienkini a. • Der Tuff bildet hier mehrere kleine Par- 
tien. Der anstehende Porphyr geht hier anscheinend ganz uninerklich in den Tuff über. 

5. Am linken Gehänge des Filipowicer Thaies bildet der Porphyr-Tuff eine ausgedehnte 
Partie. Er enthält hier einzelne sehr feste Bänke. Die groben Kalk-Conglomerate bilden 
das Liegende. Ueber den Tuffen folgt weisser Röth-Dolomit. 

6. In einem Wasserrisse südlich von dem der Bergbaugesellschaft vonNowagöra gehören- 
den Steigerhause. Die Auflagerung des Röth-Dolomit und des Muschelkalks sind hier deut- 
lich zu beobachten. 

7. An einem Thalgehänge westlich von Filipowice am Wege nach Psary. 

8. In zwei kleinen von Muschelkalk und jurassischen Schichten überlagerten Partien bei D u 1 o w a. 

9. In einer Nebenschlucht des Karniowicer Thaies. Bänke des weissen krystallinischen 
Kalksteins mit Pflanzenresten (Karniowicer-Kalk) sind hier in den Tuff eiugelagert. 

10. In einer Partie bei Psa ry. 

11. In einer ausgedehnten Partie bei Mloszowa auf der linken Seite des Thaies. Im Wege 
vonMloszowa nach Dulowa wurden an einer Stelle zwei Zoll dicke Lagen eines ganz 
kompakten braunen, wie Porphyr aussehenden Tuffs von mir beobachtet. 

12. Am Wege von Mloszowa nach Myslachowice. Der Tuff steht hier theils in dem Wege 
selbst, theils auf den Feldern zu beiden Seiten des Weges an. 

13. In einer südlich von Myslachowice gelegenen Partie, welche Pusch als Porphyr be- 
zeichnet. 

14. In einer Partie bei Ploky. Der Tuff wird hier von Röth-Dolomit überlagert. 

15. In einem durch L. Hohenegger vor einer Reihe von Jahren niedergebrachten Bohrloche 
bei Gory Leszo wsky, 

16. Südlich von Starzynow, nach der Beobachtung von Pusch. 

17. In einer kleinen Partie am Wege nach Losien nördlich* von Strzemieszyce zwischen 
Bendzin und Slawkow. An dieser Stelle ist auch anzuführen, dass nach einer durch 
Pusch (Geognost. Beschreib, von Polen Thl. I. S. 178) gemachten Beobachtung, die Licht- 
löcher des alten Starzyuower Stollen fl ügelorts, welches von Starzynow in nörd- 
licher Richtung zur Lösung des alten BoleslawerBleibergbaues getrieben wurde, durch 
den erzführenden Muschelkalk bis in den unter dem Muschelkaike verborgenen Porphyr und 
Melaphyr hinabreichten, so dass die Halden der Lichtlöcher zum Theil aus diesen Gesteinen 
bestanden. 

18. Als eine schmale Zone neben dem Porphyr bei Golonog unweit Dombrowa. 

14-^ 


108 


Permische oder Zechstein- Gruppe. 


e. Quarzporphyr und Melapbyr. 

In einem mehr als 1^|2 Meilen von Süden nach Norden ausgedehnten 
Gebiete zwischen Alwernia und Nowagöra treten in dem Bereiche der 
jurassischen und triassischen Sedimentär-Gesteine verschiedene, meistens 
beschränkte Partien von Eruptiv - Gesteinen hervor, welche, obgleich an 
den einzelnen Punkten mehr oder minder eigenthümlich ausgebildet, sich 
auf zwei Hauptformen, nämlich Melaphyre nebst Melaphjr-Mandel- 
steinen und quarzführende Feldspath-Porphyre zurückführen 
lassen. 

Schon C. V. Oeynhausen*) hat diese Gesteine als Porphyre beschrie- 
ben. Später hat Pusch^) eine ausführlichere Darstellung von der Ver- 
breitung und der petrographischen Zusammensetzung derselben geliefert. 
Ich selbst^) habe deren petrographische Natur und durch die Ermittelung 
ihres Verhaltens gegen die Sedimentär-Gesteine ihr Alter festzustellen ge- 
sucht. Tschermak"*) hat von diesen Gesteinen gehandelt und eine Classi- 
fication derselben geliefert. Endlich hat Fallaux in den Erläuterungen 
zu der Hohen egge r’ sehen Karte des Krakauer Gebietes diese Gesteine 
erwähnt und die Ausbruchszeit derselben als theils in die Trias-Periode, 
theils in die Jura-Periode fallend bezeichnet. 

aa. Melaphyr nebst Mandelstein &). 

Die hierher gerechneten Gesteine haben durchaus die Beschaffenheit der 
als typisch betrachteten Melaphyre, wie namentlich der Niederschlesischen 
bei Waldenburg, Landeshut u. s. w., derjenigen von Ilfeld am Harz, 
von Ilmenau am Thüringer Walde u. s. w. Es sind dunkelbraune oder 


1) a. a. 0. S. 338-347 und S. 464. 

Geognost, Beschr. von Polen, Thl. I. 178 — 186. 

3) Ueber das Vorkommen des Rothliegenden in der Gegend von Krzeszowice im Gebiete 
von Krakau, von Ferd. Roemer in: Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1864. S. 633—643. 

, 4) Ueber Porphyre aus der Gegend von Nowagora bei Krakau, von Dr. Gustav Tscher- 

mak in: Sitzungsber. der kais. Acad. der Wiss. in Wien, Bd. LIl. 1865, S. 1 — 4. 

5) Ts eher mak, a. a. 0. nennt die hier als Melaphyr aufzuführenden Gesteine Porphyrit. Sie 
sollen nach ihm nicht zum Melaphyr gehören, weil sie weder Hornblende noch Augit enthalten und 
weil sie zu lichte Färbung haben.' Allein auch die typischen Niederschlesiscjien und Harzer Mela- 
phyre lassen Augit und Hornblende äusserst selten in der dichten Grundmasse erkennen. Die Farben 
der Krakauer Gesteine sind im Ganzen eben so dunkel, wie diejenigen des Niederschlesischen Mela- 
phyr und es kommen sogar ganz schwarze basaltähnliche Varietäten vor, wie namentlich an einem 
Punkte im Thiergarten bei Krzeszowice, wo eine kleine, am Wege von Krzeszowice nach 
Zalas gelegene Kuppe aus einem solchen basaltähnlichen Gesteine besteht. Die grosse Neigung 
zur mandelsteinartigen Struktur haben diese Krakauer Gesteine ebenfalls mit den ächten Melaphyren 
gemein, während für den Porphyrit gerade die Abwesenheit dieser Struktur als bezeichnend gilt, 
(Vergl. J. Roth, Die Gesteins-Analysen, S. XLIV.) 


Rothliegendes. 


109 


dunkelgraue dichte Gesteine, in welchen sich äusserst selten einzelne 
Mineralien deutlich aussondern. Unter der Loupe erscheint das ganze 
.Gestein fast nur als ein Aggregat eines grauen feldspathartigen Fossils 
(Oligodas). Nur Magneteisen ist in sehr kleinen Partien häufig und deut- 
lich erkennbar. Zuweilen ist das feldspathartige Fossil in krystallinischen 
wasserhellen kleinen Partien, welche auf den Flächen des Hauptblätter- 
durchgangs die Zwillingsstreifung deutlich erkennen lassen, ausgeschieden. 
In unregelmässig begrenzten kleinen Flecken ist das dichte Aggregat des 
feldspathartigen Fossils durch Eisenoxyd braunroth gefärbt, wodurch die 
Gesammtfarbe des' Gesteins einen bräunlichen Stich erhält. 

Die Mandelsteine sind durch ganz unmerkliche üebergänge mit den 
kompakten Melaphyren verbunden, indem die anfänglich sparsamen Blasen- 
räume sich weiterhin vermehren, bis das ganze Gestein mit Blasenräumen 
erfüllt ist. Die Blasenräume sind mit verschiedenen Mineralien ausgefüllt. 
Achat, Quarz und Kalkspath sind besonders häufig. Nicht selten, wie 
namentlich bei dem Mandelstein des Tenczyner Schlossberges, bildet 
auch eine weissliche steinmarkähnliche Substanz die Ausfüllung der Man- 
deln'). Erdiger D el e s sit stellt meistens einen dünnen grünen üeberzug der 
inneren Wandungen der Hohlräume dar. Zuweilen sind die Blasenräume 
auch ganz hohl. Die Masse der Mandelsteine ist durchgehends weniger 
krystallinisch kompakt und mehr locker und erdig, als diejenige der eigent- 
lichen Melaphyre. 

Aufzählung der einzelnen Partien von Melaphyr nebst 
Mandelstein. 

1. DerTenczynerSchlossberg,ein ausgezeichneter, mit einer male- 
rischen mittelalterlichen Schlossruine gekrönter und die umliegende Gegend 
weithin beherrschender kegelförmiger Berg, der ansehnlichste und höchste 
unter den aus Melaphyr bestehenden Erhebungen. Ausser dem Kegel des 
Schlossberges selbst wird eine ganze Gruppe kleiner mit ihm zusammen- 
hängender gegen das Dorf Rudno hin gelegener Erhebungen aus Melaphyr 
gebildet. Auch zwei kleinere südöstlich von dem Schlossberge befindliche 


1) Nach einer Untersuchung von Websky ist dieses weisse Mineral des Mandelsteines vom 
Tenczyner Schlossberge ein wasserhaltiger Halloy sit von ähnlicher Zusammensetzung wie der- 
jenige von Thiviers nach der Analyse von Dufrenoy: 

Si 39S 

M 33g 

Mg, Ca 7§ 

g 21^ 


110 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


Kuppen bestehen noch aus Melaphyr. Obgleich sie durch Diluvial - Sand 
von der Partie des Schlossberges getrennt werden, so ist ihr Zusammen- 
hang mit dieser in der Tiefe wahrscheinlich. Der Schlossberg selbst 
besteht grössten theils aus einem festen dunkelgrauen braunroth gesprenkel- 
ten Melaphyr. Die Hügel bei Rudno zeigen zum Theil Mandelsteine, 
deren Blasenräume oft mit kieseligen Fossilien ausgefüllt sind. Pusch 
erwähnt, dass die Bauern von Rudno häufig auf ihren Feldern solche 
Mandeln ausackern, welche im Innern aus abwechselnden Lagen von 
Achat und schön violblau gefärbtem Amethyst zusammengesetzt sind. 

2. Der Klosterberg von Alwernia. Der ganze in das Weichsel- 
Thal vorspringende schön bewaldete Berg besteht aus Melaphyr und Man- 
delstein. An den steilen südlichen und westlichen Gehängen steht das 
übrigens von Löss überlagerte Gestein an mehreren Stellen zu Tage. 
Westlich von dem Klosterberge von Alwernia erscheint der Melaphyr wie- 
der auf der anderen Seite des Bachthaies. Er setzt hier einen gerad- 
linigen- Hügelrücken zusammen, der nach Süden mit zehn bis zwanzig Fuss 
hoher senkrechter Felswand gegen Norden abstürzt, während er gegen 
Norden mässig geneigt ist. Die äussere Form dieser Melaphyr -Partie ist 
ganz so, als ob der Melaphyr eine geneigte Schicht oder Platte bildete, 
deren hangende Schichten zerstört worden sind. Bekanntlich bildet auch 
in Böhmen und bei Ilfeld am Harz der Melaphyr solche Platten im 
Rothliegenden, Obgleich durch das Alluvium des Bachthaies von dem- 
jenigen des Klosterberges getrennt, hängt übrigens diese letztere unzweifel- 
haft mit jener zusammen und ist als eine einzige mit ihr zu betrachten. 

3. Die Partie von Regulice. Wenn man aus dem Bachthale west- 
lich von Regulice den bewaldeten steilen Bergabhang gegen Süden hinan- 
steigt, so trifft man in mehreren engen Wasserrissen Melaphyr anstehend 
an. Sobald man aber auf die Höhe des Rückens in der Nähe des Vor- 
werks Kamionka gelangt, verschwindet er und in den gegen Süden sich 
hinabziehenden Schluchten findet man nur die Gesteine des Röth und die 
sündigen Schichten des Rothliegenden aufgeschlossen. Wahrscheinlich 
bildet auch hier der Melaphyr eine gegen Süden geneigte und das Stein- 
kohlengebirge zur Unterlage habende Platte. 

4. Die Partie vonPoremba. Dieselbe bildet zunächst eine kleine 
stumpfe Hügelkuppe südwestlich von dem Gute Poremba, welche durch 
einen grossen Steinbruch aufgeschlossen ist, in welchem ein fester dem- 
jenigen von Alwernia und am Tenczyner Schlossberge ganz ähnlicher 
röthlich grauer Melaphyr zur Gewinnung von Pflastersteinen und Bau- 
steinen gebrochen wird. 


Rothliegendes. 


111 


Von diesem Steinbruche aus lässt sich der Melaphyr noch eine Strecke 
weiter gegen Nord-Westen durch alte im Walde liegende Steinbrüche ver- 
folgen. Unterirdisch wurde der Melaphyr auch an einer weiter südlich 
gelegenen Stelle in einem Stollen der neuen Thonförderungen von Mirow 
angetroifen. 

4. Die Partie im Thiergarten von Krzeszowice. Dieselbe be- 
steht in einer kleinen aus dem Diluvial-Sande hervorragenden Kuppe. Der 
Melaphyr dieser Partie zeichnet sich durch seine schwarze Farbe und die 
frische und feste Beschaffenheit des Gesteines aus. Man könnte dasselbe 
auf den ersten Blick für Basalt halten. Allein ein Stich in’s Grünliche und 
die Abwesenheit alles mit blossem Auge erkennbaren Olivins sind unter- 
scheidend. Nach der Frische und Festigkeit gleicht das Gestein dem durch 
einen grossen Steinbruch aufgeschlossenen Melaphyr am Kaudersberge 
unweit Neuhaus bei Waldenburg am meisten^). 

5. Die ganz kleine Partie am südwestlichen Ende der Por- 
phyr-Partie von Mienkinia. Sie ist nur unvollkommen. am Wege von 
Mienkinia nach Krzeszowice aufgeschlossen. Das Gestein gleicht 
demjenigen des Tenczyner Schlossberges. 

bb. Quarzfübrender Feldspath-Porphyr. 

Die hierher gerechneten Gesteine enthalten in einer dichten Felsit- 
Grundmasse Krystalle von Orthoclas und kleine Partien von Quarz por- 
phyrisch ausgesondert und entsprechen also dem Begriffe der quarzführen- 
den Feldspath-Porphyre oder Eurit-Porphyre^). 


1) Seitdem das Vorstehende geschrieben war, hat Herr Professor Dr. Websky auf meine Bitte 
eine mikroskopische Untersuchung des Gesteins in Dünnschliffen ausgeführt. Das Ergebniss der- 
selben ist, dass der Hauptbestandtheil des Gesteins ein wasserheller trikliner Feldspath ist. Der- 
selbe bildet 60§ bis 70-§ der ganzen Masse. Nächstdem sind bläulichgrüne Körner eines als Olivin 
gedeuteten Minerals und brauner Augit als wesentliche Gemengtheile vorhanden. Websky bezeich- 
net hiernach das Gestein als Olivin-führenden Gabbro. Die näheren Angaben Websky ’s über die 
Zusammensetzung des Gesteins werden in dem Anhänge gegeben werden. 

2) Tschermak (a. a. 0. S. 2) will von den hier aufzuführenden Gesteinen nur dasjenige von 
Mienkinia als Felsit- Porphyr gelten lassen und bezeichnet die übrigen, namentlich diejenigen 
von Rybna, Zalas, Sanka und Frywald als T rachyt-ähnli che Gesteine. Das Gestein 
vonRybna namentlich soll demTrachyt von Kisbanya und von Rodna in Siebenbürgen 
im äusseren Ansehen und mineralogischer Zusammensetzung sehr ähnlich sein. Auch soll das jün- 
gere Alter dieser Gesteine durch den angeblich von Herrn Fallaux in Teschen beobachteten Um- 
stand, dass sie Jura-Gesteine durchbrechen, bewiesen sein. Allein die vermeintlichen Trachyt-ähn- 
lichen Gesteine stimmen in allen wesentlichen Merkmalen mit dem Porphyr von Mienkinia überein. 
Wo sie sich hellfarbig und von erdig-rauher Grundmasse zeigen, sind sie durch Verwitterung ver- 
ändert, wie namentlich das in der Orleja-Schlucht bei Sanka anstehende Gestein. Das angeb- 
liche Durchsetzen von Jura-Gesteinen beruht auf einem Jrrthum. Nach den sorgfältigen auf sämmt- 
liche Lokalitäten sich beziehenden Beobachtungen von Herrn Assessor Degen hardt und mir selbst 


112 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


Aufzählung der einzelnen Partien von Feldspa th-Porplijr. 

1. Die beiden Partien von Mienkinia (Miekinia). Etwas unter- 
halb des Gipfels der 1398 Fuss hohen Bergkuppe, auf welcher das Dorf 
Mienkinia gelegen ist, befinden sich bedeutende Steinbrüche, in welchen 
der Porphyr gebrochen wird, um theils als Wegebau-Material verwendet, 
theils zu kleineren Werkstücken und kubischen Pflastersteinen verarbeitet 
zu werden. 

Das Gestein ist von braunrother Farbe mit einem Stich in das Lavendel- 
blaue. Die Grundmasse ist ausgezeichnet frisch und kompakt, wie sie 
nur selten bei quarzführenden Porphyren gefunden wird. In dieser Grund- 
masse sind nun zunächst kleine etwa 1 Linie lange Krystalle eines weissen 
oder wasserhellen feldspathartigen Fossils in grosser Häufigkeit ausgeson- 
dert und dieses ist als gemeiner Feldspath oder Orthoclas anzusehen. 
Ausser dem Orthoclas ist nach W ebsky’s mikroskopischer Untersuchung 
des Gesteins auch ein trikliner Feldspath vorhaden^). Die wasserhelle 
glasige Beschaffenheit der ausgesonderten Feldspath -Krystalle bildet die 
Haupteigenthümlichkeit des Porphyr’s von Mienkinia. Viel seltener ist 
Quarz in unregelmässig begrenzten kleinen Partien von rauchgrauer Farbe 
ausgeschieden. Häufiger ist dagegen wieder schwarzer oder -dunkel 
tombakbrauner Glimmer (Biotit) in kleinen Schüppchen oder sechsseiti- 
gen Täfelchen. 

Die zweite kleinere Porphyr-Partie von Mienkinia liegt der ersteren 
gegenüber auf der anderen linken Seite der Thalschlucht in bedeutend 
niedrigerem Niveau. Sie ist ebenfalls durch mehrere Steinbrüche auf- 
geschlossen. Das Gestein gleicht in jeder Beziehung demjenigen der ande- 
ren Partie. Es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass beide Partien 
ursprünglich zusammengehangen haben und erst durch die Auswaschung 
der Thalschlucht getrennt worden sind. 

2. Mehrere Partien bei Zalas. Zwei dieser Partien liegen östlich, 
zwei andere südlich von dem Dorfe. Von den beiden ersteren erstreckt 
sich die bedeutendere von der Kirche des Dorfes Zalas bis gegen Fry- 
wald auf dem rechten Thalgehänge. Ein Steinbruch, in welchem Pflaster- 
haben die betreffenden Gesteine nirgends jüngere Gesteine als das Steinkohle n- 
geblrge durchbrochen. Sie ruhen auf diesem und ihr Hervorbrechen fällt, wie dasjenige der 
Melaphyre, wahrscheinlich in die Ablagerungszeit des Rothliegenden, in jedem Fall ging es der Ab- 
lagerung des Muschelkalks und der Jura-Bildungen voraus. 

q Das genauere Ergebniss dieser auf meinen Wunsch durch Herrn Ober-Bergrath a. D. Prof. 
Dr. Websky ausgeführten Untersuchung des Gesteins wird hinten in einem Anhänge mitgetheilt 
werden. 


Rothliegeiides. 


113 


steine für Krakau gebrochen werden, gewährt einen deutlichen Aufschluss. 
Das Gestein dieses Steinbruchs ist von unvollkommen porphjrischer 
Struktur und von grünlich grauer Färbung. In der frischen und kom- 
pakten Grundmasse liegen einzelne kleine Krystalle eines wasserhellen 
feldspathartigen Fossils mit deutlicher Spaltbarkeit. Einzelne grössere 
Krystalle dieser Art lassen deutlich eine Zwillingsstreifung auf dem Haupt- 
Blätterdurchgaiige erkennen und sind demnach wohl als Oligoclas zu deu- 
ten. Ob auch alle übrigen Krystalle dem Oligoclas angehören, würde 
noch zu ermitteln sein. Quarz ist nur sparsam in sehr kleinen unregel- 
mässigen Körnern verhanden. Dagegen ist schwarzer Magnesia-Glimmer 
(Biotit) in kleinen Schüppchen und Täfelchen ebenso häufig wie in dem 
Porphyr von Mienkinia. An anderen Punkten, wo das Gestein mehr 
verwittert ist, erscheint es hellfarbiger, meistens röthlich hellgrau und viel 
weniger kompakt. Zugleich tritt dort die porphyrische Struktur deutlicher 
hervor, indem die im frischen Zustande wasserhellen Feldspath-Kry stalle 
sich zum Theil zu weissem Kaolin zersetzt haben und sich so in der röthlich 
grauen Grundmasse mehr auszeichnen. Im Ganzen ist das Gestein von 
Zaias demjenigen von Mienkinia ganz nahe verwandt und eigentlich nur 
durch die Färbung verschieden. 

Die beiden südlichen Partien sind in zwei Wasserrissen oder waldigen 
Schluchten, von denen die eine die Orlej a- Schlucht heisst, aufgeschlossen. 
In der Orlej a-Schlucht ist es ein mehr oder minder zersetzter röthlich 
grauer Porphyr mit schwarzen Glimmer- Schüppchen. Ist das Gestein noch 
mehr zersetzt, so ist es weiss, erdig rauh und durch Auswittern der kleinen 
Feldspath- Krystalle porös. Es gleicht dann auf den ersten Blick einem 
Trachyt, aber freilich verdankt es dieses Aussehen nur der Verwitterung. 

In beiden Schluchten stehen schwärzlich graue und röthliche sehr wahr- 
scheinlich dem Kohlengebirge angehörende Schieferthone an, welche, wie 
die Schieferthone bei Mienkinia die unmittelbare Unterlage des Porphyrs 
zu bilden scheinen. 

3. Zwei kleine Partien westlich von Sanka. Die Aufschluss- 
Punkte liegen in Schluchten, die von der rechten Seite in den Zaleska- 
Bach einmünden. 

4. Die Partie von Golonog. Dieselbe besteht in einem ganz klei- 
nen südlich von dem Försterhause im Walde versteckten Kuppe, welche 
sich östlich von dem unweit des Hüttenwerks Dombrowaim Königreiche 
Polen gelegenen Dorfe Golonog ganz in der Nähe der Eisenbahn, aus 
dem Diluvial - Sande erhebt. Es ist ein braunrothes poröses Gestein, 
welches zahlreiche kleine sechsseitige Täfelchen von tombakbraunem 

15 


114 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


Glimmer eingesprengt enthält. Die Porosität des Gesteins wird zum Theil 
durch kleine ebenflächige Höhlungen bewirkt, welche offenbar durch das 
Ausfallen kleiner prismatischer Feldspath - Kry stalle entstanden sind. 
Ausserdem sind aber auch noch kleinere unregelmässige Höhlungen wie 
in einer basaltischen Lava vorhanden. Offenbar hat das Gestein erst 
durch Zersetzung sein gegenwärtiges Aussehen angenommen. Denkt man 
sich die regelmässigen Höhlungen mit Feldspath-Kiystallen ausgefüllt und 
die Grundmasse frisch, so würde ein demjenigen von Mienkinia ähn- 
licher Porphyr entstehen. Durch die isolirte von allen anderen Eruptiv- 
Gesteinen weit getrennte Lage ist diese Porphyr-Partie von Golonog sehr 
ausgezeichnet. Von der nächstgelegenen Partie der Porphyre des Kra- 
kauer Gebietes, -derjenigen von Mienkinia, ist sie durch einen mehr 
als 4 Meilen langen Zwischenraum getrennt. Dennoch ist sie nach der 
Beschaffenheit des Gesteins lediglich als ein äusserster nordwestlicher Aus- 
läufer der Porphyre des Krakauer Gebietes anzusehen. Vielleicht wird 
durch dazwischen liegende unter dem Diluvial -Sande oder anderen Ge- 
steinen versteckte Partien eine noch unbekannte Verbindung bewirkt. Die 
oben erwähnten Partien von Porphyr-Tuff bei Starzynow und bei Mys- 
fachowice sind gewissermaassen als eine solche Verbindung bildend 
anzusehen, da der Porphyr-Tuff fast überall in seinem Vorkommen an da& 
Auftreten der Porphyre und Melaphyre gebunden erscheint. Uebrigens ist 
auch neben dem Porphyr von Golonog Porphyr-Tuff aufgeschlossen. 

f. Karniowicer Kalk ^). 

Unter dieser Benennung wird hier ein weisser oder hellgrauer fein- 
körnig krystallinischer Kalkstein verstanden, welcher in der Gegend von 
Krzeszowice im Krakauer Gebiete und namentlich in den Umgebungen 
der Dörfer Karniowice und Filipowice in dicken Bänken abgelagert 
6 bis 20 Fuss dicke Einlagerungen zwischen den Porphyr - Tuffen und den 
Kalk-Conglomeraten bildet. 

Besonders deutlich ist dieser Kalkstein mit seinen eigenthümlichen 
Merkmalen und in seinen Beziehungen zu den angrenzenden Gesteinen in 
einer 'Nebenschlucht des Karniowicer Thaies, welche von Osten her 
in das letztere einmündet, aufgeschlossen. Der Kalkstein ruht hier in einer 
Mächtigkeit von sechs Fuss auf rothen Sandsteinschichten auf und wird 
von lockeren rothen Porphyr-Tuffen überlagert, die ihrer Seits wieder die 
Unterlage von weissem mergeligen Röth-Dolomit mit Myojphoria fallax bil- 


i) Auf der Karte mit rk bezeichnet. 


Rothliegendes. 


115 


den. Grosse Blöcke des Gesteins sind durch das \¥asser losgerissen und 
liegen im Grunde der Schlucht zerstreut. Das Gestein enthält zahlreiche 
unregelmässige grössere und kleinere Hohlräume, deren Wandungen mit 
kleinen wasserhellen Kalkspath - Krystallen bekleidet sind. Pflanzliche 
üeberreste, von denen weiterhin die Rede sein wird, kommen hier nicht 
selten vor. Auch an dem östlichen Gehänge des Haupt-Thaies von Kar- 
niowice tritt der Kalkstein zu Tage. Er erscheint ferner in einem mit 
dem Filipowicer Hauptthale fast parallelen Nebenthale östlich von dem 
Dorfe Filipowice in niedrigen rauhen Klippen am oberen Rande des öst- 
lichen Thalgehänges. Offenbar sind die verschiedenen in der Gegend von 
Karniowice und Filipowice bekannten Partien des Gesteines ursprüng- 
lich in Zusammenhang gewesen und nur durch die Auswaschung der Thäler 
von einander getrennt worden^). 

An organischen Einschlüssen ist der Kalkstein im Ganzen sehr 
arm. Nur an zwei Orten haben sich bisher dergleichen nachweisen lassen. 
Die Schlucht östlich von Karniowice ist die bemerkenswertheste dieser 
Fundstellen. Die zweite ist bei Filipowice. Die Einschlüsse sind aus- 
schliesslich pflanzliche Reste. Die Erhaltungsart derselben ist sehr eigen- 
thümlich. Zunächst ist schon das Vorkommen von Landpflanzen in kry- 
stallinischem Kalk überhaupt etwas sehr Ungewöhnliches. Ausserdem 
haben die Pflanzen nicht blos die Abdrücke ihrer äusseren Form in dem 
Gesteine zurückgelassen, sondern die Substanz der unverdrückten Stengel 
und Blätter selbst ist in kohlensauren Kalk verwandelt. Wie in der Erhal- 
tung, so sind auch der Art nach diese Pflanzen eigenthümlich und stellen 
eine bisher aus keiner anderen Gegend bekannte besondere kleine fossile 
Flora dar. Die sicher erkennbaren Arten sind Farne (Farrenkräuter). 
Eine grosse Art der Gattung Taenio^teris und eine mit Neuropteris elegans 
Brongn. nahe verwandte Neuropteris Hessen sich namentlich bestimmen. 
Ferner wurde eine Art der Gattung Sphenophyllum erkannt. Die Coniferen 


1) Im Ganzen sind folgende Partien des Gesteins bekannt: 

1. Die schon erwähnte Partie in der Nebenschlucht von Karniowice. 

2. Die ebenfalls schon genannte Partie auf dem linken oder östlichen Thalgehänge des Haupt- 
thaies von Karniowice. Dieses ist die grösste bekannte Partie des Gesteins. 'Dasselbe 
ruht hier auf dem Kalk-Conglomerate. 

3. Die gleichfalls schon genannte Partie östlich von Filipowice in einem mit dem Hauptthale 
parallelen Nebenthale. 

4. Zwei Partien im Filipowicer Hauptthale. Die eine in der Sohle des Thaies im Bette 
des Baches, die andere an der Thalwand; beide in das Kalk-Conglomerat eingelagert. 

5. Eine kleine Partie in der Schlucht von Mienkinia unterhalb der Stadt Nowagora. 

6. Eine in zwei Felsen hervortretende westlich von Mienkinia gelegene Partie. Der Kalkstein 
ruht hier auf dem Conglomerat. 


15 ’ 


116 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


oder Nadelhölzer sind durch einen deutlich erhaltenen Zapfen vertreten. 
Im Ganzen wurden folgende Arten gesammelt: 

Aufzählung der fossilen Pflanzen des Karniowicer Kalks 
von Karniowice und Filipo wice^). 

Vergl. Taf. 9. 

1. Taeniopteris Roemeri Schenk in lit.; Taf. 9, Fig. 1. 

Mehrere Wedel -Fragmente der Art liegen vor. Dieselben lassen auf 
eine mehr als 1 Fuss betragende Länge des ganzen Wedels schliessen. 
Schenk hält in einer brieflichen Mittheilung die Gattungsbestimmung für 
unzweifelhaft. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 1 stellt das grösste der vorliegen- 
den Wedel-Fragmente von Karniowice dar. Der Wedel ist durch eine 
breite mittlere Längsfurche in zwei gewölbte Hälften getheilt. Zu beiden 
Seiten dieser mittleren Furche erkennt man undeutliche schief stehende 
längliche Anschwellungen. An einigen Stellen, in denen die in krystallini- 
schen Kalk verwandelte 1 Millim. dicke Substanz des Blattes entfernt ist 
und dadurch der Abdruck der unteren Fläche des Blattes sichtbar wird, er- 
kennt man, dass diese mit dicht gedrängten sehr feinen Quer-Linien bedeckt 
ist. Der Zeichner hat unrichtiger Weise diese Querstreifung auch auf der 
oberen Fläche des Blattes angegeben, während diese letztere in Wij^^lich- 
keit anscheinend fast glatt ist. 

2. Neuropteris sp.; conf. W. elegans Brongn.; Taf. 9, Fig. 5, 6, 7. 

Die Art passt gut zu N. elegans, wde sie durch Brongniart und durch 

Schimper und Mougeot aus dem Bunten-Sandstein von Sulzbad be- 
schrieben und abgebildet worden ist. Bei der nicht ganz vollständigen 
Erhaltung nahm ich jedoch um so mehr Anstand sie geradezu mit dieser 
letzteren zu identificiren, als die übrige Zusammensetzung der Flora durch- 
aus eigenthümlich und von derjenigen des Bunten-Sandsteins von Sulzbad 
verschieden ist. 

Vorkommen: Diese Art ist das häufigste Fossil der ganzen Flora. 
Einzelne Stücke des Kalksteins sind mit dicht über einander geschichteten 
fingerslangen Bruchstücken der Wedel und mit einzelnen Blättchen ganz 
erfüllt. Die Substanz der 'I .2 Millim. dicken Blättchen ist in gelblich grauen 
krjstallinischen Kalk umgewandelt und auf den Blattflächen zeichnen sich 
die Blattnerven als vertiefte Linien von weissem erdigen Kalk sehr deut- 
lich aus. 


1) Herr Prof. Dr. A, Schenk, früher in Würzburg, jetzt in Leipzig, hatte im Jahre 1866 auf 
meine Bitte die Güte einen Theil der hier aufzuzählenden Arten zu bestimmen. 


Rothliegendes. 


117 


Erklärung der Abbildungen: Fig. 5. Ansicht eines Wedelstäcks 
in natürlicher Grösse. Fig. 6. Vergrösserte Skizze eines Blättchens. 
Fig. 7. Ansicht eines aus drei unvollständigen grösseren Blättchen bestehen- 
den Wedelstücks. 

3. Fecopteris sp.; Taf. 9, Fig. 2, 3. 

Mehrere Fragmente der doppelt gefiederten Wedel liegen vor. Die 
am Ende stumpf gerundeten Blättchen sind am Grunde mit ihrer ganzen 
Breite an die Spindel festgewachsen. Da der Verlauf der Blattnerven 
nicht deutlich erkennbar ist, so kann die Gattungsbestimmung nicht mit 
Sicherheit erfolgen. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 2. Ansicht eines aus drei 
Fiedern bestehenden Wedel -Bruchstücks mit in Kalk verwandelter Blatt- 
Substanz. Fig. 3. Ansicht eines Fiederstücks. Die Spindel ist nicht er- 
halten und hat eine hohle Furche hinterlassen. 

4. Sphenophyllum sp. Taf. 9, Fig. 4. 

Die Gattungsbestimmung ist nicht zuverlässig, da die Erhaltung der 
einzigen beiden vorliegenden Exemplare nicht hinreichend vollständig ist, 
doch passt die kielförmige Gestalt der Blätter, so wie deren anscheinend 
wirtelförmige Stellung zu 5 oder 6 gut zu den typischen Arten des Stein- 
kohlengebirges. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 4. stellt einen etwas verschobenen 
Wirtel von Blättern von Filipowice dar. 

5. Ännularia sp. Taf. 9, Fig. 9. 

Die wirtelförmige Stellung und die Gestalt der schmalen Blätter an 
dem Stengel ist ganz wie bei den typischen Arten des Steinkohlengebirges. 
Die Wirtel bestehen aus ungefähr 10 Blättern. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 9. stellt ein Kalksteinstück von 
Filipowice mit einem undeutlich erhaltenen Wirtel von Blättern dar. 
Seitdem die Abbildung gefertigt war, erhielt ich ein viel vollständigeres 
aus mehreren über einander liegenden Bla^ttwirteln und einem Abdruck 
des Stengels bestehendes Exemplar von Karniowice. 

6. Genus?. Stengel. Taf. 9, Fig. 8. 

Zahlreiche zum Theil fingerdicke Hohldrücke von nicht näher bestimm- 
baren Pflanzenstengeln kommen vor. Einige sind deutlich quer gegliedert. 
Fig. 8. stellt den Gutta -Percha -Abguss eines kleineren Stengels dieser 
letzteren Art dar. 

7. Genus? Längsgefurchter Stengel. Taf. 9, Fig. 10. 

Solche durch eine tiefe mittlere Längsfurche getheilte stengelförmige 
Körper sind bei Karniowice häufig. 


118 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


Erklärung der Abbildung: Fig. 10. stellt ein Gesteinsstück mit 
einem langen Stengel -Bruchstück dieser Art dar. Am oberen Ende des 
Gesteinstücks zeigen sich polygonale Figuren. Bei näherer Prüfung erkennt 
man in diesen Polygonen die Querschnitte prismatischer Körper mit unregel- 
mässig rauher Oberfläche, welche dicht neben einander liegend das Gestein 
durchziehen und deren Achse immer ein solcher stengelförmiger glatter 
Körper mit mittlerer Längsfurche ist. Die Substanz der prismatischen 
Körper besteht aus faserigem Kalkspath und hat das Ansehen als wären 
sie durch Incru Station um den gefurchten Stengel gebildet. 

8. Coniferen-Zapfen, 

Obgleich unvollständig, ist das einzige vorliegende Exemplar sicher als 
Zapfen bestimmbar. Die mittlere Achse so wie die senkrecht darauf ste- 
henden Schuppen, beide in Kalk verwandelt, sind deutlich erkennbar. Bei 
einem Durchmesser von mehr als 1 Zoll hat derselbe anscheinend mehr 
als 2 Zoll Länge gehabt. 


Altersbestimmung der in dem Vorstehenden beschriebenen 
Permischen Gesteine. 

Die Zugehörigkeit der verschiedenen bisher beschriebenen Ablagerun- 
gen zu der Permischen oder Zechstein-Gruppe ist keineswegs ganz zweifel- 
los und namentlich in Betreff einiger derselben walten bedeutende Beden- 
ken ob. Pusch rechnete das Kalk - Conglomerat und den Karniowicer 
Kalk zum Steinkohlengebirge und auch der Durchbruch der Quarz -Por- 
phyre und Melaph'yre sollte nach ihm in der Zeit des Absatzes des Kohlen- 
gebirges erfolgt sein. Später ’) setzte er das Hervorbrechen der Porphyre 
und Melaphyre in eine viel jüngere Periode, indem er beobachtet zu haben 
glaubte, dass sie auch triassische und jurassische Gesteine durchbrochen 
haben. L. Hohenegger in Teschen bestimmte anfangs das Kalk- 
Conglomerat von Filipowice und die losen Sandsteine und Sande von 
K w a c z a 1 a als Rothliegendes, den Karniowicer Kalk als Zechstein. Später 
änderte er seine Ansicht und rechnete sämmtliche Gesteine zum Bunten- 
Sandstein. Diese Altersbestimmung ist auch von C. Fallaux in den 
Erläuterungen zu der geognostischen Karte des Krakauer Gebietes bei- 
behalten worden. Ebendaselbst wird auch das Hervorbrechen der Por- 
phyre und Melaphyre in die jurassische Zeit verlegt, weil sie angeblich 
jurassische Schichten mit 'Ammonites macrocephalus durchbrechen. 

1) üeber die geognostischen Verhältnisse von Polen nach genaueren Beobachtungen und Auf- 
schlüssen in: Kar steil ’s Archiv für Berg- und Hüttenkunde Bd. XII. 1839. S. 155 — 173. 


Rothliegendes. 


119 


Ich selbst rechne sämmtliche Gesteine zu der Bildung des Rothliegen- 
den. Es leiteten dabei die folgenden Betrachtungen. Für die sedimentä- 
ren Ablagerungen ist zunächst sicher 5 dass sie jünger sind, als das pro- 
duktive Kohlengebirge und älter als der Röth oder die obere Abtheilung 
des Bunten -Sandsteins, denn in der Gegend von Mienkinia ruhen die 
Porphyr -Tuffe offenbar auf den steil aufgerichteten Schief erthonen des 
produktiven Steinkohlengebirges auf und bei Karniowice wie bei Kwa- 
czala bilden weisse mergelige Röth-Doloniite die unmittelbare Bedeckung 
der ganzen Schichtenreihe. Die Altersbestimmung kann daher nur zwischen 
Rothliegendem und Bunten - Sandstein schwanken. Es lässt sich nicht 
leugnen, dass manche Umstände für die Zugehörigkeit zu dem letzteren 
sprechen. Die unmittelbare Ueberlagerung durch Röth-Dolomite gehört 
namentlich dahin. Die Gesteinsbeschaffenheit lässt wenigstens ’ bei den 
sandigen Schichten eben so gut die Deutung als Bunter-Sandstein, wie als 
Rothliegendes zu. Namentlich die losen sandigen Schichten, wie sie in 
den Schluchten von Kwaczafa und überhaupt in dem ganzen Höhenzuge 
zwisehen Alwernia und Chelmek aufgeschlossen sind, könnten nach 
ihrem äusseren Verhalten für Bunten-Sandstein gehalten werden. Allein 
die Verbindung, in welcher die sandigen und kalkigen Ab- 
lagerungen mit den Porphyr-Tuffen und diese wieder mit den 
Porphyren und Melaphyren stehen, spricht entschieden für die 
Zugehörigkeit zu dem Rothliegenden. Die Quarz -Porphyre und 
Melaphyre gleichen in jeder Beziehung denjenigen, welche in anderen Ge- 
genden wie namentlich in Niederschlesien und in Böhmen dem Roth- 
liegenden untergeordnet sind. Wenn schon diese petrographische Ueber- 
einstimmung auf die Gleichzeitigkeit des Hervortretens schliessen lässt, 
so wird diese auch durch die Lagerungs Verhältnisse erwiesen. Die Por- 
phyre des Krakauer Gebietes sind hervorgebrochen, als das 
Steinkohlengebirge schon gehoben war, aber bevor die Ablage- 
rung der Schichten der Trias-Formation begonnen hatte. Da- 
für ist namentlich das Verhalten des Porphyrs bei Mienkinia beweisend. 
Die auf der rechten Seite der Thalschlucht liegende Partie des Porphyrs 
ruht offenbar wie eine dicke Platte ungleichförmig auf den steil aufgerich- 
teten Schieferthonen des Steinkohlengebirges auf. Die letzteren sind in 
mehreren tiefen Wasserrissen von dem Grunde der Thalschlucht bis dicht 
unter den Porphyr zu verfolgen. Auch bei der Porphyr-Partie auf der lin- 
ken Seite der Thalschlucht ist die Auflagerung auf steil aufgerichtete Koh- 
lenschiefer nachweisbar. Dicht unter dem Porphyr des am tiefsten liegen- 
den Steinbruchs waren im Jahre 1863 durch einen Wegeeinschnitt rothe 


120 


Permische oder Zechstein-Gruppe. 


Schiefer aufgeschlossen, welche man nach der Farbe für Schiefer des Roth- 
liegenden oder Bunten-Sandsteins hätte halten können, welche aber durch 
Pflanzenabdrücke und namentlich solche einer Sphenopteris-Art mit Sicher- 
heit als Kohlenschiefer bestimmt werden, die ihre rothe Färbung nur dem 
aufliegenden Porphyr verdanken. In der That stehen auch auf dem gegen- 
überliegenden steilen Ufer des Baches ganz ähnliche rothe Schiefer an, 
welche unmerklich in die schwarzen oder dunkel grauen gewöhnlichen 
Kohlenschiefer übergehen. Betrachtet man von den auf der linken Seite 
der Thalschlucht gelegenen Steinbrüchen aus, die mehrere hundert Fuss 
höher neben dem Dorfe Mienkinia selbst gelegene Porphyr-Partie, so 
sieht man, dass die deutlich erkennbare abwärts geneigte Auflagerungs- 
fläche des Porphyrs auf das Kohlengebirge in ihrer Fortsetzung nach unten 
gerade in die Auflagerungsfläche der linksseitigen Porphyr -Partie fallen 
würde. Beide Porphyr-Partien haben ursprünglich eine geneigte, 30 bis 
50 Fuss dicke Decke oder Platte auf den Kohlenschiefern gebildet, welche 
nur durch das Auswaschen der Thalschlucht in zwei Theile getrennt wurde. 
Es war daher nicht nur die Ablagerung der Schichten des Kohlengebirges 
bereits erfolgt, sondern dieselben waren auch bereits in ihre gegenwärtige 
Schichtenstellung gehoben, als das Hervorbrechen der Porphyre erfolgte. 

Auch die Porphyr - Partie von Zalas ruht augenscheinlich auf dem 
Kohlengebirge, denn das letztere tritt in der Form von grauen Schiefern 
und glimmerreichem lockeren Sande auf dem linken Thalgehänge und im 
Bachbette an der Strasse von Sanka nach Tenczynek ganz in der 
Kähe des Porphyrs zu Tage. 

Die kleine Porphyr - Partie in der Orleja- Schlucht westlich von 
Sanka ruht auf rothen Schiefer thonen, welche ganz denjenigen unterhalb 
der kleineren Porphyr-Partie von Mienkinia gleichen und unzweifelhaft 
gleich diesen Kohlenschiefer sind. 

Der Melaphyr scheint ebenfalls überall das Steinkohlengebirge zur 
Unterlage zu haben. Am deutlichsten ist diese Auflagerung des Melaphyrs 
am Tenczyner Schlossberge zu beobachten. Bei einem im Jahre 1863 
ausgeführten Versuchsbaue auf Steinkohlen, traf man an dem östlichen 
Abhange des Kegels des Schlossberges nur wenige Fuss unter dem an dem 
Abhange des Kegels sich hoch hinaufziehenden Diluvial-Sande die Schiefer 
des Steinkohlengebirges und in denselben ein 55 Zoll mächtiges Kohlen- 
flötz. Ganz nahe über diesem Versuchsbaue steht schon der Melaphyr an. 
Auch am Nordabhange der Melaphyr -Partie von Tenczynek bei dem 
Dorfe Rudno sind neuerlichst Kohlen erschürft worden. Dass auch die 
Me laphyr-Partien von Alwernia und von Regulice das Kohlengebirge 


Rothliegendes. 


121 


zur unmittelbaren Unterlage habe, ist durch direkte Beobachtung nicht 
nachzuweisen aber aus allgemeinen Gründen durchaus wahrscheinlich. 
Anderer Seits sind, wie schon oben bemerkt wurde, weder bei Mienkinia, 
noch anderswo im Krakau’schen Durchbrüche der Porphyre und Mela- 
phyre durch triassische oder jurassische Schichten beobachtet worden^), 
obgleich solche Gesteine in der Umgebung der Porphyre überall verbreitet 
sind und wenn sie bei dem Hervorbrechen der Porphyre schon vorhanden 
gewesen wären, von diesen hätten durchbrochen sein müssen. Solche 
Durchbrüche sind auch an sich sehr unwahrscheinlich, da nirgendwo in 
Deutschland und in Mittel - Europa überhaupt nordwärts von den Alpen 
Eruptiv -Gesteine von jüngerem Alter als die Porphyre und Melaphyre des 
Rothliegenden und von hölierem Alter als die Basalte, Trachyte und Phono- 
lithe der mittleren Tertiär-Zeit bekannt sind. Hiernach kann das Hervor- 
brechen der Porphyre und der enge mit ihnen verbundenen Melaphyre nur 
während der Ablagerung des Rothliegenden erfolgt sein. Das ist im Ein- 
klänge mit dem Alter aller ähnlichen Porphyre und Melaphyre. 

Ebenso wie die Eruptiv-Gesteine selbst deuten auch die augenschein- 
lich aus ihrer Zerstörung hervorgegangenen Porphyr-Tulfe auf die Zeit des 
Rothliegenden. Aehnliche Porphyr-Tuffe und Porphyr -Breccien pflegen 
auch in anderen Gegenden, wo Porphyre und Melaphyre auftreten, in der 
Umgebung dieser letzteren als Einlagerungen zwischen Conglomeraten 
und Sandsteinen des Rothliegenden vorzukommen. Nirgendwo in Deutsch- 
land sind dagegen solche Porphyr- Tuffe als Einlagerungen zwischen 
Schichten des Bunten-Sandsteins gekannt. Endlich weisen auch die aller- 
dings nur sehr sparsamen organischen Einschlüsse der ganzen Reihe von 
Gfesteinen mehr auf das Rothliegende als auf den Bunten-Sandstein hin. 
Das gilt im Besonderen von den verkieselten Hölzern der losen Sandstein- 
schichten von Kwaczafa, da sie nach Göppert zum Araucarites Schrol- 
lianus, einer im Rothliegenden Böhmens und Schlesiens verbreiteten 
Art gehören. Von den fossilen Pflanzen des Karniowicer Kalks sind 
namentlich Annularia und Sphenophyllum paläozoische in der Trias nicht 
mehr gekannte Formen, während das mit Neuropteris elegans identische 
oder doch nahe verwandte Farrenkraut allerdings mehr auf den Bunten- 
Sandstein hinweist. 


1) Die Angaben von Hohenegger, T scher mak und Fallaux von solchen Durchbrüchen 
durch triassische Gesteine beruhen nach meiner Ueberzeugung auf irrthüinlicher Beobachtung und 
wurden auch nicht durch die Nachweisung specieller Beobachtungs-Punkte unterstützt. 


16 


122 


Trias-Formation. 


11. Trias -Formation. 


Gesteine der Trias-Formation nehmen in unserem Kartengebiete einen 
ausgedehnten Flächenraum ein. Jedoch beschränken sie sich auf die 
nordöstliche Hälfte des Gebietes, während sie der südwestlichen Hälfte 
fremd sind. Ihre Hauptverbreitung haben sie im Königreiche Polen, in 
einem Gebiete, welches durch den nordöstlichen Rand des Steinkohlen- 
gebirges und den westlichen Rand des von Krakau über Olkusz und 
Czenstochau sich erstreckenden polnischen Jurazuges begrenzt wird 
und sich gegen Norden immer mehr erweitert. Andere Partien von. 
Trias - Gesteinen treten aber auch in dem Bereiche des Steinkohlen- 
gebirges selbst auf. Mit Ausnahme des kleinen Gebietes im Krakau- 
schen, wo sich die vorher beschriebenen Gesteine des Rothliegenden 
dazwischen schieben, der Umgebung von Tost, wo Culm-Grauwacke da& 
Liegende bildet, und endlich der Umgebung von Siewierz, wo devonische 
Kalke unmittelbar aus den angrenzenden Trias - Gesteinen hervortreten, 
haben die Trias -Gesteine überall das produktive Steinkohlengebirge zur 
unmittelbaren Unterlage. Die Neigung der Schichten ist allgemein eine 
ganz geringe, nur wenig von der wagerechten Lage abweichende, so das& 
nur selten die Richtung des Einfallens gegen Nordosten oder Norden deut- 
lich wahrzunehmen ist. Nur in einem nördlich von dem Rudawa-Thale 
im Krakau’schen liegenden Gebiete sind steile Schichtenstellungen nament- 
lich bei dem Muschelkalke herrschend. 

Alle drei Hauptabtheilungen, in welche die Formation regelmässig zer- 
fällt, sind auch in unserem Karten-Gebiete entwickelt. Der bunte Sand- 
stein, der Muschelkalk und der Keuper. 

1. Der bunte Sandstem. 
a. Verbreitung. 

Von den drei Gliedern der Trias -Formation hat der bunte Sandstein 
in unserem Karten-Gebiete bei Weitem die geringste Ausdehnung an der 
Oberfläche. Seine Verbreitung beschränkt sich im Ganzen auf einige 
schmale Streifen oder Zonen am Rande der Muschelkalk -Züge, zwischen 
dem Muschelkalk selbst und dem Steinkohlengebirge wie bei Chorzow 
unweit Königshütte und bei Biskupitz unweit Zabrze, oder zwischen 
dem Muschelkalke und der Culm-Grauwacke wie bei Tost und bei Zy- 
rowa unweit Leschnitz. 


Der bunte Sandstein. 


123 


b. Petrographische Zusammensetzung. 

Der bunte Sandstein bildet in Oberschlesien eine aus losen weissen 
Sanden, mürben Sandsteinen, und braunrothen Tlionen und mergeligen 
weissen Dolomiten bestehende Ablagerung von einer 200 Fuss nicht über- 
steigenden meistens sehr viel geringeren Mächtigkeit^). Im Beuthener 
Kreise haben die zahlreichen in dem Muschelkalk angesetzten und in das 
Steinkohlengebirge niedergebrachten Bohrlöcher sogar nur eine zwischen 
40 bis 80 Fuss schwankende Mächtigkeit der ganzen Bildung ergeben. 
Die Abwesenheit fester Sandsteinbänke, das Auftreten loser Sande und die 
geringe Mächtigkeit ist im Vergleich mit der typischen Entwickelung der 
Bildung im mittleren und südlichen Deutschland für den bunten Sandstein 
Oberschlesiens bezeichnend. 

c. Organische Einschlüsse. 

Die aus thonigen und sandigen Gesteinen bestehende Hauptmasse der 
ganzen Bildung hat bisher keine organischen Einschlüsse geliefert^). Nur 
die aus dünn geschichteten mergeligen weissen Dolomiten bestehende kaum 
mehr als 20 Fuss mächtige Schichtenfolge, welche die ganze Bildung nach 
oben beschliesst und welche namentlich in einem bei Lendzin und An- 
halt nördlich von Berun beginnenden und über Chelm, Libiaz, Plaza 
und Lipowiec bis Alwernia gegen Osten sich forterstreckenden Zuge 
entwickelt ist, enthält organische Einschlüsse. Gewisse Schichten dieser 
Dolomite sind sogar auf den Schichtflächen ganz erfüllt mit den Ab- 
drücken und Steinkernen von Zweischalern und Gastropoden. Das häu- 
figste und bezeichnendste Fossil ist Myo]}hona costata Eck (Donax costata 
Zenker; MyopJioria fallax C. v. Seebach). Nächstdem sind namentlich 
Natica Gaillar doti L efr, und Ammonites Buchii wichtig. Die übrigen Arten, 
wie Pecten discites, Monotis Älhertiij Gervillia costata und Corhula incras- 
sata sind wohl bekannte auch im Muschelkalk weit verbreitete Formen. 
Myojphoria costata ist in ganz Deutschland ein weit verbreitetes Leit-Fossil 
der als Röth bezeichneten obersten Abtheilung des bunten Sandsteins und 
man wird daher, da auch die übrigen Arten und die Lagerungsverhältnisse 
dazu passen, diese weissen dolomitischen Schichten unbedenklich als 
Röth ansprechen dürfen. 


1) Eine im Jahre 1853 bei Sakrau unweit Gogolin gestossenes Bohrloch steht 290 Fuss in 
Schichten des bunten Sandsteins. Erst darunter wurde Culm-Grauwacke angetroffen. 

2) Das angebliche V orkommen von solchen bei Koslowagora zwischen B e u t h e n und N e u - 
deck beruht auf einer Verwechselung. Die dortigen versteinerungsführenden Schichten gehören 
der unteren Abtheilung des produktiven Steinkohlengebirges an. 


16 ^ 


124 


Trias-Formation. 


d. Gliederung. 

Da bisher nur aus der obersten, aus dolomitischen Mergeln bestehenden 
Abtheilung organische Einschlüsse bekannt sind, so ist in paläontologischer 
Beziehung nur eine Theilung der ganzen Bildung in diese obere versteine- 
rungsführende und die untere versteinerungslose, thonig sandige Abtheilung 
begründet. Da nun aber in anderen Gegenden von Deutschland der Röth 
eine viel bedeutendere Mächtigkeit zu haben pflegt und vorzugsweise aus 
bunten Letten und Mergeln besteht, so scheint es allerdings gerechtfertigt, 
auch noch die vorzugsweise aus braunrothen Letten bestehende obere 
Schichtenfoige der versteirierungslosen sandig thonigen Abtheilung, wie 
H. Eck gethan hat, dem Röth zuzurechnen, obgleich die genauere Grenz- 
bestimmung hier mehr oder minder willkürlich sein wird. 

Die beiden Glieder des bunten Sandsteins in Oberschlesien sind hiernach: 

a. Unterer bunter Sandstein, aus braunrothen Letten, mürben 
Sandsteinen und losen Sanden in einer Mächtigkeit von etwa 150 Fuss 
bestehend. 

b. Oberer bunter Sandstein oder Röth, aus braunrothen Letten 
und weissen dolomitischen Mergeln mit MyopJioria costata Eck (M. fallax 
V.. Seebach), Natica Gaillar doti u. s. w. in einer Mächtigkeit von etwa 
50 Fuss bestehend. 

a. Unterer bunter Sandstein. 

Da organische Einschlüsse der unteren Abtheilung des bunten Sand- 
steins ganz fehlen und da die petrographische Zusammensetzung aus zähen 
braunrothen Letten und losen Sanden eine sehr einförmige ist, so giebt 
derselbe zu wenigen weiteren Bemerkungen Veranlassung. Nach Eck 
beginnt die Schichtenfolge desselben in Oberschlesien regelmässig zu 
unterst mit einem Lager von rothem Letten und erst über diesem folgt die 
Hauptmasse der Sandschichten, die durch schwache Zwischenlagen von 
braunrothem oder blutrothem Letten von einander getrennt werden. Die 
Sandsteine sind von rother, gelblicher oder weisser Färbung und meistens 
feinkörnig. Das thonige oder kalkige Bindemittel ist meistens nur sparsam 
vorhanden; zuweilen fehlt es ganz und die Ablagerung erscheint dann in 
der Form ganz mürber zerreiblicher Sandsteine. Den besten Aufschluss 
der Sandsteinschichten gewährt das rechte Oder-Ufer bei Krapp itz. Auch 
westlich von Jeschiuna bei dem Vorwerke Podolschine, ferner bei 
Zyrowa am Fahrwege nach Oleschka, an den südlichen Gehängen der 
Anhöhen von Gross-Pluschnitz, Kottlischo witz und Schierot und 
bei Neudeck treten sie zu Tage. Der untere rothe Letten ist nach 


Der bunte Sandstein. 


125 


Eck in mehreren kleinen Aufschlüssen bei den Dörfern Zyrowa und 
Jeschiuna, ferner bei der Zura-Mühle unweit Oberwitz und in einer 
östlich von* Koslowagora gelegenen Thongrube zu beobachten. 

In den an das preussische Oberschlesien angrenzenden Gebieten des 
Königreichs Polen, wie namentlich in der Gegend von Slawkow und im 
Krakau’schen, sind von der ganzen Bunten-Sandstein-Bildung fast nur die 
dolomitischen Mergel und rothen Letten entwickelt und die Gesammtheit 
aller übrigen Schichten ist so zusammengeschrumpft, dass ihre Auftragung 
auf die Karte kaum thunlich ist. ln einem anderen Theile von Polen, 
nördlich von den devonischen Höhenzügen bei Kielce oder dem so- 
genannten polnischen Mittelgebirge nämlich, ist dagegen gerade die untere 
sandige Abtheilung in der Form fester braunrother Sandsteine in bedeu- 
tender Mächtigkeit entwickelt. 

b. Eöth. 

aa. Petrographische Zusammensetzung’. 

Die obere Abtheilung des bunten Sandsteins in Oberschlesien und 
in den angrenzenden Theilen von Polen besteht aus einer gegen 30 Fuss 
mächtigen Schichtenfolge von braunrothen Thonen und dünn geschichteten 
gelblich weissen mergeligen Dolomiten. Sandige Schichten sind fast ganz 
ausgeschlossen und nur in sehr geringer Mächtigkeit hier und da den Tho- 
nen untergeordnet. Die mergeligen Dolomite bilden gewöhnlich in einer 
Mächtigkeit von 15 bis 20 Fuss den Schluss der ganzen Bildung nach oben 
und werden regelmässig von den untersten Schichten des Muschelkalks 
unmittelbar und gleichförmig überlagert. 

bb. Verbreitung*. 

Die Verbreitung betreffend, so wird wahrscheinlich überall, wo der 
bunte Sandstein vom Muschelkalk überlagert wird, auch der Röth ent- 
wickelt sein. Wenn jedoch, wie es in den westlichen Partien des bunten 
Sandsteins zum Theil der Fall zu sein scheint, die mergeligen Dolomite 
fehlen, so wird man kaum ein sicheres Anhalten haben, um den Röth von 
der unteren Abtheilung des bunten Sandsteins zu trennen. 

Am deutlichsten ist die Entwickelung der Bildung in einer Zone zu 
beobachten, welche sich von Len dz in nördlich von Berun über Chelm, 
Chelmek, Libi§z, Plaza, Lipowiec bis Kwaczala unweit Alwer- 
nia verfolgen lässt. Namentlich die Dolomite sind hier überall deutlich 
entwickelt und durch organische Einschlüsse bezeichnet. Bei Lendzin 
sind die Dolomite sowohl nördlich von dem Dorfe, als auch in dem die 


126 


Trias-Formation. 


Clemens-Kirclie tragenden Hügel aufgeschlossen. Bei Plaza ist an den 
Gehängen des Bachthaies unterhalb des Dorfes ein deutlicher Aufschluss. 
Auch bei Jaworzno hat sich die Ablagerung in einem schmalen Streifen 
unter dem Muschelkalk nachweisen lassen. Am südlichen Rande des 
grossen Muschelkalk-Zuges zwischen Tarnowitz und Krappitz an der 
Oder sind die Röth-Schichten ebenfalls entwickelt. Eck hat die einzelnen 
Aufschlusspunkte näher verzeichnet. Die Dolomit-Schichten mit Myo^horia 
costata sind am deutlichsten in einem Steinbruche bei der Bobrecker 
Mühle aufgeschlossen. Auch westlich von Chropatschow ist er gekannt. 
Bei Strzebniow unweit Gogolin wurde er mit Versuchsscliächten an- 
getrolfen. Endlich steht er auch an der Einmündung des Oberwitzer 
Wassers in die Oder zu Tage. Die thonigen Schichten des Röth kennt 
man namentlich am Wege von Zjrowa nach Oleschka, bei Strze- 
bnioWj Gross-PluschnitZj Sarnow, Kottlischo witz und Schierot. 
Ferner in ansehnlicher Verbreitung zwischen Neu deck und Deutsch- 
Piekar. Auch bei Chorzow und Chropatschow sind die Thone be- 
kannt. Im Krakauer Gebiete ist der Röth -Dolomit an den Gehängen 
der Thäler von Filipowice und Karniowice an vielen Punkten zu 
beobachten. So namentlich auf Porphyr-Tuff aufruhend am linken Thal- 
gehänge bei Filipowice. In gleicher Weise auf Porphyr-Tuff aufruhend 
ist er weiter nördlich am Eingänge in das Dorf Ploki aufgeschlossen. 
Der Röth ist ferner überall an dem West-Rande des zwischen Siewierz 
und Olkusz sich erstreckenden Muschelkalkzuges nachweisbar. So 
namentlich in der Umgebung des Dorfes Strzemieszyce und bei Zabko- 
wice in dem Eisenbahneinschnitte nördlich von dem Bahnhofe. Die thoni- 
gen und sandigen Schichten des Röth sind auch bei Siemonia und Ro- 
goznik am östlichen Rande der Muschelkalk-Muldcj deren westlicher Rand 
zwischen Deutsch-Piekar und Neudeck liegt^ deutlich entwickelt. 

cc. Organiselie Emschlttsse. 

Versteinerungen sind nur aus den dolomitischerij nicht aus den thoni- 
gen Schichten des Röth bekannt. Die Dolomite sind fast überall reich an 
organischen Einschlüssenj die freilich nur in der Form von Steinkernen 
und Abdrücken erhalten sind. Das häufigste Fossil ist überallj wie schon 
oben bemerkt wurde 5 Myophoria costata Eck. Durch das Vorkommen 
dieses auch in anderen Gegenden von Deutschland für den Röth bezeich- 
nenden Fossils wird die Altersstellung der Schichten zweifellos bestimmt. 
Die übrigen Arten sind gleichfalls solchOj welche im Röth und zum Theil 
im unteren Muschelkalk anderer Gegenden Vorkommen. 


Der bunte Sandstein. 


127 


Aufzählung der im Röth Oberschlesiens und der*angrenzenden 

Theile von Polen beobachteten organischen Einschlüsse. 

Vergl. Taf. 10. 

1 . Reste von Sauriern. Nach H. E c k b ei der 0 1 1 in u t h e r M üh 1 e. 

2. Ammonites Buchii Alberti; Taf. 10. Fig. 14, 15. (Goniatites Buchii 
W i s s m a n n ; Ceratites Buchii v. Seebach). V ergl. für die Synonymie 
F. V. Alberti: üeberblick über die Trias. Stuttgart, 1864. S. 182. 

Die Allgemeine Form der Loben ist diejenige der Ceratiten, aber es 
fehlen die Zähne der rückwärts gewendeten Biegungen. Berger will zwar 
solche beobachtet haben. Die vorliegenden Exemplare lassen nichts davon 
erkennen : 

Vorkommen: Degenhardt fand die Art bei Lendzin an einer nörd- 
lich von (iem Dorfe gelegenen Anhöhe. Ich selbst am St. Clemens-Berge 
bei Lendzin. Die Hohenegger’sche Sammlung enthält mehrere voll- 
ständige Exemplare von Plaza. Sonst ist die Art bekanntlich auch im 
Röth und im unteren Muschelkalk (Wellenkalk) Süd- und Mittel-Deutsch- 
lands an mehreren Orten nachgewiesen. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 14. Ansicht des Steinkerns eines 
vollständigen Exemplars mit erhaltener Wohnkammer von Lendzin von 
der Seite. Fig. Ib. Ansicht desselben Exemplars im Profil, gegen die Mün- 
dung gesehen. 

3 . Pleurotomaria Älhertiana Wissmann(?). 

Bei der Erhaltung des Steinkernes nicht sicher bestimmbar. 

V orkommen: Bei Lendzin (nach H. Eck). 

4. Turhonilla scalata Bronn (?). Taf. 10, Fig. 12. 

Vorkommen: Bei Lendzin. 

ErklärungderAbbildung: Ansicht des Steinkerns einer kleinen Form. 

5. Natica Gaillardoti Lefroy (?) Taf. 10, Fig. 13. 

Nicht mit Sicherheit werden kleine bei Lendzin vorkommende Stein- 
kerne zu dieser Art gestellt. 

Vorkomm en: Ausser bei Lendzin nach H. Eck auch bei Bobreck. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 13. Ansicht des Steinkerns eines 
ganz jungen Exemplars. 

6. Myacites mactroides Schloth. Taf. 10, Fig. 8. 

Vorkommen: Auf den Schichtflächen des Dolomits bei Kwaczala 

liegen Abdrücke dieser Art häufig zwischen den Abdrücken von Myojphoria 
castata. Eck führt sie von Lendzin auf. 

Erklärung der Abbildung: Ansicht von der Seite nach dem Gutta- 
percha- Abgusse eines Abdruckes von Kwaczala. 


]28 


Trias-F ormation. 


7. Myadtes sp. Taf. 10, Fig. 9. 

Grösser und breiter als die vorige Art mit weniger nach vorn aus- 
gedehnter Schale. 

Vorkommen: In der Form von Abdrücken mit der vorigen Art zu- 
sammen bei KwaczaJa. 

Erklärung der Abbildung: Ansicht der rechten Klappe der Schale 
nach einem Gutta-percha- Abgusse eines Abdrucks. 

8 . Corhula incrassata Münster. 

Vorkonimen: Nach Eck bei Piaza. 

9. Myophoria costata Eck. Taf. 10, Fig. 1, 2. (Donax costata Zenker; 

Myophoria fallax v. Seebach.) 

Früher meistens mit Myophoria Goldfussii verwechselt, wurde diese Art 
durch C. V. See b ach zuerst specifisch schärfer begrenzt und M, fallax ge- 
nannt. H. Eck hält die Identität der von Zencker aus den obersten 
Schichten des bunten Sandsteins bei Jena unter der Benennung Donax 
costata beschriebenen Muschel für zweifellos und nennt sie deshalb Myo- 
phoria costata, Professor Schmidt in Jena bestätigte mir mündlich, auf 
Grund der Kenntniss des Original -Exemplars, dass die von Zenker be- 
schriebene Muschel wirklich die durch C. v. Seebach benannte Art des 
Röth ist, 

Vorkommen: Von den Arten des Röth in Oberschlesien und in 
den angrenzenden Theilen von Polen die häufigste und bezeichnendste! 
Die Schichtflächen gewisser Schichten des Dolomit sind mit den Steinkernen 
aus Abdrücken derselben dicht bedeckt. Besonders häufig ist sie in dem 
von Lendzin unweit Berun bis gegen Alwernia im Krakau’schen sich 
erstreckenden Zuge des Röth, namentlich bei Lendzin, PJaza und 
KwaczaJa. H. Eck nennt ausserdem als Fundorte derselben Bobreck, 
Strzebniow,Kottlischowitz, die Ottmuther Mühle und den Guido- 
Schacht der Ludwigsglück-Grube bei Zabrze. Im übrigen Deutsch- 
land ist die Art ebenfalls eine Leitmuschel des Röth. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1. Ansicht eines als Steinkern 
erhaltenen Exemplars von Lendzin bei Berun. Fig. 2. Ansicht eines auf 
der Oberfläche mit zahlreichen in der Form von Abdrücken* erhaltener 
Exemplare bedeckten Gesteinsstücks von Lendzin. 

10. Myoconcha gastrochaena (?), Taf. 10, Fig. 5. (Modiola gastrochaena 
Dunker; Myoconcha gastrochaena y. Se eh 

Der einzige vorliegende Steinkern der rechten Klappe von Lendzin 
lässt keine ganz sichere Bestimmung zu, jedoch ist die den vorderen Mus- 
keleindruck begrenzende Leiste im Abdruck deutlich erkennbar. 


Muschelkalk. 


129 


Erklärung der Abbildung: Ansicht eines Steinkerns der rechten 
Klappe von Lendzin. 

11. Modiola sp. Taf. 10, Fig. 6. 

Eine durch die schmale Form der Schale und das steile Abfallen der- 
selben jenseits eines dieselbe durchziehenden Kiels ausgezeichnete Art. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 6. Ansicht der rechten Klappe 
nach einem Exemplar von Lendzin. 

1 2 . Lithodomus priscus Gr i e b e 1. 

Vorkommen: Nach Eck’s Angabe bei Plaza und Bobreck. 

13. Gervillia socialis Wissmann. Taf. 10, Fig. 4. 

Vorkommen: Selten bei Lendzin. Die Grösse ist geringer, als die- 
jenige der gewöhnlichen Exemplare des Muschelkalks. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 4. Ansicht der linken Klappe. 

1 4. Gervillia costäta Quenstedt. Taf. 1 0, Fig. 3 . 

Vorkommen: In der Form von Steinkernen bei Plaza und bei 

Lendzin. 

Erklärung der Abbildung: Ansicht eines Steinkerns der linken 
Klappe von Plaza. 

15. Gervillia sp. Taf. 10, Fig. 7. 

Die Steinkerne dieser Art haben eine schmalere Form als diejenigen 
der vorhergehenden Art. Sie sind bei Kwaczala nicht selten. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 7. Ansicht des Steinkerns der rech- 
ten Klappe von Kwaczala. 

16. Monotis Alberti Goldf. Taf. 10, Fig. 10, 11. 

Vorkommen: In jungen kleinen Exemplaren ist diese Art bei Lend- 
zin häufig. Von Plaza liegt ein grosses ausgewachsenes Exemplar vor, 
Eck führt die Art von Bob reck auf. 

Erklärung der. Abbildungen: Fig. 10. Ansicht eines kleinen Exem- 
plars von Lendzin in natürlicher Grösse. Fig. 11. Dasselbe vergrössert. 

1 7 . Pecten discites S c h 1 o t h. 

Nach Eck zwischen Plaza und Lipowiec vorkommend. 

18. Lingula tenuissima Bronn. 

Nach Eck bei Chropatscho w. 

2. Muschelkalk. 

a. Verbreitung. 

Der Muschelkalk bildet in Oberschlesien und in den benachbarten 
Theilen von Polen zunächst einen grossen über 10 Meilen langen und 1 bis 
3 Meilen breiten flachen Rücken, welcher gegen Norden und Nordosten die 

17 


130 


Trias-Formation. 


Verbreitung des Steinkohlengebirges an der Oberfläche begrenzt und von 
Krappitz an der Oder bis Olkusz in Polen sich erstreckt. Derselbe 
beginnt in ganz niedrigem Niveau im Oder-Thale bei Krappitz, erhebt 
sich dann aber auf dem rechten Ufer der Oder bald zu ansehnlicher Höhe 
und steigt in der Umgebung des Annaberges bei Leschnitz sogar über 
1200 Fuss hoch an. Weiterhin vrieder abfallend, zieht sich die Erhebung als 
breites flaches Plateau über Gross-Strehlitz bis Langendorf nordöst- 
lich von Tost zusammenhängend fort. Oestlich von dem letzteren Punkte 
folgt eine mehr als 1 Meile breite Unterbrechung des Zuges, indem die 
Schichten des Muschelkalks durch mächtige Ablagerungen des Diluviums 
bedeckt werden. Erst westlich von Tarnowitz hebt sich der Höhenzug 
wieder hervor. In der Gegend östlich von Georgenberg ändert er seine 
bis dahin west-östliche Richtung in eine gegen Süd- Ost gerichtete um und 
erstreckt sich mit dieser über Siewierz und Slawkow bis Olkusz fort. 
In diesem ganzen ausgedehnten Zuge haben die Schichten des Muschel- 
kalks, abgesehen von einzelnen ganz lokalen Störungen, ein kaum merk- 
bares flaches Einfallen gegen Norden oder Nord-Osten. 

Von diesem bisher betrachteten Hauptzuge zweigt sich nun in der 
Gegend von Tarnowitz ein breiter und langgestreckter Ausläufer ab, 
welcher mit südöstlicher Richtung keilförmig in das Gebiet des Steinkohlen- 
gebirges hineingreift. Derselbe erstreckt sich von Tarnowitz über 
Beuthen, Czeladz und Bendzin bis nach Klimontöw im Königreiche 
Polen nordöstlich von Myslowitz. Im Gegensätze zu der einfachen 
Neigung der Schichten des Hauptzuges gegen Norden zeigt dieser Aus- 
läufer eine muldenförmige Lagerung, so dass die jüngsten Schichten die 
mittlere Achse des Ausläufers bilden, während die älteren auf beiden Sei- 
ten hervortreten '). Geht man über Klimontöw hinaus in südöstlicher 
Richtung weiter fort, so trilft man nach kurzer Unterbrechung durch eine 
Lücke, in welcher das Steinkohlengebirge überhaupt nicht von jüngeren 
Ablagerungen bedeckt wird, in der Nähe von Dlugoszjn bei Sczakowa 
wieder Muschelkalk an, welcher sich bald zu einer ähnlichen, aber gegen 
Süd-Ost geöffneten Mulde wie diejenige von Beuthen und Bendzin, mit 
der sie ursprünglich augenscheinlich in Verbindung gestanden hat, erwei- 
tert. Die Flügel dieser Mulde verbreiten sich über Chrzano w und Trze- 
binia hinaus auf beiden Seiten des Rudawa-Thales bis in die Gegend 


1) Durch einen sehr flachen Sattel, der sich in der Richtung des V'orwerkes St rosseck den 
Silberberg entlang gegen Broslawitz hinzieht, wird übrigens auch der Muschelkalk der Gegend 
von Tarnowitz und Beuthen in zwei seichte Mulden getheilt, welche man als die Tarnowitzer 
Mulde und die Beuthen-Czeladzer Mulde bezeichnen könnte. 


Muschelkalk. 


131 


von Krzeszowice und Alwernia. Durch einen Sattel zwischen By- 
czyna und Chrzanow wird diese Mulde des Rudawa-Thäles in zwei 
Nebenmulden getheilt. In auffallendem Contrast gegen die flache Lage- 
rung des Muschelkalks in den übrigen bisher betrachteten Gebieten sind 
die Schichten dieser Mulde auf der Nordseite des Rudawa-Thales steil 
aufgerichtet Diese Aufrichtung der Muschelkalk -Schichten ist erst nach 
der Ablagerung der Schichten des weissen Jura erfolgt, denn diese letzte- 
ren sind in der betreffenden Gegend, wie namentlich bei Mloszo wa, süd- 
östlich vonTrzebinia, in gleicher Weise aufgerichtet Durch denselben 
Hebungsakt, welcher diese steile Schichtenstellung bewirkte, wurden auch 
die nördlich und nordöstlich von Krzeszowice verbreiteten älteren 
Schichten in ein höheres Niveau gehoben und so hier die Unterbrechung 
des südlich von Krakau entspringenden Jura-Zuges bewirkt. 

Ausser diesen bisher aufgeführten zusammenhängenden grösseren 
Muschelkalk-Gebieten sind endlich in dem Bereiche der Karte auch noch 
verschiedene kleine Partien zerstreut. Dahin gehören zunächst einige 
solche Partien in der Nähe von Berun und Chelni. Demnächst mehrere 
an den nördlichen Abfall des Kohlengebirgsrückens von Nikolai angela- 
gerte Partien, von denen die grösste diejenige bei Mo kr au ist Ferner 
ein Paar kleine Partien bei Petersdorf und bei Laband nördlich von 
Gleiwitz. Endlich mehrere kleine Partien im Königreiche Polen. Zu- 
nächst eine den früher beschriebenen Hügelrücken von devonischem Kalk 
nördlich von Siewierz umgebende Partie, die namentlich zwischen Brud- 
ziewice und Nowa- Wioska an der Oberfläche entwickelt ist Dem- 
nächst zwei ganz kleine aus dem Keuper-Mergel bei Mrzygfod hervor- 
tretende Partien. Endlich ein ganz vereinzelt bei der 1 Meile nordöstlich 
vor Olkusz gelegenen Ortschaft Gliny zwischen den jurassischen Gestei- 
nen hervortretender Punkt. Bei der Uebereinstimmung der inneren Zu- 
sammensetzung dieser kleinen Partien mit derjenigen der grösseren Muschel- 
kalk-Gebiete kann es nicht zweifelhaft sein, dass sie ursprünglich mit 
diesen zusammengehangen haben und nur in Folge ausgedehnter Denuda- 
tionen, welche die verbindenden Theile zerstörten und fortführten, isolirt 
wurden. 

b, Gliederung. 

Seit langer Zeit hat der Bergmann auf der Friedrichs-Grube bei 
Tarnowitz in dem dortigen Muschelkalke ein Sohlengestein, welches 
die Unterlage der bleierzführenden Schichtenfolge bildet und ein Dach- 
gestein, welches die letztere gleichförmig überlagert, unterschieden, und 


132 


Trias-Formation. 


man hat geglaubt, dass diese Unterscheidung auf den oberschlesischen 
Muschelkalk überhaupt anwendbar sei, der hiernach in drei Glieder zer- 
fallen würde, den Sohlenstein, den erzführenden Dolomit und den 
Dach kalk st ein. Allein sobald man diese lediglich auf petrographi- 
schen Merkmalen beruhende, vermeintlich allgemein gültige Gliederung auf 
andere Gebiete als die unmittelbare Umgebung von Tarnowitz und Beu- 
then übertragen wollte, so gerieth man in Schwierigkeiten oder verfiel in 
entschiedene Irrthümer. Eine durchgreifende Gliederung war nur auf eine 
gleichzeitig die paläontologischen und petrographischen Merkmale, so wie 
das stratographische Verhalten berücksichtigende Untersuchung zu grün- 
den. Eine solche hat Herr Dr. H. Eck zugleich mit der Aufnahme des 
Muschelkalk-Gebietes zwischen Krappitz und Tost für die geologische 
Karte von Oberschlesien ausgeführt und in einer werthvollen besonderen 
Schrift veröffentlicht^). Wichtige Vorarbeiten für diese Schrift waren in 
den durch H. v. Mejer^) und W. Dunker^) schon früher gelieferten Be- 
schreibungen der organischen Einschlüsse des oberschlesischen Muschel- 
kalks, für welche die Sammlung des Ober-Hütten-Inspektors Mentzel das 
Material geliefert hatte, enthalten. 

Eck erkennt in dem Muschelkalke Oberschlesiens zunächst die drei 
Hauptabtheilungen, welche in anderen Gegenden von Deutschland für die 
ganze Bildung angenommen worden sind, nämlich unteren, mittleren 
und oberen Muschelkalk. Diese drei Glieder sind freilich in Oberschle- 
sien in sehr ungleicher Mächtigkeit entwickelt, denn während der unteren 
Abtheilung die grosse über 500 Fuss mächtige Hauptmasse des Muschel- 
kalks in Oberschlesien angehört, so ist der mittlere Muschelkalk auf eine 
gewöhnlich nur 40 bis 50 Fuss mächtige Schichtenfölge von einförmiger 
petrographischer Zusammensetzung beschränkt und der obere Muschel- 
kalk hat in der Gegend von Tarnowitz und Beuthen sogar nur eine 
Mächtigkeit von 12 bis 15 Fuss, während sie weiter westlich allerdings 
bis etwa 40 Fuss ansteigt. 

Der untere Muschelkalk zerfällt nun nach Eck wieder in mehrere 
Unter- Abtheilungen. Zunächst lässt er zwei Haupt- Abtheilungen unter- 
scheiden, nämlich eine dem unteren Wellenkalke Norddeutschlands ent- 


1) üeber die Formationen des bunten Sandsteins und des Muschelkalks in Oberschlesien und 
ihre Versteinerungen. Berlin 1865. 

2) Fische, Crustaceen, Echinodermen und andere Versteinerungen aus dem Muschelkalk Ober- 
schlesiens. H. V. Meyer und Dunk er Palaeontogr. Bd. I. p. 216 ff. 

3) Ueber die im Muschelkalke Oberschlesiens bis jetzt gefundenen Mollusken. Ebendaselbst 
p. 206 ff. 


Muschelkalk. 


133 


sprechende, welche ausschliesslich aus kalkigen Schichten besteht und 
welche, abgesehen von dem Encrinus gmcilis, keine alpinen Formen 
fossiler Organismen einschliesst, und eine dem Schaumkalke von Rü- 
dersdorf im Alter gleichstehende, theils aus kalkigen, theils aus dolomiti- 
schen Schichten zusammengesetzte, welche neben den bezeichnenden Fos- 
silien des Schaumkalks eine Anzahl alpiner Arten enthält. Jede dieser 
beiden Hauptabtheilungen des unteren Muschelkalks zerfällt dann wieder 
in mehrere Unter- Abtheilungen. Der mittlere und der obere Muschel- 
kalk dagegen lassen eine weitere Gliederung nicht zu. 

In dem Nachstehenden wird eine kurze Beschreibung der verschiede- 
nen Glieder des oberschlesisch-polnischen Muschelkalk’s gegeben werden. 
Dieselbe wird im Wesentlichen nur ein Auszug aus der durch Eck gegebe- 
nen Darstellung sein. Nur für die Muschelkalk-Gebiete im Königreiche 
Polen und im Krakau’ sehen Gebiete, auf welche sich die Untersuchun- 
gen Eck’s nicht erstreckten, werden erhebliche Ergänzungen hinzukom- 
men, welche vorzugsweise durch die Beobachtungen 0. Degenhardt’s 
bei der Aufnahme der betreffenden Muschelkalk - Gebiete gewonnen 
wurden. 

Beschreibung der einzelnen Glieder des Muschelkalks. 

I. Unterer Muschelkalk. 

A. Aequivalente des unteren Wellenkalks, 
a. Cavernöser Kalk. 

Mit dieser Benennung bezeichnet Eck eine gewöhnlich nur wenige Fuss 
mächtige Schichtenfolge, von braunem, grauen oder röthlichen krystalli- 
nisch späthigen, mit grösseren und kleineren Höhlungen erfülltem Kalkstein, 
welche unmittelbar und gleichförmig auf den Schichten des oberen bunten 
Sandsteins oder Röth aufruht. Obgleich Versteinerungen dieser Abthei- 
lung fast ganz fehlen, so ist sie doch an dem eigenthümlichen petrographi- 
schen Verhalten und an der unmittelbaren Auflagerung auf die Röth-Schich- 
ten stets leicht zu erkennen. Die Verbreitung der Schichtenfolge scheint 
eine ganz allgemeine zu sein. Besonders kennt man sie in der Umgebung 
von Beuthen. Sie ist hier durch die früheren Autoren meistens dem 
Dachgestein zugezählt. Man hat sie namentlich bei der Goi- Mühle 
südlich von Beuthen, bei Sakrau und Strzebniow beobachtet. Be- 
sonders deutlich ist sie in der Umgebung des Anna-Berges entwickelt; 
so namentlich in der Thalsohle von Poremba von der Leschnitzer 
Quelle an weiter hinauf. Auch im Königreiche Polen und im Krakau- 
schen ist die Schichtenfolge an vielen Punkten nachgewiesen. Ganz all- 


134 


Trias-Formation. 


gemein darf man annehmen, dass da, wo Röth und die Kalkschichten von 
Chorzow entwickelt sind, auch der cavernöse Kalk nicht fehlt. Schon 
Pusch, der ihn als „zelliges Dachgestein“ beschreibt, hat ihn an vielen 
Punkten gekannt, so namentlich bei Strzysowice, Göra, Siemonia, 
Sonczöw, Alwernia, Czerna u. s. w. 

b. Scbicbten von Chorzow. 

Unter dieser Benennung wird durch Eck eine gegen 280 Fuss mäch- 
tige Schichtenfolge von meistens festen dichten grauen Kalksteinbänken 
mit zahlreichen organischen Einschlüssen begrilfen, welche namentlich bei 
Chorzow unweit Königshütte durch Steinbrüche deutlich aufgeschlos- 
sen ist. 

Dünn geschichtete Lagen von Mergelkalk mit wulstigen Anschwellun- 
gen auf den Schichtflächen wechseln mit Bänken von dichtem oder krystal- 
linischem röthlichen oder grauen Kalk in der Schichtenfolge ab. Der 
Kalkstein der festen Bänke ist im Innern oft blau gefärbt und die einzelnen 
Bänke sind durch eine dünne Lettenlage geschieden. Selten kommen Ein- 
lagerungen von Hornstein vor. Klüfte und Drusenräume sind häutig mit 
Kalkspath-Krystallen ausgekleidet, ln gewissen oolithischen und schaum- 
kalkartig porösen Schichten sind Stylolithen eine häufige Erscheinung. 

Die Verbreitung der Schichten von Chorzow ist eine ganz allgemeine, 
durch das ganze Muschelkalk-Gebiet reichende. Als typische Aufschluss- 
punkte sind zunächst die Steinbrüche von Chorzow, Michalkowitz und 
Lagiewnik aufzuführen. Die Schichten zeigen hier allgemein ein flaches 
Einfallen gegen Norden und steilere Neigungen bis zu 45®, wie sie bei 
Chorzow Vorkommen, sind nur als ganz lokale Ausnahmen anzusehen. 
In der gleichen Höhe der Schichtenfolge liegen die Steinbrüche bei B o b r e ck 
und diejenigen zwischen Biskupitz und Miechowitz, so wie diejenigen 
von Peters dorf. In den ersteren werden die Muschelkalk- Schichten 
durch kalkige und thonige Tertiär -Schichten überlagert. Auch in zahl- 
reichen Steinbrüchen bei Piekar sind die Schichten deutlich aufgeschlos- 
sen. Hier fallen sie gegen Südwesten ein. Nicht minder deutliche Auf- 
schlüsse gewähren Steinbrüche zwischen Naklo und Tarnowitz. Weiter 
nördlich treten sie dann wieder in der Umgebung von Georgenberg 
aus dem bedeckenden Diluvium hervor. An vielen Punkten sind sie fer- 
ner in dem grossen Muschelkalk-Plateau, welches sich von Schierot nord- 
östlich von Tost bis Krappitz an der Oder erstreckt, aufgeschlossen; so 
namentlich bei Langende rf und Ra dun nordöstlich von Tost, bei 
Blottnitz und Warmuntowitz nordwestlich von Tost, ferner bei 


Muschelkalk. 


135 


Mokrolona, Sucholona, Rosniontau, Kallinowa, Olschowa, 
Dollna u. s. w. Besonders zahlreiche Aufschlüsse derselben Kalkschich- 
ten bieten die Umgebungen von Gogolin und von Krappitz. Der Kalk- 
stein wird hier in sehr umfangreicher Weise zum Kalkbrennen und als 
Baustein gewonnen. Auch in Polen sind die Schichten von Chorzow 
überall verbreitet. Sie setzen hier namentlich das Kosfowagora und 
Neu deck gegenüberliegende Plateau zusammen, welches von Nie z dar a 
über Myszkowice, Zawada, Mierzecice bis Przeczyce, Brzen- 
kowice, Göra, Siewierska und Siemonia sich erstreckt. In einer 
kleinen isolirten Partie sind dieselben Schichten ausserdem bei Zelisla- 
wice nördlich von Siewierz in der Nähe des devonischen Kalkrückens 
entwickelt. 

Die Schichten von Chorzow sind überall, wo sie auftreten, reich an 
organischen Einschlüssen. Die Mehrzahl der überhaupt aus dem ober- 
schlesisch-polnischen Muschelkalke bekannt gewordenen Arten gehört die- 
sen Schichten an. H. Eck hat eine kritische Aufzählung der Arten mit 
näherer Angabe der Fundorte geliefert^). Er führt folgende Arten auf: 
Bhizocorallium Jenense Zenk, Encrinus gracilis L. v. Buch, Entrochus conf. 
Encrinus liliiformis Lam., Entrochus duhius Beyr., Aspidura scutellata 
Blumenb., Aspidura similis Eck, Acroura sp,, Radiolus suhnodosus ( Cida- 
ris suhnodosa H. v. Meyer), Lingula tenuissima, Discina discoides, Retzia 
trigonella, Terebratula vulgaris, Ostrea ostracina, Ostrea complicata, Ostrea 
difformis, Ostrea spondyloides , Pecten discites, Pecten laevigatus, Hinnites 
comtus, Lima Beyrichi Eck, Lima striata, Monotis Alhertii, Gervillia socialis, 
Gervillia costata, Gervillia subglobosa, Gervillia mytiloides, Mytilus vetustus, 
Lithodomus priscus, Lithodomus conf. L. rhomboidalis v. Seebach, Cucullaea 
Beyrichii v. Strombeck, Nucula Goldfussii, Myophoria vulgaris, M, elegans, 
M. laevigata, M. cardissoides, Cypricardia Escheri G \ eh e\ , Myoconcha gastro- 
chaena, Myoconcha sp, ind., Myacites musculoides, Myacites grandis, Myacites 
mactroides, Tellinites anceps, Chemnitzia scalata, Ch. lownematoides Giebel, 
Ch. obsoleta, Ch. dubia, Ch. parvula, Ch. Strombecki, Ch. sp. ind., Ch. sp. conf. 
Turritella similis, Natica Gaillar doti, Natica oolithica, Litorina, Göpperti, Turbo 
gregarius, Pleurotomaria Albertiana, Dentalium torquatum, Nautilus bidorsa- 
tus, Ceratites Strombecki, Conchorhynchus avirostris, Serpula valvata, Ceratodus 
serratus, Acrodus lateralis, A. immarginatus , A. substriatus, Strophodus an- 
gustissimus, Hybodus plicatilis, Hybodus major, H. tenuis, Colobodus Chorzo- 
wensis, Colobodus varius, Hemilopas Mentzeli, Saurichthys apicalis, Saurichthys? 


1) a. a. 0. S. 48 ff. 


136 


Trias-Formation. 


sp. n., Charitodon procerus, Pleurolepsis Silesiacus, Gyrolepis tenuistriatus, 
G. Älbertii, G, maximus^ Cladyodon conf. CI. crenatus Plien., Placodus sp., 
Pistosaurus sp., Lamprosaurus Göpperti, Notliosaurus sp. 

B. Die Aequivalente des Schau nikalks. 

Die hierher gerechneten Schichten sind von sehr verschiedenem petro- 
graphischen Verhalten und ’werden lediglich aus palaeontologischen Grün- 
den von Eck zu einer Haupt- Abtheilung vereinigt. Der ihnen gemeinsame 
palaeontologische Charakter besteht einer Seits in dem Vorkommen von 
gewissen vorzugsweise alpinen Arten, wie namentlich Terebratula angusta, 
Spirifer Mentzeli und Rhynchonella decurtata, und anderer Seits in dem 
gleichzeitigen Auftreten von bezeichnenden Arten des Schaumkalks, wie er 
im nördlichen Deutschland und namentlich bei Rüdersdorf entwickelt 
ist. Nach der Benennung der älteren Autoren sind es die obersten, das 
unmittelbare Liegende der Dolomit-Mulden bildenden Schichten des Sohlen- 
kalks in der Gegend von Tarnowitz und Beuthen, der sogenannte 
blaue Sohlenstein, ferner der Dolomit derselben Gegend mit Aus- 
schluss der obersten Schichten, des Dolomit-Mergels, und endlich gewisse 
früher dem Opatowitzer Kalkstein zugerechnete Schichten, namentlich 
die Kalke von Mikultschütz, diejenigen des Böhm’schen Steinbruches 
bei Tarnowitz und der Steinbrüche östlich von Lubie und bei dem Vor- 
werke Josephsberg nördlich von Nierada. Die Mächtigkeit der gan- 
zen Abtheilung wird durch Eck auf 240 Fuss geschätzt. Nach petrogra- 
phischen und palaeontologischen Merkmalen werden nun in dieser Haupt- 
Abtheilung mehrere Unter -Abtheilungen oder Stockw^erke unterschieden, 
nämlich : 

a. Blauer Sohlenstein, 

d. i. Schichten von grauem oder gelblichen zum Theil knollig abgesonder- 
ten Kalkstein, von grauem oder röthlichen krystallinischen Kalk und von 
weissem oder röthlichem porösen Kalk. Auf der Friedrichs-Bleierz- 
grube bei Tarnowitz sind diese Schichten blaugrau gefärbt und haben 
dadurch zu der Benennung Veranlassung gegeben. 

Die Mächtigkeit der Schichtenfolge beträgt kaum mehr als 15 Fuss. 
Die Verbreitung betreffend, so sind sie ausser dem Vorkommen auf der 
Friedrichs - Grub e bei Tarnowitz namentlich auch bei Ptakowitz 
auf Paul-Richard-Grube, bei der Buchatz-Mühle östlich vonDom- 
browa, auf der Scharlei-, Theresia-, Elisabeth- und Vorsehung- 
Grube gekannt. Auch an den Gehängen des von Gurnicki nach Bros- 
lawitz herabziehenden Thaies, 1 Meile südwestlich von Tarnowitz, 


Muschelkalk, 


137 


ferner bei Broslawitz und Eierada in dem Thale des Drama-Flusses 
sind sie aufgeschlossen. Auch in dem grossen zwischen Tost und Krap- 
pitz ausgedehnten westlichen Muschelkalk - Gebiete sind sie durch Eck 
an vielen Punkten erkannt worden, so namentlich auf dem Ruinen-Hügel 
bei Rosniontau, bei Posnowitz, Schedlitz, Malnie und im Oder- 
Thale nördlich von Rogau. 

Der palaeontologische Charakter der Schichten erhält durch das 
erste Auftreten alpiner Trias-Formen seine Eigenthümlichkeit. Terehratula 
angusia, Spirifer Mentzeli, Cidaris transversa und Cidaris Waechteri sind diese 
Formen. Terehratula angusta findet sich in Gesellschaft von Betzia trigo- 
nella und Terehratula vulgaris an mehreren Punkten in grosser Häufigkeit; 
so namentlich auf Vorsehung-Grube und bei Ptakowitz. Wegen des 
häufigen Vorkommens der Terehratula angusta hatte Eck diese Schichten 
anfangs als „Angusta-Kalk“ bezeichnet, zog aber diese Benennung zurück, 
als sich diese Art auch in den zunächst jüngeren Schichten, wenn auch in 
geringerer Häufigkeit, fand. 

b. Scbicbten von Ctorasdze. 

Nach dem Vorkommen bei Gorasdze, einem an der Eisenbahn zwi- 
schen Oppeln und Gogolin gelegenen Dorfe, durch Eck benannt, bilden 
dieselben eine gegen 80 Fuss mächtige Schichtenfolge von ^[2 Fuss bis 
8 Fuss dicken Bänken eines nach Art des Schaumkalks porösen weissen 
oder röthlichen Kalksteins,* welche mit Bänken von dichtem grauen Kalk- 
stein wechseln. Stylolithen sind in den Kalksteinen dieser Schichtenfolge 
eine häufige Erscheinung. Dagegen kommen Einschlüsse von Hornstein 
nur selten vor. 

Die Verbreitung dieser Schichten ist vorzugsweise in dem westlichen 
Abschnitte des Haupt- Muschelkalk-Zuges eine bedeutende. Sie setzen die 
obere Fläche des vom Annaberge gegen Nordwesten sich erstreckenden 
Höhenzuges zusammen und geben, indem sie an dem westlichen Abfalle 
dieses Höhenzuges plötzlich abschneiden, zu der Bildung nackter Kalkstein- 
klippen Veranlassung, einer Erscheinung, die sich in der ganzen Ausdeh- 
nung des oberschlesischen Muschelkalk’s nicht wiederholt. In dem Kuh- 
thale, welches sich westlich vom Annabejrge tief einschneidend hinab- 
zieht, sind die Kalksteinbänke dieser Schichtenfolge mit flachem östlichen 
Einfallen in mehreren Steinbrüchen -deutlich aufgeschlossen. Ebenso mit 
nordöstlichem Einfallen bei Nieder-Ellguth. Am Annaberge selbst 
lagern sich dieser Schichtenfolge auch die Kalksteine der weiterhin zu 
beschreibenden jüngeren Abtheilungen noch auf und beweisen in ihrer 

18 


138 


Trias-Formation. 


gleichförmigen, ungestörten Lagerung, wie Eck mit Recht ausdrücklich her- 
vorhebt, dass das Vorkommen des Muschelkalks am Annab er ge in einer 
gegen 1120 Fuss betragenden Meereshöhe keinesweges, wie frühere Be- 
obachter irrthümlich annahmen, die Folge eines durch das Hervortreten des 
Basaltes am Anna berge bewirkten Emportreibens des Muschelkalks sei, 
sondern vielmehr darin seine natürliche Erklärung finde, dass sich hier am 
Annab erge jüngere Schichten des Muschelkalks in einem beschränkten 
Plateau inselartig erhalten haben, welche ringsumher durch spätere Denu- 
dationen zerstört und fortgeführt sind, während ursprünglich unzweifelhaft 
ein Zusammenhang mit denselben weiter östlich entwickelten Schichten 
bestand. Auch am Sakrauer Berge zwischen Nieder-Ellguth und 
Kl ein -St ein ist diese Schichtenfolge den Schichten von Chorzow in ganz 
ähnlicher Weise aufgelagert und tritt am südlichen Abhange in einer kah- 
len Wand zu Tage. Vortreffliche Aufschlüsse der Schichtenfolge gewäh- 
ren die Steinbrüche zwischen Malnie und Chorulla und diejenigen bei 
dem an der Oberschlesischen Eisenbahn gelegenen Dorfe Gorasdze. 
Von hier aus lassen sich dieselben Schichten gegen Osten über Klein- 
Stein, Siedlitz, Posnowitz, Schimischow, Adamowitz bei 
Gross - Strehlitz, Dziewkowitz und Centawa verfolgen und treten 
dann nach längerer Unterbrechung durch aufgelagerte Diluvial- Massen 
noch einmal nördlich von Tost bei dem Vorwerke Kaplatki unweit 
Ra dun hervor. In der Tarnowitz-Beuthener Muschelkalk-Partie sind 
sie mit denselben petrographischen Merkmalen nur in den Steinbrüchen 
bei Bonjowitz, Kamienietz, südlich von Kemptzowitz und nördlich 
von Broslawitz zu beobachten. Ostwärts einer von Biskupitz über 
Ptakowitz nach Sowitz gezogenen Linie sucht man sie vergebens. Sie 
sind hier in der Gegend von Tarnowitz und Beuthen durch dolomi- 
tische, in petrographischer Beziehung durchaus abweichende Schichten 
vertreten. Eck gelangte durch sorgfältige Vergleichung der Lagerungs- 
verhältnisse und der organischen Einschlüsse zu der Ueberzeugung, dass 
die untersten Dolomit - Schichten der Gegend von Tarnowitz und Beu- 
then als ein Aequivalent der Schichten von Gorasdze anzusehen sind. 
Auch der graue und braune Sohlenstein, welche auf der Friedrichs- 
Grube in einer bis 10 Fuss betragenden Mächtigkeit zwischen der blauen 
Sohlenkalk- und der Erzlage entwickelt sind, so wie der sogenannte Vitriol- 
letten zwischen Sohlenkalk und Dolomit oder zwischen den untersten 
Dolo mit- Bänken, und endlich die Dolomit-Schichten, welche sich auf der 
Bleischarlei- und Samuelsglück-Grube durch zahlreiche mit Kalk- 
spath und G^^ps ausgefüllte Drüsenräume auszeichnen, sind nach Eck in 


Muschelkalk. 


139 


dasselbe Niveau zu stellen. Ein Theil der letzteren Scliichten entspricht 
freilich vielleicht zugleich auch den Dolomiten der beiden folgenden Ab- 
theilungen. Die petrographische Beschaffenheit dieser untersten Dolomit- 
Schichten betreffend, so ist der Dolomit vorherrschend von feinkörnig 
krystallinischer Struktur und von brauner, seltener von blaugrauer Farbe. 
Er ist gewöhnlich in starke, bis 6 Fuss dicke Bänke abgesondert und zugleich 
durch sehr zahlreiche Klüfte getheilt. Organische Einschlüsse fehlen 
dem Dolomit, wie irrthümlicher Weise häufig angenommen wurde, durch- 
aus nicht, son dem sind vielmehr eben so häufig, als in den kalkigen 
Schichten, welche der Dolomit vertritt. Nur den zunächst über der Bleierz- 
Lage liegenden Bänken des Dolomit sind Versteinerungen fremd. 

c. Die Bneriniten und Terebratel - SeMcliten. 

Unter dieser Benennung wird eine gegen 15 Fuss mächtige Schichten- 
folge von dichtem grauen Kalkstein zusammengefasst, dessen Bänke theils 
knollig abgesondert sind, theils durch die Zusammenhäufung von Säulen- 
gliedern des Encrinus liliiformis krystallinisch körnig erscheinen, theils 
endlich durch die ausserordentliche Häufigkeit von Terehratula vulgaris 
sich auszeichnen. Die Beständigkeit der petrographischen Merkmale und 
das massenhafte Vorkommen der genannten Versteinerungen machen diese 
Schichtenfolge zu dem am leichtesten wieder zu erkennenden, und für die 
Orientirung in der ganzen Bildung am besten zu benutzenden Horizonte. 
In den Steinbrüchen im Kuhthale am Annab erg e ist diese Schichten- 
folge in unmittelbarer Auflagerung auf die Schichten der vorhergehenden 
Abtheilung zu beobachten. Als weitere Aufschlusspunkte nennt Eck die 
Windmühle westlich von Ober-Wyssoka, mehrere kleine Schächte 
(sogenannte Duckein) im Walde westlich von Gross-Stein, den letzteren 
Ort selbst, das Vorwerk Kamienietz nördlich von Siedlitz und die 
höchsten Erhebungen des von Colonie Slawa nach Schimischow hin- 
ziehenden Höhenzuges. Nordwestlich von Schimis cho w liegen zahlreiche 
Bruchstücke des Gesteins auf den Feldern umher. An der Landstrasse 
zwischen Gross “Strehlitz und Stephanshain, ferner zwischen Dz iew- 
kowitz und Himmelwitz und nördlich von dem Vorwerke Frisch- 
feuer unweit Centawa sind die Schichten durch kleine Steinbrüche auf- 
geschlossen. In der Tarnowitzer Muschelkalk-Partie treten sie nur an 
den Gehängen des Drama- Thal es östlich von Peiskretscham unmittel- 
bar zu Tage. In den Steinbrüchen bei Bonjowitz und Kamienietz, 
bei Lubek und in den Umgebungen des Vorwerkes Josephsberg unweit 
Ni er a da werden sie in unmittelbarer Auflagerung auf die vorhergehen- 


140 


Trias-Formation. 


den Schichten beobachtet. Weiter östlich, wo man die Schichtenfolge in 
ihrer typischen Erscheinungsweise nicht mehr kennt, muss ihr ebenfalls ein 
Theil des Dolomits entsprechen. 

d. Die ScMchten von Miknltscliütz. 

Nach dem typischen Vorkommen in den Steinbrüchen bei dem nörd- 
lich von Zabrze gelegenen Dorfe Mikultschütz wird unter dieser Be- 
nennung eine 70 bis 90 Fuss mächtige Schichtenfolge von gelblichen oder 
röthlichen, theils dichten, theils Schaumkalk-artig porösen Kalksteinen mit 
häufigen Knollen und Lagen von Hornstein zusammengefasst, welche in 
palaeontologischer Beziehung durch die besondere Häufigkeit alpiner Trias- 
Formen, wie Spirifer Mentzeli, RhyncJionella decurtata u. s. w. ausgezeichnet 
sind. Während die vorhergehenden Gilieder aus einem Wechsel von ungleich- 
artigen Schichtengruppen von Kalkstein bestehen, so ist nach Eck diese 
Abtheilung gerade durch die Gleichartigkeit des petrographischen Verhal- 
tens in ihrer ganzen Mächtigkeit ausgezeichnet. Ausser bei Mikultschütz 
selbst sind die hierher gehörenden Schichten namentlich in den Steinbrüchen 
nordwestlich von Tarnowitz aufgeschlossen^). Das häutige Vorkommen 
von Terehratula vulgaris in den untersten Lagen deutet hier auf die enge 
Verbindung mit der zunächst vorhergehenden Schichtenfolge hin. Auch 
graue und bräunliche dichte dolomitische Kalke, wie sie bei Lab and auf- 
geschlossen sind, ferner gewisse östlich wie westlich von Colonie Glinitz 
bei Broslawitz, ferner zwischen dem Vorwerke Josephsberg und Colo- 
nie Georgenberg und bei Lubek aufgeschlossene Kalksteinschichten 
gehören nach ihren Versteinerungen gleichfalls hierher. Oestlich einer von 
Biskupitz über Ptako witz nach Sowitz gezogenen Linie sind die Kalk- 
steine auch dieser Schichtenfolge, wie diejenigen der vorhergehenden Ab- 
theilungen durch Dolomite vertreten. Zahlreiche in dem Hoffnungs- 
Schachte der Bleischarlei-Grube aufgefundene Versteinerungen der 
Mikultschützer F'auna führten Eck zuerst zu dieser Ueberzeugung. 
Nachher wurden eben solche Versteinerungen von ihm auch auf der be- 
nachbarten östlich von Beuthen gelegenen Samuelsglück- Grube be- 
obachtet. Die früher von der jetzt versiegten Hyacinth - Quelle bei 
Beuthen ausgeworfenen Säulenglieder von Encriniten und Stacheln und 
Täfelchen von Cidaris transversa stammen ebenfalls aus Schichten dieser 
Abtheilung. Sämmtliche bezeichnende Versteinerungen des Mikultschützer 
Kalks wurden endlich durch Eck auch in den Dolomiten von Wilhelmine- 


1) Bö hm ’s Steinbriich ist unter diesen vorzugsweise als Fundort von Versteinerungen bekannt. 


Muschelkalk. 


141 


und Rudolph-Grube, ferner am Waldrande nördlich von Miechowitz, 
am südlichen Abhange am Jägerhause im Segeth- Walde südlich von 
Tarnowitz und in einem Versuchsschachte am östlichen Ende des Dorfes 
Rep teil aufgefunden, ln dem w^estlichen Muschelkalk - Zuge zwischen 
Tost und Krappitz sind die Schichten dieser Abtheilung namentlich in 
Steinbrüchen bei Gross-Stein, bei Tarnau, südlich von Nackel, bei 
Ottmütz, nördlich von Schimischow und Neudorf, bei Stephans- 
hain und südlich von Himmel witz' aufgeschlossen. Auch eine durch 
steile Schichtenstellung ausgezeichnete isohrte kleine Kalk-Partie zwischen 
Dollna und Rosniontau wird nach den organischen Einschlüssen von 
Eck hierher gerechnet. 

Von organischen Einschlüssen führt H. Eck ausser den vorher 
genannten folgende Arten aus den Mikultschützer Schichten auf: Sphaero- 
coccites Blandowskianus Göpp., Scyphia Caminensis Beyr., Scyphia Roemeri 
Montlivaltia iriasina Dunk er (vergl. Taf. 11, Fig. 5, 6), Thamnastrea 
Silesiaca Beyrich (vergk Taf. 11, Fig. 7, 8), Encrinus aculeatus, Encrinus 
gracilis, Entroclvas duhius Beyr., Entrochus Silesiacus Beyr. (vergl. Taf. 11, 
Fig. 9, 10), Cidaris grandaeva Goldf., Cidaris subnodosa^ Cidaris transversa 
(vergl. Taf. 11, Fig. 15 — 20), Cidaris conf. (7. suhnohilis Münster, Discina 
discoides, Retzia trigonella (vergl. Taf. 11, Fig. 23), Spirifer fragilis, Spirifer 
Mentzeli (vergl. Taf. 11, Fig. 21, 22), Rhynchonella decurtata (vergl. Taf. 11, 
Fig. 28, 29), Rhynchonella Mentzeli, Terehratula angusta (vergl. Taf. 11, 
Fig. 24, 25), Terehratula vulgaris, Ostrea ostracina, Ostrea difformis, Ostrea 
complicata, Ostrea spondyloides, Pecten discites, Pecten laevigatus, Pecten reticu- 
latus, Hinnites comtus, Lima Beyrichii Eck, Lima striata var. radiata, Lima 
striata var. genuina, Lima costata Münster, Gervillia socialis, Gervillia costata, 
Gervillia subglobosa, Mytilus vetustus, Cucullaea triasina, Cucullaea Beyrichii, 
Myophoria curvirostris, Myophoria elegans, Myophoria cardissoides. Astarte (?) 
Antoni Giebel, Cypricardia Escheri Giebel, Myoconcha Thielaui S t r o m b . , 
MyoconchagastrochaenaJ)vii\keT, Tellinites anceps, Chemnitzia obsoleta, Turri- 
tella nodoso-plicata Münster, Trochus Silesiacus Eck, Delyhinula infra- 
striata S t r o m b . , Euomphalus arietinus, Euomphalus Lottneri Eck, Pleuroto- 
maria Albertiana, Dentalium torquatum, Pemphix Sueurii, Lissocardia Silesiaca 
H. V. Meyer, Lissocardia ornata H. v. Meyer, Acrodus lateralis, Acrodus 
Gaillardoti, Acrodus Braunii und Gyrolepis Älberti Ag, ^). 


1) Die grosse Mehrzahl der vorstehend aufgeführten Versteinerungen wurde in Böhm’s Stein- 
bruche bei Tarnowitz und in den Steinbrüchen bei Mikultschütz beobachtet. 


142 


Trias-Formation. 


e. Der Himmelwitzer Dolomit. 

So wird nach dem typischen Vorkommen bei dem nordöstlich von 
Gross-Strehlitz gelegenen Dorfe Himmelwitz eine gegen 40 Fuss 
mächtige Schichtenfolge von grauem oder gelblichem Dolomit benannt, 
welche durch das massenhafte Vorkommen eines kleinen cy lindrischen 
Fossils von unsicherer systematischer Stellung (Nullipora annulata Schaaf- 
häutl; Cylindrum annulatum Eck'), palaeontologisch vorzugsweise be- 
zeichnet wird. Die oberen mergeligen Lagen der Schichtenfolge von theils 
dichter, theils deutlich oolithischer Struktur enthalten in grosser Häufigkeit 
Myophoria laevigata^ M, vulgaris j Myacites suhundatuSj Natica ooUthica u. s. w. 
Die letzteren Schichten schliessen am Windraühlenberge und auch sonst 
eine aus abgerundeten Bruchstücken von bräunlichem dichten Dolomit mit 
einem Bindemittel von gelblichem Dolomit bestehende Conglomerat- 
Lage ein. 

Die Verbreitung dieses Gliedes des Muschelkalks ist eine sehr aus- 
gedehnte. Zunächst ist es in der Gegend von Gross-Strehlitz ent- 
wickelt. Eine ansehnliche Partie bilden die Schichten bei dem Vorwerke 
Lariska südwestlich von Danietz. Sie sind ferner östlich und westlich 
von Ottmütz entwickelt. Zahlreiche Blöcke des Gesteins finden sich auf 
den Feldern am Waldrande südöstlich von dem Dorfe Kossorowitz zer- 
streut. Auch bei dem nordwestlich von Gross-Strehlitz gelegenen Vor- 


Vergl Taf. 11 Fig. 1—4. Dieses bemerkenswerthe kleine Fossil wnrde zuerst durch Schaf- 
häutl (vergl. N. Jahrb. Jahrg. 1853. p. 300—304) aus weissem Kalke von der Zugspitze in den bayeri- 
schen Alpen unter der Benennung Nullipora annulata beschrieben. Später hat es Schauroth als 
Ohaetetes triasinus, Stoppani als Gastrochaena obtusa aufgeführt. Eck (a. a. O. S. 86), die 
augenscheinliche Unrichtigkeit aller dieser bisherigen generischen Deutungen betonend, aber zugleich 
die augenblickliche Unthunlichkeit sicherer Bestimmung der systematischen Stellung anerkennend, hat 
dann die die zoologische Stellung ganz unentschieden lassende vorläufige Benennung annula- 

tum vorgeschlagen. Seitdem hat Güm bei (vergl. N. Jahrb. 1866. p. 565) unser Fossil in die Verwandt- 
schaft von Dac^|/?opom, welche nach Carpenter zu den gehört, gestellt. Reuss (vergl. 
Sitzungsber. der geol. Reichsanstalt 1866. S. 201) sprach, ohne von Gümbel’s Aufsatze Kenntniss 
zu haben, sich für dieselbe Gattungsbestimmung aus. Unzweifelhaft ist diese Gattungsbestimmung 
nun richtiger als die bisher versuchten. Wie Dactylopora bildet der fragliche Körper eine cylindrische, 
an dem einen Ende offene, an dem anderen Ende mit ^stumpfer Spitze geschlossene Röhre, welche 
in niedrige horizontale Ringe getheilt, durch paarweise gestellte, auf der Aussenfläche des Cylinders 
ausmündende Kanäle durchbohrt wird. Im Allgemeinen wird nur in Dolomiten bei der Erhaltung als 
Steinkern das Fossil in dem Gesteine erkennbar sein. Im Kalkstein werden dagegen bei der innigen 
Verschmelzung des Gehäuses mit der Gesteinsmasse die kleinen Körper in der Regel kaum er- 
kennbar sein. Das Fehlen dieses Fossils an vielen Orten, wo nur kalkige Schichten Vorkommen, 
darf daher nicht befremden. Fig. 1 stellt ein mit Steinkernen des Fossils erfülltes Dolomit-Stück 
aus dem Segether Walde bei Tarnowitz dar; Fig. 2 einen vergrösserten mittleren Längs- 
schnitt; Fig. 3 ein Stück des Cylinders mit den vorragenden Ausfüllungen der Kanäle; Fig. 4 einen 
einzelnen von den die cylindrische Röhre zusammensetzenden Ringen. 


Musehelkalk. 


143 


werke Goschütz kennt man die Schichten. Bei Himmel witz bilden sie 
eine ansehnliche zwischen dem Dorfe selbst und dem Frischfeuer am so- 
genannten Laniok-T eiche ausgedehnte Partie. Auch in den Muschel- 
kalk-Partien von Tarnowitz und Beuthen sind die Schichten an vielen 
Punkten nachgewiesen worden, so namentlich bei Alt-Tarnowitz und 
bei Repten. Zahlreiche Blöcke des Gesteines liegen bei dem Jägerhause 
im Segeth- Walde südlich von Tarnowitz und auf der Höhe des Silber- 
berges umher. Westlich von Friedensschacht steht das Gestein am 
Wege an und lässt sich von hier aus bis zur Colonie Bergfreiheit ver- 
folgen. Auch in dem Stollen-Revier der Friedrichsgrube ist es nach- 
weisbar. Es gehören ferner die feinkörnig oolithischen Dolomit-Schichten 
hierher, welche in einem Brunnen auf dem östlich von Zielona gelege- 
nen Hofe Du da und in einem Steinbruche bei der benachbarten ünter- 
försterei Dombrowa anstehen. Auch in der Gegend von Beuthen ist 
die Schichtenfolge an vielen Punkten gekannt. Durch mehrere Stein- 
brüche ist sie südlich von Wieschowa, durch einen Versuchsschacht bei 
Miechowitz aufgeschlossen. Andere Aufschlusspunkte sind bei dem 
nordwestlich von Beuthen gelegenen Vorwerke ^^euhof, bei Scharlei- 
Grube, Brzosowitz, Kamin, Brzesinka u. s. w. In den angrenzen- 
den Theilen des Königreichs Polen besitzt der Himmelwitzer Dolomit 
eine ganz allgemeine Verbreitung. Er ist hier von den verschiedenen 
Gliedern des Muschelkalks dasjenige, welches in der grössten Ausdehnung 
an der Oberfläche erscheint. Nach den Aufnahmen von 0. Degenhardt 
liegen die dolomitischen Schichten mit Nullvpora annulata überall auf der 
Höhe des zwischen Siewierz und Olkusz sich erstreckenden Muschelkalk- 
Zuges. Auch in der Gegend von Czeladz und Ben dz in sind sie weit ver- 
breitet. Die vorher genannten ganz kleinen Muschelkalk-Partien bei Mrzy- 
glod und diejenige von Gliny nördlich von Olkusz werden ebenfalls aus 
diesen Schichten zusammengesetzt. In petrographischer wie in palaeonto- 
logischer Beziehung stimmen sie durchaus mit denjenigen in Oberschlesien 
überein. Das bezeichnende Fossil JSFuUipora annulata wurde an vielen 
Punkten beobachtet. In besonders deutlicher Erhaltung fand es sich 
namentlich bei dem Vorwerke Studzieniec bei Grodietz, nordöstlich 
von Czeladz. Von ganz allgemeiner Verbreitung ist dieselbe Schichten- 
folge endlich auch im Krakau’schen Gebiete in den Umgebungen von 
Chrzanow undTrzebinia entwickelt; so namentlich, bei Balin, Gory- 
Luszowskie und Gieszkowice nördlich von Chrzanow und bei Bo- 
l§cin 5 Koscielec und Libi^z südlich von Chrzanow. 

Für die Zugehörigkeit der Schichten von Mikultschütz zu der unteren 


144 


Trias-Formation. 


Abtheilung des Muschelkalks ist besonders das Vorkommen von Myo][)horia 
orbicularis, Cucullaea (Macrodon) triasina, Cucullaea Beyrichii, Turritella 
nodosoplicatay Euomphalus arietinus und Natica costata beweisend. 

II. Mittlerer Muschelkalk. 

Als solchen betrachtet Eck eine 40 bis 50 Fuss mächtige versteine- 
rungslose Schichtenfolge von weissen oder gelblichen mergeligen Dolomit. 
Die petrographische Aehnlichkeit mit den dolomitischen Mergeln des mitt- 
leren Muschelkalks bei Rüdersdorf unweit Berlin und in Thüringen, 
so wie die Verhältnisse der Lagerung bestimmten auch ihn, ohne palaeonto- 
logische Beweismittel in dieser Schichtenfolge einen allerdings sehr schwach 
entwickelten Vertreter des mittleren Muschelkalks in Nord -Deutschland 
und der sogenannten Anhydrit-G-ruppe in Süd-Deutschland zu sehen. 

Die Verbreitung dieser Schichtenfolge scheint eine ganz allgemeine 
zu sein. Zunächst wurde sie in der Tarnowitzer Mulde an vielen Punk- 
ten nachgewiesen. So namentlich in mehreren Steinbrüchen am Westende 
der Colonie Bergfreiheit und an den Gehängen bei Alt-Tarno witz. 
In der Beuthener Mulde sind die Schichten ebenfalls an vielen Punkten 
gekannt und namentlich durch Steinbrüche bei dem Vorwerke Neuhof, 
bei Kamien, im Felde der Bleischarlei-Grube u. s. w. aufgeschlossen. 
In dem westlichen Muschelkalk-Zuge zwischen Tost und Krappitz sind 
diese Schichten bisher nicht in grösserer Ausdehnung nachgewiesen. Dass 
sie aber auch hier nicht ganz fehlen, beweisen die östlich und nördlich von 
Himmelwitz, so wie südlich von Danietz und bei der Colonie Hein- 
richsdorf auf den Feldern umherliegenden Stücken des Gesteins. 

In den Muschelkalk -Gebieten der angrenzenden Theile von Polen ist 
die Schichtenfolge nicht im Zusammenhänge nachweisbar, aber doch an 
vielen einzelnen Punkten durch 0. Degenhardt beobachtet. Die deut- 
lichsten Aufschlusspunkte liegen am Ostabhange des zwischen Siewierz 
und Olkusz sich ausdehnenden Muschelkalk - Zuges, so namentlich bei 
Sulikow südöstlich von Siewierz, ferner bei Goluchowice an dem 
Rande der dortigen kleinen Keuper -Mulde, in einer ansehnlicheren Partie 
bei Chruszczebrod und endlich bei Bolesfaw südlich von den Galmei- 
Gruben. Auch im Krakau’ sehen Gebiete fehlen die Schichten nicht. Zu- 
nächst sind sie hier in der Mulde von Chrzanow nachweisbar. 0. D e g e n - 
hardt beobachtete sie namentlich bei Jaworzno, bei Ci§szkowice, 
Gory-Luszowskie, die deutlichsten Aufschlusspunkte der Schichten- 
folge sind Eisenbahneinschnitte bei der Eisenhütte südlich von Chrzanow, 
bei dem Vorwerke Krozimiech und nördlich von Gr oss-Libiaz. 


Muschelkalk. 


145 


ni. Der obere Muschelkalk oder Eybnaer Kalk. 

Derselbe bildet eine wenig mäclitigej nur 12 bis 40 Fuss dicke, aus Kalk- 
steinen und Dolomiten zusammengesetzte Schichtenfolge, welche palaeonto- 
logisch vorzugsweise durch das häufige Vorkommen von Fisch- und Saurier- 
Resten und durch dasjenige von Ammonites nodosus bezeichnet wird. Es 
sind dieselben Schichten, auf welche ursprünglich die Benennung „Opato- 
witzer Kalkstein“ angewendet wurde. Der Umstand, dass unter der 
letzteren Benennung später auch Schichten von ganz anderer Stellung und 
namentlich die Kalke von Mikultschütz, diejenigen von Chorzow u. s. w. 
vereinigt wurden, liess die Wahl eines anderen Namens wünschenswerth er- 
scheinen und bestimmte Eck die Schichtenfolge als Rybnaer Kalk nach 
dem nordwestlich von Tarnowitz gelegenen Dorfe Rjbna zu bezeich- 
nen. In der Tarnowitzer Mulde ist dieselbe in den Steinbrüchen von 
Rjbna, Opatowitz, Alt-Tarnowitz, Vorwerk Oschina, Larischhof 
und an anderen Stellen mit den typischen Merkmalen aufgeschlossen. Die 
Hauptmasse der Schichtenfolge besteht hier aus grauen braun gefleckten 
oder gebänderten Kalksteinen mit splittrigem Bruch. Gewisse Lagen des 
Kalksteins sind namentlich bei Opatowitz mit Pecten discites und mit 
Gervillia socialis ganz erfüllt, während andere auf den Schichtflächen mit 
Corhula incrassata in dichter Zusammenhäufung bedeckt sind. Am West- 
ende der Colonie Bergfreiheit ist nach Eck in einem Steinbruche als 
unterstes Glied der Schichtenfolge eine” 9 Zoll dicke Lage eines dolomiti- 
schen Conglomerats 5 welches aus gerundeten Stücken von bräunlichem 
dichten Dolomit und einem Bindemittel von gelblichem zum Theil oolithi- 
schen Dolomit besteht und die ersten Fisch- und Saurier -Reste enthält, 
aufgeschlossen. Ueber diesem Conglomerat folgt in einer Mächtigkeit von 
5 Fuss gelber mergeliger Dolomit und über diesem erst die Hauptmasse 
der kalkigen Schichten. In der westlichen Muschelkalk-Partie zwischen 
Tost und Krappitz kennt man den Rybnaer Kalk ebenfalls an vielen 
Orten, namentlich bei Kossorowitz, Tarnau, Nakel, Stubendorf, 
Danietz, Suchau, Gross- und Klein-Rosmierka (Rosimirscz) und 
Gonschor owitz. Die Schichtenfolge beginnt hier mit grauem oder brau- 
nem späthigen, oder mit grauem oder röthlichen dichten Kalkstein mit 
ebenem oder feinsplitterigem Bruch. Der letztere Kalkstein bricht meistens 
in dünnen Platten oder wird sogar schieferig und ist bis auf einzelne spar- 
same Saurier-Reste versteinerungslos. 

In den angrenzenden Theilen von Polen ist der Rybnaer Kalk eben- 
falls verbreitet, aber nur in einer ganz geringen, 5 bis 6 Fuss betragenden 
Mächtigkeit entwickelt. Bei Goluchowice wurden braune dazu gehö- 

19 


146 


Trias-Formation. 


rende Dolomite unter der Lettenkohle beobachtet. Bei Boleslaw wur- 
den bei dem Abteufen von Schächten weissliche Dolomite mit Saurier- 
Knochen angetroffen, welche nach der Lagerung in dieses Niveau gehören. 
Endlich kennt man die Schichtenfolge auch im Krakau’schen Gebiete. So 
namentlich bei Cieszkowice und in den Umgebungen von Chrzanow. 
ln einer ziemlich ansehnlichen Ausdehnung ist sie dicht neben der Chrzanower 
Eisenhütte und westlich davon aufgeschlossen, ln einem kleinen hart an 
der Eisenbahn gelegenen Steinbruche ist dort die Auflagerung auf die dolo- 
mitischen Mergel des mittleren Muschelkalks deutlich zu beobachten. Auch 
in mehreren Eisenbahneinschnitten nördlich von Libiaz sind die Schichten 
über den dolomitischen Mergeln des mittleren Muschelkalks deutlich ent- 
blösst. In dem nördlich von Chrzanow gelegenen Dorfe Balin stehen 
sie in einem Hohlwege in einer kaum 2 Fuss betragenden Mächtigkeit an. 
Nördlich von dem Dorfe sind sie in einem Eisenbahneinschnitte zu beob- 
achten. 

Die organischen Einschlüsse des Rjbnaer Kalks bestehen, wie 
schon oben bemerkt wmrde, vorzugsweise aus Fisch- und Saurier-Resten. 
Die Mehrzahl derselben ist durch H. v. Meyer aus den Steinbrüchen von 
Opatowitz, Rybna und Alt-Tarnowitz, wo sie durch Mentzel gesam- 
melt waren, beschrieben worden. Der für den oberen Muschelkalk vor- 
zugsweise bezeichnende Ammonites ( Ceratites) nodosus, welcher im west- 
lichen Deutschland in ausserordentlicher Häufigkeit der Individuen die 
Schichten desselben zu erfüllen pflegt, ist in Ob er Schlesien nur selten 
und in schlechter Erhaltung beobachtet worden, Eck kennt ihn nur von 
Rybna, Larischhof, Alt-Tarno witz, Boruschowitz und Klein- 
Rosmierka. Das Fehlen der im oberen Muschelkalke des westlichen 
Deutschlands nicht seltenen Arten: Myophoria ijes-anseris, Ammonites enodis 
und Ammonites semipartitus in Oberschlesien verdient bemerkt zu werden. 

Im Ganzen führt Eck folgende Arten aus dem oberen Muschelkalke 
Oberschlesiensauf:. Spirifer fragilis, Terehratula vulgaris, Ostrea ostracina, 
Ostrea complicata, Ostrea spondyloides, Ostrea difformis, Pecten discites, Pecten 
laevigatus, Pecten reiiculatus, Lima striata var. genuina, Gervillia socialis, 
Gervillia costata, Monotis Albertii, -Myoplioria vulgaris, Myophoria simpler j 
Corhula incrassata, Turbo gregarius, Nautilus bidorsatus, Ammonites ( Gera- 
tites) nodosus, Phyncholitlius hirundo, Acrodus lateralis, Acrodus Gaillar doti, 
Acrodus immarginatus , Acrodus pulvinatus, Acrodus minimus, Acrodus 
Braunii, Strophodus angustissimus , Hybodus plicatilis, Hybodus Mougeoti, 
Hybodus polycyphus, Hybodus simpler, Hybodus longiconus, Hybodus an- 
gustus Ag. (pars), Hybodus major, Hybodus tenuis, Leiacanthus Opatowitza- 


Muschelkalk. 


147 


nus, Leiacanthus Tarnowitzanus, Colohodus variuSj Saurichthys apicalis, Sau- 
richthys Mouyeoti, Saurichthys tenuirostris, Saurichthys costatus, Gyrolepis tenui- 
striatus, Gyrolepis Alhertii, Placodus sp., Tanystropheus conspicuus, Nothosau- 
rus mirabilisj Pistosaurus sp. 

Vergleichung des Oberschlesisch-Polnischen 
Muschelkalkes mit dem typischen Muschelkalke im west- 
licheren Deutschland. 

Bei einer Vergleichung der Oberschlesisch -Polnischen Muschelkalk- 
Bildung mit derjenigen im westlicheren Deutschland zeigt sich im Ganzen 
eine wesentliche Uebereinstimmung. In palaeontologischer Beziehung 
sind nicht nur die meisten Versteinerungen gemeinsam, sondern auch die 
verticale Verbreitung der Arten durch die einzelnen Stockwerke ist, einige 
unwesentliche Ausnahmen abgerechnet, in Oberschlesien dieselbe wie im 
übrigen Deutschland. Auch das Vorkommen alpiner Trias-Formen in der 
unteren Abtheilung des Oberschlesischen Muschelkalks erscheint nicht 
mehr als eine so grosse Eigenthürnlichkeit, seitdem mehrere dieser alpinen 
Formen, wie namentlich Bhynchonella decurtata, Terehratula angusta, Retzia 
trigonella und Encrinus gracilis sich auch an anderen Orten in Deutschland 
gefunden haben. Die Mächtigkeit der drei Hauptabtheilimgen betreffend, 
so ist das ausserordentliche Anschwellen des unteren Muschelkalks und 
das Zusammenschrumpfen der mittleren und oberen Abtheilung bei einem 
Vergleiche mit der typischen Entwickelung im westlichen Deutschland be- 
merkenswerth. Aber ein ganz ähnliches gegenseitiges Verhalten der drei 
Hauptglieder zeigt sich auch schon, wie Eck hervorhebt, bei Rüdersdorf 
unweit Berlin. In petrographischer Beziehung zeigt sich besonders 
der untere Muschelkalk von der typischen Entwickelung im westlichen 
Deutschland abweichend. Die Ablagerung in dicken Bänken und die rein 
kalkige, nicht mergelige Beschaffenheit in den unteren Gliedern, so wie das 
Auftreten mächtiger Dolomit-Ablagerungen in den oberen Gliedern ist be- 
sonders bemerkenswerth. Das Vorkommen der bedeutenden Lagerstätten 
von Zink-, Blei- und Eisenerzen in den dolomitischen Schichten, deren 
Ausbeutung in der Gegend von Tarnowitz und Beuthen Gegenstand 
eines so umfangreichen und wichtigen Bergbaues ist, kann kaum als eine 
Eigenthürnlichkeit der Muschelkalk-Bildung als solcher aufgeführt werden, 
da die Bildung dieser Erzlagerstätten mit der Ablagerung des sie ein- 
schliessenden Dolomits keinesweges gleichzeitig ist, sondern einer ver- 
hältnissmässig sehr jugendlichen Zeit angehört. 


19 ^ 


148 


Trias-Formation. 


S. Keuper, 
a. Literatur. 

1822. C. V. Oeynhausen: Versuch einer geognostischen Beschreibung 
von Oberschlesien. S. 320 ff. (Jüngste Sandstein- und Steinkohlen- 
Formation.) 

1836. G. G. Pusch: Geognostische Beschreibung von Polen u. s. w. 
Zv^eiter Theil. Cap. IX. Die Formation des Moorkohlen- und 
Lettengebirges (W er n er’ s Eisenthongebirge) S. 276 — 322. 

1846. R. V. Garn all: Der Kalkstein des Lublinitzer Kreises in Oberschle- 
sien. Bergmännisches Taschenbuch. Dritter Jahrg. 1846. S. 1 — 51. 

1862. Ferd. Roemer: Die Nachweisung des Keupers in Ob er Schlesien 
und Polen. Zeitschr. der Deutsch, geoi. Ges. Bd. XIV. S. 638 ff. 

1863. H. Eck: Vorläufige Notiz über die Auffindung der Lettenkohlen- 
Formation in Oberschlesien und über die Stellung des Mikultschützer 
Kalks (Virgloria - Kalks) im Muschelkalk ebendaselbst. Bd. XV. 
S. 403 ff. 

1863. Ferd. Roemer: Weitere Beobachtungen über die Verbreitung 
und die Gliederung des Keupers in Oberschlesien;, ebendaselbst 
Bd. XV. S. 694 ff 

1866. L. Zeuschner: lieber die rothen und bunten Thone und die ihnen 
untergeordneten Glieder im südwestlichen Polen; ebendaselbst 
Bd. XVIII. S. 232 ff 

1867. Ferd. Roemer: Neuere Beobachtungen über die Gliederung des 
Keupers und der ihn zunächst überlagernden Abtheilung der Jura- 
Formation in Oberschlesien und in den angrenzenden Theilen von 
Polen; ebendaselbst Bd. XIX. S. 255 ff 

h. Geschichte. 

Die hierher gehörenden Ablagerungen Oberschlesiens waren zum Theil 
schon seit längerer Zeit beschrieben, aber erst in neuester Zeit ist ihre 
Zusammengehörigkeit bestimmt erkannt und ihr Alter sicher festgestellt. 
C. V. Oeynhausen hat einen Theil der hier zu behandelnden Schichten 
und namentlich die die Kohlenlager (Pusch’s Moorkohlen) einschliessen- 
den Schichten kurz beschrieben. In ihrer Altersbestimmung griff er freilich 
sehr fehl, indem er ihnen ein ganz jugendliches Alter über der Kreide- 
Formation anwies. Pusch behandelte in seiner geognostischen Beschrei- 
bung von Polen mehrere der hierhergehörenden Ablagerungen schon viel 
ausführlicher, aber die richtige Deutung ihrer Lagerungsverhältnisse und 
die Bestimmung ihres Alters gelang auch ihm nicht. Die Täuschung, den 


Keuper. 


149 


weissen Kalk von Woischnik wegen äusserer Gesteinsähnlichkeit für 
Jurakalk zu halten und ihn dem Jurakalke des grossen polnischen Jura- 
kalkzuges zwischen Krakau und Czenstochau zunächst zu verbinden 5 
ist für ihn die Quelle weiterer Irrthümer in Betreff der übrigen Gesteine 
geworden^). R» v. Garn all hat im Jahre 1846 eine sorgfältige Beschrei- 
bung von den hierher gehörenden Gesteinen im Lublinitzer Kreise gelie- 
fert und namentlich auch durch die Mittheilung von einer Anzahl von Bohr- 
registern über Bohrungen in den rothen und bunten Thonen des Lubli- 
nitzer Kreises die Kenntniss dieser Ablagerungen wesentlich gefördert. 
Aber da auch er den Kalk von W oischnik für Jurakalk hieltj konnte ihm 
die richtige Altersstellung der ganzen Bildung nicht gelingen. Noch auf 
der im Jahre 1857 erschienenen zweiten Auflage seiner Karte von Ober- 
schlesien sind sämmtliche Ablagerungen des Keupers als zur Jura-Porma- 
tion gehörend bezeichnet. Im Jahre 1862 habe ich zuerst einen Theil der 
Keuper -Gesteine Oberschlesiens als solche erkannt und namentlich die 
bunten Thone des Woischnik-Lublinitzer Höhenzuges dem Keuper 
zugerechnetj gleichzeitig die Einlagerung des Woischniker Kalkes in diese 
Thone nachweisend. In dem folgenden Jahre habe ich auch die durch 
ihren Reich thum an Thoneisensteinen bekannte Bildung, welche in den 
Kreisen Lublinitz und Kreutz bürg eine mehrere Meilen breite Zone 
zusammengesetzt und welche durch v. Carnall als „mitteljurassisches 
Thoneisensteingebirge“ bezeichnet wurde, ebenfalls dem Keuper zugewie- 
sen, Ihre Zugehörigkeit zur Jura-Formation war bisher wegen ihrer ver- 
meintlich engen Verbindung mit den unzweifelhaft mitteljurassischen Thon- 
eisensteinen von Bodzanowitz und wegen der angeblich jurassischen 
Natur einiger in den Thoneisensteinen der Gegend von Kreutzburg 
vorkommenden Pflanzenreste angenommen worden. Inzwischen hatte auch 
H. Eck eine gewisse in der Gegend von Gross-Strehlitz entwickelte 
Reihenfolge von thonigen und dolomitischen Gesteinen aus stratographi- 
schen und palaeontologischen Gründen als die Lettenkohlen-Gruppe ver- 
tretend erkannt. Im Jahre 1 867 habe ich die Gliederung der Oberschlesisch- 
Polnischen Keuper-Bildung genauer dargelegt und namentlich die Glieder 
näher bezeichnet, durch welche sie mit der aufgelagerten Jura -Formation 
verbunden ist. L. Zeuschner hatte inzwischen auch die „Moorkohlen“ 
von Pusch für Einlagerungen in den Keuper erklärt, was ganz im Ein- 


1) In einem nach Abschluss seines Hauptwerkes erschienenen späteren Aufsatze (vergleiche 
Karsten’s Archiv, Bd. XIL, 1839, S. 155 — ^178) hat Pusch dann wolil die Vermuthung, dass die 
braunrothen Letten Keuper seien, ausgesprochen, aber ohne alle nähere Begründung dieser Ver- 
muthung und ohne die Thoneisenstein-führenden Schichten der Kreutzburger Gegend hinzuzuziehen. 


150 


Trias-Formation. 


klang mit den bei den Aufnahmen für die Karte gemachten Beobachtungen 
von 0. Degenhardt steht. Im Ganzen ist durch die Nachweisiing des 
Keupers in Oberschlesien die bedeutendste Abweichung der neuen geo- 
gnostischen Karte gegen die früheren Karten herbeigeführt worden. 

c. Allgemeines petrographisches und stratographisches Verhalten. 

Im Allgemeinen stellt der Keuper Oberschlesiens eine 500 bis 600 Fuss 
mächtige Schichtenreihe von rothen, bunten und grauen kalkhaltigen Tho- 
nen dar, welche untergeordnete Einlagerungen von Dolomiten, Kalkstei- 
nen, Sandsteinen, unreinen Kohlenflötzen und thonigen Sphärosideriten 
einschliesst. Den obersten Muschelkalk - Schichten aufgelagert, wird sie 
nach oben von jurassischen Schichten bedeckt. 

d. Verbreitung. 

Der Keuper, bis in die neueste Zeit in Oberschlesien und Polen als 
ganz fehlend erachtet, nimmt in Wirklichkeit in diesen Ländern grosse 
Flächenräume ein. Wenn schon der Raum, in welchem er unmittelbar an 
der Oberfläche erscheint, ansehnlich gross ist, so ist noch viel ausgedehn- 
ter das Gebiet, in welchem er durch aufgelagerte Diluvial - Massen der 
unmittelbaren Beobachtung an der Oberfläche entzogen, doch unter dieser 
sicher nachweisbar ist. Nimmt man auch dieses Gebiet hinzu, so verbrei- 
tet sich der Keuper im Allgemeinen in Oberschlesien und in den an- 
grenzenden Theilen von Polen über einen gegen 100 Quadratmeilen gros- 
sen Flächenraum, welcher gegen Osten durch den polnischen Jura-Zug von 
Krakau, Pilica und Czenstochau, gegen Westen^) und Süden aber 
durch den grossen oberschlesisch-polnischen Muschelkalk-Rücken, welcher 
bei Olkusz in Polen beginnend sich über Siewierz, Tarnowitz, 
Tost u. s. w. bis Krappitz an der Oder erstreckt, begrenzt wird und 
gegen Nordwesten sich immer mehr erweiternd, die vereinigten Fluss- 
Gebiete der Malapane und des Stober-Flusses bis zur Oder hin 
begreift^. Die nähere Verbreitung des Keupers wird sich aus der Dar- 
stellung der einzelnen Glieder ergeben. 


1) Natürlich bilden die Gesteine des Jura-Zuges als jüngere nicht auch die Begrenzung für die 
Verbreitung des Keupers in der Tiefe. Vielmehr ist der Keuper auch noch viel w^eiter östlich mit 
im Ganzen durchaus ähnlichem Verhalten, nämlich am Nordabhange des polnischen Mittelgebirges 
oder des Gebirges von Kielce naehgewiesen. Vergl. Ferd. Roemer in: Zeitschr. Deutsch, geol. 
Ges. Bd. XVIIL, 1866. S. 685 ff. 

2) Der grössere Theil dieses Gebietes fällt auf die Sektionen Königshütte, Woischnik, 
Guttentag, Kreutzburg und Brieg. Unmittelbar zu Tage tretend, erscheint der Keuper be- 
sonders auf den Sektionen Königshütte und Woischnik. 


Keuper. 


151 


Eine von Oppeln über Kreutzburg nach Pitschen gezogene Linie 
bezeichnet die grösste gegen 6 Meilen betragende Breite des Keuper- 
Gebietes, während die grösste Längenerstreckung desselben zwischen 
Olkusz und Kreutzburg gegen 15 deutsche Meilen beträgt. Nördlich 
von Pitschen beobachtet man einen auffallenden Abfall des Terrains. 
Wahrscheinlich sinken hier die Keuper-Schichten in grössere Tiefe. 

e. OrograpMsches Verhalten. 

Da die Ablagerungen des oberschlesisch-polnischen Keupers im Allge- 
meinen eine geringe Festigkeit besitzen, so zeigt der Keuper auch nirgends 
ausgezeichnete orographische Formen, sondern erscheint in flachen Nie- 
derungen oder setzt niedrige Höhenzüge zusammen. Zu der Bildung der 
Höhenzüge haben augenscheinlich meistens die Schichten von hellem, den 
rothen und bunten Thonen eingelagerten Kalksteine (Woischniker Kalk), 
Veranlassung gegeben, indem sie durch ihre grössere, häufig durch Horn- 
stein-Lager noch vermehrte Festigkeit der Erosion stärkeren Widerstand 
leisteten. Deshalb gehen diese Kalkstein-Schichten auch meistens auf der 
Firste der Höhenzüge zu Tage aus. Das gilt namentlich von dem Haupt- 
Höhenzuge dieser Art, welcher sich von Mrzyglod über Woischnik, 
Lubschau, Koschentin bis über Lublinitz hinaus erstreckt und wel- 
cher namentlich bei der Annäherung von Süden her durch sein verhältniss- 
mässig steiles Aufsteigen aus der bis an seinen Fuss reichenden flachen 
Diluvial-Ebene trotz nicht bedeutender Höhe als eine sehr auffallende Er- 
hebung sich auszeichnet. Auch die ganz durch Keuper-Thone gebildete, 
mit dem schönsten Laubholzwalde bekleidete flache Erhebung in der Um- 
gebung des westlich von Niegowoniec gelegenen Trzebicka verdankt 
augenscheinlich nur solchen Kalkschichten, von welchen sich freilich nur 
einzelne ganz kleine Partien erhalten haben, ihren Ursprung. In flachen 
Niederungen erscheint dagegen der Keuper überall, wo die vorherrschenden 
braunrothen oder grünlich grauen Thone Einlagerungen fester Gesteine 
nicht einschliessen. So wird namentlich der Untergrund der trostlosen, zum 
Theil völlig jedes Pflanzenwuchses entbehrenden Sandflächen, welche sich 
zwischen Olkusz und Czenstochau auf der Westseite des Jura-Zuges 
zum Theil Meilen weit ausdehnen, durch solche Keuper-Thone gebildet*). 
Wo dagegen die rothen und bunten Thone ohne Bedeckung mit Diluvium 
unmittelbar zu Tage gehen, da bilden sie flache Niederungen mit feuchtem 


1) Eine der sterilsten dieser Sandflächen durchschneidet man auf dem Wege von Laski, nord- 
östlich vonSlawkow, nach B 1 e n d o w. Hier ist buchstäblich weit und breit kein Grashalm zu sehen. 


152 


Trias-F ormation. 


kalten Boden. In dem Flussgebiete der Malapane und des Stober- 
Flusses erscheint der Keuper durchgängig nur an den niedrigsten Punkten 
des Landes, wie namentlich in den Flussbetten der genannten Flüsse. 

f. Grliederung. 

Der oberschlesisch -polnische Keuper hat die nachstehenden Glieder 
unterscheiden lassen: 

1. Die Lettenkohlen-Gruppe oder unterer Keuper d. i. eine 
aus grauen und rothen Thonen mit braunem Dolomit und grünlichgrauen 
Sandsteinen zusammengesetzte, auf der obersten Abtheilung des Muschel- 
kalks (Rybnaer Kalk) unmittelbar aufruhende Schichtenfolge. 

2. Eigentlicher oder mittlerer Keuper d. i. eine 200 bis 300 
Fuss mächtige Schichtenfolge von braunrothen und bunten Thonen mit Ein- 
lagerungen von hornsteinführendem, versteinerungsarmen, dichten, weissen 
Kalkstein (Kalklager von Woischnik, Lublinitz, Kozieglow'ju. s. w., 
von grauen oder röthlichen Kalk-Breccien oder Conglomeraten mit Fisch- 
und Saurier-Resten ( Ceratodus sp., Colohodus sp., Mastodonsaurus sp.) und 
ünio sp., von mürben, grünlichgrauen Sandsteinen und von meistens wenig 
mächtigen und unreinen Kohlenflötzen (Pusch’s Moorkohlen). 

3. Oberer Keuper oder Rhätische Gruppe. Diese Abtheilung 
lässt wieder zwei Stockwerke unterscheiden, nämlich: 

a. Wilmsdorfer Schichten mit pflanzenführenden Sphaero- 
sideriten d. i. eine Schichtenfolge von röthlichen und grünlich- 
grauen Thonen oder Mergeln mit Knollen von thonigem Sphärosi- 
derit, welche Landpflanzen (Aspidites Ottonis, Pteropliyllum Oeyn- 
hausiij Calamites arenaceus (?) u. s. w.) einschliessen. (Eisenstein- 
förderungen von Wilm sdorf, Goslau, Lofkowitz, Matzdorf, 
Ludwigsdorf, Paulsdorf u. s. w., zwischen Kreutzburg, 
Landsberg und Pitschen und von Sumpen,Zimnowodau. s.w. 
östlich von Lublinitz.) 

b. Hellewald er Estherien-Schichten d. i. eine Schichtenfolge von 
dünngeschichteten oder schieferigen, glimmerreichen, weissen Sand- 
steinen und weissen Thonen, zusammen 60 — 80 Fuss mächtig, mit 
Lagen von Thoneisensteinen. Gewisse Lagen des Sandsteins auf 
den Schichtflächen mit den zusammengedrückten Schalen von Esthe- 
ria minuta bedeckt. (Eisensteinförderungen bei Colonie Helle wald 
unweit Landsberg, bei Colonie Backhausen an der Strasse von 
Landsberg nach Pitschen, bei ‘Stany, Bodzanowitz gegen- 
über, ira Königreiche Polen u. s. w.) 


Keiiper. 


153 


Diese verschiedenen Glieder werden in dem Nachstehenden einzeln 
näher betrachtet werden. 

1. Die Lettenkohlen-Gruppe. 

a. GescMchtliches. 

H. Eck erkannte zuerst in einer bei den Dörfern Gross- und Klein- 
Rosmierka unweit Gr oss-Strehlitz entwickelten^ dem Muschelkalke 
aufgelagerten Schichtenfolge von grauen Letten, glimmerreichen Sand- 
steinen und braunem Dolomit ein Aequivalent der Lettenkohlen-Gruppe, 
welche bis dahin in Oberschlesien nicht unterschieden worden war. 
Später fand H. Eck dieselbe Schiehtenreihe auch noch an mehreren ande- 
ren Punkten, namentlich in der Nähe von Tarnowitz, auf. Durch die 
Aufnahmen von 0. Degenhardt sind dieselben Schichten in weiter Er- 
streckung gegen Südosten bis in das Krakauer Gebiet als Begleiter des 
Muschelkalks bekannt geworden. 

b. Petrograpbisches Verhalten. 

Bei Gr^ss- und Klein-Rosmierka besteht die Schichtenfolge aus 
einem Wechsel von grauen Letten, Glimmer-führenden grünlich-grauen 
Sandsteinen und braunen erdigen Dolomiten. Die grauen Letten herrschen 
vor. Die Sandsteine bilden nur dünne Lagen. Ganz ähnlich ist das Ver- 
halten der Schichtenfolge an anderen Punkten. In Polen schliesst sie an 
einigen Stellen auch dünne, fast ausschliesslich aus einer Anhäufung von 
verdrückten Ünionen-Schalen bestehende hellfarbige Kalkschichten ein. 

c. Lagrerung-sverbältniss. 

Das regelmässige und herrschende Verhältniss der Lagerung ist, dass die 
Schichtenfolge der obersten Abtheilung des Muschelkalks, dem Rjbnaer 
Kalke, gleichförmig aufruht und ebenso gleichförmig von rothen und 
und bunten Letten des mittleren Keupers überlagert wird. Diese Lagerung 
zwischen oberstem Muschelkalk und bunten Keuper-Thonen ist neben den 
organischen Einschlüssen vorzugsweise dafür beweisend, dass die Schich- 
tenfolge wirklich der Lettenkohlen-Gruppe in anderen Theilen von Deutsch- 
land gleich steht. In Polen ruht sie übrigens an manchen Stellen 
anscheinend unmittelbar auf unterem Muschelkalk und namentlich auf 
Himmel witzer Dolomit auf. 

d. Organische Einschlüsse. 

Im Allgemeinen sind deutliche Versteinerungen in der ganzen Schichten- 
folge selten. Die meisten derselben haben die dolomitischen Schichten 

/ 20 


154 


T rias- Formation, 


bei Gross- und Klein-Rosmierka geliefert: H. Eck führt aus densel- 
ben namentlich auf: Zähne von Hybodus plicatilis Äg., Saurichthys Mougeoti 
Ag., Schuppen von Gyrolepis sp., Myophoria vulgaris^ Myophoria intermedia 
V. Schauroth und Myacites hrevis v. Schauroth auf. Diese Arten sind 
auch in den Gegenden der typischen Entwickelung im mittleren und süd- 
lichen Deutschland der Lettenkohlen -Gruppe eigenthümlich oder doch 
mit anderen Trias-Schichten gemeinsam. Bei Boleslaw in Polen sind 
gewisse gelblich graue feste Kalkstein-Schichten mit zusammengedrückten, 
anscheinend zur Gattung Unio gehörenden Zweischalern von 'I2 bis ^14 Zoll 
Länge erfüllt. Deutliche Pflanzenreste, wie sie in der Lettenkohlen-Gruppe 
des mittleren und südlichen Deutschlands in so grosser Mannichfaltig- 
keit Vorkommen, sind aus der oberschlesisch - polnischen Lettenkohlen- 
Gruppe bisher nicht bekannt geworden, obgleich unvollkommen kohlige 
Pflanzen-Theile an vielen Stellen beobachtet wurden. 

e. Verbreitung*. 

Die Verbreitung der Lettenkohlen-Gruppe lässt sich z\^r auf dem 
Kartengebiete über eine grosse Erstreckung verfolgen und reicht von 
Oppeln bis in die Gegend von Chrzano w im Krakauer Gebiete, aber der 
Raum, welchen sie an der Oberfläche einnimmt, ist im Vergleich zu den 
durch die njittleren Glieder der Keuper -Bildung eingenommenen Flächen- 
räumen nur beschränkt. Im Allgemeinen bilden die Gesteine der Letten- 
kohlen-Gruppe einzelne an der Oberfläche nicht zusammenhängende kleine 
Partien am Nordrande des grossen bis tief nach Polen hinein zu verfolgen- 
den Muschelkalk-Rückens. Zunächst liegen mehrere solche Partien in der 
Gegend nördlich und nordwestlich von Gross-Strehlitz zwischen den 
Ortschaften Dembio, Grabow, Gross- und Klein-Rosmierka. An 
den zuletzt genannten Orten hat H. Eck zuerst die Lettenkohlen-Gruppe 
als solche in Oberschlesien erkannt. Eine ziemlich ansehnliche Partie 
ist dann ferner nordöstlich von Gonziorowitz unweit Himmelwitz ent- 
wickelt. Ganz klein ist eine Partie bei Wierchleschie. Nun folgt gegen 
Osten eine weite Lücke, in welcher man die Bildung nicht kennt. Erst 
bei Tworog und von da südwärts bis Hanusek sind wieder hierher ge- 
hörende graue Letten und braune Dolomite entwickelt, welche namentlich 
an den Ufern des Stollenwassers zu beobachten sind. Auch bei Truschitz 
im Malapane-Thale sind ähnliche Schichten bekannt. Durch H. Eck 
sind dergleichen ferner bei Mi e dar und bei Rybna so wie am Wege von 
Larischhof nach Opatowitz unweit Tarnowitz beobachtet worden. 
Graue Thone und Sandsteine, welche hierher gehören, kommen ferner bei 


Keuper. 


155 


Zielona bis gegen Mokrus hin vor. -Auch südlich von Zielona im 
Forstreviere Glinionki haben graue Thone, Sandsteine und Dolomite 
mit Fischzähnen und Fischschuppen eine ansehnliche Verbreitung. Die 
Schichten sind hier bleierzführend und haben zur Einlegung verschiedener 
Muthurigen Veranlassung gegeben. Die fraglichen Schichten bilden übrigens 
an dieser Stelle eine kleine Mulde, da nordwärts wieder oberster Muschel- 
kalk (Rybnaer Kalk) hervortritt. Dieselben Dolomite und Thone sind 
auch noch weiterhin in südöstlicher Richtung in Bohrlöchern, welche für 
Rechnung des Grafen Henckel-Siemiano witz am Wege von Bibiella 
nach der ünterförsterei Dombrowa gestossen wurden, angetroffen worden. 
Weiter östlich müsste man die Lettenkohlen-Gruppe bei Brudziewice 
erwarten, aber hier kennt man nichts Bestimmtes davon. Anderer Seits 
gehören gewisse bei Goluchowice südlich von Siewierz auf Rybnaer 
Kalk aufgelagerte dunkelgraue Schieferthone mit hellen, aus einer An- 
häufung von Unionen -Schalen bestehende Kalklagen wahrscheinlich zur 
Lettenkohle. Bei Trzebieslawice hat man unweit der Schäferei graue 
Schieferthone mit Estheria minuta in einem Versuchsschachte auf Kohlen 
durchsunken. Diese Schichten bilden hier eine kleine ganz isolirte Mulde 
im Muschelkalke. Schichten von derselben Beschaffenheit wie diejenigen 
bei Goluchowice kommen bei Chruszcziebrod und weiter südlich im 
Westen von Trzebycka vor. Auch am Wege von Trzebycka nach 
Lenka hat man Schieferthone und graue mit kohligen Pflanzenresten er- 
füllte Sandsteine mit Schächten durchteuft. Es liegen hier diese Schichten 
unmittelbar auf Nulliporen- Dolomit auf und der Rybnaer Kalk sowie der 
mittlere Muschelkalk fehlen also. Im Dorf Lenka sind ganz ähnliche Schich- 
ten unter rothem Thon durch Brunnen aufgeschlossen. Am Wege von Lenka 
nach Lazy und weiter südlich am Wege nach Okradzionow kennt man 
Schieferthone mit Pflanzenresten und Unionen-führende Kalke, welche auch 
hier unmittelbar auf Nulliporen-Dolomit aufruhen. Man kennt die gleichen 
Schichten ferner nördlich von Boleslaw in der Richtung auf Hutki und 
Laski zu. Ganz in der Nähe von Boleslaw bilden sie eine kleine dem 
Muschelkalke eingelagerte Mulde, welche durch Stollenlichtlöcher aufge- 
schlossen ist. Bei Pomorzany werden graue Letten von den Schichten 
mit Ämmonites macrocephalus unmittelbar überlagert. Ebensolche Thone mit 
grauen von kohligen Pflanzenresten erfüllten Sandsteinen stehen bei C z arna 
göra und bei dem Vorwerke Mazaniec unweit Olkusz an. Im Krakau- 
schen füllen Gesteine dieser Art die ganze Hauptmulde des Muschelkalks 
zwischen Trzebinia und Jaworzno aus. Namentlich zwischen Luszo- 
wice und Gory-Luszo wskie treten graue Thone zu Tage. Auch bei 

20 ^ 


156 


Trias-Formation. 


Bai in unweit Chrzanow kennt man solclie Thone an mehreren Punkten 
auf Rybnaer Kalk aufruhend und von rothen Mergeln überlagert. Auch süd- 
lich von Cieszkowice und am Wege von dort nach Jaworzno treten 
sie zu Tage. Die ganze sumpfige Niederung zwischen Balin und Cieszko- 
wice wird wahrscheinlich von ihnen erfüllt. Bei Chrzanow waren sie 
früher südlich von der Mathilde-Grube durch Thongruben aufgeschlossen. 
Am Wege nach der Chrzanow er Eisenhütte kennt man sie auf oberem 
Muschelkalk aufrnhend und von jurassischen Schichten mit Ammonites macro- 
ceplialus überlagert. Ebenso treten sie an dem gegenüberliegenden Thal- 
gehänge bei Koszielec hervor. 

2. Eigentlicher oder mittlerer Keuper. 

Diese aus braunrothen und bunten Thonen mit Einlagerungen von 
dichtem gelblich weissen Kalksteine (Woischniker Kalk), grauen oder 
röthlichen Kalk-Breccien (Lissauer Breccien), mürben grauen Sandsteinen 
(Kamienietzer Sandstein) und dünnen Flötzen unreiner Kohle (Blano wicer 
Kohlen) zusammengesetzte mittlere Abtheilung des oberschlesisch -polni- 
schen Keupers ist sowohl nach Mächtigkeit, als nach der Verbreitung an 
der Oberfläche weitaus die wichtigste von den drei Abtheilungen. Die 
Mächtigkeit der ganzen Abtheilung beträgt mindestens 200 bis 300 Fuss, 
und mag in einigen Gegenden bis zu 300 — 500 Fuss anschwellen. Es 
wird passend sein zunächst die Thone selbst und demnächst die verschie- 
denen Einlagerungen in denselben nach einander näher zu betrachten. 

1. Braunrothe und bunte Thone. 
a. Petrographisches Verhalten. 

Das gewöhnliche Verhalten ist dasjenige von zähen, fetten, mit Wasser 
vollkommen plastisch werdenden, unvollkommen schieferig abgesonderten 
Thonen von braunrother oder blutrother Färbung. Der Kalkgehalt der 
Thone ist gewöhnlich nur gering und häufig zeigen die Thone nur ein sehr 
schwaches oder fast gar kein Brausen mit Säuren. Der durch diese Thone 
gebildete Ackerboden ist schwer und kalt, liefert aber doch bei gehöriger 
Auflockerung und Düngung reichliche Ernten von Cerealien, wie man z. B. 
in der Umgebung von Woischnik beobachten kann. Selten nimmt der 
Kalkgehalt bis. zu dem Grade zu, dass ein gleich den typischen Keuper- 
mergeln des mittleren und südlichen Deutschlands an der Luft in eckige 
Stücken zerfallender Mergel entsteht. An dem südlichsten Punkte der 
Verbreitung des Keupers, bei Balin unweit Chrzanow im Krakau’ sehen, 
hat er am meisten diese dem typischen deutschen Keuper-Mergel gleichende 


Keuper. 


157 


Beschaffenheit. Die gewöhnliche Färbung der Thone ist braunroth oder 
blutroth und fast immer sehr viel dunkeier als die typischen Keuper-Mer- 
gel des mittleren Deutschlands. Die Farbe gleicht derjenigen des Röth 
oder der oberen Abtheilung des bunten Sandsteins. Meistens umschliesst 
der braunrothe Thon unregelmässige, aber stets scharf begrenzte Partien 
oder flammige Streifen von hellem berggrünen Thon und wird so buntfarbig. 

b. Verbreitung*. 

Von den drei Abtheilungen, welche der oberschlesisch-polnische Keuper 
unterscheiden lässt, hat diese mittlere vorherrschend aus braunrothen und 
bunten Thonen bestehende bei Weitem die grösste Verbreitung. Während 
die Gesteine der Lettenkohlen-Gruppe nur eine schmale und durch aufgela- 
gertes Diluvium vielläch unterbrochene Zone am Rande des Muschelkalk- 
Rückens bilden und die Ablagerungen der oberen oder Rhätischen Gruppe 
auf einen von den jurassischen Gesteinen begrenzten Streifen zwischen 
Woischnik und Pitschen beschränkt sind, so erstreckt sich die Ver- 
breitung der mittleren Thone mit ihren kalkigen, sandigen und kohligen 
Einlagerungen auf den ganzen weiten zwischen jenen beiden Zonen aus- 
gedehnten Raum. Freilich sind sie meistens durch aufliegende Diluvial- 
Massen der unmittelbaren Beobachtung entzogen, aber immerhin sind die 
Flächenräume, in welchen sie unmittelbar an der Oberfläche erscheinen, 
ausgedehnt genug. Die einzelnen Partien, in welchen sie zu Tage treten, 
sind näher zu betrachten. 

Die südlichsten Punkte, an welchen der Keuper nachgewiesen wurde, 
liegen in der Umgebung von Chrzanow im Krakau’schen. In einem 
Eisenbahneinschnitte bei Balin unweit Chrzanow liegen die durch den 
Reichthum an wohl erhaltenen Versteinerungen berühmt gewordenen mit- 
teljurassischen Schichten auf hellfarbigen röthlich weissen und bläulich 
grauen, an der Luft in eckige Stücke zerfallenden Mergeln auf, welche 
ihrerseits auf Muschelkalk aufruhen. Die Mächtigkeit der Mergel kann 
nur gegen 10 bis 15 Fuss betragen. Nach petrographischem Verhalten 
und Lagerung können diese Mergel nur Keuper sein. Die geringe Mäch- 
tigkeit deutet darauf hin, dass die Bildung hier der Grenze ihrer ursprüng- 
lichen Ablagerung nahe ist. Dieselben Mergel sind auf der Halde eines 
nahe gelegenen alten Versuchsschachtes zu beobachten. Näch Fallaux^) 
stehen dieselben Schichten in Balin selbst am westlichen Ende des Dorfes 


i) Hohen egger’s Geognostische Karte des ehemaligen Gebietes von Krakau. Wien 1866. 
(Erläuterungen.) Seite 18. 


158 


Trias-Formation. 


an. Dann kennt man sie erst wieder bei Boleslaw, 2 Meilen nordöstlich 
von Chrzanow. Bei Hutki und Laski, nördlich von Boleslaw, stehen 
braunrothe Thone auf grössere Erstreckung zu Tage. Eine ansehnliche 
Partie bilden aber solche braunrothe Thone bei Lazy, 1 Meile nördlich 
von Slawkow. Hier treten auch zuerst die Breccien als Einlagerungen 
in den Thonen auf. Auch bei Gorki, nordöstlich von Lazy, und bei 
Bledow, östlich von Lazy, treten die Thone mit Einlagerungen von 
Breccien hervor. Bei Bl§dow sieht man deutlich die mittel-jurassischen 
kalkigen Schichten mit Ammonites macrocephalus auf die Keuper-Thone sich 
auflagern. Eine sehr grosse Partie bilden die Thone in der Umgebung von 
Trzebycka westlich von Niegowoniec. Die Thone setzen hier eine mit 
üppiger Laubholzwaldung bestandene flache Erhebung zusammen, zu deren 
Entstehung augenscheinlich der noch in kleinen anstehenden Partien erhal- 
tene Kalkstein (WoischnikerKalk) mit Hornstein-Concretionen Veranlassung 
gegeben hat. In einer ganz kleinen Partie treten die Thone bei dem Kruge 
Slotwina hervor. Hier waren alte Kohlenförderungen in den Thonen, 
die südlichsten überhaupt bekannten. Nördlich vonChruszcziebrod und 
zwischen Chrusziebrod und Wysoka treten die Thone deutlich an die 
Oberfläche. An einem Bachufer sind die Thone bei dem Hofe Mierzcio- 
wice nördlich von Chruszcziebrod aufgeschlossen. In der Umgebung 
des Dorfes Goluchowice sind sie dem Muschelkalke muldenförmig auf- 
gelagert. Ebenso erscheinen sie bei Trzebieslawice. Gute Aufschlüsse 
der rothen Thone sind ferner längs der schwarzen Przemsza zwischen Sie - 
wierz und Piwonia. Sie ruhen hier auf grauen Sandsteinen und dunkelen 
Schieferthonen mit Kohlenflötzen. Auch bei Brudziewice nördlich von 
Siewierz treten sie deutlich zu Tage und schliessen ein mächtiges Kalkstein- 
lager ein, welches in einem südlich von dem Dorfe gelegenen Steinbruche 
entblösst ist. Ein schwächeres Kalklager einschliessend erscheinen sie bei 
dem nahe gelegenen Dziewki. Bei Zawierzie erheben sich die Keuper- 
Thone zu einem niedrigen Höhenzuge, welcher gegen Nordwesten über 
Poremba- Mrzyglo dzka, Niwky, Mrzyglod, Pinczyce, Lgota, 
Kozieglowka, Kozieglo wy, W oischnik, Helenen thaljLubsc hau, 
Kamienietz bis zum Vorwerke Lasen westlich von Babinitz zusam- 
menhängend sich forter streckt. Der höchste Rücken des Höhenzuges wird 
meistens durch Kalksteinlager gebildet und an vielen Stellen schliessen die 
Thone mehr oder minder mächtige Einlagerungen von Sandsteinen und 
Breccien ein. 

Noch weiter gegen Nordwesten, nach Lublinitz zu, ist der Zug der 
Keuper-Thone weniger zusammenhängend an der Oberfläche. Grössere 


Keuper. 


159 


Partien treten jedoch noch bei Koschentin, zwischen Wiersbie und 
.Nieder-Sodow, zwischen Kochanowitz und Lissau, bei Lubetzko 
unweit Lublinitz, bei Kochtzitz, Pawonkau, Gross-Lagiewnik 
und in den Koczurren nördlich von Guttentag hervor. Als ein noch 
viel weiter gegen Nordwesten gerückter Ausläufer des Woischnik- 
Lublinitzer Zuges ist die Partie bei Kreutzburg zu betrachten. Die 
rothen Thone treten hier an mehreren Stellen an den flachen Thalgehängen 
des breiten Wiesenthaies des Stober-Flusses zu Tage und sind nament- 
lich durch mehrere Thongruben aufgeschlossen, aus denen die Ziegeleien 
in dem nordwestlich von der Stadt gelegenen Dorfe Kraskau ihr Mate- 
rial entnehmen. Ohne Bedeckung durch Diluvium sind in diesen Thon- 
gruben die typischen braunrothen Letten mit einzelnen Streifen von lichte- 
rem Thon und mit dünnen Lagen von losem grünlichgrauem Sandstein auf- 
geschlossen. 

Endlich sind nun auch südlich der die Orte Woischnik, Lubli- 
nitz, Guttentag und Kreutzburg verbindenden Linie die Thone an 
einer hinreichend grossen Zahl von Punkten nachgewiesen worden, um 
es als sicher erscheinen zu lassen, dass sie unter dem Diluvium sich über 
den ganzen weiten Flächenraum verbreiten, welcher im Norden durch die 
genannte Linie, im Süden durch die an den Nordrand des Muschelkalk- 
Rückens zwischen Tost und Krappitz sich anlehnende Zone der Letten- 
kohlen-Gruppe und im Westen durch die Oder begrenzt wird. Zu diesen 
Punkten gehören namentlich mehrere Partien im Malapane-Thale. 
Ganz nahe bei dem Hüttenwerke Malapane treten in dem Flussbette der 
Malapane graue und röthliche Thone hervor. Weiter unterhalb im Mala- 
pane-Thale zeigen sie sich noch einmal bei Trzenczin, 1^|2 Meilen 
nordöstlich von Oppeln und enthalten hier auch eine Einlagerung der 
grauen Breccien. Eine grössere Partie bilden sie bei Dembio östlich von 
Oppeln. Sie setzen hier ein flachhügeliges Gebiet in der Umgebung des 
Dorfes zusammen. In dem Dorfe selbst sind die rothen und hellen 
grünlichgrauen Thone mit dünnen Lagen von röthlichweissem mergeligen 
Kalkstein an mehreren Stellen aufgeschlossen. In dem westlich von Dem- 
bio auf dem linken westlichen Ufer des Himmelwitzer Wassers im 
Walde gelegenen, jetzt verlassenen Basaltbruche, sind in Berührung mit 
dem Basalte horizontale Schichten eines harten thonigen Gesteins zu 
beobachten, welche augenscheinlich durch den Basalt veränderte und hart 
gebrannte Keuper-Thone sind. Auch ein bei der Haltestelle Chronstau 
gelegener Basalt-Bruch zeigt Keuper-Thone und mergelige Kalksteinknollen, 
welche durch Einwirkung des Basaltes verändert sind. Endlich sind die 


160 


Trias-Formation. 


Keuper-Thone auch noch bei Kreutzburger Hütte und bei Damratsch 
unweit Carls ruhe nachgewiesen. Bei Kreutzburger Hütte hat man in 
einem vor einer Reihe von Jahren gestossenen Bohrloche die braunrothen 
Thone mit schmalen Streifen von hellen grünlichgrauen Letten wechselnd bis 
zu einer Tiefe von 20 Lachter angetroffen, xluch in den umliegenden Forsten 
Szubinik und Wolfsspurhaus kennt man die braunrothen Thone unter 
der Diluvial -Bedeckung. Bei dem nördlich von Carls ruhe gelegenen 
Dorfe Damratsch, bilden, wie durch Schächte bekannt ist, braunrothe 
Thone bis zu unbekannter Tiefe das Liegende der nur 4 bis 5 Lachter 
mächtigen thonigen Tertiär -Bildung, deren Thoneisensteine hier und an 
anderen Punkten in der Umgebung von Carlsruhe zu einem nicht unbe- 
deutenden Bergbau Veranlassung geben*). 

c. Einlagerungen von Kalksteinen, Breccien, Sandsteinen, Koklen und Brauneisensteinen 
in den Keuper -Thonen. 

Diese Einlagerungen, obgleich den Keuper-Thonen untergeordnet, er- 
scheinen doch zum Theil so selbstständig und zeigen eine so eigenthüm- 
liche, für den oberschlesisch - polnischen Keuper bezeichnende Entwicke- 
lung, dass sie eine gesonderte Behandlung fordern. Wir bezeichnen diese 
Einlagerungen als Woischniker Kalk, nach dem typischen Vorkommen 
bei Woischnik benannt, Lissauer Breccien nach dem typischen Vor- 
kommen bei dem Dorfe Lissau nördlich von Lublinitz, Kamienietzer 
Sandstein, nach dem Vorkommen bei Kamienietz unweit Lubschau, 
Bl an owic er Kohlen, nach dem Vorkommen bei Blanowice, und Braun- 
eisensteine von Poremba, nach dem Vorkommen bei Poremba- 
Mrzyglodzka. 

aa. Woischniker Kalk. 

1. Petrographisches Verhalten. 

Der Woischniker Kalk ist in seiner ausgebildetsten Form ein kom- 
pakter dichter Kalkstein von ebenem oder splitterigem Bruch und gelblich 
weisser oder graulich weisser Farbe, welcher in Handstücken den dichten 
weissen Jurakalken Schwabens und Frankens auffallend gleicht. Während 

1) In der Nähe von Kreutzburg ist als oberstes Glied der mittleren Keuper-Thone eine aus 
etwas kalkhaltigen ziegelrothen Thonen mit Streifen von fettem weissen Thon bestehende Schichten- 
folge entwickelt, welche anscheinend von den pflanzenführenden Wilmsdorfer Schichten unmittelbar 
bedeckt wird. Das äussere Ansehen dieser thonigen Schichten erinnert an dasjenige von tertiären 
Thonen. Namentlich bei Wüttend orf, Bankau und Kunzendorf nordöstlich von Kreutz- 
burg sind diese Schichten zu beobachten. Unreine rothe Thoneisensteine sind an mehreren Stellen 
dieser Schichtenfolge untergeordnet. 


Keuper. 


161 


jedoch bei diesen gewöhnlich nur der Schichtung parallele Absonderungen 
^ orkoinmen, so ist der hier zu betrachtende Kalkstein gewöhnlich durch 
ganz unregelmässige krummflächige Absonderungen, die meistens eine 
thonige Ausfüllung haben, mehr oder minder deutlich in knollenförmige 
Massen getheilt. Auf diesen Klüften erkennt man auch nicht selten undeut- 
liche senkrecht gestreifte niederige Absonderungen von der Art der Stylo- 
lithen. Durch Aufnahme von Thon geht der Kalkstein sehr häufig in Kalk- 
mergel über und nimmt dann häufig eine blassrothe statt der weissen Farbe 
an. Kieselige Ausscheidungen kommen häufig in dem Kalksteine vor. 
Gewöhnlich sind es unregelmässige Knollen von gelblich weissem undurch- 
sichtigen Hornstein. Zuweilen findet sich aber auch schön gefärbter, 
licht himmelblauer durchscheinender Chalcedon. Am Zogel-Berge bei 
VVoischnik trifft man faustgrosse solche blaue Chalcedon-Knollen, deren 
innere Höhlungen mit kleintraubigem Chalcedon oder auch mit Quarz- 
krystallen ausgekleidet sind, und zuweilen auch fleischrothen krystallinisch- 
blätterigen Schwerspath einschliessen, nicht selten an der Oberfläche umher- 
liegend an. Am Grojec-Berge bei Lubschau gewinnt der Hornstein eine 
solche Entwickelung, dass er den Kalkstein ganz verdrängt. Durch einen 
grossen Steinbruch ist hier ein gelblich grauer Hornstein in einer Mächtig- 
keit von mehr als zwanzig Fuss aufgeschlossen. Das Gestein ist von zahF 
reichen grösseren und kleineren Höhlungen erfüllt, die mit sehr kleintraubi- 
gem Chalcedon ausgekleidet sind. Das Gestein hat durch diese Porosität 
oder Cavernosität und durch die Farbe eine gewisse Aehnlichkeit mit dem- 
jenigen der bekannten, zur Fabrikation von Mühlsteinen verwendeten, 
tertiären Süsswasser- Quarzen (mmlieres) der Champagne und dieser Um- 
stand hat den Versuch veranlasst, dieses Gestein des Grojec-Berges 
ebenfalls zu Mühlsteinen zu verarbeiten. Allein die Unregelmässigkeit in 
der Vertheilung und in der Grösse der Poren und Höhlungen wird kaum eine 
erfolgreiche Verwendung des Gesteins zu dem genannten Zwecke zulassen. 

2. Lagerungs Verhältnisse. 

Der Kalkstein ist unzweifelhaft den rothen und bunten Keuper-Thonen 
eingelagert. Wenn man meistens nur die Auflagerung auf die Thone und 
nicht die üeberlagerung durch dieselben wahrnimmt, so ist daran augen- 
scheinlich nur der Umstand Schuld, dass die leicht zerstörbaren Thone 
über den festen Kalken fortgeführt sind. Als Einlagerungen in die Thone 
theilt der Kalkstein auch deren ganz flache, anscheinend horizontale Lage- 
rung. Uebrigens ist der Kalkstein kaum jemals in deutlich begrenzten 
Schichten oder Bänken abgesetzt, sondern fast immer durch Klüfte und mit 

21 


162 


Trias-Formation. 


Thon ausgefüllte Absonderungen in einzelne Blöcke oder sphäroidische 
Knollen aufgelöst. Die Gewinnung der Kalksteine zum Kalkbrennen macht 
daher auch kaum irgendwo die Anwendung eigentlicher Steinbruchsarbeit 
nöthig, sondern man braucht nur die einzelnen lose zusammengefügten 
Blöcke oder Knollen des Kalksteins von einander zu trennen. 

Ob es nur eine oder mehrere Einlagerungen des Kalksteins in verschie- 
denen Niveaus der Keuper-Thone giebt, ist nicht ganz sicher. Das Haupt- 
lager ist jedenfalls dasjenige, welches bei Woischnik und Lubschau 
den Rücken des Höhenzuges bildet. 

3. Organische Einschlüsse. 

Die äusserste Armuth an Versteinerungen gehört zu den auffallendsten 
Eigenthümlichkeiten des Kalksteins. Wenn man denselben zuerst an- 
stehend antrifft, so glaubt man bei der Aehnlichkeit des Gesteins mit 
anderen versteinerungsreichen Kalksteinen der Jura- und Kreideforma- 
tion mit Bestimmtheit sehr bald Versteinerungen davon auffmden zu kön- 
nen. Allein das erweist sich als Täuschung. Man kann Tage lang an den 
besten Aufschlusspunkten des Kalksteins eifrig nach solchen forschen, ohne 
auch nur eine Spur davon zu entdecken, ln der That sind bisher über- 
haupt nur ein Paar ganz undeutliche Reste aus dem Kalksteine bekannt 
geworden. Das eine ist ein kleines (Taf. 15, Fig. 12 abgebildetes) viel- 
leicht zu der Gattung Paludina gehörendes Gasteropodj welches bei 
Woischnik durch 0. Degenhardt gefunden wurde. Das andere ist 
das Zweigende einer wahrscheinlich zu den Coniferen gehörenden Pflanze 
im Kalksteine von Poremba-Mrzyglodska in der eigen thümli dien Er- 
haltung, dass die Theile der in gelblich weissen dichten Kalkstein einge- 
schlossenen Pflanze in durchsichtigen Kalkspath verwandelt sind. Auch in 
der Kalkpartie bei Nowa Wies finden sich undeutliche Pflanzenreste. 

4. Verbreitung. 

Die Hauptentwickelung hat die Kalkbildung in der Gegend von 
Woischnik, Lubschau und Kozieglowy, in welcher sie mehrere 
grössere Partien bildet. Das Vorkommen des Kalksteines am Zogel- 
Berge bei Woischnik kann als typisch gelten. Aber auch weiter gegen 
Südosten ist der Kalkstein an mehreren Punkten in Polen gekannt. Eine 
grössere Partie bildet der Kalkstein bei dem 1^|2 Meilen südlich von Kozie- 
glowy gelegenen Dorfe Pinczyce, wo er die Höhe des Plateau’s zu- 
sammensetzt, auf welchem das Dorf gelegen ist. Kleiner ist die Partie 
bei Koclin und eine andere bei Zabiiak. Noch beschränkter sind meh- 


Keuper. 


1G3 


rere Partien zwischen Koclin und Huta Stara. Sehr deutlich ist eine bei 
Nowawies nördlich von Myszkow gelegene kleine Parlie durch einen 
Steinbruch, der den Kalk für einen unmittelbar an der Eisenbahn erbauten 
Kalkofen liefert, aufgeschlossen. Mcht minder gut ist der Aufschluss der 
kleinen Partie bei ßrudziewice im Süden der devonischen Erhebung. 
Ein südlich von dem Dorfe gelegener Steinbruch zeigt den Kalkstein in 
ansehnlicher Mächtigkeit und grosser Reinheit. Mehr als zwei Meilen 
weiter gegen Südosten linden sich dann wieder mehrere kleine Partien in 
der mit üppigem Laubholzwalde bestandenen flachen Erhebung derKeuper- 
Thone bei Trzebycka westlich von Niegowoniec. Hornsteinstücke, 
aus dem Kalksteine herrührend, liegen lose in dem Walde umher. Sehr 
wahrscheinlich sind die Kalkpartien der Grund, dass sich hier eine flache 
Erhebung befindet, indem sie durch ihre Festigkeit die Keuper-Thone vor 
der Fortführung schützten. 

Andererseits reichen die Kalkpartien westlich von Lub schau über 
Koschentin bis über Lublinitz hinaus, überall die Höhen des aus den 
Keuper-Thonen bestehenden Rückens einnehmend. In freilich ganz unbe- 
deutender Entwickelung und von mehr mergeliger Beschaffenheit tritt der 
Kalk dann auch noch einmal an der westlichsten Grenze des ganzen 
Keuper-Gebietes, nämlich bei Dembio unweit Oppeln hervor. 

bb. Lissauer Breccien. 

Hach dem Vorkommen südlich von Lissau unweit Lublinitz, wo 
mehrere Steinbrüche deutliche Aufschlüsse gewähren und wo die Mehrzahl 
der organischen Einschlüsse sich gefunden haben, werden diese kalkigen 
Einlagerungen in die Keuper-Thone, um eine kurze Bezeichnung für die- 
selben zu haben, hier als Lissauer Breccien bezeichnet. Pusch*) hat 
sie, ihr Altersverhältniss übrigens durchaus verkennend und Fremdartiges 
mit ihnen verbindend, unter der Benennung „bunte oolithische Breccien'*^ 
ausführlich beschrieben. Auch v. Garn all hat sie mehrfach erwähnt. 
Erst durch die für die Herstellung der geologischen Karte von Oberschle- 
sien ausgeführten. Untersuchungen sind die Lagerungsverhältnisse und die 
Verbreitung dieser Bildung genauer bekannt geworden. 

1. P etrograp hisches Verhalten. 

Die gewöhnliche Erscheinungsweise ist diejenige eines hellgrauen kalki- 
gen Gesteines, welches aus hirsekorngrossen bis erbsengrossen rundlich 

•) Geognost. Beschreibung von Polen. Thl. II, S. 217 ff. 

21 * 


164 


Trias-Formation. 


eckigen Stücken von grauem Kalkstein und einem Bindemittel von wasser- 
hellem Kalkspath besteht. Die die Hauptmasse des Gesteins bildenden 
Kalkstückclien sind gewöhnlich mehr gerundet als eckig und es wäre die 
Benennung Conglomerat oder, wo die Stücke klein sind, Oolith, scheinbar 
mehr gerechtfertigt, als Breccie, wenn nicht auch einzelne entschieden 
eckige Stücke vorkämen und namentlich da, wo häufige eckige Stücken 
von kohligem fossilem Holz Vorkommen, die breccienartige Natur ent- 
schiedener hervorträte. Das Gestein der die Hauptmasse der Breccie bil- 
denden Kalksteinstückchen ist anscheinend ein homogener dichter grauer 
Kalkstein. Bei genauerer Betrachtung jedoch und namentlich an grösseren 
Stückchen, auf welche die Verwitterung eingewirkt hat, erkennt man eine 
concentrische Streifung und überzeugt sich, dass alle oder doch die meisten, 
der kleinen Stücke concentrisch schaalige Concretionen sind, welche sich 
augenscheinlich durch successiven Absatz der Schichten aus dem Wasser 
wie die Körner von Oolithen gebildet haben. Sind die Stücke grösser, so 
nimmt man diese concentrische Struktur sehr viel deutlicher und vollkom- 
mener wahr. Im Graben der Landstrasse bei Poremba fand ich faust- 
grosse ellipsoidische Stücke in der Breccie, welche beim Durchschlagen 
oder auf angewitterten Flächen die aus ganz feinen Lamellen bestehende 
concentrische Struktur in grosser Zierlichkeit zeigen. Die abwechselnd 
heller und dunkler gefärbten concentrischen Linien beschreiben zugleich 
wellenförmige kleine Biegungen. Diese concentrische Struktur erinnert 
an das Verhalten der Nulliporen-Knollen und namentlich derjenigen von 
Nullipom ramosissima des tertiären Leitha -Kalks im Wiener Tertiär- 
Becken. In der That zeigen die Concretionen zuweilen auch die nieren- 
förmige oder traubige Oberfläche solcher Nulliporen-Knollen. Auch bei 
Koschentin kommen in der Breccie solche grössere Knollen von mehr 
als Hühnerei - Grösse vor. Zuweilen sind Quarzkörner zwischen den 
rundlich - eckigen Kalkstückchen eingestreut. Namentlich in der Breccie 
der Steinbrüche bei Lissau selbst sind erbsengrosse oder haselnuss- 
grosse Gerölle von weissem oder röthlichem Quarz nicht selten. Nicht 
inmier sind die kleinen Kalkstückchen von grauer Farbe, sondern ein- 
zelne auch gelb oder roth. Dadurch erhält das Gestein ein buntgefleck- 
tes Ansehen, welches Pusch zu der Benennung „bunte oolithische 
Breccien‘‘ veranlasste, obgleich die graue Farbe des Gesteins durchaus 
die gewöhnliche ist. Solche roth -gefleckte Breccien kommen nament- 
lich sehr ausgezeichnet bei Mrzyglod vor. Die in solcher Weise 
anders gefärbten Kalkstückchen zeigen sich dann meistens auch in ihrer 
Masse aufgelockert oder zerreiblich und man erkennt, dass dieser ver- 


Keuper. 


165 


änderte Aggregatzustand die Folge einer von aussen nach innen fort- 
schreitenden Zersetzung der Kalkstückchen ist. Das aus späthigem Kalk 
bestehende Bindemittel der Breccien ist gewöhnlich ganz ungefärbt und 
wasserhell. In Quantität steht es gewöhnlich den rundlich -eckigen Kalk- 
stückchen nach. Leicht wird jedoch die Quantität auch für geringer 
gehalten, als sie in Wirklichkeit ist. Auf angewitterten Gfesteinsflächen 
erkennt man am besten das richtige Quantitäts-Verhältniss. Auf solchen 
steht der Kalkspath leistenförmig zwischen den vertieft liegenden Kalk- 
stückchen vor und widersteht also der Verwitterung mehr, als die ver- 
kitteten Kalkstückchen. 

2. Lagerungs Verhältnisse. 

Die Breccien sind den braunrothen Keuper -Thonen gleichförmig ein- 
gelagert und theilen mit denselben die sehr flache fast horizontale Neigung 
der Schichten. Die Schichtung ist stets deutlich und häufig wird eine 
Absonderung in ganz dünne Lagen beobachtet. Die Mächtigkeit der 
Breccien beträgt meistens nur einige Fuss; 10 bis 12 Fuss mag sie selten 
überschreiten, üebrigens sind augenscheinlich mehrere Lagen der Breccien 
in verschiedenen Niveaus der rothen Thone vorhanden. Bei Woischnik 
lässt sich auch beobachten, dass die Breccien - Einlagerungen nicht nur 
nnter, sondern auch über dem Woischniker Kalke Vorkommen. Ob die 
ßreccien-Lager freilich in demselben Niveau über grössere Entfernungen 
aushalten ist zweifelhaft. Vielleicht treten sie ziemlich unregelmässig in 
verschiedenen Niveaus der braunrothen und bunten Thone auf. 

3. Organische Einschlüsse. 

Im Ganzen sind die Breccien sehr arm an organischen Einschlüssen. 
Immerhin haben sie freilich die Mehrzahl der überhaupt aus der oberschle- 
sisch-polnischen Keuper- Bildung bis jetzt bekannt gewordenen Versteine- 
rungen geliefert. Am häufigsten sind Reste von Fischen und Sauriern. 
Von Conchjlien ist nur eine Ünio-Art beobachtet. Reste von Meeres- 
thieren sind ganz unbekannt. Häufig sind schwarze kohlige Holzreste von 
nicht näher bestimmbarer Gattung. Eine genauere Aufzählung der orga- 
nischen Einschlüsse der Breccien wird bei der Betrachtung der Versteine- 
rung der ganzen Keuper-Bildung gegeben werden. 

4. Verbreitung. 

Im Ganzen reicht die Verbreitung der Breccien über das ganze Gebiet 
der braunrothen und bunten Thone. Ihre Hauptentwickelung haben sie 


166 


Trias-Formation. 


aber in der Gegend von Sievvierz, Mrzyglod und Kozieglowy. Hier 
bilden sie namentlich nördlich von Poremba eine grössere Partie, welche 
sowohl durch die Gräben der Landstrasse, als auch durch mehrere am 
Wege nach Mrzyglod gelegene Steinbrüche aufgeschlossen ist. Auch in 
den Umgebungen von Niwki sind die Breccien an zahlreichen Punkten 
nachgewiesen. Bei Mrzyglod kennt man sie namentlich westlich von 
dem Orte. Ostwärts sind sie in einem Eisenbahneinschnitte bei Nierada 
entblösst. In sehr dicken festen Bänken steht die Breccie nördlich von 
Mrzyglod bei der Papiernia (Papiermühle) an dem rechten Ufer des 
Wartha-Flusses an. Die Einlagerung in die hier vortrefflich aufge- 
schlossenen rothen Thone ist deutlich zu beobachten. Grosse Blöcke der 
Breccien liegen in dem Flussbette. Auch bei Myszkow und Nowa-Wies 
kennt man die Breccien. Mehrere Aufschlusspunkte der Breccien liegen 
ferner östlich von Pinczyce. Unweit der Pustkowie Pila befindet sich 
ein Steinbruch, in welchem die ziemlich feste Breccie gebrochen und zu 
Werkstücken verarbeitet wird. Die Schichtflächen der Breccien sind hier 
zum Theil mit zwei Zoll langen Unionen - Schalen dicht bedeckt. Auch 
kohlige Pflanzenreste und schwarze Holzstücke von zum Theil 1 Fuss Länge 
sind hier in der Breccie sehr häufig. An keiner anderen Stelle tritt die 
Natur der Breccie als einer Süsswasserbildung so deutlich wie hier hervor. 
Südlich von Pinczyce sind die Breccien namentlich am Wege nach 
Dziewki bekannt. Nordwärts von Pinczyce, namentlich im Süden von 
Osiek. Eine Partie von bedeutendem Umfange bilden die Breccien bei 
LgotaKoziegiowska östlich von Kozieglowy. Nördlich von Ko zie- 
glowy durchschneidet die nach Siedlez führende Landstrasse eine andere 
kleinere Partie, ln dem südöstlich von Siewierz bis gegen Olkusz hin 
sich ausdehnenden Gebiete der rothen Keuper-Thone sind die Breccien 
nur an wenigen Punkten gekannt. Zu diesen gehören ein Punkt bei Nie- 
gowoniec und ein anderer bei Lazy. Wendet man sich anderer Seits 
von Kozieglowy gegen Westen, so vermisst man die Breccien auf einer 
ansehnlichen Strecke ganz und trifft sie erst wieder bei Woischnik und 
Lub schau. Am Zogel-Berge bei Woischnik kennt man sie am Süd- 
und Ostabhange des Berges. Sie haben hier Fisch- und Saurier -Reste 
geliefert. Bei Lubschau sind die Breccien am Wege nach Ludwigsthal 
und am westlichen Fusse des Vogels-Berges aufgeschlossen. Nördlich 
von Babinitz bilden sie eine kleine Kuppe. Nordöstlich von Lubschau 
sind sie auf dem Gute Helenenthal aufgeschlossen. Von hier aus 
1 Meile nordwärts liegt vereinzelt eine kleine Partie bei Bandori. Gut 
aufgeschlossen sind die Breccien südlich und westlich von Koschentin, 


Keuper. 


167 


namentlich in den Gräben der neu erbauten Landstrasse. Nördlich von 
Koschentin ist bei Boronow^ ein Vorkommen der Breccien bekannt. 
Vortreffliche Aufschlüsse der Breccien gewähren die bei Bissau und 
Chwostek *|.2 Meile nordöstlich von Lublinitz im offenen Felde gelege- 
nen SteinbrüchCj welche zum Theil Material zu der neu erbauten Land- 
strasse geliefert haben. Aus diesen Steinbrüchen rührt auch die Mehrzahl 
der aus den Breccien überhaupt bekannt gewordenen später genauer 
aufzuführenden thierischen Reste her. Schon vor Bissau trifft man, 
von Lublinitz kommend, die Breccien im Strassengraben an. Auch bei 
Glitten tag kommen die Breccien noch einmal zum Vorschein, nämlich 
beiKoczurry nördlich der Stadt. Die Aufschlusspunkte sind hier alte 
im Walde versteckte Steinbrüche. Endlich treten die Breccien mehr als 
3 Meilen westlich von diesem Punkte bei Trzenczin im Malapane- 
Thale, P |.2 Meilen nördlich von Oppeln, aus den rothen Thonen hervor. 

cc. Blanowicer Kohlen. 

(Pusch’s Moorkohleii.) 

1 . G e s c h i e li 1 1 i c h e s. 

Schon im Jahre 1805 hat L. v. Buch in einem erst neuerlichst gedruck- 
ten Berichte über die geognostischen Verhältnisse von Neu-Schlesien 
d. i. dem das Pürstenthum Siewierz begreifenden Theile von Polen, 
welcher in dem Zeiträume 1795 — 1807 zu Preussen gehörte, von dem 
Vorkommen dieser eigenthümlichen Kohlenbildung, unter der Benennung 
„Neueres Steinkohlengebirge^^, Nachricht gegeben*). Er beschrieb unter 
Mittheilung von Bohrregistern die Lagerung der Kohlen in mehreren dünnen 
Flötzen zwischen grauen und rothen Letten und erklärte auf das bestimm- 
teste die Verschiedenheit von den Kohlen des älteren Steinkohlengebirges, 
wie sie bei Dabrowa und an anderen Punkten in Polen verkommen. 
Freilich irrte er in der näheren Altersbestimmung dieser kohlenführenden 
Schichten, indem er sie für jünger als den benachbarten Jura -Kalk 
hielt und sie dem Quadersandsteine der Heuschejuer in der Grafschaft 
Gl atz im Alter gleich stellte. C. v. Oeynhausen^), die Beobachtungen 
L. V. Buch ’s benützend, hat eine wesentlich übereinstimmende Darstellung 
der Bildung geliefert. Er fasst die hierher gehörenden Schichten, freilich 
auch einiges Fremdartige damit vereinigend, unter der Benennung „Jüngste 


1) Vergl. Leopold V. Buch’ s gesammelte Schriften, herausgegeben von J. Ewald, J. Roth 
und H, Eck. I. Band. Berlin 1867, 8. 729—739. 

2) Vergl. Geognost. Beschreibung von Oberschlesien. S. 220 — 230. 


168 


Trias-Formatian. 


Sandstein- und Steinkohlen - Formation^^ zusammen. Später hat Pusch*) 
eine ausführliche Beschreibung dieser Kohlen, welche er mit dem wenig 
bezeichnenden Namen „Moorkohlen^^ aufführt, und der sie begleitenden 
Schichten geliefert. In Betreff ihrer Altersbestimmung griff auch er fehl, 
indem er ihnen über den jurassischen Schichten ihre Stelle anwies find ihre 
Zugehörigkeit zur unteren Abtheilung der Kreide -Formation für wahr- 
scheinlich hielt. Nachdem ich selbst 1862 die ganze Reihenfolge der in 
Oberschlesien und in den angrenzenden Theilen von Polen weit verbreite- 
ten rothen und bunten Thonen über dem Muschelkalke für Keuper erklärt 
hatte, wies dann Zeuschner die Einlagerung der Kohlen in diese Keu- 
per-Bildung nach. Die für die Herstellung der Karte gemachten Beob- 
achtungen von 0. Degenhardt hatten uns selbst schon zu der gleichen 
üeberzeugung geführt. Da die von Pusch gewählte Benennung „Moor- 
kohlen“ sehr wenig bezeichnend ist, so wird hier die von einer Lokalität 
des typischen Vorkommens hergenommene Bezeichnung „Blanowicer Koh- 
len“ vorgezogen. 

2 Petrographisches Verhalten. 

Die Blano wicer Kohlen sind schwarze bituminöse Kohlen, welche 
äusserlich meistens den echten Steinkohlen, und zwar Pechkohlen, gleichen, 
chemisch aber sich wie Braunkohlen verhalten und namentlich auch Kali- 
Lauge braun färben. Meistens sind sie sehr aschenreich und gewöhnlich 
Schwefelkies-haltig. Zuweilen ist der Schwefelkies in dicken Knollen in der 
Kohle ausgesondert. Die Kohlen sind, wie man bei diesen Eigenschaften 
erwarten kann, wohl für industrielle Zwecke, z. B. für Ziegeleien nicht aber 
für metallurgische Processe brauchbar. Die Mächtigkeit der Flötze beträgt 
gew'öhnlich nur 30 bis 40 Zoll, sehr selten bis 1 Lachter. Dabei halten die 
Flötze auch nicht einmal auf längere Strecken aus. Wahrscheinlich sind 
dfei bis vier Flötze übereinander vorhanden. Zwei Flötze hat man an meh- 
reren Stellen übereinander angetrotfen. Die Natur der Pflanzen, welche das 
Material zur Bildung der Kohlen geliefert haben, ist nicht näher bekannt. 
Wahrscheinlich sind die Kohlen vorzugsweise aus angehäuften Stämmen 
von Nadelhölzern gebildet, denn einzelne Stücke von schwarzem fossilen 
Coniferen -Holze kommen nicht selten in den die Flötze zunächst ein- 
schliessenden Thonen und sandigen Schichten vor. 


*) Vergl. Geognost, Beschreibung von Polen. Thl. II. S. 276 ft. 


169 


Keuper. 

3. Verbreitung. 

Das Hauptgebiet der Blano wicer Kohlen ist die Gegend zwischen Sie- 
wierz und Kromolow. Sie sind hier namentlich bei Poremba-Mrzy- 
glodzka, Blanowice, Kromolow, Kuznica -Maslonska und 
Wysoka durch Bergbau bekannt. Bei Poremba-Mrzyglo dzka findet 
noch heute eine ziemlich bedeutende Gewinnung Statt. Man baut dort 
in einer Tiefe von 4 bis 5 Lachter unter Tage ein 35 bis 40 Zoll starkes 
Flötz. Es ist dies gegenwärtig der bedeutendste Abbau in dem ganzen 
Moorkohlen-Gebiete. Die Kohlen werden hier von grauen Schieferthonen 
begleitet und schliessen grosse Knollen oder plattenförmige Concretionen 
von Binar-Kies ein. Bei Blanowice ist ein am Wege nach Zawiercie 
gelegene Grube im Betriebe auf welcher zwei Plötze abgebaut werden, 
dieselben Flötze wurden früher bei Kuznica-Maslonska, südlich von 
Zawiercie, gebaut. Nordwestlich von Wjsoka befindet sich im Walde 
eine Kohlengrube. Dicht bei Sie wierz selbst, an der oberen Przemsa- 
Brücke nämlich, geht ein Kohlenflötz im Flussbette zu Tage aus, welches 
nach Pusch 1 Lachter mächtig ist. Bei Goluchowice südöstlich von 
Sie wierz kennt man ein Kohlenflötz am oberen Ende des Dorfes. Auch 
südlich von der Warschau- Wiener Eisenbahn bis in die Gegend von Sla w- 


1) Zeuschner hat in: Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Bd. XVIII. 1866, S. 236 die Bohr- 
register von zwei im Jahre 1863 bei Blanowice gestossenen Bohrlöchern mitgetheilt. Mit dem 
ersten 140 Fuss tiefen Bohrloche wurden nachstehende Schichten durchstossen: 


1. Grauer Thon 10 Fuss — Zoll. 

2. Braunschwarzer Thon . . 2 » 6 * 

3. Kohlenschiefer — * 6 = 

4. Bläuliehgrauer Thon ... 3 = — * 

5. Braunkohle — * 8 =■ 

6. Kohlenschiefer — = 6 * 

7. Gelblicher Thon mit Sand . 12 = 6 * 

8. Kohlenschiefer 1 * 6 * 

9. Gelber Thon 27 * — » 

10. Feinkörniger grauer Sandstein 4 * — * 

11. Bläulichgrauer Thon ... 6 * — * 

12. RotherThon 2 ' — = 

13. Bläulichgrauer Thon ... 3 = — = 

14. Rother Thon 15 * — = 

15. Feinkörniger grauer Sandstein 1 = 6 * 

16. Braunkohle 3 * 4 * 

17. Feinkörniger grauer Sandstein 1 - 4 = 

18. Kohlenschiefer ..... 1 * 4 - 

19. Rother Thon 44 ^ — * 


Es wurden also mit diesem Bohrloche zwei Kohlenflötze, eines von 8 Zoll und eines von 3 Fuss 
4 Zoll , durchstossen. Die Kohle ist in dem Bohrregister als Braunkohle bezeichnet, obgleich sie 
wenigstens äusserlich der Steinkohle gleicht. Das zweite Bohrloch ergiebt eine ähnliche Aufeinander- 
folge (fer Schichten. 


22 


170 


Trias-Formation. 


kow und Olkusz sind die Moorkohlen nachgewiesen. Nach Pusch gin- 
gen früher namentlich westlich von Niegowoniec und in der Nähe von 
Trzebjcka Versuche auf Kohle um. Im Eisenbahneinschnitte westlich 
von Trzebycka geht ein Flötz zu Tage aus. Nur schwache Flötze sind 
bei Laski und Hutki nordöstlich von Slawkow bekannt geworden. 
Endlich sind Tn den Thongruben einer Ziegelei bei Kosziel ec unweit 
Chrzanow Kohlenspuren beobachtet. Das würde der südlichste Punkt 
sein, bis zu welchem sich die Kohlen nachweisen lassen. 

Wendet man sich anderer Seits westlich und nördlich von Siewierz, 
so kennt man die Kohlen bei Kadlup westlich von Siewierz am Wege 
nach der preussischen Grenze. Die Lagerungsverhältnisse sind hier nicht 
ganz klar. Wahrscheinlich bildet der Keuper mit den Kohlen hier eine 
kleine Mulde in dem Gebiete des Muschelkalks. Nördlich von Siewierz 
sind die Moorkohlen bei Brudziewice bekannt. Schon Pusch hat sie 
hier erwähnt. Sie treten hier am Rande der devonischen Erhebung nörd- 
lich von dem Dorfe zu Tage. Noch weiter nördlich werden die Moorkohlen 
bei Bedusz gebaut. Gegen das gewöhnliche Verhalten scheint hier, wie 
schon vorher erwähnt wurde, das gebaute Flötz über den Kalken zu liegen. 
Von Bedusz noch weiter gegen Nordwesten folgt ein weiter Raum, in 
welchem die Kohlen bisher nicht nachgewiesen wurden und namentlich 
kenntman sie nicht in d'en Umgebungen von Wois chnik und KoziegTo wj. 
Erst bei Kamienietz nordwestlich von Woischnik sind sie bei den 
„Mühlhäusern^^ in einem Versuchsschachte angetroffen worden^). Endlich 
gehören wahrscheinlich auch gewisse schwache Kohlenflötze, die man bei 
Danietz südlich von Malapane erschürft hat, zu dieser Kohlenbildung. 

dd, Porembaer Brauneisensteine, 

Gewöhnlich erscheinen diese Eisensteine als dichter Brauneisenstein in 
unregelmässigen Knollen. Aber auch faseriger Brauneisenstein kommt 
vor. Die Einlagerung in die Thone betreffend, so scheint der Brauneisen- 
stein überall nur unregelmässige Nester in den braunrothen Thonen zu 
bilden. Besonders früher haben die Eisensteine zu einem ansehnlichen 
Bergbau Veranlassung gegeben. Die Verbreitung betreffend, so kennt 
man diese Eisensteine namentlich in dem südöstlich, östlich und nordöst- 
lich von Siewierz ausgedehnten Gebiete der Keuper-Thone. Besonders 
in den Wäldern der Herrschaft Poremba, sowohl nördlich als südlich 
von Poremba, sind sie bekannt, so dass man die Eisensteine überhaupt 


1) Vergl. V. Carnall: Bergmännisches Taschenbuch, Dritter Jahrgang 1846. S. 25. 


Keuper. 


171 


nach dieser Localität bezeichnen kann. An zahlreichen Punkten sind sie 
ferner auf der Herrschaft Miaczow, im Walde zwischen B§dusz und 
Stara Hutta nachgewiesen. Man kennt sie ferner auch nördlich von 
Pinczyce. Besonders am Wege von Pinczyce nach Kozieglowy be- 
finden sich im Walde alte Eisensteinförderungen. Endlich sind die Lager 
des Eisensteins auch in den Waldungen um Trzebycka verbreitet. 

3. Oberer Keuper oder Ehätische Schichten, 
a. Wilmsdorfer Schichten mit Pflanzenführenden Sphaerosideriten. 

aa. Geschichtliches. 

Die hierher gehörenden Schichten sind durch den Bergbau, zu welchem 
die in ihnen vorkommenden Sphaerosiderite namentlich in der Gegend 
zwischen Kreutzburg, Landsberg und Pitschen Veranlassung geben, 
seit langer Zeit gekannt, obgleich sie sich durch eine Diluvial-Bedeckung 
der unmittelbaren Beobachtung an der Oberfläche fast überall entziehen. 
Der Umstand, dass sie gleich den benachbarten mitteljurassischen Ablage- 
rungen von Bodzanowitz, Wichrow und Sternalitz bei Landsberg 
thonige Sphaerosiderite einschliessen, ist der Unähnlichkeit des übrigen Ver- 
haltens ungeachtet der Grund geworden, dass man sie mit diesen letzteren 
Schichten bisher immer als gleichalterig verbunden hat. R. v. Garn all, 
Göppert und Beyrich haben ihnen übereinstimmend diese Stellung ange- 
wiesen. Die durch Göppert 1843 und 1846 beschriebenen Pflanzen aus den 
Sphaerosideriten dieser Schichten, in welchen man jurassische Formen zu 
erkennen glaubte, bestärkten in der Annahme von- der jurassischen Natur 
der Schichten. Im Jahre 1863 habeich selbst diese Schichten zuerst dem 
Keuper zugewiesen, indem ich die Verschiedenheit ihres petrographischen 
Verhaltens von denjenigen von Bodzanowitz hervorhob und die Mög- 
lichkeit betonte, .die angeblich jurassischen Pflanzenformen als Arten des 
Keupers zu deuten. Die letztere Ansicht hat neuerlichst durch die Unter- 
suchung der betreffenden Pflanzen durch A. Schenk, welcher die meisten 
derselben als bekannte Arten der im mittleren und südlichen Deutschland 
verbreiteten Grenzschichten zwischen Keuper und Lias bestimmte, ihre 
Bestätigung erhalten. 

bü. PetrogTapMsclies Verhalten. 

Im Ganzen stellt die hier zu beschreibende Bildung eine 60 bis 80 Fuss 
mächtige Schichtenfolge von rothen und grünlichgrauen, zum Theil in Mer- 
gel übergehenden Thonen mit Einlagerungen von thonigen Sphaerosideriten 
dar. Die Thone, obgleich im Allgemeinen denjenigen der die Unterlage bil- 

22 * 


172 


Trias-Formation. 


(lenden vorhergehenden Schichtenfolge ähnlich, sind doch im Ganzen hell- 
farbiger und kalkreicher. Statt der herrschenden dunkel blutrothen Fär- 
bung sind hier blassrothe und hellgraue Farben die gewöhnlichsten und 
statt der rein thonigen Natur ist das Verhalten durch grösseren Kalkgehalt 
mehr mergelig und demjenigen der typischen Keuper -Mergel im mittleren 
Deutschland ähnlich. Zuweilen zerfallen sie wie diese letzteren an der 
Luft in eckige Stücke. Noch mehr als diese Verschiedenheit der thonigen 
Hauptmasse unterscheidet aber das Vorkommen der Sphaerosiderite diese 
Schichtenfolge von der vorhergehenden, welcher solche Eisensteine durch- 
aus fremd sind. Diese thonigen Sphaerosiderite bilden mehrere Lagen 
von aneinander gereihten faustgrossen bis kopfgrossen Knollen in den 
Thonen oder Mergeln. Sie sind im Innern von dichter Beschaffenheit und 
dunkelgrauer oder durch Oxydation graubrauner Färbung. Die Kluft- 
flächen sind häufig mit glänzenden kleinen Krystallen von Spatheisenstein 
bekleidet. Dem Eisengehalte nach gehören diese Sphaerosiderite zu den 
reichsten und besten. Bei Wilmsdorf nehmen die Sphaerosiderite so 
viele kleine Quarzkörner auf, dass sie zu einem eisenhaltigen thonigen 
Sandsteine werden. Gerade diese sandigen weissgesprenkelten Sphaero- 
siderite sind reich an fossilen Pflanzen. 

cc. Grliederung*. 

Meistens erscheint die ganze Bildung als eine gleichartige nicht weiter 
theilbare Reihenfolge von Schichten. Nur an einigen Punkten beobachtet 
man als das unmittelbare Liegende intensiv ziegelrothe weiss gefleckte 
Thone mit Rotheisensteinen. Namentlich im Dorfe Ober-Kunzendorf 
bei Kreutz bürg und an einer nördlich davon in einem Nebenthale gele- 
genen Stelle treten diese Thone zu Tage. Bei Wüttendorf östlich von 
Kreutzburg bilden sie sogar eine ansehnlichere Partie. Man kennt sie 
ferner an der Win dmühle bei BankauQ. Auch zwischen Wysoka und 
Neu-Wachow südlich von Rosenberg. Hier stehen die rothen Thone 
im Thalgehänge des Baches an und in der Nähe sind Eisensteinförderungen. 
Endlich hat man auch bei Sumpen anscheinend dieselben Schichten an- 
getroffen. Nach dieser ansehnlichen Verbreitung scheint es fast, als ob 
diese Rotheisenstein-führenden ziegelrothen Thone ein regelmässiges tiefstes 
Glied der Wilmsdorfer Schichten bildeten. 


1) Schon vorher wurden diese thonigen Schichten als oberstes Glied des mittleren Keupers er- 
wähnt, aber wahrscheinlich haben sie hier den passenden Platz. Auf der Karte sind diese Schichten 
noch der vorhergehenden Abtheilung zugerechnet. 


173 


Keuper. 

dd. Lagerungsverhältniss. 

Obgleich die gleichförmige Auflagerung der Wilmsdorf er Schichten auf 
die die mittlere Abtheilung des oberschlesischen Keupers bildenden braun- 
rothen und bunten Thone mit Breccien u. s. w. durch direkte Beobachtung 
nicht bestimmt vermittelt wurde, so ist doch an dieser Auflagerung nach 
der Verbreitung beider Bildungen an der Oberfläche nicht zu zweifeln. 
Durch unmittelbare Beobachtung ist dagegen die gleichförmige üeberlage- 
rung durch die Hellewald er Estherien- Schichten festgestellt. Die durch 
alte Eisensteinförderungen bei Colonie Barkhausen unweit Nassadel 
an der Strasse von Landsberg nach Pitschen gewährten Aufschlüsse 
zeigen deutlich die unmittelbare Aufeinanderfolge dieser Schichten. 

ee, Verbreitung. 

Die hierher gehörenden Schichten bilden eine 10 Meilen lange Zone 
längs der preussisch-polnischen Grenze zwischen Zimnowoda nördlich 
von W oischnik und Goslau unweit Pitschen, welche bei einer Längs- 
richtung von Süd-Ost gegen Nord- West allmählich an Breite zunimmt, so 
dass, während die Breite bei Zimnowoda nur 'I 4 Meile beträgt, dieselbe 
zwischen Landsberg und Kreutzburg bis auf 1 Meile gewachsen ist. 
In das zwischen den Städten Kreutzburg, Pitschen und Landsberg 
ausgedehnte Gebiet fällt daher die Hauptverbreitung der Bildung. Hier 
bauen zahlreiche Eisensteingruben auf den Sphaerosideriten dieser Bildung. 
Die nördlichsten dieser Gruben sind diejenigen von Goslau und von 
Wilmsdorf südlich von Pitschen. Bei Wilmsdorf sind die Sphaero- 
siderite zum Theil so reichlich mit Quarzkörnern gemengt, dass sie zu 
einem thonreichen Sandstein werden. Gerade diese sandigen Schichten 
enthalten vorzugsweise die Pflanzenreste, welche hier häufiger sind als 
anderswo. Andere Eisensteinförderungen befinden sich östlich von Lof- 
kowitz, bei Matzdorf, bei Colonie Donnersmark und bei Ludwigs- 
dorf. Südöstlich von Ludwigs dorf folgt dann ein Zwischenraum von 
mehreren Meilen, in welchem man die Schichten nicht kennt, obgleich sie 
ohne Zweifel in der Tiefe vorhanden sind. Erst bei Ponnoschau und 
zwischen Ponnoschau und Zb oro wsky ist ihr Vorkommen wieder durch 
Eisensteinförderungen bezeichnet. Noch ausgedehnter sind die Eisenstein- 
förderungen bei Liebsdorf, ^[2 Meile nordöstlich von Lublinitz und bei 
Sumpen östlich von Lublinitz. Die äussersten südöstlichen Punkte, 
wo die Bildung bisher nachgewiesen wurde, sind die Eisensteinförde- 
rungen bei Zimnowoda und bei Nie wen nordwestlich von W oischnik. 
Die Bildung reicht also bei weitem nicht so weit gegen Süden wie die Kalk- 


174 


Trias-Formation. 


und Breccien- führenden Keuper- Thone. Sie gehört wie die Hellewalder 
Estherien- Schichten nur dem nordwestlichen Theile des Keuper -Gebietes 
an, wo sie sich zwischen die Keuper-Thone und die untersten mittel-jurassi- 
schen Ablagerungen einschiebt. 

» 

ff. Organisclie Einschlüsse. 

Nur aus den der Bildung untergeordneten Sphaerosideriten sind Ver- 
steinerungen bekannt und aus auch diesen nur pflanzliche Reste aus den 
Ordnungen der Cyeadeen, der Farne und der Equisetaceen, Die Sphaeroside- 
rite von mehreren der zwischen Kreutzburg, Landsberg und Ritschen 
liegenden Eisensteinförderungen haben solche Pflanzenreste geliefert. Als 
die reichste Lokalität hat sich bisher Wilmsdorf bei Ritschen erwiesen. 
Diese Pflanzenreste werden weiterhin bei der üeb ersieht über die organi- 
schen Einschlüsse der Keuper-Bildung überhaupt näher betrachtet werden. 

b. Hellewalder Estherien-Scliichten ^). 

Diese, nach der Colonie Hellewald bei Landsberg und nach dem 
Vorkommen der Estheria minuta benannte, 60 bis 80 Fuss mächtige 
Schichtenfolge besteht aus einem Wechsel von glimmerreichen weissen 
Sandsteinen und weissen Thonen mit Lagen von Thoneisenstein. Die letz- 
teren sind an mehreren Punkten in der Gegend von Landsberg Gegen- 
stand bergmännischer Gewinnung und diese Eisensteinförderungen geben 
vorzugsweise Gelegenheit zur Beobachtung der Schichtenfolge. Die ge- 
wöhnlich mehr oder minder zusammengedrückten, 4 bis 5 Millini. langen, 
concentrisch gestreiften Schalen der Estheria minuta‘^') bedecken dicht 
gedrängt die Schichtflächen von gewissen Lagen des Sandsteins oder des 
thonigeii Sphaerosiderits. Der Sandstein ist gewöhnlich in dünnen Lagen 
oder Platten abgesondert und niemals so fest, dass er etwa zu AVerk- 
stücken verarbeitet werden könnte. Die Schichtflächen des Sandsteins 
glänzen meistens von dicht gedrängten Blättchen von weissem Glimmer. 
Zuweilen sind gewisse Lagen des Sandsteins und der Sphaerosiderite nicht 
weiss, sondern intensiv braunroth. Die Sphaerosiderite bilden übrigens 
nicht sowohl gleich den pflanzenführenden Sphaerosideriten der vorher- 
gehenden Schichtenreihe feste Knollen oder Nieren, sondern dünne Lagen 
oder Schichten von geringer Festigkeit. Die Schichtenfolge besitzt in der 
Gegend von Landsberg eine ansehnliche Verbreitung. Der nördlichste 


1) Auf der Karte mit k bezeichnet. 
2j Vergl. Taf. 15, Fig. 10 und 11. 


Kenper. 


175 


Punkt, an welchem man sie kennt, ist Colonie Barkhausen bei Nassa- 
del an der Strasse von Landsberg nach Pitschen. Sie ist hier durch 
alte Eisensteinbaue aufgeschlossen. Diese Aufschlüsse haben noch eine 
besondere Wichtigkeit durch den Umstand, dass man hier die unmittelbare 
Auflagerung ’ der Schichtenfolge auf die Thone mit pflanzenführenden 
Sphaerosideriten beobachtet Demnächst kennt man sie bei Hellewald 
nordwestlich von Landsberg. Es geht hier ein ansehnlicher Eisensteiii- 
bergbau auf den Schichten um. Einen anderen Aufschluss gewähren die 
Eisensteinförderungen im Walde zwischen Gohle und Neudorf bei 
Landsberg. Die Estherien sind hier wie bei Hellewald besonders 
häufig. Auch an den Thalgehängen des Baches, der bei dem Vorwerke 
Przitozne vorüberfliesst, stehen die Schichten zu Tage. Sie wurden 
ferner mit mehreren Schächten bei Butzow angetroffen. Ebenso in den 
Eisensteingruben des südwestlich von Landsberg zwischen Carls- 
berg, Sophienberg und Vorwerk Schottkau gelegenen Gebietes. Bei 
Sophienberg gehen sie ausserdem in einem Wasserrisse zu Tage. Die 
zuletzt genannten Punkte gehören übrigens insofern zusammen, als sie 
sämmtlich an dem Gehänge eines flachen Plateaus liegen, dessen oberste 
Fläche durch die weiterhin näher zu betrachtenden sandigen und eisen- 
schüssigen untersten Schichten der Juraformation gebildet wird. 

Auf der Colonie Dupine hat man die Schichtenfolge in einem Schachte 
ganz in der Nähe der in den sandigen Jura-Schichten eröffneten Steinbrüche 
angetroffen. Bei Winskowitz bauen mehrere Eisensteingruben auf der- 
selben^ bei Paulsdorf geht sie am nordwestlichen Abhange einer mit san- 
digen Jura-Schichten bedeckten Anhöhe zu Tage^). Bei Jastrzigowitz 
gehen die Schichten an mehreren Stellen zu Tage aus. Auch westlich von 
Skronskau an der Strasse von Landsberg nach Rosenberg kennt 
man sie. Wahrscheinlich- stehen auch die alten Versuchsbaue von Alt - 
Karmunkau in denselben. Deutlich sind sie endlich auch noch bei 
Stany im Königreiche Polen, Bodzanowitz gegenüber, durch Bergbau 
aufgeschlossen. 

Ausser Estheria, minuta wurden keine organischen Einschlüsse in der 
Schichtenfolge beobachtet. Aber auch für sich allein ist diese kleine 
Crustacee von grosser Wichtigkeit für die Altersbestimmung der Bildung. 
Estheria minuta ist ein im Keuper weit verbreitetes Fossil. Rup. Jones 


1) Von Paiilsdorf habe ich schon früher (vergl, Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Bd, XV. 
1863. S. 701) das Vorkommen von Estheria minuta angeführt, aber mit der irrigen Angabe, dass sie 
der Schichtenfolge mit den pflansenführenden Sphaerosideriten angehöre. 


176 


Trias-Formation. 


hat in seiner Monographie der Gattung^) die Verbreitung der Art ausführ- 
lich angegeben. Dieselbe reicht durch alle Abtheilungen des Keupers. 
Eine Varietät, Estheria minuta var. Brodieana, welche durch geringere 
Grösse und feinere Maschen der netzförmigen Schalenskulptur ausgezeich- 
net sein soll, ist nach R. Jones für die Grenzschichten zwischen Keuper 
und Lias oder die sogenannte rhätische Formation bezeichnend. Die ober- 
schlesische Form passt gut zu den Abbildungen dieser Varietät. Erwägt 
man, dass nach dem Vorhergehenden die Flora der Sphaerosiderit-führen- 
den Thone der Eisensteinförderungen zwischen Kreutzburg und Lands- 
berg eine durch mehrere gemeinsame Arten bestimmt begründete üeber- 
einstimmung mit der Flora der Grenzschichten zwischen Keuper und Lias 
in Franken zeigt, so bleibt es kaum zweifelhaft, dass wir in diesen Tho- 
nen mit pflanzenführenden Sphaerosideriten und in der durch Estheria 
minuta bezeichneten Schichtenfolge ein Aequivalent der sogenannten rhäti- 
schen Schichtengruppe oder der Zone der Avicula contorta vor uns haben. 
Freilich fehlt noch die so bezeichnende und weit verbreitete Conchylien- 
Fauna mit der Avicula contorta selbst. Vielleicht gelingt es, dieselbe in 
der sandigen Schichtenfolge mit Estheria minuta oder über derselben noch 
aufzufinden. Die petrographische Beschaffenheit der Schichten ist zum 
Theil derjenigen der sandigen Gesteine ähnlich, welche im mittleren und 
südlichen Deutschland die Fauna der Avicula contorta einschliessen. 

Mit diesen Estheria führenden Schichten schliesst der Keuper 

von Oberschlesien und Polen nach oben ab. Denn die ihnen in der Gegend 
von Landsberg überall gleichförmig aufruhenden weissen und braunen 
Sande und eisenschüssigen Sandsteine und Conglomerate gehören, wie 
weiterhin gezeigt werden wird, schon dem mittleren oder braunen Jura an. 
Diejenigen Autoren, welche die rhätischen Schichten dem Lias zurechnen, 
würden auch die Hellewalder Estherien-Schichten so wie die bunten Thone 
mit pflanzenführenden Sphaerosideriten dem untersten Gliede der Jura- 
Formation zuweisen müssen. 

Organische Einschlüsse. 

Vergl. Taf.13,14,15. 

Im Ganzen ist der Keuper Oberschlesiens und der angrenzenden Theile 
von Polen sehr arm an Versteinerungen. Namentlich sind sie in der die Haupt- 
masse nach aus braunrothen und bunten Thonen bestehenden mittleren Ab- 


1) A monograph of the fossil Estheriae by T. Rup. Jones. London. 1862. (Publicatloii der 
Palaeontogr. Soc.) S. 42 — 78. 


Keuper. 


177 


theilung so sparsam, wie in den gleichstehenden bunten Keuper-Mergeln im 
übrigen Deutschland. Erst nach fortgesetzten Bemühungen ist es gelungen, 
in den diesen Thonen untergeordneten kalkigen und sandigen Einlagerun- 
gen eine Anzahl von Fossil-Resten zu entdecken, und die Auffindung dieser 
Reste gehört zu den erwünschtesten Ergebnissen der zunächst für die Her- 
stellung der geognostischen Karte von Oberschlesien ausgeführten Unter- 
suchungen. Im Ganzen rühren die überhaupt bekannt gewordenen Arten 
aus der Lettenkohlen -Gruppe, den kalkigen und sandigen Einlagerungen 
der mittleren Abtheilung, aus den Sphaerosideriten der Wilmsdorfer 
Schichten und aus den Hellewalder Estherien-Schichten her. 

A. Pflanzen. 

Abgesehen von nicht näher bestimmbaren Pflanzenresten in den die 
Blanowicer Kohlen begleitenden thonigen und sandigen Schichten sind 
bisher Pflanzen nur aus den Thoneisensteinen der Wilmsdorfer Schichten 
und aus gewissen eigenthümlichen, bisher nur beiEllguth unweit Wois ch- 
nik nachgewiesenen kalkigen Schichten bekannt. 

a. Pflanzen der Thoneisensteine der Wilmsdorfer Schichten, 
aa. Oeschichtliclies. 

Die erste Kenntniss dieser Pflanzen verdankt man Göppert. ln einer 
die fossilen Cycadeen überhaupt betreffenden Arbeit*) beschrieb derselbe 
zunächst drei Arten der Gattung Pterojpliyllum aus den Thoneisensteinen 
von Ludwigs dorf. Einige Jahre später hat er dann eine Aufzählung 
und Beschreibung von sämmtlichen ihm bekannten Arten der kleinen Flora 
geliefert. Dieselbe wurde von ihm für mitteljurassisch erklärt und zunächst 
mit derjenigen der mitteljurassischen Schichten von Yorkshire verglichen^). 
Augenscheinlich war für diese Altersbestimmung der Flora die damals 
allgemein geltende irrige Annahme von Einfluss, dass die pflanzenführenden 
Sphaerosiderite von Ludwigsdorf, Matzdorf und Wilmsdorf mit den 
Thoneisensteinen der Eisensteingruben von Bodzanowitz, Wichrow 
und Sternalitz, welche Ämmonites Parkinsoni, Belemnites giganteus und 
Pholodomya MurcMsoni enthalten und unzweifelhaft mitteljurassisch sind, 
zu derselben Schichtenfolge gehören. Nachdem ich selbst später nach- 


1) Ueber die fossilen Cycadeen überhaupt mit Rücksicht auf die in Schlesien vorkommenden 
Arten in: Arb, der Schles. Ges. für vaterl. Cultur im Jahre 1843. Breslau 1844. S. 114 — 144. 

2) Ueber die fossile Flora der mittleren Jura-Schichten in Oberschlesien; ebendas. Jahrg. 1845. 
Breslau 1846. S. 139—149. 


23 


178 


Trias-Formation. 


gewiesen hatte ^)5 dass die fraglichen Pflanzen eben so wohl als Keuper- 
Pflanzen zu deuten seien, wurden durch A. Schenk, dem ich das von mir 
gesammelte Material mitgetheilt hatte, die Identität einer Anzahl von ober- 
schlesischen Arten mit solchen der Grenzschichten zwischen Keuper und 
Lias in Franken erkannt und die durchgängige Verschiedenheit von den 
Arten des eigentlichen Keupers und namentlich des grünen Keuper-Sand- 
steins von Stuttgart, festgestellt ^). Seitdem hat derselbe Autor in sei- 
ner Monographie der fossilen Flora der fränkischen Grenzschichten^) eine 
üebersicht der oberschlesischen Flora geliefert. 

bb. Aufzählung der Arten. 

Pflanzen aus den Sphaerosideriten von Wilmsdorf, Goslau und 
Ludwigsdorf. 

1. Asplenites Ottonis — Taf. 13, Fig. 1.; 

Pecojpteris Ottonis Göppert, Jahresbericht der Schles. Ges. 1844 
S. 144, Taf. I., Fig. 4 — 10; Schloenbach in: Jahrb. für Mineral. 
1860 S. 525, Taf. 4, Fig. A.: Asj)lenites Ottonis Schenk, a.a.O. S. 53, 
Taf. XL, Fig. 1—3, Taf. XlV., Fig. 3—5. 

Handgrosse schwarzgefärbte Wedel -Fragmente liegen auf den Spal- 
tungsflächen des graubraunen sandigen Sphaerosiderits von Wilmsdorf. 
Die Form der Blättchen ist sehr veränderlich. Zuweilen sind sie ganz- 
randig und an den Enden zugespitzt, während sie bei der typischen ge- 
wöhnlichen Form an den Rändern gekerbt und an den Enden zugerundet 
sind. Zuweilen ist die Substanz der Blättchen selbst als schwarzes oder 
dunkelbraunes biegsames lederartiges Häutchen erhalten. Die schon von 
Göppert hervorgehobene Haupt - Eigenthümlichkeit dieses E'arn’s, die 
dichte Besetzung des Blattstiels und der Spindeln der sekundären Segmente 
mit Spreuschuppen 5 ist meistens deutlich wahrzunehmen. 

Vorkommen: Die häufigste Art der ganzen Flora! Ich selbst kenne 
die Art nur von Goslau und Wilmsdorf. Göppert führt sie auch von 
Ludwigsdorf und Matzdorf auf. Schenk bildet die Art von Sein- 
stedt im Braunschweig’schen ab, wo sie durch Schloenbach in 
einem grauen Sandsteine beobachtet wurde, welcher durch seine Lagerung 
mit Bestimmtheit als zu der rhätischen Schichtenfolge gehörend erkannt 


1) Vergl. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1863. S. 701. 

Vergl. ebendaselbst Jahrg. 1867. S. 259, 

3) Die fossile Flora der Grenzschichten des Keupers und Lias Franken’s von Dr. August 
Schenk, mit XLV. Tafeln Abbildungen in Folio. Wiesbaden 1867. S. 215. 


Keuper. 


179 


wurde. Endlich findet sich die Art auch im grauen Sandsteine am Ein- 
berg e bei Coburg. Ein durch C. v. Seebach erhaltenes Exemplar 
von der letzteren Fundstelle stimmt vollständig mit oberschlesischen 
Exemplaren überein. Die Art ist als ein Leitfossil der rhätischen Schich- 
ten anzusehen. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 1 stellt ein Stück eines Wedels 
von Wilmsdorf dar. 

2. As^lenites Bösserti Schenk a. a. 0. S. 49, Taf. VIL, Fig. 6 — 7, 7 a; 
Taf. X., Fig. 1 — 4; ÄletJiopteris Presl in: Sternberg, Flora der 
Vorw. IL, p. 145. 

Diese in den rhätischen Schichten Frankens in der Gegend von Bam- 
berg und Baireuth häufige Art kommt mit der vorigen Art zusammen, 
aber viel seltener, bei Wilmsdorf vor. Ein Exemplar von dort wurde 
durch Schenk mit Sicherheit als zu der Art gehörend erkannt. Schenk 
vermuthet, dass das unter der Benennung ÄletJiopteris insignis durch Göp- 
pert von Wilmsdorf aufgeführte Farnkraut mit dieser Art identisch sei. 

3. Taeniopteris gigantea — Taf. 14, Fig. 1. 

Taeniopteris gigantea Schenk a. a. 0. p. 146, tab.XXYIIL, Fig. 12. 

Schenk vergleicht die Art zunächst mit zwei durch Oldham aus Indien 
beschriebenen Arten. Die Seitennerven der Blätter sind einfach und stehen 
senkrecht auf der Mittelrippe. Zwischen je zwei stärkeren Seitennerven 
liegen immer drei bis vier feinere. 

Vorkommen: Nur ein einziges handgrosses Fragment eines Blattes 
aus den Sphaerosideriten von Wilmsdorf liegt vor. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 1 stellt ein Stück des einzigen vor- 
liegenden Blatt-Fragmentes dar. 

4. Dicranopteris Roemeriana Schenk a. a. 0. p. 144, 145, Taf. XXL 
Fig. 9. 

Ein unvollständiges Blatt aus den sandigen, weiss punktirten Sphaero- 
sideriten von Wilmsdorf, ist für Schenk, dem ich dasselbe zur Bestim- 
mung mitgetheilt hatte, die Veranlassung zur Aufstellung dieser Gattung 
und Art geworden. Schenk bemerkt, dass in dem allgemeinen Habitus 
das Blatt demjenigen von Chiropteris digitata Kurs und den jugendlichen 
Blättern von Clatliropteris Münsteriana bis zum Verwechseln gleiche und 
erst bei näherer Untersuchung sich wesentliche Unterschiede ergeben. Das 
Blatt ist gestielt, an der Basis herzförmig, dm Umfange fünflappig. Von 
Chiropteris unterscheidet sich der oberschlesische Farm durch die nicht 
zu einem Maschennetz verbundenen Nerven. Der Verlauf der Nerven ist 
mit demjenigen von Cyclopteris am nächsten verwandt. Abweichend ist 

23 * 


180 


Trias-Formation. 


jedoch das sehr baldige Verschwinden des Mittel -Nerven. Schliesslich 
giebt Schenk folgende Diagnose der Art: Dicranopteris Roemeri, folia 
petiolata, digitata-pinnatifida hasi cor data j laciniae ohtusae crenatae nervi 
e hasi foliorum radiatim egredientes dichotomi, ramuli iterum iterumque 
dichotomi. 

5 . Clathropteris Mmisteriana Schenk. 

Nach Schenk gehören die unter der Benennung Camptopteris jurassica 
durch Göppert aus den Sphaerosideriten von Matzdorf beschriebenen 
Blatt-Fragmente sicher zu dieser Art, welche in den rhätischen Schichten 
eine weite Verbreitung besitzt. 

6. Pterophyllum Braunianum — Taf. 13, Fig. 5* 

Pterophyllurri Braunianum Göppert in: Jahresber. der Schles. 
Ges. für lks p. 134; Schenk a. a. 0. p. 164, 216, Taf. XXXVIII. 
Fig. 1 — 10. Pterophyllum Oeynhausianum Göppert, Jahresber, der 
Schles. Ges. für 1843, Taf. 1, Fig. 1 — 3; ebendas. 1845. p. 146. 

Nach Schenk ist Pt. Oeynhausianum mit Pt. Braunianum zu ver- 
einigen. 

Vorkommen: Bei Goslau nicht sehr selten. Göppert giebt Lud- 
wigsdorf als Fundort der Art an. In den Grenzschichten Franken’s 
ist sie an mehreren Stellen bekannt. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 5. Ansicht eines Wedel-Fragments 
von Goslau. 

7. Pterophyllum Münsteri Göppert in: Jahresber. der Schles. Ges. für 
1843, p. 135; Schenk a. a. 0. p. 167, Taf. 39, Fig. 1—3. 

Ein deutlicher Wedel von Wilms dorf, der durch Schenk als dieser 
Art angehörend bestimmt wurde, liegt vor. In den rhätischen Schichten 
Franken’s ist diese Art nach Schenk allgemein verbreitet. 

8. Pterophyllum Carnallianum — Taf. 13, Fig. 4. 

Pterophyllum Carnallianum Göppert in: Jahresber. der Schles. 
Ges. für 1843, p. 132; Schenk a. a. 0. p. 163, 215, Taf. XXXIX., 
Fig, 4. Pterophyllum propinquum G ö p p e r t in : Jahresber. der Schles. 
Ges. für 1843; Schenk p. 215. 

Schenk vereinigt Pt. propinquum mit Pt Carnallianum. Die Breite der 
Blätter, welche beide Arten angeblich unterscheiden soll, ist nicht beständig. 

Vorkommen: Göppert beschreibt die Art von Ludwigsdorf. Ich 
selbst habe sie in mehreren Exemplaren bei Wilmsdorf und Goslau 
gesammelt. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 4. Ansicht eines Wedel-Fragments 
von Goslau. 


Keuper. 


181 


9. Calamites Lehmannianus — Taf. 13, Fig. 2, 3. 

Calamites Lehmannianus Göppert in: Jahresber. derSchles. Ges. 
für 1845, p. 140, Taf. 1, Fig. 2; Schenk a. a. 0. p. 11, 133, 215, 
Equisetites arenaceus F. Roemer in: Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 
Jahrg. 1867, p. 261. 

Göppert hat unter der Benennung Calamites Lehmannianus undeutliche 
Stengelstücke aus den Thoneisensteinen von Wilmsdorf beschrieben. 
Seitdem habe ich selbst viel vollständigere und grössere Stengel-Fragmente 
der Art bei Wilmsdorf gefunden. Ich glaubte sie von dem Calamites 
arenaceus des eigentlichen Keuper-Sandsteins nicht trennen zai dürfen, allein 
da Schenk, obgleich die grosse Aehnlichkeit mit Calamites arenaceus des 
eigentlichen Keuper- Sandsteins anerkennend, doch auf Grund der Ver- 
gleichung eines grösseren Materials die specifische Verschiedenheit behaup- 
tet, so wird die Art hier unter Göppert’s Benennung aufgeführt. Bei der 
von Schenk nachgewiesenen Verschiedenheit der ganzen rhätischen Flora 
von derjenigen des eigentlichen Keuper- Sandsteins, wie namentlich des- 
jenigen von Stuttgart, ist allerdings an sich auch die specifische Ver- 
schiedenheit von dem Calamites arenaceus wahrscheinlich. 

Vorkommen: Grössere und kleinere Stengelbruchstücke sind nicht 
selten in dem Thoneisensteine von Wilmsdorf. In den rhätischen Schich- 
ten Franken’s und Süddeutschlands ist die Art, da Schenk auch seinen 
Calamites Gümbeli mit ihr vereinigt, weit verbreitet. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 2. Ansicht des gestreiften Stein- 
kerns eines mittelgrossen etwas zusammengedrückten Stengel-Fragments. 
Es liegen viel grössere, zum Theil handbreite zusammengedrückte Stengel- 
stücke vor, welche weniger scharf und regelmässig gestreift sind und zum 
Theil grosse Zweignarben an den Gelenken zeigen. Fig. 3. Ansicht eines 
jungen Stengel-Fragments. 

10. Finites sp. 

Bei Lofkowitz, bei Suinpen und an anderen Punkten kommen in 
den Sphaerosiderit-führenden rothen und bunten Thonen Stücke von kohl- 
schwarzem fossilen Holze mit deutlich erhaltener Holzstruktur vor. Göp- 
pert hat dieses Holz unter der Benennung Finites jurassicus von Sumpen 
aufgeführt. Die specifische Benennung wird nach der gegenwärtigen Alters- 
bestimmung der Schichten als unzulässig durch eine andere zu ersetzen sein. 

11 . Xylomites irregularis. 

Unter dieser Benennung wird von Göppert ein kleiner Blattpilz auf- 
geführt, der von ihm auf den Blatt- Segmenten des Fterophyllum Carnallia- 
num von Wilmsdorf aufsitzend beobachtet wurde. 


182 


Trias-B' ormation. 


Pflanzen aus den Kalkschichten bei Ellguth unweit Woischnik. 

Ausser den vorstehend aufgezählten Pflanzenresten in den Sphaerosi- 
deriten der Thoneisensteinförderungen in der Gegend von Landsberg 
und Kreutzburg wurden nur noch an einem einzigen anderen Punkte in 
der oberschlesisch-polnischen Keuper-Bildung fossile Pflanzen beobachtet. 
Bei dem ^[4 Meile nordwestlich von Woischnik gelegenen Dorfe Ellguth, 
und zwar südöstlich von dem Dorfe selbst liegt mitten im Felde ein leicht 
zu übersehender, flacher, kleiner Steinbruch, in welchem ein unregelmässig 
dünngeschichteter Kalkstein von gelblich weisser Farbe in einer Mächtig- 
keit von 6^ — 8 Fuss aufgeschlossen ist. Der Kalkstein hat bei mehr oder 
minder krjstallinisch körnigem Gefüge zugleich die Struktur einer Sinter- 
bildung und erinnert lebhaft an manche Travertine oder Kalksinter der 
Gegenwart und der Diluvialzeit. Einzelne angewitterte Stücke zeigen sich 
ganz aus concentrischen Schalen von krystallinisch faserigem Kalk zu- 
sammengesetzt und man erkennt deutlich, dass sich das Gestein durch 
successive üeberrindung gekrümmter Flächen gebildet hat. In einzelnen 
Partien ist das Gestein auch dicht und gleicht dann ganz dem Kalke von 
Woischnik. Gewisse Lagen des Gesteins sind mit deutlich erhaltenen 
Blättern erfüllt. Bei Weitem am häufigsten sind die Blätter von Clathropteris 
Münsteriana Schenk (Clathropteris ^latypliylla Brongn. ^ Camptopteris 
Münsteriana Presl)^). Gewöhnlich sind dieselben gekrümmt und zu- 
sammengebogen, etwa wie die Blätter von Credneria im senonen Kreide- 
sandsteine bei Blankenburg. Wenn schon an sich das Vorkommen von 
Landpflanzen in kalkigen Gesteinen, von den ganz jugendlichen Kalktuffen 
abgesehen, sehr auffallend und uugewöhnlich ist, so erscheint es hier noch 
mehr so durch den Umstand, dass die Substanz der Blätter selbst zum 
Theil durch krystallinischen Kalk ersetzt ist. Nur bei den früher beschrie- 
benen Pflanzenresten von Karniowice und Filipo wice ist die Erhaltung 
eine ähnliche. Clathropteris Münsteriana ist eine in den rhätischen Schich- 
ten Frankens und Norddeutschlands weit verbreitete Art und darf als eine 
Leit-Pflanze derselben gelten^). 

Ausser dieser Clathropteris wurde in dem Kalksteine nur noch ein 
unvollständiger Wedel einer Neuropteris-Ari (s. Taf. 14, Fig. 4, 5) beobach- 

1) Vergl. unsere Taf. 14, Fig. 2 (Ansicht eines unvollständigen Blattes von der Oberseite) und 
B ig. 3 (Ansicht eines unvollständigen Blattes mit dem grob-gezähnten Rande von der Unterseite). 
Schenk (B'oss. B'lora der Grenzschichten p. 81 — 86) sieht Camptopteris Münsteriana P r e s 1 nur als die 
jugendliche Blattform, von Clathropteris platyphylla Brongn. an und nennt, die Priorität des Species- 
Namens achtend, die durch die Vereinigung beider gebildete Art Clathropteris Münsteriana. 

2) Exemplare der Art in grauem Sandstein von Coburg, welche ich der gefälligen Mittheilung 
Prof. V. Seebach’s verdanke, stimmen vollständig mit den Oberschlesischen überein. 


Keuper. 


183 


tet, welcher mit N,remota Presl des fränkischen Keupers verwandt scheint, 
aber nicht die an der Spindel herablaufenden Blättchen dieser Art zeigt. 

Die Lagerung dieses pflanzenführenden Kalksteins von Ellguth be- 
treffend, so ist zwar nach der allgemeinen Lage des Ortes durchaus ein 
höheres Alter als dasjenige der pflanzenführenden Sphaerosiderite der 
Gegend zwischen Kreutzburg und Landsberg für ihn anzunehmen, 
aber weniger klar ist sein Verhalten zu dem Woischniker Kalk. Vielleicht 
ist er nur als ein eigenthümlich ausgebildetes Lager desselben anzusehen, 
üebrigens sind bisher an keinem anderen Punkte ähnliche Kalkstein- 
Schichten bekannt. 

Entsteht die Frage nach dem geognostischen Niveau dieser pflanzen- 
führenden Kalkschichten von Ellguth im Vergleich zu demjenigen der 
pflanzenführenden Sphaerosiderite der Landsberg- Kreutzburger Gegend, 
so wird denselben nach den allgemeinen Lagerungsverhältnissen ihr Platz 
unter den Sphaerosiderit-führenden Schichten anzuweisen sein. Anderer- 
seits liegen sie sehr wahrscheinlich über dem Kalke von Woischnik und 
Lublinitz. 

B. Thiere 

(Vergl. Tafel 15.) 
der Lis sauer Br ec eien. 

1. Mastodonsaurus (?) sp. Taf. 15, Fig. 1, 2. 

In der Breccie bei Bissau wurden mehrere unvollständige Schilder 
eines Lahyrinthodonten beobachtet, deren aus unregelmässigen dicken ge- 
rundeten Runzeln bestehende Oberflächen-Sculptur an diejenige des Masto- 
donsaurus Jaegeri aus dem Keuper erinnert. Aus den der Breccie ent- 
sprechenden Schichten Schwabens wird nichts Aehnliches aufgeführt. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 stellt das vollständigste dieser 
Schilder von oben gesehen dar. In der Mitte ist dasselbe mehr als ^[2 Zoll 
dick. Nach den Seitenrändern nimmt die Dicke ab. Fig. 2 stellt ein viel 
kleineres sub rektangulär begrenztes Schild mit ähnlicher Sculptur der 
Oberfläche von demselben Fundorte dar. 

2. Plesiosaurus sp. 

Zollgrosse flach biconcave Wirbel und fingerlange stark gebogene 
Rippen-Fragmente, welche nach der allgemeinen Form wohl zu Plesiosau- 
rus gehören können, wurden in der Breccie bei Bissau beobachtet. 

3. Megalosaurus doacinus Quenst. Taf. 15, Fig. 4, 5, 

Unter dieser Benennung beschreibt Quenstedt (Juya S. 33) aus dem 
Bonebed oder der schwäbischen Kloake sichelförmig gekrümmte, am 


184 


Trias-Formation. 


Rande fein gekerbte Saurierzähne. In dem Stettgarter Maseum habe ich 
Zähne aus der Knochen- Breccie von Bebenhausen bei Tübingen ge- 
sehen, welche dieselbe feine Zähnelung der Seitenkanten, wie die von 
Quenstedt beschriebenen Zähne zeigen, aber nicht sichelförmig gekrümmt, 
sondern gerade sind. Sehr wahrscheinlich gehören diese letzteren Zähne 
demselben Saurier wie die gekrümmten Zähne an. Mit diesen geraden 
Zähnen von Bebenhausen stimmt nun der Fig. 4 und 5 abgebildete Zahn 
aus der Lissauer Breccie von Lubschau bei Woischnik vollständig 
überein. Der zweischneidige und an den Kanten sehr zierlich und regel- 
mässig gekerbte Zahn zeigt eine stärker gewölbte (äussere) und eine 
schwächer gewölbte (innere) Fläche, welche beide bis auf eine sehr feine 
unregelmässige Runzelung glatt sind. Auch noch ein sehr viel kleinerer 
Zahn derselben Art von dem gleichen Fundorte liegt vor. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 4. Ansicht des Zahnes gegen die 
gewölbtere Fläche (Aussenfläche). Fig. 5. Ansicht des Zahnes im Profil. 

4. Termatosaurus Älhertii — Taf. 15, Fig. 3. 

Termatosaurus Älhertii Plieninger Palaeont. W ürtemb . Taf. XII. 
Fig. 25, 37, 93, 94* Quenstedt Jura p. 33, Taf. 2, Fig. 4, 5 — 7. 

Ausser dem abgebildeten Zahne aus der Breccie von Helenenthal 
bei Woischnik liegt ein zweiter aus der Breccie von Koczurry vor, 
welchen ich gleichfalls zu dieser Art rechne. Der abgebildete Zahn zeigt 
die feinen erhabenen Längslinien, welche nach Quenstedt den schlanke- 
-ren Zähnen dieser Art zukommen, und ganz flache gerundete Längsrippen. 
Die Art kommt nach Plieninger und Quenstedt in der Knochen-Breccie 
(Bone bed) Schwabens vor. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 3. Ansicht des Zahnes aus der 
Breccie von Helenen thal von der Seite. Der Zeichner hat die seitliche 
Längskante zu scharf angegeben. Der Querschnitt des Zahnes ist fast 
drehrund. 

5. Ceratodus Silesiacus n. sp. Taf, 15, Fig. 6, 7. 

So nenne ich Zähne, welche sich von anderen Arten des Geschlechtes 
durch die scharf leistenförmige Gestalt der Falten und durch deren Verlauf 
bis in den Scheitelpunkt des durch die beiden geraden Seitenränder gebil- 
deten Winkels so sehr auszeichnen, dass ein Zusammenhang durch Ueber- 
gangsformen kaum möglich scheint. Die einzige Art von Ceratodus, welche 
aus der Knochen-Breccie (Bone bed) Schwabens aufgeführt wird, Cerato- 
dus cloacinus Quenst., soll durch die Kürze der Falten von den übrigen 
Arten sich unterscheiden und unterscheidet sich also noch mehr von der 
unsrigen. 


Keuper. 


185 


Erklärung der Abbildungen: Fig. 6 stellt einen Zahn der Breccie 
südlich von Bissau dar. Die ganze Form des Zahnes ist sehr schmal 
und die 4 Falten vorzugsweise scharfkantig. Die Poren der Oberfläche 
sind gross und mit blossem Auge deutlich erkennbar. Fig. 7 ist die An- 
sicht eines in braunem lockerem Sandstein von einer südlich von Bissau 
gelegenen Stelle eingeschlossenen Zahnes. Derselbe ist breiter als der 
andere und die Falten divergiren mit grösseren Winkeln. Die Poren der 
Oberfläche sind ebenfalls gross. Der braune Sandstein, welcher den Zahn 
einschliesst, muss nach dem allgemeinen Verhalten der Bagerung ungefähr 
in dasselbe Niveau wie die Breccie gehören. 

6. Colohodus (Gyrolepis) sp. Taf. 15, Fig. 8, 9. 

In der Breccie am Fusse des Zogelberges bei Woischnik kommen 
glänzend schwarze mit einer dicken Schmelzlage bedeckte rhomboidale 
Schuppen vor, welche nach der allgemeinen Form zu dieser in der Trias - 
Formation in mehreren Arten verbreiteten Gattung gehören müssen, aber 
durch die grobe, aus dichotomisch getheilten Falten bestehende Sculptur 
und durch die Stärke der zur Verbindung mit den angrenzenden Schuppen 
dienenden seitlichen Fortsätze ausgezeichnet sind. Quenstedt (Jura 
Taf. 2, Fig. 59) bildet aus der schwäbischen Knochen-Breccie eine grob- 
runzelige Gjrolepis-Schuppe ab, welche vielleicht mit der oberschlesischen 
specifisch identisch ist. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 8. Ansicht einer Schuppe in 
natürlicher Grösse. Fig. 9. vergrösserte Ansicht derselben Schuppe. 

7 . Saurichthys acuminatus, Quenstedt, J ara S. 3 5, Taf. 2, Fig. 42 — 5 1 . 

Mit den unter dieser Benennung aus der Knochen-Breccie beschriebe- 
nen an der Spitze glänzend glatten und an der Basis gereiften sehr kleinen 
Zähnen stimmen ein Paar Zähne aus der Kalkbreccie von Woischnik so 
vollständig überein, dass die specitische Identität nicht zweifelhaft bleibt. 
Insbesondere zeigen sie sich mit den Fig. 50 und 51 bei Quenstedt abge- 
bildeten Formen übereinstimmend, 

8. ünio Keuperinus. (?) — Taf. 15, Fig. 13. 

Der Umriss der Schale passt gut zu der von Berger (N. Jahrb. Jahrg. 
1854, Fig. 10) gegebenen Abbildung des Unio Keuperinus. Die Identität 
soll jedoch keineswegs mit Sicherheit behauptet werden. Der Umstand, 
dass die von Berger beschriebene Muschel einem tieferen Niveau des 
Keupers angehört und angeblich mit marinen Arten zusammen vorkommt, 
scheint sogar der Identität zu widersprechen. 

Vorkommen: In der Breccie, welche bei Niwki nordöstlich von 
Siewierz durch Steinbrüche aufgeschlossen ist, bedeckt diese Art in dich- 

24 


186 


Trias-Formation. 


ter Zusammenhäufung der Individuen die Schichtflächen gewisser Bänke. 
Auch in der Breccie südlich von Bissau wurden mehrere Exemplare von 
mir gesammelt. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 13. Ansicht eines Exemplars der 
rechten Klappe von Niwki. Eine Bruchstelle lässt die Dicke der in durch- 
scheinenden Kalkspath verwandelten Schale erkennen. 

9. Unio sp. — Taf. 15, Fig. 14. 

In der Breccie bei Kiwki findet sich auch noch eine sehr flache klei- 
nere aber meistens schlecht erhaltene Unio- Art. Dieselbe scheint identisch 
mit einer in weissem Keuper-Sandstein nördlich von Kielce vorkommen- 
den Art (vergl. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jalirg. 1866 p. 688). 

Erklärung der Abbildung: Fig. 14. Ansicht der rechten Klappe 
nach einem Exemplare von Mokra nördlich von Kielce. 


Ausser den in dem Vorstehenden aufgezählten wenigen Arten von thie- 
rischen Resten in den Lissauer Breccien ist aus der ganzen oberschlesisch- 
polnischen Keuper- Bildung nur noch das schon vorher (S. 162) erwähnte, 
in einem einzigen Exemplare in dem Woischniker Kalke beobachtete, viel- 
leicht zur Gattung Paludina gehörende kleine Gastropod, die ebenfalls 
schon vorher genannte Estheria minuta der Helleivalder Estherien-Schichten 
und ein grosser Fisch ^) aus der Abtheilung der Ganoiden, welcher in den 
pflanzenführenden Sphaerosideriten von Wilmsdorf vor einer Reihe von 
Jahren gefunden wurde, bisher bekannt geworden. 

g. Vergleichung des oberschlesisch -polnischen Keupers mit dem typischen 
Keuper im mittleren Deutschland. 

Lagerungsverhältnisse, petrographische Merkmale und organische Ein- 
schlüsse weisen gleichmässig darauf hin, dass die in dem Vorstehenden 
beschriebenen Ablagerungen in Oberschlesien und in den angrenzenden 
Theilen von Polen wirklich dem Keuper zugehören. Dem oberen Muschel- 
kalk gleichförmig aufruhend, werden sie nach oben von jurassischen Schich- 
ten bedeckt. Gleich dem typischen Keuper im mittleren Deutschland stellen 
sie ferner der Heiuptmasse nach eine aus versteinerungsleeren rothen und 
bunten Thonen und Mergeln bestehende Bildung dar. Wenn die organi- 
schen Einschlüsse erweisen, dass das unterste Glied der ganzen Schichten- 


1) Dieser von Göppert (vergl. Jahresber. der Schles. Ges. für 1845, S. 142) erwähnte und mit 
der Sammlung des Geh. Med. -Rath Otto in Breslau in das Berliner Museum gelangte Fiseh ist nur 
als Abdruck des aus grossen rhombischen Schuppen bestehenden Schuppen-Panzers erhalten. 


Keuper. 


187 


reihe als Lettenkohiengruppe zu deuten ist und wenn anderer Seits die 
obersten Glieder bezeichnende Fossilien der sogenannten Rhätischen 
Schichten d. i. der Grenzschichten zwischen Keuper und Jura -Formation 
einschliessen. so folgt daraus naturgemäss, dass in derThat der dazwischen 
liegende Haupttheil der Bildung als mittlerer oder eigentlicher Keuper zu 
deuten ist. Die fossilen Pflanzen der Wilmsdorfer Schichten sind zum 
Theil bezeichnende Arten der Rhätischen Schichtenfolge , so namentlich 
Asplenites Ottonis, Asplenites Bösserti, Clathropteris Münsteriana, Pteropliyllum 
Braunianum, Pteropliyllum Münsteri und Calamites Lehmannianus. Die aus 
den Lissauer Breccien bekannt gewordenen Fisch- und Saurier-Reste sind 
zunächst entschieden Formen des Keupers. Ein Theil der Arten stimmt 
mit solchen der gewöhnlich als Grenze zwischen Keuper und Jura ange- 
nommenen Knochen- Breccie (Bone bed) in Württemberg überein. Das 
gilt namentlich von Alegalosaurus cloacinus, Termatosaurus Älbertii und 
Sauri'chthys acupiinatus. Vielleicht sind desshalb diese Breccien auch schon 
der Rhätischen Schichtenfolge zuzureclmen. Sonst bleibt nur die Annahme, 
dass die Verbreitung der genannten Arten der Knochen-Breccie (Bone bed) 
auch noch in ein tieferes Niveau hinabreicht, in welcher sie freilich in 
Schwaben nicht gekannt sjnd. 

Wenn nun auch die allgemeine üebereinstimmung des oberschlesisch- 
polnischen Keupers mit der typischen Form des Keupers im mittleren 
Deutschland erwiesen ist, so sind doch anderer Seits mancherlei Eigen- 
thümlichkeiten in der besonderen Entwickelung vorhanden. Dahin gehört 
namentlich die thonige fast kalkfreie Natur der die Hauptmasse der Bik 
düng zusammensetzenden braunrothen und bunten Letten, so wie anderer 
Seits das Vorkommen von Einlagerungen eines reinen weissen Kalksteins 
(Woischniker Kalk). Denn in den Gegenden der typischen Entwickelung 
des Keupers im mittleren und südlichen Deutschland besteht die Haupt- 
masse der Bildung aus bunten kalkhaltigen Mergeln mit völligem Aus- 
schluss rein kalkiger Schichten. Dieses Verhalten ist gewissermassen so 
zu deuten, dass der Kalkgehalt, welcher in dem Keuper des übrigen 
Deutschlands durch die ganze Reihenfolge der Mergelschichten verbreitet 
ist, in Oberschlesien concentrirt und in der Form von dichtem weissen 
Kalkstein ausgeschieden wurde. Auch das Vorkommen der eigenthüm- 
lichen Kalk-Breccien (Lissauer Breccien) ist für den oberschlesisch -polni- 
schen Keuper eigenthümlich. Endlich ist auch die petrographische Ent- 
wickelung und die Gliederung der oberen Abtheilung oder der Rhätischen 
Schichten von der typischen im mittleren Deutschland abweichend, denn 
weder die bunten Mergel mit den pflanzenführenden Sphaerosideriten 

24 * 


188 


Jiira-Forrnation. 


(Wilmsdorfer Schichten), noch die palaeontologisch durch das massenhafte 
Vorkommen von Estheria minuta bezeichneten dünn geschichteten Sand- 
steine mit Sphaerosideriten (Hellewalder Estherien-Schichten) sind in Fran- 
ken oder Schw^aben in der gleichen Form gekannt, obgleich die Pflanzen 
der Wilmsdorfer Schichten in der Mehrzahl mit solchen der Rhätischen 
Schichten in Franken der Art nach identisch sind, üebrigens ist, wie ich 
an einer anderen Stelle näher nachgewiesen habe’), diese Entwickelung 
des Keupers nicht auf Oberschlesien und die zunächst angrenzenden Theile 
von Polen beschränkt, sondern tindet sich auch noch 20 Meilen weiter 
gegen Osten, am Kordabhange des sogenannten polnischen Mittelgebirges 
oder der Gebirgserhebung von Kielce in ansehnlicher Verbreitung wieder. 
Namentlich sind hier auch die kalkigen Breccien (Lissauer Breccien) mit 
den ganz gleichen Merkmalen den bunten Thonen untergeordnet. Die 
Entwickelung der Lettenkohlengruppe ist hier durch das Vorkommen von 
Mastodonsaurus Jaegeri H. v. Meyer^) angedeutet. 


1) Vergl. Geognostische Beobachtungen im polnischen Mittelgebirge von Ferd. Roemer in: 
Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1866 p. 685 ff. 

2) Vergl. Ueber das Vorkommen von Mastodonsaurus Jaegeri H. v. Meyer bei Odrowanz 
am Nordabhange des polnischen Mittelgebirges in: Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Bd. XX., 1868, 

s. m If. 


III. Jura- Formation. 


1. Literatur. 

1805. L. V. Buch: Geognostische Uebersicht von Neu-Schlesien. (L. von 
Buch’s gesammelte Schriften, Berlin 18G7 S. 719 — 739.) 

1822. C. V. Oeynhausen: Versuch einer geognostischen Beschreibung 
von Oberschlesien, S. 253—288. 

1836. Pusch: Geognostische Beschreibung von Polen. Thl.II. S. 203 — 274. 

1844. Beyrich: lieber die Entwickelung des Flötzgebirges in Schlesien. 
(Abdruck aus Karsten’s Archiv für Bergbau und Hüttenkunde.) 
S. 57 — 77. 

1845. L. Zeus ebner: Die Glieder des Jura an der Weichsel (Karsten’s 
Archiv für Bergbau und Hüttenkunde, 1845, S. 605 — 626). 

1864. L. Zeus ebner: Die Entwickelung der Jura -Formation inl west- 
lichen Polen. (Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Bd. XVI., 1864, 
S. 573 — 583.) 

1866. L. Zeuschner: lieber die verschiedenen Formationen auf die sich 
der Jura in Polen abgesetzt hat. (Neues Jahrb. für Mineral. Jahrg. 
1866. S. 788 — 800; Verh. der Kaiserl. Mineral. Ges. St. Petersb. 
1868, 2te Serie, Bd. III.) 

1867. Ferd. Roemer: Neuere Beobachtungen über die Gliederung des 
Keupers und der ihn zunächst überlagernden Abtheilung der Jura- 
Formation in Oberschlesien und in den angrenzenden Theilen von 
Polen. 

1867. Ferd. Roemer: Erläuterungen zu den Sektionen Gleiwitz, Königs- 
bütte, Loslau und Pless der geognostischen Karte von Oberschle- 
sien. S. 30. 

1869. L. Zeuschner: Die Gruppen und Abtheilungen des polnischen 
Jura nach neueren Beobachtungen zusammengestellt (Zeitschr. der 
Deutsch, geol. Ges. Bd. XXL, 1869, S. 771—794). 


190 


Jura-Formation, 


2 , Geschichtliches. 

L. V. Buch bezeichnet bereits 1805 in seiner geognostischen Ueber- 
sicht von Neu -Schlesien den Kalkstein zwischen Olku.sz und C zen- 
stoch au als Jurakalk und erkennt dessen Verschiedenheit von dem 
erzführenden Muschelkalke sowohl an der petrographischen Beschaffen- 
heit als an dem palaeontologischen Verhalten und im Besonderen an dem 
Vorkommen ,, grosser Ammonshörner bei dem Schlosse von Podzamcze 
und am P\isse aller Felsen bei Olsztyn“. C. v. Oeynhausen, der die 
kalkigen Jura -Schichten unter der Benennung ,,Weisser Flötzkalkstein‘‘ 
beschreibt, ging über L. v. Buch nicht hinaus, sondern machte selbst einen 
Rückschritt, indem er ausser dem Keuper-Kalke von Woischnik und 
Labschau auch den devonischen Kalk der Marmorbrüche von Dembnik 
damit verband. 

Pusch gab in seinem grossen und werthvollen Werke über die geo- 
gnostischen Verhältnisse von Polen schon eine eingehende Darstellung des 
polnischen Jura. Er weist namentlich schon die Verbreitung desselben 
im Einzelnen nach, freilich in Betreff derselben in sofern irrend, als er 
auch noch den Keuper-Kalk von Kozieglowy, Woischnik und Lubli- 
nitz, so wie die Keuper -Breccien (Lissauer Breccien) dem Jura-Kalke 
zurechnete. Auf den Karten des seinem Werke beigegebenen geognosti- 
schen Atlasses hat Pusch zum ersten Male die Verbreitung des oberschle- 
sisch-polnischen Jura in den allgemeinen Zügen richtig graphisch dargestellt. 
Er gab ferner scho<n ein reichhaltiges Verzeichniss der in den jurassischen 
Schichten vorkommenden Versteinerungen, welches, wenn auch im Einzel- 
nen vielfach irrig, doch die jurassische Natur der ganzen Bildung zweifel- 
los feststellte. In seiner 1837 erschienenen Schrift „Polen's Palaeontologie^^ 
hat er diese Versteinerungen zum Theil näher beschrieben und abgebildet. 
Eine speciellere Gliederung des polnischen Jura hat Pusch nicht versucht. 
In Betreff der Lagerung irrte er in sofern als er annahm, dass seine, dem 
Keuper zugehörige „Moorkohlenbildung“ den Jura-Kalk bedecke, während 
sie in Wirklichkeit von dem letzteren überlagert wird. 

Einen wesentlichen Fortschritt in der Kenntniss des oberschlesisch-pol- 
nischen Jura enthalten die von Beyrich in seinem Aufsatze über das ober- 
schlesische Flötzgebirge gemachten kurzen Bemerkungen. Es wird* hier zu- 
nächst die völlige Abwesenheit des Lias bestimmt ausgesprochen und nach- 
gewiesen, dass die jurassischen Ablagerungen theiis dem mittleren oder 
braunen Jura, theiis dem oberen oder weissen Jura angehören. Dem brau- 
nen Jura wird das oberschlesisch-polnische Thoneisenstein-Gebirge und im 
Besonderen die Thoneisenstein-führende Schichtenfolge von B o d z am o w i t z , 


Jura-Formation. 


191 


Wichrow und Sternalitz bei Landsb erg aus palaeontologischen Grün- 
den zugewiesen. Irriger Weise wurden freilich auch die in Wirklichkeit 
tertiären Eisenstein-führenden Schichten zwischen Gleiwitz und Ratibor, 
so wie die der unteren Kreide angehörenden kalkigen und mergeligen 
Schichten der Gegend von T eschen dazu gerechnet. In Betreff des 
weissen Jura wird die schon von Pusch erkannte auffallende Aehnlich- 
keit mit dem weissen Jura in Schwaben und Franken scharf hervor- 
gehoben und auch aus der palaeontologischen Uebereinstimmung näher 
begründet. 

Seitdem hat L. Zeuschner nach einer vieljährigen Beschäftigung mit 
dem polnischen Jura in verschiedenen Aufsätzen versucht, denselben mit 
Hülfe der organischen Einschlüsse mit dem süddeutschen und franzö- 
sischen Jura im Einzelnen näher zu vergleichen. Am vollständigsten 
hat er seine Ansichten über die Gliederung der ganzen Bildung in den 
beiden letzten der obengenannten Aufsätze raitgetheilt. Ein besonderes 
Verdienst um die Kenntniss der Formation hat sich Zeuschner durch 
die Nachweisung der Kimmeridge- Bildung in Polen erworben. Das Vor- 
kommen von Exogyra virgula bei Korytnice und Malagoszcz unweit 
Kielce ist für das Vorhandensein dieses obersten Stockwerks des weissen 
Jura beweisend. 

Endlich ist auch durch die in den letzten acht Jahren ausgeführten 
Arbeiten, welche die Herstellung der geognostischen Karte von Oberschle- 
sien zum Zweck hatten, für die Kenntniss des polnischen Jura ein weiterer 
Fortschritt gewönnen worden. Zunächst ist die Gliederung der ganzen For- 
mation und namentlich der unteren Abtheilung derselben genauer bestimmt 
und die Verbreitung der einzelnen Glieder auf der Karte sorgfältig ver- 
zeichnet worden. x4uch wurden die von allen früheren Beobachtern als 
Ausläufer des jurassischen Hauptzuges betrachteten Keuper -Kalke von 
Kozieglo wy, Woischnik und Lubschau ausgesondert und dadurch 
erst Klarheit in den Lagerungsverhältnissen der jurassischen Ablagerungen 
gegen den die Unterläge bildenden Keuper erreicht. 

3. Verbreitung und orographisches Verhalten. 

Die Verbreitung der oberschlesisch -polnischen Jura -Bildung ist eine 
sehr bedeutende. Pusch schätzt den Flächenraum, wo sie unmittelbar 
zu Tage steht, auf 88, denjenigen in welchem sie, zum Theil bedeckt 
von Diluvial- oder Alluvial- Ablagerungen, mit Sicherheit überhaupt zu 
vermuthen ist, auf 350 geographische Quadrat-Meilen. Zunächst wird 
durch dieselbe ein gegen 15 Meilen langer und 1 bis 4 Meilen breiter fei- 


192 


Jiira-Fonnation, 


siger Höhenzug gebildet, welcher von Krakau bis Czenstochau zu- 
sammenhängend sich forterstreckt und von da mit Unterbrechungen bis 
nach Wielun gegen Nord -Westen sich verfolgen lässt. Einzelne Aus- 
läufer treten sogar noch viel weiter gegen Nord-Westen und namentlich 
4n der Umgebung von Kalis ch aus der Diluvialbedeckung hervor und 
der mit Bohrlöchern bei Ciechocinek unweit Thorn angetrotfene Jura- 
Kalk ist ebenfalls nur als eine Fortsetzung desselben Zuges anzusehen. 

Das orographische Verhalten dieses jurassischen Höhenzuges ist 
zum Theil sehr ausgezeichnet. Gleich bei Krakau tritt der Jura-Kalkstein 
in felsigen Anhöhen aus der Thalebene der Weichsel hervor. Der das 
Schloss von Krakau tragende Fels und die Anhöhen bei Podgorze, so 
wie die schon viel bedeutendere Erhebung, auf der das Kloster Bielany 
erbaut ist, gehören dazu. Weiter nördlich auf der Strecke zwischen 
Krakau und Olkusz tritt der felsige Charakter namentlich der dolomiti- 
schen Schichten der Formation noch ausgezeichneter in verschiedenen 
eng eingeschnittenen Thälern hervor. Besonders sind unter diesen die 
Thäler von Oycow und Fiasko wa Skaia durch ihre malerische Schön- 
heit bekannt. Die Gehänge dieser Thäler werden durch mauerartige, 
senkrecht abfallende Wände gebildet und einzelne prismatische Felsen 
erheben sich freistehend aus der Thalsohle. Der allgemeine Charakter 
dieser Thalbildung gleicht autfallend demjenigen, den die felsigen Thäler 
des fränkischen Jura zeigen. Noch weiter gegen Norden zwischen Olkusz 
und Czenstochau gewinnt der jurassische Höhenzug bestimmter das 
Ansehen einer zusammenhängenden Erhebung. Namentlich wenn man 
von Westen her von dem flachen Plateau Oberschlesiens über Siewierz 
sich demselben nähert, erscheint er als eine solche und stellt durch die 
scharf geschnittenen Formen seiner felsigen Gipfel, welche in aufFallen- 
dem Contraste zu den flachwelligen Anhöhen des Hügellandes, in wel- 
chem man sich befindet, stehen, eine bemerkenswerthe orographische 
Erscheinung dar. In dem felsigen Berggipfel, welcher die Ruinen des 
alten Schlosses von Podzamcze bei Ogrodziniec trägt, steigt der 
Höhenzug zu mehr als 1470 Fuss über den Meeresspiegel an. Felsbildun- 
gen sind auch sonst in diesem Abschnitte häufig. Bekannt ist namentlich 
der Fels mit der alten Schlossruine von Olsztyn südöstlich von Czen- 
stochau. Auch noch in dem Warta-Thale treten bei Mstöw aus- 
gezeichnete Felsbildungen auf. Uebrigens ist der jurassische Höhenzug - 
auch zwischen Olkusz und Czenstochau keineswegs ein so üngetheiltes 
Ganzes, als er, von Westen gesehen, zu sein scheint. Er ist vielmehr 
durch unzählige kleine Thäler in einzelne Erhebungen zerschnitten. Die 


Jura-Formation. 


193 


zum Theil breiten Sohlen dieser Thäler sind mit losem weissen Diluvial- 
Sande erfüllt, aus welchem in sonderbarem Contrast die jurassischen 
Kalkfelsen unmittelbar aufsteigen. In dem letzten Abschnitte des Höhen« 
Zuges zwischen Czenstochau und Wielun hat er den Charakter einer 
ganz flachen Erhebung und grössere Felsmassen, wie in dem vorher- 
gehenden Abschnitte fehlen hier. 

Westlich von dem bisher betrachteten kalkigen Jura-Zuge sind nun auch 
ältere jurassische Ablagerungen von sehr verschiedener petrographischer 
Zusammensetzung und von durchaus abweichendem, von der Gesteins- 
beschaffenheit abhängigen orographischem Verhalten in kaum geringerer 
Ausdehnung verbreitet. Es sind lose thonige und sandige mitteljurassische 
Schichten, welche fast überall von dem Diluvium bedeckt weite Sand- 
flächen mit einzelnen niedrigen Erhebungen bilden. Diese Ablagerungen 
setzen eine im Kordosten durch den kalkigen oberjurassischen Höhenzug, 
im Süd westen durch die Keuper-Bildung begrenzte Zone zusammen, welche 
in der Gegend von Wlodowice nordöstlich von Siewierz beginnend, 
sich gegen Kord westen immer mehr verbreitert und so bis Hitschen und 
Wielun sich erstreckt. Verbindet man die beiden Städte Hitschen und 
Wielun durch eine gerade Linie und zieht zugleich von beiden Hunkten 
gerade Linien nach Wlodowice, so entspricht der so begrenzte drei- 
eckige Flächenraum fast genau dem Verbreitungsgebiete dieser mittel- 
jurassischen Ablagerungen. Geht man von Lublinitz nach Czen- 
stochau, oder von Woischnik nach Zarki, so durchschneidet man 
diese mitteljurassische Zone in der Quere. Südlich von Wlodowice 
erscheinen diese Ablagerungen nicht mehr an der Oberfläche. Von Wlo- 
dowice bis Olkusz treten überall die rothen und grauen Keuper-Thone 
bis nahe an den Fuss des kalkigen Höhenzuges. Das ist schon bei Blano- 
wice, Kromolow und Ogrodziniec der FalH). 

Ausser dem in dem Vorstehenden bezeichneten Hauptgebiete der Jura- 
Formation ist dieselbe auch in weiter östlich gelegenen Gebieten des pol- 
nischen Landes in der Form von kalkigen Gesteinen nach Husch verbrei- 
tet. Kamentlich tritt sie an den Ufern der Hilica an mehreren Hunkten 
hervor und bildet ferner einen schmalen Höhenzug, der sich südwestlich 
von Kielce von Malagoszcz überSobkow bis Korjtnica fortzieht. 
Als weit ausserhalb unseres Kartengebietes gelegen kommen diese Ab- 
lagerungen hier nicht weiter in Betracht. 


1) In das Gebiet der Karte fallt die mitteljurassische Zone vollständig, der kalkige Höhenziig 
bis auf das südöstliche Ende bei Krakau fast ganz. 


25 


194 


Jura-Formation. 


4. Stratographisches Verhalten. 

Die Lage der jurassischen Schichten ist im Ganzen eine sehr flach ge- 
neigte und regelmässige. Nur in der Gegend von Krzeszo^vice und 
Chrzanow kommen steilere Neigungen der Schichten vor. Namentlich 
bei Mloszowa, Dulovva und Czatkowice sind die jurassischen Schich- 
ten mit 20® bis 30® eben so steil, wie der Muschelkalk, dem sie aufruhen, 
aufgerichtet. In dem südlichen Abschnitte des jurassischen Höhenzuges 
zwischen Krakau und Olkusz, wo die Richtung desselben von Süden 
nach Norden geht, fallen die Schichten gegen Osten ein, in dem nördlicheren 
Abschnitte zwischen Olkusz und Wielun, wo die Richtung des Höhen- 
zuges eine nordwestliche ist, ist das Einfallen ein flach nordöstliches. 
Durchschneidet man deshalb den Höhenzug an irgend einer Stelle in der 
Richtung von Westen gegen Osten, so gelangt man im Allgemeinen bei 
dem Fortschreiten in immer jüngere Schichten. Die ältesten Schichten tre- 
ten an dem westlichen Fusse des Höhenzuges hervor, die jüngsten sind dem 
östlichen oder nordöstlichen Abhange des Höhenzuges angelagert. 

Die Begrenzung der jurassischen Ablagerungen nach unten und oben 
betreffend, so liegen die tiefsten Ablagerungen dem obersten Gliede des 
Keupers auf, während die obersten von Kreide-Bildungen ungleichförmig 
überlagert werden, die Auflagerung auf den Keuper ist von Balin im 
Krakau’schen Gebiete bis in die Gegend von Landsberg und Pits dien 
an zahlreichen Stellen nachzuweisen. Ob sie eine gleichförmige odör 
ungleichförmige ist, muss bei der ganz flachen Lagerung des Keupers wie 
der unteren jurassischen Schichten weniger evident sein. Diese Frage 
wird besonders da zu untersuchen sein, wo sowohl die obersten Glieder 
des Keupers wie die tiefsten der Jura-Formation entwickelt sind. Das ist 
besonders in der Gegend von Land sb erg und Pit sehen der Fall. Der 
Umstand, dass hier die Bildung der eisenschüssigen braunen Sandsteine 
und losen Sande (Kostczelitzer Sandstein) an einigen Stellen, wie nament- 
lich südlich von Goslau, dem als Wilmsdorfer Schichten bezeichneten 
oberen Gliede des Keupers, an anderen wenig entfernten wie z. B. bei 
dem Vorwerke Przitozne dem noch jüngeren als Hellewalder Estherien- 
Schichten bezeichneten Gliede unmittelbar aufruht, scheint zu beweisen, 
dass die Lagerung der jurassischen Schichten gegen den Keuper eine über- 
greifende also ungleichförmige ist. 

5. Gliederung. 

Die ganze jedenfalls über 500 Fuss mächtige Reihenfolge der jurassi- 
schen Schichten in Oberschlesien und Polen lässt, wenn man nur die oro- 
graphischen und petrographischen Verhältnisse in Betracht zieht, zwei 


Jura-Formation. 


195 


Hauptabtheilungen erkennen, nämlich eine untere dunkel farbige sandig 
thonige, welche Ebenen oder ganz flache Erhebungen bildet, und eine 
obere aus weissen Kalksteinen und Dolomiten bestehende, welche scharf 
begrenzte und zum Theil felsige Höhenzüge zusammensetzt. Die erstere 
Abtheilung gehört dem mittleren oder braunen Jura nach der Eintheilung 
L. V. Buch’s und Quenstedt’s an, die zweite dem oberen oder w'eissen 
Jura. Der Lias oder schwarze Jura fehlt. Das ist im Einklänge mit dem 
Verhalten der Jura-Formation in dem ganzen östlichen Europa überhaupt. 
Jede der genannten beiden Haupt -Abtheilungen lässt nun wieder eine 
Anzahl von im Ganzen palaeontologisch wohl bezeichneten Stockwerken 
oder Zonen erkennen^). Zu diesen in dem jurassischen Haupt/aige zwi- 
schen Krakau und Wielun unterscheidbaren Stockwerken treten dann 
noch einige weiter östlich in Polen entwickelte jüngere Glieder des weissen 
Jura hinzu und endlich ist auch noch am Nordrande der Karpathen eine 
in das Kartengebiet fallende oberjurassische Kalkbildung, der Nerineen- 
Kalk von Inwald bei Andrychau, entwickelt. Auf diese Weise ergiebt 
sich die nachstehende Aufeinanderfolge von einzelnen Gliedern: 

1) Schichten des Inoceramus polyplocus und anderer Ablagerungen 
von wesentlich gleichem Alter, vorherrschend aus losen gelben Sanden 
und eisenschüssigen Sandsteinen bestehend. 

2) Schichten des Ammonites Parhinsoni, d. i, zähe graue Thone mit 
Lagen von Thoneisenstein; die letzteren beiBodzanowitz 5 Wichrow und 
Stern alitz in Oberschlesien und an zahlreichen Punkten in Polen, Ämmo- 
nites ParJcinsoni, Belemnites giganteus und Pholaclomya Murchisoni enthaltend. 

3) Schichten des Ammonites macrocephalus ^ d. i. graue Kalksteine 
und Kalkmergel mit braunen Eisen -Oolithen (Balin, Mirow, Pomor- 
zany u. s. w.) oder graue kalkige Sandsteine (Klobucko 5 Wielunu. s.w.), 
palaeontologisch vorzugsweise durch Ammonites macrocephalus^ Ä, Iiecticus, 
A. Jason u. s. w. bezeichnet. 

4) Schichten des cordatus, d. i. weisse Kalkmergel mit 

Ammonites cordatus (kleine dicke Form!), Ammonites transoersarius Oppel, 
(A. Arduennensis d’Orb.), A, dentatus, A, fiexuosuSj zahlreichen Brachiopo- 
den und massenhaft gehäuften Spongien (Abhang des Clarenberges bei 
Czenstochau 5 Wrzosowa 5 Wielun u. s.w. Darüber geschichtete weisse 
Kalksteine mit Ammonites cordatus flache Form mit schneidigem 

Kamm!) Ammonites perarmatus und grossen Planulaten. 


1) Mehrere derselben m'erden bei genauerer Untersuchung noch weitere Unterabtheilungen unter- 
scheiden lassen. Hier wird jedoch eine erschöpfende Darstellung des polnischen Jura, für welche 
vieljährige Studien erforderlich wären, nicht beabsichtigt, sondern nur eine Schilderung des allge- 
meinen Verhaltens. 


25* 


196 


Jura-Formation. 


5) Schichten der Ehynclionella lacunosa, d. i. massige graue Kalke 
und Dolomite mit Rhynchonella lacunosa, Spongien und Ammoniten aus der 
Familie der Planulaten. 

6) Schichten der Bhynclwnella trilohata, d. i. massige weisse Kalke 
mit Feuersteinknollen und mit Einlagerungen von geschichteten dichten und 
mergeligen Kalksteinen. 

7) Schichten der Bhynchonella Astieriana (Bh. inconstans), d. i. ge- 
schichtete vreisse Kalksteine mit Einlagerungen von kieseligen zum Theil 
in Hornstein übergehenden Kalksteinen mit Bhynchonella inconstans, Tere- 
hratella pectunculoides, Terebratula trigonella u. s. vr. 

8) Ke rin een -Kalk von Inwald, d. i. massiger kompakter weisser 
Kalk mit Kerineen und Diceras-Arten. 

9) Schichten der Exogyra virgula (Kimmeridge-Bildung) , d. i. 
gelblich weisse oolithische oder dichte Kalksteine mit Exogyra virgula, 
Ceromya excentrica, Holectypus speciosus u. s. w. (nach L, Zeuschner einen 
schmalen Höhenzug bei Malagoszcz, Korjtnice und Brzegi südwest- 
lich von Kielce zusammensetzend). 

6. Beschreibung der einzelnen Glieder. 

a. Schichten des Inoceramus polyplocus und andere Ablagerungen 
von wesentlich gleichem Alter*). 

Zwischen dem obersten Gliede des Keupers, den Hellewalder Esthe- 
rien-Schichten, und den durch Ammonites Parkinsoni, Belemnites giganteus, 
Pholadomya Murchisoni und andere Versteinerungen schon längst in ihrer 
Altersstellung zweifellos bestimmten Eisensteinen von Bodzanowitz 
unweit Landsberg sind in Oberschlesien und in den angrenzenden Thei- 
len von Polen einige Ablagerungen entwickelt, deren gegenseitiges Alters- 
verhältniss nicht sicher ermittelt ist und welche auch mit Ausnahme einer 
einzigen durch organische Einschlüsse nicht genügend in ihrer näheren 
Altersstellung bezeichnet sind. Diese sind hier bis zur genaueren Ermitte- 
lung ihres gegenseitigen Verhaltens vorläufig in eine einzige Abtheilung 
zusammengefasst. 

aa. Eisenschüssiger brauner Sandstein mit Inoceramus polyplocus und Pecten pumilus 
bei Helenenthal unweit Woischnik. 

Auf dem Gute Helenenthal nördlich von Woischnik finden sich 
lose umherliegend faust- bis kopfgrosse Stücke eines dunkelbraunen eisen- 


i) Auf der Karte mit j ^ bezeichnet. 


Jura-Formation. 


197 


schüssigen Sandsteins^). Beim Zerschlagen zeigen sich diese Stücke mit 
den Steinkernen und Abdrücken von marinen Conchylien erfüllt. Sehr 
wahrscheinlich sind diese versteinerungsreichen Stücke concretionäre 
Knollen aus einer sandigen Ablagerung. In keinem Falle sind sie weit 
von ihrer ursprünglichen Lagerstätte entfernt. Folgende Arten von Ver- 
steinerungen Hessen sich aus denselben bestimmen: 

1) Fecten pumilus, Lam, ( P, personatus, Zieten)* Taf. 16, Fig. 1. 

Die als Steinkerne erhaltenen Exemplare stimmen vollständig mit 

solchen aus Schwaben und im Besondern aus dem Eisensteine von 
Wasseralfingen bei Aalen überein. Die Art gehört zu den häufigsten 
Fossilien des Brauneisensteins. Fig. 1 stellt eines der grössten der vor- 
liegenden Exemplare in natürlicher Grösse dar. 

2) Gervillia conf. Gerv. tortuosa Quenst. ; Taf. 16, Fig. 2. 

Die allgemeine Form passt gut zu derjenigen von jungen Exemplaren 
der Gerv, tortuosa, wie sie Quenstedt (Jura Taf. 48, Fig. 19) aus den 
Eisensteinen von Aalen abbildet. Es liegt eine Anzahl von Exemplaren 
vor. Das abgebildete Exemplar eines Steinkerns der linken Klappe ist 
das grösste unter den vorliegenden. 

3) Isocardia minima, Sow.? Taf. 16, Fig. 3. 

Die beiden vorliegenden Steinkerne passen gut zu Sowerby’s Abbil- 
dung und ebenso zu derjenigen von Quenstedt, der die Art aus dem 
braunen Jura 6. in Schwaben aufführt. Fig. 3 stellt den Guttapercha-Ab- 
druck eines Hohldrucks der linken Klappe dar. 

4) Trigonia sp, Taf. 16, Fig. 4. . 

Aus der Gruppe der Trigonia davellata Park., von der typischen Form 
dieser Art aber durch die ungeordnete Stellung der Knoten in den bogigen 
Knotenreihen und durch die fast glatte und nur scharfe Anwachsstreifen 
zeigende Area ausgezeichnet. Die Abbildung stellt den Guttapercha- 
Abguss des Hohldruckes eines unvollständigen Exemplars der linken 
Klappe dar. 

5) Trigonia sp.; Taf. 16, Fig. 5. 

Ebenfalls aus der Gruppe der Trigonia davellata, aber durch winkelig 
in der Mitte zusammenlaufende Knotenreihen ausgezeichnet. Vielleicht 
nur eine Jugendform der vorhergehenden Art, mit welcher sie die fast 


1) Ausser den von mir selbst gesammelten Stücken des Gesteins erhielt ich auch noch eine 
Anzahl anderer Stücke durch die Güte des Herrn Ludwig, des Besitzers des Gutes Helenenthal 
welchem ich auch für die Mittheilung verschiedener anderer geognostischer Beobachtungen ver- 
pflichtet bin. 

2) Vergl. Taf. XVI. 


198 


Jura-Formation. 


glatte Area gemein hat. Es liegen mehrere Exemplare vor. Fig. 5 stellt 
ein solches der rechten Klappe nach einem Guttapercha-Abgusse dar. 

6) Inoceramus polyplocus F e r d. R o em e r * Taf. 1 6, Fig. 6. (Inoceramus 
duhiuSj SoAverby bei Goldfuss p. 108, Taf. 109, Fig. 1 ^ A. Roe- 
mer, Yerst. Nordd. Oolithen-Geb. p. 83; v. Strom.be ck in Zeitschr. 
D. geol. Ges. ßd. Y., 1853, p. 160.) 

Diese früher mit 1. duhius Sow. vereinigte Art wurde von mir (vergl. 
Zeitschr. D. geol. Ges. Bd. IX., 1857, S. 624) als besondere Art unter- 
schieden. C. V. Seebach (der Hannoversche Jura S. 33, 108) benannte 
nach derselben eine gewisse, zwischen der Zone des Ammonites opalinus 
und den Coronaten-Schichten liegende Schichtenfolge des mittleren Jura, 
welche im nordwestlichen Deutschland von allgemeiner Yerbreitung ist. 
In den sandigen Brauneisenstein-Stücken von Helenenthal ist die Art 
neben Pecten personatus am häufigsten. Fig. 6 stellt ein als Steinkern er- 
haltenes Exemplar der rechten Klappe dar. 

7) Cucullaea conf. C. cancellata^ Ph i 1 1. bei Q u e n s t e d t ; Taf. 1 6, Fig. 7,8. 

Diese in den Blöcken nicht seltene zierlich gegitterte Art ist vielleicht 

mit der von Quenstedt (Jura p. 342, tab. 46, Fig. 25) als (7. cancellata 
Phill. aus der Schichtenfolge des Ammonites Murchisonae in Schwaben auf- 
geführten Art identisch. Fig. 7 stellt die linke Klappe nach einem Gutta- 
percha-Abgusse dar. Fig. 8 einen Steinkern der rechten Klappe. 

8) Tancredia ohlita Lycett? Taf. 16, Fig. 9. 

Nur ein Abdruck der rechten Klappe dieses I>6>naj?-ähnlichen Zwei- 
schalers liegt vor. Derselbe passt gut zu der von Quenstedt (Jura, 
p. 341, Taf. 46, Fig. 3d) als Pullastra ohlita aufgeführten Art, welche mit 
Tancredia ohlita Lycett identisch sein soll. Nach Quenstedt gehört die 
Art in Schwaben in die Schichtenfolge des Ammonites Mur chisonae, Fig. 9 ist 
die Ansicht eines Guttapercha-Abgusses des Hohldrucks der rechten Klappe. 

9) Astarie minimaj Phill.? Taf. 16, Fig. 10, 11. 

Eine kleine mit vergrösserten Ringwülsten gezierte Art, welche viel- 
leicht mit der von Quenstedt (Jura, S. 342, Taf. 46, Fig. 29) aus dem 
Niveau des Ammonites Murcliisonae als A. minima aufgeführten Art iden- 
tisch ist. Abdrücke und Steinkerne der Art sind in den Brauneisenstücken 
häufig. Fig. 10 ist Ansicht eines kleinen Exemplars der linken Klappe 
nach einem Guttapercha-Abgusse. Fig. 1 1 Ansicht des Steinkernes eines 
grösseren Exemplares der linken Klappe. 

10) Lima prohoscidea, Sow.; Taf. 16, Fig. 12. 

Nur ein unvollständiger Abdruck der rechten Klappe liegt vor. Nach 
einem Guttapercha-Abgusse desselben ist die Abbildung Fig. 12 gefertigt. 


Jura-Formation. 


199 


11) Mytilus sp.; Taf. 16, Fig. 13. 

Nur ein Steinkern der linken Klappe liegt vor. Dieser ist Fig. 13 dar- 
gestellt. 

12) Natica (?) sp.; Taf. 16, Fig. 14. 

Nur ein einzelner nicht näher bestimmbarer unvollständiger Steinkern 
der Art liegt vor. 

13) Quenstedt; Taf. 16, Fig. 15. 

Nur unvollständige oder junge Exemplare liegen im Abdruck vor. Die- 
selben lassen sich aber mit ziemlicher Sicherheit als zu der genannten Art 
von Quenstedt (Jura, Taf. 44, Fig. 15) gehörig bestimmen. Quenstedt 
führt die Art aus den Schichten des Ammonites opalinus auf. Fig. 15 ist die 
Ansicht eines Guttapercha-Abgusses von einem der vorliegenden Abdrücke. 

14) Pentacrinus pentagonalis, Goldf. ; Taf. 16, Fig. 16, 17. 

Die vorliegenden Exemplare passen nach der Grösse zu der kleinen 
Form, welche Quenstedt (Jura, p. 321, Taf. 44, Fig. 11) als P. pentago- 
nalis opalinus aus dem Opalinus-Thon aufführt. Fig. 1 6 ist die Ansicht eines 
Stückes der Säule von der Seite nach einem Guttapercha -xlbgusse des 
Hohldrucks. Fig. 17 die Ansicht einer Gelenkfläche. 


Die in dem Vorstehenden aufgezählten Versteinerungen genügen um das 
geognostische Niveau, welchem die Brauneisensteinstücke angehören, mit 
Sicherheit festzustellen. Namentlich sind Pecten pumilus und Inoceramus 
polyplocus für die Bestimmung desselben von Wichtigkeit. Pecten persona- 
tus gehört in Schwaben und Franken in dasjenige untere Stockwerk des 
braunen Jura, welches ausserdem besonders durch Ammonites MurcMsonae 
bezeichnet wird . (Quenstedt’s brauner J ura p.) Inoceramus polyplocus j 
eine im nordwestlichen Deutschland weit verbreitete Art, ist daselbst über- 
all für dasselbe in Süddeutschland durch den Am. MurcMsonae bezeichnete 
Niveau zwischen der Zone des Ammonites opalinus und derjenigen des Ammo- 
nites Humphriesianus das Haupt-LeitfossiF). Pecten pumilus ist auch dort sein 
gewöhnlichster Begleiter. Da die übrigen in den Blöcken von Helenenthal 
beobachteten Arten, wenn auch weniger bezeichnend, doch zu der durch 
jene beiden Arten festgestellten Altersbestimmung wohl passen, so darf 
die letztere als durchaus sicher gelten. Damit ist also als das unterste 
palaeontologisch genügend bezeichnete Glied des oberschlesisch-polnischen 
Jura diejenige Schichtenfolge ermittelt, mit welcher, abgesehen von den 
noch tieferen Schichten des Ammonites opalinus, auch im nordwestlichen 
und südlichen Deutschland, der mittlere oder braune Jura beginnt. 


ij Vergl. Brauns: Der mittlere Jura S, 31 ff. 


200 


Jura-E’ormation. 


Früher wurden diese versteinerungsreichen Brauneisensteine von Hele- 
nenthal wegen der Gesteinsähnlichkeit in dasselbe Niveau mit dem so- 
gleich näher zu betrachtenden Kostczelitzer Sandsteine von mir gestellt, 
und in der That ist es sehr möglich, dass sie wesentlich in dasselbe gehö- 
ren, allein da die wenigen aus dem Kostczelitzer Sandsteine bekannt ge- 
wordenen Zweischaler, obgleich sehr undeutlich erhalten, doch sicher nicht 
mit solchen von Helenenthal identisch sind, so erschien es vorsichtiger 
beide Gesteine vorläufig getrennt zu halten. 

bb. Kostczelitzer Sandstein, d. i. eisenschüssiger brauner Sandstein mit 
undeutlichen Zweischalern, Einlagerungen in losem gelbem Sande bildend. 

1. Geschichtliches. 

Wenn man die flache und vorherrschend sandige Gegend zwischen 
Landsberg, Kreutzburg und Pitschen durchwandert, so trifft man 
in dem losen Diluvial - Sande vielfach grössere und kleinere Stücke 
von eisenschüssigem braunen Sandstein und von eisenschüssigen, der 
Hauptmasse nach aus weissen Quarzgeröllen bestehenden Conglomera- 
ten an. Zuweilen sind diese Bruchstücke von eisenschüssigem Sand- 
stein so häufig, dass sie in den Dörfern das Material zum Bau von 
Häusern und von niedrigen Mauern um die Felder und Gärten geliefert 
haben. In Pitschen sind die Kirche und die Stadtmauern aus diesem 
Material erbaut. Der Sandstein gleicht durchaus dem sogenannten Ort- 
steine, welcher in vielen Gegenden des nördlichen Deutschlands sich 
als eine ganz jugendliche Diluvial- und Alluvial - Bildung in dem 
Diluvial - Sande wie der Raseneisenstein nahe unter der Oberfläche 
bildet. Für gleich jugendlichen Alters habe ich denn auch anfangs diese 
eisenschüssigen Sandsteine der Gegend von Landsberg unbedenklich 
gehalten. Selbst die Beobachtung, dass der Sandstein an einigen Stellen 
wie z. B. in den südlich von dem Dorfe Bodzanowitz gelegenen Stein- 
brüchen in mächtigen, regelmässig geschichteten Bänken von zum Theil 
grosser Festigkeit auftritt, konnte jene Ansicht von dem jugendlichen Alter 
des Sandsteins nicht erschüttern, da der Sand, dem die Sandsteinbänke 
untergeordnet sind, durchaus lose wie Diluvial -Sand sich verhält und 
ebenso wie der Sandstein durchaus versteinerungsleer schien. Erst die 
unerwartete Auffindung von organischen Einschlüssen in dem Sandsteine, 
welche den Herren Janik und Degenhardt an mehreren Punkten im 
Jahre 1866 gelang, änderte mit einem Schlage die bisherige Vorstellung 
von dem Alter des Sandsteins. Denn wenn auch die mir eingesendeten, 
namentlich bei Bodzanowitz und bei Kostczelitz südlich von L an ds- 


Jura-Formation. 


201 


berg gesammelten organischen Einschlüsse nur aus wenigen sehr undeut- 
lich erhaltenen Zweischalern bestanden, so schlossen sie doch sofort jeden 
Gedanken an eine Diluvial-Bildung aus und wiesen vielmehr durch die 
allgemeine Form auf das mittlere Flötzgebirge hin. Nun trat auch die 
Aehnlichkeit gewisser, schon früher von mir auf dem Gute Helenenthal 
beiWoischnik beobachteten mit Versteinerungen erfüllten Stücke eines 
schwarzbraunen eisenschüssigen Sandsteins mit diesen Sandsteinen der 
Gegend von Landsberg hervor und da die Versteinerungen der Sandstein- 
stücke von Helenen thal mit Sicherheit auf ein bestimmtes unteres Niveau 
des mittleren oder braunen Jura hinweisen, so wurde auch für die ganze, 
den Ortstein-ähnlichen Sandstein einschliessende sandige Ablagerung der 
Gegend von Lands b erg die gleiche Altersstellung wahrscheinlich. Zu- 
gleich ermittelte sich nun auch die unmittelbare üeberlagerung der Schich- 
tenfolge durch die eisensteinführenden grauen Thone mit Ammonites Par- 
kinsoni, deren Thoneisensteine beiBodzanowitz,Wichrow und Stern a- 
litz bergmännisch gewonnen werden. Um eine kurze Bezeichnung für die 
ganze Bildung zu haben, wird sie hier, nach dem südöstlich von Lands- 
berg gelegenen Dorfe Kostczelitz, wo der Sandstein mit seinen eigen- 
thümlichen Merkmalen deutlich aufgeschlossen ist, als Kostczelitzer 
Sandstein aufgeführt. 

2. Petrographisches Verhalten. 

Die ganze gegen 40 bis 50 Fuss mächtige Bildung besteht, wie schon 
vorher bemerkt wurde, aus losen gelben Sanden und eisenschüssigen 
braunen Sandsteinen. Der Sand hat ganz das Ansehen von Diluvial-Sand. 
Meistens ist er gelb oder bräunlich gefärbt. Die Sandsteine sind eisen- 
schüssige braune oder gelbe Sandsteine, je nachdem das Bindemittel brau- 
nes oder gelbes Eisenoxydhydrat ist. Zum Theil sind diese Sandsteine sehr 
fest, zum Theil locker und zerreiblich. Oft wechseln an demselben Hand- 
stücke sehr feste und lockere Partien mit einander ab, je nachdem das 
eisenschüssige Bindemittel mehr oder minder reichlich zwischen die Quarz- 
körner gedrungen ist. Die reichlicher mit Eisenoxydhydrat durchdrunge- 
nen festeren Partien sind meistens dunkelbraun, die eisenärmeren loseren 
Partien gelbbraun oder gelb. Zuweilen wird der Sandstein sehr grob- 
körnig und geht in ein wahres Conglomerat über, indem die meisten Quarz- 
körner erbsengross oder selbst haselnussgross werden. Die Bänke des 
Sandsteins sind oft mehrere Fuss dick, wie z. B. in den Steinbrüchen bei 
Bodzanowitz. Die Schichten-Absonderung der Bänke ist aber niemals 
so regelmässig wie bei ächten Sandsteinen, bei welchen Quarzkörner und 

26 


202 


Jura-Formation. 


Bindemittel sich gleichzeitig niedergeschlagen haben, sondern sie zeigen 
auch hierin ihre concretionäre, durch späteres Eindringen des Eisenoxyd- 
hydrats bewirkte Bildung. 

Bemerkenswerth sind Einlagerungen von Thoneisenstein. Dieselben 
werden an mehreren Punkten als Eisenerze gewonnen und sind in der 
Gegend als „milde Eisenerze^^ bekannt. Namentlich bei Oblonken oder 
Warlow südlich von Bodzanowitz werden sie in mehreren Gruben 
bergmännisch gewonnen. Es sind dünn geschichtete braune Thoneisen- 
steine, welche durch eingestreuete feine Schüppchen von silberweissern 
Glimmer, die namentlich auf den Schichtflächen schimmernd hervortreten, 
ausgezeichnet sind. 

3. Lageruiigsverliältnisso. 

Die ganze Schichtenfolge ist überall tlach gelagert. Freilich ist die 
Lage der Schichten selten deutlich zu beobachten. Nur wo Sandsteine auf- 
treten ist sie etwas deutlicher zu erkennen. 

Die Unterlage der Schichtenfolge wird durch die obersten Glieder des 
Keupers gebildet. Bei Colonie Hellewald nordwestlich von Lands- 
berg ruht sie auf Hellewalder Estherien-Schichten. Bei Goslau dagegen 
bilden anscheinend die Wilmsdorfer Schichten ihre unmittelbare Unterlage. 
Nach oben wird die Schichtenfolge von den thonigen Schichten mit Ammo- 
nites Parkinsoni gleichförmig überlagert. Das ist namentlich bei Bodza- 
nowitz nachweisbar. 

4. Ve rb re i tu ng. 

9 

Die Hauptverbreitung hat die Bildung, wie schon bemerkt wurde, in 
dem zwischen Landsberg, Pirschen und Kreutzburg sich ausdehnen- 
den Gebiete. Aber auch südöstlich von Lands berg ist sie in der Nähe 
von Bodzanowitz in grösseren und kleineren Partien zu beiden Seiten 
der Lisswartha verbreitet und einzelne Ausläufer sind noch viel weiter 
südlich nachgewiesen. 

Eine nähere Betrachtung der Verbreitung der ganzen Bildung ergiebt 
Folgendes: Der nördlichste überhaupt bekannte Punkt ist eine kleine 
Partie bei dem U|4Meile N. N. W. von Landsberg gelegenen Dorfe Uschütz, 
in welcher sich bei der Ziegelei ein deutlicher Aufschluss befindet. Oestiich 
davon liegt ganz isolirt eine kleine Partie im Süden von Ober-Seichwitz 
und von dieser wieder durch einen geringen Zwischenraum getrennt eine 
grössere bis zum Vorwerk Przitozne reichende Partie, bei welcher man 
die Schichten mit Estheria minuta die Unterlage bilden sieht. Südwestlich 


Jura-Formation. 


203 


von ü s c h ü t z folgen mehrere kleine Kuppen bei Nassadel, auf deren 
einer eine Windmühle steht. Die Sandsteine sind hier anstehend. Nicht 
weit entfernt sind zwei grössere Partien südlich von Goslau. Die Bildung 
ist hier in unmittelbarer Auflagerung auf die bunten Thone mit pflanzen- 
führenden Sphaerosideriten und Sandsteinen zu beobachten. Die grösste 
Partie ist eine flache Erhebung zwischen den Ortschaften Matzdorf, 
Jedly, Ousenau, Hellewald, Gohle, Sophienberg und ßudzow. 
An zahlreichen Punkten werden in den diese Erhebung bedeckenden Wal- 
dungen, die eigentliümlichen Eisensteine, die typisch bei Warlow unweit 
Bodzanowitz entwickelt sind, gewonnen und untermischt mit Stücken 
des braunen Sandsteins liegen Stücke dieser als milde Erze bezeichneten 
Eisensteine in grosser Häufigkeit an der Oberfläche umher. Die braunen 
Sandsteine finden sich anstehend besonders westlich von Budzow. In 
mehreren Steinbrüchen sind sie hier, in 3 — 4 Fuss dicke Bänke abgeson- 
dert, in einer Mächtigkeit von 12 — 15 Fuss aufgeschlossen. Auch in einer 
Partie bei Colonie Wesend orf sind die Sandsteine aufgeschlossen und 
zwischen den Bänken derselben finden sich hier 1 — 2 Fuss mächtige Lagen 
von feuerfestem weissen Thon.- Eine weitere Partie bei der Colonie Du- 
pine wird von der von Landsberg nach Kreutzburg führenden Land- 
strasse durchschnitten. Als eine ausgezeichnete kleine Kuppe erscheint die 
Bildung in dem Paulsdorfer Berge bei Pauls d orf. Auch auf dem rech- 
ten östlichen Ufer der Prosna in Polen ist die Bildung in der Nähe von 
Lands b erg entwickelt und setzt namentlich eine grössere Partie an den 
Thalgehängen nordöstlich von Landsberg zusammen. An der von 
Landsberg nach Rosenberg führenden Strasse trifft man hierher ge- 
hörige sandige Ablagerungen in einer Partie bei Ober -Skronskau, 
welche namentlich auch durch einen Steinbruch aufgeschlossen ist. Die 
durch mehrere Steinbrüche aufgeschlossenen Sandsteine der östlich von 
dieser letzteren am Nordrande des Dorfes Kostczelitz gelegenen Partie 
haben einzelne Versteinerungen geliefert. Weiter südlich folgte eine kleine 
Partie bei dem Dorfe Wollentschin und eine ähnliche bei Alt-Kar- 
m unk au. Ansehnlicher sind die Partien in den Umgebungen von Bodza- 
nowitz. Die hierher gehörenden Ablagerungen stehen in dem Dorfe selbst 
an und sind namentlich auch am Wege nach Wichrow aufgeschlossen. 
In ausgedehnterer Verbreitung stehen sie südlich von dem Dorfe am Wege 
nach Kutzoben an. Mehrere Steinbrüche schliessen hier den in mächtigen 
Bänken abgelagerten eisenschüssigen braunen Sandstein auf, in welchem 
hier verschiedene undeutliche Zweischaler aufgefünden wurden. Auf 
dem rechten oder östlichen Thalgehänge der Lisswartha verbreitet sich 

26 * 


204 


Jura-Formation. 


die Bildung Bodzanowitz gegenüber in einer bedeutenden Erstreckung. 
Endlich sind noch einige viel weiter südlich gelegene isolirte kleine 
Partien, nämlich eine bei Pono schau und zwei andere bei Glumben 
aufzuführen. Die eine der letzteren ist namentlich durch einen Sandstein- 
bruch aufgeschlossen. Zuletzt ist hier auch eine Partie von weissem feuer- 
festen Thon bei Zborowsky aufzuführen, welche durch eine mitten im 
Walde gelegene grosse Thongrube aufgeschlossen ist. Die Aehnlichkeit 
des Thones mit demjenigen, welcher an mehreren Punkten der Gegend 
von Lands berg in den braunen Sandstein eingelagert vorkommt, be- 
stimmte ihn hierher zu rechnen. Die Lagerungsverhältnisse desselben sind 
freilich bei Zborowsky durchaus unklar und in so bedeutender Mächtig- 
keit wie hier ist der feuerfeste Thon auch sonst nirgends in der sandigen 
Bildung gekannt. 


5. Organische Einschlüsse, ■ * 

Im Ganzen sind dieselben von grosser Seltenheit. Sie beschränken 
sich bisher auf einige undeutlich erhaltene, an wenigen Orten beobachtete 
Steinkerne von Zweischalern in den Sandsteinen und einige wenige in den 
Thoneisensteinen von Warlow vorkommende Pflanzenreste. Die Zwei- 
schaler haben sich in den Steinbrüchen südlich von Bodzanowitz, in 
denjenigen von Kostczelitz und von Nova wies westlich von Zarki 
gefunden, üeberall ist die Erhaltung derselben so unvollkommen, dass 
nicht die generische und noch weniger die specifische Bestimmung mit 
Sicherheit erfolgen kann. Die zollgrossen Steinkerne eines Zweischalers 
von Kostczelitz erinnern durch die allgemeine Form an Tancredia ohlita 
Lycett. Ein anderer viel kleinerer Zweischaler von rundlichem Umriss 
und mit concentrischen Rippen an Astarte indla A. Roerner. 

Die Pflanzenreste bestehen in einem kleinen, in dem allgemeinen Habi- 
tus an Laccopteris Göpperti Schenk erinnernden, aber nicht sicher bestimm- 
baren Farrnkraute und einem Fragmente eines Calamiten oder Equisetiten, 
welche im Jahre 1865 auf den Halden der Eisensteinförderungen von 
Oblonken oder Warlow von mir gefunden wurden. 

6. Altersbestimmung. 

Da die Bildung den obersten Gliedern des Keupers aufruht und von 
Schichten mit Ammonites Parkinsoni bedeckt wird, so kann sie nur einer 
noch älteren Abtheilung der Jura-Formation angehören. Da nun der Lias, 
weil im ganzen östlichen Europa fehlend, auch hier nicht erwartet werden 
kann, so bleibt nur das Niveau des Ammonites Murchisonae, welches wesent- 


Jura-Formation. 


205 


lieh mit demjenigen des Inoceramm polyplocus zusammenfällt, in welches 
die Schichtenfolge gehören kann. In der That ist auch das petrographische 
Ansehen der Sandsteine demjenigen der vorher beschriebenen versteine- 
rungsreichen Geschiebe von Helenenthal so ähnlich, dass daraus auf eine 
Gleichheit des geognostischen Alters zu schliessen nahe liegt. Nur der 
Umstand, dass die Zweischaler des Kostczelitzer Sandsteins mit Arten der 
Helenenthaler Geschiebe nicht zu vereinigen sind, bestimmte hier beide 
Bildungen vorläufig nicht geradezu zu verbinden. Sonst könnte man auch 
daran denken in dem Kostczelitzer Sandsteine ein Aequivalent der in 
Oberschlesien und Polen bis jetzt noch nicht nachgewiesenen Schichten mit 
Ävicula contorta zu suchen, aber in den bisher aus der Bildung bekannt 
gewordenen Versteinerungen ist freilich eine bestimmte Stütze für diese An- 
nahme nicht zu entnehmen. Uebrigens ist noch besonders hervorzuheben, 
dass nirgendwo sonst in Deutschland eine ähnliche, ihrer Hauptmasse nach 
so lockere Bildung unter gleichen Lagerungsverhältnissen bekannt ist. 

cc. Grauer Sandmergel und lockere Schiefer von Lysiec und Siedlec. 

In einem nördlich von Woischnik und Kozieglowy liegenden Ge- 
biete, welches von Rekszowice über Lysiec und Siedlec bis Gezyn 
und Osada Dzierszno unweit Zarki sich erstreckt, ist eine Schichten- 
folge von grauen Sandmergeln und losen grauen Sandsteinschiefern in 
ausgedehnter Verbreitung entwickelt. Auch sandig mergelige Schichten 
am Carlsberge bei Helenenthal unweit Woischnik gehören wahr- 
scheinlich hierher. Diese Ablagerungen sind im Ganzen von so lockerer 
Beschaffenheit, dass man sie auf den ersten Blick für Diluvial-Bildungen 
zu halten geneigt sein könnte. Doch steht die deutliche und regelmässige 
Schichtung dieser Deutung bestimmt entgegen. Man kann die Schich- 
tung namentlich an den Abhängen kleiner 10 bis 30 Fuss hoher Hügel 
beobachten, welche scharf begrenzt auf der im Ganzen ebenen Fläche sich 
erheben und wie deren namentlich bei Hutki und Lysiec vorhanden sind. 
Auch die enge Verbindung, in welcher die Schichtenfolge mit eisenschüssi- 
gen Sandsteinen steht, spricht dagegen. Bei Osada Dzierszno am Wege 
von Zarki nach Kozieglowy sieht man eine solche eisenschüssige Sand- 
steinbildung der Schichtenfolge aufgelagert. 

Die Unterlage der Schichtenfolge wird überall, wo sie überhaupt zu 
beobachten ist, durch Keuper -Thone gebildet. So namentlich bei den 
Wylongi genannten Häusern nordwestlich von Kozieglowy. Ebenso 
bei Badory, wo Keuper-Breccie ansteht, und die daneben befindlichen 
Höhen durch die grauen Sandmergel gebildet werden. 


206 


Jnra-Formation. 


Wenn nun auch bei dieser Lagerung feststeht, dass die ganze Schichten- 
folge jünger ist, als der Keuper-Thon und älter, als das Diluvium, so ist 
im Uebrigen die Altersbestimmung bei dem Mangel aller organischen Ein- 
schlüsse sehr unsicher. Man könnte namentlich zweifelhaft sein, ob die- 
selbe als ein oberstes Glied noch zum Keuper gehört oder schon zu den 
Jura-Bildungen zuzurechnen ist. Das petrographische Verhalten mancher 
Schichten, welches demjenigen der Hellewalder Estherien- Schichten ähn- 
lich ist und die Versteinerungslosigkeit sprechen für die Zugehörigkeit zum 
Keuper. Die enge Verbindung mit den eisenschüssigen Sandsteinen scheint 
dagegen noch bestimmter die Zurechnung zu der Jura-Formation zu for- 
dern. Eine genauere Bestimmung des geognostischen Niveau’s ist freilich 
bei dem gänzlichen Mangel organischer Einschlüsse unthunlich. 

dd. Schichtenfolge des feuerfesten Thons von Mirow. 

Seit längerer Zeit wird in den Zinkhütten Oberschlesiens zur Herstellung 
der Muffeln ein feuerfester Thon verwendet, welcher aus dem Krakau- 
schen kommt und gewöhnlich als Thon von Mirow, dem bekanntesten 
Gewinnungsorte, bezeichnet wird. Durch die Schächte, welche man für 
den Abbau der Thone abteuft, sind die Schichten, in welchen der Thon 
vorkommt, näher bekannt geworden. Es ist eine aus einem Wechsel von 
weissen Sanden, Sandsteinen und Lagen von weissem feuerfestem Thon 
bestehende Schichtenfolge von schwankender, aber 100 Fuss nicht über- 
steigender Mächtigkeit. 

Die Verbreitung dieser Schichten erstreckt sich über ein Gebiet 
zwischen den Ortschaften Regulice, Alwernia, Poremba, Mirow 
und Kamien. Ausser bei Mirow findet namentlich auch in der Umgebung 
von Alwernia in jüngster Zeit eine Gewinnung des feuerfesten Thones 
Statt. Man baut an den verschiedenen Orten auf zwei oder drei Lagen 
des Thons, deren Mächtigkeit zwischen 20 Zoll und 1 Lachter schwankt. 
Ausser dem bezeichneten Hauptgebiete ist dieselbe Schichtenfolge auch bei 
Rudno am südwestlichen Fusse des Tenczineker Schlossberges und 
bei Czatkowice unweit Krzeszowice bekannt. Vielleicht gehören 
auch die schon früher erwähnten Thone bei Zborowski nördlich von 
Lublinitz, so wie die zwischen losen Sanden und eisenschüssigen brau- 
nen Sandsteinen liegenden Thone der Thongruben bei den Colonien Don- 
nersmark und Bud denbrock zwischen Landsberg und Kreuzburg 
in dasselbe geognostische Niveau. 

Die Lagerungsverhältnisse betreffend, so ruht die Schichtenfolge 
bei durchgängig sehr geringer Neigung und oft fast wagerechter Lage in 


Jura-Formation. 


207 


dem Haiiptgebiete ihrer Verbreitung auf Muschelkalk auf und wird von 
jüngeren mitteljurassischen Schichten (Schichten der Ammonites macro- 
cephalus) bedeckt. In den Thongruben bei Poremba bildet theils 
Wellenkalk theils unterster Schaumkalk die Unterlage. Bei Rudno 
dagegen wieder Wellenkalk. Bei Mirow hat man in einem alten Stollen 
die Schichtenfolge auf Porphyr und Porphyrtuffen aufruhend beobachtet. 
Die Auflagerung auf den Muschelkalk ist eine ungleichförmige, wie schon 
durch den Umstand angedeutet wird, dass die Schichtenfolge nach den 
vorstehenden Angaben verschiedenen Stockwerken des Muschelkalks auf- 
ruht. Dagegen ist die Ueberlagerung durch die jüngeren mittel-jurassischen 
Schichten anscheinend eine ganz gleichförmige. 

Organische Einschlüsse sind aus der ganzen Schichtenfolge mit 
Ausnahme einiger weniger Pflanzenreste nicht bekannt. Diese wurden im 
Jahre 1863 in den Thonförderungen von Orojec bei Alwernia beobach- 
tet^). Sie liegen mit einem dünnen gelbbraunen Ueberzuge von Eisenoxyd- 
hydrat bedeckt auf den Schieferungsflächen des weissen Thones selbst. 

Es ist ein Farrenkraut und ein 
Calamit. Das Farrenkraut, von 
welchem die nebenstehenden Fi- 
guren ein Stück des Wedels und 
ein vergrössertes Blättchen dar- 
stellen, wurde durch Schenk, 
dem ich Exemplare mittheilte, 
als Asplenites Rösserti Schenk'“^) 
(Alethopteris Rösserti Presl) be- 
stimmt: der Calamit, obgleich 
nur ganz undeutlich erhalten, 
erinnert an Calam. Lehmannia- 
nus Göpp. 



1) Ich verdanke dieselben der gefälligen Mittheilung des Herrn G. Mauve, der in den Jahren 
1862 — 1866 durch schlesische Industrielle mit der Leitung von Versuchsarbeiten zur Auffindung 
neuer Lager von feuerfestem Thon in der Gegend von Alwernia beauftragt war. Die Pflanzen- 
reste wurden bei der Abteufung eines Schachtes der Tiele-Winkler’schen Thonförderung bei Grojec 
unweit Alwernia g^efunden. Mit dem fraglichen Schachte wurden zuerst Bänke von weissem Jura 
mit Ammonites hiplex in einer Mächtigkeit von 70 Fuss, dann Kalkmergel des braunen Jura mit Ammo- 
nites macro cephalus in einer Mächtigkeit von 18 Fuss, dann Sandschichten mit kalkigen Zwischen- 
lagen, die wahrscheinlich auch noch zum braunen Jura gehören, in einer Mächtigkeit von 12 Fuss, 
und endlich weisser Sand mit einer 80 bis 100 Zoll mächtigen Lage von weissem feuerfestem Thon 
diirehteuft. 

2 ) Vergl. Foss. Flora der Grenzschichten p. 49, Taf. VII. Fig. 6, 7, Taf. X. Fig. 1 — 4. 


208 


Jura-Formation. 


Die Altersbestimmung der Schichtenfolge mit feuerfestem Thone ist 
unsicher und in verschiedener Weise versucht worden. Im Jahre 1865 
habe ich die Zugehörigkeit derselben zur obersten Abtheilung des Keupers 
für wahrscheinlich erklärt^). L. Hohen egger^) betrachtete sie als den 
Macrocephalus- Schichten des braunen Jura untergeordnet. L. Zeusch- 
11 er endlich hat neuerlichst die Zugehörigkeit zu den bunten^) Keuper- 
Thonen wahrscheinlich zu machen gesucht. Zunächst ist jedenfalls sicher, 
dass die Schichtenfolge jünger, als der Muschelkalk und älter als die mittel- 
jurassischen Schichten mit Ammonites macrocephalus ist, denn den ersteren 
ruhen sie auf und von den letzteren werden sie gleichförmig bedeckt. Sie 
kann deshalb nur zum Keuper oder, da Lias in der ganzen ostdeutsch- 
polnischen Entwickelung des Flötzgebirges fehlt, zu einer unteren, den 
Macrocephalus-Schichten im Alter vorangehenden Abtheilung des mittleren 
oder braunen Jura gehören. Für Keuper scheinen die beobachteten 
Pflanzenreste zu sprechen. Namentlich ist Asplenites Bösserti ein in den 
Grenzschichten zwischen Keuper und Lias weit verbreitetes und nament- 
lich auch in den Rhätischen Schichten der Kreuzburger Gegend (Wilms- 
dorfer Schichten) vorkommendes Farrnkraut, welches allerdings von 
gewissen Arten des mittleren Jura und besonders A, Whithyensis schwer 
specifisch zu unterscheiden ist. Dagegen steht der Umstand, dass nach 
den Beobachtungen von 0. Degenhardt die Schichtenfolge dem Muschel- 
kalke ungleichförmig aufruht, der Vereinigung mit dem Keuper ent- 
gegen. Da nun bei den Colonien Donnersmark und Buddenbrok 
ganz ähnliche feuerfeste Thone der Bildung von losen Sanden und eisen- 
schüssigen braunen Sandsteinen (Kostczelitzer Sandstein) untergeordnet 
sind, so wurde derselben mitteljurassischen Ablagerung vorläufig auch die 
Schichtenfolge von Mirow angereiht. Die Unsicherheit dieser Alters- 
bestimmung wird jedoch hier ausdrücklich anerkannt. 

b. Schichten des Ammonites Parkinsoni^). 
aa. Petrographische Zusammensetzung. 

Die ganze vielleicht 100 Fuss mächtige Schichtenneihe besteht wesent- 
lich aus dunkelen Thonen mit Einlagerungen von thonigern Sphaerosiderit 
und losen Sanden mit sandigen Brauneisensteinen. Die Thone sind theils 


1) Vergl. 43ster Jahresbericht der Schles. Ges. Breslau 1866, S. 34. 

2) Vergl. Erläuterungen zu der geognost. Karte des ehemal. Gebietes von Krakau S. 19. 

3) Vergl. Neues Jahrbuch 1869 S. 731, 732. 

4) Auf der Karte mit j f. bezeichnet. 


Jura-Formation. 


209 


fett und zähe, theils sandig und mager. In den sandigen Thonen ent- 
wickeln sich zuweilen Lagen von thonigem Sandstein. Namentlich kom- 
men in der untersten Abtheilung der ganzen Bildung solche Sandsteine vor. 
Die thonigen Sphaerosiderite bilden entweder einzelne aneinander gereihte 
Knollen oder dünne Bänke. Statt der Sphaerosiderite kommen zuweilen 
auch erdige oder dichte Brauneisensteine vor. 

bb. Lagerungsverhältnisse. 

Die Schichtenfolge ruht bei ganz flacher Lagerung dem Kostczelitzer 
Sandstein oder wo dieser fehlt dem Keuper unmittelbar auf und wird von 
den zunächst jüngeren Schichten der Jura-Formation (Schichten mit Ammo- 
nites macroceplialus) gleichförmig bedeckt. Bei Bodzanowitz bildet 
anscheinend der Kostczelitzer Sandstein die unmittelbare Unterlage. Bei 
Blanowice unweit Kromolow dagegen sind die Keuper -Letten mit 
Kohlenflötzen augenscheinlich das Liegende der hier durch Eisenstein- 
förderungen aufgeschlossenen Schichtenlblge. 

cc. Verbreitung. 

Die Schichten mit Ammonites Parkinsoni bilden eine gegen Nordwesten 
sich allmählich verbreiternde Zone, welche sich aus der Gegend von Kro- 
molow bis über Landsberg und Wielun hinaus verfolgen lässt. Frei- 
lich tritt diese Zone nicht überall zu Tage, sondern ist nur an vereinzelten 
Punkten unter der Diluvial-Bedeckung nachweisbar. Die Eisensteinförde- 
rungen, auf welchen die der Bildung eigenthümlichen Sphaerosiderite an 
zahlreichen Orten gewonnen werden, sind die gewöhnlichen Aufschluss- 
punkte der Schichten. 

dd. Gliederung. 

Unter der Benennung „Schichten des Ammonites Parkinsoni'^'' wird hier 
die ganze Schichtenreihe verstanden, in welcher der Ammonites Parkinsoni 
vorkommt. Es werden sämmliche Ablagerungen dahin gerechnet, welche 
zwischen das geognostische Niveau des Ammonites Murehisonae und das- 
jenige des Ammonites macroceplialus fallen. Die Benennung ist also nicht 
gleichbedeutend mit „Zone des Ammonites Parkinsoni^^ wie sie Oppel und 
andere Autoren verstehen, sondern hat einen weiteren Sinn. 

Nach dem äusseren Verhalten unterscheidet man leicht zwei Unter- 
abtheilungen der ganzen Schichtenreihe, nämlich eine untere, aus zähen 
grauen Thonen mit Lagen von thonigem Sphärosiderit zusammengesetzte 
und palaeontologisch vorzugsweise durch die grosse typische Form des 

27 


210 


Jiii‘a-Foraiation. 


Ammonites Parhinsoni bezeichnete und eine obere aus dunkelen sandigen 
Thonen, losem Sand, eisenschüssigen Sandsteinen und sandigen Braun- 
eisensteinen bestehende, palaeontologisch besonders durch die kleinere 
Form des Ammonites Parhinsoni bezeichnete*). 

Diese beiden Abtheilungen sollen in dem Nachstehenden gesondert 
näher betrachtet werden. 

V- Untere Abtheilung mit der grossen Form des Ammonites Parhinsoni. 

a. Verbreitung. 

Der nördlichste Punkt, an welchem diese aus zähen grauen Thonen 
mit Einlagerungen von thonigen Sphaerosideriten bestehende Bildung nach- 
gewiesen wurde, ist D§browa nordwestlich von Wielun. Sie ist hier 
bei dem Graben eines Brunnens im Gutshofe angetroffen worden. Der 
nächste Aufschlusspunkt ist bei Krzjworzeka südwestlich von Wielun. 
Auf den östlich von dem Dorfe gelegenen Anhöhen ist sowohl die untere, 
wie die obere Abtheilung der Schichtenreihe vorhanden. Es stehen hier 
plattenförmige graue Sandsteine an. Früher fand hier ein Eisenstein- 
Bergbau statt. Weiter südlich folgen die Eisenstein -Förderungen von 
Kowale und Strojec bei Praszka unweit Landsberg. Es wird hier 
die untere sandfreie Lage von Sphaerosideriten („Feinstein^^ bei Bodza- 
nowitz genannt) gebaut. Südöstlich von Kowale sind auf polnischer 
Seite wegen der starken Diluvial -Bedeckung dieselben Schichten nicht 
weiter entblöst. Doch erwähnt Pusch, dass sie früher mit Versuchs- 
schächten bei Rudniki, Zytniow und Jaworzno zwischen Praszka 
und Krzepice angetroffen wurden. Auf preussischen Gebiete folgen 
dann die Eisenstein -Förderungen von Bodzanowitz, Wichrow und 
Sternalitz, 1 * '.2 Meilen südöstlich von Landsberg. Das sind die be- 
kanntesten Aufschlüsse der ganzen Bildung. Die hier gegrabenen Eisen- 

1) Wahrscheinlich wird bei einem nach eingehenderem Studium der ganzen Schichtenreihe sich 
eine speciellere Gliederung ergeben. In der That nimmt Zeuse h ne r (Zeitschr. der Deutsch, geol. 
Ges. Bd. XXL, 1869, S. 779) drei Glieder an, nämlich : 1. Etage des Ammonites aspidoides 
mit Belemnites hastatus, Nucula variabilis und Ammonites Parhinsoni (selten). Bei Blanowice und 
Rudniki. 2. Etage des Ammonites Parhinsoni. Grauer Thon mit Sphaerosideriten, durch 
die Häufigkeit von A. Parhinsoni vorzugsweise bezeichnet, sonst auch Ammonites Garantianus d’Orb., 
A. linguiferus d’Orb., A. oolithicus d’Orb., A. subradiatus Sow., Nautilus lineatus Sow., Belem- 
nites hastatus Blainv., Pleuromya tenuistria Agass., Goniomya literata Sow., Thracia Eimensis 
Brauns., Nucula variabilis Sow., N. Münsteri Goldf., Inoceramus fuscus Q,\ien st. und Estheria 
BwcÄw enthaltend. Von Kamienica Polska bis Praszka nachweisbar. 3. Etag e des J5e/em- 
nites hastatus, canaliculatus , b essinus , Beyrichii. Grauer Thon mit Sphaerosideriten, 
palaeontologisch besonders durch die beiden zuerst genannten Belemniten bezeichnet. Ammonites 
Parhinsoni ist selten. Nur an wenigen Punkten ist diese Etage bisher nachgewiesen. Zu diesen 
gehören namentlich Zarki, Czenstochau und Hutka bei Panki. 


Jura-Formation. 


211 


steine wurden seit Jahren in Malapane verhüttet und dadurch auch die 
Versteinerungen allgemeiner bekannt, welche die Eisensteine in grosser 
Häufigkeit einschliessen und besonders nach der Röstung deutlich erken- 
nen lassen. Es werden an den genannten Orten zwei Lager von Sphae- 
rosideriten nämlich eine obere sandhaltige und mächtigere (Grobstein) 
und eine untere reinere und sandfreie (Feinstein) gebaut. Abgesehen von 
den nicht anstehend gekannten eisenschüssigen braunen Sandsteinen von 
Helenenthal bei Woischnik sind diese Eisenstein-Förderungen die ein- 
zigen Punkte, wo unzweifelhaft jurassische Ablagerungen in dem preussi- 
schen Oberschlesien gekannt sind. 

Sehr umfangreiche Eisenstein-Förderungen gehen den zuletzt genann- 
ten Orten gegenüber auf der anderen Seite der Liswarta bei Kostrzyn 
und Przystayn in Polen um und liefern seit alter Zeit das Material für 
die Hohöfen von Panki. Auch bei Stara Kuznica sind Eisenstein- 
Förderungen. Von hier an gegen Süd-Osten fehlen Aufschlüsse in diesen 
Schichten auf eine grössere Erstreckung, und erst bei Konopiska, 
Meilen südwestlich von Czen st och au sind sie wieder durch Eisen- 
stein-Förderungen bekannt. Wiederum Fjo Meilen südöstlich von Kono- 
piska sind sie bei Kamienica Polska aufgeschlossen. Hier ist der 
Aufschlusspunkt eine südlich von dem Dorfe versteckt am Waldrande 
gelegene Thongrube, welche das Material für eine kleine daneben stehende 
Ziegelei liefert. Graue zähe Thone mit faust- bis kopfgrossen Sphaero- 
siderit-Knollen stehen hier, ganz denjenigen von Bodzanowitz gleichend, 
unter einer wenige Fuss mächtigen Bedeckung von losem Diluvial-Sand 
an. Bei einer in Begleitung von 0. Degenhardt ausgeführten Besuche 
der Lokalität fanden wir hier in den Sphaerosideriten grosse Bruchstücke 
Yon Ammonites Parhinsoni. Endlich scheint auch bei Blano wice unweit 
Kromolow dieselbe Schichtenfolge vorhanden. Wenigstens sammelte 
ich hier auf den Halden der Eisensteingrubeu am westlichen Fusse des 
jurassischen Höhenzuges Bruchstücke der grossen Form des Ammonites 
Parhinsoni und des Belemnites giganteus. 

b. Organische Einschlüsse. 

Vergl. Taf. 18 und Taf. 19 0- 

Die fossile Fauna dieser Schichten ist nicht sehr umfangreich. Der 
graue Thon selbst enthält gewöhnlich gar keine organischen Einschlüsse. 

1) Auf diesen beiden Tafeln sind alle Arten, welche mir in einigermassen genügender Erhaltung 
aus den Sphaerosideriten der Eisenstein-Förderungen von Bodzanowitz, Wich row und Stern a- 
litz bekannt geworden sind, abgebildet worden. 


n- 


212 


Jura-Formation. 


Nur in den thonigen Sphaerosideriten sind dergleichen enthalten. An den 
meisten Aufschlussstellen kommt nur Ammonites Parkinsoni, allein vor. 
Nur aus den Eisensteinförderungen von Bodzanowitz, Wichrow und 
Sternalitz ist eine grössere Zahl von Arten bekannt. Ammonites Parkin- 
soni, ■ Belemnites giganteus und Pholadomya Murchisoni sind die häufigsten 
und bezeichnendsten Arten. Im Ganzen sind mir folgende Arten von dort 
bekannt geworden: 

Versteinerungen der thonigen Sphaerosiderite von Bodzano- 
witz, Wichrow und Sternalitz bei Landsberg. 

1) Ammonites Parkinsoni Sow. Taf. 18, Ehg. 1, 2, 3. 

Die typische Form der Art mit deutlicher glatter Rinne auf der Mitte 
des Rückens! Am häufigsten sind 6 bis 8 Zoll grosse Exemplare, die häufig 
die Mitte rundlicher Knollen von Sphaerosideriten einnehmen. Bei solchen 
Exemplaren ist der äussere Umgang mit scharfen knotenlosen Rippen ver- 
sehen. Sie gleichen durchaus Exemplaren aus Hannover und Braun- 
schweig, namentlich solchen von Hildesheim und Eime. Die Rippen 
sind viel stärker nach vorn gebogen, als bei der Form aus den Eisen- 
oolithen von Bayeux. Bei 1 bis l ‘|2 Zoll grossen Exemplaren sind die 
Umgänge viel weniger von den Seiten zusammengedrückt, als bei den 
grösseren Exemplaren und die Rippen endigen an der Rückenfurche mit 
einem spitzen Höcker. Seltener finden sich fussgrosse Exemplare. Bei 
diesen ist der letzte Umgang bis auf undeutliche Rippen in der Nähe des 
Rückens glatt, ganz so wie es Quenstedt (Cephalop. 143, tab. 11, Fig. 1) 
als Merkmal seines A. Parkinsoni gigas angiebt. Zuweilen kommen Exem- 
plare der mittelgrossen Form vor, denen die mittlere Rückenfurche fehlt 
und die scharfen Rippen sich auf der Mitte des Rückens in nach vorn 
gewendeten Bogen von beiden Seiten vereinigen. D. Brauns (der mitt- 
lere Jura S. 139) beschreibt die gleiche Form von Horn in Westphalen. 

Vorkommen: Wie schon bemerkt gehört die Art zu den häufigsten 
der Fauna. Auch bei Kostrzyn unweit Krzepice, bei Kowale, bei 
Konopisko und bei Kamienica Polska wurde die ganz gleiche Form 
der Art von uns beobachtet. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 ist die Ansicht eines jungen 
Exemplars in natürlicher Grösse von der Seite. Fig. 2 diejenige eines 
Stückes des Umganges eines mittelgrossen Exemplares gegen den Rücken 
gesehen. Fig. 3 ebendasselbe von der Seite. ' 


Jura-Formation. 


213 


2) Ammonites Eudesianus d’Orbigny. Pal. Franc. Terr. Jurass. 
Cephalop. p. 386, PL 128. . (Am. lineatus fuscus Quenstedt Jura 
p. 395.) Nach d’Orbigny kommt dieser zur G-ruppe Ammonites 
fimbriatus gehörende Ammonit im Ünter-Oolith von M o u t i e r s , nach 
Quenstedt im braunen Jura 8. in Schw^aben vor. 

Vorkommen: Selten und nur in schlecht erhaltenen Bruchstücken, 
welche auf Exemplaren von mehr als 1 Fuss im Durchmesser »chliessen 
lassen. Ein solches Bruchstück fand ich selbst bei Bodzanowitz. Meh- 
rere dergleichen befinden sich in dem Berliner Museum. 

3) Belemnites giganteus Schloth; Taf. 18, Fig. 4. 

Die Steinkerne der grossen zum.Theil mehr als drei Zoll langen Alveo- 
len sind häutig. Die Scheide selbst ist niemals erhalten, sondern hat nur 
einen entsprechenden Hohlraum in dem Gesteine zurückgelassen. Bei die- 
ser unvollständigen Erhaltung ist die Art trotz ihrer Häuligkeit bei Bod- 
zanowitz von früheren Autoren übersehen worden. Auf den Halden der 
Eisensteingruben am Fusse des jurassischen Höhenzuges bei Blanowice 
fand ich Bruchstücke der Art, die aus faserigem Kalk bestehen. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 4 Ansicht der Alveole von der 
Seite in natürlicher Grösse. 

4) Turbo conf. Turbo praetor Goldf.; Taf. 18, Fig. 5, 6. 

Die Art ist unter den beschriebenen dem Turbo praetor Goldf. aus 
mitteljurassischen Schichten am ähnlichsten. Die Skulptur der Oberfläche 
der gewölbten Umgänge besteht aus mehreren Reihen von Knoten, von 
denen je zwei in benachbarten Spiral-Reihen durch einfache faden- 
förmige Leisten unter sich verbunden werden, während je zwei benach- 
barte Knoten derselben Reihe durch weniger vollständige Leisten verbun- 
den sind. Die zwei stärksten Knoten-Reihen oder knoten-tragenden Spiral- 
Leisten nehmen die höchste Wölbung der Umgänge ein. Ueber denselben 
liegen zwei viel schwächere und unter ihnen fünf ebenfalls an Stärke weit 
nachstehende. 

Ganz ähnliche Knoten und Leisten hat nach der Abbildung und Be- 
schreibung von Goldfuss der Turbo praetor. Allein die beiden stärksten 
Knoten-Reihen werden bei dieser Art durch eine feine Knoten-Reihe ge- 
trennt. Das ist bei der oberschlesischen Art nicht der Fall. Vielleicht ist 
diese daher eine selbstständige Art. 

Vorkommen: Eine der häufigsten Arten der Fauna, freilich meistens 
nur in der Erhaltung als Steinkern. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 5 Ansicht eines vollständigen 


214 


Jura-Formation. 


Exemplars von der Seite nach dem Guttapercha-Abgusse eines Hbhldrucks. 
Fig. 6 Ansicht eines Steinkerns. 

5) Pleurotomaria granulata S o w. ( PL ornata D e f r.) • Taf. 1 9 , Fig. 13,14.’ 

Gewöhnlich sieht man nur die aus drei Umgängen bestehenden Steinkerne. 

Die specifischen Merkmale der Oberflächen-Skulptur sind nur an Abgüssen 
der Hohldrücke der Schale zu erkennen. Sie stimmen völlig mit Exem- 
plaren aus dem mittleren Jura Schwabens und Norddeutschlands überein. 

Quenstedt (Jura S. 413, tab. 56, Fig. 13, 14) beschreibt die Art 
aus dem Braunen Jura 6., in welchem sie wie in Oberschlesien mit Beiern- 
nites giganteus zusammen liegen soll. 

Vorkommen: Nicht häufig! 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 13 Ansicht des Steinkerns von 
oben. Fig. 14 Ansicht der Schale selbst von oben. Nach dem von 
einem in dem Museum der Berg-Akademie in Berlin befindlichen Hohl- 
drucke genommenen Guttapercha Gegendrücke. 

6) Teredo? Taf. 19, Fig. 12. 

Keulenförmige Ausfüllung des Bohrlochs, wie dergleichen in Gesteinen 
der Jura- und Kreide-Formation mehrfach Vorkommen. 

Vorkommen: Selten! Nur das abgebildete Exemplar liegt vor. 

Erklärung der Abbildung: Darstellung des Steinkerns in natür- 
licher Grösse von der Seite. 

7) Pholadomya Murchisoni Sow.; Taf. 18, Fig. 7. 

Diese Art wird hier unter dem Namen aufgeführt, mit welchem sie von 
den meisten Autoren benannt ist, ohne dass damit bestimmt gesagt sein 
soll, dass Sowerby’s ursprüngliche Benennung sich wirklich auf sie be- 
ziehe. Sowerby hat Pholadomya Murchisoni aus den mitteljurassischen 
Schichten von Brora in Schottland beschrieben. Seine Beschreibung und 
Abbildung genügen aber nicht, um sie scharf von verschiedenen anderen 
ähnlichen Arten zu trennen. So ist es geschehen, dass die Benennung 
von verschiedenen Autoren auf verschiedene dieser Arten bezogen wor- 
den ist. 

Agassiz (Monogr. des Myes p. 79) nennt die Art, welche Goldfuss 
und andere Autoren Pholadomya Murchisoni genannt haben Ph, exaltata 
und versteht unter PA. Murchisoni eine mehr zusammengedrückte und nach 
hinten verlängerte Art aus dem mittleren Jura von Solothurn. Morris 
und Lycett (Supplem. to Great Oolite Mollusca p. 86) nennen PA. deltoidea 
(Cardita deltoidea Sow.) die im Great oolite, der Füllers earth und dem 
Cornbrash des südlichen Englands vorzugsweise häufige Art und erklären 
die kürzere Form vQn PA. Murchisoni Sow, für identisch damit. 


Jura-Formation. 


215 


Die oberschlesische Art variirt übrigens auch bedeutend in Betreff der 
Ausdehnung der Schale nach hinten. Auch die Zahl und der Abstand der 
knotigen Rippen sind veränderlich. 

Vorkommen: Sehr häufig! Nächst Ammon. ParMnsoni das häufigste 
und bezeichnendste Fossil der Fauna. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 7 stellt ein Exemplar der gewöhn- 
lichen Grösse von der Seite dar. 

8) Pholadomya sp.; Taf. 19, Fig. 1. 

Stimmt mit keiner der beschriebenen Arten ganz überein. Da jedoch 
nur ein Exemplar vorliegt, so wird von der Errichtung einer neuen Art ab- 
gesehen. Die auffallendsten Merkmale sind der fast vollständige Paralle- 
lismus des oberen und unteren Schalenrandes und die ganz an das vor- 
dere Ende gerückte Lage der sehr wenig vorragenden Wirbel. Die 
schwach knotigen 9 bis 1 1 Rippen verlaufen in einer stark nach rückwärts 
gewendeten schiefen Richtung. Die mittleren sind die stärksten. Hinter 
den Wirbeln wird durch scharfe Kanten eine vertiefte glatte Area begrenzt. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 1 stellt das einzige vorliegende, 
dem Berliner Museum gehörende Exemplar in natürlicher Grösse von der 
Seite dar. 

9) Goniomya angulifera Sow. ^ Taf. 18, Fig. 9. 

Die unvollständige Erhaltung des einzigen vorliegenden Stückes von 
Bodzanowitz gestattet kaum eine sichere specifische Bestimmung der 
Art. Jedoch wird Goniomya angulifera auch von anderen Autoren aus 
den Schichten mit Ammonites ParMnsoni aufgeführt. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 9 stellt das einzige vorliegende 
Exemplar in natürlicher Grösse von der Seite dar. 

10) Gresslya abducta v. Seebach' Taf. 18, Fig. 8. 

Vergl. für die Synonymie: Brauns: Der mittlere Jura im Nordwestl. 
Deutschi. p. 202. Gehört zu den Formen, welche Quenstedt Myacites 
gregarius nennt. Der meistens verdrückte Erhaltungszustand der Exem- 
plare erschwert übrigens eine scharfe Vergleichung. 

Vorkommen: Nicht ganz selten. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 8 stellt ein Exemplar in natür- 
licher Grösse von der Seite dar. 

11) Myopsis jurassi; Taf. 19, Fig. 2. 

Myopsis jurassi Agassiz Monogr. des Myes p. 255, tab. 30, Fig. 3 — 10. 

(Myacites jurassi Quenstedt Jura p. 449, tab. 61, Fig. 13.) 

Die Exemplare sind etwas mehr aufgebläht und hinten mehr geflügelt, 
als die von Agassiz abgebildete Form, daher die Bestimmung nicht ganz 


216 


Jura-Formation. 


zweifellos. Die Depression am vorderen Ende der Schale, welche nach 
Quenstedt zuweilen ganz fehlen soll, ist bei den oberschlesischen Exem- 
plaren stets sehr deutlich ausgeprägt, 

Vorkommen: Mcht häufig! 

Erklärung der Abbildung: Fig. 2 stellt das grösste der vorliegen- 
den Exemplare von der Seite dar. 

1 2) Tliracia Eimensis Brauns; Taf. 1 9 , Fig. 3 . 

Die Art gehört zu der durch die ganze Jura- und Kreide-Formation 
verbreiteten Gruppe von specinsch schwer zu begrenzenden Zweischalern, 
für welche Agassiz unnöthiger Weise die Gattung Corimya errichtet hat, 
da der ganze Habitus mit demjenigen von Thracia übereinstimmt und kein 
Grund vorliegt eine von derjenigen von Thracia verschiedene Schloss- 
bildung vorauszusetzen. 

Andere verwandte mitteljurassische Arten sind Thracia lata (Sanguino- 
laria lata G o 1 d f.), Thracia Boemeri d’Orbigny ( Tellina Boemeri D u n k e r 
und Koch) und Thracia depressa (Mya depressa Sow. bei Quenstedt Jura 
p. 382, tab. 52, Fig, 9). 

Das specifische Verhalten dieser Arten unter sich und zu Th. Eimensis 
bedarf wohl noch näherer Untersuchung. Die von Brauns angegebene 
Lagerstätte der Th. Eimensis in dem oberen und mittleren Theile der Par- 
kinsonier-Zone passt zu dem Vorkommen der oberschlesischen Art. 

Vorkommen: Selten! Es liegen drei wohl erhaltene Steinkerne vor, 
von welchen zwei dem Berliner Museum gehören. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 3 Ansicht in natürlicher Grösse 
von der Seite. Das andere der beiden vorliegenden Exemplare ist grösser 
und stärker nach hinten und vorn verlängert. 

13) Unicardium gibbosum; Taf. 19, Fig. 4. 

ünicardium gibbosum Morris und Ly cett Mollusca from the Great 
oolite p. 132, tab. 14, Fig. 11 (?). 

Die vorliegenden Exemplare passen gut zu der Beschreibung von Mor- 
ris und Lycett und namentlich ist die fast genau mediane Lage der Wir- 
bel übereinstimmend. Kur die durch das hintere Ende des Schlossrandes 
und durch den Hinterrand der Schale gebildete Ecke ist weniger vor- 
stehend und mehr abgerundet, als in der Abbildung der Englischen Art. 

Vorkommen: Nicht häufig! Es liegen nur drei Exemplare vor. In 
England kommt die Art im Great oolite von Scarborough und in den 
mittleren Lagen des Inferior oolite von Gloucestershire vor. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 4 stellt ein Exemplar des Berliner 
Museums in natürlicher Grösse von der Seite dar. 


Jura-Formation. 


217 


14) Isocardia sj),; Taf. 19, Fig. Sa, 8b. 

Die Abbildung einer von Quenstedt Jura p. 442, tab. 60, Fig. 18. 
ohne specifische Benennung aus dein braunen Jura von Spaichingen 
aufgeführten Art passt gut zu den vorliegenden Exemplaren. Da die vor- 
liegenden Exemplare nur als Steinkerne erhalten sind, so ist eine nähere 
specifische Bestimmung kaum zulässig. 

Vorkommen: Nicht häufig! Es liegen vier der Sammlung der könig- 
lichen Bergakademie in Berlin gehörende Exemplare und zwei Exemplare 
des Breslauer Museum vor. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 8a das grösste der vorliegen- 
den Exemplare in natürlicher Grösse von der Seite. Fig. 8 b von vorn. 

15) Astarte conf. Ä, robusta Lyc. ^ Taf. 19, Fig. 7. 

Eine kleine durch starke Wölbung der Klappen und Regelmässigkeit 
der starken concentrischen Rippen ausgezeichnete Art von der ungefähren 
Grösse der Ä. puUa. Sie ist der von Morris und Lycett (Foss. of the 
Great oolite p. 74, tab. 35, Fig. 6, 6 a. beschriebenen Ä. robusta zunächst 
zu vergleichen. 

Vorkommen: Nicht häufig. Es liegen nur zehn als Abdrücke oder 
Steinkerne erhaltene Exemplare vor. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 7 stellt einen Guttapercha-Abdruck 
der linken Klappe nach einem Hohldrucke in natürlicher Grösse von der 
Seite dar. 

16) Trigonia sjp.f Taf. 18, Fig. 10. 

Aus der Gruppe der Trigonia costata! Bei der unvollkommenen Erhal- 
tung des Steinkerns specifisch nicht näher bestimmbar. 

Vorkommen: Nur ein einziges Exemplar liegt vor. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 10 die rechte Klappe in natürlicher 
Grösse von der Seite. 

17) Nucula variabilis Sow.; Taf. 1 8, Fig. 1 1 . 

Nur in der Form von Steinkernen vorliegend, aber doch sicher be- 
stimmbar. Die allgemeine Form gleicht durchaus derjenigen der mit der 
Schale erhaltenen Exemplare aus den Schichten mit der kleineren Form 
des Ammonites ParkinsonL 

Vorkommen: Gehört zu den häufigeren Arten der Fauna. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 11 ein Steinkern der linken Klappe 
in natürlicher Grösse von der Seite. 

18) Myoconcha sp.f Taf. 19, Fig. 6. 

Die Zugehörigkeit zu der Gattung Myoconcha ist nicht zweifelhaft, wohl 

28 


218 


Jura-Formation. 


aber die specifische Bestimmung, da nur Steinkerne vorliegen. Vielleicht 
ist es die typische Art M, crassa S o w. 

Vorkommen: Selten. Es liegen nur zwei Exemplare vor. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 6 stellt das grösste der beiden 
vorliegenden Exemplare in natürlicher Grösse von der Seite dar. Die Aus- 
füllung des vorderen Muskeleindrucks ist von dem Zeichner nicht genügend 
hervorgehoben. 

19) Inoceramus sp. Taf. 19, Fig. 9. 

Nur ein einziger, aber gut erhaltener, dem Berliner Museum gehören- 
der Steinkern liegt vor. Derselbe zeigt längs des Schlossrandes die Aus- 
füllungen der für die Gattung bezeichnenden Ligament-Gruben, deren 8 bis 
10 vorhanden sind. In dem allgemeinen Umriss der Schale steht er dem 
Inoceramus cluhius Sow. des obern Lias nahe. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 9 stellt das einzige vorliegende 
Exemplar in natürlicher Grösse von der Seite dar. 

20) Pinna sp, Taf. 19, Fig. 17. 

Nur ein einziger Steinkern liegt vor. Die obere Hälfte jeder Klappe 
zeigt undeutliche Längslinien, die untere Hälfte schief verlaufende Falten. 
Die Erhaltung genügt nicht für eine nähere specifische Bestimmung. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 17 stellt die linke Klappe in natür- 
licher Grösse von der Seite dar. 

21) Lima duplicata; Taf. 19, Fig. 5. 

Plagiostoma duplicatum Sowerby Min. Conch. tab. 559, Fig. 4, 5, 6. 

Nur ein einziger, aber sehr wohl erhaltener Steinkern der linken Klappe 
liegt vor. Obgleich derselbe die feinere Skulptur der Schalen-Oberfläche 
natürlich nicht erkennen lässt, so ist doch die specifische Bestimmung nicht 
zweifelhaft. Wie Sowerby die Art ursprünglich aus mitteljurassischen 
Schichten beschrieben hat, so führen auch Morris und Lycett sie aus 
dem Great oolite, aus dem Bradford clay. Forest marble und Cornbrash 
auf. Nach Quenstedt (Jura p. 435, tab. 59, Fig. 15) gehört sie in Schwa- 
ben dem braunen Jura 6. an. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 5 stellt das einzige dem Berliner 
Museum gehörende, als Steinkern erhaltene Exemplar in natürlicher Grösse 
von der Seite dar. 

22) Pecten textorius Taf, 19, Fig. 10. 

Nur ein Steinkern und ein Abdruck der rechten Klappe liegen vor. Die 
ausstrahlenden Rippen der rechten Klappe sind zum Theil dichotomisch 
getheilt. Quenstedt führt die Art aus dem braunen Jura s. auf, erwähnt 


Jura-Formation. 


219 


aber zugleich, dass sie auch in den „Parkinson-Oolithen^^ von Bopfingen 
vorkommt. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 10 stellt den Steinkern der rech- 
ten Klappe in natürlicher Grösse dar. Die Ohren sind ergänzt. 

23) Pecien lens Sow.* Taf. 19, Fig. 11. 

Nur ein einziger Steinkern der rechten Klappe liegt vor. Obgleich die 
bezeichnende Skulptur der Schale bei der Erhaltung als Steinkern nicht zu 
erkennen ist, so lässt doch die Form der Schale an der Richtigkeit der 
specifischen Bestimmung kaum zweifeln. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 11 stellt das einzige vorliegende 
Exemplar in natürlicher Grösse dar. 

24) Terehratula eonf. T, hiplicata Sow.* Taf. 18, Fig. 13. 

Eine jedenfalls in die Verwandtschaft der T. hiplicata gehörende Art 
mit zwei Falten an der Stirn. Rücksichtlich der Breite und der Wölbung 
der Schale variirt sie bedeutend. Quenstedt (Jura p. 428 tab. 58 Fig. 3) 
führt eine Art aus dem braunen Jura von Wehin gen auf, welche viel- 
leicht zu der Oberschlesischen Art gehört. 

Vorkommen: Sehr häufig! 

Erklärung der Abbildung: Fig. 13 Ansicht des Steinkerns eines 
grossen Exemplars. 

25) Terehratula emarginata Sow.; Taf. 18, Fig. 14, 15. 

Diese entschieden zu den Cincten gehörende Art variirt bedeutend rück- 
sichtlich der Breite der Schale und rücksichtlich des Vortretens der Ecken 
an der Stirn. 

Quenstedt (Jura p. 493, tab. 66, Fig. 18) bildet eine augenscheinlich 
hierher gehörende Form aus dem „Parkinson-Oolith‘^ vom Nipf ab und 
bemerkt, dass dergleichen Formen des braunen Jura von Davidson (Brit. 
ool. and Liass. Brachiop. p. 35, tab. IV., Fig. 18 — 21) zu T. emarginata 
Sow. gestellt werden. 

Vorkommen: Nicht selteji, wenn auch bei Weitem nicht so häufig, 
wie die vorhergehende Art! 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 14 Ansicht eines grossen und 
breiten, als Steinkern erhaltenen Exemplares gegen die kleinere Klappe 
gesehen. Fig. 15 Stirn- Ansicht desselben Exemplares. 

26) Rhynchonella quadriplicata; Taf. 18, Fig. 12. 

Terehratula quadriplicata Zielen Verst. Würtemb. tab. 41, Fig. 3; 

„ „ Quenstedt Jura p. 423, tab. 58, Fig. 5 — 8. 

Die Abbildungen der Phynchonella quadriplicata bei Quenstedt, wel- 

28 * 


220 


Jjjra-Formation. 


eher sie aus dem braunen Jura o. aufführt, passen gut zu der oberschlesi- 
schen Form. Wäre die letztere weniger gross, so würde man geneigt sein, 
sie als i?/i. varians zu bestimmen. 

Die Höhe der Wulst und die ganze Wölbung der Schale ist sehr ver- 
änderlich. Ebenso schwankt auch die Zahl der Falten im Sinus zwischen 
H bis 6. 

Vorkommen: Die Art ist das häufigste Fossil der ganzen Fauna. 
Die Exemplare sind immer nur in der Form von Steinkernen erhalten. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 12 stellt eines der grössten von 
den zahlreichen vorliegenden Exemplaren in natürlicher Grösse dar. 

27) Rhynchonella spJ Taf. 19, Fig. 16. 

Scheint in die Gruppe der Rh. furcillata zu gehören. Namentlich der 
Umstand, dass die starken Falten des Schalen-Umfangs gegen die Mitte 
der Klappen hin verschwinden, begründet die Verwandtschaft. Die feine- 
ren Falten der Rh. furcillata sind freilich bei der Erhaltung als Steinkern 
nicht sichtbar. 

Vorkommen: Nicht häufig. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 16 stellt das grösste der vorliegen- 
den, sämmtlich in der Form von Steinkernen erhaltenen Exemplare in natür- 
licher Grösse gegen die nicht durchbohrte Klappe gesehen dar. 

28) Rhynchonella spinosa; Taf. 19, Fig. 15. 

Terehratula spinosa Lam. 

Rhynchonella spinosa Davidson. 

Obgleich nur Steinkerne vorliegen, so kann die specifische Bestimmung 
doch nicht zweifelhaft sein, denn die ganze Gestalt der Schale und die Art 
wie sich die ausstrahlenden Falten gegen den Umfang hin durch das Ein- 
setzen einzelner neuer vermehren, ist übereinstimmend. Auch erkennt 
man auf den Rippen der Steinkerne namentlich am Umfänge kleine spitze 
Höcker d. i. die Ausfüllungen der unteren Höhlungen der Stacheln. 

Vorkommen: Selten. Es liegen nur drei Exemplare aus der Samm- 
lung der Berliner Bergakademie vor. Von einem nicht näher zu ermitteln- 
den Fundorte der Gegend von Kreuzburg erhielt ich auch ein in kalkiger 
Versteinerungsmasse wohl erhaltenes Exemplar der nahe verwandten 
Rhynchonella senticosa. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 15 stellt das grösste der vorliegen- 
den Exemplare gegen die nicht durchbohrte Klappe gesehen in natürlicher 
Grösse dar. 


Jura-Formation. 


221 


r^- Schichten mit der kleinen Form des Ammonites Parkinsoni. 

a. V e rl) re i t ii n g. 

Die hierher gehörenden wesentlich aus dunkelen sandigen Thonen mit 
Einlagerungen von Thoneisenstein bestehenden Schichten bilden eine aus 
der Gegend vonOgrodziniec bis Panki reichende Zone 5 welche freilich 
unter der allgemein verbreiteten Diluvial-Bedeckung nur durch einzelnen 
Aufschlusspunkte zu verfolgen ist. Der Umstand, dass diese Zone östlich 
von der vorhergehenden mit der grossen Form des Ammonites Parkinsoni 
liegt, deutet schon auf das jüngere Alter der sie bildenden Schichten. Süd- 
lich und westlich von Ogrodziniec sind die hierher gehörenden Schich- 
ten namentlich bei Hutki, Rodaki, Niegowoniec, Wysoka, Ciego- 
wice und Rokitno aufgeschlossen. Ungefähr ^|.) Meile nördlich von Cie- 
gowice ist eine ganz kleine ringsum von Keuper umgebene und diesem 
unmittelbar aufgelagerte Partie bei Poremba-Mrz jglodzka vorhanden. 
Unfern der von Siewierz nach Krornolow führenden Landstrasse befin- 
den sich hier nördlich von den Kohlengruben auf der rechten Seite des 
Baches die Halden alter Eisensteinförderungen. Diese sind gegenwärtig 
die einzigen Aufschlüsse in der kleinen Partie. Das Gestein sind dunkele 
Thone mit Einlagerungen von kleinen Sphaerosiderit-Knollen. Die Sphae- 
rosiderite erscheinen auf der Oberfläche fein weiss gesprenkelt durch kleine 
oolithische Körner von weissem Kalkspath, mit welchen sie erfüllt sind. 
Bei einem in Gemeinschaft mit 0. Degenhardt ausgeführten Besuche 
dieser Lokalität im Jahre 1865 sammelten wir auf den Halden eine Anzahl 
kleiner und meist unvollkommen erhaltener Versteinerungen, welche auf 
Taf. 17 abgebildet sind. 

Während die zuletzt genannten Aufschlusspunkte von dem westlichen 
Fusse des jurassischen Hauptzuges weiter entfernt liegen, so folgen nun 
nördlich von Ogrodziniec bis über Zarki hinaus zahlreiche am Fusse 
des Höhenzuges selbst gelegene Aufschlusspunkte. An allen diesen Punk- 
ten werden die hierher gehörenden Ablagerungen von den Schichten mit 
Ammonites macrocephalus unmittelbar überlagert. Namentlich bei Bzow, 
Losnice westlich von Krornolow, bei Blanowice, Rudniki, Wlo- 
dowice, Gora, Zarki, Wysoka, Przybynow und Chorön. Noch 
weiter gegen Nordwesten folgt nun auf dem linken Ufer der Warta und 
südlich von Czenstochau ein ausgedehntes Gebiet, in welchem die Thone 
an vielen Punkten zu Tage stehen und namentlich durch Eisensteingruben 
aufgeschlossen sind. Die grauen Thone der Bildung stehen namentlich bei 
Nowa Huta, Stara Huta, Wrsozowa und Bleszno an. Ebenso bei 


222 


Jura-Formation. 


Kamienica-Polska. Bei Osiny treten sie auch auf dem rechten Ufer der 
Warta wieder hervor. Zwischen Kamienica-Polska und Jastrz§bie 
sind sie an den Ufern des Czerka-Baches aufgeschlossen. Die alten Eisen- 
steingruben vonDasiec, Szynckowizna und Bargli bilden weitere Auf- 
schlüsse. Bei Konopiska überlagern hierher gehörende Thonschichten 
diejenigen mit der grossen Form des Ammonites Parkinsoni. Bei Gnaszyn 
westlich von Czenstochau sind die Thone durch Eisensteingruben auf- 
geschlossen. Noch näher bei Czenstochau bei dem Vorwerke Zacisze 
sind es die Thongruben einer Ziegelei, welche einen Aufschluss gewähren. 

Endlich sind nun dieselben Schichten auch noch zwischen Czen- 
stochau und Wielun an zahlreichen Punkten bekannt. Bei Pierzchno 
U|.2 Meilen nordwestlich von Czenstochau befinden sich Eisensteinförde- 
rungen in dieser Bildung, deren Erze in Blachownia verhüttet werden. 
Weiter hin folgen Aufschlüsse bei Grodzisko südlich von Klobucko. 
Die dunkelen Thone enthalten hier Cerithium echinatum und andere kleine 
Fossilien. In grosser Häufigkeit wurden solche Fossilien auf den Halden 
von Versuchsschächten bei Hutka östlich von Panki gefunden. Im Thier- 
garten bei Panki wurden früher Eisensteine dieser Bildung in mehreren 
Schächten gebaut, welche mit schön erhaltenen Perlmutter -glänzenden 
kleinen Fossilien erfüllt sind, die durch Pusch in verschiedene deutsche 
Sammlungen gelangten. Bei Zaj^cki nördlich von Krzepice werden 
die Brauneisensteine der sandigen Schichten der Bildung gewonnen, welche 
grosse Pholadomyen in Menge enthalten. Eben solche Erze wurden früher 
südlich von Krzepice unweit Zwierzyniec gebaut. Auch bei Danko- 
wice und bei Truskolasi. 

b. Organische Einschlüsse. 

Die Versteinerungen der hier zusammengefassten Schichtenreihe sind 
mir nicht so vollständig bekannt geworden, um für jede einzelne Schicht 
das zusammen Vorkommende scharf von dem Uebrigen sondern zu 
können. Jede der versteinerungsführenden Lokalitäten hat einzelnes 
Eigenthümliche geliefert. Unter diesen Umständen schien es am geeignet- 
sten, nur die Verzeichnisse der an einzelnen Fundpunkten beobachteten 
Arten zu geben. 


Jura-Formation. 


223 


1. Versteinerungen der Eisensteinförderungen östlich 
von Blanowice unweit Kromolow^). 

VergL Taf. 20. 

1) Ammonites suhradiatus Sow.?*, Taf. 20, Fl|;. 1 — 4. 

Exemplare von 2 Zoll Durchmesser wie das Fig. 1 und 2 abgebildete 
haben bogenförmig gerundete Rippen auf der äusseren Hälfte des letzten 
Umgangs, während die innere Hälfte glatt ist, und einen ziemlich scharfen 
Rückenkiel. Bei kleineren 1 Zoll grossen Exemplaren ist der Rücken sehr 
schwach gekielt oder gerundet und die Seitenflächen der Umgänge sind bis 
auf kurze und schwache, schief nach rückwärts gewendete, nicht gebogene 
Falten in der Nähe des Rückens glatt. Handgrosse 1 Linie dicke glatte 
Bruchstücke der Wohnkammer eines Ammoniten, welche in demselben 
Gestein Vorkommen, gehören vielleicht als Fragmente ausgewachsener 
Exemplare ebenfalls hierher. Die Zugehörigkeit zum A. suhradiatus ist 
keineswegs zweifellos, denn die Rippen sind bei den polnischen Exempla- 
ren viel stärker als bei der typischen Form vou Bayeux. Auch ist das 
Gehäuse weniger involut. Am. canaliculatus fuscus Quenst. würde als 
wahrscheinlich verwandt ebenfalls näher zu vergleichen sein. 

Vorkommen: Sehr häutig, nafnentlich in 1 bis Uj 2 Zoll grossen Exem- 
plaren. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 Ansicht von der Seite. Fig. 2 
Ansicht desselben Exemplars im Profil gegen die Mündung gesehen. Fig. 3 
Ansicht eines kleinen Exemplars von der Seite. Fig. 4 Ansicht desselben 
Exemplars im Profil gegen die Mündung gesehen. 

2) Ammonites funatus Oppel (A. triplicatus Quenstedt [non Sow.])^ 
Taf. 20, Fig. 5, 6, 7, 8. 

Süddeutsche Exemplare sind etwas mehr von den Seiten zusammen- 
gedrückt, sonst stimmen sie vollständig mit den polnischen überein. 

Vorkommen: Nächst der vorhergehenden Art ist es der häufigste 
Ammonit bei Blanowice. Von anderen Stellen in Polen ist er mir nicht 
bekannt. Obgleich A. funatus im südlichen und nordwestlichen Deutsch- 
land gewöhnlich in einem höheren Niveau, nämlich in demjenigen des 

') In einer kleinen Thalschlucht östlich von dem Orte befinden sich Eisensteinförderiingen, in 
welchen grau-braune Thoneisensteine mit sparsamen sehr feinen oolithischen Körnern von hellerer 
Farbe in einem dunkelen sandigen Thone gegraben werden. Diese Thoneisensteine sind mit den 
wohl erhaltenen Versteinerungen erfüllt, deren Arten hier aufgezählt werden. Andere Eisenstein- 
förderungen liegen westlich von Blanowice am Fusse des jurassischen Höhenzuges. Hier enthal- 
ten die Eisensteine, wie S. 211 erwähnt wurde, die grosse Form des Ammonites Parkinsoni und Be- 
lemnites giganteus. 


224 


Jura-B'ormation. 


Ammonites macrocephalus vorkoramt, so wird er doch auch aus tieferen 
Schichten aufgeftihrt. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 5 Ansicht eines Stücks des 
äusseren Umgangs des grössten der vorliegenden Exemplare. Fig. 6 An- 
sicht des Querschnitts de^letzten Umgangs. Fig. 7 Ansicht eines jüngeren 
Exemplars der gewöhnlichen Grösse von der Seite. Fig. 8 dasselbe iin 
Profil gegen die Mündung gesehen. 

3) Ammonites Parhinsoni Sow, 

Nur ein Bruchstück eines kleinen Exemplars von kaum 3 Zoll Durch- 
messer liegt vor. 

4) Ammonites aspidoides 0 p p e 1. (A. canaliculatus fuscus Qu e n s t.) 

Dieser früher mit dem Am. discus Sow. verwechselte Ammonit soll 

nach Oppel einem bestimmten geognostischen Niveau zwischen den Schich- 
ten des Ammonites Parhinsoni und denjenigen des Am. macroceplialus ange- 
hören. Nach Brauns, der ihn mit dem Am. subradiatus Sow. vereinigt, 
soll er auch tiefer hinabreichen. Ich erhielt bei Blanowice nur ein 
unvollständiges Exemplar von 4 Zoll Durchmesser. Ob es aus einem 
Niveau über den die übrigen Versteinerungen enthaltenden Schichten her- 
rührt, liess sich nicht bestimmen. Ein zweites Exemplar fand Degen- 
hardt bei Zajacki unweit Krzepice. 

5) Belemniies canaliculatus S c h 1 o t h e i m • Taf. 20, Fig. 9. 

Fragmente wie das abgebildete sind häufig. 

6j Pleurotomaria granulata S o w . (PI. ornata J) e fr.) 

In schön erhaltenen, mehr als 1 Zoll grossen Exemplaren, welche 
völlig mit solchen aus Schwaben und dem nordwestlichen Deutschland 
übereinstimmen, häufig! 

7) Goniomya angulifera Agass.; Taf. 20, Fig. 11. 

Diese Muschel gehört zu den häufigeren Arten der Fauna. 

8) Pholadomya sp. 

Der Ph. Murchisoni ähnlich, aber viel stärker nach hinten verlängert. 
Nur ein einziges unvollständiges Exemplar liegt vor. 

9) Thracia Eimensis Brauns; Taf. 20, Fig. 10. 

Ausser dem abgebildeten ganz vollständigen Exemplare liegt noch ein 
zweites etwas weniger zusammengedrücktes vor. 

10) Astarte Blanowicensis n. sp. Taf. 20, Fig. 14, 15. 

Diese Art ist durch die ganz flache Zusammendrückung der Schale 
und durch das geringe Vorragen der sehr kleinen Wirbel ausgezeichnet. 
Die Zusammendrückung der Schale ist noch stärker als bei A. depressa 
Goldf., die zugleich durch einen subtrigonalen Umriss von unserer Art 


Jura- Formation. 


225 


verschieden ist. In der Flachheit der Schale und auch in der Skulptur der 
Oberfläche kommt ihr Astarte nmnmulina Ferd. Ro einer der jurassischen 
Geschiebe bei Berlin am nächsten. Aber auch diese Art ist weniger in 
die Quere ausgedehnt und von geringerer Grösse. So wie die Wirbel 
sehr klein sind, so sind auch die Schlosszähne unter denselben klein und 
wenig vorragend. Ausser dem abgebildeten Exemplar liegen noch einige 
kleinere vor. 

11) Astarte cordata Trautscholdt; Taf. 20, Fig. 16. 

Stimmt vollständig mit Exemplaren der A, cordata aus den unteren 
Schichten des Moskauer Jura von Galiowa, die ich durch Trautscholdt 
selbst erhielt. Nur etwas grösser sind die polnischen Exemplare. Von 
anderen Arten ähnlicher Grösse und ähnlicher Skulptur wie z. B. A. jpulla 
A. Roemer ist die Art durch das starke Vorragen der kaum seitlich ge- 
wendeten Wirbel unterschieden. Sie gehört zu den häufigsten Arten der 
Fauna. 

1 2) Trigoyiia costata S o w. 

Nur Bruchstücke der Art, aber sicher als solche bestimmbar, liegen vor. 

13) Nucula variabilis So w. 

Nicht selten in vollständigen mit der Schale erhaltenen Exemplaren. 
Fig. 12 und 13 sind Ansichten eines solchen vollständigen Exemplares. 

1 4) Posidonomya Buchii A . Roemer (P. Parkinsoni Q u e n s t.) 

Gewisse dunkelgraue Schief'erthonschichten sind ganz erfüllt mit den 

zusammengedrückten Schalen dieser Art. 

15) Pecten lens Sow.; Taf. 20, Fig. 17. 

Nicht selten in vollständigen mit der Schale selbst erhaltenen Exempla- 
ren, wie Fig. 17 eines dergleichen darstellt. 

16) Pecten demissus Phillips (P, spathulatus A. Roemer)^ Taf. 20, 
Fig. 18. 

Dieser sehr dünnschalige glatte Pecten gehört zu den häufigeren Arten. 

17) Rhynchonella varians Schloth. ; Taf. 20, Fig. 18. 

Eine Form, weiche durch bedeutendere Grösse und durch zahlreichere 
Falten im Sinus und auf den Seiten von der typischen Form der Art unter- 
schieden ist. Gehört zu den häufigeren Arten der Fauna. Fig. 18 stellt 
eines der grössten der vorliegenden Exemplare von der Seite dar. 


29 


226 


Jura-Formation. 


2. Versteinerungen von Poremba - Mrzyglodzka zwischen 
Siewierz und Kroraolow*). 

Vergl. Taf. 172). 

1) Asterias crassitesta n. sp.; Taf. 17, Fig. 1 — 4. 

Die Art wird hier als neue Art aufgeführt, da die Merkmale derselben 
zu keiner der bisher beschriebenen Arten genau passen. Am meisten 
gleichen die Täfelchen denjenigen, welche Goldfuss Taf. 63, Fig. 6. f. g. h. 
als Täfelchen der Bauchseite von Asterias jurensis abbildet. Allein wäh- 
rend dort die obere mit kleinen Grübchen ^'erzierte Fläche convex sein 
soll, ist sie hier flach concav. Die sieben vorspringenden Ecken des 
Umfangs haben Gelenkflächen, durch welche sie anscheinend mit ande- 
ren ähnlichen Täfelchen verbunden gewesen sind. Dann wären freilich 
Lücken zwischen den Täfelchen geblieben. Die kleinen Grübchen der 
Oberfläche werden gegen die vertiefte Mitte hin kleiner und undeut- 
licher. Die Täfelchen haben wahrscheinlich die Rückenfläche des Asteri- 
den eingenommen. Natürlich gehört die Gattung nicht zu den typischen 
Asterias-Arten, sondern die Artikulation der Täfelchen ist schon ein eigen- 
thümliches Merkmal, welches auf einen besonderen generischen Typus 
deutet. Nach einer mündlichen Mittheilung von 0. Fr aas kommen ähn- 
liche Täfelchen in den Coronaten-Schichten des Schwäbischen Jura vor. 

Vorkommen: Es liegen 4 Täfelchen vor. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 stellt das grösste der vor- 
liegenden Täfelchen von oben dar; Fig. 2 von der Seite; Fig. 3 ein klei- 
neres Täfelchen von oben; Fig. 4 dasselbe von der Seite. 

2) Pentacrinus nodosus Quenst.; Taf. 17, Fig. 5, 6. 

Quenstedt beschreibt die Art aus dem braunen Jura 6. Das passt zu 
dem Vorkommen der vorliegenden Exemplare. Nur zwei Säulenstücke 
liegen vor. Fig. 5 stellt das grössere derselben von der Seite, Fig. 6 eine 
Gelenkfläche desselben dar. 

3) Pentacrinus suhteres Goldf. ; Taf. 17, Fig. 7, 8. 

Gehört zu den häufigsten Arten der Fundstelle. 

4) Mespilocrinus macrocephalus Quenst.; Taf. 1 7, Fig. 9, 10, 1 1. 

Die Art soll nach Quenstedt in den Schichten des Ämmonites macro- 


1) Von den Halden der Eisensteingruben, durch welciie, wie vorher erwähnt wurde, die dortige 
kleine rings vom Keuper umgebene Partie allein aufgeschlossen ist. 

2) Auf dieser Tafel sind alle in einigermassen deutlicher Erhaltung mir bekannt gewordenen Arten 
dieser allerdings nur unvollkommen aufgeschlossenen Lokalität abgebildet. Durch ein Versehen in 
der Numerirung der Tafeln ist diese Tafel vor Taf. 18 und Taf. 19 gestellt. 


Jura-Formation. 227 

cephalus und dicht darunter Vorkommen. Das ist ein höheres Niveau, als 
sie in Polen einnimmt. 

Vorkommen: Einzelne Säulenstücke sehr häufig! Bei den meisten 
aber die eigenthümliche Skulptur der Gelenkflächen abgerieben. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 9 ein Säulen stück von der Seite. 
Fig. 10 Ansicht der Gelenkfläche desselben Säulenstücks. Fig. 11 Ansicht 
eines unregelmässigen Säulenstücks mit convexer Gelenkfläche. 

5) Ehahdocidaris maximal) Taf. 17, Fig. 12, 14, 15, 16. 

Die Fig. 12 abgebildete Assel passt ganz zu der Art; die Fig. 14, 15 
und 16 abgebildeten Stacheln, welche sehr häufig verkommen, gehören 
sehr wahrscheinlich dazu. 

6) Cidaris sp.; 17, Fig. 13. 

Nur das abgebildete Fragment eines Stachels liegt vor. 

7) Cidaris sp.; Taf. 17, Fig. 17. 

Nicht näher bestimmbarer Stachel. 

8) Bryozoorum genus? ; Taf. 17, Fig. 18, 19, 20. 

In unregelmässig walzenförmigen oder auch etwas zusammengedrück- 
ten Bruchstücken ist diese Art sehr häufig. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 18 ein kleines cjlindroidisches 
Stämmchen von der Seite. Fig. 19 ein Querschnitt. Fig. 20 ein Stück der 
Oberfläche vergrössert. 

9) Terehratula subbucculenta D e w a 1 q u e et C h a p u i s ; Taf. 1 7 , Fig. 21,22. 
Nur ein einziges Exemplar liegt vor. Die Bestimmung ist daher nicht 

zweifellos. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 21 Ansicht gegen die kleinere 
Klappe. Fig. 22 Ansicht von der Seite. 

1 0 j Rhynchonella triplicosa Deslongch. ( Terebratula triplicosa Q u e n - 
stedt Jura 496, tab. 66, Fig. 30 — -32); Taf. 17, Fig. 2H. 

Da nur das einzige abgebildete Exemplar vorliegt, ist auch bei dieser 
Art die Beschreibung nicht sicher. 

11) Rhynchonella varians Davidson; Taf. 17, Fig. 24. 

Das abgebildete Exemplar, welches zugleich das einzige vorliegende 
ist, wird als eine vielfältige Varietät mit wenig vortretender breiter Wulst 
anzusehen sein. 

12) Ostrea sp,; Taf. 17, Fig. 25, 26, 28. 

Nur unvollständige Exemplare liegen vor, wesshalb eine nähere Art- 
bestimmung nicht versucht wird. 

13) Ostrea Mar shi So Taf. 17, Fig. 27. 

Wahrscheinlich gehören die zahlreichen vorliegenden Fragmente einer 

29 * 


228 


Jnra-Fprmation. 


Auster mit langen spitzen Zähnen am Umfange, wie deren Fig. 27 ein 
solches darstellt, zu dieser Art. Freilich ist es dann eine weniger dick- 
schalige Form als die typische Schwäbische, denn diese würde sich mit 
ihrer dicken festen Schale auch vollständig erhalten haben. 

14) Avicula sp,; Taf. 17, Fig. 29, 30. 

Nur das Fig. 29 abgebildete als Steinkern erhaltene Exemplar und 
einige Fragmente der Schale selbst, von denen Fig. 30 eines darstellt, lie- 
gen vor. Die Schalen-Fragmente zeigen eine sehr zierliche Skulptur, in- 
dem sehr feine scharfe Anwachsringe, wie zarte Fäden, die Zwischenräume 
der Radial-Rippen und der zwischen denselben liegenden radialen Linien 
kreuzen. 

15) Belemnites Beyrichii Oppel^ Taf. 17, Fig. 31, 32. 

Dem B. canaliculatus nahe stehend und wohl häufig damit verwechselt, 
ist diese Art an der sehr schlanken Scheide und an der Kürze der Bauch- 
furche, welche kaum bis zu dem dicksten Theile der Scheide zu verfolgen 
ist, niemals aber wie bei B. canaliculatus bis an deren Spitze zu verfolgen 
ist, kenntlich. Auch ist die Scheide niemals so wie bei den genannten 
Arten, sondern eher etwas seitlich zusammengedrückt. 

Vorkommen: Nur Fragmente, wie die Fig. 31 und 32 abgebildeten, 
liegen vor. Dieselben stimmen durchaus mit vollständigeren Exemplaren 
überein, welch in grosser Häufigkeit in den Thongruben neben der Ziegelei 
am westlichen Fusse des Clarenberges bei C zenstoch au Vorkommen. 
Nach Brauns (Mittl. Jura Nordw. Deutsehl. p. 96) ist B, Beyrichii im nord- 
westlichen Deutschland in den beiden oberen Abtheilungen der Parkinso- 
nier-Zone verbreitet. Das passt zu dem Vorkommen in Polen. Uebrigens 
wurden auch ein Paar kleine Exemplare einer anderen Art mit längerer 
Bauchfurche beobachtet, welche zu B. canaliculatus zu gehören scheinen. 

16) Ammonites subradiatus Sow. (Am. canaliculatus fuscus Quenst.)* 
Taf. 17, Fig. 33, 34. 

Nur kleine Exemplare, wie das abgebildete, liegen vor. Die Oberfläche 
der flach zusammengedrückten und am Rücken schneidigen Schale zeigt 
sehr schwache Falten, die nur in der Nähe des Rückens etwas deutlicher 
sind, ln der Zeichnung ist die knieförmige Biegung, welche diese Falten 
in der Mitte haben, nicht richtig angegeben. 

17) Ammonites sp.; Taf. 17, Fig. 35, 36. 

Nur das einzige offenbar jugendliche und eine sichere Bestimmung nicht 
zulassende Exemplar, welches Fig. 35 und 36 abgebildet ist, liegt vor. Die. 
rundlichen Umgänge zeigen nur am Nabel Andeutungen von Falten. Viel- 
leicht gehört das p]xemplar zu A.funatus 0 p p e 1 . (A. triplicatus Q u e n s t e d t. ) 


Jura-Formation. 


229 


3. Versteinerungen von Grodzisko südlich von Klobucko. 

1) Cerithium echinatum L. v. Buch. Sehr häufig! 

2) Trochus monilitextus (Trochus hiarmatus Goldf.). Sehr häufig! 

3) Pleurotomaria granulata Sow. (PL ornata Defr.) Ziemlich häufig! 

4) Muricida conf. M. fragilissima Quenstedt. Nicht selten! 

Die vorliegenden Exemplare zeigen deutlich die nach Quenstedt für 
die Gattung bezeichnenden gegenüberstehenden Reihen von Stacheln. Die 
Stacheln stehen auf dem stärksten der die Schale bedeckenden Spiral-Reifen. 

5) Dentalium Parkinsoni Quenst. Nicht selten! 

6) Astarte jpulla A. Roemer. Ziemlich häufig! 

7) Pentacrinus nodosus Quenst. Säulenstücke nicht selten! 

8) Mespilocrinus, Säulenstücke häufig! 

9) Asterias sp. Vergl. Quenst. Jura tab. 62, Fig. 30, 31. Einzelne 
Randtäfelchen häufig! 

4. Versteinerungen von Gnaszyn w^estlich von Czenstochau. 

1) Belemnites canaliculatus Schloth. 

2) Trochus monilitectus P h i 1 1 i p s Trochus hiarmatus Goldf.) Sehr häufig ! 

3) Ästarte pulla A. Roemer. 

4) Trigonia costata V Nur Bruchstücke; diese aber sehr häufig! 

5) Trigonia clavellata Park. Nur in jungen, ^'2 grossen und des- 
halb auch specifisch nur unsicher zu bestimmenden Exemplaren. 

6) Nucuia variabilis Sow. In grossen vollständig erhaltenen Exem- 
plaren nicht selten. 

5. Versteinerungen von Hutka bei Panki. 

1) Belemnites canaliculatus Schloth. 

2) Cerithium echinatum L. v. Buch. Sehr häufig! 

3) Trochus monilitectus (Trochus hiarmatus 

4) Trigonia costata Park. Nur Bruchstücken; diese aber sehr häufig. 

5) Astarte depressa Münster. Nur in Fragmenten vorliegend, aber 
doch sicher bestimmbar. 

6) Astarta pulla A. Roemer. Sehr häufig! 

Aus den im Vorstehenden mitgetheilten Listen von Versteinerungen 
ergiebt sich zunächst eine wesentliche Uebereinstimmung der verschiede- 
nen Lokalitäten unter sich, wenn auch, wie es bei der unvollständigen 
Ausbeutung kaum anders zu erwarten ist, manche Arten nicht von allen. 


230 


Jura-Formation. 


sondern nur von der einen oder anderen der Lokalitäten bekannt gewor- 
den sind. 

Demnächst tritt auch die enge Verbindung zwischen dieser Fauna mit 
der kleinen Form des Ammonites Parkinsoni und derjenigen mit der grossen 
Form derselben Ämmoniten-Arb wie sie namentlich in den Sphaerosideri- 
ten von Bo dzano witz , Wichro w und Sternalitz enthalten ist, deutlich 
hervor. Abgesehen von dem Ammonites Parkinsoni sind namentlich Pleuro- 
tomaria granulata^ Goniomya angulifera, Thracia Eimensis, Trigonia costata 
und Nucula variabilis beiden gemeinsam. 

c. Schichten des Ammonites macrocephalus. 

a. Petrographisches Verhalten. 

Im Ganzen ist die Schichtenfolge von kalkig sandiger Natur mit sehr 
wechselndem Verhalten an den einzelnen Fundorten, jedoch so, dass nach 
unten mehr die sandige, nach oben mehr die kalkige Natur die Oberhand 
gewinnt. Die gewöhnliche Erscheinungsweise ist diejenige von mehr oder 
minder festen gelben oder grauen Kalkmergeln mit braunen Eisenoolithen. 
Zuweilen treten die Eisenoolithe ganz zurück und das Gestein ist dann ein 
grauer Kalkstein von ziemlicher Festigkeit, wie z. B. bei Mirow und 
Kamien. Zuweilen nimmt das Gestein einzelne kleine weisse Quarz- 
gerölle bis zur Erbsengrösse auf. Werden diese Gerölle vorherrschend, 
so wird das ganze Gestein ein weisses Quarz-Conglomerat mit kalkigem 
Bindemittel Wenigstens kommen im Krakau’schen Gebiete solche Con- 
glomerate vor, welche nach den Lagerungs Verhältnissen nicht wohl in ein 
anderes geognostisches Niveau gehören können. Namentlich auf dem 
Plateau von Dembnik bei Krzeszowice ist wenige hundert Schritte von 
den Marmorbrüchen ein solches weisses Quarz-Conglomerat durch einen 
kleinen Steinbruch aufgeschlossen. In der Verbreitung gegen Nord westen hin 
geht die conglomeratische Natur des Gesteins fast ganz verloren und es 
«erscheint als ein gelblich grauer sandig rauh anzufühlender Kalkstein. So 
namentlich bei Wielun, wo durch das häufige Vorkommen von Ammonites 
maßrocephahis das Alter der Schichten sicher bezeichnet ist. 

Die Mächtigkeit der ganzen Schichtenfolge ist unbedeutend und schwankt 
zwischen 12 bis 30 Fuss. Im Ganzen nimmt dieselbe in der Ausbreitung 
der Schichtenfolge gegen Nordwesten zu. 

b. V erbreitung. 

Die Schichten mit Ammonites macrocephalus bilden eine schmale Zone 
am westlichen Abhänge des jurassischen Höhenzuges, welche in dessen 


Jura-Formation. 


231 


ganzer Erstreckung aus dem Krakau’schen bis Wielun zu verfolgen ist. 
Zunächst ist sie im Krakau’schen in den Umgebungen von Alwernia^ 
Krzeszowice und Chrzanow an zahlreichen Punkten aufgeschlossen. 
Namentlich erscheinen sie an vielen Stellen in der Nähe der Thongruben 
von Mirow und Kamien als graue mit Versteinerungen erfüllte Kalk- 
steine. Ganz ähnlich ist das Verhalten bei Brodla südlich von Alwernia 
an einem an der Landstrasse gelegenen Aufschlusspunkte. Noch näher 
bei Alwernia ist das Gestein in der Regulicer Hauptschlucht auf- 
geschlossen. Das Gestein ist hier von mehr lockerer und mergeliger 
Beschaffenheit und ebenfalls mit Versteinerungen erfüllt, unter denen 
namentlich Belemniten häufig sind. Aehnliche versteinerungsreiche Auf- 
schlussstellen sind mehrere in den Umgebungen von Zalas und Sanka 
vorhanden. Vielfache Gelegenheit zur Beobachtung der Schiehtenfolge ist 
ferner an den Abhängen der kleinen bei Krzeszowice in das Rudawa- 
Thal einmündenden Thäler gegeben. So namentlich in dem Thale von 
Paczoltowice. Bei dem Dorfe Zary auf dem linken Thalgehänge besteht 
die Schichtenfolge aus grobkörnigen Sandsteinen zu unterst und versteine- 
rungreichen Kalkmergeln nach oben. Zwischen Siedle c und Czatko- 
wice ist sie am Südgehänge des aus Kohlenkalk bestehenden Plateäu’s 
durch Steinbrüche und Wasserrisse aufgeschlossen. Auch am linken Ge- 
hänge des Thaies von Czerna sind die Schichten deutlich zu beobachten. 
Ebenso nördlich von Krzeszowice am Wege nach Nowa Gora, hier 
überlagert von weissen Kalkmergeln der folgenden Schichtengruppe. Im 
Thale von Filipowice sieht man sie am Östlichen Thalgehänge am unteren 
Ende des Dorfes dem Muschelkalke unmittelbar aufruhen. Im Thiergarten 
von Tenczynek bei Krzeszowice liegen so zahlreiche Stücke des Kalk- 
mergels umher, dass auf ein Anstehen desselben in unmittelbarer Nähe 
mit Wahrscheinlichkeit zu schliessen ist. An mehreren Punkten ist die 
Schichtenfolge ferner in der Gegend südlich von Chrzanow bekannt. So 
namentlich bei Bolgcin, Pila und Koscielec. Sie ist hier überall dem 
Muschelkalk unmittelbar aufgelagert. Auch bei der Eisenhütte von Chrza- 
now sind die Schichten dem Muschelkalke unmittelbar aufruhend im Fahr- 
wege zu beobachten. Die durch ihren Reichthum von organischen Ein- 
schlüssen weitaus bemerkenswertheste Aufschlussstelle der Schichtenfolge 
im ganzen Krakauer Gebiete ist aber unstreitig diejenige bei dem nördlich 
von Chrzanow gelegenen Dorfe Balin. Bei der Anlage der Kaiser 
Ferdinands Nordbahn wurde hier in den vierziger Jahren ein etwa 20 Fuss 
tiefer und einige hundert Schritte langer Bodeneinschnitt ausgeführt, in 
welchem graue Kalkmergel mit braunen Eisenoolithen in einer Mächtigkeit 


232 


Jura-Formation. 


von etwa 15 Fuss aufgeschlossen wurden, welche gleich Anfangs durch 
den ausserordentlichen Reichthum von wohl erhaltenen Versteinerungen 
die Aufmerksamkeit auf sich zogen. In Wien, wohin umfangreiche Samm- 
lungen dieser Versteinerungen gelangten, haben Suess, Laube und Reuss 
dieselben einer eingehenden Bearbeitung unterzogen. Als ein allgemeines 
Ergebniss dieser Untersuchungen hat sich die Vereinigung von Arten 
mehrerer tieferer Niveau’s des mittleren Jura, namentlid.h der von d’Or- 
bigny als „Etage Bajocien"^ und „Etage Bathonien^‘ bezeichneten 
Abtheilungen, mit solchen der Macrocephalus- Schichten (d’Orbigny’s 
Etage Callovien) ergeben. Dieses Ergebniss ist bei der geringen nur 
wenige Fuss betragenden Mächtigkeit der Schichtenfolge um so auffallen- 
der. Die unmittelbare Unterlage der versteinerungsführenden Schichten 
wird in dem Eisenbahneinschnitte durch hellfarbige röthlich und bläulich 
graue Thonmergel gebildet, welche ich schon im Jahre 18G2 als Keuper- 
Mergel bestimmt habe. Uebrigens ist gegenwärtig der ganze durch den 
fraglichen Eisenbahneinschnitt früher gewährte bemerkenswerthe Auf- 
schluss der Beobachtung fast völlig wieder entzogen, da die Böschungen 
des Einschnitts allmählich mit Rasen bewachsen sind. Kaum dass man 
auf dem Bahndamme noch einzelne kleinere Arten von Versteinerungen 
findet. 

Erst mehrere Meilen nördlich von Bai in folgt nun die ebenfalls sehr 
bemerkenswerthe Aufschlussstelle von Poinorzany bei Olkusz. In einem 
Hohlwege östlich von dem Dorfe stehen in einer nur 6 bis 8 Fuss betragen- 
den Mächtigkeit braune mit wohl erhaltenen Versteinerungen erfüllte Kalk- 
Mergel an, welche nach unten unmittelbar auf Keuper und zwar auf rothen 
Thonen der Lettenkohlengruppe aufruhen, nach oben aber von weissen 
mergeligen Kalkschichten mit Ämmonites cordatus überlagert werden. Die 
Grundmasse des Gesteins ist ein dichter grauer Kalk. Die gelbbraune 
Farbe wird durch die zahlreich eingestreuten Mohn- oder Hirsekorn-grossen 
oolithischen Körner von Brauneisenstein bewirkt. Ausser diesen feinen 
Körnern kommen aber auch Haselnuss- bis Wallnuss-grosse rundlich eckige 
Stücke von Brauneisenstein vor und indem diese an Häufigkeit zunehmen, 
wird das ganze Gestein zu einem Conglomerate. Neben den Brauneisen- 
stein-Knollen sind in diesem Conglomerate auch kleinere und grössere 
Quarzgerölle häufig. Die Fauna dieser Schichten von Poinorzany stellt, 
wie diejenige von Balin, anscheinend eine Vereinigung von Formen des 
„Etage Callovierfi*^ mit solchen der „Etage Bajocien"^ dar. Mit ganz 
gleichem Habitus ist die Schichtenfolge bei dem Vorwerke Mazaniec 
südlich von Olkusz aufgeschlossen. Fast l*', Meile nordwestlich von 


Jura -Formation. 


233 


Olkusz tritt die Schich'tenfolge wieder bei Bl§dow hervor. In einem 
nördlich von dem Dorfe gelegenen Hohlwege erscheint sie hier in unmittel- 
barer Auflagerung auf rothe Keuper-Thone in einer Mächtigkeit von 3 bis 
4 Fuss. Das kalkige Gestein ist hier mit faust- bis kopfgrossen Exempla- 
ren von Ammonites macrocephalus erfüllt. Wiederum Meile weiter gegen 
Nordwesten sind die Schichten bei Rokitno, Wysoka und Ci§gowice 
bekannt. Bruchstücke des mit braunen Eisenoolithen erfüllten Kalksteins 
liegen hier überall auf den Feldern umher. Bei Ci§gowice kommen 
nach Zeuschner’) Ammonites macroceplialus und A. Jason zusammen mit 
Ammonites linguiferus und anderen für die untere Abtheilung des braunen 
Jura bezeichnenden Fossilien in einer 2 bis 3 Fuss dicken Schicht von brau- 
nem Mergel mit Lagen von Eisenoolith vor, welche auf grauen Thonen der 
Parkinsoni-Schichten aufruht. Durch seine Lage bemerkenswerth ist dann 
ferner ein kleiner Aufschlusspunkt nördlich A^on dem am Wege von Kro- 
molow nach Pilica gelegenen Dorfe Karl in. Ganz in dem Bereiche 
des weissen Jurakalks gelegen, treten hier die mit Eisenoolithen erfüllten 
Kalkmergel, durch Belemnites liastatus und andere Fossilien in ihrem Alter 
bezeichnet, in einer kleinen Schlucht unter weissen Kalkschichten hervor. 

In ganz ähnlicher Weise ringsum von weissem Jura umgeben wurden 
übrigens die gleichen Schichten auch bei KarnioAvice und Nielepice 
östlich von Kr zeszo wie e an Punkten, die allerdings schon ausser dem 
Bereiche der Karte liegen, beobachtet. 

Ein deutlicher Aufschluss der Schichten findet sich bei Blano Avice 
nordwestlich von Kromolow. Sie treten hier östlich von dem Dorfe, an 
dem Fusse des hier ziemlich steilen Abhanges des jurassischen Höhen- 
zuges, dicht neben dem an der Landsstrasse gelegenen Kalkofen hervor. 
Es sind 4 bis 5 Fuss mächtige Schichten von gelben Kalkmergeln mit Eisen- 
oolithen, deren Auflagerung auf die Schichten mit Ammonites ParMnsoni 
hier eben so deutlich ist wie die unmittelbare Bedeckung durch die weissen 
Kalkmergel mit Ammonites cordatus. Neben dem Ammonites macroce'phalus 
sind hier Am, Jason und Am, liecticus häufig. Ganz ähnliche Aufschlüsse 
der Schichten sind bei Losnice und Bzoav vorhanden. Auch zwischen 
Wlodowice und Choron gehen die Schichten an zahlreichen Punkten am 
Avestlichen Fusse des Jura-Zuges zu Tage aus. Man kennt sie ferner am 
Avestlichen Fusse der isolirten aus Aveissen Kalkmergeln mit Ammonites 
cordatus zusammengesetzten kleinen Kuppe bei Bleszno südlich von Czen- 
stochau. Zahlreiche Stücke des rauh anzufühlenden sandigen Kalk- 


1) Vergl. Zeltschr. der Deutsch, geol. Ges. Bd, XXI., 1869, S. 782. 


30 


234 


Jura-Formation. 


Steins liegen dort am Fusse des Hügels umher. Bei Czenstochau selbst 
sind die Schichten am Westabhange des Clarenberges vorhanden, wenn 
auch nicht deutlich aufgeschlossen Nordwestlich von Czenstochau fol- 
gen die Aufschlüsse bei Klobucko. Es befinden sich hier Steinbrüche in 
dem sandigen Kalkstein, der auch hier von den weissen Kalkmergeln mit 
Ammonites cordatus überlagert wird. Den letzten bekannten Punkt in der 
Verbreitung der Schichtenfolge gegen Nord westen bildet endlich Wielun. 
Unmittelbar südlich von der Stadt befinden sich Steinbrüche, iü welchen 
ganz flach gelagerte Bänke eines rauh anzufühlenden sandigen Kalksteins 
von strohgelber oder im frischen Zustande hellgrauer Farbe gebrochen 
werden. Die Mächtigkeit der Schichtenfolge kann gegen 30 Fuss betragen. 
Das Gestein enthält in grosser Häufigkeit Ammonites macroceplialus , der 
hier zum Theil fussgross wird. Von anderen Fossilien wurde nur Pecten 
lens von uns beobachtet. 

c. Organische Einschlüsse. 

Vergl. Taf. 21. 

Die hier in Rede stehenden Schichten sind durchgängig sehr reich an 
wohl erhaltenen Versteinerungen und namentlich sind die oberen mergeli- 
gen Schichten mit solchen erfüllt. Es- ist hier aber nicht die Absicht eine 
vollständige Aufzählung der sämmtlichen sehr zahlreichen von Balin bis 
Wielun in diesen Schichten beobachteten Arten zu geben, denn einmal ist 
für eine solche Aufzählung das vorliegende Material nicht genügend und 
andererseits würden, wenn man alle bei Balin und Pomorzany vor- 
kommende Arten in eine solche Aufzählung aufnähme, obgleich viele der- 
selben in anderen Gegenden Europas tieferen Abtheilungen des mittleren 
oder braunen Jura als der durch Ammonites macrocephalus bezeichneten 
angehören, leicht ein ganz falsches Bild von der Fauna der eigentlichen 
Schichtenfolge mit Ammonites macroceplialus erhalten. Es wird daher nur 
eine Anzahl der wichtigsten und durch eigene Beobachtung mir bekannt 
gwordenen Arten nachstehend aufgeführt werden. In Betreff der übri- 
gen namentlich bei Balin und Pomorzany aufgefundenen Arten wird 
die Frage offen gelassen werden, ob hier wirklich eine Vereinigung von 
Arten aus mehreren sonst geschiedenen Stockwerken des braunen Jura in 
denselben Schichten Statt findet, oder ob diese anscheinende Vereinigung 
auf Täuschung beruht und auch an den genannten Lo calitäten die 
anderswo in ihrem Vorkommen geschiedenen Arten in getrennten Schich- 
ten liegen. 


Jura-Formation. 


235 


Verzeichniss der in den Schichten mit 
Ammonites macrocephalus zwischen Balin und Wielun beobachteten 
Arten von Versteinerungen. 

1) Ammonites macrocephalus Schloth. ; Taf. 21, Fig. 1. 

Dieses Leitfossil der ganzen Schichtenfolge hat sich auch an den ver- 
schiedensten Stellen in derselben gefunden. Bei Balin ist er nicht häufig 
und kommt gewöhnlich auch nur in kleinen Exemplaren, wie Fig. 1 ein 
solches darstellt, vor. Sehr häufig ist er bei Bl§dow, südlich von Nie- 
gowoniec, wo er zusammen mit Am, macrocephalus in faustgrossen Exem- 
plaren vorkommt. In deutlicher Erhaltung haben wir ihn ferner bei 
Blanowice neben dem Kalkofen beobachtet. Sehr häufig und zum Theil 
in fussgrossen Exemplaren findet er sich in den sandig-rauhen Kalksteinen 
bei Wielun. Einzelne Exemplare wurden auch bei Mirow und Paczol- 
towice im Krakau’schen erhalten. 

2) Ammonites hullatus d ’ 0 r b. ( Am, platystomus Q u e n s t.) 

Kur ein einziges, aber sehr wohl erhaltenes und mit völliger Sicherheit 
bestimmbares faustgrosses Exemplar von Kamien südlich von Alwernia 
liegt vor. Die Art kommt in Schwaben und in Frankreich in denselben 
Schichten mit Ammonites macrocephalus vor. 

3) Ammonites hecticus Rein.; Taf. 21, Fig. 3. 

An vielen Punkten häufig. So namentlich bei Alwernia, Kamien, 
Regulice und Blanowice. In Süddeutschland und in Frankreich ist 
die Art ebenfalls ein gewöhnlicher Begleiter des Am, macrocephalus, Fig. 3 
stellt ein mittelgrosses Exemplar von Alwernia dar. 

4) Ammonites funatus Oppel (Ammonites triplicatus Quenstedt [non 
Sowerby]); Taf. 21, Fig. 2. 

Quenstedt beschreibt als A, triplicatus Sow. einen Ammoniten aus 
der Familie der Planulaten, welcher überall in Schwaben der gewöhnliche 
Begleiter des Am, macrocephalus ist. Oppel nennt diese Art Am, funatus, 
indem er bemerkt, dass die schwäbische Art in England gar nicht vor- 
komme. Mit diesem schwäbischen A, funatus, von welchem mir Exem- 
plare namentlich von Lochenbach vorliegen, stimmt nun ein in den ent- 
sprechenden Schichten Polens vorkommender Planulat vollständig überein. 
Bei einem Durchmesser von etwa zwei Zoll, wie Fig. 2 ein solches von 
Balin darstellt, zeigt der letzte Umgang tiefe hohlkehlenartige Ein- 
schnürungen in Abständen von oder ‘I 4 des Umgangs und in der Mitte 
des Rückens vereinigen sich, wenigstens auf den Steinkernen, die Rippen 
nicht vollständig, sondern bleiben durch eine flache Mittellinie getrennt. 

30 ’" 


236 


Jura-Formation. 


Bei grösseren Exemplaren von etwa vier Zoll Durchmesser fehlen dem 
letzten Umgänge die hohlkehlenförmigen Einschnürungen fast ganz und 
die Rippen beginnen in der Nähe ihres Ursprungs am Nabel als längliche 
Knoten. 

Vorkommen: Dieser Ammonit ist die häufigste Art der Gattung in 
den fraglichen Schichten. Exemplare desselben liegen namentlich vor 
von Balin, Filipowice, Kamien, Alwernia und Bl§dow. Von der 
letzteren Localität sind Exemplare vorhanden, welche in demselben Hand- 
stücke mit Am. macrocephalus verwachsen sind. 

5) Ammonites Jason Rein. 

Während diese Art in anderen Gegenden für den Ornaten-Thon bezeich- 
nend ist, liegt sie in Polen mit dem Am. macrocephahis zusammen. Nament- 
lich bei Blanowice ist dieses Zusammenvorkommen sicher. Ausserdem 
wurde es von uns auch bei Alwernia und bei Filipowice beobachtet. 
Zollgrosse Exemplare zeigen auch eine Knotenreihe auf der Mitte der 
Seitenflächen, grössere haben nur eine Knotenreihe am Nabel und eine 
andere auf der Rückenkante. 

6) Belemnites subJiastatus Zieten- Taf. 21, Fig. 4, 5. 

In Schwaben bezeichnet diese Art überall die Schichten des Ammonites 
macrocephalus. Die vorliegenden polnischen Exemplare pa’ssen gut zu den 
schwäbischen. Grosse Exemplare, wie das Fig. 4 abgebildete, fand ich 
namentlich bei Alwernia. Kleinere Exemplare, wie das Fig. 5 abgebil- 
dete, fandensich an mehreren Localitäten namentlich bei Filipowice und 
Alwernia. 

7) Chemnitzia lineata d’Orb.- Taf. 21, Fig. 6. 

Exemplare von Balin, wie Fig. 6 ein solches darstellt, gleichen durch- 
aus denjenigen aus dem „Etage BajocieiV^ von Bayeux und Dun dry. Ist 
wie mehrere Autoren und auch Laube*) anzunehmen geneigt sind, diese 
Art von Chemnitzia Heddingtonensis nicht specifisch verschieden, so passt 
sie yu dem Niveau des Ammonites macrocephalus. 

8) Trochus duplicatus Sow. * Taf. 21, Fig. 7. ' 

Diese durch zwei genäherte Knotenreihen ausgezeichnete kleine Art, 
welche eine der häufigsten Gastropoden der Baliner Fauna ist, gehört vor- 


1) Vergl. Die Gastropoden des braunen Jura von Balin mit 3 Tafeln von Dr. Gustav 
C. Laube. Denkschrift der Wiener Akademie Bd. XXVIL, 1867, Von demselben Autor sind die 
Lainellibranchiaten bearbeitet unter dem Titel: Die Bivalven des braunen Jura von Balin, 
mit 5 Tafeln. Wien 1867, ebendaselbst. Unter dem Titel: Die Bryozoen, Anthozoen und 
Spongiarien des braunen Jura von Balin, mit 4 Tafeln. Wien 1867 hat endlich A. E. Reuss 
die niederen Thierformen derselben Localität bearbeitet. 


Jura-Formation. 


237 


zugsweise den tieferen Schichten des braunen Jura an, kommt jedoch nach 
Laube bei Montreuil-Bellay auch im „Etage Callovien^^ vor. 

9) Natica Cryihea d’Orb.; Taf. 21, Fig. 8. 

Laube a. a. 0. S. 4, Taf. L, Fig. 6. 

Diese bei Balin häufige Art, deren hohes Gewinde nicht recht zu der 
generischen Bestimmung als passt, wird von d’Orbigny aus der 

unteren Abtheilung seines „Etage Oxfordien^^ aufgeführt und Quenstedt 
rechnet gewisse in den schwäbischen Macrocephalus- Schichten vorkom- 
mende Steinkerne zu derselben. 

10) Pecten lens Sow. • Taf. 21, Fig. 10. 

Da diese Art durch den ganzen mittleren Jura hindurchgeht, so ist sie 
für die speciellere Altersbestimmung der Schichten allerdings kaum zu 
verwerthen. Es liegen wohl erhaltene Exemplare von Balin und Kamien 
vor. Ein kleineres Exemplar fand ich in Wielun in demselben Hand- 
stücke mit Ämmonites macrocephalus, Laube führt die Art auch von 
Brodla, Sanka und Koscielec auf. Fig. 10 stellt ein Exemplar der 
linken Klappe von Balin dar. 

11) Pecten fihrosus Sow. 

Diese Art ist bei Sanka, Mirow und Kamien sehr häufig. Sie wird 
auch von d’Orbignj als den Schichten des Ämmonites macrocephalus an- 
gehörig aufgeführt. 

1 2) Lima proboscidea Sow.; Taf. 21, Fig. 1 1 . 

Diese durch grosse horizontale und verticale Verbreitung ausgezeichnete 
Art ist bei Balin, Kamien, Alwernia und Pomorzanj sehr häufig. 
Besonders häufig finden sich Bruchstücke von einzelnen Röhrenstacheln, 
wie Fig. 11 eines dergleichen von Mirow darstellt. 

13) Lima duplicata Sow. (Limea duplicata Laube). - 

Laube führt die Art von Balin und andern Orten im Krakau’schen auf. 
Ich selbst sammelte Exemplare bei Alwernia. Kach d’Orbigny ist die 
Art für das.Callovien und das Oxfordien bezeichnend. 

14) Opis Leckenhyi W right Taf. 21, Fig. 9. 

Laube a. a. 0. p. 34, Taf. IV., Fig. 3. 

Kach Lycett gehört diese schöne Art in England dem Cornbrash an. 
Bei Balin ist sie nicht ganz selten. 

15) Terehratula intermedia Sow.; Taf. 21, Fig. 12. 

In England ist diese Art nach Davidson im Cornbrash verbreitet. Bei 
Balin und Pomorzany gehört sie zu den häufigeren Arten. In dem 
Umriss der ganzen Schale und in der Stärke der Falten zeigt sie sich sehr 
veränderlich. Fig. 12 stellt eines der grösseren Exemplare dar. 


238 


Jura-Formation. 


16) Terehratula dorsoplicata var. Perrieri Desion gchamps (Bullet, 
soc. Linn. Norm. Vol. IV., 1859, Extrait pag. 26)- Taf. 21, 
Fig. 13. 

Bei Pomorzanj ist sie nicht selten. Fig. 13 stellt das grösste der 
von dort vorliegenden Exemplare dar. Ein durch Saemann in Paris er- 
haltenes Exemplar von Marners (Sarthe) stimmt vollständig mit dem abge- 
bildeten von Pomorzany überein. 

17) Terehratula Saemanni Oppel; Taf. 21, Fig. 14. 

Diese in die Gruppe der Cincten gehörende Art, welche bei Balin und 
Pomorzany häufig ist, zeigt grosse Veränderlichkeit in Betreff der grösse- 
ren oder geringeren Aufblähung der Schale und in Betreff der mehr oder 
minder verlängerten Gestalt der Schale. Nach D eslongchamps (Notes 
sur le terrain Callovien. Bullet, soc. Linn. Norm. Vol. IV., 1859) ist diese 
Art im mittleren Callovien Nord-Frankreics sehr häufig. Fig. 14 stellt eines 
der grösseren Exemplare von Pomorzany dar. 

18) Waldheimia Mandelslohi Oppel* Taf. 21, Fig. 15. 

Diese mit Terehratula impressa verwandte Art ist nach Oppel (Jura- 
Formation p. 495) für den Cornbrash in Schwaben und der Schweiz be- 
zeichnend. Sie gehört bei Pomorzany zu den häufigeren Arten. Fig. 15 
stellt ein Exemplar von dort dar. 

19) Rhynchonella Ferryi Desion gchamps; Taf. 2 1 , Fig. 16. 

So hat mir Suess, auf die Kenntniss französischer Original-Exemplare 
sich stützend, eine von mehreren ähnlichen, wie namentlich Bhyn. pinyuis, 
jedenfalls schwer zu unterscheidende Art bestimmt, welche bei Pomor- 
zany, Balin, Mirow, Alwernia und anderen Orten im Krakau’schen 
sehr häufig ist. Fig. 16 stellt ein grosses Exemplar von Pomorzany dar. 

20) Rhynchonella varians d’Orb.; Taf. 21, Fig. 17, 18. 

Diese wohl bekannte Art ist bei Balin ausserordentlich häufig. Die 
verticale Verbreitung der Art betreffend, so hat sie zwar ihre Hauptent- 
wickelung in tieferen Abtheilungen des braunen Jura, steigt aber nach 
Deslongchamps (Notes sur le terrain Callovien. Bullet. Soc. Lin. Norm. 
Vol. IV., 1859, [Extrait] p. 42) in Frankreich bis in die unteren und mitt- 
leren Schichten des „Etage Callovien“ hinan. Fig. 17 und 18 stellen ein 
Exemplar von Balin dar. 

21) Holectypus depressus Desor. ; Taf. 21, Fig. 19. 

Diese weit verbreitete Art ist auch bei Balin häufig. Die Abbildung 
zeigt ein schon zu den grösseren gehörendes Exemplar von oben. 

22) Collyrites analis D e s m o u 1. var. minor. (Dysaster avellana A g a s s.) ; 
Taf. 21, Fig. 20. 


Jura-Formation. 


239 


Sehr häufig bei Balin. Sonst auch bei Zalae und Mirow. Wird sel- 
ten grösser, als das Fig. 19 abgebildete Exemplar. 

.2 3) Echinohrissus clunicularis D e s o r. ( Nucleolites dunicularis B 1 a i n v.) ; 

Taf. 21, Fig. 21. 

Diese weit verbreitete Art steigt nach Hebert aus den tieferen Abthei- 
lungen des braunen Jura bis in das Callovien. Bei Balin nicht selten, aber 
weniger häufig als die beiden anderen Arten. 

Aus der vorstehenden Aufzählung von Versteinerungen ergiebt sich 
jedenfalls so viel, dass von den organischen Einschlüssen, welche in ande- 
ren Gegenden die gewöhnlichen Begleiter des Ammonites macroceplialus 
sind, auch in Polen die bezeichnendsten Arten mit den genannten Ammo- 
niten sich zusammenfmden. Im Krakau’schen und namentlich bei Balin 
sind allerdings mit denselben andere Formen vereinigt, welche sonst nur 
in tieferen Abtheilungen des braunen Jura und namentlich in den von A. 
d’Orbigny als „Etage Bajocien“ und „Etage Bathonien^^ bezeichneten 
Abtheilungen Vorkommen ^). Allein hier ist, wie schon oben bemerkt wurde, 
die Frage noch nicht ganz ausgeschlossen, ob wirklich diese sonst geschie- 
denen Formen hier in derselben Schicht verkommen oder ob diese Vereini- 
gung bei der Dünnheit der Schichten und der Gleichartigkeit des Materials 
nur eine scheinbare ist. Uebrigens ist diese anscheinende Vermischung von 
Formen des Bajocien und Bathonien mit solchen des Callovien auch nur 
auf den südlichen Abschnitt der Zone beschränkt. In dem nordwestlichen 
Abschnitte derselben zwischen Czenstochau und Wielun und nament- 
lich bei Wielun selbst ist der Ammonites macrocephalus nur mit solchen 
Arten vergesellschaftet, welche ihn auch sonst zu begleiten pflegen, wie 
namentlich Am.funatus Oppel. Nach oben hin scheinen die Schichten des 
Ammonites macrocephalus in Polen von der Zone des Ammonites anceps nicht 
scharf geschieden zu sein. Wenigstens fand sich bei Blanowice Am, 
Jason mit Ammonites macrocephalus zusammen. 


1) Nachdem das Vorstehende bereits gedruekt war, geht mir soeben Nr. 17 von Jahrg. 1860 der 
Verh, der k. k. geolog. Reichsanstalt zu, in welchem S. 392 Dr. M. Neumayr die Ergebnisse seiner 
Untersuchungen über die Cephalopoden von Balin mittheilt. Derselbe führt sechszig Cephalopoden- 
Arten aus den Baliner Schichten auf und bemerkt dann: „Aus dieser Aufzählung geht hervor, dass 
die Macrocephalus- und Aspidoides-Schichten am stärksten, nächst diesen die Anceps- und Athleta- 
Schichten vertreten sind und dass die Cephalopoden-Fauna von Balin vollständig der des Gross- 
Ooliths über der Füllers earth und des Callovien P'rankreichs und Englands oder dem oberen Theile 
der Dentalien-Thone, der Macrocephalus -Oolithen und Ornaten-Thonen Württembergs entsprechen. 
Der stets ein wenig über den Ornaten-Thonen liegende Amaltheus Lamberii hat sich noch gefunden. 
Von jüngeren Arten ist keine Spur vorhanden.“ Von Arten, welche auf noch tiefere Niveaus als die 
genannten deuteten, sind nur unbestimmte Andeutungen vorhanden. 


240 


Jura-Formation. 


d. Schichten des Ammonites cordatus^'). 

1, Petrographisches Verhalten und Begrenzung. 

Unter dieser Benennung wird hier die ganze Reihenfolge kalkiger 
Schichten begriffen, in welchen der Ammonites cotdatus vorkommt. Mit 
derselben beginnt in Polen in scharfem Contraste gegen die tiefer liegenden 
Ablagerungen der weisse Jura, wenn man denselben nach dem petro- 
graphischen Verhalten begrenzt. Weisse oder hellgraue Kalkmergel und 
Kalksteine sind die herrschenden Gesteine. Die zum Theil sandige Natur 
der tieferen Schichten ist vollständig verschwunden und ebenso fehlen die 
Eisenoolithe, mit welchen die Schichten des Ammonites macrocephalus 
meistens erfüllt sind. Nach oben hin ist dagegen die Grenze in petro- 
graphischer Beziehung viel unbestimmter, indem die folgende Schichten - 
folge aus ganz ähnlichen weissen Kalksteinen besteht, wie hier nach oben 
hin vorherrschen. 

2. Verbreitung. 

Die Schichtenfolge des Ammonites cordatus bildet eine schmale Zone 
am westlichen Abhange des jurassischen Höhenzuges, welche sich aus dem 
Krakau’schen Gebiete bis Czenstochau verfolgen lässt und auch bei 
Wielun noch einmal nachweisbar ist. Gewöhnlich reicht die Schichten- 
folge etwa von der Mitte des westlichen Abhanges bis auf die Höhe des 
ersten Rückens. Im Krakau’schen Gebiete sind die bezeichnenden orga- 
nischen Formen der Schichtenfolge durch Hohen egg er und Oppel an 
vielen Punkten beobachtet worden, so namentlich bei Zalas, Paczolto- 
wice und Trzebinia. Bei Pomorzany unweit Olkusz beobachtet man 
die weissen Kalk-Schichten m\i Ammonites cordatus in unmittelbarer Auflage- 
rung auf den versteinerungsreichen mit braunen Eisenoolithen erfüllten Kalk- 
mergeln mit Am. Bei Bledow nordwestlich von Olkusz 

wird eine kleine von Keuper umgebene Kuppe durch hierher gehörende 
Kalkschichten gebildet. Ebenso bestehen weiter nördlich die ähnlich isolir- 
ten Kuppen von Wysoka und Rokitno aus kalkigen Schichten dieser 
Gruppe. In ausgedehnterer Entwickelung treten die Schichten in der Ge- 
gendvon Ogrodziniec, Kromolow, Wfodowice, Zarki und Choron 
am Westabhange des Höhenzuges auf. Bei Blano wice sind die Schichten 
in ihrer Auflagerung auf die Macrocephalus-Schichten deutlich zu i)eobach- 
ten. Bei Bleszno südlich von Czenstochau sind auf der Höhe einer klei- 
nen Kuppe die unteren mergeligen Schichten der Schichtenfolge deutlich auf- 


1) Auf der Karte mit j 3. bezcichner. 


Jura-Formation. 


241 


geschlossen. Bei Czenstochau selbst sind am Clarenberge sowohl die 
unteren wie die oberen Schichten der Schichtenfolge in deutlichen Auf- 
schlüssen zu beobachten, lieber Czenstochau hinaus gegen Nord- 
westen kennt man die Schichten nur an vereinzelten aus dem Diluvium 
hervortretenden Punkten, wie bei Libidza und Klobucko. Endlich 
kommen dieselben Schichten auch bei Wielun vor^). 

3. Gliederung. 

Die ganze Schichtenfolge lässt leicht zwei Glieder unterscheiden, näm- 
lich ein unteres aus gelblich weissen Kalkmergeln und graulich weissen 
erdigen Kalksteinen bestehendes, in welchem nur eine kleine dicke Form 
des Ammonites cordatus vorkommt, und ein oberes, aus weissen regel- 
mässig geschichteten Kalksteinen zusammengesetztes, welches die grosse 
typische Form des Ammon, cordatus mit schneidig zusammengedrückten 
Rückenkamm und grosse Planulaten enthält. Die untere Abtheilung 
schliesst an vielen Punkten zugleich den Ammonites Arduennensis d’Orb. 
ein und könnte nach dieser Art als Zone des Ammonites Arduennensis 
bezeichnet werden. Beide Glieder sind in dem Nachstehenden getrennt 
zu betrachten. 

1. Schichten mit der kleinen Form des Ammonites cordatus 
(Zone des Ammonites Arduennensis). 

Am deutlichsten haben wir die hierher gehörenden Schichten am west- 
lichen Abhange des durch die berühmte Wallfahrtskirche gekrönten Claren- 
berges bei Czenstochau aufgeschlossen gefunden, ln kleinen Mergel- 
gruben sind hier weissliche lockere Kalkmergel dicht unter der Oberfläche 
des Bodens in einer Mächtigkeit von 6 bis 8 Fuss aufgeschlossen, welche 
sich mit wohl erhaltenen Fossilien, und namentlich Arten von Ammoniten^ 
Brachiopoden und Spongien ganz erfüllt zeigen. Wenige Schritte oberhalb 
dieses Aufschlusspunktes befinden sich Steinbrüche in deutlich geschichteten 
weissen Kalksteinen mit der grossen Form des Am. cordatus^ mit Am. per- 
armatus und fussgrossen 


1) E. Beyric h (Entwickelung des Flötzgeb. in Schlesien, p. 59) fand hier die Sils Ammonites 
alternans bezeichnete Form des Ammonites cordatus. 


31 


242 


Jura-Formation. 


Um das geognostisclie Niveau der Kalkmergel genauer bestimmen zu 
können sind zunächst die in denselben beobachteten organischen Ein- 
schlüsse näher zu betrachten^). 

Verzeichniss der in den weissen Kalkmergeln am westlichen 
Abhänge des Clarenber'ges beobachteten Versteinerungen. 

Vergl. Taf. 22 und 23. 

1) Ammonites cordatus Sow, ; Taf. 22, Fig. 3, 4. 

Die meisten Exemplare sind, wie Fig. 3 ein solches darstellt, weniger 
als 1 Zoll gross. Die Zahl und Stärke der Rippen ist sehr veränderlich. 
Bei manchen Exemplaren ist die Zahl der Rippen am Rücken doppelt so 
gross als bei der abgebildeten Form und viel feiner. Vom Ammon, alter- 
nans bleibt er immer gut unterscheidbar, da die Kerben des Rückenkiels 
immer der Zahl der auf dem Kiel sich vereinigenden Falten entspricht, 
während bei dem A, alternans die Zahl der Rückenkerben unabhängig ist 
von derjenigen der Rippen und gewöhnlich viel grösser. Ausser dieser 
kleineren Form kommen nun auch grössere und dickere Exemplare von 
FI 2 Zoll Durchmesser mit subquadratischem Querschnitt der Umgänge vor. 
Fig. 4 stellt ein Bruchstück eines Umgangs dieser Form dar. Dagegen 
fehlt noch die grosse flach scheibenförmige Gestalt mit söhneidigem 
Rückenkiel und an den am Ende stark nach vorwärts gewendeten Rippen, 
wie dieselbe Taf. 24 Fig. 2 aus den höheren deutlich geschichteten weissen 
Kalken dargestellt ist. 

2) Ammonites Goliaihus d’Orb. 

Die vorliegenden nur etwa zollgrossen Exemplare passen vollständig 
zu der Abbildung der Art bei d’Orbigny Pal. Franc. Terr. Juras. Cephalop. 
PI. 196, Fig. 3. Diese grosse Form der Art, wie sie die Fig. 1 und 2 von 
d’Orbigny a. a. 0. darstellen, kommen erst in der oberen Abtheilung 
der Schichten mit Ammonites cordatus vor. (Vergl. unsere Taf. 24, Fig. 3.) 
Die Frage nach der Selbstständigkeit der Art und namentlich dem Ammo- 
nites Lamberti gegenüber soll hier nicht entschieden werden. 

3) Ammonites convolutus S c h 1 o t h . 

Unter der Benennung A. convolutus ornati führt Quenstedt (Jura p. 541, 
Taf. 71, Fig. 9) die kleinen, selten mehr als zwei Zoll grossen, gewöhnlich 


1) Das für diese Aufzählung benutzte Material wurde theils durch 0. Degenhardt und mich 
selbst bei einem gemeinschaftlichen Besuche der Localität im Jahre 1866, theils durch Herrn Berg- 
Referendar Dondorff, als er mit den Special-Aufnahmen der dortigen Gegend beschäftigt war, 
gesammelt. 


Jura-Formiition. 


243 


verkiesten Plaimlaten des Ornaten-Thons in Schwaben auf, welche nament- 
lich durch häufige Einschnürungen der Umgänge ausgezeichnet sind. Die- 
selbe Art ist in den Kalkmergeln am Abhange des Clarenberges die 
häufigste Ammoniten -Art. Es liegen gegen 36 Exemplare vor, welche 
vollständig mit solchen aus Schwaben und namentlich von Lautlingen 
in Württemberg übereinstimmen. Sie zeigen auch dieselbe Veränderlich- 
keit in Betreff der Zahl und Stärke der Rippen und in Betreff der Zusammen- 
drückung der Umgänge von den Seiten. Zuweilen sind die Rippen auf der 
Mitte des Rückens durch einen glatten Streifen unterbrochen. A. d’Or- 
bigny und nach ihm Oppel stellen die Art zu Ämm. plicatilis Sow. 

Auch bei Bleszno und Blano wie e ist die Art in denselben Schich- 
ten häufig. 

Ein einzelnes 1*|2 Zoll grosses Exemplar liegt vor, welches auf den 
gerundeten Kanten zwischen den Seitenflächen und dem Rücken mit läng- 
lichen Knoten in fast regelmässigen grösseren Abständen geziert ist. Trotz 
der Deutlichkeit dieser Knoten sehe ich bei der Uebereinstimmung der 
übrigen Merkmale dieses Exemplar nur als eine Varietät der Hauptform an. 

4) Ammonites Arduenneiisis d’Orb.; Taf. 22, Fig. 1, 2. 

Die Exemplare von Czenstochau stimmen vollständig mit der Be- 
schreibung und Abbildung d’Orbigny’s (Pal. Franc. Terr. Juras. Cephalop. 
p. 500, PI. 185 Fig. 4 — 7) und mit vorliegenden französischen Exemplaren 
von Ecomoy (Sarthe) und Vieil-St.-Remi (Ardennes) überein. Auch die 
von d’Orbigny angegebenen Verschiedenheiten der Form nach dem Alter 
finden sich bei den polnischen Exemplaren wieder. Bei den grössten der 
vorliegenden Exemplare von 3^j2 Zoll Durchmesser ist der letzte Umgang 
stark von den Seiten zusammengedrückt und fast doppelt so hoch als 
breit. Die Rippen schwellen am Rücken etwas an und verlaufen dann 
ganz gerade quer über denselben. Bei kleineren 1 bis 1^|2 Zoll grossen 
Exemplaren sind die Umgänge nicht von den Seiten zusammengedrückt 
und im Querschnitte fast rundlich. Auch zeigen die Rippen keine An- 
schwellung gegen den Rücken hin. Einige mittelgrosse Exemplare haben 
nicht gegabelte, sondern ganz einfache Rippen, welche sich am Rücken 
zu zwei spitzen Knoten erheben und in der Mitte des Rückens sich nicht 
vereinigen sondern hier durch eine Furche getrennt bleiben. Es sind dies 
die Merkmale, durch welche der Raspail sich nach d’Or- 

bigny von dem Am, Arduennensis unterscheiden soll. Es sind jedoch 
Zwischenformen zwischen dieser Form und der Hauptform vorhanden, 
welche die Selbstständigkeit der genannten Art sehr zweifelhaft erschei- 
nen lassen. 


31 


244 


Jiira-Formatlon. 


Am Clären berge ist die Art ziemlich häufig. Nicht minder häufig 
finden wir sie bei Bleszno und Blanowice. In Frankreich ist die Art 
in dem j^Etage Oxfordien^^ weit verbreitet. Fig. 1 und 2 stellen ein mittel- 
grosses Exemplar mit dem Querschnitte des letzten Umgangs dar. 

5) Ammonites flexuosus Münster (Am. oculatus d’Orb.)^ Taf. 22, Fig. 5. 

Die vorliegenden Exemplare stimmen vollständig mit solchen aus dem 
weissen Jura [5. in Schwaben, und namentlich vom Hunds rück bei 
Streichen überein. Zwischen je zwei längere schon am Nabel entsprin- 
gende sichelförmige Falten schieben sich auf der Mitte der Seitenflächen 
2 bis 3 kürzere Falten ein. Auf den Rückenkanten stehen in etwa gleichem 
Abstande wie die längeren Kanten längliche Knoten und auf der Mitte des 
Rückens andere mit den ersteren alternirende Knoten. Das Fig. 5 abge- 
bildete Exemplar ist das grösste der von Czenstochau vorliegenden 
Exemplare. Einige derselben sind mit Ammonites Arduennensis verwach- 
sen, zum Beweise, dass sie genau in dasselbe geognostische Niveau gehö- 
ren. Auch von Bleszno und Blanowice liegen Exemplare vor. 

Ausser dieser grösseren Form liegen Exemplare einer kleineren und 
dickeren nur zollgrossen Form vor, bei welcher die Höcker der mittleren 
Rückenlinie viel kleiner sind, als die Knoten auf den Seitenkanten des 
Rückens und so gedrängt stehen, dass sie einer Perlenschnur gleichen und 
dass drei derselben auf den Zwischenraum zwischen je zwei Knoten auf 
den Seitenkanten kommen. Ich rechne diese kleinen Exemplare als 
Jugendform zu der Hauptform. 

Ammonites Czenstochaviensis n. Taf. 22, Fig. 6. 

Unter dieser Benennung wird hier eine aufgeblähte stark involute eng 
genabelte Art aufgeführt, welche sich durch einen eigenthümlichen Nautilus^ 
ähnlichen Habitus von allen bekannten auffallend unterscheidet. Der letzte 
Umgang ist etwas breiter als hoch. Die grösste Breite der Umgänge ist am 
Grunde, wo derselbe mit senkrechter glatter P'läche gegen den tiefen Nabel 
hin einfällt. In dem letzteren sind die beiden vorhergehenden Umgänge zu 
etwa einem Drittheile ihrer Breite sichtbar. Das Anwachsen der Umgänge 
in der Breite ist so rasch, dass der letzte Umgang U| 2 mal so breit als der 
vorletzte ist. Das auffallendste Merkmal der Art bilden die wellenförmi- 
gen Falten oder Rippen, welche den breiten Rücken und den grössten 
Theil der Seitenflächen der Umgänge bedecken. Dieselben sind nämlich 
auf der Mitte des Rückens in flachem Bogen nach rückwärts gewendet 
und erinnern dadurch lebhaft an die Oberflächen-Sculptur gewisser Nauti- 
len der Kreide-Formation, wie namentlich des N. Neocomiensis d’Orb. und 
des N, elegans Sow. In der That habe ich die Art auch anfänglich für 


Juia>Forniation. 


245 


einen Nautilus gehalten und bin erst durch die Erkennung der Loben oder 
Kammerwand-Suturen zu der richtigen Gattungsbestimmung geführt. Diese 
Suturen sind an dem einzigen vorliegenden Exemplare nicht deutlich genug 
erhalten, um sie in ihrem ganzen Verlaufe verfolgen zu können, aber sie 
lassen unzweifelhaft den blattförmig zerschnittenen Verlauf der Ammoniten- 
Loben erkennen. Die vom Kücken über die Seitenflächen hinablaufenden 
Rippen erreichen die Nabelkante nicht, sondern verschwinden schon lange 
vorher, so dass eine etwa dem dritten Theile der Seitenflächen in der 
Breite gleichkommende ebene und glatte Zone dem Nabel zunächst von 
denselben frei bleibt. Auch dieses Verhalten der Rippen ist ein bei 
Ammoniten sehr ungewöhnliches. Uebrigens scheint dasselbe nur dem 
letzten Umgänge eigenthümlich zu sein, denn auf den im Nabel theil- 
weise sichtbaren früheren Umgängen gehen die Rippen bis an die Nabel- 
kante heran. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 6 stellt das einzige vorliegende 
Exemplar von Czenstochau in natürlicher Grösse von der Seite dar. 
Die Kammerwandnähte sind von dem Zeichner ungenau wiedergegeben 
worden. Die Zeichnung sollte nur die Ammoniten-Natur derselben erkenn- 
bar machen. 

7) Ammonites Eucharis d’Orbigny (Pal. Franc. Terr. Jurass. Cephalop. 
p. 527, PI. 188, Fig. 3, 4); Unsere Taf. 22, Fig. 9. 

Diese flach scheibenförmige Art mit dreifachem Kiel auf dem Rücken 
gehört zu den häufigsten Arten der Fauna bei Czenstochau. Die Exem- 
plare sind selten mehr als Zoll gross. Auch bei Bleszno und Blano - 
wice ist die Art in denselben Schichten häufig. Nach d’Orbigny ist die 
Art im Etage Oxfordien verbreitet. Unsere Fig. 9 stellt ein kleines Exem- 
plar von Czenstochau mit einer Andeutung von sichelförmigen Falten 
dar, welche von dem Zeichner viel zu stark angegeben sind. Bei den 
meisten Exemplaren sind die Seitenflächen ganz glatt. Vielleicht gehört 
das abgebildete Exemplar zu dem ähnlichen Am. Henrici d’Orb. 

8) Ammonites perarmatus Sow.; Taf. 22, Fig. 8. 

Nur eine kleine 1^|2 Zoll grosse Form kommt vor. Dieselbe ist durch 
das fast völlige Fehlen der Knoten an der Nabelkante und der Rippen auf 
den Seitenflächen der Umgänge von der typischen grossen Form, welche 
erst in der oberen Abtheilung der Cbrc/ate-Schichten erscheint ausgezeich- 
net. Die Exemplare von Czenstochau passen vollständig zu den Abbil- 
dungen bei d’Orbigny 1. c. PI. 185, Fig. 1, 2, 3. Auch von Blanowice 
liegen Exemplare vor. Die Abbildung Fig. 8 stellt ein Exemplar von 
Czenstochau dar. 


246 


Jura-Formation. 


9) Ämmonites crenatus Brong. (Am, dentatus Rein.); Taf. 22, Fig.-7. 

Die vorliegenden Exemplare stimmen vollständig mit solchen aus 

Schwaben überein. Fig. 7. 

10) Belemnites hastatus Blainv. 

Nur kleine Exemplare liegen vor. Grössere Exemplare erscheinen 
erst in der oberen Abtheilung der Schichtenfolge. 

11) Hinnites velatus d ’ 0 r b . ( Spondylus velatus G o 1 d f.) 

Ein sicher bestimmbares Exemplar liegt vor. 

12) Inoceramus sp. 

Eine F |2 Zoll grosse breite, stark gewölbte und anscheinend fast gleich- 
klappige Art. 

16) Terehratula (Waldheimia) Delmontana Oppel Juraform. S. 607; 

Unsere Taf. 22, Fig. 17. 

Das Hineingreifen der grösseren Klappe in die kleinere an der Stirn, 
die gerade Abstutzung der Stirn und das Fehlen deutlicher Falten und 
Inflexionen zeichnen die Art vor der sonst ähnlichen T. lagenalis aus. 
Oppel, der freilich keine Abbildung gegeben hat, nennt sie eine der 
bezeichnendsten Arten des „Terrain- ä-chailles^^ der Umgebungen von 
Delemont. Von dort liegen mir keine Exemplare vor, dagegen stimmen 
Exemplare aus dem „Terrain- ä-chailles“ bei Besancon und solche aus 
gleichstehenden Schichten von Heersum bei Hildesheim mit den polnischen 
Exemplaren vollständig überein. Mein Bruder A. Roemer (Oolithengeb. 
S. 54) hat sie als T, glohata Sow. von Heersum beschrieben. 

Diese Terebratel ist das häufigste Brachiopod der fossilen Fauna der 
Schichten am Clarenberge. Auch bei Bleszno und bei Blanowice 
ist sie in denselben Schichten häufig. Fig. 17 stellt eines der grösseren 
Exemplare dar. 

1 4) Terehratula nucleata Schloth.; Taf. 22, Fig. 1 6 . 

Die Exemplare von Czenstochau stimmen vollständig mit Exempla- 
ren aus Süddeutschland überein. Nächst der vorhergehenden Art ist die- 
ses die häufigste Terebratel der Fauna, Auch von Blanowice liegen 
Exemplare vor. Durch Hohenegger erhielt ich Exemplare von Kobi- 
lany bei Krakau, welche wahrscheinlich aus Schichten desselben Alters 
herrühren. Fig. 16 stellt ein mittelgrosses Exemplar von Czenstochau dar. 

15) Terehratula reticulata Schloth. (T.Kurri Oppel); Taf. 22, Fig. 15. 

Sinus und V^ulst sind deutlicher begrenzt als bei der gewöhnlichen süd- 
deutschen Form. Auch die Falten gröber und die gegitterte Sculptur weniger 
deutlich als dort. Aber auch in Süddeutschland zeigt sich die Art in diesen 
Beziehungen veränderlich. Die Art ist bei Czenstochau nicht selten. 


Jura-Formation. 


247 


16) Rhynclionella lacunosa Schloth. ; Taf. 22, Fig. 10. 

Die Exemplare passen gut 7a\ der süddeutschen Form. Nur sind die 
Falten vielleicht etwas weniger zahlreich, als bei dieser. Oppel (lieber 
die Zone des Ammon, transversarius pag. 294) hat unter der Benennung 
Bhynch. Arolica eine Form der Bh. lacunosa beschrieben, welche durch 
geringere Zahl und die grössere Stärke der Falten von der Hauptform 
unterschieden sein soll. Eine grössere Form dieser letzteren, welche im 
Krakauer Jura in der Zone des Ammonites transversarius an vielen Locali- 
täten häufig sein soll, nennt er Bhynchonella Visulica. Vielleicht ist sie mit 
dieser Art identisch. Neben Terebratula Beimontana ist sie das häufigste 
Brachiopod der Schichtenfolge. Ausser zahlreichen Exemplaren von 
Czenstochau liegen auch von Bleszno und Blanowice solche vor. 
Fig. 10 stellt ein Exemplar mittlerer Grösse von Czenstochau dar. 

17) Bhynchonella Sanctae Clarae n. sp.; Taf. 22, Fig. 11. 

Eine durch den Sinus in der Mitte der nicht durchbohrten Klappe und 
die Kleinheit des Schnabels der anderen Klappe ausgezeichnete Art. Auf 
der nicht durchbohrten Klappe, welche viel stärker gewölbt ist, als die 
andere, befindet sich eine breite mittlere Einsenkung und in der Mitte der- 
selben zwei gerundete bis zum Wirbel verlaufende Falten. Die Seiten- 
theile der Klappe sind glatt und ungefaltet, die andere Klappe hat drei 
mittlere Falten, welche sich über die glatten Seitentheile der Klappe erhe- 
ben. An der Stirn greifen die Falten beider Klappen mit grosszähniger 
Zickzack -Linie in einander. In auffallendem Gegensätze zu anderen 
Rhynchonellen greift aber in der Stirnansicht der Sinus in die durchbohrte 
Klappe hinein. Der Schnabel der durchbohrten Klappe ist so klein und 
stumpf, dass er die andere Klappe kaum überragt. Die Form der Oeff- 
nung und des Deltidium ist aber diejenige der echten Rhynchonellen. 
Ohne diese üebereinstimmung könnte man bei der ungewöhnlichen Lage 
des Sinus und der gerundeten kaum dachförmigen Gestalt der Falten 
zweifelhaft sein, ob die Art zu der Geiilung Bhynchonella gehörte. Die 
Art ist am Clarenberge bei Czenstochau nicht selten. Es liegen 
acht Exemplare von dort vor, welche in allen wesentlichen Merkmalen 
unter sich übereinstimmen. Fig. 1 1 stellt ein Exemplare mittlerer 
Grösse dar. 

18) Bhynchonella Czenstochaviensis n. sp. ; Taf. 22, Fig. 12, 13, 14. 

Diese mit keiner anderen, und namentlich mit keiner jurassischen zu 

verwechselnde Art der Gattung Bhynchonella ist namentlich durch die dicht 
gedrängten, mit blossem Auge kaum erkennbaren feinen ausstrahlenden 
Linien, durch eine gewisse ünsymmetrie der ganzen Schale und durch die 


248 


Jura-Formation. 


geringe Grösse ausgezeichnet. Die durchbohrte Klappe ist die gewölbtere. 
Ein flacher, breiter Sinus verläuft gegen die Stirn. Indem er nicht genau 
in der Mitte liegt, giebt er der Schale ein etwas unsymmetrisches Ansehen. 
Die Schnabelöffnung des wenig und ziemlich stumpf vorragenden Schna- 
bels ist gross. Die für die Gattung bezeichnende Form des Deltidiums 
ist deutlich zu erkennen. Die feinen ansstrahlenden Linien, deren Zahl 
auf der Oberfläche jeder Klappe wenigstens .100 beträgt, verlaufen ganz 
straff und gerade vom Schna.bel bis zur Stirn ohne sich zu theilen. Ein- 
zelne in grösseren Abständen stehende Wachslhumsringe kreuzen diesel- 
ben. Ausserdem nimmt man unter der Lupe sehr feine fadenförmige 
Linien wahr, welche die ausstrahlenden Linien kreuzen. 

Vorkommen: Mcht häutig! Es liegen drei Exemplare vor. Inder 
Sculptur stimmen sie vollständig überein. In der Wölbung und in dem 
Verhältniss der Breite zur Länge weichen sie bedeutend von einander ab. 
Während das abgebildete Exemplar breiter als lang ist, ist dagegen das 
kleinste der drei vorliegenden Exemplare viel länger als breit. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 12 stellt das grösste der vor- 
liegenden Exemplare gegen die kleinere Klappe gesehen in natürlicher 
Grösse dar. Fig. 18 dasselbe von der Seite gesehen. Fig. 14 ist die ver- 
grösserte Ansicht von Fig. 12. 

19) Dysaster Moeschii Desor Synops. Ech. foss. p. 202. 

Die von Desor gegebene Beschreibung passt auf die vorliegenden 
Exemplare. Aber da keine Exemplare von den Fundorten der Des er- 
sehen Art zu Gebote stehen, so ist die Bestimmung dennoch unsicher. 
Von dem Dys, granulosus durch die weniger verlängerte Gestalt und durch 
das Vorhandensein einer deutlichen unpaaren vorderen Ambulakral-Furche, 
welche eine Ausrandung des Vorderrandes der Bauchfläche bewirkt, 
unterschieden. Bemerkenswerth ist die Undeutlichkeit aller Fühlergänge, 
welche selbst an einem vortrefflich mit der Schale erhaltenen Exemplare 
nicht wahrzunehmen sind. 

Ausser von Czenstochau liegen auch mehrere Exemplare von Bla- 
nowice vor. 

20) Cnemidium rimulosum Goldf.; Taf. 23, Fig. 1. 

Die vorliegenden Exemplare stimmen vollständig mit Schwäbischen 
überein. In der Grösse der Individuen bleiben allgemein die Spongien der 
Kalkmergel am Clarenberge hinter denjenigen von südlicher gelegenen 
Fundorten, wie namentlich Kiegowoniec und Zalas im Krakau’schen 
zurück. Das Fig. 1 abgebildete Exemplar rührt von dem zuletzt genann- 
ten Fundorte her. 


Jura-Formation. 


249 


21) Cnemidium Goldfussii Q u e n s t e d t ; Taf. 2 3 , Fig. 2 . 

Mehrere kleinere Exemplare liegen vor. Die Abbildung Fig. 2 stellt 
ein stark angewittertes Exemplar von Zalas von der Seite gesehen dar. 

22) Scyphia tescturata Gold fass; Taf. 23, Fig. 3. 

Die Exemplare von Czenstochau sind unansehnlich und klein. Fig. 3 
stellt ein wohl erhaltenes Exemplar von Blano wie e dar. 

23) Scyphia polyommata Goldfuss; Taf. 23, Fig. 4. 

Von Czenstochau liegen nur undeutlich erhaltene Exemplare vor. 
Die Abbildung Fig. 4 stellt ein unvollständiges trichterförmiges Exemplar 
von Zalas von der Seite dar. 

24) Trag OS acetahulum Goldfuss; Taf. 23, Fig. 5. 

Völlig mit schwäbischen Exemplaren übereinstimmend! Das abgebil- 
dete Exemplar rührt von Gliny nördlich von Olkusz her. 

25) Scyphia milleporata Goldfuss. 

In fingerlangen cylindrischen Exemplaren, eiche zuweilen auch die 
fast regelmässigen Oetfnungen der Oberfläche deutlich erkennen lassen; 
häufig bei Czenstochau. 

In jeder Beziehung mit dem Verhalten am Clarenberge überein- 
stimmend sind dieselben Schichten bei Bleszno südlich von Czenstochau 
auf der Höhe eines nördlich von Wrzosowa sich erhebenden Hügels auf- 
geschlossen. Die Kalkmergel sind hier mit denselben Arten von Ver-' 
Steinerungen in ganz gleicher Erhaltung wie dort erfüllt. Auch bei Bla- 
nowice und Losnice unweit Kromolow und auf dem Bahnhofe von 
Lazy sammelten wir die gleichen Versteinerungen in Schichten von ganz 
ähnlichem petrographischen Verhalten. In der Schlucht bei Karlin, wo, 
wie früher erwähnt wurde, die Schichten mit Ammonites macrocephalus ganz 
in dem Bereiche des weissen Jura erscheinen, werden diese Schichten 
ebenfalls von weissen Kalkmergeln mit der kleinen Form des Ammonites 
corrfate unmittelbar bedeckt. Weiter südlich und namentlich im Krakau- 
schen scheinen im Allgemeinen diese Schichten aus festeren Kalkstein- 
bänken zu bestehen, in welchen die innig mit dem Gestein verwachsenen 
Versteinerungen weniger deutlich erkennbar sind. Nur durch die massen- 
haft auftretenden Spongien machen sie sich in der Regel bemerklich. 
Diese liegen ganz so wie auf der Rauhen Alb lose auf den Feldern umher. 
Auch der Art nach stimmen sie mit den Schwäbischen überein. So sam- 
melten wir sie namentlich bei Rodaki, Lazy, Mirow und Zalas im 
Krakau’schen. Es kommen zwar fossile Schwämme auch noch in anderen 
höheren Niveaus des weissen Jura in Polen vor und namentlich in den 

32 


250 


Jura-Formation. 


beiden von uns unter den Benennungen: Schichten der Rhynchonella 
lacunosa und Schichten der Rhynchonella trilohata zusammengefassten 
Schichtenfolgen. Aber in der bisher betrachteten Schichtenfolge findet die 
Hauptanhäufung derselben Statt und zugleich ist hier das tiefste Niveau, 
in welchem sie erscheinen. 

bb. Schichten mit der grossen Form Aes Ammonites cordatus. 

Diese bestehen, wie schon oben angeführt wurde, aus einer gegen 50 
bis 100 Fass mächtigen Aufeinanderfolge von deutlich geschichteten weissen 
Kalksteinen. Am Clarenberge bei Czenstochau folgen diese Schichten 
unmittelbar auf die bisher betrachteten vorherrschend mergeligen Schich- 
ten mit der kleinen Form des Ammonites cordatus und sind auf der Höhe des 
Berges durch mehrere Steinbrüche aufgeschlossen. Sie schliessen hier die 
grosse scheibenförmige typische Form des Ammonites cordatus mit scharfem 
Rückenkiel (vergl. Taf. 24, Fig. 2) und ausserdem Ammonites jperarmatus, 
Ammonites Goliathus d’Orbigny, Ammonites hiylex, Nautilus aga7iiticus und 
Belemnites hastatus ein. Dieselben Schichten sind auf der Höhe des Czen- 
stochau gegenüber auf dem rechten Ufer des Warta-Flusses bei Zawodzie 
sich erhebenden Hügels in mehreren Steinbrüchen aufgeschlossen. Grosse, 
zum Theil UI 2 FUSS im Durchmesser haltende Exemplare des Ammon, hijplex 
sind hier häufig. Südlich von Czenstochau lässt sich dieselbe Schichten- 
folge längs des ganzen südwestlichen Randes des jurassischen Höhenzuges 
über Choron, Zarki, Wfodowice, Kromolow, Ogrodziniec bis in 
das Krakau’sche verfolgen. Ueberall nehmen sie die Höhe des ersten 
Rückens, zu welchem sich der Höhenzug von dem südwestlichen Fusse aus 
erhebt, ein und überall werden sie durch das massenhafte Auftreten von 
handgrossen oder tellergrossen Planulaten und im Besonderen des Ammo- 
nites hiplex palaeontologisch vorzugsweise bezeichnet. So verhalten sie sich 
am Schlossberge von Tenczyn unweit Krzeszowice wesentlich gleich 
wie bei Czen-stochau und bei Wielun. 

Das genauere palaeontologischc Verhalten betreffend so wurden im 
Ganzen folgende Arten von uns beobachtet: 

Verzeichniss der in den weissen Kalkschichten mit der grossen 
Form des Ammonites cordatus vorkommenden Versteinerungen. 

Vergl. Taf. 24. 

1) Ammonites hiplex Sow. 

Bis zu der Grösse von 8 Zoll Durchmesser zeigen die Rippen das 
gewöhnliche Verhalten, indem sie sich am Rücken gabeln oder durch Ein- 
setzen von neuen Rippen verdoppeln. Bei noch grösseren Exemplaren 


Jura-Forrnatlon. 


251 


zeigt der letzte Umgang stärkere gerade Rippen, die sich am Rücken nicht 
gabeln, sondern einfach bleibend, am Rücken mit einem stumpfen Knoten 
endigen. Erreichen die Exemplare endlich einen Durchmesser von 1 Fuss 
und mehr, so zeigt der letzte Umgang wieder eine ganz andere Form der 
Rippen. Dieselben sind durch weite Abstände getrennt und erweitern 
sich gegen den Rücken hin so sehr, dass sie oft eine fast dreieckige 
Gestalt haben. Zugleich sind die Rippen dann meistens auf der Ober- 
fläche abgeplattet. Diese zweimalige Veränderung in dem Charakter der 
Rippen tritt gewöhnlich ganz plötzlich ein. Die Aenderung der Rippen ist 
ganz so wie d’Orbigny, welcher den Am, hiplex als ein Synonym des 
Am, plicatilis Sow. betrachtet, sie beschreibt. 

Vorkommen: Diese Art ist nicht nur der häufigste Ammonit, sondern 
das häufigste Fossil der Schichtenfolge überhaupt. Er findet sich an allen 
Stellen, wo die Schichtenfolge überhaupt aufgeschlossen ist, von Krakau 
bis Wielun. Die mehr als fussgrossen Exemplare sind namentlich in den 
Steinbrüchen bei Czenstochau auf dem rechten Ufer der Warta häufig. 

2) Ammonites virgulatus Quenstedt Jura p. 593, tab. 74^ Fig. 4; unsere 
Taf. 24, Fig. 5. 

Durch die sehr viel grössere Zahl, die grössere Feinheit und die 
unregelmässige Gabelung der Rippen vor dem A, biplex ausgezeichnet. 
Meistens sind auch die Rippen stärker nach vorn gebogen und das An- 
wachsen der Umgänge in der Höhe ist rascher als bei der genannten Art. 
Am auffallendsten ist immer die gleiche Stärke der Rippen auf den Seiten- 
flächen der Umgänge und auf dem Rücken, während bei dem A, biplex 
die Rückenfalten, welche aus der Theilung der Rippen auf den Seiten- 
flächen hervorgehen, feiner sind und viel gedrängter stehen, als die Rip- 
pen auf den Seiten. Uebrigens verhalten sich nicht alle Exemplare ganz 
gleich und namentlich kommen solche vor bei welchen die Gabelung der 
Rippen am Rücken deutlicher ist. 

Vorkommen: Viel weniger häufig als der A. biplex gehört die Art 
doch keineswegs zu den seltenen. Sie wurde an verschiedenen Orten und 
namentlich bei Czenstochau und bei Bzow von uns beobachtet. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 5 stellt ein kleines Exemplar aus 
dem Thiergarten bei Tenczynek dar. Die an diesem Exemplare vorkom- 
menden Einschnürungen wurden bei anderen Exemplaren nicht beobachtet. 

3) Ammonites perarmatus Sow.* Taf. 24, Fig. 1. 

Die Art gehört zu der häufigeren der Fauna. Exemplare, zum Theil mehr 
als 6 Zoll im Durchmesser von Czenstochau, Blanowice und anderen 
Fundstellen stimmen vollständig mit der typischen Form aus Frankreich 
und England überein. Das Fig. 1 abgebildete Exemplar von Brodla 

32 ^ 


252 


Jura-Formation. 


unweit Alwernia im Krakau’schen weicht durch den Mangel der inneren 
Knotenreihe und den Abfall der Seitenflächen der Umgänge gegen den 
Nabel hin von der typischen Form ab. Uebrigens darf nicht unbemerkt 
bleiben, dass bei diesem Exemplare die Herkunft aus genau demselben 
geognostischen Niveau nicht ganz sicher und vielleicht in einem etwas tie- 
feren Niveau zu suchen ist. 

4) Ämmonites cordatus Sow. ; Taf. 24, Fig. 2. 

Die typische grosse Form mit schneidig zusammengedrücktem Rücken- 
kiel, völlig übereinstimmend mit englischen und französischen Exemplaren. 
Am Clarenberge bei Czenstochau und bei Blanowice nicht selten. 
Das Fig. 2 abgebildete Exemplar rührt von dem letzteren Fundorte her. 
Von Blanowice liegt ein sehr grosses, 5 Zoll im Durchmesser und 2 Zoll 
in der Dicke des letzten Umgangs messendes linsenförmig gewölbtes 
Exemplar ohne alle Rippen auf den Seiten vor. Dasselbe gleicht der von 
d’Orbigny 1. c. Taf. 193 gegebenen Abbildung. 

5) Ämmonites Goliathus d’Orb.; Taf. 24, Fig. 3. 

Während in den Kalkmergeln mit der kleinen Form des Ämmonites 
cordatus nur kleine, zollgrosse Exemplare Vorkommen, so erreicht in die- 
sen Schichten die Art eine Grösse von mehr als drei Zoll und entspricht 
durchaus der Abbildung und Beschreibung von d'Orbigny. Die Selbst- 
ständigkeit der Art und namentlich dem Äm. Lamberti gegenüber soll hier 
übrigens, wie schon oben bemerkt wurde, nicht untersucht werden. Es 
wurden Exemplare bei Blanowice und bei Czenstochau gesammelt. 
Das Fig. 3 abgebildete Exemplar rührt von dem ersteren Fundorte her. 

6) Ämmonites canalicidatus Münster; Taf. 24, Fig. 4. 

Die Exemplare stimmen vollständig mit den Beschreibungen von 
d’Orbigny und von Quenstedt und mit schwäbischen Exemplaren 
überein. Die Art ist bei Czenstochau nicht ganz selten. Das Fig. 3 
abgebildete Exemplar rührt von Kromolow her. 

7) Nautilus aganaticus Schlotheim; Taf. 24, Fig. 6. 

Exemplare von Czenstochau und Blanowice liegen vor. Das 
Fig. 6 abgebildete Exemplar rührt von letzterem Fundorte her. 

8) BelemniUs liastatus Bla in v.; Taf. 24, Fig. 7. Nicht selten! 

9) Hinnites velatus di'" Orh. (Spondylus velatus 

Exemplare von Censtochau und von Kromolow liegen vor. 

10) Rhynclionella lacunosa d’Orb. 

An allen Fundorten, aber nicht gerade häufig ‘). 


1) Zeuschner (Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 1869, p. 786) führt aus denselben Schichten 
auch noch Ämmonites himammatus Quenst., JBlenrotomaria clathrata Goldf., Isoarca transversa 
Goldf., Terehratula hisvffarcinata Zieten, Cidaris coronata Goldf. und verschiedene Spongien auf. 


Jura-Formation. 


253 


Vergleicht man nun die Faunen beider Abtheilungen der Schichten- 
reihe mit cordatus unter einander, so ergiebt sich wohl eine enge 

Verbindung beider, da sie ausser dem Am. cordatus, der sich weder nach 
unten, noch nach oben über die Grenzen der Schichtenfolge verbreitet, 
auch den Ammonites Goliathus, Am, perarmaius, Belemnites hastatus, Hinnites 
velatus, Rhynchonella lacunosa und wahrscheinlich noch verschiedene andere 
Arten gemein haben. Allein anderer Seits zeigen sie doch auch eine 
gewisse Selbstständigkeit. Denn einmal haben die gemeinschaftlichen 
Arten zum Theil einen verschiedenen Habitus oder verschiedene Grösse 
in den beiden Abtheilungen, wie der Ammonites cordatus, Am, perarmatus, 
Belemnites hastatus u. s. w., andererseits sind auch viele Arten der unteren 
Abtheilung durchaus eigenthümlich. Die bemerkenswertheste ist unter 
diesen der Ammonites Arduennensis, welcher durchaus auf diese Schichten- 
folge beschränkt zu sein scheint. Man könnte die untere Abtheilung dar- 
nach als die Schichtenfolge des Ammonites Arduennensis bezeichnen^). 

Sucht man nach den Versteinerungen und nach den Lagerungsverhält- 
nissen die Stelle zu ermitteln, welche der ganzen Schichtenfolge in der 
nach dem Verhalten der jurassischen Ablagerungen in den verschiedenen 
Ländern als allgemeingiltig angenommenen Gliederung der Jura-Formation 
zukommt, so wird dieselbe schon durch das Vorkommen Ammonites 
cordatus fest bestimmt. Dieser Ammonit gehört in allen Ländern dem 
weissen Jura und zwar dem unteren Theile der sogenannten Oxford- 
Bildung an. Er liegt regelmässig unmittelbar über den durch kleine 
Ammoniten-Formen, und namentlich Am, ornatus und Am, athleta bezeich- 
neten Thonen (Ornaten-Thonen). Es ist nach Oppel die untere und mitt- 
lere Abtheilung der Oxford-Bildung, durch welche seine vertikale Verbrei- 
tung reicht, üeberall sind Ammonites perarmatus und Belemnites hastatus 
seine gewöhnlichsten Begleiter. Hiernach ist es zweifellos, dass die von 
uns unter der Benennung der „Schichten des Ammonites cordatus^^ zusammen- 
gefassten kalkigen Jura-Schichten in Polen der Oxford-Bildung angehören. 
Oppel bezeichnet die Schichten, in welchen Am, cordatus und Am, per- 
armatus zuerst erscheinen nach einer anderen darin vorkommenden Ammo- 
niten- Art als Bett des Am, hiarmatus. Diesem würden daher die Schich- 
ten mit der kleinen Form des Am, cordatus entsprechen. Die Schichten 
mit der grossen Form des Am, cordatus würden dagegen dem unteren 
Theile der „mittleren Oxford-Schichten“, wie sie von OppeP) begrenzt 
werden, gleich zu stellen sein. 

1) Auf der Karte beide Abtheilungen zu trennen war wegen der geringen Mächtigkeit der unte- 
ren nicht thunlich. 

2) Die Juraformation p. 615. 


254 


Jura-Formation. 


In einer erst nach seinem Tode erschienenen Schrift über die Zone 
des Ämmonites transversarius hat Oppel‘) eine Darstellung von jurassischen 
Schichten im Krakau’schen Gebiete gegeben, ^velclie an dieser Stelle niehj:. 
unerwähnt bleiben darf. Nachdem in der Einleitung die Zone des Ammo- 
nites transversarius in der Art begrenzt worden ist, dass sie zur Unterlage 
die Schichten mit Ämmonites Lamberti und Am, cordatus, als unmittelbare 
Bedeckung die Schichten mit Terehratula impressa haben soll, wird später^) 
die Art der Entwickelung dieser Schichten im Krakau’schen Gebiete auf 
Grund einer kurzen zweitägigen Beobachtungsreise und der Vergleichung der 
von Hohenegger zusammengebrachten Sammlung von Versteinerungen 
beschrieben. Oppel sieht versteinerungsleeren gelben losen Sand als das 
unterste Glied der Jura -Formation im Krakau’schen an. Eine darüber 
folgende wenig mächtige versteinerungsreiche Bank von braunem Eisen- 
oolith wird durch Ämmonites aspidoides, A. macroceplialus und A, Lamberti 
als ein Aequivalent der vereinigten Zonen des Am, macroceplialus und der 
des Am, Lamberti bezeichnet. Ueber dieser Bank beginnen hellgraue 
Mergel, in denen Versteinerungen nicht sehr häufig* Belemnites hastatus, 
Amm, cordatus und Am, perarmatus finden sich hier vor. Die letzte an- 
stehende Schicht endlich ist ein weicher weisser Kalk mit vielen Spongiten 
und Belemnites hastatus, Ämmonites Ärolicus, A, subclausus^ A, canaliculatus, 
A, Erato, A, Bachianus, A, Anar, A, plicatilis, Isoarca cordiformis und Ehyn- 
chonella Yisulica, Diese Mergel sollen in die Zone des Ämmonites trans- 
versarius und die aufgeführten Arten zu den bezeichnendsten organischen 
Formen dieser Schichtenfolge gehören. So ist das Verhalten nach Oppel 
namentlich in einem Aufschlüsse bei Paczaltowice zu beobachten. Die 
zuletzt genannten mergeligen Schichten sollen auch noch an vielen anderen 
Orten im Krakau’schen Vorkommen. Ueberall sind zahlreiche Spongien 
neben den anderen Fossilien vorhanden. So namentlich beiZalas, Gro- 
j e c und Baczyn. VonZalas wird auch Ämmonites transversarius selbst auf- 
geführt. Als der versteinerungsreichste Fundort wird die Eisenbahnstation 
Trzebinia bezeichnet. Hier fanden sich Belemnites hastatus, B, Argovianus, 
Ämmonites Ärolicus, A, subclausus, A, canaliculatus, A, Erato, A, callicerus, A, 
Bachianus, A, Anar, A, alternans, A, Manfredi, A, crenatus, A, Oegir, A, ScJiilli, 
A, Martelli, A, plicatilis, Isoarca cordiformis, Mytilus Studeri, Terebratula Bir- 
mensdorfensis, T, conf,, T, bisuffarcinata, T, nucleata, Megerlea runcinata. 


1) Ueber die Zone des Ämmonites transversarius von Dr. A. Oppel. Beendet und herausgege- 
ben von Dr. W. Waagen. München 1866. in: Geognost. palaeontol. Beiträge, herausgegeben von 
Dr. E. W. Ben ecke. Erster Band. p. 207 — 316. 

2) pag. 230-233. 


Jura-Formation. 


255 


Rhynchonella Visulica, Pseudodiadema cf. LangL Die Nachweisung der be- 
zeichnenden Fossilien der über der Zone des Ammonites transversarius regel- 
mässig folgenden Zone des Ammonites bimammatus in den „meistens durch 
wohlgeschichtete Kalke mit Kieselausscheidungen gebildeten höheren Ab- 
lagerungen“ im Krakau’schen nachzuweisen gelang Oppel nicht. 

Diese Darstellung des Verhaltens der unteren Glieder des weissen Jura^ 
wie sie von Oppel gegeben wird, ist mit unserer Auffassung derselben 
Glieder in der Gegend von Czenstochau nicht ganz im Einklänge. Nach 
Oppel sollen unmittelbar über den Ammonites macrocephalus führenden 
Kalkschichten mit Eisenoolithen hellgraue Mergel mit Belemnites JiastatuSj 
Ammonites cordatus und Ammonites perarmatus und über diesen ein weisser 
w^eicher Kalk folgen, welcher mit den bezeichnenden Cephalopoden der 
Zone des Ammonites transversarius erfüllt ist. Ganz allgemein wird auch 
von Oppel die Zone mit Ammonites Lamberti und Ammonites cordatus 
als Unterlage der Zone des Ammonites transversarius bezeichnet. Bei 
Czenstochau und Blanowice dagegen folgen über den Schichten mit 
Ammonites macrocepTialus sogleich die versteinerungsreichen weissen Kalk- 
mergel mit der kleinen Form des Am. cordatus und dann die deutlich 
geschichteten weissen Kalke mit der grossen Form des Ammonites cordatus, 
üeber den letzteren ist aber die Zone des Ammonites transversarius in kei- 
nem Falle mehr zu suchen, denn hier folgen Schichten von entschieden 
jüngerer Stellung. Hiernach würden in der Gegend von Czenstochau 
und Blanowice die Schichten, welche Oppel als Zone des Ammonites 
transversarius bezeichnet, ganz fehlen. Das wäre freilich auffallend, da 
in so geringer Entfernung im Krakau’schen die genannte Zone mit einer 
artenreichen Fauna nach Oppel entwickelt ist. Wenn daher einzelne 
Ammoniten- Arten wie namentlich Ammonites crenatus Brug. (A. dentatus 
Rein.) und A. plicatilis, ferner T, nucleata und die zahlreichen Spongien 
den Kalkmergeln am Clarenberge mit den zur Zone des Ammonites trans- 
versarius gerechneten kalkigen Schichten im Krakau’schen gemeinsam sind, 
so entsteht der Verdacht, dass die Aequivalente der betreffenden Ammo- 
niten-reichen Schichten im Krakau’schen dennoch in den weissen Kalk- 
Mergeln am Abhauge des Clarenberges stecken. Dann läge freilich 
das Niveau der zur Zone des Ammonites transversarius gerechneten 
Schichten des Krakauer Gebietes nicht über der Schichten- 
folge mit Ammonites cordatus, sondern innerhalb derselben. 

Auch Zeuschner^) giebt eine von der unserigen etwas abweichende 


1) Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1869, p. 784 ff. 


256 


Jura-Formation. 


Darstellung der von uns unter der Benennung „Schichten des Ammonites 
cordatus^^ zusammengefassten Schichtenreihe. Nach ihm lässt die Oxford- 
Gruppe des weissen Jura in Polen vier den von Quenstedt im weissen 
Jura Schwaben’s unterschiedenen Abtheilungen ß, y, 6 entsprechende 
Glieder erkennen. Der weisse Jura a, welcher vorherrschend aus weissem 
Kalkmergel mit untergeordneten Schichten von weissem Kalkstein besteht, 
zerfällt wieder in eine untere oder Belemniten-Etage und eine obere, 
welche durch den Reichthum an organischen Einschlüssen ausgezeichnet 
ist. Die untere soll von sehr geringer, oft nicht mehr als 1 Fuss betragen- 
der Mächtigkeit sein und aus weissem Kalkmergel mit beigemegten klei- 
nen Körnern von erdigem Chlorit bestehen. Von Versteinerungen soll sie 
namentlich eine Fülle von Belemniten enthalten, welche der Art nach mit 
solchen des braunen Jura identisch sind, wie Bel. semihastatus, B. canalicu- 
latus und B. hessinus. Bei Bzow, wo die Auflagerung der Schicht auf 
braunen Mergel mit Eisenoolithen deutlich zu beobachten sein soll, kommt 
auch noch eine andere von Zeus ebner neu benannte Art, B, Bzowiensis 
vor. Auch die in der Schicht vorkommenden Ammoniten sollen solche 
des mittleren oder braunen Jura sein, wie namentlich Am. macrocephalus 
compressus und rotundus. Nach dem angegebenen palaeontologischen In- 
halte würde ich diese Schicht nicht, wie Zeuschner thut, dem weissen 
Jura zurechnen, sondern unbedingt den Schichten des Ammonites macro- 
cephalus und damit dem braunen Jura anschliessen. Das petrographische 
Verhalten kann in keinem Falle so viel Gewicht haben, um bei dem Wider- 
spruche der organischen Einschlüsse die Verbindung mit dem weissen Jura 
zu rechtfertigen. 

Aus der oberen versteinerungsreichen Etage, welche von Sanka im 
Krakau’schen bis Czenstochau nachweisbar sein soll, wird die Mehr- 
zahl der Versteinerungen aufgeführt, welche vorher als bezeichnend für 
die Schichten mit der kleinen Form des Ammonites cordatus von uns genannt 
wurden^) und offenbar sind dieselben Schichten gemeint“). 

Der dann folgende weisse Jura ß. (Zone des Ammonites himammatus 

Ammonites Arduennensis d’Orb. wird als A. Eugenii Rasp. aufgeffihrt. Dagegen ist zu 
bemerken, dass jedenfalls die gewöhnlichen Exemplare des A. Arduennensis vom Clarenberge bei 
Czenstochau vollständig mit d’Orbigny’s Beschreibung und mit französischen Exemplaren von 
den durch d’Orbigny genannten Fundstellen übereinstimmen. Ist, was sehr möglich, A. Eugenii 
von A. Arduennensis specifisch nicht verschieden, so ist doch nach dem Verhalten der Exemplare 
bei Czenstochau der Am. Arduennensis als die typische oder Hauptform, der Am. Eugenii als 
Nebenform oder Varietät anzusehen. 

2) Wenn Zeuschner ausdrücklich hervorhebt, dass Terehratida impressa in den betreffenden 
Schichten niemals Vorkommen, so habe ich zu bemerken, dass mir zwei sicher bestimmbare Exem- 
plare dieser Art aus denselben Mergeln von Blanowice vorliegen. 


Jura-Format Ion. 


257 


Oppel) soll aus deutlich geschichteten weissen Kalksteinen bestehen und 
Ammonites hiplex^ A, jpolygyratus, A, virgulatus, A, himammatas, A. canalicu- 
latus, A, cordatus, Hinnites velatus, Rliynchonella lacunosa u. s. w. enthalten. 
Er entspricht also der von uns als Schichten mit der grossen Form 
des Ammonites cordatus bezeichneten Schichtenfolge. Wenn von uns diese 
und die vorhergehende Schichtenfolge in eine Gruppe vereinigt wurden, 
so war dafür vorzugsweise, die Gemeinsamkeit des Ammonites cordatus 
bestimmend. Diese Art scheint in Polen allerdings in höhere Schichten 
des weissen Jura hinan zu steigen, als in Schwaben, wo sie überhaupt sel- 
ten ist. 

5. Schichten der RJiyncJionella lacunosa (unterer Felsenkalk) ‘). 

Unter dieser Benennung wird hier eine gegen 150 Fuss mächtige 
Reihenfolge kalkiger Schichten zusammengefasst, welche in ihrer Haupt- 
masse aus unvollkommen geschichtetem, dickbänkigem, vielfach zerklüfte- 
tem und löcherig porösem hellgrauem Kalkstein besteht, der sich durch 
eine grosse Neigung zur Felsbildung auszeichnet. Man kann nach der 
letzteren Eigenthümlichkeit des Kalksteins die ganze Bildung als Felsen- 
kalke bezeichnen und zwar mit Rücksicht auf gewisse jüngere nachher 
zu beschreibende gleichfalls zur Felsbildung geneigte Kalksteine als 
unteren Felsenkalk ^). Nach unten gehen diese Kalke in dünn geschich- 
tete plattenförmige Kalksteine mit undeutlich oolithischem Gefüge, nach 
oben in compacten nicht löcherigen Kalkstein über. 

Der Contrast des orographischen Verhaltens der Schichtenfolge 
gegen die vorhergehende mit Ammonites cordatus ist sehr auffallend. Wäh- 
rend diese letztere lang gezogene, auf der Höhe tafelförmig abgeplattete 
und mit fruchtbaren Ackerfeldern bedeckte Rücken bildet, so setzt die 
jetzt zu betrachtende Schichtenfolge einzelne unregelmässig begrenzte Berg- 
Erhebungen zusammen, welche mit unzähligen kleinen, steil abfallenden 
Felsklippen und Steinhaufen in solcher Weise bedeckt sind, dass für einen 
kümmerlichen Ackerbau nur ganz kleine Flecken an den Abhängen frei 
bleiben. Ueberall wo man zwischen Olkusz und Czenstochau von 
Süd-Westen nach Nord-Osten fortschreitend den jurassischen Höhenziig 
quer durchschneidet, wie namentlich in der Richtung von WJodowice 


1) Auf der Karte mit j2. bezeichnet. 

2) So ist es vom Herrn Berg-Referendar Dondorff in einem als Erläuterung zu den von ihm 
für die Karte ausgeführten Aufnahmen dienenden, im Jahre 1866 an das königliche Oberbergamt in 
Breslau erstatteten w^erthrollen Berichte über das polnische Jura -Gebirge, welcher für die fol- 
gende Darstellung mehrfach benutzt worden ist, geschehen. 


33 


258 


Jura-Formation. 


nach Lelow und von Zarki nach Jano^v, wird man von diesem Gegen- 
sätze betroffen. Meistens trennt ein sandiges Längsthal die langgezoge- 
nen Rücken der vorhergehenden Schichtenfolge von den felsigen Berg- 
partien des unteren Felsenkalks'. 

Die Verbreitung der Bildung reicht durch die ganze Länge des 
jurassischen Höhenzuges aus dem Krakau’schen bis Wielun. Im Kra- 
kau’schen sind es nur vereinzelte Partien, welche daraus bestehen. 
Zwischen Olkusz und Czenstochau dagegen erscheint sie als eine 
zusammenhängende schmale Zone, welche einer Seits gegen Westen, 
durch die Schichtenfolge mit Ämmonites cordatus nnd anderer Seits gegen 
Osten durch die Schichtenfolge mit Bhynchonella trilohata oder den oberen 
Felsenkalk begrenzt wird. Zwischen Czenstochau und Wielun sind 
es wieder nur vereinzelte aus dem Diluvium hervorragende Partien, 
welche aus den Schichten dieser Abtheilung bestehen. 

Die organischen Einschlüsse betreffend, so ist das Gestein wohl 
sehr reich daran und gewisse Schichten des Kalksteins sind bei nähe- 
rer Betrachtung sogar nichts Anderes als ein dicht zusammengehäuf- 
tes Aggregat von Muscheln, Ammoniten und Spongien, aber dennoch ist 
es viel schwieriger eine befriedigende Kenntniss der fossilen Fauna zu 
erlangen, als bei der vorhergehenden Schichtenfolge, denn in den eigent- 
lichen Felsenkalken sind die Versteinerungen so innig mit der Gesteins- 
masse verwachsen, dass sie auf dem frischen Bruche des Gesteins gar 
nicht erkennbar sind und nur auf den angewitterten Flächen der Fels- 
wände unbestimmte Umrisse derselben hervortreten. Der Umstand, dass 
deutliche Aufschlüsse des Gesteins durch Steinbrüche, Strasseneinschnitte 
u. s. w. fast ganz fehlen, ist ein weiteres Hinderiiiss, welches sich der Fest- 
stellung des vollständigen palaeontologischen Charakters der Bildung ent- 
gegenstellt. Die Arten sind grossen Theils solche, welche nicht der 
Schichtenfolge eigenthümlich, sondern mit den nächst älteren und nächst 
jüngeren Abtheilungen gemeinsam sind. Das gilt namentlich auch von 
Bhynchonella lacunosaj nach welcher von uns in Ermangelung einer mehr 
bezeichnenden Art die ganze Schichtenfolge benannt wurde. Die Art 
kommt schon in den Schichten mit Ämmonites cordatus vor, wie oben 
erwähnt wurde und steigt ebenso auch in die nächst folgende jüngere 
Schichtenfolge mit Bhynchonella trilohata hinan. Allein hier hat sie das 
Maximum ihrer Entwickelung, sowohl nach Häufigkeit der Individuen, wie 
nach den Dimensionen der Schale. Gewisse Bänke des Kalksteins sind 
ganz mit ihnen erfüllt. Die Grösse der Schale beträgt oft 1^'4 Zoll in der 
Breite und 1*|2 Zoll in der Länge. Unter den Arten der Gattung Terebra- 


Jura-F'ormation. 


259 


tula T, hisuffarcinata hm häufigsten. Die Exemplare sind 

gewöhnlich etwa 1 Zoll lang und in beiden Klappen stark aufgebläht. So 
liegen sie namentlich von einer ^|4 Meile östlich von Wbodowice gelege- 
nen Fundstelle und von Podlesie, *|2 Meile östlich von Wlodowice, 
wo sie durch Dondorff gesammelt wurden, vor. Kächstdem ist eine viel 
grössere und mehr verlängerte, D|2 Zoll lange Terebratel am häufigsten, 
welche in der allgemeinen Form mit der T, insignis von Kattheim über- 
einkommt, aber an der Stirn deutlich zweifach gefaltet ist, was bei der 
echten T. insignis nicht in gleicher Weise der Fall ist. Wahrscheinlich ist 
sie trotz der bedeutenden Grösse und der flachen Wölbung der nicht durch- 
bohrten Klappe doch nur als eine Nebenform der T. bisuffarcinata anzu- 
sehen. Auch kleinere Nebenformen dieser letzten Art, wie sie Quen- 
stedt (Jura Taf. 79, Fig. 18 — 20) abbildet, sind häufig. Gewisse Kalk- 
spath-reiche, und unvollkommen oolithische Bänke aus der unteren Abthei- 
lung der Schichtenfolge, welche namentlich ‘I4 Meile östlich von WJodo- 
wice deutlich anstehen, sind mit den verschiedenen Formen der T. bisuf- 
farcinata und der grossen Form der Bhynclionella lacunosa ganz erfüllt. 
Unter den Ammoniten sind auch in dieser Schichtenfolge Formen von 
Planulaten noch am häufigsten. Meistens halten sie sich aber in mässigen 
Dimensionen und die in der vorhergehenden Schichtenfolge so häufigen, 
mehr als 1 Fuss grossen Formen Ammonites biplex finden sich nicht mehr. 
Am gewöhnlichsten ist eine kleine, 1 bis 3 Zoll grosse, ziemlich involute 
vielfältige Art, welche an den Ainmonites convolutus Schloth. erinnert. 
Auch die Planulaten-Form mit hohen scharf vorstehenden und am Rücken 
sich sehr regelmässig gabelnden Rippen, welche Quenstedt Ammonites 
biplex bifurcatus genannt hat, kommt in fast fussgrossen Exemplaren nicht 
selten vor. Spongien sind in grösster Häufigkeit vorhanden. Gewisse 
Bänke des Kalksteins sind ganz mit ihnen erfüllt. Es sind dieselben 
cylindrischen, trichter- und scheibenförmigen Gestalten, welche in dem 
weissen Jura-Kalke der Schwäbischen Alp Vorkommen. 

6. Schichten der Rhynchonella trilobata (oberer Felsen kalk)'). 

Unter dieser Benennung wird hier eine mächtige Schichtenfolge von 
massigen weissen Kalksteinen zusammengefasst, welche, wie die vorher- 
gehenden, eine grosse Neigung zur Felsbildung besitzt und deshalb mit 
Beziehung auf die letztere als oberer Felsenkalk bezeichnet werden kann, 
sonst aber im Einzelnen sich sehr verschieden verhält. Es ist eine meh- 


1) Vergl. Quenstedt: Jura p. 638, Taf. 79, Fig. 17. Auf der Karte mit jf bezeichnet. 

33* 


260 


Jura-Formation. 


rere hundert Fuss mächtige Schichtenfolge von mächtigen Bänken eines 
compacten weissen Kalksteins mit splitterigem oder flachmuscheligem Bruch 
und zum Theil mit knollenförmigen Ausscheidungen von schwarzem Feuer- 
stein oder Hornstein, und von dünngeschichteten weissen Plattenkalken. 

Koch bestimmter als durch die Gesteinsbeschaffenheit unterscheidet sich 
die Schichtenfolge durch das orographische Verhalten von der vorher- 
gehenden. Während nämlich die Gesteine der letzteren gewöhnlich vielfach 
zerschnittene kleine Felsgruppen bilden, so setzt der obere Felsenkalk 
ausgedehnte Fels-Plateaus zusammen, welche sich mit senkrechten Wän- 
den über den durch den unteren Felsenkalk gebildeten felsigen Anhöhen 
erheben. So ist das Verhalten z. B. bei Po die sie östlich von Wfodo- 
wice. Auf dem nördlich vor dem Orte sich erhebenden Berge steigt über 
einer kleinen durch den unteren Felsenkalk gebildeten Hochfläche plötz- 
lich mit 80 Fuss hohen senkrechten Wänden eine mächtige, zusammen- 
hängende Felsmasse auf, welche oben ein mit Laubholz bewachsenes 
Plateau bildet, das zu den höchsten Punkten des ganzen jurassischen 
Höhenzuges gehört und einen Ueberblick über einen grossen Theil des- 
selben gewährt. Der in dicken Bänken abgelagerte sehr gleichartige 
compacte weisse Kalkstein, welcher diese Felsmasse zusammensetzt, ist 
oberer Felsenkalk. 

Die zahlreichen, zum Theil ausgedehnten Höhlen des polnischen Jura 
gehören ausschliesslich diesem oberen Felsenkalke an. Besonders in der 
Gegend von Olstjn und von Oycow sind solche Höhlen bekannt. 

Die Verbreitung betreffend so ist die Schichtenfolge in der ganzen 
Erstreckung des jurassischen Höhenzuges von Krakau bis in die Gegend 
von Wielun nachweisbar. In den Steinbrüchen von Podgorze bei 
Krakau wird der mit schwarzen Feuerstein- oder Hornsteinknollen 
erfüllte weisse Kalkstein durch die häufig vorkommende Rhynchonella 
trilobata als zu derselben gehörig bezeichnet. Eine zusammenhängende 
Zone bildet der obere Felsenkalk nur zwischen Olkusz und Czen- 
stochau. Dieselbe wird einer Seits gegen Süd-Westen durch die Zone 
der Schichten mit Rhynchonella lacunosa oder den untern Felsenkalk und 
anderer Seits gegen Nord-Osten durch diejenige der Schichten mit Rhyncho- 
nella inconstans begrenzt. Langgezogene felsige Plateau’s mit jäh abstürzen- 
den dem Streichen des Höhenzuges gegen Nord-Westen parallelen Ab- 
stürzen, welche im Ganzen die höchste mittlere Erhebung des Höhenzuges 
bilden, setzen die Zone zusammen. Zwischen Zarki und Janow hat 
dieselbe die grösste über eine Meile betragende Breite. 

Die organischen Einschlüsse sind im Ganzen in der Schichten- 


Jura-Formation. 


261 


folge seltenj oder richtiger^ smd5 weil mit der compacten Gesteinsmasse 
innig verwachsen 5 nur selten ,in deutlich bestimmbaren Exemplaren zu 
erhalten. Die meisten Arten sind solche^ welche der Schichtenfolge nicht 
ausschliesslich eigenthümlich sondern mit den benachbarten gemeinsam 
sind. Dahin gehören namentlich Hinnites velatus, Pecten textorius und Pro- 
sopon rostratum. Unter den eigenthümlichen Arten ist die durch die tiefe 
Einsenkung und Verlängerung des Mittellappens der Schale ausgezeich- 
nete Rhynclionella trilohata so häufig und zugleich so leicht kenntlich^ dass 
man nach ihr die ganze Schichtenreihe als Schichten der Phynchonella 
trilohata bezeichnen kann. Phynchonella lacunosa ist zwar ebenfalls noch 
vorhanden 5 aber das Maximum ihrer Entwickelung nach Grösse und 
Häufigkeit der Individuen ist schon vorüber und fällt in die vorhergehende 
Schichtenfolge. Ebenso ist das gegenseitige Verhalten der beiden Arten 
auch in Schwaben. Auch dort liegt Rh trilohata überall über der Haupt- 
Region der Rh. lacunosa. Unter den Ammoniten kommt eine grosse Form 
des Ammonites polyplocus vor^ bei welcher die Anordnung und Form der 
Rippen auf den Umgängen im Gegensatz zum Am. hiplex dieselbe bleibtj 
selbst wenn der Durchmesser des Gehäuses einen Fuss und darüber 
beträgt. Spongien fehlen auch in dieser Schichtenfolge wie in den frühe- 
ren nichtj doch sind sie in dem nicht compacten Gestein wenig bemerkbar. 

7 . Schichten der Phynchonella Asiieriana^'). 

Unter dieser Benennung wird hier die aus weissen dichten Kalksteinen 
mit Einlagerungen von kieseligen, zum Theil auch in Hornstein übergehen- 
den Kalken zusammengesetzte Schichtenfolge begriffen^ mit welcher die 
ganze den jurassischen Höhenzug zusammensetzende Aufeinanderfolge 
kalkiger Jura-Schichten nach oben hin schliesst5 obgleich weiter westlich 
in Polen auch noch jüngere der Kimmeridge-Bildung angehörende Ablage- 
rungen nachgewiesen sind. Die Kalksteine dieser Schichtenfolge sind theils 
compact mit splitterigem Bruch, theils erdig zerreiblich und kreide-ähnlich. 
Am deutlichsten wird die Schichtenfolge in petrographischer Beziehung 
durch die kieseligen Ausscheidungen, welche sie enthält, gekennzeichnet. 
Diese erscheinen entweder in der Form eines porösen hellgrauen kieseligen 
Kalksteins, welcher mit Abdrücken und Steinkernen von Schalthieren 
erfüllt ist, theils in der Form von faust- bis kopfgrossen Concretionen 
von gelblichem oder schwärzlichem durchscheinenden in Feuerstein über- 
gehenden Hornstein. Zuweilen kann man an einem und demselben Hand- 
stücke den Uebergang aus compactem Kalkstein in den mit Steinkernen 


i) Auf der Karte mit j { bezeichnet. 


262 


Jura-Formation. 


und Abdrücken erfüllten porösen kieseligen Kalk und von diesem in den 
durchscheinenden Hornstein oder Feuerstein verfolgen. Wo der kieselige 
Kalkstein ansteht, da pflegen die plattenförmigen Stücke desselben als des 
härtesten, der Verwitterung am meisten widerstehenden Gesteins auf den 
Feldern umherzuliegen oder wo sie von den letzteren abgelesen sind in 
niedrigen Mauern oder Haufen auf den Feldrainen aufgeschichtet zu sein. 
So habe ich sie namentlich bei Piasek unweit Janow angetrotfen. Aber 
auch als Geschiebe sind Stücke dieses kieseligen Kalksteins weithin ver- 
breitet. Namentlich finden sie sich überall in dem Bereiche des jurassi- 
schen Höhenzuges und zum Theil in solcher Häufigkeit, dass man sie 
anfangs in unmittelbarer Nähe anstehend vermuthet, obgleich in Wirklichkeit 
ihre ursprüngliche Lagerstätte oft mehrere Meilen weit entfernt ist. Noch 
weiter sind Stücke des dunkelen durchscheinenden Hornsteins und Feuer- 
steins als Diluvial-Geschiebe fortgeführt worden. Man findet sie über das 
ganze westlich von dem jurassischen Höhenzuge liegende Flachland in 
dem Sande zerstreut und namentlich habe ich sie auch in der Umgebung 
von Woischnik angetroffen. Der mit dem Gesteine an seinem Ursprungs- 
orte nicht näher bekannte Beobachter wird leicht getäuscht werden, indem 
er diese jurassischen Feuersteingeschiebe mit den über das ganze nord- 
deutsche Tiefland in so grosser Häufigkeit verbreiteten Feuersteingeschie- 
ben aus nordischer Kreide verwechselt. Das Vorkommen eines Abdrucks 
von Rhynchonella Astieriana oder eines Stachels von Cidaris florigemma 
wird ihn dann erst über die jurassische Natur des Gesteins belehren. 

Die Verbreitung der Schichtenfolge ist bedeutend. Sie bildet den 
nordöstlichsten Theil des jurassischen Höhenzuges zwischen Pili ca und 
Mstöw im Wartha-Thale östlich von Czenstochau. Zwischen Janow 
und Mstöw ist die Breite der Zone am Bedeutendsten. Auf der Strecke 
zwischen Janow und Pilica und namentlich in der Umgebung von Lelow 
ist sie durch den hier dem Nordostabhange des Jurazuges sich anlagern- 
den und bis zu bedeutender Höhe an denselben hinansteigenden Löss, 
zum Theil auch durch aufgelagerte Kreidemergel im Allgemeinen der 
Beobachtung entzogen und tritt nur in einzelnen kleineren Partien an die 
Oberfläche. Unter diesen ist eine ganz kleine Partie bei Potok ZJoty 
durch deutlichen Aufschluss bemerkenswerth. Auch südwärts von Pilica 
und im Krakau’schen scheint die Schichtenfolge nicht ganz zu fehlen. 
Meistens ist sie hier freilich durch jüngere Ablagerungen der Beobachtung 
völlig entzogen. Das gilt namentlich von dem zunächst nordwärts von 
Krakau sich ausdehnenden Gebiete. Hier bestehen die durch ihre grotes- 
ken prismatischen Formen bekannten Felsen von Oycow und Piaskowa 


Jura-Formation. 


263 


Skala aus oberen Felsenkalk oder Schichten der Ehynchonella trilohata. Es 
würde also unsere Schichtenfolge östlich von den genannten Felspartien zu 
suchen sein ; hier treten aber anstehende Schichten überhaupt nicht mehr unter 
der mächtigen Löss-Bedeckung hervor. Nordwärts von Czenstochau ist 
die Schichtenfolge auch noch in mehreren kleineren Partien bekannt. 

In palaeontologischer Beziehung ist die Schichtenfolge von grös- 
serem Interesse als die beiden vorhergehenden, weil gewisse Schichten 
mit zahlreichen sicher bestimmbaren Arten von Yersteinerungen erfüllt 
sind. Diese Schichten sind die schon erwähnten in Hornstein übergehen- 
den kieseligen Kalke. Freilich sind die fossilen Körper in diesen Kiesel- 
kalken stets nur in der Form von Steinkernen und Abdrücken erhalten. 
Aber die Abdrücke sind so scharf, dass man durch Abgüsse derselben 
das vollkommenste Bild von der ursprünglichen Aussenseite der Muschel- 
schalen u. s. w. erhält. 

Aufzählung der in den Schichten mit RJiynchonella Astieriana 
beobachteten Versteinerungen. 

1 ) Ehy^ichonella Astieriana d’Orbigny Pal. Franc. Terr. cret. Brachiop. 
p. 14, Taf. 492, Fig. 1 — 4; idem Prodrome de Paleontol. Yol. IL, 
p. 24; Terehratula inconstans L. v. Buch, Quenstedt u. s. w. (non 
Sowerby); Unsere Taf. 25, Fig. 7, 8. 

Diese in dem oberen weissen Jura (s) Schwabens häufige Art wird von 
Quenstedt und anderen Autoren unter der Benennung Eh. inconstans Sow. 
aufgeführt. Nach Davidson (Brit. oolit. and lias. Brachiop. pag. 87, 
Taf. XVIIL, Fig. 1 — 4) ist Terehratula inconstans Sow. ursprünglich aus 
der Kimmeridge-Bildung beschrieben. Aber auch abgesehen von der ver- 
schiedenen Lagerstätte ist die englische Art durch Schärfe der dachförmi- 
gen Falten, scharfkantige Begrenzung der Schlossfläche und andere Merk- 
male von der durch L. v. Buch, Quenstedt und andere Autoren als 
T. inconstans bezeichneten Art des schwäbischen und fränkischen Jura 
specifisch bestimmt unterschieden. Die beiden Arten gemeinsame Neigung 
zur Unsymmetrie der Schale kommt auch noch mehreren anderen Ehyn- 
chonella- wie namentlich auch der von Lamarck als Terehratula 
difformis beschriebenen Art der belgischen Tourtia^ zu und kann nicht als 
entscheidendes specifisches Kennzeichen gelten. A. d’Orbigny bildet nun 
in dem Atlas-Bande der französischen Kreide-Brachiopoden unter der Be- 
nennung Ehynch. Astieriana eine Art ab, für welche er als Synonym Terehra- 
tula inconstans-speciosa Münster anfährt. In dem zugehörigen Text-Bande 
erwähnt er, dass die Art irrthümlich unter den Kreide-Brachiopoden ab- 


264 


Jura-Formation. 


gebildet sei und in Wirklichkeit dem „Etage Corallien‘‘ angehöre. Zwar 
ist demnach die Benennung Bhynch. Astieriana zunächst nur auf die grosse 
Münster’sche Form von Kehlheim an der Donau anwendbar. Da aber 
nach Quenstedt (Jura p. 741) diese grosse Form nur als eine Varietät 
seiner gewöhnlichen Terehratula inconstans aus dem weissen Jura s. in 
Schwaben anzusehen ist, so ist auch die Benennung Rh, Astieriana auf die 
schwäbische T, inconstans überhaupt anzuwenden. 

Völlig mit der gewöhnlichen schwäbischen Form übereinstimmend findet 
sich nun diese Art auch in Polen. Sie ist die häufigste Brachiopoden-Art 
der Schichtenfolge. Ausser der gewöhnlichen Form von ungefähr gleicher 
Länge und Breite der Schale wie Fig. 7 darstellt, ist auch eine schmalere 
und kleinere Form häufig, bei welcher die Schnabelkanten in spitzem 
Winkel zusammeiilaufen und die Breite der Schale sehr viel geringer ist, 
als die Breite, wie Fig. 8 ein solches in der Erhaltung als Steinkern dar- 
stellt. Fast überall, wo die Schichtenfolge deutlich aufgeschlossen ist, hat 
sich die Art gefunden. So namentlich an vielen Stellen zwischen .Janow 
und Mstöw an der Wartha, wie Bukowno, Luslawice, Pia sek, 
Zurow u. s. w. Ebenso zwischen Janow und Pilica, namentlich bei 
Potok ZJoty, Huta, Zdow, Niegowa u.s. w. Von allen diesen Punkten 
liegen durch Dondorff, Degenhardt oder mich selbst gesammelte 
Exemplare vor. 

2) Terehratula hucculenta Sow. bei Zieten- Taf. 25, Fig. 1. 

Ohne die sehr zweifelhafte Identität der schwäbischen von Zieten so 
benannten Art mit Sowerbj’s englischer Art hier untersuchen zu wollen, 
soll hier lediglich die Uebereinstimmimg mit der schwäbischen unter jener 
Benennung gewöhnlich aufgeführten Art behauptet werden. Die Art gehört 
zu den häufigsten der Fauna und findet sich fast überall mit Rhynchon. 
Astieriana zusammen. So namentlich bei Potok ZJotj und Lipnik 
unweit Janow. Das Fig. 1 abgebildete Exemplar rührt von dem ersteren 
Fundorte her. 

3) Terehratula insignis Zieten. 

Es liegen mehrere zwei Zoll lange Exemplare von Potok ZJoty vor, 
welche durchaus mit den bekannten grossen verkieselten Exemplaren von 
Nattheim übereinstimmen. Ob gewisse einen halben Zoll lange und noch 
kleinere glatte Terebrateln, die mit ihr zusammen verkommen, zu ihr oder 
zu der vorhergehenden Art gehören, ist nicht sicher zu ermitteln. 

4) Terehratula pectunculoides d’Orbignj (Terehratula pectunculoides 
Schlotheim)' Taf. 25, Fig. 2. 

Von Potok Zloty liegen Exemplare vor, welche durchaus mit solchen 


Jura-Formation. 


2G5 


aus dem schwäbischen Jura und namentlich von Nattheim überein- 
stimmen. Auch von Huta südöstlich von Janow liegen Exemplare 
vor. Die Abbildung Fig. 2 stellt ein grosses Exemplar von Potok 
Zloty dar. 

5) Terehratella loricata d’Orb. ( Terebratulites loricaius Schlot heim); 
Taf. 25, Fig. 3, 4. 

Fig. 3 stellt ein Exemplar aus weissem Kalkstein, der der untersten 
Abtheilung der Schichtenfolge angehört, von dem neuen Vorwerke bei 
Niegowa, zwei Meilen östlich von Zarki, Fig. 4 ein kleines im Abdruck 
erhaltenes Exemplar von Piasek bei Janow nach einem Guttapercha- 
Abgusse dar. Unvollständige Exemplare liegen auch noch von anderen 
Fundorten vor. 

6) Terehratula trigonella Schloth.; Taf. 25, Fig. 5. 

Das abgebildete Exemplar ist in einem als Geschiebe bei Bzöw unweit 
Ogrodziniec gefundenen Stücke des kieseligen Kalksteins enthalten. 
Es stimmt vollständig mit schwäbischen Exemplaren überein. Weniger 
vollständig erhaltene Exemplare fanden sich auch bei Piasek unweit 
Janow. Uebrigens ist die Art nicht auf die Schichten der Rhynchonella 
Astieriana beschränkt, sondern kommt auch schon in der vorhergehenden 
Schichtenfolge der Rh, trilohata vor. 

7 ) Terehratulina substriata d’Orb. ( Terebratulites substriatus S c h 1 o t h.) ; 
Taf. 25, Fig. 6. 

Völlig mit der typischen schwäbischen Form übereinstimmende Exem- 
plare aus weissem Kalke von Huta, südöstlich von Janow liegen vor. 
Eben solche von Potok Zloty und dem Vorwerke Dziadki bei Janow 
aus kieseligem Kalkstein. 

8) Pecten subtextorius Goldfuss; Quenstedt Jura p. 754, tab. 92, 
Fig. 4; Unsere Taf. 25, Fig. 9. 

Exemplare, welche vollständig mit Exemplaren der typischen Form von 
Natt he im übereinstimmen, wurden namentlich im weissen Kieselkalke 
von Pradla, zwei Meilen nördlich von Pilica, bei Luslawice und 
Siedliszowice beobachtet. Das Fig. 9 abgebildete Exemplar rührt von 
Pradla her. 

9) Pecten subspinosus Schloth. ; Quenstedt Jura p. 754, tab. 92, 
Fig. 5, G. Unsere Taf. 25, Fig. 10. 

Diese wohlbekannte kleine Art findet sich durchaus übereinstimmend 
auch in Polen. Das abgebildete Exemplar rührt von Siemierzyce, 
1^|4 Meile östlich von Wlodowice her. Auch von mehreren Punkten bei 
Janow und namentlich von Potok Zloty liegen Exemplare vor. 

34 


266 


Jiira-Formation. 


10) Pecten suharmatus Goldf. ; Taf. 25, Fig. 11. 

Das abgebildete Exemplar ist in einem Hornsteingeschiebe von Bzöw 
bei Ogrodzieniec eingeschlossen. Die Zwischenräume zwischen je 
zwei der ausstrahlenden Rippen zeigen zwei feine erhabene Linien, w^elche 
Goldfüss an seinen Exemplaren von Streitberg und Müggendorf 
nicht erwähnt. 

11) Pecten sp.; Taf. 25, Fig. 12, 13. 

Von dieser nicht näher bestimmbaren kleinen glatten Art liegen Exem- 
plare in weissem Hornstein von Goluchowice bei Pradla vor. Die 
Abbildungen beziehen sich auf diese. Etwas grössere Exemplare sam- 
melte ich in dem Kieselkalke von Piasek bei Jan ow. 

12) Lima sp,; Taf. 25, Fig. 14. 

Das abgebildete Exemplar ist ein in gelblich weissem Hornstein von 
Kiegowa, 1 Meile östlich von Zarki, eingeschlossener Steinkern der 
linken Klappe. Ein am unteren Rande erhaltenes Stück der Schale zeigt 
feine Radialstreifen. Unvollständige Exemplare liegen von mehreren 
anderen Fundorten vor. 

13) Lima notata Goldf.* Taf. 25, Fig. 15. 

Das einzige deutlich erhaltene Exemplar, welches vorliegt, rührt aus 
weissem Kalkstein von Pradla, nördlich von Pilica, her. Es passt gut 
zu der Beschreibung und Abbildung von Goldfüss. 

14) Lima conf. Lima turnida A. Roemer. 

Nur ein einziges Exemplar der rechten Klappe in porösem, dem Kalk- 
tuff von Mastricht ähnlichen weissen Kalkstein eingeschlossen, welches 
durch Dondorff bei Sjgontko, 1 Meile nordöstlich von Janow, gefun- 
den wurde, liegt vor. Der allgemeine Habitus stimmt durchaus mit dem- 
jenigen L. turnida aus dem weissen Jura von Hildesheim überein, 
jedoch sind die ausstrahlenden Falten etwas schwächer. 

15) Lima prob oscidea Sow. 

Es liegt ein Exemplar aus weissem Kalkstein von Szyce, nördlich 
von Pilica, vor. Ein zweites als Abdruck erhaltenes kleineres Exemplar 
ist in einem als Geschiebe bei Bzöw gefundenen Stücke des Kieselkalks 
eingeschlossen. 

16) Ostrea rastellaris Goldf.; Taf. 25, Fig. 16. 

Die Exemplare dieser in dem kieseligen Kalksteine der Gegend von 
Janow und Pilica häufigen Art stimmen vollständig mit solchen von 
Nattheim überein. Das abgebildete unvollständige Exemplar rührt aus 
Kieselkalk von Solce her. 

17) Ostrea sp,; Taf. 25, Fig. 17. 


Jura-Formation. 


267 


Eine kleine kreisrunde Art, welche in dem Kieselkalke der Gegend 
von Janow und Pili ca nicht seiten. Das Fig. 17 abgebildete Exemplar 
wurde durch Dondorff in dem Kieselkalke bei dem Vorwerke Ciecier- 
zyn, ^|2 Meile östlich von Olstyn gesammelt. Die schief über die Ober- 
fläche verlaufenden Streifen sind offenbar nicht eine der Art eigenthüm- 
liche Skulptur, sondern der Reflex von Radialfalten einer Muschel (wahr- 
scheinlich Goldf.), auf welche die untere Klappe der 

Muschel aufgewachsen war. Dagegen gehören sehr feine erhabene Radial- 
Linien, welche man namentlich am Umfange der Schale erkennt, augen- 
scheinlich zu der regelmässigen Skulptur der Schalenoberfläche. 

18) Cidaris coronata Goldf.; Taf. 25, Fig. 18, 19. 

Diese Art ist im Kieselkalke der Umgegend von Janow und Pili ca 
nicht selten. Es liegen namentlich Exemplare von Pradla, nördlich von 
Pili ca und von Potok Zloty bei Janow vor, welche durchaus mit 
Exemplaren aus Schwaben und Franken übereinstiramen. Auch von 
Rudniki, 1^|2 Meile nordöstlich von Czenstochau liegt ein vollständi- 
ges Exemplar aus weissem nicht kieseligem Kalkstein vor. Fig. 18 stellt 
ein einzelnes Interambulacral-Feld von einem vollständigen Exemplare 
von Pradla dar, Fig. 19 einen Stachel ebendaher. Die Zugehörigkeit 
des Stachels wurde aus dem Zusammenvorkommen in demselben Gesteins- 
stücke und der Uebereinstimmung mit den Abbildungen von Desor 
(Synops. Echin. foss. tab. IlL, Fig. 28 — 32) gefolgert. Auch an anderen 
Stellen sind solche Stacheln in dem Kieselkalke häufig. 

19) Cidaris BlumenhacMi Goldf.; Taf. 25, Fig. 20. 

Nur die grossen fast fingerslangen Stacheln liegen vor. Dieselben 
stimmen vollständig mit solchen aus süddeutschem und Schweizer Jura 
und namentlich vom Mont Terrible überein. Von Oppel und anderen 
Autoren werden diese Stacheln zu Cidaris florigemma Phillips gerech- 
net. Desor (Synops. Echin. foss. p. 5 ) giebt aber an, dass die Schale, 
welche von Goldfuss als zu den Stacheln gehörig abgebildet sei, in 
W^irklichkeit einer anderen Art, nämlich dem Cidaris Parandieri Agass. 
angehöre. Er behält die Benennung C. Blumenhachii für die Art bei, zu 
welcher die seit langer Zeit unter diesem Namen bekannten weit ver- 
breiteten Stacheln in Wirklichkeit gehören. Das Fig. 20 abgebildete 
Exemplar rührt aus dem Kieselkalke von Potok Zfoty bei Janow. 
Auch von mehreren anderen Punkten liegen Exemplare aus demselben 
Gesteine vor. So namentlich von Lelow. Auch im weissen nicht 
kieseligen Kalke kommen solche Stacheln bei Potok Zloty und 
Huta vor. 


34^ 


268 


Jiira-Fürni«'ition. 


20) Bhabdöcidaris caprimontana Desor (conf. Moesch: Aargauer 
Jura p. Slöj tab. VIL, Fig. 3a. k.); unsere Taf. 25, Fig. 21. 

Der in ein Geschiebe von Kieselkalk eingesclilossene Stachel von 
BZÖW5 welchen unsere Abbildung darstellt, passt bis auf die gerin- 
gere Grösse gut zu den Figuren 3c. und 3d. von Moesch. Ein anderer 
Stachel aus anstehendem Kieselkalke von Skowronow nordwestlich von 
Janow gleicht durch die schneidige Kante mehr denjenigen der Rhabdo- 
cidaris irispinata (Desor Sjnops. Taf. VIIL, Fig. 12) von Natt he im. 

21) Glypticus hieroglyphicus Agass.; Taf. 25, Fig. 22, 23, 24. 

Die Abbildungen stellen ein als Abdruck in einem Kieselkalkgeschiebe 
von Bzöw erhaltenes Exemplar nach einem Guttapercha- Abgusse dar. 
Fig. 24 ist eine vergrösserte Ansicht dieses Exemplars von der Seite. Das- 
selbe stimmt vollständig mit Exemplaren aus der Schweiz und Frankreich 
überein. Ein weniger gut erhaltenes Exemplar von Potok Zloty bei 
Janow liegt vor, 

22) Stomechinus sp.; Taf, 25, Fig. 25. 

Nur Steinkerne, welche eine sichere specifische Bestimmung nicht 
zulassen, liegen vor. Das grosse tief gekerbte Peristoma bestimmte vor- 
zugsweise diese Steinkerne zur Gattung Stomechinus zu rechnen. Das 
abgebildete Exemplar wurde durch Dondorff bei Mstöw östlich von 
Czenstochau gesammelt. 

23) Sphaerites scutatus Q u e n s t. ( Asterias scutata G 0 1 d f u s s) *, Taf. 25, 
Fig. 26. 

Es liegen einzelne Täfelchen von Rudniki l'jo Meilen nordöstlich von 
Czenstochau vor, welche in jeder Beziehung mit solchen aus Schwaben 
und namentlich von Nattheim übereinstimmen. Fig. 26 stellt eines der 
grösseren Täfelchen von Mstöw dar. 

24) Apiocrinus rosaceus Schlot heim; Taf. 25, Fig, 27, 28. 

Das abgebildete Säulenstück von Potok Zloty bei Janow passt gut 
zu den Abbildungen der Säulenstücke, welche Goldfuss, (Taf. 56, Fig. 3 Q.) 
freilich ohne alle sichere Gewähr als zu den Kelchen von Apiocrinus rosa- 
ceus gehörig ansieht. Mit solchen Säulenstücken, wie das abgebildete, 
finden sich bei Potok Zloty, andere Säulenstücke, welche durch Grösse, 
Höhe der einzelnen Säulenglieder, geringere Zahl der Radien auf den 
Gelenkflächen, bedeutendere Grösse des Nahrungskanals und andere 
Merkmale sich unterscheiden. Eben solche verschiedene Formen finden 
sich in Schwaben. Quenstedt erklärt es für jetzt für unthunlich sie 
specifisch zu bestimmen. 

25) Maeandrina sp. 


Jura-Formation. 


269 


Eine Art mit sehr langen, schmalen Thälern der in einander fliessenden 
Zellenmündimgen in ziickerartigen porösen blendend weissen Kalk ver- 
steinert von der Höhe der ^|4 Meile nordöstlich von Zdöw (l ’|2 Meilen süd- 
östlich von Zarki) sich erhebenden Bergkuppe. Bedeckt mit losen Horn- 
steingeröllen stehen dort in geringer Mächtigkeit weisse Kalksteinbänke an, 
welche mit Korallen (Anfhozoen) erfüllt sind und wirkliche fossile Korallen- 
bänke sind. Die Erhaltung der meistens nur in der Form von Steinkernen 
erhaltenen Korallenstöcke ist übrigens so unvollkommen, dass sie selten 
eine specifische Bestimmung zulassen. Dieselben korallenreichen Kalk- 
steinbänke beobachtete Dondorff auch noch an zwei anderen Stellen, 
nämlich in den Pingen der alten seit langer Zeit verlassenen Steinbrüche 
^|2 Meile südlich von Lelow und endlich in einem kleinen Steinbruche 
bei Huta am Wege zwischen Janow und Lelow. 

26) Scypliia striata Goldf. 

Faustgrosse trichterförmig verkieselte Exemplare, welche vollständig 
mit schwäbischen Exemplaren übereinstimmen, von mehreren Orten und 
namentlich von Rudniki nordöstlich von Czen stoch au und von Cze- 
purka nordwestlich von Janow, liegen vor. 

27) Scypliia cylindrica Goldf. 

Die Exemplare erreichen nicht die von Goldfuss angegebene Grösse 
sondern sind meistens nur fingerlang. Es liegen namentlich Exemplare 
von Pradla und von Zurow bei Janow vor. 

28) Spongites texturatus Quenstedt Jura p. 683. 

Verkalkte und verkieselte Exemplare von verschiedenen Punkten der 
Umgebungen von Janow und Pili ca liegen vor. 

Ausser den genannten Arten kommen verschiedene andere wegen 
unvollständiger Erhaltung nicht näher bestimmbare Spongien vor und 
nach der Frequenz des Vorkommens gehören die Spongien überhaupt zu 
den häufigsten Organismen der Schichtenfolge. Auf diese Weise reicht 
die verticale Verbreitung der Spongien durch die ganze Mächtigkeit der 
in dem polnischen Jura -Zuge entwickelten Schichten des weissen Jura, 
da sie, wie früher erwähnt wurde, gleich in den mergeligen Schichten mit 
der kleinen Form des Ammonites cordatus mit grosser Mannichfaltigkeit der 
Formen und Häufigkeit der Individuen auftreten. Während die Spongien 
in den tieferen Abtheilungen des weissen Jura meistens verkalkt sind, so 
erscheinen sie hier in der obersten Abtheilung meistens verkieselt und 
werden dadurch noch mehr erkennbar. 

29) Ammonites hiplex Sow. 

Handgrosse Exemplare mit sehr regelmässig am Rücken sich gabeln- 


270 


Jura-Formation. 


den Rippen liegen von mehreren Punkten vor. Namentlich finden sie sich 
auch in einem kreideähnlichen weissen Kalkstein bei dem Vorwerke 
Pilica. In mehr compactem Kalk kommen sie bei Gulzöw, Czepurka, 
Potok Zloty und an anderen Orten vor. 

30) Ämmonites polyplocus L. v. Buch. 

Exemplare vom Vorwerke Pilica stimmen ganz mit solchen aus dem 
unteren Felsenkalke überein. 

31) Ämmonites virgulatus Quenstedt. 

Ein Exemplar von Pradla stimmt vollständig mit Exemplaren aus den 
Schichten mit der grossen Form des Ämmonites cordatus überein. Auf diese 
Weise haben die Ammoniten unserer Schichtenfolge nichts Eigenthüm- 
liches. Es sind die bekannten Formen der Planulaten, welche durch die 
ganze Reihe der oberen Glieder des weissen Jura hindurchgehen. 

3 2) Prosopon rostratum H. v. Meyer* Taf. 25, Fig. 2 9 . 

Exemplare des Cephalothorax sind sehr häufig und liegen von vielen 
Punkten vor. So namentlich von Rudniki, nordwestlich von Czen- 
stochau, von Zuröw, Czepurka und Luslawice bei Janow. So 
sicher die Zugehörigkeit zu der Gattung, so schwierig ist zum Theil die 
Artbestimmung, indem im Einzelnen die Exemplare sehr abweichen, 
besonders in Betreff des Verlaufs der Querfurchen. Am häufigsten ist 
eine Form mit zwei Querfurchen, von denen die vordere in der Mitte eine 
nach rückwärts gewendete Biegung zeigt. Quenstedt (Jura p. 777) findet 
dieselbe Schwierigkeit der specifischen Bestimmung der Formen des weissen 
Jura in Schwaben. Uebrigens kommen Exemplare der Gattung in Polen 
auch schon in den tieferen Schichten des weissen Jura vor. 


Aus der vorstehenden Aufzählung der organischen Einschlüsse ergiebt 
sich die Stellung, welche der zuletzt betrachteten Schichtenfolge in der 
Reihe der jurassischen Bildungen anzuweisen ist, ohne weiteres mit der 
grössten Bestimmtheit. Die meisten Arten sind nämlich wohl bekannte 
Formen der den obersten Theil der Rauhen Alb in Schwaben bildenden Reihe 
von kalkigen Schichten, welche Quenstedt unter der Benennung Weisser 
Jura £. zusammenfasst. Das gilt im Besonderen von Terehratella pectun- 
culoides^ Terehratella loricata, Terehratula trigonella, Terehratulina substriata, 
Phynchonella Astieriana (Terehratula inconstans L. v. Buch [non Sow.]), 
Pecten suhspinosus, Ostrea rostellaris, Cidaris coronata, Cidaris Blumenhacliii^ 
Glypticus hieroglypliicus und SpJiaerites scutatus. Die meisten derselben 
finden sich namentlich an der bekannten Fundstelle von Nattheim. 
Auch die Ausscheidungen von Hornstein und Feuerstein sind dieser Abthei- 


Jura-Formation. 


271 


lung des weissen Jura in Schwaben mit den Schichten in Polen gemeinsam. 
In palaeontologischer wie in petrographischer Beziehung ist die üeberein- 
stimmung dieses obersten Gliedes des polnischen Jurazuges mit dem ent- 
sprechenden in Süddeutschland grösser als diejenige irgend eines der tie- 
feren Glieder mit dem gleichstehenden in Schwaben. 

In dem von OppeP) aufgestellten Schema der Gliederung der Jura- 
Formation ist es die die oberste Abtheilung der Oxford-Gruppe bildende 
Zone des Cidaris florigemma, welcher unsere Schichtenfolge entspricht. 
In der That ist ja auch Cidaris Blumenhachii, mit welcher C. florigemma 
Phill. synonym ist, in unserer Schichtenfolge weit verbreitet. Zwischen 
der Zone des Cidaris florigemma und der Zone des Ammonites hiarmatus, 
in welcher der Ammonites cordatus mit dem Ammonites biarmatus als vor- 
zugsweise bezeichnende Arten Vorkommen sollen und welche daher der 
von uns als Schichten des Ammonites cordatus bezeichneten Schichtenfolge 
entspricht, stellt Oppel den Lower calcareous grit aus England und die 
Scyphia-Kalke Schwabens. Diesen letzteren müssen also die von uns als 
Schichten der Bhynchonella lacu7iosa (Unterer Felsenkalk) und Schichten 
der Rhynchonella trilohata (Oberer Felsenkalk) bezeichneten Schichtenfolgen 
vereinigt im Alter gleichstehen. In der That besteht ja auch eine auf- 
fallende Ueb er ein Stimmung in dem petrographischen wie in dem palaeonto- 
logischen Verhalten. Helle Kalke mit thonigen Zwischenlagen und mäch- 
tige mit Spongien erfüllte zur Felsbildung geneigte massige Kalke (Scyphien- 
Kalke), wie sie bei Geisslingen und Lochen in Württemberg in 
einer über 400 Fuss betragenden Mächtigkeit anstehen, sind die typische 
Erscheinungsweise der Schichtenfolge in Schwaben. Der palaeontolo- 
gische Charakter der Schichten ist in so fern ein nicht fest bestimmter als 
wenige eigenthümliche Arten vorhanden sind, und die Mehrzahl der Arten 
auch mit den angrenzenden Gliedern der Formation gemeinsam ist. 
Alle diese Merkmale passen auf die von uns als unterer und oberer Felsen- 
kalk bezeichneten Schichten in Polen. 

8. Nerineenkalk von Inwald^). 

Ganz vereinzelt treten bei Inwald und eine Meile weiter westlich 
bei Roczyny unweit Andrychau in Galizien am Nordrande der 
Beskiden aus dunkelen schieferigen Gesteinen, welche theils der eocänen 
Abtheilung der Tertiär -Formation, theils der Kreide -Formation angehö- 


1) Die Jura-Formation. Tabellarische Uebersicht zu § 120. 

2) Auf der Karte als j i bezeichnet. 


272 


Jura-B'ormatlon. 


ren, zwei beschränkte Partien von massigem compacten weissem Kalk- 
stein mit splitterigem Bruche hervor. Die Lagerungsverhältnisse des Kalk- 
steins zu den umgebenden Schichten der Tertiär- und Kreide-Formation 
sind bei der sehr gestörten Schichtenstellung der letzteren nicht bestimmt 
zu erkennen. Da mit dem Kalkstein Tesclienit, ein dem Nordrande der 
Karpathen eigenthümliches dunkeles Eruptiv -Gestein erscheint, so wird 
man geneigt das Hervortreten des Kalksteins mit dem Ausbruche dieses 
Eruptiv-Gesteins in Verbindung zu bringen. Der Kalkstein, der bei In wal d 
durch grosse Steinbrüche aufgeschlossen ist, erregt besonders durch einen 
Reichthum von deutlich erhaltenen organischen Einschlüssen Interesse. 
Dieselben sind namentlich durch Zeuschner näher bekannt geworden \). 
Besonders die Bracliiojpoden, Lamellihmnchiaten und Gastropoden bilden den 
Hauptbestandtheil der Fauna. Die Cephalopoden fehlen fast ganz und von 
Corallen oder Anthozoen sind nur wenige Arten vorhanden. Unter den 
Gastropoden ist namentlich die GattungiVmnm, unter Lamellibrancliiaten 
oder Muscheln die Gattung durch starke Vertretung bemerkenswerth. 

Der ganze Charakter der Fauna ist durchaus abweichend von demjenigen 
irgend eines Gliedes der Jura-Formation in Schwaben oder Franken. Die 
Mehrzahl der sicher bestimmbaren Arten ist der Localität eigenthümlich. 
Zwar erkennt Zeuschner^) eine Anzahl von Arten, die auch in süddeut- 
schen oder französischen Jura-Bildungen verkommen, wie Nerinea Brun- 
trutana, N, Mandelslolii, Cardium corallinum^ Diceras arietina, D. Lucii u. s. w., 
aber zum Theil wird die Bestimmung dieser Arten noch der Bestätigung 
bedürfen und die Gleichstellung des Inwalder Kalks mit einem bestimmten 
Gliede des süddeutschen Jura würde auch durch die wirkliche specifische 
Identität jener Arten nicht zu begründen sein, da sie sich in keinem Falle 
wie bei Inwald genau in denselben Schichten vereinigt finden. Wenn die 
Häufigkeit der Nerineen und das Vorkommen von Diceras bei Inwald 
auch im Allgemeinen auf eine Stellung des Kalks in dem oberen Theile der 
Jura-Formation unter den Schichten mit Exogyra virgula hinweisen, so ist 
er deshalb doch keinesweges als ein Glied der typischen Entwickelung 
des deutschen und polnischen Jura anzusehen, sondern er ist eben so wie 
der unter ganz ähnlichen Verhältnissen am Nordrande der Beskiden als 
eine grossartige Felsmasse hervortretende Kalk von Stramberg, der von 
Oppel zu seiner zwischen Jura- und Kreide -Formation einzureihenden 


1) Palaeontologische Beiträge zur Keuntniss des weissen Jura-Kalkes von ln wal d bei Wado- 
wice. Abhandl. der Böhm. Gesellsch. der Wissensch. Prag. 1857. 

2) Geognostische Beschreibung des Nerineen -Kalks von Inwald und Roczyny, Naturwissen- 
schaftliche Abhandl., herausgegeben von H aiding er, 1850, Bd. III., Abth. I., S. 133 ff. 


Jiira-Fonnation. 


273 


Tithonischen Etage gerechnet wird, eine dem Hebungsgebiete der Kar- 
pathen angehörende Bildung von alpinem Charakter, welche sich von 
dem nordwärts der Karpathen in Deutschland und Polen entwickelten 
aequivalenten Ablagerungen palaeontologisch und petrographisch ebenso 
unterscheidet, wie sich die Neocom- und Gault-Bildungen der Gegend von 
T eschen von den Neocom- und Gault -Bildungen im nordwestlichen 
Deutschland unterscheiden. Kalksteine gleicher Art wie derjenige von 
Inwald sind daher auch nur in den Karpathen und deren Fortsetzung, 
den Alpen, zu suchen. In der That hat ja auch Peters^) auf die grosse 
Aehnlichkeit des Inwalder Kalks mit gewissen im Salzkammergute auf- 
tretenden Kalk-Bildungen, und namentlich mit dem Kalke am P lassen 
bei Hallstadt hingewiesen. 

9. Schichten der Exogyra virgula (Kimmeridge-Bilduiig). 

Gesteine dieser Abtheilung sind nicht im Zusammenhänge mit den 
übrigen den grossen polnischen Jura -Zug zwischen Krakau und Czen- 
stochau zusammensetzenden jurassischen Ablagerungen bekannt. Sie 
treten vielmehr erst mehrere Meilen weiter östlich von dieser jurassischen 
Hauptzone an den Ufern der Pilica und südwestlich von Kiele e in einzel- 
nen Partien und schmalen Zügen auf. Solche Partien sind namentlich bei 
Sulejow und bei Przedborz bekannt. Die ansehnlichste Entwickelung 
erlangen sie in dem schmalen Höhenzuge, welcher sich südwestlich von 
Kielce aus der Gegend von Malagoszcz über Sobkow und Korytnice 
fortzieht. Oolithische und dichte Kalksteine, welche zum Theil dem litho- 
graphischen Kalksteine von Solenhofen sehr ähnlich sind, herrschen vor. 
Pusch hat die petrographische Beschaffenheit dieser Ablagerungen schon 
deutlich beschrieben und ihre Verbreitung auf seiner Uebersichtskarte im 
Allgemeinen richtig verzeichnet. Erst Zeus ebner hat jedoch durch Auf- 
findung entscheidender Versteinerungen die Altersstellung dieser Schichten 
sicher festgestellt. Besonders war die Entdeckung der Exogyra virgula, 
des bekannten Leitfossils der Kimmeridge-Bildiing von Wichtigkeit. Er 
führt dieselbe namentlich von Korytnice, Bolmin und Sulejow^) an. 


1) Die Nerineen des oberen Jura in Oesterreich. Sitzungsber. der Wiener Acaderaie Bd. XVI., 
Heft 2, 1855, p. 389. 

2) Bei Sulejow haben Degenhardt und ich selbst sie auf dem Wege von Petrikau 
(Piotrkow) nach Kielce im Jahre 1866 ebenfalls beobachtet. Vor dem Uebergange über die 
Pilica fanden wir hier in dem Chaussee-Graben von Diluvial-Sand bedeckt dünne Schichten eines 
undeutlich oolithischen und mit den Schalen von Exogyra virgula ganz erfüllten Kalksteins anstehen. 

35 


274 


Jura-Formation. 


Ausserdem nennt er noch folgende Arten als diesen Schichten eigenthüm- 
lich : Pholadomya parcicosta A g. , Ceromya Lennieri D o 1 1 f u s s , Venus par- 
vula A. R o e m e r 5 Trigonia supra jurensis A g. , Trigonia clavellata S o w. , 
Pinna Barrensis 1 Buvignier, Mytilus plicatus G o 1 d f. , Mytilus Sowerhya- 
nus VOvh.^ Mytilus suhlaevis Mytilus pectinoides Goldf. , Mytilus 

scalprum G o 1 d f. , Myoconclia pernoides G o 1 d f, , Perna Flambarti PDollfuss, 
Ostrea gregarea Sow., Rhynchonella inconstans^'). 

Wenn nun diese Kalkschichten an der Pili ca und südwestlich von 
Kielce der Kimmeridge-Bildung zuzurechnen und also entschieden jünger 
sind, als die jüngsten an der Zusammensetzung des grossen jurassischen 
Höhenzuges zwischen Krakau und Czenstochau theilnehmenden Glie- 
der, so fragt sich ob sie unmittelbar auf diese letzteren folgen oder ob 
in dem mehrere Meilen breiten Zwischenräume zwischen dem östlichen 
Rande dieses jurassischen Höhenzuges und den Partien der Kimmeridge- 
Bildung unter dem Diluvium und der Kreide noch jurassische Schichten 
von intermediärer Stellung vorhanden sind. Als solche könnten nur 
Diceras- Kalke, Nerineen- Kalke und Platten - Kalke von Solenhofen 
erwartet werden. Nach Zeuschner kommen in der That in der Gegend 
von Chencinj südwestlich von Kielce Kalkschichten mit Diceras arietina 
vor. Da dort nach Zeuschner eine vollständige Aufeinanderfolge der 
jurassischen Schichten vom mittleren Jura bis in die Kimmeridge-Bildung 
nachzuweisen ist, so sind die Diceras-Kalke wohl überhaupt in der zunächst 
östlich von deih jurassischen Hauptzuge liegenden Gegend in der Tiefe zu 
vermuthen. 

7. Vergleichung des polnisch -oberschlesischen Jura mit der Entwickelung 
der Jura -Formation in anderen Gegenden. 

Im Ganzen zeigen die Ablagerungen der Jura-Formation in Polen und 
Oberschlesien, wie bei der Beschreibung der einzelnen Glieder schon mehr- 
fach angedeutet wurde, mit denjenigen in Süddeutschland und namentlich 
in Württemberg, eine so grosse Uebereinstimmung in petrographischer und 
palaeontologischer Beziehung, dass daraus auf eine wesentliche Gleichheit 
der physikalischen Bedingungen und auf einen direkten Zusammenhang der 


Zwar lassen die auf der Oberfläche etwas verwitterten Schalen die bezeichnenden feinen Radial-Fal- 
ten nicht erkennen, aber die allgemeine Form ist ganz diejenige der echten Exogyra virgula. Von 
anderen Versteinerungen wurden nur kleine Säulenglieder eines Pentacrinus und Stacheln einer 
Cidarü -\ri beobachtet. 

Vergl. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. 1869, p. 791. 


Jura-Forraatlon. 


275 


Meerestlieile, in welchen die Ablagerungen beider Gegenden sich bildeten, 
mit Sicherheit geschlossen werden kann. Der Zusammenhang kann nur 
durch die Lücke zwischen den Karpathen und dem südlichen Ende der 
Karpathen und durch Mähren in der Richtung auf Wien und von hier auf 
Regensburg bestanden haben. In der That sind in Mähren einzelne Partien 
jurassischer Gesteine von gleichem Typus wie die Polnischen und Süd- 
deutschen vorhanden. 

Die Uebereinstimraung ist namentlich in den oberen Gliedern des weis- 
sen Jura (Quenstedt’s Weisser Jura s.) schlagend. Hier ist die Mehr- 
zahl der Arten beiden Gebieten gemeinsam und namentlich findet sich 
darin auch dieselbe Anhäufung fossiler Spongien oder Schwämme in Polen 
wie in Schwaben. Weniger befinden sich die tieferen Glieder des polni- 
schen Jura mit denjenigen in Schwaben in üebereinstiramung. Zunächst 
ist schon das Fehlen des Lias eine Eigenthümlichkeit des oberschlesisch- 
polnischen Jura, welche ihn auffallend von der süddeutschen Entwickelung 
unterscheidet. Dieses Fehlen des Lias ist übrigens nicht auf Polen und 
Oberschlesien beschränkt, sondern gilt bekanntlich für das ganze nordöst- 
liche Europa und namentlich Russland. In Oberschlesien und Polen 
ist die Erscheinung aber dadurch viel bemerkens werther, dass 
hier die untersten Glieder des mittleren oder braunen Jura in 
unmittelbarer und anscheinend durchaus gleichförmiger Auf- 
lagerung auf den obersten Schichten des Keupers aufruhen 
und also eine Unterbrechung der Niederschläge zwischen dem 
Ende der Trias-Periode und der Jura-Periode hier nicht Statt 
gefunden hat. Wo die Schichten des mittleren Jura älteren Bildungen 
ungleichförmig aufgelagert sind, wie z. B. in der Gegend von Moskau 
auf Kohlenkalk, da könnte das Fehlen des Lias durch die einfache An-” 
nähme erklärt werden, dass die betreffende Gegend zu der Zeit als in 
anderen Theilen Europas der Absatz des Lias erfolgte, über dem Meeres- 
spiegel sich befand. Diese Erklärung ist für Obersehlesien und Polen aus- 
geschlossen. 

Auch die petrographische Beschaffenheit des grossentheils aus losem 
gelben Sand bestehenden tiefsten Gliedes des mittleren oder braunen Jura 
von Oberschlesien und Polen, welches von uns als Kostczelitzer Sandstein 
bezeichnet wurde, bildet eine Eigenthümlichkeit im Vergleich zu dem süd- 
deutschen Jura. 

Von der Entwickelung des nordwest-deutschen Jura zeigt sich der- 
jenige in Polen und Oberschlesien sehr abweichend. Namentlich der 
weisse Jura verhält sich ganz verschieden. Die kieseligen Ausscheidun- 

35 * 


276 


Jura-Formation. 


geil von Hornstein und Feuerstein fehlen in Hannover und in den Weser- 
Gegenden ebenso entschieden wie alle Spongien oder Schwämme, welche 
in dem weissen Jura Polens eben so häufig sind wie auf der Rauhen Alb 
in Schwaben und auch die gewöhnlichsten Arten der Brachiopoden, wie 
Rhynchonella lacunosa und Rhyndionella irilohata sind dem weissen Jura 
des nordwestlichen Deutschlands durchaus fremd. So gewiss als zwischen 
den Meerestheilen, in welchen sich der polnische und der schwäbische 
Jura ablagerten, ein directe.r Zusammenhang Statt gefunden hat, eben so 
gewiss fehlte eine solche Verbindung zwischen den Meerestheilen, in 
welchen sich einer Seits der polnische und anderer Seits der nordwest- 
deutsche Jura absetzten. 

Dagegen zeigt alles, was in den Umgebungen der Ostsee, namentlich 
in Pommern und West-Preussen, von jurassischen Ablagerungen bekannt 
ist, mit dem polnischen Jura so viel Verwandtschaft, dass ein Zusammen- 
hang beider in der Tiefe unter den diluvialen und tertiären Schichten 
durchaus wahrscheinlich ist. 


/ 


IV. Kreide -Formation. 


Ablagerungen der Kreideformation sind in dem Kartengebiete in drei 
verschiedenen Gegenden entwickelt, nämlich einmal in dem die Umgebun- 
gen von Teschen, Skotschau, Bielitz, Kenty und Wadowice be- 
greifenden Theile der Nordkarpathen oder Beskiden, dann in der Gegend 
von Oppeln und Leöbschütz und endlich auf dem Ostabfalle des 
jurassischen Höhenzuges zwischen Krakau und Czenstochau. Die 
Kreidegesteine dieser drei Gebiete stimmen unter sich keineswegs über- 
ein, sondern zeigen eine durchaus verschiedene Entwickelung. Sie sind 
deshalb in dem Folgenden auch getrennt zu betrachten. 

Ä. Kreide -Bildungen der Nord -Karpathen oder Beskiden. 

Nur ein schmaler Streifen der Nord-Karpathen zwischen Fried eck in 
Mähren und Wadowice in Galizien fällt in den Bereich unserer Karte. 
Gesteine der Kreide -Formation setzen dieselben vorzugsweise zusammen. 
Dieselben gleichen aber nicht anderen deutschen Kreide-Bildungen, son- 
,dern so wie die Karpathen überhaupt sich in ihrem ganzen orographischen 
und geognostischen Verhalten durchaus als eine Fortsetzung der Alpen 
darstellen, so haben auch diese Kreide-Schichten den für die Kreide-For- 
mation der Alpen und des südlichen Europa in petrographischer und 
palaeontologischer Beziehung bezeichnenden eigenthümlichen Habitus, der 
im auffallenden Contraste zu dem gewöhnlichen Verhalten der typischen 
Kreide-Bildungen im nördlichen Europa steht. Bedeutende Mächtigkeit, 
grosse Armuth an organischen Einschlüssen, steile und gestörte Schichten- 
stellung ist den einzelnen Gliedern der Formation, welche in den Nord- 
Karpathen auftreten, gemeinsam. 

Durch frühere Beobachter, welche sich an der Geognosie der Nord- 
Karpathen versuchten, hatten diese der Kreide -Formation angehören- 


278 


Kreide-Formation. 


den Ablagerungen die verschiedenartigste Deutung erfahren. Die Spar- 
samkeit der organischen Einschlüsse und die verwirrte Schichtenstellung 
erwiesen sich für alle jene Forscher als unüberwindliche Hindernisse für 
die richtige Erkenntniss. Es ist das grosse Verdienst von L. Hohen- 
egger*) zuerst diese Schichten in ihrem Alter sicher bestimmt zu haben, 
indem er die Aufschlüsse benutzte, welche durch den unter seiner Leitung 
stehenden Bergbau auf Eisenerze gewährt wurden. Hohenegger erkannte 
in der von ihm zum Kreide-Gebirge gerechneten mächtigen Reihenfolge von 
Schichten zunächst die drei grossen Hauptabtheilungen der Formation, d. i. 
Neocom, Gault und die obere Kreide d. i. die Kreide über dem Gault. 

In jeder dieser Hauptabtheilungen unterschied er dann wieder meh- 
rere Glieder. Ohne diese Gliederung als durchaus naturgemäss und richtig 
bestätigen zu wollen, werden wir derselben doch in der folgenden kurzen 
Darstellung folgen. Eine eingehende kritische Prüfung der Hohenegger- 
schen Auffassung wird nur mit Hülfe des von ihm gesammelten palaeonto- 
logischen Materials auszuführen sein. 

1. Ncocom. 

Hierher gehört ein mächtiges Schichten -System von grauen oder 
schwarzen Mergelschiefern mit untergeordneten dünngeschichteten unrei- 
nen blau grauen Kalksteinen, welches in vielfach gestörter und oft ganz 
verwirrter Schichtenstellung und an vielen Punkten von dem durch 
Hohenegger als Teschenit bezeichneten eigenthümlichen Eruptiv-Gestein 
durchbrochen das nordwärts von den hohen Sandsteinbergen der Beskiden 


1) Erzherzog Albrecht’scher Gruben- und Hütten-Director in Teschen, geboren 1S07 zu Mem- 
mingen in Baiern, gestorben den 25. August 1864 in Teschen. Die Ergebnisse einer zwanzigjähri- 
gen mit rastloseto Eifer und der grössten Aufopferung durchgeführten geognostischen Erforschung 
der Nord-Karpathen legte der treffliche Mann, nachdem er einige vorläufige Mittheilungen schon 
vorher in dem Jahrbuche der geologischen Reichsanstalt veröffentlicht hatte, nieder in seiner: 
Geognostischen Karte der Nord-Karpathen in Schlesien und den angrenzenden 
Theilen von Mähren und Galizien, nebst Erläuterung mit dem Titel: Die geognosti- 
schen Verhältnisse der Nord - Karpathen in Schlesien und den angrenzenden 
Theilen von Mähren und Galizien, als Erläuterung zu der geognostischen Karte 
der Nord-Karpathen. Gotha 1861. Die Altersbestimmungen von Hohenegger stützten sich 
vor allem auf die organischen Einschlüsse, welche es ihm gelang in den verschiedenen bis dahin als 
versteinerungsleer geltenden Ablagerungen der Nord-Karpathen zu entdecken. Seine umfangreiche 
und höchst werthvolle Sammlung von Versteinerungen, deren natürlicher Aufbewahrungsort eine 
der öffentlichen Sammlungen von Wien gewesen wäre, ist nach seinem Tode für das palaeontolo- 
gische Museum in München erworben worden. Sie enthält ein reiches für die Kenntniss der Nord- 
Karpathen noch weiter zu verwerthendes Material, dessen Verarbeitung Prof. Zittel auch bereits 
erfolgreich begonnen hat. 


Neocom. 


279 


liegende Hügelland, namentlich in den Umgebungen der Stadt Teschen 
zusammensetzt. Hohenegger unterscheidet in dem ganzen hier zunächst 
in Rede stehenden Schichten-Systeme drei Abtheilungen, nämlich : 

1. Untere Teschener Schiefer. 

Graue Mergelschiefer ohne Eisensteinflötze, bis 1200 Fuss 
mächtig. Von Versteinerungen namentlich Belemnites jpolygonalis^ Aptychus 
applanatus und Ammonites bidichotomus enthaltend’). Von dem letzteren 
Ammoniten enthält die Hohenegger’sche Sammlung namentlich ein 
deutlich erhaltenes, bei dem Ausgraben der Bierkeller des Schlossberges 
in Teschen gefundenes Exemplar. 

3. Teschener Kalkstein. 

Vef steinerungsarme, deutlich geschichtete, unreine, dunkel graue Kalk- 
steine von einer Gesammt-Mächtigkeit von etv^a 300 Fuss. Nach Hohen- 
egger lässt dieser Kalkstein wieder zwei Abtheilungen unterscheiden, 
nämlich : 

a. eine untere Abtheilung, welche aus dünnen, hand-dicken bis 
höchstens 1 Fuss dicken Kalksteinschichten besteht. Die einzelnen Schich- 
ten, werden durch dünne helle Schieferthon-Lagen mit undeutlichen Fucoi- 
den getrennt. Gewisse Lagen des Kalksteins haben die Eigenschaften, 
welche sie für die Darstellung von hydraulischem Kalk geeignet machen. 

Die höchst selten vorkommenden Versteinerungen beschränken sich 
auf Belemnites pistilliformiB, Aptychus striato-sulcatus, Aptychus BlainvilleP) 
und einige andere nicht näher bestimmbare Arten von Aptychus, 

b. eine obere Abtheilung, aus mächtigen, 6 — 12 Fuss dicken 
Bänken von sehr sandigem dunkel grauem Kalkstein bestehend, welche 
durch die Verwitterung in Folge eines Gehaltes von kohlensaurem Eisen- 
oxydul sich an der Luft braun färben. Von Versteinerungen hat diese 
obere Abtheilung bisher ebenfalls nur sehr Weniges geliefert. Es be- 
schränkt sich auf eine kleine Exogyra (vielleicht mit Exogyra Tomheckiana 


1) Die Bestimmung der übrigen von Hohenegger a. a. O. S. 23 aus diesen Schichten auf- 
geführten Arten ist mir nach Ansicht der Original-Exemplare in Hohenegger’s Sammlung unsicher, 
oder geradezu unrichtig erschienen. Ueberhaupt werden die von Hohenegger aufgestellten Ver- 
zeichnisse von Leit-Fossilien für die verschiedenen von ihm unterschiedenen Glieder der Kreide- 
Formation mehrfach der Revision bedürfen, für welche die von ihm hioterlassene Sammlung die 
nothige Grundlage gewähren wird. Die Haupt-Ergebnisse der Hohenegger’schen Forschungen wer- 
den übrigens durch diese etwaigen Aenderungen der Bestimmungen nicht angegriffen werden. 

2) Lediglich nach den Bestimmungen von Hohenegger, deren Richtigkeit nicht näher von mir 
geprüft werden konnte. 


280 


Kreide-F ormation. 


d’Orb. identisch), Pentacrinus sp. (vielleicht mit Pentacr. annulatus A. Roe- 
mer identisch!) und kleine Czdam - Stacheln. Beide Abtheilungen des 
Teschener Kalksteins sind übrigens selten in unmittelbarer üeberlagerung 
anzutreffen. Am besten sind sie bei Grolle schau unweit üstron zu 
beobachten. 

8. Obere Teschener Schiefer und Grodischter Sandstein. 

Dieses Schichten-Sjstem besteht aus schwarzen, glänzenden, bituminösen 
Mergelschiefern mit zwei Zügen von Sphärosiderit-Flötzen. Obgleich auch 
noch vier andere Flötzzüge von thonigem Sphärosiderit in jüngeren Glie- 
dern des Flötz- Gebirges in den Beskiden Vorkommen, so liefern doch 
diese Sphärosiderite der oberen Teschener Schiefer bei weitem die Haupt- 
masse des Erzes für den am Nordabfalle der Karpathen vorhandenen 
Hüttenbetrieb. Im Besonderen beruht der Betrieb der Erherzoglich 
Albrecht’schen Eisenhüttenwerke von Baschka, Karlshütte, Trzy- 
nietz und üstron im Fürstenthum Te sehen, so wie derjenige von 
W§gerska Gorka und Obschar in Galizien auf diesen Sphäroside- 
riten. Auch die Hüttenwerke von Witkowitz und Friedland in Mäh- 
ren verhütten zum Theil dieselben Erze. 

Nach oben wechseln die Schiefer mit bituminösen braunen Sandstein- 
Schiefern („Strzolka^^ der Bergleute!). Eigenthümliche Relief- Figuren^) 
auf den Schichtflächen zeichnen diese Sandsteinschiefer aus. An einigen 
Punkten gehen die Sandsteinschiefer in einen festen massigen Sandstein 
von weisser Farbe über, welcher nach dem Vorkommen an dem eine 
Meile westlich von Teschen gelegenen Grodischter Berge Grodischter 
Sandstein von Hohenegger genannt wird. Früher ist dieser Sandstein 
häufig mit jüngeren Karpathen - Sandsteinen verwechselt. Sehr weisse 
Farbe und ein glänzendes Korn zeichnen ihn aus. 

Die oberen Teschener Schiefer, ebenso wie der Grodischter Sandstein 
zeigen übrigens eine äusserst gestörte und verwirrte Schichtenstellung. An 
zahlreichen Punkten sind sie vom Teschenit durchbrochen. 

Organische Einschlüsse sind auch in den oberen Teschener Schiefern 
selten. Nur Cephalopoden sind bisher aus denselben bekannt geworden. 
Belemnites dilatatus Blainv., Ammonites radiatus Bong. (Am, asper Merian) 
und Am. Ästierianus gehören zu den bezeichnendsten. 

Etwas häufiger sind Versteinerungen in dem Grodischter Sandstein. 

1) Hohenegger führt als besonders bezeichnend Comatula Teschenensis auf. Diese ver- 
meintliche Comatula ist aber, wie ich mich durch Ansicht der Original-Exemplare bestimmt überzeugt 
habe, gar kein Radiat und überhaupt kein Körper von nachweisbar organischem Ursprung. 


Neocom. 


281 


Am bezeichnendsten m\ä Aptychus Didayi Coqiiand, Bhyncliolithes acutus 
Blain V. 3 Belemnites dilatatus ^ldiixiY.^ Bel. hicanaliculatusV^l'dinv Nautilus 
Neocomiensis d’Orb. und Ammonites Neocomiensis d’Orb. Ausserdem 
kommen Arten der Gattungen JSfatica, NerineUj Trigonia, Nucula, Beeten, 
Avicula, Rhynchonella u. s. w. vor’). 

4. Wernsdorfer Schichten. 

Eine 400 bis 500 Fuss mächtige Schichtenfolge von glänzenden schwar- 
zen Mergelschiefern mit einem Flötzzuge von thonigem Sphärosiderit, 
welcher namentlich bei dem eine Meile südlich von Stramberg und 
1^|2 Meilen südöstlich von Neu-Titschein in Mähren gelegenen Dorfe 
Wernsdorf in zahlreichen Gruben gewonnen ward. Längs des ganzen 
Nordrandes der Karpathen bildet diese Schichtenfolge eine schmale Zone 
am Fusse der hohen, mehrere Tausend Fuss hoch aufragenden Sandstein- 
Berge. Unmittelbar über diesen Schichten steigen plötzlich die jähen 
Abhänge jener Sandstein-Berge in die Höhe. Getrennt von den Sandstein- 
Bergen ist diese Schichtenfolge durch tlohenegger nur am Grodischter 
Berge westlich von Teschen nachgewiesen worden. 

Die Zahl der organischen Einschlüsse, welche diese Schichtenfolge 
geliefert hat, ist verhältnissmässig gross. Sie kommen theils in den Schie- 
fern, theils in den thonigen Sphärosideriten vor. Die Eisenstein-Gruben 
von Wernsdorf und diejenigen von Lippo wetz südlich von Skotschau 
haben die meisten derselben geliefert. 

Die bezeichnendsten Arten sind nach Hohenegger: Scaphites Yvanii 
P u z 0 s , Crioceras Puzosianus d’Orb., Ancyloceras Puzosianus d’Orb. und 
Ammonites lepidus d’Orb. Die. übrigen Arten sind ebenfalls Cephalopoden 
und gehören namentlich den Gattungen Ammonites, Ancylocems, Toxoceras 
und Belemnites an. Auch eine Anzahl von Landpflanzen ist aus diesen 
Schichten bekannt geworden. 

Was nun die Gleichstellung der vorstehend aufgeführten vier Abthei- 
lungen mit den Gliedern der d’Orbigny’schen Eintheilung der französi- 
schen Kreidebildungen betrifft, so werden von Hohenegger die unteren 
Teschener Schiefer dem unteren Neocom, der Teschener Kalkstein dem mitt- 
leren Neocom, die oberen Teschener Schiefer mit dem Grodischter Sand- 


1) Hohenegger glaubt auch Spuren einer Süsswasser-Fauna und namentlich Arten von Unio 
und Cyrena in dem Grodischter Sandsteine erkannt zu haben. Nach Ansicht der betreffenden Original- 
Exemplare halte ich diese Annahme nicht für genügend begründet und sehe die fraglichen Arten als 
marinen Geschlechtern angehörig an. 


36 


282 


Kreide-Formation. 


stein dem oberen Neocom und endlich die Wernsdorfer Schichten dem 
jjEtage ürgonien^^ und zum Theil dem j^Etage Aptien^^ gleich gestellt. In 
dieser Parallelisirung kann nur etwa zweifelhaft sein, ob wirklich die 
Wernsdorfer Schichten zum Theil auch dem Etage Aptien von d’Orbigny 
entsprechen. Hohen egger stützt diese Annahme auf das Vorkommen 
von gewissen Arten der Gattungen Ammonites und Ancyloceras, Allein 
sofern er nicht zugleich den Nachweis liefert, dass diese Arten in 
einem getrennten höheren Niveau Vorkommen, wird die Anwesenheit 
derselben kaum bestimmen können, die ganze Schichtenfolge für etwas 
Anderes, als ein Aequivalent der oberen Abtheilung des Neocom, d. i. des 
ürgonien von d’Orbigny zu halten, auf welche die Mehrzahl der organi- 
schen Einschlüsse und namentlich so bezeichnende Arten, wie Scaphites 
Yvanii^) und Crioceras Puzosianus mit Entschiedenheit hinweisen“). Dem- 
nach würden alle vier genannten Abtheilungen Hohenegger’s dem Neo- 
com zuzurechnen sein. 

Der besondere petrographische und paläontologische Habitus dieser 
Neocom-Gesteine ist derjenige, welcher die unterste Abtheilung der Kreide- 
Formation in den Alpen und in dem südlichen Europa zeigt, und verschie- 
den von demjenigen mit welchem sie in dem nordwestlichen Deutschland 
und im südlichen England entwickelt ist. Die steile und gestörte Schichten- 
stellung, die bedeutende Mächtigkeit der Schichtenreihe, die auf wenige 
Schichten beschränkte Versteinerungsführung und im Verhältniss zu der 
ganzen Mächtigkeit grosse Armuth an organischen Einschlüssen, die Zu- 
sammensetzung der Fauna fast ausschliesslich aus Cephalopoden und das 
Vorkommen solcher dem Neocom des nördlichen Europa durchaus frem- 
den Arten, wie Scaphites Yvanii, Crioceras Puzosianus, Belemnites dilatatus, 
Aptychus Didayi Coquand u. s. w. begründen vorzugsweise die Aehnlich- 
keit mit dem alpinen Neocom. Was in dem ganzen orographischen und 
geognostischen Bau der Karpathen nachweisbar ist, dass sie nämlich 


1) Diese Art findet sich in schöner Erhaltung und vollständig mit der typischen Form der Pro- 
vence übereinstimmend in den schvt^arzen Schiefern der Eisenstein-Gruben von Wernsdorf. 

2) Nachdem das Vorstehende bereits geschrieben war, sind durch Schenk die in den Werns- 
dorfer Schichten vorkommenden Pflaiizenreste nach dem durch Hohenegger gesammelten Material 
beschrieben worden. (Schenk: Beiträge zur Flora der Vorwelt III. Die fossilen Pflanzen der 
Wernsdorfer Schichten in den Nord -Karpathen. [Dunker und Zittel, Palaeontogr. Bd. XIX., 
18G9, mit 7 Tafeln.]) In Betreff des Alters der Schichten gelangt Schenk zu dem Schlüsse, dass 
die Pflanzen einem Niveau angehören, welches jünger als das Neocom und älter als der Gault ist 
und demnach dem ürgonien entspricht. Zugleich erwähnt er, dass eine durch Zittel ausgeführte 
Untersuchung der thierischen Reste ebenfalls das Resultat ergeben habe, dass die Wernsdorfer 
Schichten jünger, als das ältere Neocom und älter als der Gault sind. 


Gault. 


283 


lediglich eine Fortsetzung der Alpen sind, das zeigt sich in dem Verhalten 
der Neocom-Schichten in den Beskiden besonders deutlich. 

üebrigens ist auch das Vorkommen dieser !Neocom - Schichten mit 
alpinem Habitus in der Gegend von Teschen keineswegs ein ganz ver- 
einzeltes, sondern es steht durch verschiedene andere Punkte am Nord- 
abfall der Karpathen in Mähren und bei Wien mit demjenigen in den 
Alpen selbst in Verbindung. Namentlich hat Peters^) durch die Be- 
stimmung von mehreren Arten der Gattung Aptyclius den Nachweis gelie- 
fert, dass Neocom-Schichten von wesentlich gleichem palaeontologischem 
Habitus, wie diejenigen der Gegend von Teschen bei Kurowitz in Mäh- 
ren, im kaiserlichen Thiergarten bei Wien, in der Gegend von Hallein 
u. s. w. vorhanden sind. 

11. Gault. 

Zu dieser mittleren Abtheilung der Kreide-Formation rechnet Hohen- 
egg er die mächtige Aufeinanderfolge von Sandsteinen, welche die steil 
und zum Theil bis 4000 Fuss hoch aufsteigenden höchsten Bergrücken der 
Nord-Karpathen, wie namentlich den Kniehin, den Smrk und die Lissa 
Hora (4176 Fuss) südlich und südöstlich von Friedeck in Mähren, den 
Trawno und Jaworowi südlich von Teschen, die Czantory bei 
üstron u. s. w. zusammensetzen. Nach den deutlichen Aufschlüssen, in 
welchen die Schichtenfolge in dem südwestlich von Teschen gelegenen 
Godula-Berge zu beobachten ist, hat Hohenegger dieselbe Godula- 
Sandstein genannt. Die ganze Bildung besteht nach ihm aus einer 2000 bis 
3000 Fuss mächtigen Aufeinanderfolge von stärkeren und schwächeren 
Sandstein-Bänken, welche nach unten in sandige Schiefer übergehen, oben 
aber von sehr mächtigen Conglomerat- Bänken, die grösstentheils aus 
Quarzgeröllen , zum Theil aber auch aus Rollstücken von Gneiss und 
anderen krystallinischen Gesteinen bestehen, bedeckt werden. 

Auch ein eigenthümliches, aus grossen Blöcken und Geröllert von 
Stramberger Kalkstein und einem thonigen Cäment bestehendes Con- 
glomerat, welches an einigen Punkten in Mähren, namentlich bei Chle- 
bowitz und Richaltitz südwestlich von Friedeck den Wernsdorfer 
Schichten unmittelbar aufruht, rechnet Hohenegger noch zu derselben 
Bildung. Desgleichen eine Schichtenfolge von dünnen Bänken eines sehr 


1) Die Aptychen der österreichischen Neocomien und oberen Jura- Schichten in: Jahrb, der 
geolog. Reichsanstalt, Jahrg. V., 1854, S. 439 ff. 


36* 


284 


Kreide-F ormation. 


feinkörnigen bandförmig gestreiften dnnkelgrauen an der Luft sich braun 
färbenden Quarz-Sandsteins, welcher zuweilen in ein fast dichtes hornstein- 
artiges Gestein übergeht. Diese Schichtenfolge, welche durch die dünne 
Schichtung der gewöhnlich nur handdicken, selten fussdicken Bänke und 
durch die starke glattflächige senkrechte Zerklüftung lebhaft an das Ver- 
halten der Kieselschiefer in der unteren Abtheilung des Steinkohlen-Gebir- 
ges in Westphalen und auf dem Harze erinnert, bildet eine schmale Zone 
am Fusse der hohen Sandsteinberge längs der ganzen Nord-Karpathen und 
ist an vielen Punkten durch Steinbrüche aufgeschlossen, weil die kieseli- 
gen Sandstein-Bänke .ein sehr geeignetes Wegebau-Material liefern. Ein 
grosser Steinbruch dieser Art wird z. B. bei Wilkowice südlich von 
Biala, an der von Wilkowice nach Saypusch führenden Strasse 
betrieben. 

Die palaeontologischen Beweismittel, auf welche Hohenegg er die 
Zugehörigkeit des Godula-Sandsteins zum Gault stützt, sind sehr schwach 
und unzureichend. Organische Einschlüsse sind in der ganzen Schichten- 
folge von äusserster Seltenheit. Das Wenige, was Hohenegger bei 
jahrelangen Nachforschungen hat auffmden können, beschränkt sich auf 
Folgendes: Zunächst findet sich in dem thonigen Gemente, welches die 
Kalkblöcke des Conglomerats von Chlebowitz verbindet, ein kleiner 
Belemnit, welchen Hohenegger als Belemnites minimus bestimmt. In 
dem Sandsteine über jenem Conglomerat wurde angeblich Ammonites 
Mctyorianus beohSiQhiet Ammonites Dupinianus d’Orb. fand sich in dem 
Sandstein bei Brenna. Der Sandstein am Ostri bei Niedek endlich, 
lieferte Dentalium decussatum, Ammonites mammillatus und ein mit B. Vihrayi 
verwandte Art von Bellerophina, 

Wären diese wenigen Arten zweifellos bestimmt, so würden sie trotz 
ihrer geringen Zahl dennoch genügen, um den Godula-Sandstein mit Sicher- 
heit als Gault zu bestimmen. Allein nach Ansicht der Hohenegger- 
schen Original-Exemplare scheint mir die Bestimmung jener Arten keines- 
wegs so zweifellos. Die unvollkommene Erhaltung der Stücke steht viel- 
mehr einer sicheren specifischen Erkennung der Arten entgegen. Das gilt 
namentlich von Ammonites mammillatus und Ammonites Dupinianus, die 
übrigens auch nur in je einem Exemplare vorliegen. Belemnites minimus 
kann, selbst wenn seine Bestimmung richtig ist, für das Alter der Haupt- 
masse des Godula-Sandsteins nicht wohl beweisend sein, da das ihn ein- 
schliessende Conglomerat unter demselben liegt. 

Wenn demnach die bisherigen palaeontologischen Beweise für das 
angenommene Alter des Godula-Sandsteins unzureichend sind, so ist 


Obere Kreide d. i. Kreide über dem Gault. 


285 


anderer Seits zu bemerken, dass nach den Lagerungs- Verhältnissen des- 
selben zwischen den entschieden als Neocom bezeichneten „Wernsdorfer 
Schichten“^^ und dem wahrscheinlich cenomanen „Istebner Sandstein^^ sein 
Alter nicht wohl ein wesentlich verschiedenes sein kann. 

II!. Obere Kreide d. i. Kreide über dem Gault. 

Friedecker Baculiten-Mergel und Baschka-Sandstein. 

Mit diesen Benennungen bezeichnet L. Hohenegger zwei nach seiner 
Ansicht eng verbundene Glieder der Kreide-Formation in der Gegend von 
Friedeck und Teschen. Die Friedecker Baculiten-Mergel sind 
blaugraue sandige Kalk-Mergel, welche am Schlossberge bei Friedeck 
in steiler Schichtenstellung anstehen. F. v. Hochstetter fand in densel- 
ben kleine in Brauneisenstein verwandelte Exemplare eines Baculiten, 
welchen Hohenegger als B. Faujasii bestimmt. Andere organische Ein- 
schlüsse sind nicht bekannt. 

Baschka-Sandstein nennt Hohenegger nach dem südlich von 
Fried eck gelegenen Dorfe Baschka eine mächtige Schichtenfolge von 
feinkörnigen kalkigen Sandsteinen mit Einlagerungen von Mergeln und 
Hornsteinen. Versteinerungen sind in dieser Schichtenfolge äusserst selten. 
Die wenigen Arten, welche Hohenegger anführt — eine Art Yonlnocera- 
mus und eine Art von Aptychus — sind mir sogar nach Ansicht der 
Original -Exemplare sehr zweifelhaft und gewähren für die Altersbestim- 
mung der Schichten kein sich-eres Anhalten. 

Wenn daher hier beide Schichtenfolgen den senonen Kreidebildungen 
zugerechnet werden, so darf diese Stellung keinesweges als sicher begrün- 
det gelten und wird nur aus dem Vorkommen des Baculites Faujasii als 
einer vorzugsweise senonen Art hergeleitet. 

Yerhreituug der einzelnen Glieder der Kreide -Formation in den Nord- 
Karpathen. 

An der Zusammensetzung der in das Kartengebiet fallenden Theile der 
Kord -Karpathen oder Beskiden zwischen Fried eck und Wadow^ice 
nehmen nur Kreide -Gesteine und eocäne Tertiär -Gesteine und Teschenit, 
das der Gegend eigenthümliche Eruptiv -Gestein, Antheil. Die Keocom- 
Gesteine (Teschener Schiefer, Teschener Kalk und Wernsdorfer Schichten) 
bilden im Allgemeinen eine nördliche, der Gault (Godula-Sandstein) eine 
südliche Zone. Die Verbreitung der von Hohenegger zur oberen Kreide 
d. i. der Kreide über dem Gault gerechneten Gesteine (der Friedecker 


286 


Kreide-F ormation. 


Baculiten - Mergel und des Baschka- Sandsteins) ist ganz untergeordnet. 
Sie beschränkt sich auf kleine Partien in der Umgebung von Fried eck* 
Der Teschenit bildet zahlreiche grössere und kleinere Eruptiv-Gesteine in 
dem Bereiche der Neocom-Gesteine. Die eocänen Tertiär-Schichten tre- 
ten zwischen Friedeck und Bielitz nur in ganz beschränkten Partien 
in der Zone der Neocom-Gesteine hervor* Erst bei Say pusch gewinnen 
sie plötzlich eine grössere Ausdehnung in der Oberfläche. In der Umgebung 
von Wadowic.e sind sie schon die durchaus vorherrschende Bildung und 
noch weiter östlich verdrängen sie die Kreide-Gesteine ganz. 

Die Zone der Neocom- Gesteine beginnt im Westen in der Umgebung 
von Fried eck mit einzelnen zerstreuten Partien. Weiterhin wird sie 
zusammenhängend, erreicht in der Gegend von Te sehen die grösste gegen 
zwei Meilen betragende Breite und verengt sich dann wieder, so dass sie 
südlich von Kenty und Andrychau nur noch einen ganz schmalen 
Streifen zwischen eocänen Tertiär-Schichten und dem Gault bildet* In 
der Gegend von Wadowice hat sich die Zone schon ganz in einzelne 
nicht zusammenhängende Partien aufgelöst. Südlich von Kalw’aria sind 
bei Bugay Wernsdorfer Schichten und Teschener Schiefer entwickelt* 
In den ersteren werden hier Eisensteine, welche die für die Wernsdorfer 
Schichten bezeichnenden Versteinerungen enthalten, gegraben* Bei 
Tluczan, 1 Meile nordöstlich von Wadowice, werden Eisensteine, die 
Teschener Schiefern untergeordnet sind, gegraben. Es ist dies der nörd- 
lichste Punkt der Verbreitung der Neocom-Gesteine. Kur ein ^|4 Meilen 
breiter Zwischenraum trennt hier die zum Hebungsgebiete der Karpathen 
gehörenden Gesteine von den Gesteinen mit dem Typus des mitteldeutschen 
Flötzgebirges, d. i. zunächst von den jurassischen Schichten bei Kamien. 
Schon ausserhalb des Kartengebietes liegt die Neocom-Partie, welche süd- 
lich von Wieliczka sich ausdehnt. 

Die Zone der sandigen Gault-Gesteine oder des Godula-Sandsteins ist 
noch breiter als diejenige der Keocom-Gesteine. Südlich von Te sehen 
und Bielitz beträgt die Breite gegen zwei Meilen. Sehr bemerkenswerth 
ist die plötzliche Verengerung der Zone westlich von Milowka und 
Saypusch und noch mehr als das völlige Abbrechen der ganzen Zone 
südlich von Wadowice. Oestlich von Wadowice sind nur noch ein- 
zelne Partien des Sandsteins bekannt, welche wie Inseln aus dem Gebiete 
der eocänen Tertiär-Gesteine hervortreten* 


Kreide-Formation. 


287 


B. Kreide-Bildungen der Gegend von Oppeln und Leobschütz. 

Unter dieser Bezeichnung werden verschiedene kalkige und sandige 
Glieder der Kreide-Formation zusammengefasst, welche einer Seits in der 
Umgebung von Oppeln und anderer Seits in der Umgebung von Leob- 
schütz und Neustadt ohne allen Zusammenhang mit grösseren Kreide- 
Gebieten mehrere inselartig isolirte kleine Partien zusammensetzen. Ob- 
gleich eine Verbindung an der Oberfläche zwischen den Partien von 
Oppeln und denjenigen von Leobschütz nicht besteht, vielmehr die am 
meisten genäherten Punkte der beiden Gebiete noch durch einen fast vier 
Meilen breiten Zwischenraum, in welchem nur diluviale und tertiäre Ab- 
lagerungen gekannt sind, getrennt werden, so müssen die Kreide-Gesteine 
beider Gebiete doch wohl als demselben Becken angehörig angesehen 
werden, da eine Erhebung älterer Gesteine, welche eine Scheidung 
zwischen den Meerestheilen von Oppeln und Leobschütz während der 
Ablagerung der Kreide-Schichten hätte bilden können, nicht vorhanden ist. 
Im Einzelnen ist freilich die Entwickelung in beiden Gegenden doch 
auch wieder hinreichend verschieden, um eine gesonderte Betrachtung zu 
rechtfertigen. 

a. Kreidebildungen der Umgebung von Oppeln. 

Die hierher gehörenden Kreide-Schichten verbreiten sich in der Umge- 
bung von Oppeln auf beiden Seiten der Oder und sind besonders durch 
den Einschnitt des Oder-Thals unter der Bedeckung der diluvialen und 
tertiären Ablagerungen sichtbar geworden. Auf dem rechten Oder -Ufer 
bilden sie eine an dem Oder-Ufer selbst zu Tage tretende über eine Meile 
lange grössere Partie. Auf dem linken Oder-Ufer erscheinen sie als ein 
schmaler, das Thalgehänge oberhalb Oppeln zusammensetzender Streifen 
und treten in einzelnen kleineren Partien auch weiter westwärts bis nach 
Proskau hin unter den bedeckenden jüngeren Schichten hervor. 

Nur Ablagerungen der oberen Kreide d. i. der Kreide über dem 
Gault sind in der Gegend von Oppeln entwickelt. Alle drei Haupt- 
glieder, in welche nach A. d’Orbignj die obere Kreide zerfällt, sind 
durch dieselben vertreten, die cenomane, die turone und die senone 
Abtheilung. 


288 


Kreide-Formation. 


aa. Cenomane sandige Kreide-SchicKten im Liegenden des turonen Kreide-Mergels 

von Oppeln^). 

1. Geschichtliches. 

Im Liegenden des durch zahlreiche organische Einschlüsse als zur 
turonen Abtheilung der Kreide -Formation gehörend sicher bezeichneten 
weissen Kreide-Mergels von Oppeln ist eine aus losen Sauden und Sand- 
stein-Bänken bestehende cenomane Kreide - Bildung verbreitet. Dieselbe 
ist jedoch nur an wenigen Punkten und auch hier nur unvollkommen auf- 
geschlossen und hat sich deshalb bis auf die jüngste Zeit der näheren 
Beobachtung entzogen. Herr 0. v. Schmid aus Oppeln hat ia einer im 
Jahre 1862 dem königlichen Ober -Bergamte in Breslau eingereichten 
geognostischen Probe -Arbeit die Aufmerksamkeit auf diese sandigen 
Schichten zuerst gelenkt. Er hat ihr allgemeines petrographisches Ver- 
halten beschrieben, ihre Lagerung unter dem turonen Kreide-Mergel fest- 
gestellt und ihr cenomanes Alter vermuthet, wenn auch nicht durch ent- 
scheidende organische Einschlüsse erwiesen. Seitdem hat A. Halfar bei 
Gelegenheit der Aufnahme der Gegend von Oppeln für die geologische 
Karte von Oberschlesien diese Ablagerungen einer näheren Untersuchung 
unterworfen und namentlich eine Anzahl von Versteinerungen in denselben 
gesammelt. Eine vorläufige Notiz, bei welcher diese Versteinerungen für 
die Altersbestimmung benutzt wurden, ist dann von mir über die Bildung 
gegeben worden^). 

2. Verbreitung. 

Diese cenomanen sandigen Schichten bilden eine schmale, nur gegen 
1000 Schritt breite Zone im Süden und Osten der auf dem rechten Oder- 
üfer südlich und östlich von der Stadt Oppeln sich ausdehnenden Partie 
von turonem Kreide-Mergel. Im Oder-Bett bei dem Dorfe Groschowitz 
beginnend lässt sich diese Zone über Grud schütz, und zwar über das 
südwestliche Ende dieses Dorfes, und von da' nordwestwärts bis Gosla- 
witz und selbst, wenn auch nur in undeutlichen Aufschlüssen bis in die 
Nähe von Kempa verfolgen. Allgemein liegt diese Zone in einem tiefe- 
ren Niveau als der weisse Kreide-Mergel, dessen östliche und südliche 
Begrenzung sie bildet, was auf eine leichtere Zerstörbarkeit hin weist. 
Anhäufungen von Diluvial-Sand entziehen weiter gegen Osten und Norden 
diese Ablagerungen der Beobachtung an der Oberfläche. Die deutlichsten 
Aufschlüsse sind' bisher diejenigen bei Groschowitz und Goslawitz. 


1) Auf der Karte mit Kr ® bezeichnet. 

2) Vergl. F. Roemer, Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. XX., 1868, p. 464. 


Kreide-Formation. 


289 


3. Lagerungs Verhältnisse. 

Da die Schichten des Kreide-Mergels von Oppeln flach gegen Westen 
hin einlallen, so deutet schon das Auftreten der sandigen Ablagerungen 
auf der Ostseite des Kreide -Mergels darauf, dass sie durch den Kreide- 
Mergel überlagert werden. Diese Annahme wird durch einzelne Aufschlüsse 
bestätigt. 0. v. Schmid beobachtete in einem am nördlichen Ende des 
Dorfes Groschowitz auf dem Gehöfte des Schulzen abgeteuften 40 Fuss 
tiefen Brunnen unter einer 20 Fuss dicken Lage von weissem Kreide-Mergel 
gelblich graue Sandstein-Bänke in einer gleichfalls etwa 20 Fuss betragen- 
den Mächtigkeit. Das Liegende der Bildung ist nirgendwo beobachtet. 
Aus allgemeinen Gründen ist zu schliessen, dass es durch den Keuper 
gebildet wird, denn die Entfernung von den Keuper-Partien in der Um- 
gebung von Dembio ist eine geringe und jüngere im Alter zwischen Keu- 
per und cenomaner Kreide stehende Ablagerungen, und namentlich also 
jurassische, sind nirgendwo in der ganzen Gegend gekannt. 

N 4. Gliederung. 

So weit die Bildung bis jetzt bekannt ist, lassen sich drei Glieder in 
derselben unterscheiden, nämlich: 

1) Zuunterst fester weisser Sandstein, im Bette der Oder bei 
Groschowitz anstehend und auch in einem am Westende von Groscho- 
witz gegrabenen Brunnen angetrolfen. 

2) Glauconitreicher grauer oder grünlicher Sand, zuweilen 
zu einem lockeren Sandstein verbunden oder einzelne Knollen und unzu- 
sammenhängende Lager von festerem porösen gelblichen oder weissen 
Sandstein enthaltend. Durch Brunnen und Keller in dem Dorfe Groscho- 
witz aufgeschlossen. Lose Stücke der festeren Sandstein-Knollen überall 
im Dorfe Groschowitz und in dessen Umgebung an der Oberfläche 
umherliegend, in grosser Häufigkeit auch in dem Diluvial-Kiese der südlich 
von Groschowitz auf halbem Wege nach Gräfenort unweit der Schle- 
sischen Eisenbahn gelegenen Kiesgruben. 

3) Zu oberst feinkörniger weisser Sandstein mit gewöhnlich 
nur sparsamen feinen Glaukonit-Körnern, welcher vielfach in einen porösen 
leichten Hornstein ( Chert) übergeht, und häufig Schnüre und kleintraubige 
Ueberzüge von Hyalith enthält. Nach oben gegen die Grenze mit dem 
weissen Kreide-Mergel wird der Sandstein kalkreich und geht allmählich 
in den Kreide-Mergel über. Ein Einschnitt der Oberschlesischen Eisen- 
bahn bei Groschowitz und Gräben unweit Kempa schliessen diese 

37 


290 


Krcidc-F ormation. 


Schichtenfolge vorzugsweise auf. Ausserdem liegen Stücke des Sand- 
steins überall auf den Feldern zwischen Groschowitz und Grudschütz 
umher*). 

5. Organische Einschlüsse. 

Vergl. Taf. 27 und 28. 

Im Ganzen ist die in Rede stehende sandige Schichtenfolge arm an 
organischen Einschlüssen. Die meisten derselben wurden in den südlich 
von Groschowitz auf halbem Wege nach Gräfenort unweit der Ober- 
schlesischen Eisenbahn gelegenen Kiesgruben durch A. Halfar gesammelt. 
In diesen Kiesgruben ruht der aus Rollstücken verschiedener Gebirgs- 
Arten bestehende Diluvial-Kies auf einem Lager von weissem Quarzsand 
mit grünen Glaukonit -Körnern. Dieser letztere Sand enthält die Ver- 
steinerungen. Wahrscheinlich gehört er selbst schon zu der cenomanen 
Schichtenfolge. In jedem Falle ist die ursprüngliche Lagerstätte der Ver- 
steinerungen nicht weit von dem gegenwärtigen Fundorte entfernt. Ausser- 
dem wurden verschiedene Versteinerungen und namentlich Turrilites costa- 
tus und Catopygus carinatus in lose an der Oberfläche umherliegenden 
Stücken von grobkörnigem gelben Sandstein in Groschowitz selbst 
beobachtet. Im Ganzen Hessen sich folgende Arten bestimmen. 

Versteinerungen der sandigen Cenoman-Bildung von 
Groschowitz bei Oppeln, 
a. Pflanzen. 

1) Finites lepidodendroides n. sp. ; Taf. 27 Fig. 7, Taf. 28 Fig. 3. 

Auf der Oberfläche eines *[2 Quadrat -Fuss grossen plattenförmigen 
Stückes von graulich weissem Sandstein liegt neben verschiedenen Hohl- 
drücken von längsgestreiften halmähnlichen Pflanzenstengeln der Taf. 27 
Fig. 7 abgebildete Pflanzen-Abdruck. Durch wellenförmig gebogene ver- 
tiefte Längs-Linien werden auf der Oberfläche flach gewölbte längliche 
Felder von elliptischer Form begrenzt, welche an den schmalen Enden 
mit dem nächstfolgenden Felde verbunden sind. Die Oberfläche der E'el- 
der ist längsgestreift und in der Mitte zu einer Längsleiste erhoben. Auf 


1) Namentlich auf der nordwestlichen Seite des Dorfes Grudschütz fand ich auf den Feldern 
kleine selten handgrosse plattenförniige Stücke von grauem, einzelne dunkele Glaukonit-Körner ein- 
schliessenden, kalkigen Hornstein (Chert) oder kieseligem Kalk umherliegen. Kleine Höhlungen 
des Gesteins sind mit kleintraubigem Hyalith ausgekleidet. Auch feine Schnüre von hellfarbigem 
Chalcedon kommen vor. Unter der Lupe zeigt sich das Gestein mit feinen haarförmigen Hohlräumen 
erfüllt, welche von ausgefallenen Spongien-Nadeln herrühren. 


Kreide-Formation. 


291 


den ersten Blick erinnert das Ansehen des Abdrucks lebhaft an dasjenige 
von Lepidodendren des Kohlen -Gebirges 5 aber abgesehen davon^ dass 
eine Art dieses- in der Kreidezeit längst erloschenen Geschlechts hier nicht 
zu erwarten ist, so ist auch die Form der an den Enden nicht geschlosse- 
nen Felder und der Mangel von Gefässnarben in der Mitte der Felder von 
Lepidodendron bestimmt unterscheidend. . Es bleibt nur übrig an Nadel- 
hölzer und namentlich Arten der Gattung Pinus zu denken^ bei welchen 
die Narben der Blätter auf den jüngeren Zweigen oft ähnliche Figiiren5 
freilich von viel geringerer Grösse bilden. Der vorliegende Abdruck 
würde als der Abdruck der unteren oder inneren Fläche eines Rinden- 
stücks des betreffenden Baumes anzusehen sein. Ein erhöhter Rand, 
welcher den Abdruck umgiebt, würde dann der Dicke des Riiidenstückes 
entsprechen. 

Ein zweiter, Taf. 28 Fig. 3 abgebildeter, auf der Oberfläche eines 
kleineren plattenförmigen Sandsteinstücks von demselben Fundorte liegen- 
der Abdruck wird, obgleich in mehreren Beziehungen abweichend, doch 
wegen der allgemeinen Aehnlichkeit vorläufig zu derselben Art gerechnet. 
Die Felder sind hier kleiner und noch weniger an den Enden geschlossen, 
als bei dem anderen Abdrucke und haben in der Mitte eine Vertiefung, die 
dort fehlt. Vielleicht ist es ein Abdruck der Aiissenfläche eines Rinden 
Stücks und die Vertiefungen in der Mitte der Felder entsprechen den vor- 
ragenden Höckern auf der Rinde junger Fichtenstämme, auf welchen die 
Nadeln sich befestigen. Beide Exemplare rühren aus den Kiesgruben bei 
Groschowitz her. 

2) Arundinites Oppelensis n. sp.; Taf. 27, Fig. 6. 

Ein 4^|2 Zoll langer und 1 Zoll breiter fein und gedrängt längsgereifter 
flachgewölbter Stengel-Abdruck, von welchem die Abbildung Fig. 6 nur 
ein Stück darstellt, liegt in weissem Sandstein der gleichen Beschaffenheit, 
wie der die Abdrücke von Finites lepidodendroides einschliessende, aus den 
Kies-Gruben bei Groschowitz vor. Aehnliche in tertiären Schichten 
vorkommende gestreifte Stengel-Abdrücke werden gewöhnlich zu der Gat- 
tung Arundinites gestellt. Die sehr feine und gedrängte Längsstreifung ist 
ein Merkmal, welches die specifische Benennung vorläufig rechtferti- 
gen mag. 

3) Culmites sp.; Taf. 28, Fig. 4. 

Ein fusslanger und zollbreiter Hohldruck eines längsgereiften Stengels 
in weissem Sandstein aus den Kies-Gruben von Groschowitz liegt vor. 
Derselbe zeigt deutliche Quergliederung und zwar so, dass die Interno- 
dien ziemlich die gleiche Länge von etwa zwei Zoll haben. Dass der 


292 


Kreide-F ormation. 


Abdruck von einem halmähnliclien, leicht zusammendrückbaren und nicht 
etwa festem holzartigen Körper herrührt, beweist der Umstand, dass der 
Stengel nicht nur der Länge nach in der Mitte eingedrückt, sondern auch 
der Quere nach an einer Stelle geknickt ist. Die Abbildung Fig. 4 ist die 
Ansicht eines von einem Theile des Stengel-Abdrucks genommenen Grutta- 
percha-Abgusses. Ausser diesem grösseren Stücke liegen noch verschie- 
dene andere Abdrücke und Steinkerne von kleineren längsgestreiften 
Pflanzenstengeln vor. 

4) Fossiles Holz, in dunkelbraunen Hornstein verwandelt und wahr- 
scheinlich einer Coniferen-(}nXi\n\g angehörig, ist in faustgrossen und grösse- 
ren Blöcken in den Kies-Gruben häufig und wird beim Sieben des Kieses 
häufig ausgesondert. Obgleich das Vorkommen auf der ursprünglichen 
Lagerstätte nicht sicher beobachtet wurde, so ist es nach dem Erhaltungs- 
zustände der Stücke doch durchaus wahrscheinlich, dass sie aus den san- 
digen cenomanen Schichten in der Nähe herrühren. 

b. Thier 0. 

5) Siphonia iiyriformis Goldf. ^ Taf. 28, Fig. 1. 

Das abgebildete in dunkelen Hornstein verwandelte Exemplar aus den 
Kiesgruben bei Groschowitz zeigt deutlich die Gattungs-Merkmale von 
Siphonia und passt gut zu Siphonia pyriformis, welche in den cenomanen 
Kreide-Schichten Englands verbreitet ist und namentlich bei Warminster 
und Blackdown vorkommt. Ausser dem abgebildeten liegen mehrere 
andere kleinere und weniger gut erhaltene Exemplare vor. 

6) Siphonia sp.; Taf. 28, Fig. 2. 

Eine fast walzenrunde, oben stumpf endigende Art mit dem für die 
Gattung bezeichnenden auf dem Scheitel mündenden grossen centralen 
Kanäle. Neben dem abgebildeten liegt ein viel grösseres, am oberen 
Ende Zoll dickes Exemplar aus den Kiesgruben bei Groschowitz’ 
vor. Dasselbe ist in hellfarbigen Hornstein verwandelt. 

Ausser den vorstehend genannten Arten liegen von derselben Localität 
noch mehrere andere wegen unvollkommener Erhaltung nicht näher 
bestimmbare Spongien vor und Stücke eines gelblich grauen porösen 
kieseligen Kalksteins, welche auf den Feldern bei Groschowitz umher 
liegen, sind ganz erfüllt mit feinen Kieselnadeln (Spiculae) von Spongien. 

7) Isastrea sp. ; Taf. 27, Fig. 5. 

Das einzige vorliegende Exemplar ist ein mehr als faustgrosses, in 
braunen Hornstein verwandeltes Stück, welches ich selbst in den Kies- 
gruben bei Groschowitz fand. Die Mündungen der Zellen sind nur in 


Kreide-Formation. 


293 


der Form von Steinkernen erhalten. Die Abbildung Fig. 5 ist nach einem 
Guttapercha-Abgusse von einem Stücke der als Steinkern erhaltenen Ober- 
fläche des Korallenstocks gefertigt worden. Dieser Abguss lässt deutlich 
die generischen Merkmale von Isastrea erkennen. Für eine scharfe Ver- 
gleichung mit den übrigen Arten der Gattung genügt jedoch die Erhaltung 
nicht. Die grosse Ungleichheit der Grösse der Zellen ist bemerkenswerth. 

8) Catojpygus carinatus Agass. (Nucleolites cannate G o 1 d f.) ; Taf. 27, 


Fig. 3, 4. 


Nur ein einziges, in demselben Gesteinsstücke mit dem weiterhin auf- 
zuführenden Exemplare von Turrilites costatus eingeschlossenes Exemplar 
liegt vor. Dasselbe ist grösser und weniger gewölbt als die Exemplare 
aus dem Grünsande von Essen und passt in sofern noch mehr zu dem 
Catopygus columbarius d’Archiac, der jedoch nach Desor (Sjnops. Echin. 
foss. p. 283) wahrscheinlich nur eine grössere Varietät des C. carinatus ist. 

9) Rhynclionella sp. 

Nur ein einziges nicht näher bestimmbares Exemplar liegt vor. Das- 
selbe fand sich in demselben Stücke von gelblich grauem, mit Kieselnadeln 
von Spongien erfüllten porösem Sandstein, welches auch Catopygus carina- 
tus und Turrilites costatus enthielt. 

10) Inoceramus striatus Mant. ? 

Nur ein einziges unvollständiges Exemplar, welches eine sichere speci- 
fische Bestimmung nicht zulässt, liegt vor. Dasselbe fand sich in demsel- 
ben Gesteinsstücke mit Turrilites costatus und Catopygus carinatus in dem 
Dorfe Groschowitz. 

11) Turrilites costatus Lam.; Taf. 27, Fig. 2. 

Nur das einzige unvollständige, aber völlig sicher bestimmbare Exem- 
plar, welches die Abbildung darstellt, liegt vor. Dasselbe ist in porösen 
gelblich weissen Sandstein eingeschlossen, von welchem lose Blöcke in 
dem Dorfe Groschowitz umherliegen. Derselbe Block, welcher dieses 
Exemplar einschloss, enthielt ausserdem Catopygus carinatus, Inoceramus 
striatus, Fragmente einer Scyphia mit sehr zierlichem Maschengewebe und 
zahlreiche Kieselnadeln von Spongien. 

12) Ämmonites Rhotomagensis Defr.; Taf. 27, Fig. 1. 

Nur das einzige abgebildete Exemplar liegt vor. Es ist in grobkörni- 
gen Sandstein versteinert und rührt aus den Kiesgruben bei Groscho- 
witz her. Es stimmt in allen Merkmalen vollständig mit gleich grossen 
Exemplaren aus dem cenomanen Kreide-Mergel von Rouen überein. 



294 


Kreide-B'ormation. 


6. Altersbestimmung und Vergleichung mit anderen cenomanen Kreide- 
Bildungen Ober Schlesiens. 

Von den aufgeführten Arten von Versteinerungen genügen Ämmonites 
Bhotomagensis, Turrilites costatus und Catopygus carinatus vollständig, um 
die sandige Schichtenfolge bei Groschowitz und Grudschütz als der 
cenomanen Abtheilung der Kreide -Formation zugehörend zu erweisen, 
denn alle drei sind weit verbreitete Leit-Fossilien der cenomanen Kreide, 
welche in keiner anderen Abtheilung der Formation Vorkommen. Sie 
genügen um so mehr, als auch die Lagerung der sandigen Schichtenfolge 
unmittelbar unter dem unzweifelhaft zur turonen Abtheilung der Kreide- 
Formation gehörenden Kalk-Mergel von Oppeln auf diese Altersstellung 
hinweist. Eine Vergleichung mit den nicht sehr entfernten ebenfalls ceno- 
manen Schichten zwischen Leobschütz und Neustadt liegt nahe. Die 
sandige Beschaffenheit ist beiden gemeinsam, aber das palaeontologisclie 
Verhalten ist durchaus verschieden. Bei der Beschreibung der letzteren 
Ablagerungen wird das gegenseitige Altersverhältniss erörtert werden. 

bb. Turoner Kreide-Mergel von Oppeln ' ). 

1. Geschichtliches. 

Da die Stadt Oppeln auf diesen mergeligen Schichten selbst gelegen 
ist und diese letzteren bis an die Oberfläche reichen, so konnten sie nicht 
wohl der Beobachtung entgehen. Schon C. v. Oeynhausen^) erwähnt 
dieselben und verzeichnet auf der seiner Schrift beigegebenen geognosti- 
schen üebersichtskarte zwei Partien desselben, nämlich eine grössere bei 
Oppeln selbst und eine andere nördlich davon bei Döbern gelegene 
kleinere. In der Altersbestimmung des Mergels irrt freilich C. v. Oeyn- 
hausen, indem er ihn zum erzführenden Kalkstein, d. i. zum Muschelkalk, 
rechnet, aber er hebt doch schon die thonige Beschaffenheit als unterschei- 
dend von dem gewöhnlichen Muschelkalk, wie demjenigen bei Krappitz, 
hervor. Auch auf der im Jahre 1826 erschienenen geognostischen Karte 
von Deutschland in 42 Blättern (von Leop. v. Buch) ist der Kalk-Mergel 
bei Oppeln noch mit der Farbe des erzführenden Kalksteins von Ober- 
schlesien bezeichnet. Mein Bruder A. Roemer^) bestimmte 1840 die 
Stellung des Mergels schon richtig als zum Pläner gehörig und dem 
„Chalk niarl“ der Engländer gleichstehend. Die Verbreitung der Bildung 


1) Auf der Karte mit Kr^. bezeichnet. 

2) Versuch einer geognostischen Beschreibung von Oberschlesien p. 210. 

3) Vergl. Neues Jahrbuch für Mineralogie S. 193. 


Kreide-Formation. 


295 


wurde durch R. v. Garn all auf seiner 1844 erschienenen geognostischen 
Karte von Oberschlesien zuerst im Wesentlichen richtig angegeben ^), Durch 
die für die neue Karte von Oberschlesien von A. Halfar ausgeführten Auf- 
nahmen ist die Verbreitung des Mergels gegen Süd-Westen bis in die Nähe 
von Proskau durch Auffindung mehrerer kleiner aus der diluvialen und 
tertiären Bedeckung hervortretender Partien nachgewiesen worden. 

2. Petrographisches und stratographisches Verhalten, 

Die ganze Bildung stellt eine 70 bis 100 Fuss mächtige Schichtenfolge 
von weissen oder hellgrauen Kalk-Mergeln dar, welche nach unten kieselig 
und hornsteinartig 5 nach oben thonig und lose werden^). Die Haupt- 
masse des Mergels hat die eigenthümliche Beschaffenheit, wie sie für den 
Pläner Sachsens, Böhmens und des nordwestlichen Deutschlands bezeich- 
nend ist, derzufolge das Gestein in dicke, durch ebene Schichtflächen 
begrenzte Bänke abgetheilt ist, innerhalb der Bänke aber jede weitere 
ebenflächige Parallel- Absonderung fehlt, dagegen aber eine krummflächige 
Zerklüftung vorhanden ist, durch welche der Mergel in lauter linsenförmige 
oder flach ellipsoidische Stücke getheilt wird. Ein dünner gelbbrauner 
Ueberzug von Eisenoxjdhjdrat bedeckt meistens die Kluftflächen und 
die Oberfläche der Versteinerungen. Die Festigkeit des Mergels ist 
sehr verschieden. Je grösser der Thongehalt, desto lockerer ist das 
Gestein und desto rascher zerfällt es an der Luft. Besonders thonreich 
ist der Mergel in den auf der linken Oder-Seite gelegenen Partien, wie 


1) Auf der im Jahre 1857 erschienenen zweiten Auflage der Karte ist die Verbreitung des Mergels 
noch richtiger verzeichnet, indem die auf der Karte der ersten Auflage zusammengezogenen Partien 
des Mergels hier getrennt angegeben sind. Irrthümlich sind auf beiden Auflagen der Karte die bei 
Dembio östlich von Oppeln in kleinen Partien dem Keuper -Mergel untergeordneten dünnen 
Schichten von mergeligen Kalkstein (Woischniker Kalk) als Kreide-Mergel verzeichnet. 

Eine im Jahre 1856 im Breslauer üniversitäts -Laboratorium unter Leitung des Geh.-Rath 
Professor Dr. Löwig ausgeführte Analyse des gewöhnlichen Kalk-Mergels, wie er in dem städti- 
schen Steinbruche bei Oppeln gebrochen wird, gab nachstehendes Ergebniss: 

Kohlensaurer Kalk 84,17 
' Thonerde . . . 4,72 

Kieselsäure . . . 7,71 

Wasser .... 3,40 

roo,oo 

Der Mergel von Oppeln hat in neuerer Zeit eine ausgedehnte Verwendung für die Fabrikation 
von Cäment gefunden. Zwei dicht bei der Stadt gelegene Fabriken (von Grundmann und von 
Pringsheim) verarbeiten denselben für diesen Zweck. Ich hatte schon vor der Gründung dieser 
Fabriken einen Indüstriellen in Oppeln auf die Verwendbarkeit des Mergels für die Darstellung von 
Cäment aufmerksam gemacht. Zum Kalkbrennen ist der Mergel bei Oppeln seit langer Zeit 
benutzt. Endlich findet der Mergel auch als Zuschlag auf Eisenhütten Verwendung. So namentlich 
auf der Kreuzburger Hütte und auf der Vorwärts-Hütte bei H'ermsdorf unweit Waldenburg. 


296 


Jura-Formation. 


namentlich bei Sczepanowitz westlich von Oppeln, wo er namentlich 
durch eine dicht an der Landstrasse gelegene Mergel-Grube aufgeschlossen 
ist. In keiner Lage der ganzen Schichtenreihe ist der Thongehalt so gering, 
dass der Mergel zu einem luftbeständigen Kalkstein würde, sondern alle 
Lagen des Mergels zerfallen beim Liegen an der Luft. 

Die Lagerung des Mergels ist ganz flach. Mehr aus allgemeinen Grün- 
den als aus directer Beobachtung an einem einzelnen Punkte ist auf eine 
ganz flache Neigung der Schichten mit einem Einfällen gegen Westen zu 
schliessen. Der Neigungswinkel wird aber kaum mehr als bis 2® betra- 
gen. Der Umstand, dass am Ost- und Südost-Rande der Haupt-Partie des 
Mergels bei Oppeln die sandigen Cenoman-Schichten sich verbreiten und 
anderer Seits auf dem linken Oder-Ufer bei Sczepanowitz thonreiche 
graue Mergel anstehen, welche augenscheinlich jünger sind, als die feste- 
ren weissen Kalk-Mergel bei Oppeln selbst, führt auf die Annahme eines 
flachen Einfallens gegen Westen. In den einzelnen Steinbrüchen scheinen 
die Schichten des Mergels ganz wagerecht zu liegen oder zuweilen zeigen 
sie sich etwas wellenförmig gebogen. 

Die Begrenzung der ganzen mergeligen Schichtenfolge betreffend, so 
wird diese nach unten durch die sandigen Cenoman-Schichten, denen sie, 
wie sich bei Grudschütz und Groschowitz beobachten lässt, gleich- 
förmig aufruht und mit welcher sie durch einen allmählichen Uebergang 
der Gesteinsbeschaffenheit verbunden ist, gebildet. Nach oben fehlt 
dagegen die Begrenzung durch eine gleichförmige aufruhende jüngere 
Schichtenfolge, denn wenn auch die weiterhin zu beschreibenden sandigen 
senonen Schichten bei Dambrau und Sokollnik entschieden jünger 
sind, als die jüngsten Schichten des Mergels, so ist doch nirgends eine 
unmittelbare Auflagerung derselben auf die Mergel zu beobachten. 

3, Verbreitung. 

Der Kreide-Mergel bildet mehrere Partien auf dem rechten und linken 
Oder-Ufer. Die grösste Partie ist diejenige von Oppeln selbst, welche in 
einer Längenerstreckung, von U| 2 Meilen zusammenhängend von Groscho- 
witz bis zum Malapane- Flusse bei Czarnowanz reicht. Gegen Osten 
und Südosten wird diese Haupt-Partie durch die an vielen Punkten nach- 
gewiesenen sandigen Cenoman-Schichten begrenzt. Gegen Westen bildet 
das Alluvium des Oder-Thaies, im Norden dasjenige des Malapane-Thales 
die Grenze. In Oppeln selbst und dicht unterhalb der Stadt steht der 
Mergel unmittelbar am Flussufer zu Tage. Krappitz, wo Muschelkalk 
und bunter Sandstein anstehen und diese Stelle bei Oppeln, wo Kreide- 


Kreide-Formation. 


297 


Mergel zu Tage geht, sind beiJäufig bemerkt, die einzigen Punkte, an 
welchen die Oder in ihrem ganzen langen Laufe von Oderberg bis 
Stettin, feste Gesteins-Schichten durchbricht. Ausser diesen natürlichen 
Aufschlüssen am Oder- Ufer ist der Kreide-Mergel durch zahlreiche künst- 
liche Aufschlüsse und namentlich durch Steinbrüche und. Eisenbahnein- 
schnitte entblösst. Als Untergrund der Felder bei Oppeln bedingt der 
Mergel die im auffallenden Gegensätze zu der Sterilität der weiten ringsum 
verbreiteten Sandflächen stehende Fruchtbarkeit derselben*). 

Ein *|2 Meile breiter Zwischenraum, in welchem diluvialer Kies und 
Sand in grösserer Mächtigkeit herrschen, trennt das nördliche Ende dieser 
Haupt-Partie des Mergels bei Oppeln von einer kleineren Partie bei 
Döbern. Nördlich von Klein-Döbern und östlich von Gross-Döbern 
wird in zahlreichen kleinen Schächten (sogenannten Duckein) weisser 
Kalk-Mergel von den Bauern gegraben. Der Mergel ist weisser und mehr 
kreideähnlich zerreiblich, als bei Oppeln. Auch sind Versteinerungen 
viel sparsamer und einzelne Arten, wie gewisse Zähne von Ptychodus, 
haben sich bisher nur hier allein gefunden. 

Endlich ist nun der Kreide-Mergel auch noch an einem über zwei Mei- 
len nordwestlich von Döbern entfernten Punkte, nämlich südlich von 
Carlsmarkt, wie schon R. v. Carnall auf seiner Karte verzeichnet hat, 
bekannt. Bei der aus wenigen Häusern bestehenden Colonie Kalkberg 
auf der rechten Seite des Stober-Pdusses wurde der Mergel hier früher ge- 
graben und zum Kalkbrennen benutzt. Bei einem Besuche im Jahre 1866 
fanden wir die Brüche nicht mehr im Betriebe, aber noch einzelne Stücke 
des weissen Kalk -Mergels umher liegen. Zugleich beobachteten wir im 
Bette des Stober-Flusses den ganz thonigen Mergel anstehend. Auf der 
Höhe des neben den Häusern von Carlsmarkt aufsteigenden bewaldeten 
Hügels fanden wir einen ebenfalls ganz thonigen Mergel in kleinen Gräben 
unter Diluvial-Kies im Walde aufgeschlossen. Das Vorkommen des Mer- 
gels bei Carlsmarkt ist deshalb bemerkenswerth, weil es mit Wahrschein- 
lichkeit auf das Vorhandensein des Mergels in der Tiefe in dem ganzen 
Zwischenräume zwischen Carlsmarkt und Döbern schliessen lässt. 

Auf der linken oder westlichen Seite der Oder ist der Mergel in einem 
das linke Thalgehänge der Oder bildenden zwei Meilen langen schmalen 
Streifen, der von G ross-Schimnitz bei Halbendorf nordwestlich von 


') Der polnische Name Opole fpole poln. P’eld) für Oppeln deutet auf die wegen der Güte 
des Bodens schon früh erfolgte Urbarmachung des Bodens bei Oppeln, derzufolge die Umgebung 
als Lichtung in dem rings verbreiteten Walde erschien. 


38 


298 


Kreide-Formation. 


Oppeln reicht, verbreitet. Zwischen Gross-Schimnitz^) und Chrzo- 
witz sieht man den Mergel an dem steilen Thalgehänge an vielen Punkten 
anstehen. Er ist thonig und erdig zerreiblich und niemals so fest, wie in 
den Steinbrüchen bei Oppeln. Auch auf dem flachwelligen Plateau 
zwischen Oppeln und Proskau tritt der Mergel an mehreren Punkten 
unter der Bedeckung von diluvialen und tertiären Ablagerungen hervor. 
In der nächsten Umgebung von Proskau wird der Untergrund der Acker- 
felder durch den Mergel gebildet. Der Basalt, der in einer ganz kleinen 
Partie nordöstlich von Proskau hervortritt, hat ihn durchbrochen und 
zum Theil in eigenthümlicher Weise verändert und hart gebrannt. Zwischen 
diesen Partien des Kreide-Mergels auf der linken Oder-Seite und demjeni- . 
gen auf der rechten ist übrigens natürlich ein Zusammenhang unter dem 
Alluvium der Thalsohle der Oder mit Sicherheit anzunehmen. 


1) In einem bei Gross-Schimnitz vor einer Reihe von Jahren gestossenen Bohrloche wurde 
das aus sandigen Schichten bestehende Liegende des Kalk-Mergels bekannt. Durch R. v. Carnall 
(Bergmännisches Taschenbuch, dritter Jahrgang 1846, pag. 45) ist uns das in mehrfacher Beziehung 
wichtige Bohr-Register dieses Bohrloches erhalten worden. Das Bohrloch lag zwischen dem Dorfe 
Gross-Schimnitz und der Fähre bei Konty dicht über dem steilen Thalrande. 


Das Bohr-Register ergab folgende Aufeinanderfolge von Schichten: 

1) Dammerde und Sand 1 Lachter 70 Zoll. 

2) Grauer Mergel und Letten mit Mergelkalk-Rollstücken 1 * — * 

8) Lichtaschgrauer und weisser mergeliger Kalkstein, deutlich und fast 

genau söhlig in 2 bis 4 Zoll starken Bänken geschichtet, in den unteren 

mehr thonigen Lagen mit sehr feinen grauen Punkten (Chlorit) ... 6 * — * 

4) Gelblich grauer und isabellgelber mergeliger Thon mit einzelnen Sandlagen 1 * 50 * 

5) Gelber sandiger Thon mit gröberen Kieseln 2 * 2* 

6) Lichtaschgrauer fester Thon — * 75 » 

7) Isabellgelber sandiger Thon — • 40 » 

8) Dunkelockergelber grobkörniger reiner Quarzsand ........ — • 55 = 

9) Thonige und sandige Schichten aus einem Wechsel von gelben und grauen 

Thonen und festem grauen thonigen Sandstein bestehend 2 * 78 * 

10) Festergelblichweisser bald darauf rauch- u. bläulichgrauer dichter Kalkstein 4 * — * 

11) Licht bläulichgrauer dichter Kalkstein — * 75 » 

12) Gelblich und gräulich weisser dichter Kalkstein 8 * 23 * 

13) Licht asch- und bläulich-grauer Kalkstein, ganz dem blauen Sohlenkalk- 

stein der Friedrichsgrube bei Tarnowitz ähnlich — * 75 * 


32 Lachter 27 Zoll. 

In diesem Bohr-Register sind offenbar, wie auch schon R. v. Carnall gethan, die sub No. 2 
und 3 aufgeführten Schichten als turoner Pläner-Mergel und die Kalkstein-Schichten No. 10 bis 13 
als Muschelkalk zu deuten. Zweifelhaft in Betreff ihrer Stellung können nur die sub No. 4 bis 9 auf- 
geführten thonigen und sandigen Schichten sein. Jedoch können sie wohl mir zur cenomanen Kreide 
oder zum Keuper oder zu beiden gehören. Ich halte das erste für durchaus wahrscheinlich und 
rechne die sub 4 bis 9 aufgeführten Schichten zur cenomanen Kreide. Die Angabe von „gröberen 
Kieseln“ in der Schicht No. 5 passt nur auf die cenomanen Schichten, welehe auch bei Groschowitz 
zum Theil in ein Quarz-Conglomerat übergehen. Keuper ist hier nicht zu erwarten, weil bei dem 
regelmässigen ost-westlichem Streichen der Trias-Schichten in dem ganzen Gebiete zwischen Gross- 
Strehlitz und Krappitz der Keuper erst weiter nördlich im Oder-Thale durchstreichen kann. 


Kreide-Formation. 


299 


4, Organische Einschlüsse. 

Vergl. Taf. 30-37. 

Der Kreide “Mergel von Oppeln ist reich an Versteinerungen und 
namentlich sind gewisse Schichten desselben mit ihnen erfüllt. Da zahl- 
reiche in regem Betriebe befindliche Steinbrüche gute Aufschlüsse gewäh- 
ren 5 so ist auch das Sammeln derselben erleichtert. Die Erhaltungsart 
der Versteinerungen lässt freilich viel zu wünschen übrig und namentlich 
sind die meisten mehr oder weniger verdrückt. Die Vertretung der ein- 
zelnen Abtheilungeii von Thieren betreffend so bilden Spongien oder 
Schwämme nach Zahl der Arten und Individuen den Hauptbestandtheil 
der Fauna. Nächstdem nehmen auch Bracliiopoden , Acephalen oder 
Lamellibranchiateiij Gastropoden^ Ceplialopoden und von den Wirbel-Thie- 
ren Fische an deren Zusammensetzung Theil. 

In dem nachstehenden Verzeichnisse sind alle aus dem Kreide-Mergel 
von Oppeln mir sicher bekannt gewordenen Arten verzeichnet worden. 
Natürlich sind sie nicht alle gleichmässig durch die ganze Mächtigkeit der 
Ablagerung verbreitet^ aber die Vertheilung der Arten in die einzelnen 
Schichten ist noch keineswegs genügend ermittelt. Nur einzelne Bemer- 
kungen konnten in dieser Beziehung bei einzelnen Arten gemacht werden. 

Verzeichniss der organischen Einschlüsse des turonen Pläners 

von Oppeln, 
a, Pflanzen. 

1 ) Ehizodendron oppoliense Göppert: lieber das Vorkommen von 
Baum-Fa;rn in der fossilen Flora 5 insbesondere in der Kreide- 
Formation. Neues Jahrbuch für Mineralogie p. 397- — 399. 

Unter dieser Benennung beschreibt Göppert einen zwei Fuss langeUj 
am unteren Ende vollständig erhaltenen fossilen Stamm eines Baum -Farn 
von Oppeln. Der Stamm ist mit braun gefärbten Luftwurzeln bedecktj 
zwischen denen die Blatt-Narben nur am oberen Theile deutlich hervortre- 
ten. Während man auf den ersten Blick den Stamm eines Baum-Farn der 
Jetztwelt vor sich zu haben glaub t, zeigt sich im Inneren der Stamm in 
dunkele hornsteinartige Kieselmasse versteinert. Die parenchymatösen 
und prosenchymatösen Zellen der Luftwurzeln enthalten noch viel von 
ihrer organischen Substanz und sind daher braun. Nur das Gefässbündel 
in der Mitte derselben ist ungefärbt und liegt als weisser Faden darin. Der 
im Querschlitf sichtbare Holz-Cyliiider erweist sich im Verhältniss zum 
Umfange des ganzen als von sehr kleinem Durchmesser. Der Bau des 

38 * 


300 


Kreide-Formation. 


Ilolz-Cylinders ist durchaus verschieden von demjenigen von Protopteris 
Cottae. Dagegen ist er demjenigen von Älsophila ehenina, einigermassen 
auch demjenigen der lebenden Älsophila pruinosa Klf., ähnlich. Als beson- 
ders bezeichnend für den anatomischen Bau des Stammes hebt Göppert 
die auffallende Dünnheit der Gefässbündelplatten und die grosse Entfer- 
nung derselben von der äusseren festen Rindenschicht, wie sie bis jetzt kaum 
an einem lebenden oder fossilen Baum -Farn bekannt ist, hervor. Den 
krautartigen Farnen nähert sich der Bau des Stammes durch den gänz- 
lichen Mangel einer ausgeprägten Prosenchym- Scheide um die Gefäss- 
platten und die geringe Zahl der dünnen fadenförmigen in die Blatt-Narbe 
eintretenden Gefässbündel. Wegen „des übergrossen Reichthums von 
Luftwurzeln, welche durch kein parenchymatöses Gewebe verbunden sind, 
wie dies bei den Stamm-Farnen gefunden wird,^^ wählt Göppert die 
generische Benennung Rhizodendron. Die Abbildung des anatomischen 
Baues des Stammes wird in der demnächst zu veröffentlichenden Kreide- 
Flora von Schlesien durch Göppert in Aussicht gestellt. Kleinere ver- 
kieselte Stücke solcher Stämme sind auch durch mich selbst bei Oppeln 
gesammelt worden. 

2) Protopteris Sternhergii Cor da. 

Dieser ursprünglich aus cenomanem Sandstein von Kaunitz in Böh- 
men beschriebene Farn kommt nach Göppert (Zeitschr. Deutsch, geol. 
Ges. Bd.XVIL, 1865, p. 647) auch in dem Kreide-Mergel bei Oppeln vor. 

3) Geinitzia cretacea; Taf. 30, Fig. 3, 4. 

Sedites Rahenhorstii Geinitz Char. Sächs. Kreide -Geb. I., p. 97, 
tab. 24, Fig. 5. 

Äraucarites Reichenbachii Geinitz, ibid. p. 98, tab. 24, Fig. 4. 

Cryptomeria primaeva Cor da in: Reuss Böhm. Kreide -Yerst. II. 
p. 89, tab. 48, Fig. 1 — 11. 

Geinitzia cretacea Endlicher, Synops. Conifer. p. 281. 

Es liegen mehrere Zweig -Enden dieser in oberen Kreide -Bildungen 
weit verbreiteten Coniferen-Avt vor. Ein anderes kleineres Exemplar 
stimmt vollständig mit Corda’s Abbildung tab. 48, Fig. 7 überein. Die 
Art ist nach Geinitz und Reuss in dem turonen Pläner Sachsens und 
Böhmens weit verbreitet. Ausserdem wird sie aber aber auch aus ceno- 
manem Quadersandstein Sachsens und Böhmens und aus den senonen 
Schichten von Aachen und Kieslingswalde aufgeführt. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 3 stellt ein grösseres Zweigstück 
dar. Durch die dünne schwarze Kohlenrinde, in welche sich die Blatt- 
Substanz verwandelt hat, hebt es sich von dem weissen Gestein deutlich 


Kreide-Formation. 


301 


ab. Fig. 4 ist die Abbildung eines kleineren Exemplars mit deutlich erkenn- 
barer Blattform. 

4) Finites sp.^ Taf. 30, Fig. 2. 

Haarförmig dünne linearische Blätter mit einem deutlich erkennbaren 
Mittel-Nerv. Die bündelförmige Gruppirung der Nadeln spricht für die Zu- 
gehörigkeit zu den Coniferen, 

Zwei Exemplare liegen vor. 

5) Dicotyledonen-Bla^it von nicht näher bestimmbarer Gattung; 

Taf. 30, Fig. 1. 

Nur das abgebildete einzige Exemplar des oberen Theiles eines Blattes 
liegt vor. Die Zugehörigkeit zu den Dicotyledonen ist zweifellos. Ein 
feiner Mittelnerv und sehr feine von diesem ausgehende Verästelungen 
sind deutlich erkennbar. 

Das Blatt ist von Interesse weil in turonen Kreide-Bildungen die Dico- 
tyledonen sonst kaum vertreten sind. Die anderen bekannten Dicotyledonen 
der Kreide-Formation gehören der senonen Kreide mit Belemnitellen an, 
wie namentlich die ziemlich zahlreichen von Aachen und Haldem. 

b. TMere. 

6) Chenendopora tenuis; Taf. 31, Fig. 1, la, Fig. 3, 3 a, 3 b. 

Manon tenue A. Roemer, Verst. des Nordd. Kreide -Geb. pag. 3 
Taf. I., Fig. 7. 

Manon tenue Reuss, Böhm. Kreide-Verst. pag. 78, tab. XX., Fig. 2. 

Chenendopora tenuis A. Roemer, Spongitarien des Nordd. Kreide- 
Geb. pag. 43, Taf. 15. Fig. 4. (Palaeontogr. von Dunk er und 
H. V. Meyer.) Cassel 1864. 

Ein plattenförmiger, verschiedentlich gekrümmter und namentlich 
unregelmässig lappiger, unvollkommen trichterförmiger oder ohrförmiger 
Schwamm, welcher auf der Aussenfläche mit punktförmigen, dicht gedräng- 
ten, feinen Oetfnungen mit wenig vorstehendem Mündungsrand, auf der 
Innenfläche mit grösseren und entfernter stehenden Oeffnungen mit ring- 
förmig vorstehendem Rande besetzt ist. Die Oeffnungen der bei den 
trichterförmigen Exemplaren gewöhnlich nur sichtbaren Aussenfläche, sind 
so klein, dass man sie bei flüchtiger Betrachtung des Schwammes über- 
sieht und die Oberfläche für dicht hält. 

Es ist kein Zweifel, dass die hier zu beschreibende Art wirklich Manon 
tenue meines Bruders ist, denn derselbe giebt als Fundort ebenfalls Oppeln 
an und ausserdem habe ich das der Beschreibung zu Grunde liegende 
Original-Exemplar in der Sammlung meines Bruders vergleichen können. 


302 


Kreide-F ormation. 


Das von meinem Bruder abgebildete Exemplar ist jedoch ein kleineres und 
die Art erreicht bei Oppeln viel grössere Dimensionen. Es liegen meh- 
rere trichterförmige Exemplare von mehr als 6 Zoll im Durchmesser und 
einer Dicke der Trichtervvand von drei bis sechs Linien vor. Ein einziges 
Exemplar stellt sogar eine einen Fuss und sechs Zoll lange aber nur drei 
Linien dicke sanft gekrümmte und gegen den Umfang hin wellenförmig 
gefaltete Platte dar. 

Reu SS führt die Art auch aus dem Pläner Böhmens auf. Vielleicht 
sind auch M. miliare und M. Phillipsii nur Varietäten dieser Art. Mein 
Bruder A. Ro einer führt die Art auch aus dem Pläner des Harzrandes 
und namentlich aus dem „Scaphiten-MergeP^ von Heiningen auf. 

Vorkommen: Sehr häufig, meistens freilich nur in Bruchstücken. 
Die Substanz des Schwammes ist im Innern häufig in schwarzen oder 
grauen Hornstein verwandelt. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 stellt ein trichterförmiges 
Exemplar in natürlicher Grösse dar. Der Trichter ist der Länge nach 
geschlitzt und ist durch die Zusammenkrümmung einer Platte gebildet. 
Am oberen Rande des Exemplares ist ein Stück abgebrochen, wodurch 
die Dicke der Platte erkennbar wird. Fig. la ist die vergrösserte Ansicht 
eines Stückes der Aussenfläche. Fig. 3 Ansicht eines kleineren ohrförmi- 
gen Exemplars. Fig. 3 a ein Stück der Innenfläche desselben Exemplars 
vergrössert. Fig. 3 b ein Stück der Aussenfläche vergrössert. 

7) Retispongia racliata; Taf. 30, Fig. 5, Fig. 6, Taf. 32. 

Ventriculites radiatus M a n t e 1 1 . 

Scgphia Oeynhamii Go Id fuss. 

Scgphia radiata R e u s s. 

Retispongia Hoeninghausii d’Orbigny, Prodr. Pal. strat. II. p. 284. 

Retispongia radiata A. Roemer, Spongitarien des Nordd. Kreide- 
Geb. pag. 15, tab. VL, Fig. 2. 

Ein dünnwandiger netzförmig durchbrochener Schwamm von der 
Gestalt eines Trichters, dessen Mündung sich oft plötzlich erweitert und 
zu einer tellerförmigen dünnen Scheibe aus breitet. 

Die gew^öhnlichste und schönste Form, in welcher die Art bei Oppeln 
vorkommt, ist diejenige einer ganz flachen kreisrunden netzförmig durch- 
brochenen Scheibe von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser, welche meistens 
durch Eisenoxydhydrat gelb oder braun gefärbt sich gegen das ein- 
schliessende weisse Gestein deutlich abhebt. Die Dicke dieser scheiben- 
förmigen Ausbreitung beträgt gewöhnlich nur U'' und gegen den Umfang 
hin wird sie ganz dünn schneidig. In der Mitte der Scheibe ist die 


Kreide-Formation. 


303 


Bruchstelle eines etwa fingersdicken hohlen senkrechten Stieles, welcher 
die Scheibe getragen hat, sichtbar. Immer sieht man nämlich nur die 
untere Fläche der Scheibe oder deren Abdruck, ohne Zweifel weil die 
obere Fläche wegen grösserer Rauhigkeit fester an dem Gesteine haftet. 
Die gewölbten Zwischenräume der ovalen rundlichen oder abgerundet 
eckigen Maschen bestehen aus einem dichten Fasergewebe, in welchem 
man erst bei genauerer Untersuchung feine punktförmige Oeffnungen wahr- 
nimmt. 

Sehr abweichend von dieser scheibenförmigen Gestalt ist eine andere 
trichterförmige, wie Taf. 30 Fig. 5 darstellt. Es ist ein mässig schnell nach 
oben an Umfang wachsender netzförmig durchbrochener Trichter, welcher 
gewöhnlich etwas von der Seite zusammengedrückt ist. Die Maschen 
sind mehr verlängert und die Zwischenräume höher gewölbt, als bei der 
scheibenförmigen Gestalt. Die Dicke der Wandung des Trichters beträgt 
etwa U". Auf den ersten Blick würde man kaum vermuthen, dass die 
scheibenförmige und die trichterförmige Varietät derselben Art angehören. 
Allein bei genauerer Vergleichung erkennt man, dass der feinere Bau des 
Gewebes bei beiden Formen durchaus derselbe ist und in der That finden 
sich auch Exemplare, welche den Uebergang in Betreff der äusseren Ge- 
stalt zwischen beiden Formen vermitteln. 

Ob wirklich MantelTs Ventriculites radiatus mit unserer Art identisch 
ist, habe ich nicht sicher feststellen können. Dagegen ist ScypJiia radiata 
Reuss sicher die hier in Rede stehende Art. Ebenso d’Orbigny’s 
Retispongia Hoeningliausii (irrthümlich geschrieben statt Oeynhausiil), 

Vorkommen: Dieser Schwamm gehört zu den häufigeren Arten der 
Fauna. Ausserdem ist er auch sonst in turonen und senonen Kreide- 
Bildungen weit verbreitet. Reuss führt die Art aus dem oberen und unte- 
ren Pläner Böhmens, Geinitz (Quadersandstein-Geb. pag. 258) aus dem 
Pläner Sachsens und namentlich von Strehlen auf. Nach A. Roemer 
findet sich die Art in dem nördlich vom Harze liegenden Gebiete im 
„Cuvieri Pläner.“ Ausserdem aber auch in der „Quadraten-Kreide“ und 
in der „Mucronaten-Kreide.“ Uebrigens scheint nirgendwo die Art ver- 
hältnissmässig so häufig als bei Oppeln zu sein und nirgendwo namentlich 
die scheibenförmige Varietät in so schönen und vollständigen Exemplaren 
vorzukommen. 

Erklärung der Abbildungen: Taf. 30, Eig. 5 stellt ein trichter- 
förmiges Exemplar in natürlicher Grösse von der Seite dar. Der Trichter 
ist etwas zusammengedrückt. An dem oberen Ende ist die Trichterwand 
zum Theil w^eggebrochen. Hier sind die Ausfüllungen der Maschen der 


304 


Kreide-Formation. 


Innenfläche des Trichters zu sehen. Die Versteinerungsmasse dieses 
Exemplars ist dunkeier grünlich schwarzer dichter Schwefelkies. Andere 
vorliegende trichterförmige Exemplare sind schlanker und erweitern sich 
nach oben viel allmählicher. Fig. 6 Vergrösserte Ansicht eines Stückes 
der Oberfläche desselben Exemplars. Taf. 32 Ansicht eines scheiben- 
förmigen Exemplars in natürlicher Grösse gegen die untere gewöhnlich 
nur sichtbare Fläche der Scheibe gesehen. In der Mitte ist die Bruchstelle, 
wo der röhrenförmige Stiel sich anfügte, sichtbar. 

8) Crihrospongia fragilis ; Taf. 31, Fig. 2, 2a5 2 b. 

Scyphia fraqilis A. Roemer, Verst. Nordd. Kreide -Geb. pag. 8, 
tab. IIL, Fig. 11 (1841). 

Cribrospongia fragilis A. Roemer, Spongitarien des Nordd. Kreide- 
Geb. pag. 12 (1864). 

Dieser Schwamm stellt sehr dünnwandige niedrige Trichter von drei 
bis fünf Zoll Durchmesser an der Mündung dar. Bei drei bis vier Zoll 
grossen Exemplaren beträgt die Dicke der Trichterwandungen kaum 
^|2 Linie. Meistens sind die Trichter mehr oder weniger von der Seite, 
seltener von oben nach unten zusammengedrückt. Die gewöhnlich nur 
sichtbare Aussenfläche des Trichters ist mit feinen, für das blosse Auge 
noch gerade sichtbaren punktförmigen Poren durchbohrt. Mit der Lupe 
erkennt man, dass diese Poren rundlich oder oval sind und ganz unregel- 
mässig ohne erkennbare reihenförmige Anordnung neben einander stehen. 
Der Durchmesser der Poren ist grösser, als die Breite ihrer Zwischen- 
räume. 

Von der Beschaffenheit der Innenfläche des Trichters bekommt man in 
der Regel nur an solchen Stellen eine Ansicht, an welchen ein Stück der 
Wandung des Trichters fortgebrochen und der Abdruck der Innenfläche 
im Gesteine zurückgeblieben ist. Die Innenfläche zeigt kreisrunde Poren, 
welche im Gegensätze zu den Poren der Aussenfläche in regelmässigen 
Längsreihen angeordnet sind. Ein feines Fasergewebe bildet die Zwischen- 
räume der Poren. 

Mein Bruder hat die Art ursprünglich als Scyphia fragilis, später als 
Cribrospongia fragilis beschrieben und als alleinigen Fundort derselben 
Oppeln angegeben. Es ist daher trotz der unvollkommenen Abbildung 
nicht zweifelhaft, dass die hier zu beschreibende Art wirklich mit der Art 
meines Bruders identisch ist. 

Die von d’Orbigny (Prodr. de Pal. strat. Form. 11. pag. 294) auf- 
gestellte Gattung Cribrospongia begreift die trichterförmigen Arten von 
Goldfuss’ Gattung Scyphia, AevQxi Wandungen von maschenförmigen 


Kreide-Formation. 


305 


OefFnungen durchbrochen sind. Wenn d’Orbignj Goldfuss’ Gattung 
Tragos für synonym mit seiner Gattung erklärt, so ist das offenbar ein 
Schreibfehler (statt Scyjghia)^ da unter den von ihm aufgezählten Arten 
keine von Goldfuss als Tragos, aber viele als Arten von Scyphia be- 
schrieben sind. 

Vorkommen: Nicht selten! Die Substanz des Schwammes ist ge- 
wöhnlich, wie viele der bei Oppeln vorkommenden Schwämme von 
Eisenoxydhydrat durchdrungen und dadurch gelb oder braun gefärbt. 
Diese Färbung bezeichnet deutlich die Grenze des Schwammes gegen das 
weisse Gestein. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 2 Ansicht eines kleineren, etwas 
zusammengedrückten Exemplars von der Seite. Fig. 2 a ein Stück der 
Aussenfläche vergrössert. Fig. 2 b ein Stück der Innenfläche des Trichters 
vergrössert. 

9) Camerospongia fungiformis; Taf. 33, Fig. 3, 4, 5. 

1833 Scyphia fungiformis Goldfuss, Petrif. Germ . 

1841 Scyphia fungiformis A. Roemer, Verst. Nordd. Kreide-Geb. 
pag. 7. 

1841 Marion monostoma A. Roemer, Verst. Nordd. Kreide-Geb. 
pag. 2, tab. I., Fig. 8. 

1847 Camerospongia fungiformis d’Orbigny, Prodr. Pal. strat. II. 
pag. 285. 

Cephalites campanulatus Toulmin Smith, On the Ventricu- 
lidae of the Chalk in : Annals and Magaz. of nat. hist. Vol. I. 
Sec. Ser. 1848. pag. 289, tab. XIV., Fig. 12, 13. 

1852 Scyphia fungiformis Bronn, Leth. geognost. ed. 3. Th. V. 
pag. 70, tab. XXIX., Fig. 6 a, b, c. . 

1859 Camerospongia fungiformis E.deFromentel, Intr o d . ä Fetude 
des eponges foss. pag. 41, tab. IL, Fig. 16. 

1864 Camerospongia fungiformis A. Roemer, Spongitarien des 
Nordd. Kreide-Geb. in: Palaentograph. Cassel 1864, p. 5. 

Dieser Schwamm besteht aus einer oberen halbkugeligen und einer in 
einen dünnen Kiel auslaufenden kreiselförmigen unteren Hälfte. Die Ober- 
fläche der oberen halbkugeligen Hälfte besteht aus einem sehr feinen und 
dichten Faser-Gewebe und erscheint dem blossen Auge glatt und nicht 
porös. Den Scheitel nimmt eine grosse kreisförmige Oeffnung ein, welche 
mit einem leistenförmig vorstehenden glatten Rande umgeben ist. Nach 
unten ist die halbkugelige obere Hälfte durch einen wellenförmig hin und 
her gebogenen vorstehenden Saum begrenzt. 


39 


306 


Kreide-^’ ormation. 


Die untere kreiselförmige Hälfte ist mit dicken Wülsten und rundlichen 
Höckern bedeckt und besteht aus einem mit blossem Auge deutlich erkenn- 
baren netzförmigen Fasergewebe. Einige der rundlichen Höcker sind auf 
der Spitze mit einem kleinen rundlichen Loch oder Einsenkung versehen. 

Unter der Benennung Scy'phia fungiformis hat Goldfuss diesen 
Schwamm zuerst von Coesfeld in Westphalen beschrieben und abgebil- 
det. Später hat ihn mein Bruder A. Roemer, ohne seine Identität mit 
der Goldfuss’schen Art, die er besonders autführt, zu erkennen, als Manon 
monostoma von Peine in Hannover und von Oppeln beschrieben. Nach- 
her wurde die Art für d’Orbigny die Veranlassung zu der freilich sehr 
ungenügend begrenzten Gattung Camerospongia. Nur ein Jahr später 
nannte Toulmin Smith dieselbe oder eine ihr jedenfalls sehr nahe 
stehende Art der gleichen Gattung aus der weissen Kreide Englands 
Cephalites campanulatus und gab eine eingehende Darstellung von dem bei 
den stets durch Druck veränderten deutschen Exemplaren niemals deut- 
lich erkennbaren inneren Bau. Neuerlichst hat mein Bruder A. Roemer 
die Art wieder unter der d’Orbigny’ sehen Benennung aufgeführt. 

Die nahe Verwandtschaft der Gattung Camerospongia mit Coeloptycliium 
ist an dieser Art deutlich erkennbar. Das Vorhandensein eines mit dich- 
ter glatter Oberfläche versehenen oberen Theils und eines tief gefalteten 
unteren Theils mit deutlich gitterförmig durchbrochenen Gewebe ist nament- 
lich beiden Gattungen gemeinsam. Mit Recht stellt daher mein Bruder die 
Gattung Camerospongia in die Familie der Coeloptychiden und zunächst zu 
Coeloptycliium, 

Vorkommen: Die Art gehört zu den häufigsten Fossilien der Schich- 
ten von Oppeln und ist jedenfalls die bezeichnendste Spongie dieser 
Schichten. Stets sind die Exemplare mehr oder minder verdrückt, was 
bei der Dünnheit der die inneren Falten bildenden Membranen, wie sie sich 
aus der Darstellung von Toulmin Smith ergiebt, nicht auffallen kann. 
Gewöhnlich sind die Exemplare von oben nach unten zusammengedrückt, 
und meistens ist dann nur die glatte obere Hälfte des Schwammes mit der 
grossen Scheitelötfnung sichtbar. Seltener sind die Exemplare von der 
Seite zusammengedrückt. In diesem Falle gelingt es zuweilen eine Seiten- 
Ansicht der gefalteten unteren Hälfte des Schwammes zu erhalten. Nach 
den Abbildungen von Toulmin Smith ist der Schwamm unten mit einem 
dünnen Stiele festgewachsen. Nur einmal habe ich an einem Exemplare 
von Oppeln einen solchen unten in mehrere Wurzeln sich verzweigenden, 
Stiel mit dem Haupttheile des Schwammes in Verbindung gefunden, wie 
es Fig. 3 darstellt. 


Kreide-F ormatlon. 


307 


Die Verbreitung der Art scheint aus den Scaphiten-Schichten des Plä- 
ners bis in die. echte weisse Kreide mit Belemnitella mucronata zu reichen. 
Aus dem Scaphiten-Pläner führt sie mein Bruder ausser von Oppeln auch 
von Heiningen im Herzogthum Braunschweig an. Nach demselben Autor 
soll sie häufig sein in der „Quadraten-Kreide^^ bei Ilsenburg, Eikhorst, 
Vordorf und Peine. Bei Coesfeld, von wo das Original-Exemplar 
von Groldfuss stammt, sind nur obere senone Kreide-Schichten m\i Belem- 
nitella mucronata bekannt. Der wahrscheinlich mit unserer Art identische 
Cephalites campanulatus von To ulmin Smith gehört, wie schon bemerkt 
wurde, der weissen Kreide von England an. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 3 stellt ein vollständiges Exem- 
plar von der Seite dar. Fig. 4 Ansicht der halbkugeligen glatten oberen 
Seite. In dieser Ansicht von oben stellt sich der Schwamm am häufigsten 
dar. Meistens jedoch mehr oder minder verdrückt. Fig. 5 Vergrösserte 
Ansicht eines Stückes der Oberfläche, welches theils der glatten Oberseite, 
theils der Warzen und Wülste tragenden unteren Seite angehört und in der 
Mitte durch den die obere halbkugelige Hälfte begrenzenden wellenförmig 
gebogenen Rand quer getheilt wird. 

10) Camerospongia megastoma; Taf. 33, Fig. 6. 

Manon megastoma A. Roemer, Verst. Nordd. Kreide-Geb. pag. 3, 
tab. L, Fig. 9 (1841). 

Manon megastoma Reuss, Verst. Böhm. Kreide-Form. pag. 77, 
tab. XX., Fig. 1, tab. XLIII., Fig. 9 (1846). 

? Manon verrucosum idem ibidem pag. 77, tab. XX., Fig. 6. 

Cephalites perforatus Toulmin Smith, Ventriculidae of the chalk 
in Ann. and Magaz. nat. hist. Vol. L, Sec. Ser. 1848, pag. 294, 
tab. XV., Fig. 2. 

Porospongia megastoma A. Roemer, Spongitarien des Nordd. 
Kreide-Geb. pag. 9 (1864). 

? Porospongia micrommata idem ibidem. 

Dieser Schwamm gehört jedenfalls in dieselbe Gattung mit dem vorher- 
gehenden. Denn die Beschaffenheit der glatten dichten Oberfläche, die 
scharfe Umrandung der Oeffnungen und der scharfe Absatz der oberen 
Hälfte gegen die gitterförmig durchbrochene untere ist derjenigen bei 
Camerospongia fungiformis durchaus ähnlich. Die untere Seite ist bei 
deutschen Exemplaren niemals deutlich wahrzunehmen, sondern höchstens 
sind die Durchschnitte der die Unterseite bildenden gefalteten Membran 
als undeutliche durch Eisenoxydhydrat gelbbraun gefärbte Linien sichtbar. 
Toulmin Smith hat dagegen den inneren Bau an Exemplaren der weissen 

39 * 


308 


Kreide-Formation. 


Kreide deutlich wahrgenommen und mit demjenigen der vorigen Art gene- 
risch übereinstimmend gefunden. 

Die Form und Grösse der Oeffnungen auf der Oberseite ist augenschein- 
lich veränderlich. Während bei dem abgebildeten Exemplare der Durch- 
messer der Oeffnungen die Hälfte oder ein Drittel ihres Abstandes von 
einander beträgt, sind sie bei einem anderen vorliegenden Exemplare 
doppelt so gross und ihr Durchmesser ist ungefähr ihrem durchschnittlichen 
Abstande gleich. Deshalb ziehe ich mioh Manon verrucosumJiQ\\.Qs und 
Porospongia macrommata A. Roemer hierher. Ebenso scheint auch die 
ganze Fornf des Schwammes sehr veränderlich. Bei dem, abgebilde- 
ten Exemplare ist die Begrenzung unregelmässig elliptisch; bei anderen 
rundlich. 

Vorkommen: Nicht häufig. Es liegen nur vier Exemplare vor. Die 
Verbreitung reicht jedenfalls aus dem Scaphiten-Pläner bis in die weisse 
Kreide. Aus letzterer beschreibt sie To ul min Smith. Aus der jjQua- 
draten-Kreide^^ von Peine ist die Art ursprünglich durch meinen Bruder 
beschrieben worden. Nach Reuss soll die Art bei Bilin im oberen und 
im untersten Pläner verkommen. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 6 stellt ein Exemplar von oben 
gesehen in natürlicher Grösse dar. 

11) Siplionia elongata; Taf. 33, Fig. 1, 2. 

? Siphonia elongata Reuss, Verst. Böhm. Kreide-Form. pag. 73, 
tab. 43, Fig. 1. 

Ein birn- oder keulenförmiger Schwamm mit verlängertem dünnen Stiel, 
welcher in Betreff der allgemeinen Form gut mit der von Reuss gegebe- 
nen Beschreibung und Abbildung der S, elongata aus dem böhmischen 
Pläner übereinstimrat, ohne dass die Identität durch Vergleichung mit 
böhmischen Exemplaren sicher festgestellt werden konnte. Reuss citirt 
als Synonym Jerea elongata Michel in und der französische Autor seiner 
Seits Siplionia cylindrica A. Roemer. Ob mit Recht kann hier nicht ent- 
schieden werden. 

Vorkommen: Nicht häufig! Es liegen vier Exemplare vor, von 
denen eines eine offenbar zufällige tiefe Einschnürung in der Mitte der 
Keule hat. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 Ansicht eines vollständigen 
unverdrückten Exemplars in natürlicher Grösse von der Seite. Fig. 2 
Ansicht eines unten in mehrere Wurzeln sich theilenden Stiels, dessen Zu- 
gehörigkeit zu der Art jedoch nur nach dem Zusammenvorkommen ver- 
muthet wird. 


Kreide-Formation. 


309 


12) Limnorea nohilis A. Roemer, Norddeutsche Kreide -Spongitarien 

pag. 37, Taf. XV., Fig. 1 ; Taf. 37, Fig. 16. 

Ein cyiindroidischer einfacher oder aus mehreren verwachsenen cylin- 
droidischen Individuen bestehender Schwamm, welchen man zu der Gat- 
tung Siphonia stellen würde, wenn nicht die für Limnorea bezeichnende 
den unteren Theil überziehende dichte Haut (Epitheca) es verböte. 

Vorkommen: Es liegen drei Exemplare aus den nach der frühe- 
ren geognostischen Betrachtung jedenfalls zu den jüngsten der ganzen 
Schichtenreihe des Pläners bei Oppeln gehörenden Schichten von Scze- 
panowitz auf dem linken Oder-Ufer vor. Das eine aus drei cylindroi- 
dischen Individuen bestehende Exemplar von Faustgrösse lässt die gene- 
rischen Merkmale deutlich erkennen und zeigt namentlich die runzelige 
Epitheca deutlich. Nach A. Roemer kommt die Art in der „Cuvieri- 
Kreide^^ und in der „Quadraten-Kreide^^ an mehreren Stellen am Fusse 
des Harzes vor. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 16 stellt ein kleines und unregel- 
mässiges einfaches Exemplar dar. Die Epitheca ist von dem Zeichner 
nicht deutlich genug angegeben worden. 

13) Plocoscyphia labyrinthica; Taf. 33, Fig. 7, 8. 

Plocoscyphia labyrinthica Reuss, Verst. Böhm. Kreide-Form. p. 77, 
tab. XVIIL, Fig. 10. 

Da nur ein einziges unvollständiges Exemplar vorliegt, so ist die Be- 
stimmung nicht zweifellos. Der Schwamm besteht aus einer dünnen, nur 
^|2 Linie dicken, fein netzförmig durchbrochenen Membran, welche in ganz 
unregelmässiger Weise in wulstförmige Erhabenheiten und dazwischen 
liegende Depressionen gefaltet ist und einzelne wenige grosse deutlich 
umrandete und fast röhrenförmig vorstehende Oeffnungen trägt. Reuss 
führt seine Art aus dem „oberen Plänerkalke“ von Kutschlin und Lieb- 
schitz an. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 7 Ansicht in natürlicher Grösse 
von oben. Fig. 8 stellt ein Stück der Oberfläche vergrössert dar. 

14) Cylindrospongia angustata; Taf. 30, Fig. 7, 8. 

Scyphia angustata A. Roemer, Verst. Norddeutsch. Kreide-Geb. 
p. 8, tab. ni., Fig. 5. (1841). 

Scypcia cribrosa Phillips bei A. Roemer, ibidem p. 9 (pars). 

Scyphia angustata Geinitz, Charakt. Sächs. Kreide-Geb. p. 95, 
tab. XXm., Fig. 9. (1842). 

Scyphia angustata Reuss, Verst. Böhm. Kreide -Form. II. p. 74, 
tab. XVII., Fig. 11. (1846). 


810 


Kreide-F ormation. 


Amoi'phospongia angustata d’Orb., Prodr. Pal. strat. II.jp. 289. (1847). 

Cylindrospongia angustata A. Roemer, Spongitarien des Nordd. 

Kreide-Geb. p. 22, tab. VIII., Fig. 10. (1864.) 

Die Oeffnungen auf den Seiten dieses verlängert trichterförmigen 
Schwammes variiren bedeutend in Betreff der Regelmässigkeit der Form 
und der Anordnung. Gewöhnlich sind sie rundlich oder oval und stehen 
regelmässig alternirend in geraden Längsreihen. Zuweilen sind sie unregel- 
mässig dreieckig und von sehr ungleicher Grösse. Gewöhnlich sind einige 
schwache Einschnürungen des Trichters in ungleichen Abständen vor- 
handen. 

Vorkommen: Die Art ist neben Camerospongia fungiformis der häu- 
figste Schwamm und eines der häufigsten Fossilien der Fauna von Oppeln 
überhaupt. Auch sonst ist sie in dem gleichen oder in nahestehenden 
Mveau’s weit verbreitet, namentlich am Harze, in Sachsen und in Böh- 
men. Mein Bruder A. Roemer giebt den „Scaphiten-Pläner^^ als die 
eigentliche Lagerstätte der Art an. Ursprünglich beschrieb er sie aus 
dem Pläner von Schönau bei Teplitz. Wenn er übrigens auch Scyphia 
cribrosa von Oppeln aufführt, so kann er darunter keine andere als die 
hier in Rede stehende Art verstanden haben. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 7 stellt ein grosses Exemplar 
in natürlicher Grösse von der Seite gesehen dar. Das untere Ende ist wie 
an allen übrigen vorliegenden Exemplaren abgebrochen. Fig. 8 ein Stück 
der Oberfläche vergrössert. 

15) Parasmilia centralis; Taf. 34, Fig. 1. 

Madrepora centralis Mant. 

Turhinolia centralis A. Roemer, Geinitz, Reuss etc. 

Parasmilia centralis M. Edwards etJ. Haime. 

Nur zwei Exemplare dieser in senonen und turonen Kreide-Bildungen 
weit verbreiteten Art liegen vor. Beide sind kleiner als die in den seno- 
nen Kreide-Mergeln Norddeutschlands verkommende Form. Nach Reuss 
und Geinitz ist die Art auch im oberen und unteren Pläner von Sachsen 
und Böhmen verbreitet. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 1 stellt das grössere der beiden 
vorliegenden Exemplare in natürlicher Grösse von der Seite gesehen dar. 

16) Micraster Leshei; Taf. 34, Fig. 3. 

Spatangus Leshei DesmouL, Tabl. synon. p. 392. 

Micraster hreviporus Agass., Catal. raison, p. 130. 

Micraster Leshei d’Orbigny, Pal. Fr. p. 215, PI. 869. 

Bekanntlich hat die specifische Begrenzung des Micraster cor-anguinum, 


Kreide-F ormation. 


311 


der typischen Art der Gattung Micraster, seit langer Zeit die niannichfach- 
sten Erörterungen veranlasst und unterliegt noch heute sehr verschiedener 
Auffassung bei den verschiedenen Autoren. Die ursprüngliche Art ist in 
viele andere getheilt worden, die dann von d’Orbigny und zum Theil 
auch von Desor der Mehrzahl nach wieder mit der Hauptart vereinigt 
wurden. Zu den Arten welche d’Orbigny, Desor und Andere als selbst- 
ständige Arten neben dem typischen M, cor-anguinmn anzuerkennen sich 
veranlasst gefunden haben, gehört namentlich Micraster Leskei d’Orbigny 
Pal. Franc, p. 215, PI. 869 (M, breviporus Agass.). Die Art soll nach 
d’Orbigny durch die mehr verlängerte Gestalt und die geringere Wöl- 
bung der Schale, die mittlere Lage des Scheitels und die viel geringere 
Länge der Ambulacren von M. cor-anguinmn sich unterscheiden. Die 
meisten der Exemplare von Oppeln zeigen diese Merkmale und sind 
namentlich durchgängig länger als breit. Ich rechne daher diese gewöhn- 
liche Form von Oppeln zu dem M, Leskei, obgleich auch breitere Exem- 
plare Vorkommen, welche den üebergang zu dem ächten M. cor-anguinum 
zu vermitteln scheinen. Wenn Desor (Synops Echin. foss. p. 366) als 
bezeichnend für den Leskei auch die flache kaum concave Form der 
Ambulacren angiebt, so passt das nicht zu den Exemplaren von Oppeln, 
bei welchen die Ambulacren eben so tief wie bei dem M, cor-anguinum 
aus der englischen weissen Kreide liegen. 

Vorkommen: Die Art ist das häufigste Echinid und eines der häufig- 
sten Fossilien der Fauna von Oppeln überhaupt. Gewöhnlich findet sie 
sich nur in der Erhaltung als Steinkern und ausserdem mehr oder weniger 
verdrückt. Es liegen aber auch mehrere vollständig mit der Schale erhal- 
tene unverdrückte Exemplare vor. Die vollständigste Uebereinstimmung 
besteht mit Exemplaren aus dem Pläner von Strehlen und Weinböhla 
in Sachsen. Ein einzelnes der vorliegenden Exemplare hat die ungewöhn- 
liche Grösse von 3 Zoll Länge, Zoll Breite und 1^|2 Zoll Höhe. Die 
Abbildung Fig. 3 stellt ein Exemplar mittlerer Grösse dar. 

Nach Desor soll Af. Leskei aus der weissen Kreide bis in den „Sca- 
phiten-Mergel“ hinabreichen und in demselben namentlich bei Langels- 
heim am Harze Vorkommen, während M. cor-anguinum auf die eigentliche 
senone Kreide mit Belemnitellen beschränkt ist. Hebert erklärte bei 
seiner Anwesenheit in Breslau im Jahre 1869 die Uebereinstimmung der 
Exemplare von Oppeln mit französischen Exemplaren des Af. Leskei, 

17) Micraster sp: 

Durch rundlichen Umriss und flachere Einsenkung des vorderen unpaaren 
Ambulacrums, so wie durch stärkere Stachelwarzen der Oberfläche von 


312 


Kreide-Formation. 


der vorigen Art unterschieden. Es liegen zwei Exemplare aus denselben 
Schichten von Sczepanowitz vor, in welchen die vorher erwähnten 
Exemplare \ on Limnorea nohilis A. Roemer gefunden wurden und sind 
wie diese mit den drei Linien grossen Schalen eines kleinen S;pondylus 
bewachsen. Das Vorkommen in einem Niveau über der Hauptmasse des 
M. Leshei verstärkt die Wahrscheinlichkeit einer specifischen Verschieden- 
heit von dem M. LeskeL 

18) Anancliytes ovata Lam.* Taf. 34, Fig. 2. 

Weniger häufig als Micraster Leskei gehört diese Art immerhin zu den 
häufigsten Arten der Fauna. Meistens findet sie sich mehr oder minder 
verdrückt. Auch v. Strombeck führt die Art als bezeichnend für die 
„Scaphiten-Mergek^ auf. Sonst ist sie bekanntlich auch in den senonen 
Schichten mit Belemnitella weit verbreitet. Die Exemplare von Oppeln 
erreichen niemals die Grösse der grösseren Exemplare dieser letzteren 
Schichten, wie z. B. derjenigen von Haldem in Westphalen. 

19) Holaster planus; Taf. 37, Fig. 1, 2. 

Spatangus planus M a n t e 1 1. 

Holaster planus Agassiz, Prodr. I., p. 183. (1836.) 

Holaster planus d’Orbignj, Pal. Franc. Terr. Cretac. Vol. VI. 
p. 116, tab. 821. 

Holaster planus Desor, Synops. des Echinides p. 342. 

Holaster sp. nov. v. Strombeck, in: Zeitschr. der Deutsch, geol. 
Ges. Bd. IX., p. 417. 

Durch die Höhe der Schalenwölbung und die Seichtigkeit der Furche 
für den vorderen unpaaren Fühlergang ist diese Art vor den meisten Arten 
des Geschlechts ausgezeichnet. In dem mehr oder weniger verdrückten 
Zustande, in welchem die Art gewöhnlich vorkommt, kann sie leicht für 
den bei Oppeln häufigen Änanchytes ovatus gehalten und so übersehen 
werden, da die Höhe der Schale derjenigen dieser letzteren Art oft fast 
gleich kommt und der Ausschnitt des vorderen Umfangs der Schale durch 
die Furche für die unpaare Ambulacral-Furche wenig auffallend ist; Die 
Ebenheit der unteren Fläche, auf welche sich die specifische Benennung 
der Art bezieht, trägt ebenfalls dazu bei, die allgemeine Gestalt derjenigen 
von Änanchytes ovatus ähnlich zu machen. Die vordere Ambulacral-Furche 
wird durch zwei mit feinen Tuberkeln besetzte Kanten begrenzt. 

Unter den anderen Arten des Geschlechts kommt der cenomane Holaster 
Trecensis Leym dieser Art durch hohe Wölbung der Schale nahe, ist aber 
nach d’Orbignj specifisch bestimmt verschieden. 

Vorkommen: Nicht so häufig wie Micraster cor-anguinum und Änan- 


Kreide-Formation. 


313 


chytes ovatus, aber doch keineswegs selten! In England und Frankreich 
ist die Art in der weissen Kreide verbreitet. Die Art, welche v. Strom- 
beck als Holaster sp. nov. als bezeichnend für die „Scaphiten-Schichten^* 
des oberen Pläners, zugleich aber auch aus den „weissen Brongniarti- 
Schichten"^ und den „Galeriten-Schichten^^ aufführt, ist mit dieser Art iden- 
tisch, wie V. Strom b eck seitdem selbst erkannt hat. In grosser Häufig- 
keit kommt sie im weissen Brongniarti -Pläner bei Wolfenbüttel vor. 
Exemplare, welche ich im Jahre 1868 von diesem Fundorte durch v. Strom- 
beck erhielt, stimmen vollständig mit Exemplaren von Oppeln überein. 
Nur sind sie durchgängig etwas kleiner. Von anderen deutschen Autoren 
scheint die Art übersehen zu sein. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 zeigt ein ziemlich grosses 
Exemplar in natürlicher Grösse von oben, Fig. 2 dasselbe von der Seite. 

20) Terebratula semiglohosa Sow. ; Taf. 34, Fig. 9. 

Das häufigste Brachiopod und eines der häufigsten Fossilien der Fauna 
überhaupt! In gleicher Weise ist die Art auch sonst in den entsprechen- 
den Schichten des Pläners in Sachsen, Böhmen und Hannover verbreitet. 
A. V. Strombeck führt als bezeichnendste Art der „Scaphiten-Scliichterd^, 
T. carnea Sow. auf und nennt erst nach dieser als weniger häutig T. semi- 
glohosa. Allein das beruht olfenbar nur auf einer anderen specifischen 
Begrenzung der beiden Arten. Versteht man beide in dem Sinne von 
A. d’Orbigny und Davidson, so ist T. carnea den „Scaphiten-Schichten“ 
und allen tieferen Schichten des deutschen Pläners fremd und erscheint 
erst in den Belemnitella - iöihvQn&exi echten Senon - Schichten. Darnach 
würden auch die Angaben von Reuss und Geinitz über das Vorkommen 
der T. carnea im Pläner Sachsens und Böhmens zu berichtigen sein. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 9 Ansicht eines Exemplares mitt- 
lerer Grösse. 

21) Bhynclionella jglicatilis; Taf. 34, Fig. 6, 7. 

Rhynchonella plicatilis Sowerby. 

Rhynclionella octoplicata Sowerby. 

Die grössere, etwa 9 Linien breite Form, bei welcher die ausstrahlen- 
den Falten auf den dem Wirbel näher liegenden Theilen der Schalen- 
Oberfläche fast verwischt zu sein pflegen und bei welcher 7 bis 10 Falten 
im Sinus liegen, ist nicht sehr häufig. Die Exemplare derselben gleichen 
in jeder Beziehung denjenigen von Strehlen. 

Viel häufiger sind kleinere 4 bis 6 Linien breite Formen. Diese haben 
entweder den Habitus, welcher von deutschen Autoren gewöhnlich als 
Terebratula pisum bezeichnet wird, oder es ist eine gewöhnlich Terebratula 

40 


314 


Kreide-Formation. 


Mantelliana genannte Form mit wenigeren und stärkeren Falten, von 
denen 4 oder 5 im Sinus liegen. Beide Formen sind unter sich und mit 
der Hauptform durch üebergänge verbunden. Nach Davidson (Brit. 
Cret. Brachiop. p. 94) ist freilich die echte T. jpisum von Rh. 'plicatilis ver- 
schieden und mit T. Martini Mant. identisch und ebenso T. Mantelliana 
Sow. eine selbstständige Art. Allein dieses als richtig vorausgesetzt, so 
gehören doch die bisher denselben zugerechneten deutschen Formen die- 
sen Arten nicht an. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 7 Stirn- Ansicht eines Exemplars 
der grösseren ausgewachsenen Form. Fig. 6 Ansicht eines Exemplars 
der kleineren Form mit geringerer Zahl der Falten (T. Mantelliana auct. 
non Sow.). 

22) Terehratulina striata d’Orb.; Taf. 34, Fig. 8. 

Anomites striata Wahlenberg. 

Terebratula striatula M a n t e 1 1. 

Nur ein einziges Exemplar dieser überhaupt in turonen Schichten weni- 
ger häufigen und vorzugsweise in senonen Schichten weit verbreiteten Art 
liegt vor. Geinitz führt die Art von Strehlen und Weinböhla an und 
A. V. Strombeck führt sie unter den Arten der Scaphiten- Schichten auf. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 8 Ansicht des einzigen vorliegen- 
den Exemplares in natürlicher Grösse. 

23) Terehratulina gracilis; Taf. 37, Fig. 8, 9. 

^ Nur kleine Exemplare liegen vor. Durch v. Strom b eck wird die 
Art aus dem „Scaphiten-Mergek^ aufgeführt. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 8 stellt ein Exemplar in natür- 
licher Grösse, Fig. 9 dasselbe Exemplar vergrössert dar. 

24) Crania Ignahergensis ; Taf. 34, Fig. 4, 5. 

Crania Egnabergensis Retzius (1781). 

Crania striata Defrance (1818). 

Nur zwei Exemplare der unteren festgewachsenen Klappe dieser wohl 
bekannten und in senonen Kreide -Bildungen weit verbreiteten Art liegen 
vor. Eines derselben wurde durch Herrn 0. v. Schmid in dem Muhr- 
schen Steinbruche hinter der Gymnasial-Kirche gefunden. 

Die äusstrahlenden Leisten sind zahlreicher und schärfer als bei der 
typischen Form aus Schonen. Aber in dieser Beziehung variirt die Art 
auch an anderen Fundorten, Bisher scheint die Art in dem gleichen 
Niveau im deutschen Pläner noch nicht beobachtet zu sein. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 4 Ansicht in natürlicher Grösse 
von oben, Fig. 5 Ansicht der Innenfläche. 


Kreide-Formation. 


315 


25) Ostrea hippopodmm Nilss.; Taf. 37, Fig. 7. 

Unter dieser Benennung führt Reuss (Verst. Böhm. Kreidef. p. 39, 
tab. XXVIIL, Fig. 10—15, 17, 18; tab. XXIX., Fig. 1—18) eine im obe- 
ren und unteren Pläner Böhmens häufige Auster auf. Dieselbe Art findet 
sich, jedoch nicht häufig, auch bei Oppeln. Xur die untere Klappe liegt 
jedoch vor und nur die Innenfläche derselben ist sichtbar, indem die An- 
heftung mit der ganzen Aussenfläche erfolgt. Ob die Art wirklich mit 
derjenigen des schwedischen Autors identisch ist, lässt sich nach den vor- 
liegenden Exemplaren kaum sicher entscheiden. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 7 Ansicht der Innenfläche der fest- 
gewachsenen Klappe in natürlicher Grösse. 

26) Spondylus spinosus De sh.; Taf. 34, Fig. 11. 

Dieser wohl bekannte Zweischaler gehört zu den häufigeren Arten der 
Fauna. A. v. Strombeck führt ihn unter den bezeichnenden Arten der 
„Scaphiten-Schichten^‘ des Pläners in Hannover und Braun schweig 
auf. Auch in Böhmen und Sachsen ist er in dem gleichen Xiveau 
verbreitet. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 11 Ansicht der grösseren Stachel- 
tragenden Klappe in natürlicher Grösse. Die Stacheln selbst sind abge- 
brochen und nur deren Narben sichtbar. Nur drei der ausstrahlenden 
Rippen theilen sich nach unten gabelförmig. Häufig ist die Mehrzahl der 
Rippen der grösseren Klappe in solcher Weise gabelförmig getheilt. 

27) Spondylus striatus Goldf. ; Taf. 37, Fig. 3, 4. 

Viel seltener als die vorhergehende Art! Fast immer auch nur in der 
Erhaltung als Steinkern, indem die Schale mit ihrer rauhen Oberfläche im 
Gesteine haften bleibt. Nach Geinitz und Reuss ist die Art auch im 
sächsischen und böhmischen Pläner verbreitet. A. v. Strom b eck führt 
sie unter den bezeichnenden Fossilien seiner „Scaphiten- Schichten“ im 
nordwestlichen Deutschland auf. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 3 stellt ein Exemplar der grös- 
seren Klappe in natürlicher Grösse in der Erhaltung als Steinkern dar. 
Fig. 4 ein mit der Schale erhaltenes Exemplar der kleineren Klappe. Der 
Umriss der festgewachsenen grösseren Klappe ist durch punktirte Linien 
bezeichnet. 

28) Lwia Hoperi Mant.; Taf. 34, Fig. 10. 

Diese wohl bekannte im deutschen Pläner weit verbreitete Art ist auch 
bei Oppeln nicht selten. Gewöhnlich liegt sie freilich nur in der Erhal- 
tung als Steinkern vor. A. v. Strom b eck führt die Art auch'^unter den 
für die Scaphiten-Schichten bezeichnenden Fossilien auf. 


40 * 


316 


Kreide-Formation. 


Erklärung der Abbildung: Fig. 10 stellt ein mit der Schale erhal- 
tenes Exemplar mittlerer Grösse dar. 

29) Pecten Dujardinii; Taf. 37, Fig. 5. 

Pecten Dujardinii A. Roemer, Verst. Nordd. Kreide-Geb. p. 53; 

Reuss, Verst. Böhm. Kreidef. p. 30, Taf. XXXIX., Fig. 17. 

Von dieser Art mit bündelförmig gruppirten ausstrahlenden Falten 
liegen zwei Exemplare aus dem städtischen Steinbruche von Oppeln vor. 
Mein Bruder führt die Art aus dem Pläner von Weinböhla, Geinitz 
auch aus dem Pläner von Strehlen auf. Nach Reuss soll sie in Böh- 
men dem „Pläner-Sandstein^^ eigenthümlich sein, 

Erklärung der Abbildung: Fig, 5 stellt das besterhaltene der 
beiden vorliegenden Exemplare in natürlicher Grösse dar. 

30) Pecten cretosus Defr. ; Taf. 37, Fi^. 6. 

Nur das einzige abgebildete Exemplar dieser in der weissen Kreide 
Frankreichs und Englands weit verbreiteten Art liegt vor. Nach Geinitz 
(Quadersandstein-Geb. p. 182) kommt die Art auch in dem Pläner-Kalke 
von Strehlen und Weinböhla vor. 

31) Inoceramus latus Man teil; Taf. 34, Fig. 12. 

Die zwei bis drei Zoll langen mit sehr unregelmässigen concentrischen 
Falten und concentrischen Streifen bedeckten Steinkerne dieser Art gehö- 
ren zu den häufigsten Fossilien der Fauna. Sie gleichen durchaus denjeni- 
gen des Pläners von Strehlen und anderen sächsischen Fundorten. Die 
Schale selbst fehlt stets, indem sie beim Herausschlagen im Gesteine 
haften bleibt. Die Wölbung der Schale ist gering, was jedoch theilweise 
Folge von Verdrückung sein kann. Einzelne jüngere Exemplare sind 
stärker gewölbt. 

Ohne bestimmt behaupten zu wollen, dass sich Mantell’s Name wirk- 
lich auf diese Art bezieht, soll hier mit der Benennung nur gesagt sein, 
dass es dieselbe Art sei, welche Geinitz (Quadersandstein-Geb. p. 176), 
V. Strombeck (Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Bd.IX., 1857, p. 417) und 
andere Autoren aus Schichten gleichen Alters, wie diejenigen von Oppeln 
unter dieser Benennung autführen. Geinitz führt die Art von vielen Fund- 
orten aus dem „Pläner-Kalke^' auf, namentlich von Strehlen und Wein- 
böhla in Sachsen und Huhndorf in Böhmen. A. v. Strombeck be- 
zeichnet sie als die häufigste Inoceramus-Art seiner „Scaphiten-Scliichten." 

Erklärung der Abbildung: Fig. 12 Ansicht eines Exemplars in 
der gewöhnlichen Erhaltung als Steinkern in natürlicher Grösse. 

32) Inoceramus Brongniarti Sow.; Taf. 34, Fig. 13. 

In grossen, 6 Zoll bis mehr als 1 Fuss langen, gewöhnlich mehr oder 


KreidenFormatioii. 


317 


minder verdrückten Exemplaren, mit dicken, durch 1 Zoll breite concave 
Zwischenräume getrennten wellenförmigen concentrischen Wülsten nicht 
selten! Namentlich in den untersten Lagen des städtischen Steinbrnchs. 
Im Gegensatz zu der Erhaltung der vorhergehenden Art ist, wenn auch in 
Stücke zerbrochen, fast immer die bis 2 Linien senkrecht faserige dicke 
Schale erhalten. Dieselbe zeigt sehr regelmässige, gleichweit abstehende 
Anwachs-Linien, welche jedoch kaum über die glatte Oberfläche der Schale 
sich erheben. Bei genauerer Betrachtung zeigen diese Anwachs-Linien 
eine feine unregelmässige Kerbung oder Zähnelung. 

Die Synonymie des Inoceramus Brongniarti ist keineswegs in allgemei- 
ner Uebereinstimmung bis jetzt festgestellt worden. Inoceramus Lamarchii 
Mant., L undulatus Mant. und L anmdatus Goldf. gelten als Synonyme. 
Die Abbildung des L anmdatus bei Goldfuss Taf. 110 Fig. 7 passt voll- 
ständig zu den Exemplaren von Oppeln und namentlich ist hier die Skulp- 
tur der fast glatten Schale sehr gut wiedergegeben. Wenn Geinitz (1. c. 
p. 174) den /. Lamarchii Oppeln und von Strehlen autführt, so ist 
darunter jedenfalls die hier in Rede stehende Art gemeint. A. v. Strom- 
beck führt den /. Brongniarti als bezeichnend für die unterste Abtheilung 
seines oberen Pläner, welche er nach ihm als „rothe und weisse Brongni- 
arti-Schichten*^ benennt, auf. Das ist eine tiefere Schichtenfolge als die- 
jenige, welche bei Oppeln die Hauptmasse der Versteinerungen enthält, 
und welche unzweifelhaft den „Scaphiten - Schichten“ v. Strombeck’s 
gleich steht. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 13 stellt ein Stück der glatten 
Schale mit den in fast regelmässigen Abständen stehenden fein gezähnelten 
Anwachsringen dar. 

33) Teredo ampJiisbaena; Taf. 34, Fig. 14, 15. 

Serpida amphisbaena Goldf. 

Gastrochaena amphisbaena G e i n i t z . 

? Teredo Requienianus Matheron. 

Nur zwei Exemplare der keulenförmigen Röhren liegen vor. Das ver- 
dickte Ende der Röhren fehlt bei beiden. Auch ist der dickere Theil der 
Röhren, so weit er erhalten ist, zusammengedrückt, während bei den dünne- 
ren die drehrunde Form unverdrückt erhalten ist. Das hängt mit dem 
Umstande zusammen, dass die Dicke der Röhrenwandung von dem dünne- 
ren gegen das stärkere Ende hin abnimmt. Auf der Oberfläche des dünne- 
ren Endes sind schwache wellenförmige Ringe erkennbar. 

Vielleicht ist Teredo Requienianus Math. (d’Orbigny Pal. Franc. Terr. 
Cret, III., tab. 348, Fig. 3 — 6) mit dieser Art identisch. ' 


318 


Kreide-Formation. 


Erklärung der Abbildungen: Fig. 14 Ansicht in natürlicher Grösse 
von der Seite. Fig. 15 Ansicht des Querschnitts am unteren Ende der Röhre. 

34) Pleurotomaria linearis; Taf. 35, Fig. 1,2. 

Trochus linearis Man teil. 

Cirrus perspectivus M a n t e 1 1 . 

Cirrus depressus M a n t e 1 1 . 

Pleurotomaria distincta A. Roemer. 

Pleurotomaria linearis Reuss, Geinitz (Qiiadersandstein - Geb . 
p. 134). 

Diese im deutschen Pläner weit verbreitete Art ist gewöhnlich nur als 
Steinkern erhalten und desshalb verschiedentlich gedeutet worden. Reuss 
und Geinitz nennen sie Pleurotomaria linearis, indem sie dieselbe mit 
Trochus linearis Man teil identificiren, d’Orbigny und Morris Pleuroto- 
maria perspectiva, indem sie dieselbe mit dem Cirrus perspectivus Man teil 
vereinigen. Da nun Mantell’s Trochus linearis und Cirrus perspectivus 
synonym sein sollen, so wäre die eine wie die andere der neueren Be- 
nennungen berechtigt und nur der Umstand, dass Trochus linearis in dem 
Man teil’ sehen Werke zuerst und Cirrus perspectivus einige Seiten später 
beschrieben ist, kann der Benennung PI. linearis vor derjenigen von PL 
perspectiva den Vorzug geben. 

Die treppenförmig abgesetzten stumpf konischen bei Oppeln sehr häu- 
figen Steinkerne bestehen aus vier oder fünf Umgängen von schief rhom- 
bischen Querschnitt. Auf den grösseren Steinkernen sieht man nur selten 
Spuren einer fein längsgestreiften Skulptur der Schale. Auf kleineren, 
selten mehr als 1^|2 Zoll breiten und gewöhnlich stärker deprimirten Exem- 
plaren, welche man anfänglich wohl für specifisch verschieden von den 
grossen Steinkernen zu halten geneigt sein konnte, ist die Skulptur der 
Oberfläche oft deutlich erhalten. Dieselbe besteht aus dicht gedrängten 
feinen erhabenen Längslinien, welche mehr oder minder deutlich aus an 
einander gereihten Granulationen oder Körnchen zusammengesetzt sind. 
Auf der unteren Fläche der Umgänge sind die Körnchen der Längsstreifen 
weniger deutlich. Der für die Gattung Pleurotomaria bezeichnende Spalt 
liegt gerade auf der stumpfen Kante, welche die schmale obere Fläche 
der Umgänge mit der breiten Seitenfläche derselben bilden. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 1 Ansicht eines Steinkerns in 
natürlicher Grösse von der Seite. Zuweilen haben die Steinkerne die 
doppelte Grösse. Fig. 2 Ansicht eines jüngeren Exemplars mit erhaltener 
Skulptur der Oberfläche von oben. Die Granulation der Spiral-Linien ist 
an dem abgebildeten Exemplar besonders deutlich erhalten. 


Kreide-Formation. 


319 


35) Nautilus elegans Sovv.* Taf. 35, Fig. 3, 4. 

Bei der inivollkommenen Erhaltung der stets mehr oder minder stark 
verdrückten Exemplare ist nicht sicher zu ermitteln, ob dieselben wirklich 
zu dieser wohl bekannten Art oder zu einer der anderen, neuerlichst von 
ihr getrennten Arten mit wellenförmig gebogenen Falten gehören. Die 
Falten sind viel breiter und weniger regelmässig als bei der typischen 
Form des N. elegans und gleichen mehr derjenigen des Nautilus radiatus 
Sow. In der That führt Geinitz (Quadersandstein-Geb* pag. 110) den 
N. radiatus und nicht den N elegans aus dem Pläner von Strehlen und 
Weinböhla auf, indem er zugleich bemerkt, dass die von d’Orbigny 
als N radiatus beschriebene Art von derjenigen Sowerby’s verschieden 
sei. Allein nach Sharpe (Fossil Mollusca of the Chalk pag. 14) soll 
N. radiatus durch einen weiten Nabel von N, elegans unterschieden sein, 
was auf die vorliegenden Exemplare nicht zu passen scheint. Wahrschein- 
lich stellen dieselben also nur eine Varietät des N, elegans mit breiteren 
Falten dar. 

Mit diesen auf der Oberfläche gefalteten Exemplaren kommen nun auch 
verdrückte Steinkerne mit glatter ungefalteter Oberfläche und mit sicht- 
baren Kammerwandsnähten vor. Früher wurden solche Steinkerne ge- 
wöhnlich zu Nautilus simplem Sow. gerechnet, allein unter dieser Benen- 
nung sind Steinkerne verschiedener Arten begriffen. Da die Krümmung 
der Kammer wandsnähte zu denjenigen des N elegans passt, so ist es 
wahrscheinlich, dass die Steinkerne ebenfalls zu dieser Art gehören. 
A. V. Strombeck führt den W. elegans mit Fragezeichen aus den „Scaphi- 
ten-Schichten“ auf. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 4 ist die Rücken- Ansicht eines 
kleineren Exemplars mit der auf der Mitte des Rückens rückwärts geboge- 
nen Falten. Bei den meisten der vorliegenden Exemplare sind die Falten 
noch breiter, als bei dem abgebildeten. Fig. 3 Ansicht eines Steinkernes 
von der Seite. 

36) Ammonites jperamplus Mant. ; Taf. 35, Fig. 5. 

Diese wohlbekannte Art kommt in grossen und kleinen Exemplaren 
häufig vor. A. v. Strombeck führt sie unter den bezeichnenden Arten 
der „Scaphiten-Schichten^^ des Pläners in Norddeutschland auf. Ob auch 
ein glatter Ammonit ohne Rippen, der in 4 bis 6 Zoll grossen Exemplaren 
seltener sich findet, zu dieser Art gehört, ist mir zweifelhaft. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 5 stellt ein junges Exemplar in 
natürlicher Grösse dar. Dasselbe stimmt ganz mit dem von Geinitz 
(Quadersandstein-Geb. tab. V. Fig. 1 und 2) gegebenen Abbildungen der 


320 


Kreide-FormatioD. 


Jugendform überein. Bei älteren 1 bis 1^ 2 Fuss grossen Exemplaren, 
welche nicht selten Vorkommen und durchaus solchen aus dem Pläner von 
Teplitz in Böhmen gleichen, wird die Berippung der Oberfläche bekannt- 
lich einfacher und unregelmässiger. 

37) ScapJütes Geinitzii; Taf. 35, Fig. 6. 

Scaphites aequalis Geinitz, Sächs. Böhm. Kreide-Geb. p. 40, 1839 
bis 1842 (non Sowerby). 

Scaphites Geinitzii d’Orbigny, Prodr. Pal. stratigr. II. p. 214. 
(1847.) 

Scaphites Geinitzii v. Strombeck in: Zeitschr. der Deutsch, geol. 
Ges. Bd. IX., 1857, p. 417. 

Von den meisten deutschen Autoren ist diese Art früher mit dem Sca- 
phites aequalis Sow., als dessen typische Form man gewöhnlich die in allen 
Sammlungen verbreiteten Exemplaren aus dem cenomanen Kreide-Mergel 
von Rouen anzusehen gewohnt ist, verwechselt worden. A. d’Orbigny 
hat zuerst die von Geinitz aus dem Pläner von Strehlen als Scaphites 
aequalis beschriebene Art als specifisch verschieden bezeichnet und Sc. 
Geinitzii genannt*). A. v. Strombeck ist ihm darin gefolgt. In der That 
ist die Art des deutschen Pläners von dem Scaphiten von Rouen augen- 
scheinlich durch die meistens geringere Zahl der Falten auf dem Rücken, 
durch die stärkere seitliche Zusammendrückung und die bedeutendere 
Grösse wohl unterschieden. Ob aber die Art von Rouen wirklich zu 
Sowerby’s Sc. aequalis gehört, ist nach den sehr unvollkommenen Abbil- 
dungen und Beschreibungen Sowerby’s nicht mit Sicherheit zu bestimmen. 

Vorkommen: Ziemlich häufig! In demselben Mveau auch an vielen 
anderen Orten des nordwestlichen Deutschlands und Sachsens. A. v. 
Strombeck sieht die Art als besonders bezeichnend für eine gewisse 
Abtheilung des norddeutschen Pläner’s an, welche er nach derselben 
„Scaphiten-Schichten^^ nennt. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 6 Ansicht in natürlicher Grösse 
von der Seite. 

38) Helicoceras annulifer n. sp.* Taf. 36, Fig. 2. 

Hamites plicatilis A . R o e m e r , G e i n i t z , R e u s s etc. * non S o w e r by ! 

Augenscheinlich mit Unrecht haben die meisten Autoren diese im deut- 
schen Pläner weit verbreitete Art mit dem Hamites plicatilis Sow. vereinigt. 


„Scaphites Geinitzii d’Orb. 1847. Espece voisine du Scaphites ohliquus, ruais pourvue de 
plis tuberculeux externes. Scaph. aequalis Geinitz (non Sowerby)) France, Villedieu (Loir-et- 
Cher); Dresde, Strehlern.“ 


Kreide-Formatioh. 


321 


Nach Abbildung und Beschreibung Sawerby’s ist die dicke Knoten tra- 
gende englische Art gar sehr verschieden. In der That vereinigt sie Mor- 
ris (Catal. of Brit. foss. Sec. ed. p. 305) mit den dem Gault angehörenden 
Hamites armatus, der ein echter, einfach gekrümmter Hamit ist. Es ist 
deshalb eine neue specifische Benennung der Art nöthig geworden. 

Die Skulptur der Oberfläche der im Querschnitte ovalen Umgänge 
besteht aus in grösseren, ziemlich regelmässigen Abständen stehenden 
scharfen ringförmigen Rippen, welche undeutliche oft ganz verwischte 
Knoten tragen, und feinen linienförmigen Falten, welche in wechselnder 
Zahl von 3 bis 5 die Zwischenräume zwischen den ringförmigen Rippen 
einnehmen. Im Uebrigen variirt diese Skulptur bedeutend. In den ersten 
älteren Umgängen scheinen die ringförmigen Rippen allgemein weniger 
stark und weniger von den dazwischen liegenden Falten unterschieden zu 
sein. In den jüngeren und stärkeren Umgängen treten dagegen die feine- 
ren Falten zwischen den Ringen ganz zurück. 

Das Gehäuse bildet eine konische Spirale mit getrennten Umgängen, 
wie es der Gattung Helicoceras zukommt. Im Anfänge liegen nach A. Roe- 
mer die Umgänge an einander. Zuletzt scheinen sie dagegen unregel- 
mässig gekrümmt zu sein. 

V orkommen: Ziemlich häufig, jedoch fast immer nur in Fragmenten. 
Schon A. Roemer nennt Oppeln unter den Fundorten seines Hamites 
plicatilis. Sonst auch in Sachsen, Böhmen und in Hannover. A. v. 
Strom beck führt sie als Helicoceras (Hamites) ^licatilis unter den bezeich- 
nenden Arten der „Scaphiten-Schichten“ auf. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 2 stellt ein unvollständiges aus zwei 
Umgängen bestehendes Exemplar in natürlicher Grösse von der Seite dar. 

39) Helicoceras 'poly'plocus; Taf. 36, Fig. 1. 

Turrilites polyjylocus A. Roemer, Yerst. des Nordd. Kreide-Geb. 
p. 92, tab. XIY., Fig. 1, 2. 

Turrüites 'polyplocus Geinitz, Charakt. Sächs. Kreide-Geb. p. 42, 
tab. XIII., Fig. 1, 2, 3. 

Turrüites polyplocus Geinitz, Quadersandstein-Geb. p. 120. 

Die vorliegenden Exemplare, sind kleiner als die typische Form des 
senonen Kreide -Mergels von Haldem, aber sonst und namentlich in 
Betreff der Form der Rippen übereinstimmend. Die Abbildung des T. 
undulatus bei Geinitz passt ganz zu den vorliegenden Exemplaren von 
Oppeln. Sowerby’s T* undulatus^ den d ’ 0 r b i g n y mit T. Scheuclizeria- 
nus Bose, vereinigt, ist davon durchaus verschieden. Der von A. v. 
Strombeck. unter den bezeichnenden Fossilien „der Scaphiten-Schichten‘‘ 

41 


322 


Kreide-Formation. 


aufgeführte Helicoceras sp. nov. conf. Turrilites polyplocus ist sehr wahr- 
scheinlich nichts anderes als diese Art selbst. Nach Geinitz kommt H. 

im Pläner-Kalke von Strehlen, Weinböhla und von Hun- 
dorf in Böhmen vor. Die Art ist also den turonen Schichten mit den 
eigentlich senonen gemeinsam. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 1 Ansicht des grössten vorliegen- 
den Exemplars in natürlicher Grösse von der Seite. Die natürliche Wöl- 
bung der stark verdrückten Umgänge ist in der Zeichnung wiederhergestellt. 

40) Hamites ellipticus Mant. ; Taf. 37, Fig. 10, Fig. 11. 

A. Roemer, Geinitz und Reuss haben zu der dem „Lower Chalk“ 
Englands angehörenden Art von Mantell eine im deutschen Pläner weit 
verbreitete Art gerechnet. Dieselbe Art hat sich wenn auch nur selten 
und in Fragmenten bei Oppeln gefunden. A. v. Strombeck führt sie 
unter den bezeichnenden Fossilien der „Scaphiten - Schichten“ auf. Von 
manchen mit ähnlichen Rippen versehenen Bruchstücken des Helicoceroß 
plicatilis ist die Art durch den symmetrischen Bau und die Form des Quer- 
schnittes unterschieden. Vielleicht ist Hamites angustus (Dixon Geol. and 
Foss. of Sussex pag. 350, 358 tab. XXIX., Fig. 12) aus der weissen Kreide 
von Sussex mit dieser Art synonym. 

Erklärung der Abbildungen: Fig. 10 Ansicht eines Bruchstückes 
in natürlicher Grösse von der Seite. Fig. 11 Form des Querschnitts. 

41) Baculites anceps Lam? Taf. 37, Fig. 12. 

Nur das einzige abgebildete Stück liegt vor. Es ist ein Steinkern, der 
weder Kammerwandsnähte, noch eine deutliche Skulptur der Oberfläche 
zeigt. Trotz dieser unvollkommenen Erhaltung ist die Zugehörigkeit zu 
Baculites kaum zweitelhaft. Nach einer mündlichen Mittheilung A. v. S tr om- 
beck’s findet sich übrigens auch bei Heiningen im Braun schweig’schen 
Baculites anceps schon in den „Scaphiten-Schichten.“ 

Erklärung der Abbildung: Fig. 12 stellt das einzige vorliegende 
Exemplar in natürlicher Grösse von der Seite dar. 

42) Scalpellum maximum Darwin?; Taf. 37, Fig, 13, 14. 15. 

Unter dieser specifischen Benennung werden von Darwin (Monograph 
of Fossil Lepadidae p. 26—34) sehr verschiedene Formen der oberen 
Kreide-Bildungen begriffen, welche von anderen Autoren zum Theil unter 
anderen Artbenennungen aufgeführt worden sind. Zu dieser Art in der 
weiteren Darwin’schen Fassung werden hier nun auch die von uns abge- 
bildeten Stücke gerechnet. Das Fig. 13 abgebildete aussen flach gewölbte 
und in der Mitte stumpf gekielte, unpaare Rückenstück (carina), hat wohl 
die allgemeine Gestalt und Krümmung des Sc» maximum var. typicum (1. c. 


Kreide-F ormation. 


328 


p. 28, Taf. II .5 Fig. 1, 4, 5, 8 ), aber die Seitenflächen sind viel schmaler 
und ohne deutliche Längskiele. Das von uns Fig. 14 von der Seite abge- 
bildete viel kleinere Seitenstück (carina) hat eine ganz flache Rückenfläche 
und senkrecht abfallende, der Rückenfläche an Breite gleichkommende 
Seitenflächen, so dass der Querschnitt fast quadratisch ist. Fig. 15 stellt 
ein oberes Seitenflächenstück (tergum nach der Nomen clatur von Darwin) 
dar. Die fast rhombische flach gewölbte Oberfläche wird in der Richtung 
der längeren Diagonale durch einen flachen Kiel in zwei fast gleiche 
Hälften getheilt, von denen die grössere eine erhabene Linie und eine 
(in der Zeichnung zu stark angegebene) Furche zeigt. Ob nun diese drei 
allein vorliegenden Stücke wirklich zu derselben Art gehören, bedarf 
weiterer Bestätigung. 

Geinitz (Quadersandstein -Geb. p. 100) führt unter der Benennung 
Pollicipes glaber A. Roemer (P, gracilis Ge in.) eine Art auf, welche bei 
Strehlen und Weinböhla, also in Schichten gleichen Alters mit denjeni- 
gen von Oppeln, Vorkommen soll. Die Abbildungen der Art bei Geinitz 
und Reu SS genügen nicht um zu entscheiden, ob diese Art etwa mit der- 
jenigen von Oppeln identisch ist. üebrigens sind die bisher aus deutschen 
Turon-Schichten beschriebenen Stücke von Scalpellum alle viel kleiner als 
die von uns Fig. 13 abgebildete carina. 

43) Oxyrhina Mantelli Ag.; Taf. 36, Fig. 3, 4. 

Zähne dieser in turonen und senonen Kreide-Bildungen, und namentlich 
im turonen Pläner Sachsens und Böhmens weit verbreiteten Art sind nicht 
so ganz selten. 

Fig. 3 stellt einen sehr grossen Zahn gegen die flach gewölbte Innen- 
fläche gesehen dar. Fig. 4 denselben im Profil. Fig. 5 einen kleineren 
gedrungeneren Zahn gegen die gewölbte Aussenfläche gesehen. 

44) Otodus appendiculatus Ag.; Taf. 36, Fig. 6 . 

Es liegen mehrere Zähne dieser in turonen und senonen Kreide-Bildun- 
gen weit verbreiteten und namentlich auch im turonen Pläner Sachsens 
und Böhmens häufigen Art vor. 

Fig. 6 stellt einen Zahn gegen die flach gewölbte Innenfläche ge- 
sehen dar. 

45) Ptycliodus laiissimus Ag.; Taf. 36, Fig. 7. 

Die Abbildung stellt den grössten der vorliegenden Zähne von oben 
und von der Seite gesehen dar. Auf der einen Seite sind die Querleisten 
durch Abkauen abgestumpft und polirt. Der Fundort ist Gross-Schim- 
nitz. Seitdem die Zeichnung angefertigt war erhielt ich einen noch 
grösseren Zahn derselben Art aus dem Muhr’schen Steinbruche in Oppeln. 


824 


Kreide-F ormatlon. 


Das abgebildete Exemplar stimmt vollständig mit Exemplaren aus dem 
Pläner von Teplitz überein. 

46) Ptychodus mammillaris Ag.; Taf. 36, Fig. 8. 

Die Figur stellt einen Zahn von oben gesehen dar. Ausser dem abge- 
bildeten liegen noch zwei andere Exemplare vor. Alle wurden bei Gr oss- 
Schimnitz gefunden. Von Oppeln selbst kenne ich die Art nicht. 

47) Osmeroides Lewesiensis Ag. ? 

Hornige dünne Schuppen, welche vielleicht zu dieser in Böhmen häufi- 
gen Art gehören, finden sich zuweilen in dichter aber regelloser Zusammen- 
häufung. 

5. Altersbestimmung und Gliederung. 

Die in dem vorstehenden Verzeichnisse aufgeführten Versteinerungen 
lassen in Betreff der Altersstellung des Mergels von Oppeln keinen Zweifel. 
Die meisten sind bekannte Arten des über dem Quadersandstein liegenden 
sogenannten Pläner’s in Sachsen, Böhmen und dem subhercjnischen Hügel- 
lande von Hannover und Braunschweig. In neuerer Zeit hat man nun 
aber in diesem früher als eine ungeth eilte Schichtenfolge betrachteten 
Pläner mehrere Unterabtheilungen unterschieden. Besonders werthvoll 
sind die auf die Eintheilung der Kreide über dem Gault bezüglichen Arbei- 
ten A. V. Strombeck’sQ. 


1) Gliederung des Pläners im nordwestlichen Deutschland nächst dem Harze. Zeltschr. der 
Deutsch, geol. Ges. IX. Band. 1857, p. 415 — 419. Ueber die Kreide am Zeltberge bei Lüneburg, 
dieselbe Zeitschr. XV. Band. 1863. p. 97 — 187. 

Das schliessliche Ergebniss seiner Untersuchungen über die oberen Kreide-Bildungen des nord- 
westlichen Deutschlands drückt A. v. Strombeck in nachstehendem Sehema aus: 

III, b. Oberes Senon. 

2. Glied mit Belemnitella mucronata. 

1. Glied mit Belemnitella quadrata. 

III. a. Unter es Senon. 

2. Oberer Pläner mit Inoceramus Cuvieri. 

1. Oberer Pläner mit Scajphites Geinitzi. 

II. Turon. 

2. Oberer Pläner, weiss mit Inoceramus Brongniarti oder dafür oberer Pläner mit 

Galerites conicus. 

1. Rothe (an der Ruhr graue) Mergel mit Inoceramus mytiloides. 

I, Cenoman. 

ö. Unterer Pläner mit Ammonites Bhotomagensis. 

2. Unterer Pläner mit Ammonites varians. 

1. Tourtia (Grünsand von Essen). 

Gault. 

A. V. Strombeck setzt die Grenze des turonen und senonen Stockwerkes (d’Orbigny’s 
„Etage Turonien“ und „Etage Senonien“) zwischen den „oberen Pläner mit Inoceramus Brongniarti^^ 
und den ,, oberen Pläner mii Scaphites Oeinitzi^^ und fasst die letztere Schichtenfolge mit dem ,, oberen 


Kreide-Formation. 


325 


Unter den verschiedenen, durch diesen Autor in dem Pläner unter- 
schiedenen Gliedern ist es jedenfalls der obere Pläner mit Scaphites Geinitzi, 
welchem der durch die Steinbrüche in und bei der Stadt aufgeschlossene 
Theil des Pläners von Oppeln gleichzustellen ist. Denn mit einer auf- 
fallenden Uebereinstimmung kommen fast alle durch A. v. Strombeck als 
bezeichnend für den Scaphiten-Pläner aufgeführten Arten von Versteine- 
rungen auch bei Oppeln vor und im Besonderen auch Scaphites Geinitzi, 
das Leitfossil, nach welchem die ganze Schichtenfolge benannt wurde. 

So sicher auf diese Weise die Altersbestimmung der durch die Stein- 
brüche gut aufgeschlossenen und mit Versteinerungen erfüllten Schichten 
des Pläners bei Oppeln erfolgt, so zweifelhaft ist die Gliederung der 
übrigen Schichten über und unter diesem Niveau. 

Obgleich es an sich wahrscheinlich ist, dass eine 80 bis 100 Fuss mäch- 
tige Reihenfolge von Schichten der Kreide-E'ormation sich nicht in allen 
ihren Theilen ganz gleich verhält, sondern nach Vertheilung der organi- 
schen Reste und nach Unterschieden der petrographischen Beschaffenheit 
eine Trennung in gewisse Unterabtheilungen zulässt, so erscheint doch auf 
den ersten Blick der Kreide-Mergel von Oppeln eine einzige ungetheilte 
Bildung darzustellen. Weder die Vertheilung der Versteinerungen noch 
das petrographische Verhalten bietet eine leicht zu benutzende Handhabe 
für die Unterscheidung von einzelnen Gliedern. Die Gesteinsbeschaffenheit 
ist eine wesentlich gleichartige in der ganzen Mächtigkeit und nur die mehr 
thonige und lockere Beschaffenheit der oberen Schichten fällt auf. Bei 


Pläner mit Inoceraraus Cuvieri^’’ als „unteres Senon“ zusammen. In dieser Art der Begrenzung 
folge ich A. v. Strombeck nicht, sondern setze die Grenze über den oberen Pläner mit Inoceramus 
Cumeri. Für mich ist das erste Auftreten der Belemnitellen ein so wichtiges und auffallendes palae- 
ontologisches Moment, dass dasselbe die Scheidung von zwei Haupt- Abtheilungen rechtfertigt. 
Im nordwestlichen Deutschland wird auch durch das petrographische Verhalten das erste Auftreten 
C.CV Belemnitellen als ein Haupt-Abschnitt bezeichnet. Denn mit demselben tritt eine Ver- 
schiedenartigkeit der Sedimente an den einzelnen Localitäten hervor, welche 
im auffallendsten Contraste zu der einförmigen Gleichartigkeit der Gesteins- 
beschaffenheit bei den im Alter zunächst vorangehenden, Ablagerungen steht. 
Iin ganzen nordwestlichen Deutschland haben die Schichten mit Inoceramus Cumeri im Wesentlichen 
noch dieselbe kalkig thonige Beschaffenheit und dasselbe Ansehen wie der übrige Pläner. Die 
Schichten mit Belemnitella quadrata zeigen dagegen die grösste Mannichfaltigkeit der äusseren Er- 
scheinungsweise und verhalten sich kaum an zwei einigermassen entfernten Punkten ganz gleich. 
Zum Beweise der letzteren Thatsache brauchen nur die folgenden Localitäten genannt zu werden: 
Sudmerberg bei Goslar, Salzburg bei Quedlinburg, Spiegel’sche Berge bei Halber- 
stadt, Gehrden bei Hannover, Schwiechalt bei Peine, Dülmen in Westphalen, 
Osterfeld bei Essen und Lousberg bei Aachen. Dieser localen Entwickelung in Betreff 
der Gesteinsbeschaffenheit entspricht zugleich eine mehr oder minder eigenthümliche Gestaltung 
des palaeontologischen Charakters an den einzelnen Localitäten, während die Pläner-Schichten mit 
Inoceramus Gunieri überall die gleiche fossile Fauna zeigen. 


326 


Kreide-Formation. 


der wenig geneigten fast wagerechten Lage der Schichten ist auch das 
gegenseitige Altersverhältniss der in den einzelnen Steinbrüchen aufge- 
schlossenen Schichtenreihen nicht leicht zu bestimmen. Herr 0. v. Schmid 
aus Oppeln hat in einer im Jahre 1862 dem königlichen Ober-Bergamte 
eingereichten Probe-Arbeit, welche wir schon früher zu erwähnen Ver- 
anlassung hatten, den Versuch gemacht,, einzelne Olieder in dem Pläner 
von Oppeln zu unterscheiden, allein, obgleich bei diesem Versuche von 
der richtigen Annahme ausgegangen wurde, dass die Schichten bei Oro- 
schowitz und Grudschütz die ältesten, diejenigen von Sczepanowitz 
auf dem linken Oder-Ufer die jüngsten seien, so ist doch die auf petro- 
graphische und wenige ungenügende palaeontologische Merkmale gegrün- 
dete Unterscheidung einzelner Glieder kaum zu benutzen. Bei dem Be- 
streben, in dem Pläner von Oppeln einzelne Unter -Abtheilungen zu er- 
kennen, wird man von den beiden feststehenden Thatsachen auszugehen 
haben, dass die Unterlage der ganzen Bildung durch sandige Schichten mit 
Ämmonites Bhotomagensis, Turrilites costatus und Catopygus carinatus gebil- 
det wird und dass die vorzugsweise durch Steinbrüche bei Oppeln auf- 
geschlossene versteinerungsreiche Schichtenfolge dem „oberen Pläner mit 
Scaphites Geinitzi^^ in der Eintheilung A. v. Strombeck’s entspricht. Bei 
dem hohen Grade von Uebereinstimmung, welche die letztere Schichten- 
folge bei Oppeln in ihrem palaeontologischen Verhalten mit den Scaphi- 
ten-Schichten in Sachsen und im nordwestlichen Deutschland zeigt, darf 
man mit Wahrscheinlichkeit erwarten, dass auch die anderen Glieder der 
V. Stromb eck’ sehen Eintheilung in ähnlicher Uebereinstimmung ent- 
wickelt sind. Hiernach würden zwischen den in Steinbrüchen bei Oppeln 
vorzugsweise aufgeschlossenen Scaphiten-Schichten und den cenomanen 
sandigen Schichten mit Ämmonites Rhotomagensis von Groschowitz der 
„obere Pläner mit Inoceramus Brongniarti^^ und „die Mergel mit Inoceramus 
mytiloides^\ über den Scaphiten-Schichten aber der „obere Pläner mit Inoce- 
ramus Cuvieri^^ zu suchen sein. Die wirkliche Nachweisung dieser Glieder 
ist aber bis jetzt nicht gelungen und kaum deuten einzelne Anzeichen auf 
ihr Vorhandensein. Die fussgrossen Exemplaren des Inoceramus Brongniarti 
kommen besonders in den untersten Lagen des städtischen Steinbruchs 
bei Oppeln vor und vielleicht gehören deshalb diese Lagen schon zu 
V. Strombeck’s „weissen Brongniarti-Schichten“. In den durch mehr 
thonige und lose Beschaffenheit von denjenigen der Steinbrüche bei Oppeln 
sich unterscheidenden Schichten des Mergels bei Sczepanowitz auf dem 
linken Oder-Ufer, welche nach den allgemeinen Lagerungsverhältnissen 
die jüngsten der ganzen Bildung sein müssen, fand sich die sonst bei 


Kreide-F ormation. 


327 


Oppeln nicht vorkommende Limnorea nohilis^ welche nach A. Roemer 
am Russe des Harzes in der „Cuvieri-Kreide“ und der „Quadraten-Kreide“ 
verbreitet sein soll. Ausserdem wurde hier eine durch breitere und mehr 
gerundete Form und gröbere Stachelwarzen von dem Micraster Leskei ver- 
schiedene, bei Oppeln selbst nicht vorkommende Micraster- Art beobach- 
tet, welche vielleicht zu Micraster cor-anguinum gehört. Endlich sammelte 
A. Halfar bei Sczepanowitz und bei Halbendorf Fragmente einer 
sehr grossen flachen und glatten Inoceramus-Axi^ welche vielleicht mit 
Inoceramm Cuvieri identisch ist und welche in gleicher Weise in einer 
bestimmten Lage der hängendsten Schichten des Grundmann’schen Stein- 
bruchs bei Oppeln sich findet. Vielleicht stellen daher die Schichten von 
Sczepanowitz v. Strombeck’s „oberen Pläner mit Inoceramus Cuvieri^^ 
dar. Nur durch die Auffindung einer grösseren Zahl von Versteinerungen 
der in den Schichten über und unter dem bisher allein deutlich aufge- 
schlossenen und in seiner Altersstellung sicher bestimmten „Scaphiten- 
Pläner^^ wird die Gliederung des Kreide-Mergels von Oppeln sich in Zu- 
kunft vollständiger ermitteln lassen. 

cc. Senoner lockerer Sandstein bei Dambrau ^ ). 

Einige hundert Schritte östlich von dem Parke von Dambrau 1*|2 Mei- 
len westlich von Oppeln und nördlich des von Dambrau nach Chro- 
sczina führenden Weges sind durch einen tiefen Ackerentwässerungs- 
graben graue Mergel und in denselben dünne Bänke eines äusserst losen 
und zerreiblichen glimmerreichen und kalkführenden Sandsteines aufge- 
schlossen. Grosse schollenförmige Stücke desselben Sandsteins liegen in 
einem viel höheren Niveau auf dem flachen Hügel östlich von dem Vor- 
werke in dem Dorfe Sokolnik in unzusammenhängenden Lagen. 

An beiden Stellen enthält der Sandstein sparsame, sehr schlecht erhal- 
tene Versteinerungen. Es sind vorherrschend Steinkerne und Abdrücke 
undeutlicher Zweischaler. Zu den wenigen Arten, welche unter den durch 
A. Halfar gesammelten Versteinerungen sich bestimmter erkennen liessen, 
gehören namentlich eine kleine Art der Gattung Exogyra und ein fein 
radial gestreifter Mytilus, 

Am wichtigsten für die Altersbestimmung des Sandsteins sind kleine, 
aber deutlich bestimmbare Exemplare von Baculites anceps und Scheeren 
einer kleinen Form von Callianassa Fdujasii, Durch diese Arten scheint 
die Zugehörigkeit der Schichtenfolge zu der senonen Abtheilung der Kreide- 


1) Auf der Karte mit Kr bezeichnet. 


328 


Kreide-F ormatlon. 


Formation um so sicherer erwiesen, als schon durch das Vorkommen des 
Sandsteins westlich von dem gegen Westen einfallenden turonen Kreide- 
Mergel eine Ueberlagerung des letzteren durch den Sandstein wahrschein- 
lich ist Das Vorkommen senoner Schichten an dieser Stelle begründet 
übrigens auch die Vermuthung, dass die turonen Kalk-Mergel auch hier 
und wahrscheinlich noch weiter westlich in der Tiefe vorhanden sind. 

h. Kreide -Bildungen der Umgehungen von Leohschütz. 

1. Geschichtliches. 

Die hierher gehörenden Ablagerungen der Kreide-Formation sind erst 
in den letzten Jahren bekannt geworden. In der 1844 erschienenen Dar- 
stellung des schlesischen Flötz- Gebirges hebt Beyrich’) bei Erw^ähnung 
des Kreide-Mergels von Oppeln ausdrücklich hervor, dass in dem ganzen 
Raume südlich von Oppeln und östlich von dem Grauwacken-Gebirge 
des Gesenkes bis zu den Karpathen hin keine Spur einer anstehenden 
Kreide -Bildung bekannt sei. Auch auf der 1857 erschienenen zweiten 
Auflage der geologischen Karte von Oberschlesien von R. v. Garn all 
findet sich noch keine der hierher gehörenden Ablagerungen verzeichnet. 
Im Jahre 1860 beobachtete ich Geschiebe von weissem Sandstein bei 
Leobschütz, welche durch Steinkerne von Zweischalern, welche sie 
einschliessen, als zur Kreide-Formation gehörend sich erwdesen und nach 
ihrer Häufigkeit auf einen in der Nähe befindlichen Ursprungsort hinwiesen. 
Durch H. Wolf in Wien wurde ich dann im Jahre 1861 an mehrere 
Punkte in der Nähe von Hotzenplotz geführt, wo Sandsteinschichten von 
wesentlich gleicher Beschaffenheit anstehend gefunden werden^). In dem- 
selben Jahre entdeckte A. Halfar bei Bladen südlich von Leobschütz 
eine Ablagerung von hellen Kalk-Mergeln, welche er nach den Versteine- 
rungen als wahrscheinlich zur Kreide-Formation gehörend bestimmte. In 
einer über dieselbe Ablagerung gemachten Mittheilung^) habe ich dem- 
nächst nach den organischen Einschlüssen die cretaceische Natur dersel- 
ben sicher festgestellt und ihnen in der senonen Abtheilung der Kreide- 
Formation den Platz angewiesen. Seitdem hat A. Halfar bei Gelegenheit 


1) üeber die Entwickelung des Flötz-Gebirges in Schlesien p. 78. 

2) Später ist von mir eine Notitz über diese sandigen Ablagerungen gegeben worden: Ueber . 
das Vorkommen von cenomanem Quadersandstein zwischen Leobschütz und Neustadt in Ober- 
schlesien. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1864. S. 625 — 631. 

3) Notiz über die Auffindung einer senonen Kreide-Bildung bei Bladen unweit Leobschütz 
in Oberschlesien. Zeitschr. der Deutsch, geol. Ges. Jahrg. 1862, S. 765 — 769. 


Kreide-Formation. 


329 


der Aufiiahmen für die Section Leob schütz der geologischen Karte von 
Oberschlesien diese mergeligen Schichten sowohl wie die sandigen noch 
an anderen Punkten nachgewiesen und durch Auffindung von Versteine- 
rungen die genauere Altersbestimmung derselben ermöglicht. 

3. Beschreibung. 

Die hier in Rede stehenden Ablagerungen sindj wie schon erwähnt 
wurde, theils von sandiger, theils von kalkig mergeliger Natur. Da sie in 
getrennten Gebieten auftreten, so sind sie auch am passendsten gesondert 
zu betrachten. 

aa. Weisse Sande und Sandstein mit Exogyra columba. 

1. Petrographisches und stratographisches Verhalten. 

Die ganze, gewöhnlich nur 15 bis 30 Fuss, selten wohl 40 bis 50 Fuss 
mächtige Bildung besteht aus losem weissen Quarzsand, welcher einzelne 
3 bis 12 Zoll dicke unzusammenhängende Lagen von weissem oder gelb- 
lichem Sandstein, der bei Zunahme des kieseligen Bindemittels in ein horn- 
stein-ähnliches kieseliges Gestein übergeht, umschliesst. 

Die Lagerung der ganzen Bildung ist wagerecht oder unmerklich ge- 
neigt. Ihre Unterlage bilden überall die mehr oder minder steil aufgerich- 
teten Grauwackensandsteine und Schieferthone der in der ganzen Gegend 
verbreiteten und durch das Vorkommen von Calamites transitionis, Gonia- 
tites sjphaericus und Posidonomya Bechen als solcher bezeichneten Culm- 
Bildung. Die Auflagerung auf diese letztere ist an einigen Punkten unmittel- 
bar zu beobachten, an den übrigen ist sie wenigstens nicht zweifelhaft. 
Eine Bedeckung der Schichtenfolge durch jüngere Kreide -Schichten ist 
nirgends beobachtet. Vielmehr scheint überall, wo die Schichtenfolge 
nicht unmittelbar zu Tage steht, das Diluvium ihre nächste Bedeckung 
zu bilden. 

2. Verbrei’tung. 

Obgleich die bisher bekannt gewordenen einzelnen Partien dieser san- 
digen Kreide-Bildung über ein mehrere Quadratmeilen grosses, nordwest- 
lich, nördlich und nordöstlich von Leobschütz sich ausdehnendes Gebiet 
verbreitet sind, so ist doch der gesammte Flächenraum, welchen sie an 
der Oberfläche einnimmt, eine sehr beschränkte. Bei der vorherrschenden 
lockeren Beschaffenheit der Ablagerungen sind sie während der Diluvial- 
Zeit grösstentheils zerstört worden und nur einzelne kleine Partien haben 
sich wie Lappen des Ganzen an geschützten Stellen erhalten. Die Haupt- 

42 


330 


Kreide-F ormation. 


entwickelung der Bildung ist in der Umgebung des südlich von Hotzen- 
plotz und westlich von dem Flecken Füllstein gelegenen Dorfes Nieder- 
Paulowitz in Oesterreichisch-Schlesien nachgewiesen worden. Sie bil- 
det hier auf den nördlich und südlich von dem Thale des Ossa-Baches 
liegenden Anhöhen mehrere kleine Partien, welche ursprünglich ohne 
Zweifel zusammenhängend nur durch die Auswaschung der zwischen- 
liegenden Thäler getrennt worden sind. Sandgruben, in welchen Sand 
zur Mörtelbereitung gegraben wird, sind hier die Hauptaufschlusspunkte. 
Ausserdem sind lose, in grosser Häufigkeit an der Oberfläche umher- 
liegende und auf den Feldrainen in Haufen gesammelte, eckige Bruch- 
stücke von weissem Sandstein ein sicheres Anzeichen der unter der Ober- 
fläche anstehenden Ablagerung. 

Die grösste Partie liegt nördlich von Nieder-Paulowitz auf der 
linken Seite des Ossa-Baches. Geht man von dem Dorfe Neudörfel 
südwärts, so trifft man bald die in grosser Zahl auf den Feldern umher- 
liegenden faustgrossen bis kopfgrossen Stücke von weissem oder braun- 
gelben Sandstein, von dem einige sehr versteinerungsreich .sind und zum 
Theil aus dicht zusammengehäuften Schalen von Exogyra columba bestehen. 
Noch häufiger werden diese Sandsteinstücke, wenn man sich einem hart 
über dem steilen Thalabhange sich erhebenden mit Kiefern bestandenen 
kleinen Hügel nähert. Hier lassen die zahlreichen mit Ausschluss aller 
anderen Gesteinsarten umherliegenden Stücke von Sandstein und sandi- 
gem Hornstein gar keinen Zweifel, dass die betreffende Bildung anstehend 
sei. Steigt man an dem mit Buschwerk bewachsenen steilen Thalgehänge 
einige Schritte abwärts, so trifft man alsbald die steil aufgerichteten Schie- 
fer der Culm-Bildung und überzeugt sich ebenso von der unmittelbaren 
Auflagerung der sandigen Schichtenfolge, ln geringer Entfernung von dem 
zuletzt erwähnten Hügel in der Richtung gegen Nieder-Paulowitz be- 
findet sich auch eine Sandgrube, in welcher weisser Quarzsand gegraben 
wird. Zwei andere kleinere Partien liegen auf der rechten südlichen Seite 
des Ossa-Thales, die eine südlich, die andere westlich von Nieder-Pau- 
lowitz. Mehrere Sandgruben, welche freilich nach geschehener Aus- 
beutung gewöhnlich wieder geschlossen und eingeebnet werden, sind hier 
vornämlich die Aufschlusspunkte. 

Demnächst ist dieselbe Bildung ^[2 Meile weiter östlich, nämlich in den 
Umgebungen des Dorfes Matzdorf verbreitet. Am östlichen Ausgange 
dieses hart an der preussischen Grenze gelegenen Dorfes befindet sich 
eine Sandgrube mit einzelnen dünnen und unterbrochenen Sandstein- 
Schichten, welche denjenigen bei Nieder-Paulowitz durchaus ähnlich 


Kreide-Formation. 


331 


sind. Ein anderer Aufschlusspunkt liegt südlich von Matzdorf, etwa 
*[4 Stunde oberhalb der Matzdorfer Mühle. In der östlich von dieser Mühle 
auf dem rechten Thalgehänge gelegenen Waldpartie befinden sich die 
sogenannten Venus-Löcher oder Pfingst-Löcher d. i. unterirdische 
Steinbrüche, in welchen ein im frischen Zustande mürber, an der Luft aber 
erhärtender weisser Sandstein in ansehnlichen viele Kubikfuss grossen 
Stücken gebrochen wurde. Gegenwärtig ist der einzige noch vorhandene 
Steinbruch dieser Art nicht mehr zugänglich, jedoch an seinem Eingänge 
noch der Wechsel von losen Sandsteinschichten und weissen oder ocker- 
gelben Sandsteinbänken deutlich zu beobachten. Augenscheinlich wird 
der ganze Hügel in der Umgebung dieser Pfingst-Löcher von derselben 
Bildung, deren unmittelbare Unterlage auch hier die Culm-Schichten bilden, 
eingenommen. Unterhalb der Matzdorfer Mühle ist noch ein weiterer 
Aufschlusspunkt derselben Schichtenfolge. 

Ausserdem sind nun auch noch in der östlich und nordöstlich von 
Matzdorf gelegenen Gegend bis nach dem 2 Meilen entfernten Damasko 
und Gross- Grau den hin ein Paar kleine Partien derselben Ablagerung 
durch A. Haifa r nachgewiesen worden. Zwischen Klein-Berendau und 
Leissnitz befindet sich links am Wege ein Aufschlusspunkt, an welchem 
weisse Sandsteinbänke in einen weissen, zum Theil rothbraun geaderten 
thonigen Sand eingelagert zu Tage stehen. Die Bildung ist hier von einer 
mächtigen Ablagerung von diluvialem Sand und Kies bedeckt, während 
sie die Culm-Grauwacke zur Unterlage hat. Ein zweiter Aufschlusspunkt 
liegt südlich von Casimir und Damasko hart an dem Thalrande. Die 
Sandsteinbänke sind hier einem auffallend weissen Sande untergeordnet. 
Bei Gross- Grau den wird das rechte Thalgehänge durch lose Sandschich- 
ten mit Einlagerungen von dünnen Sandsteinbänken gebildet, welche 
namentlich in einem Hohlwege in dem Dorfe selbst deutlich aufgeschlossen 
sind. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich in der Folge ein Zusammen- 
hang zwischen diesen nordöstlichen Partien der Ablagerung und denjenigen 
von Matzdorf und Nied er-Paulo witz wird nachweisen lassen. 

Ausser der bisher angeführten Verbreitung der fraglichen sandigen 
Kreide -Bildung in anstehenden Schichten ist dieselbe auch noch durch 
zahlreiche in der näheren und entfernteren Umgebung von Leobschütz 
als Geschiebe vorkommende lose Sandsteinblöcke vertreten. Solche Sand- 
steingeschiebe werden namentlich in den Sandgruben, in welchen diluvia- 
ler Sand und Kies gegraben wird, beobachtet. Häufig sind dergleichen 
Sandstein- Geschiebe namentlich in der am nördlichen Ausgange von 
Leobschütz gelegenen grossen Sandgrube. Noch zahlreicher finden sie 

42 * 


332 


Kreide-Formation. 


sich in einer Meile nördlich von Le ob schütz bei der Walkmühle unweit 
Sab schütz gelegenen Sandgrube. Hier überwiegen sie an Zahl bei wei- 
tem die Geschiebe aller anderen Gesteinsarten, üebrigens ist das Gestein 
dieser in den Kiesgruben vorkommenden Sandsteinblöcke demjenigen der 
anstehenden Sandsteinbänke nicht ganz gleich, obgleich es offenbar mit 
jenen zu einer wesentlich gleichalterigen Bildung gehört. Es ist ein kreide- 
weisser, poröser und deshalb leichter, sehr rauh anzufühlender Sandstein 
mit kieseligem Bindemittel. Im Gegensatz zu den anstehenden Sandstein- 
Schichten sind diese losen Blöcke ferner sehr versteinerungsreich und 
manche derselben stellen wahre Aggregate von Fossilresten, welche frei- 
lich immer nur in der Form von Steinkernen und Abdrücken erhalten 
sind, dar. 

3. Organische Einschlüsse. 

Vergl. Taf. 26. 

Die die Hauptmasse der ganzen Ablagerung bildenden lockeren weissen 
Sande enthalten keine Versteinerungen. Nur die bei Nieder-Paulowitz 
umherliegenden losen gelben Sandsteinblöcke und die in den Kiesgruben 
bei Leo bschütz vorkommenden Stücke von schneeweissem rauhen Sand- 
steine sind zum Theil in solcher Weise mit Versteinerungen erfüllt, dass 
sie wahrscheinlich nur concretionäre Ausscheidungen in dem losen Sande 
gebildet haben, deren Bildung durch die Muschelschalen veranlasst wur- 
den. Im Ganzen sind mir folgende Arten von Versteinerungen, welche 
meistens durch A. Halfar gesammelt wurden, bekannt geworden. 

Verzeichniss der in den cenomanen sandigen Schichten 
zwischen Leobschütz und Neustadt beobachteten Versteine- 
rungen. 

1) Exogyra columha Goldf.*, Taf. 26, Fig. 1. 

Bei Nieder-Paulowitz unweit Hotzenplotz habe ich einzelne faust- 
grosse Stücke von grobkörnigen, durch Eisenoxjdhydrat gelb gefärbten 
Sandstein gefunden, welche mit Ausschluss aller anderen Versteinerungen 
ganz erfüllt sind mit Steinkernen und Abdrücken dieser Art. Die Grösse 
der Exemplare kommt derjenigen der grösseren Exemplare in dem sächsi- 
schen und böhmischen Quadersandstein nicht gleich und beträgt selten 
mehr als 1 Zoll in der Länge. Allein einzelne Exemplare bleiben hinter 
der gewöhnlichen Grösse der sächsischen und böhmischen Exemplare nicht 
zurück und sind bis Zoll breit. Auch in den losen weissen Sandstein- 
blöcken der Kiesgruben bei Leobschütz und Sab schütz ist die Art nicht 


Kreide-F ormation. 


33a 


selten. In deutlicher Erhaltung und in dichter Zusammenhäufung der Indi- 
viduen fand sie Halfar in Stücken von ^veissem Sandstein mit hornstein- 
artigem kieseligen Bindemittel in der Sandgrube bei der Walkmühle west- 
lich von Sabschütz. Fig. 1 stellt einen Steinkern der grösseren Klappe 
von Nieder-Paulowitz dar. 

2) Ostrea carinata Lam. 

Abdrücke in porösem Sandstein mit kieseligem Bindemittel aus der 
Sandgrube am Landrathsamte in Le ob schütz und aus derjenigen am 
Ostende von Sabschütz liegen vor, welche vollständig mit solchen aus 
dem Quaderstein Sachsens und Böhmens übereinstimmen. Ein einzelnes 
Exemplar auch vom Auberge bei Hotzenplotz. 

3) Pecten acuminatus G-einitz; Taf. 26, Fig. 3. 

P. acuminatus Geinitz, Charakt. Sächs.-Böhm. Kreide-Geb. p. 84, 
Taf. XXL, Fig. 6^ Reuss, Böhm. Kreide-Geb. 11. p. 29, Taf. 39, 
Fig. 20, 21. 

Nur ein einziges aber sicher bestimmbares in der Sandgrube von Sab- 
schütz von mir gefundenes Exemplar der linken Klappe dieser grossen 
Pecten-Art liegt vor. Die 23 — 25 dachförmigen ausstrahlenden Falten sind 
auf der Höhe gekerbt. Die scharf abgesetzten Ohren sind mit einzelnen 
erhabenen Radial-Linien geziert. Nach Geinitz (Quadersandstein -Geb. 
p. 182) ist dies eine im unteren Quadersandsteine Sachsens und Böhmens 
weit verbreitete Art. Nach Reuss ist sie in grossen Exemplaren im Hip- 
puriten-Kalke Böhmens sehr häufig. 

4) Pecten membranaceus Nilsson; Taf. 26, Fig. 5. 

Kur ein einziges in einem Geschiebe von weissem kieseligen Sandstein 
von der Walkmühle nördlich von Leobschütz eingeschlossenes Exemplar 
liegt vor. Nach Geinitz ist die Art im Quadersandstein Sachsens ver- 
breitet. 

5) Pecten virgatus N i 1 s s o n. 

Nur ein Fragment dieser bekannten Art aus der Sandgrube bei Leob- 
schütz liegt vor. Nach Geinitz ist die Art im unteren Quadersandsteine 
Sachsens und Böhmens weit verbreitet. 

6) Modiola conf. M, lineata Sow. bei Fit ton. 

Nur ein einziges in Sandstein mit kieseligen Bindemittel eingeschlosse- 
nes Exemplar, welches durch A. Halfar am rechten Ufer des Sabschützer 
Wassers südlich von Casimir und Damasko gefunden wurde, liegt vor. 
Sehr feine und scharfe ausstrahlende Linien bedecken die Oberfläche der 
schmalen und hochgewölbten Schale und lassen nur einen kleinen Raum 
in der Nähe des Wirbels frei. Geinitz führt die Art aus dem Quader- 


334 


Kreide-F ormation. 


Sandstein Sachsens auf. Die wirkliche Identität mit Fitton’s dem ,, Lower 
greensand“ angehörenden Art ist mehr als zweifelhaft. 

7) Protocardia Hillana Bejrich (Cardium Hillanum Sow.)* Taf. 26, 

Fig. 2. 

Es liegt ein vollständiges am nordöstlichen Ende von Matzdorf bei 
Leobschütz durch A. Halfar gefundenes Exemplar dieser bekannten 
Leitmuschel des cenomanen Quadersandsteins vor. Ein anderes weniger 
vollständiges Exemplar wurde als Geschiebe bei Füllstein unweit 
Hotzenplotz gefunden. Fig. 2 stellt das erstere Exemplar dar. 

8) Area Ligeriensis d’Orb. 

Von dieser gewöhnlich als Area glabra Sow. aus dem Quadersandstein 
aufgeführten Art liegt ein Exemplar von der Walkmühle bei Kalten - 
haus vor. 

9) Cyprina sp.; Taf. 26, Fig. 4. 

Nur das einzige, in porösen mit Kieselnadeln von Spongien erfüllten 
Sandstein eingeschlossene Exemplar aus der Sandgrube am Landraths- 
amte in Leobschütz, welches die Abbildung darstellt, liegt vor. 

10) Rhynchonella compressa d’Orb. 

Nur als Abdrücke erhaltene Exemplare von Neudörfel und von 
D amasko (in demselben Sandsteinstücke, welches Modiola conf. Jlf. lineata 
Sow. enthält!) liegen vor. Dieselben gleichen durchaus Abdrücken der- 
selben Art im Quadersandstein Sachsens und Böhmens, welche Geinitz 
und Reu SS früher unter den Benennungen Terehratula alata und T. depressa 
beschrieben haben. 

11) Sphaerulites Saxoniae A. Roemer?; Taf. 26, Fig. 7, 8, 9. 

In Stücken von weissem kieseligen Sandstein mit Kluftüberzügen von 
klein traubigem Chalcedon fand ich in der Sandgrube bei Kaltenhaus 
unweit Sab schütz nördlich von Leobschütz Fragmente, welche offen- 
bar zu Rudisten gehören. Am deutlichsten ist das Fig. 7 in natürlicher 
Grösse abgebildete Stück. Dasselbe zeigt deutlich ein aus dünnen Lagen 
bestehendes poröses Schalstück mit der unverkennbaren prismatisch zelli- 
gen Struktur der Hippuriten. Fig. 8 ist die vergrösserte Ansicht der auf 
der Oberfläche der dünnen Schichten ausmündenden prismatischen Zellen. 
Fig. 9 derselben Zellen im Längsschnitt. Ausser diesem Stücke, bei wel- 
chem die Schal-Substanz selbst erhalten ist, kommen in denselben Sand- 
steinstückeri Steinkerne vor, welche jedenfalls zu Rudisten und vielleicht 
zu derselben Art, wie das Fig. 7 abgebildete Stück gehören^ der deutlichste 
Steinkern dieser Art ist Fig. 6 abgebildet. Beide Ueberreste werden hier 
wegen allgemeiner Aehnlichkeit zu dem im sächsischen Quadersandstein 


Kreide-Formation. 


335 


vorkommenden Sphaerulites Saxoniae gerechnet. Dieselben diese Hippuri- 
ten einschliessende Sandsteinstücke enthalten auch kleine Exemplare von 
Exogyra columba und die sogleich zu beschreibenden Schalstücke von 
Pygurus lampas D e s o r. 

12) Pygurus lampas Desor; Taf. 26, Fig. 10. 

1819 Echinolampas lampas delaBeche in: Transact. soc. geol. 
1819, p. 42, PI. IIL, Fig. 3—5. 

1841 Pygorhynchus rostratus A. Roemer, Verst. Nordd. Kreide- 
Geb. Taf. VI., Fig. 13. 

1847 Pygurus trilobus Agassiz et Desor, Catal. rais. p. 103. 

1849 — 1850 Pygorhynchus rostratus Geinitz, Quadersandstein- 
Geb. p. 222. 

1858 Pygurus lampas Synops. Echin. foss. p. 311. 

1855 — 1869 Pygurus lampas Cotteau et Triger, Echinides du 
Dept. de la Sarthe, p. 191, PI. XXXII, Fig. 8, 9. 

Nur Abdrücke einzelner Ambulacral- und Interambulacral- Felder lie- 
gen vor. Dieselben sind in unregelmässiger Zusammenhäufung in Stücken 
von porösem, mit Kieselnadeln (Spiculae) von Spongien erfüllten vreissen 
Sandstein eingeschlossen, welche ich in der Sandgrube bei Sab schütz 
fand und weiche ausserdem kleine Exemplare von Exogyra columba ent- 
halten. In schönster Erhaltung findet sich dieses durch die schnabelförmige 
Verlängerung der Schale nach hinten und die tiefen den Mund umgebenden 
Depressionen ausgezeichnete Echinid in cenomanen sandigen Schichten bei 
Le Mans im Sarthe-Departement. Von dort haben Cotteau und Triger 
die Art beschrieben und vorzüglich gut abgebildet. Pygorhynchus rostratus 
(in der Unterschrift der Tafel als Pygorhynchus conoideus irrthümlich bezeich- 
net!) meines Bruders A. Roemer ist synonym mit Pygurus lampas. Das 
kleine als Steinkern von weissem Sandstein erhaltene Exemplar, welches 
der Beschreibung und Abbildung meines Bruders zu Grunde liegt, soll 
angeblich aus dem Quader von Blankenburg am Harze herrühren, 
allein, da, wie mir bestimmt erinnerlich, mein Bruder das fragliche Exem- 
plar nicht selbst gesammelt hat, so beruht diese Fundortangabe sehr wahr- 
scheinlich auf einer Verwechselung. Denn im Quadersandstein Sachsens 
und Böhmens kommen Exemplare vor, welche in jeder Beziehung mit dem 
Exemplare meines Bruders übereinstimmen. Das Breslauer Museum be- 
sitzt ein solches Exemplar, welches nur durch die bedeutendere Grösse 
von dem Exemplare meines Bruders abweicht und ebenso sich mit einem 
durch L. Saemann erhaltenen Exemplare von LeMans übereinstimmend 
zeigt. Geinitz führt Pygorhynchus rostratus aus dem Quadersand stein von 


336 


Kreide-Formation. 


Pankratz in Böhmen auf. Die Schalen-Fragmente von Sab schütz sind 
besonders an der zierlich lanzettlichen Form der Ambulacral-Felder und 
der für die Art besonders bezeichnenden stumpfwinkeligen (nich gerade- 
linigen) unteren Begrenzung der einzelnen Täfelchen der Interambulacral- 
Felder als zu der Art gehörend erkennbar. Der Umstand 5 dass die 
Schale in einzelne Fragmente zerbrochen vorliegt, erklärt sich aus der 
Dünnheit der Täfelchen. Auch bei den Exemplaren von Le Maus trennt 
sich die Schale leicht nach den die Interainbulacral-Felder in der Mitte 
von oben nach unten theilenden Nähten. 

Erklärung der Abbildung: Fig. 10 ist die Skizze eines Ambula- 
cral-Feldes mit den Hälften der angrenzenden beiden Tnterambulacral-Fel- 
der. Die stumpfwinkelige Begrenzung der Täfelchen der Interambulacral- 
Felder nach unten ist deutlich erkennbar. 

4. Altersbestimmung und Vergleichung mit gleichstehenden Ablagerungen 
anderer Gegenden. 

Die in dem Vorstehenden aufgeführten Versteinerungen lassen in Betreff 
des Alters der in Rede stehenden sandigen Kreide-Bildung keinen Zweifel. 
Exogyra columba und Protocardia hillana sind wohlbekannte Leitfossilien 
des cenomanen Quadersandsteins in Sachsen und Böhmen und auch die 
übrigen Arten sind fast alle aus diesem bekannt. Die sandigen Ablage- 
rungen zwischen Le ob schütz und Neustadt sind daher zuverlässig von 
gleichem Alter wie der Qiiadersandstein Sachsens und Böhmens. In der 
That ist auch nur die vorherrschende lose Beschaffenheit der oberschlesi- 
schen Ablagerungen von diesen unterscheidend. Die lockere Beschaffen- 
heit ist offenbar auch der Grund der Erscheinung, dass die Ablagerungen 
sich nur in einzelnen Partien von beschränktem Umfange erhalten haben, 
während sie früher unzweifehaft über den ganzen zwischen diesen einzel- 
nen Partien liegenden Flächenraum verbreitet waren. Möglicher Weise 
ist auch die ursprüngliche Mächtigkeit der ganzen Bildung eine bedeuten- 
dere gewesen und durch theilweise Zerstörung bis auf die gegenwärtige 
Dicke vermindert. 

Trotz der Ueb er ein Stimmung mit dem Quadersandsteine Sachsens, Böh- 
mens und Niederschlesiens befinden sich übrigens diese sandigen Schichten 
Oberschlesiens der Lage nach völlig getrennt von jenen. Auch von den 
zunächst gelegenen Partien der Grafschaft Glatz sind sie durch breite 
Höhenzüge des Urgebirges vollständig geschieden. Dennoch muss ehe- 
mals eine Verbindung mit jener westlicheren Hauptentwickelung des 
Quadersandsteins bestanden haben, denn die palaeontologische Ueberein- 
stimmung ist zu gross, als dass man nicht die Ablagerungen aus einem 


Kreide-Formation. 


337 


und demselben Meeresbecken annehmen müsste. Es sind diese wenig 
mächtigen sandigen Ablagerungen Oberschlesiens als der östlichste Aus- 
läufer der mitteldeutschen cenomanen Quadersandstein-Bildung anzusehen, 
lieber dieselben hinaus weiter gegen Osten ist weder in Polen noch in 
Russland die gleiche Bildung bekannt. 

aa. Graue sandige Kalk-Mergel mit Ammonites Ehotomagensis. 

1. Petrographisches Verhalten. 

Die ganze nur wenige (3 bis 20) Fuss mächtige Bildung besteht aus 
deutlich geschichteten grauen Kalk-Mergeln von grösserer oder geringerer 
Festigkeit. Gewöhnlich sind die Mergel durch beigemengte feine Quarz- 
körner sandig rauh. Bei Bladen enthalten sie zugleich feine, mit blossem 
Auge kaum sichtbare, grüne Glaukonit-Körner, jedoch niemals in solcher 
Häufigkeit, um das Gestein deutlich grün erscheinen zu lassen. 

2. Stratographisches Verhalten. 

Die Schichten des Mergels liegen überall anscheinend ganz wagerecht. 
Wo das Liegende derselben überhaupt bekannt ist, wird es durch die auf- 
gerichteten Grauwacken-Sandsteine und Thonschiefer der Culm-Bildung, 
die herrschenden Gesteine der ganzen Gegend, gebildet. Die Bedeckung 
der Schichten wird gewöhnlich durch das Diluvium gebildet. Bei Hohn- 
dorf werden sie von tertiärem Kalk-Mergel (Leitha-Kalk) überlagert. 

3. V erbreitiing. 

Die Verbreitung dieser mergeligen Kreide -Bildungen der Gegend von 
Le ob schütz beschränkt sich auf einige kleine Partien von ganz geringer 
Ausdehnung im Süden von Leob schütz, wobei freilich die Möglichkeit 
einer weiteren Ausdehnung unter dem Diluvium nicht ausgeschlossen ist. 
Zunächst sind die Mergel an zwei Punkten bei dem Marktflecken Bladen 
aufgeschlossen. Am westlichen Ende des Ortes wird an dem steilen lin- 
ken Ufer des Troja -Baches ein der Gemeinde gehöriger Steinbruch im 
Grauwacken - Sandstein der Culm-Bildung betrieben, dessen Bänke mit 
10^ bis 20^ gegen Westen einfallen und durch dünne thonige Zwischen- 
lagen mit Posidonomya Becheri getrennt werden. Diese Culm-Grauwacke 
wird durch eine wagerecht liegende Schichtenfolge von Glaukonit-reichem 
grauem sandigen Kalk-Mergel, der an der Luft rasch zerbröckelt, über- 
lagert. Um zu der Culm-Grauwacke zu gelangen, muss dieser Kalk-Mergel 
als Abraum beseitigt werden und ist dadurch deutlich aufgeschlossen. 
Zahlreiche freilich meistens nur in der Form von Steinkemen und in ver- 

43 


338 


K reide-Formation. 


drückten! Zustande erhaltene Versteinerungen lassen in Betreff der cretacei- 
schen Natur der Ablagerung keinen Zweifel. Der zweite durch A. Halfar 
im Jahre 1861 aufgefundene Punkt liegt südöstlich von Bladen auf dem 
rechten Ufer des Troja-Baches. Bei dem Wehre oberhalb der Rothen Mühle 
befindet sich am Fusse der flachen Erhebung, welche hier das rechte Thal- 
gehänge bildet, eine Mergelgrube, in welcher ein hell gelblichgrauer Kalk- 
Mergel in einer Mächtigkeit von 10 bis 12 Fuss aufgeschlossen ist. Die 
hellere Farbe und das Fehlen der Sand- und Glaukonit-Körner unterschei- 
den den Mergel von dem an der vorher genannten Stelle westlich von 
Bladen anstehenden Mergel. Die Lagerung des Mergels ist wagerecht 
oder ganz flach geneigt. Das Liegende ist nicht sichtbar. Wahrscheinlich 
besteht der ganze Hügelrücken, an dessen Fusse die Mergelgrube gelegen 
ist, aus demselben Mergel. 

Gegen 400 Schritte weiter abwärts an dem rechten Ufer des Troja- 
Baches auf dem Grundstücke des Franz Manke in Bladen fand A. Halfar 
ein Gestein von ganz anderer Beschaffenheit. Ein fester grünlich grauer 
kalkiger Sandstein mit eingestreuten sehr feinen schwärzlich grünen 
Glaukonit-Körnern bildet hier am rechten Ufer des Fluthgrabens eine 
dünne Bank. Dünne flimmernde Lamellen von Kalkspath liegen zwischen 
den Sandkörnern und werden von denselben zum Theil durchbrochen. 
Nur undeutliche Reste von Zweischalern und Spongien wurden in dem 
Sandsteine bemerkt. Die Oberfläche der Sandsteinstücke ist zum Theil 
von fingersdicken bimförmigen Pholaden-Löchern durchbohrt, beweisend, 
dass die Sandsteinbank während der Tertiärzeit an der betreffenden Stelle 
den Meeresboden gebildet hat. Das Lagerungsverhältniss des Sandsteins 
zu den Mergeln der Mergelgrube an dem Wehre ist nicht klar. 

Endlich sind auch bei dem 1 Meile südöstlich von Bladen gelegenen 
Dorfe Hohndorf hierher gehörende mergelige Kreide-Schichten bekannt 
geworden. An dem rechten südlichen Gehänge des Bachthals sind hier 
deutlich und dünn geschichtete lockere g,raue Kalk-Mergel in dem Dorfe 
selbst aufgeschlossen. Die Lagerung ist wagerecht oder ganz flach geneigt. 
Die äussere Beschaffenheit des Mergels gleicht mehr derjenigen des Mer- 
gels oberhalb der Rothen Mühle, als in dem Gemeindebruche an dem 
westlichen Ende von Bladen. Wie jene enthält er keine Sand- und 
Glaukonit-Körner. An einer Stelle^) wird der Mergel von tertiärem weis- 
sen Kalk-Mergel mit Nullipora ramosissima (Leitha-Kalk) überlagert. 

1) Nämlich in der Kr ock er’ sehen Gypsgrube, irrthümlich so genannt, weil man den tertiären 
Kalk-Mergel anfänglich für Gyps-Mergel, der in der ganzen Gegend als Düngungsmittel eifrig ge- 
sucht wird, gehalten hatte. 


Kreide-Formation. 


839 


4. Organische Einschlüsse. 

Vergl. Taf. 29. 

Die Mergel enthalten an allen Stellen, an welchen sie bisher bekannt 
geworden sind, Versteinerungen. Da es jedoch nicht an allen Localitäten 
dieselben Arten sind, so sind sie gesondert aufzuzählen. 

1‘ Versteinerungen des sandigen grauen Mergels in dem am 
westlichen Ausgange von Bladen gelegenen Steinbruche. 

1) Ammonites Rhotomagensis Defr. * Taf. 29, Fig. 15. 

Nur verdrückte aber doch sicher bestimmbare unvollständige Exem- 
plare dieser Art liegen vor. Die grösseren Bruchstücke deuten auf Exem- 
plare von wenigstens 9 Zoll Durchmesser. Fig. 15 stellt ein Fragment 
eines kleineren Exemplars dar. 

2) Nautilus sp. 

Verdrückte glatte Steinkerne wie sie gewöhnlich als N, simplex auf- 
geführt werden. 

3) Natica caualiculata Sow.; Taf. 29, Fig. 11. 

Die zwei vorliegenden etwas verdrückten Exemplare passen vollstän- 
dig zu der von Reuss (Verst. Böhm. Kreidef. p. 49, Taf. 11, Fig. 1) gege- 
benen Beschreibung und Abbildung der Art. Nach Geinitz und Reuss 
hat die Art in Böhmen und Sachsen eine grosse vertikale Verbreitung, 
indem sie aus dem „unteren Quadersandstein“ bis in den senonen „oberen 
Quadersandstein“ reicht. Vorzugsweise gehört sie freilich dem „Pläner- 
Mergel“ und im Besonderen demjenigen von Luschitz, Wollenitz und 
Priesen an. Ob die sächsisch- böhmische Art wirklich mit der von 
Sowerby so bezeichneten englischen Art identisch sei, soll hier übrigens 
nicht entschieden werden. Fig. 11 stellt das kleinere der beiden Exem- 
plare dar. Das andere hat die doppelte Grösse von diesem. 

4) Rostellaria sp.^ Taf. 29, Fig. 12. 

Nur das einzige abgebildete als glänzend glatter Steinkern erhaltene 
Exemplar liegt vor. 

5) Emarginula Buchi Gein.? Taf. 29, Fig. 13. 

Nur das einzige abgebildete Exemplar liegt vor. Dasselbe passt zu 
der Beschreibung und Abbildung von Geinitz^ schwache Andeutungen 
von feinen Radial-Linien sind an der Basis erkennbar. Geinitz führt 
die Art aus dem Grünsande von Oberau in Sachsen an. 

6) Crassatella regularis d’Orb.; Taf. 29, Fig. 8. 

Die zahlreichen vorliegenden Exemplare passen gut zu der Beschrei- 

43 * 


340 


Kreide-Formation. 


bung und Abbildung von Reuss (Verst. Böhm. Kreidef. p. 3, Taf. XXXIII., 
Fig. 25), welcher sie aus dem „unteren Pläner-Kalke“ von Laun in Böh- 
men aufführt. Ob aber die böhmische Art wirklich mit d’Orbigny’s 
Cr, regularis identisch ist, soll hier nicht entschieden werden. 

7) Corbis rotundata d’Orbigny, Pal. Franc. Terr. er et. p. 113, PI. 280. 

Zahlreiche Exemplare dieser hoch aufgeblähten kreisrunden 1*|2 Zoll 

grossen Art liegen vor. Sie passen gut zu d’Orbigny’s Beschreibung 
und Abbildung. Reuss und Geinitz bilden nichts Aehnliches aus den 
sächsischen und böhmischen Kreide -Bildungen ab. Xach d’Orbigny 
gehört die Art in Frankreich der unteren Abtheilung der „Etage Turo- 
nien“ an. 

8) Arcopagia circinalis d’Orb.* Taf. 29, Fig. 9. 

Die vorliegenden zwei Exemplare passen zu der Beschreibung von 
d’Orbigny und Reuss. Der letztere Autor führt die Art aus dem „unte- 
ren Pläner-Kalk“ von Laun, dem „Grünsandstein“ von Czencziz und 
aus dem „Hippuriten-Kalk“ von Koriczan in Böhmen auf. Unsere Ab- 
bildung stellt das grössere der beiden Exemplare dar. 

9) Gdstrochaena ampliisbaena Gein. (Serpula ampliishaena Goldf.) 

Kur ein einzelnes Fragment der Röhre dieser in den unteren Abtheilun- 
gen der sächsischen und böhmischen Kreide weit verbreiteten Art liegt vor. 

10) Inoceramus striatus Mant. 

Kur kleine, nicht über Zoll lange Exemplare liegen vor. Diese aber 
kommen in grosser Häufigkeit vor. 

11) Pecten Dujardinii A. Roemer* Taf. 29, Fig. 2. 

Die vorliegenden Exemplare, stimmen vollständig mit der Abbildung 
und Beschreibung von Reuss (Verst. Böhm. Kreidef. p. 30, Taf. 39, Fig, 17), 
welcher die Art als bezeichnend für den böhmischen Pläner-Sandstein auf- 
führt. In der That liegt mir auch ein Exemplar aus dem Pläner-Sandstein 
von Cudowa in der Grafschaft Glatz vor, welches vollständig zu der 
Beschreibung von Reuss und zugleich zu den oberschlesischen Exem- 
plaren passt. 

12) Pecten sp. 

Eine grosse, zwei Zoll lange Art, mit zahlreichen (40 bis 50) ausstrah- 
lenden Falten von der allgemeinen Gestalt des P, acuminatus Gein. Drei 
Exemplare liegen vor. 

13) Janira quinquecosiata d’Orb. (Pecten quinquecostatus Sow.) 

Nur ein einziges unvollständiges, aber sicher bestimmbares Exemplar 
liegt vor. Bekanntlich ist die Art auch in den unteren Abtheilungen der 
böhmischen Kreide verbreitet. 


Kreide-Formation. 


341 


14) Ostrea sulcaia Blumenbach; Taf. 29, Fig. 3. 

conf. Reuss, Verst. Böhm. Kreidef. p. 39, Taf. XXVIIL, Fig. 2, 3, 4, 8; 
Ostrea semiplana Sow. bei Geinitz, Quadersandstein-Geb. p. 198. Diese 
Art gehört zu den häufigsten der ganzen Fauna. Die vorliegenden Exem- 
plare passen durchaus zu der Beschreibung und Abbildung von Reuss. 
Ob aber wirklich die böhmische Art mit Blumenbach’s ursprünglich 
aus den senonen Mergeln von Gehrden bei Hannover beschriebenen 
Art identisch sei, wird hier nicht entschieden. Die durch das Aufwachsen 
auf einen cjlindrischen Körper hervorgebrachte Furche der grösseren 
Klappe bei der Form von Gehrden fehlt hier allerdings, indem die Scha- 
len gewöhnlich auf die Rückseite von Schalen derselben Art festgewach- 
sen sind. Aber sonst sind die Merkmale übereinstimmend. Nach Reuss 
gehört die Art in Böhmen vorzugsweise dem „unteren Pläner-Kalke“ an. 

15) Exogyra lateralis R e u s s f Ostrea lateralis N i 1 s s o n) ; Taf. 29, Fig. 4, 5 . 

Diese durch ihre grosse verticale und horizontale Verbreitung aus- 
gezeichnete Art gehört zu den häufigeren Arten der Fauna, ln Böhmen 
ist sie nach Reuss besonders im „unteren Pläner-Kalke“ häufig. Fig. 4 
stellt .ein Exemplar der festgewachsenen Klappe, Fig. 5 ein Exemplar der 
freien Klappe (gegen die Innenfläche gesehen) dar. 

2'^- Aufzählung der Versteinerungen aus dem Kalkmergel der 
Mergelgrube am Wehr der Rothen Mühle bei Bladen. 

1) Scaphites sp.; Taf. 29, Fig. 17. 

Junge *|2 bis 1 Zoll grosse Exemplare mit rundlichem Querschnitte, der 
wenig involuten Umgänge und Rippen auf den Seiten, die am Rücken sich 
mehrfach theilen, wie Fig. 17 ein solches darstellt, haben durchaus die 
Form von Ammoniten und sind auch früher, von mir für solche gehalten 
worden. Erst bei grösseren, zum Theil mehr als zwei Zoll langen Exem- 
plaren tritt die Scaphiten- Natur in der geraden Streckung der Wohn- 
kammer deutlich hervor. 

2) JSelicoceras annulifer n. sp. (Hamites plicatilis A.Roemer^ Geinitz y 
Reuss u. s. w., non Sowerby.) Vergl. oben S. 320. 

Nur ein einziges Exemplar mit 9''^ dicken Umgängen liegt vor. Dasselbe 
passt gut zu den grösseren Exemplaren von Oppeln. 

3) Toxoceras nodiger n. sp.; Taf. 27, Fig. 19, 20, 21. 

Das Gehäuse stellt einen sanft gekrümmten Stab von elliptischem Quer- 
schnitt dar, der auf der Oberfläche mit regelmässigen etwas schief nach 
oben gerichteten Rippen bedeckt ist, welche auf dem Rücken zwei spitze 


842 


Kreide-B'ormation. 


Knoten tragen. Nur Bruchstücke liegen vor. Reuss und Geinitz be- 
schreiben nichts Aehnliches aus den sächsischen und böhmischen Kreide- 
Bildungen. Fig. 19 stellt eines der grösseren Fragmente in natürlicher 
Grösse von der Seite. Fig. 20 ist die Rückenansicht von einem Theile 
dieses Exemplars. Fig. 21 die Ansicht des Querschnitts. 

4) Toxoceras sp.? 

Nur ein \ \ Zoll langes und fast 1 Zoll breites Bruchstück liegt vor. 
Dasselbe ist auf den Seitenflächen mit dicken Rippen bedeckt, von denen 
fünf auf die Länge eines Zolles kommen. Die. abwechselnden Rippen 
endigen an Rippen mit einem starken Knoten. 

5) Baculites sp. 

Es liegen mehrere kleine kaum mehr als Federspulen dicke Bruch- 
stücke und ein grösseres 9''' breites vor. Die kleineren Fragmente zeigen 
zum Theil auch die Loben der Kammerwände. 

6) Bostellaria conf. R, Buchii Goldf. 

Nur ein einziges Exemplar liegt vor. Dasselbe stimmt mit Exempla- 
ren der R, Buchii von Haldem überein. 

7) Turritella sexlineata A. Roemer?* Taf. 29, Fig. 10. 

Man zählt zwar nur 5, zuweilen sogar nur 4 Spiralleisten, aber sonst 
gleichen die vorliegenden Exemplare ganz der typischen Form von 
Aachen. 

8) Dentalium decussatum Sow.^ Taf. 29, Fig. 14. 

Nach Geinitz und Reuss ist diese Art im Pläner-Kalke und im Pläner- 
Mergel Sachsens und Böhmens verbreitet. Ohne die wirkliche Identität 
dieser böhmischen und sächsischen Art mit der englischen von Sowerby 
behaupten zu wollen, soll hier nur auf die üebereinstimmung der schlesi- 
schen Exemplare mit der böhmischen Art hingewiesen werden. In der 
Abbildung Fig. 14 sind die Längsreifen von dem Zeichner etwas zu stark 
angegeben worden. 

9) Leguminaria truncatula Reuss. 

Mehrere 1 Zoll lange und 4'" breite Steinkerne liegen vor. Alle zeigen 
deutlich eine von dem Wirbel herablaufende gerade Furche, welche der 
für die Gattung bezeichnenden Schwiele auf der Innenfläche der Klappen 
entspricht. Die Exemplare passen gut zu der Beschreibung und Abbildung 
(a. a. 0. II. p. 17, Taf. 36, Fig. 13, 16, 17). Reuss führt die Art aus dem 
„unteren Pläner-Kalke^^ von Laun auf. 

J.0) Cardium Suhdinnense d’Orbigny, Pal. Franc. Terr. Cret. p. 18, 
PI. 250, Fig. 1—3. 

Die vorliegenden Exemplare passen gut zu der Beschreibung und Ab- 


Kreide-F ormation. 


343 


bildung von d’Orbigny, der die Art aus dem „Etage Turonien“ aufFührt. 
In dieselbe durch eigenthümlichen Habitus und namentlich durch eine Aus- 
dehnung der Schale nach hinten ausgezeichnete Gruppe von Cardien der 
Kreide -Formation 5 welche man wahrscheinlich unter einer besonderen 
generischen Benennung zusammenzufassen berechtigt ist, gehören ausser- 
dem Cardium Cornuelianum d’Orb., C. Sancti Sabae und C. elegantulum 
aus der Kreide von Texas (vergl. F. Roemer, Kreide-Bild, von Texas 
p. 48) und als bekannteste und grösste Art das in senonen Schichten weit 
verbreitete (7. caudatum (Pholadomya caudata A. Roemer). 

11) Cucullaea glabra S o w. ? 

Nur Steinkerne von der allgemeinen Gestalt dieser wohlbekannten Art 
liegen vor. 

12) Inoceramus sp. 

Nur unvollständige Exemplare von der allgemeinen Gestalt des I. stria- 

Man t. liegen vor. 

1 3) Pecten JSlilssoni G o 1 d f. 

Mehrere Exemplare dieser in senonen und turonen Kreide -Bildungen 
weit verbreiteten glatten Art liegen vor. 

14) Lima elongata A. Roemer (Plagiostoma elongatum Sow.)- Tak 29, 

Fig. 1. 

Diese Art, welche nach Geinitz und Reuss im unteren Pläner Sach- 
sens und Böhmens häufig ist, liegt in mehreren gut erhaltenen Exemplaren 
vor. Fig. 1 stellt das grösste als Steinkern erhaltene der vorliegenden 
Exemplare dar. 

15) Ostrea sulcata B 1 u m e n b . 

Die Exemplare gleichen denjenigen aus dem Steinbruche am Westende 
von Bladen. Die Art ist das häufigste Fossil der Fauna. 

16) Terebratulina gracilis d’Orb. 

Zwei sicher bestimmbare Exemplare liegen vor. 

17) Cribrospongia sp. 

Ein trichterförmiger Schwamm von 1‘|.2 Zoll im Durchmesser. 

18) Undeutliche Dicotgledonen-Blätter. 

3®* Aufzählung der Versteinerungen aus dem Kreide-Mergel 
von Hohndorf. 

1) Otodus appendiculatus Agass. 

Grössere und kleinere Zähne. 

2) Lamna sp. 

Zähne mit Längsreifen auf der convexen Seite. 


344 


Kreide-F ormation. 


3) Ptychodus mammillaris Agass. 

Nur ein einziger kleiner Zahn liegt vor. 

4) Osmeroides Lewesiensis Agass. 

Dichte Anhäufungen der dünnen rundlichen an dem einen Rande ge- 
kerbten Schuppen aus Beyer’s Mergelgrube bei Hohndorf liegen vor. 

5) Scaphites sp. 

Dieselbe Art wie die in der Mergelgrube an der Rothen Mühle bei 
Bladen vorkommende Art, aber nur in kleinen kaum ^[4 Zoll grossen 
Exemplaren. 

6 ) Toxoceras nodiger n. sp. 

Das einzige vorliegende Exemplar stimmt vollständig mit denjenigen 
von Bladen überein. 

7) Inoceramus Brongniarti Sow.? 

Die vorliegenden Exemplare sind nicht vollständig genug um eine ganz 
sichere Bestimmung zuzulassen. Am häufigsten sind Fragmente der ^|4 bis 
*|2 Zoll dicken faserigen Schalen-Fragmente. 

8 ) Pinna sp. 

Mit subquadratischem Querschnitt der Schale. 

9) Cribrospongia sp. 

Dieselbe trichterförmige etwa V \2 Zoll grosse Art, wie bei Bladen. 

10 ) Bicotyledonen-Blätter. 

Mit deutlicher Mittelrippe, aber ohne deutlich erkennbare Seitennerven. 

5. Altersbestimmung und Vergleichung mit gleichstehenden Ablagerungen 
benachbarter Gegenden. 

Die Vergleichung der vorstehenden Listen von Versteinerungen ergiebt 
keineswegs eine vollständige palaeontologische üebereinstimmung der Mer- 
gel an den verschiedenen Fundstellen, sondern entsprechend der petro- 
graphischen Verschiedenheit weicht die fossile Fauna der sandigen Mergel 
in dem Steinbruche am Westende von Bladen fast durchaus von derjeni- 
gen der sandfreien Mergel an der Rothen Mühle bei Bladen ab. Dagegen 
zeigt die Fauna der letzteren mit derjenigen der Mergel bei Hohndorf 
üebereinstimmung. Die aus dem Mergel am Westende von Bladen be- 
kannt gewordenen Versteinerungen lassen einen bestimmteren Schluss auf 
das Alter der betreffenden Bildung zu. Das Vorkommen von Ämmonites 
Rhotomagensis ist schon für sich allein dafür entscheidend, dass die sandigen 
Mergel in die cenomane Abtheilung der Kreide-Formation gehören. Aber 
auch die anderen Arten, wie namentlich Pecten Dujardinii, Janira quinque- 
costata und Inoceramus striatus passen zu dieser Altersbestimmung. Unter 


Kreide-Formation. 


345 


den Kreide-Bildungen Böhmens scheint es der „Grünsandstein“ von Reuss, 
wie er namentlich bei Laun im Safazer Kreise entwickelt ist, mit 
welchem die Mergel am westlichen Ende von Bladen zu parallelisiren 
sind. Die Mergel oberhalb der Rothen Mühle sind jedenfalls jünger als 
die sandigen glaukonitischen Mergel am Westende von Bladen. Ich 
habe sie früher sogar für senon gehalten. Gewisse Formen wie die Arten 
von Scaphites, Baculites und Toxoceras, Turritella sexlineata und Bostellaria 
conf. B. BucJiii weisen in der That auf diese oberste Abtheilung der Kreide- 
Formation hin. Allein gewisse andere Arten sprechen noch bestimmter 
für eine tiefere Stellung der Mergel. Zu diesen gehört namentlich die 
sicher bestimmbare und häufige Lima elongata Sow. , welche nach Reuss 
und Geinitz in Böhmen und Sachsen dem „Grünsandstein“, dem „Hippu- 
riten-Kalke“ und dem „unteren Pläner“ angehört. Es wird daher die Auf- 
findung einer grösseren Zahl von Versteinerungen abzuwarten sein um die 
Frage nach der genaueren Altersstellung sicher zu beantworten. Dasselbe 
gilt von den Mergeln bei Hohndorf, welche nicht nur in der petrographi- 
schen Beschaffenheit mit denjenigen an der Rothen Mühle bei Bladen 
übereinstimmen, sondern auch einige Arten wie namentlich den Toxoceras 
nodiger und Scaphites sp. gemein haben. 

Gegenseitige Beziehungen der einzelnen Kreide-Bildungen 
in der Gegend von Oppeln und Leobschütz. 

Obgleich die Ablagerungen der Kreide -Formation bei Oppeln und 
derjenigen bei Leobschütz räumlich so nahe liegen, dass man sie kaum 
anders als aus demselben Meeresbecken ansehen kann, so zeigen sie doch 
nach der vorhergehenden Darstellung keine nähere üebereinstimmung. 
Wenn man die nach dem massenhaften Vorkommen von Exogyra columba 
sicher dem sächsischen und böhmischen Quadersandstein gleichstehenden 
weissen Sande und Sandsteine bei Hotzenplotz als die ältesten von den 
Kreide-Bildungen des ganzen Gebietes ansieht, so werden die Sandsteine 
bei Groschowitz mit Ammonites Bhotomagensis und Turrilites costatus 
und die gleichfalls Ammonites Bhotomagensis führenden sandigen Mergel am 
Westende von Bladen die nächst jüngeren Glieder sein. Welches von 
den beiden letzteren nun aber das ältere und welches das jüngere sei, ist 
nicht in gleicher Weise ersichtlich. Ebenso ist auch das Altersverhältniss 
der Mergel oberhalb der Rothen Mühle bei Bladen zu dem turonen Pläner- 
Mergel bei Oppeln nicht klar. Unzweifelhaft ist dagegen, dass sämmt- 
liche Kreide-Bildungen der Gegend von Oppeln und Leobschütz der 
mitteldeutschen Kreidezone von Sachsen, Böhmen und Meder -Schlesien 

44 


346 


Jura-Formation. 


und nicht etwa dem nordwestdeutschen oder polnischen Kreidebecken 
nach ihrer inneren Ausbildung sich anschliessen. Das Vorhandensein 
einer sandigen Ablagerung mit Exogyra columba, Protocardia Hillana und 
anderen bezeichnenden Arten des sächsisch-böhmischen Quadersandsteins 
beweist dies am bestimmtesten, da nur in der mitteldeutschen Zone diese 
fossile Fauna bekannt ist. 

C. Kreide-Bildungen auf der Osfseite des polnischen Jurazuges. 

1. Literatur. 

1836. Pusch: Geognostische Beschreibung von Polen Th. IL, S. 327 — 425. 
1850. Zeus ebner: lieber die Entwickelung der oberen Glieder der 
Kreide-Formation nördlich von Krakau. Jahrb. der k. k. geol. 
Reichs-Anstalt. 1. Jahrg., S. 242 — 255. 

1866. Hohenegger: Geognostische Karte des ehemaligen Gebietes von 
Krakau, nebst Erläuterung zusammengestellt durch C. Fallaux. 
S. 25, 26, 27. Wien. 

2. Geschichtliches. 

Pusch hat bereits eine ziemlich ausführliche Darstellung von der 
Verbreitung der petrographischen Zusammensetzung und dem palaeonto- 
logischen Verhalten der Kreide -Bildungen in Polen überhaupt geliefert. 
Irrthümlich rechnete er freilich zu denselben auch die Gyps und Schwefel 
führenden tertiären Ablagerungen des südlichen Polen und die von ihm 
gegebene Liste von Versteinerungen bedarf vielfacher Berichtigung. Später 
hat Zeuschner die nördlich von Krakau verbreiteten Kreide -Gesteine 
beschrieben und eine Aufzählung der darin vorkommenden organischen 
Einschlüsse geliefert. Er unterscheidet bei Krakau drei Glieder der 
Kreide-Formation, welche er als „1. Pläner-Mergel, II. Pläner mit grauem 
Hornstein und III. Pläner -Kalk“ ohne Hornstein bezeichnet. Irrthümlich 
werden diese Glieder dem „Pläner-Mergel“ und dem „Pläner-Kalke“ von 
Reuss in Böhmen im Alter gleichgestellt. Schon das aus jedem der 
drei Glieder erwähnte Vorkommen von Belemnitella mucronata beweist 
mit Bestimmtheit, dass alle drei Glieder nicht der turonen, sondern der 
senonen Abtheilung der Formation angehören. Auf der neuerlichst er- 
schienenen geognostischen Karte des Krakau’schen Gebietes von Hohen- 
egger ist die Verbreitung der Kreide-Gesteine sorgfältig verzeichnet und 
in den durch Fallaux zusammengestellten Erläuterungen zu dieser Karte 
ist eine kurze Beschreibung dieser Gesteine nebst Verzeichnissen der darin 


Kreide-B''orraation. 


347 


vorkommenden Versteinerungen gegeben worden. Nach dieser Beschrei- 
bung kommen bei Krakau cenomane, turone und senone Kreide-Bildun- 
gen vor. Da jedoch aus den angeblich turonen Schichten Belemnitella 
quadrata aufgeführt wird, so sind diese jedenfalls schon zu der senonen 
Abtheilung zu rechnen. Bei Gelegenheit der Aufnahmen für die geolo- 
gische Karte von Oberschlesien sind endlich von uns einzelne die Kreide- 
Bildungen auf der Ostseite des polnischen Jurazuges betreffende Beobach- 
tungen gemacht worden. Namentlich hat Herr Berg -Referendar Do n- 
dorff die auf die Section Woischnik fallenden nördlich von Lelow 
sich verbreitenden Partien von Kreide-Gesteinen genau verzeichnet und 
eine Anzahl von Versteinerungen in derselben gesammelt, welche für die 
Altersbestimmung benutzt werden können. 

3. Petrographisches Verhalten. 

Die östlich von dem polnischen Jurazuge verbreiteten Kreide-Ablage- 
rungen sind theils von sandiger, theils von kalkig mergeliger Natur. Das bei 
Weitem vorherrschende Gestein ist ein an der Luft zerfallender und meistens 
einen fruchtbaren Boden liefernder weisser Kalk -Mergel mit kieseligen 
Ausscheidungen. Zuweilen wird der Kalk-Mergel erdig .zerreiblich und 
hat ganz die Beschaffenheit der echten weissen schreibenden Kreide. Die 
kieseligen Ausscheidungen bestehen entweder aus schwarzem Feuerstein 
oder aus weissem oder grauem Hornstein (chert). 

4. Verbreitung. 

Durch die Beobachtungen von Pusch ist die Verbreitung von Ablage- 
rungen der Kreide-Formation über einen grossen Theil des ehemaligen 
Königreichs Polen westlich und östlich von der Weichsel festgestellt. Wenn 
der Flächenraum, in welchem sie unmittelbar an der Oberfläche erschei- 
nen, schon mehrere hundert Quadratmeilen beträgt, so ist das Areal, in 
welchem ihr Vorhandensein unter der Bedeckung von diluvialen und tertiä- 
ren Schichten mit Sicherheit anzunehmen ist, jedenfalls auf mehr als 
1000 Quadratmeilen zu schätzen. Gegen Osten und Norden sind die 
Grenzen dieser Verbreitung ganz unbestimmt. Gegen Osten hängen die 
Polnischen Kreide -Bildungen mit denjenigen des Inneren von Russland 
zusammen und gegen Norden verschwinden sie allmählich unter den 
immer mächtiger werdenden Massen des Diluvium. Gegen Süden wird 
die Grenze durch die Karpathen, gegen Westen durch den jurassischen 
Höhenzug zwischen Krakau und Wielun gebildet. Der letztere hat 
trotz seiner nicht bedeutenden Erhebung der Verbreitung gegen Westen 

44 * 


348 


Kreide-Formation. 


einen so vollständigen Damm entgegengestel^ , dass in dem westlich 
von dem Höhenzuge liegenden Gebiete auch nicht eine Spur dieser pol- 
nischen Kreide - Bildungen bekannt ist. Eine breite Zone der Kreide, 
welche den ganzen Raum zwischen dem jurassischen Höhenzuge und den 
dem Hebungsgebiete des polnischen Mittelgebirges oder der Höhenzüge 
von Kiele e angehörenden älteren Gesteine ausfüllt, legt sich unmittelbar 
an den Ostabhang des Höhenzuges. In dem südlichen Abschnitte zwi- 
schen Krakau und Pili ca steigt diese Zone zu einem Plateau von mehr 
als 500 Fuss Höhe auf und schliesst sich an den Ostrand des jurassischen 
Höhenzuges in fast gleicher Höhe mit diesem selbst an. Mächtige Lehm- 
ablagerungen nehmen hier fast überall die Höhen ein, so dass nur in den 
Thälern und zum Theil tief eingerissenen Schluchten die Kreide-Schichten 
zum Vorschein kommen. So habe ich das Verhalten auf dem Wege von 
Pinezow nach Miechow und von da nach Wolbrom angetroffen. 
Namentlich auf der letzteren Strecke ist das Kreide-Plateau durch tiefe 
und steilwandige Thäler zerschnitten. Nördlich von Pili ca tritt die Kreide 
in viel niedrigerem Niveau an den Ostabhang des jurassischen Höhenzuges 
heran. Hier bildet auch nicht Lehm, sondern diluvialer Sand ihre gewöhn- 
liche Bedeckung^). 

5. Gliederung. 

Petrographisches Verhalten und palaeontologische Merkmale weisen 
gleichmässig auf die Unterscheidung von zwei Gliedern in der Kreide auf 
der Ostseite des jurassischen Höhenzuges hin, nämlich ein unteres chlori- 
tisch-sandiges mit Galerites suhrotundus Agass. und ein oberes aus weissem 
Kalk-Mergel bestehendes mit Belemnitella mucronata, Miemster gihhus und 
Inoceramus Cripsii, Dieselben sind in dem Nachstehenden gesondert zu 
betrachten. 

6. Beschreibung der beiden Glieder. 

a. Untere ans losen zum Theil glaukonitischen Sanden und Sandsteinen bestehende 
Schichtenfolge ^). 

L Petrographisches Verhalten. 

Das petrographische Verhalten dieser Schichtenfolge ist an den ver- 
schiedenen Punkten ein sehr verschiedenartiges. Gewöhnlich sieht man 


1) Nur ein Theil dieses nördlichen Abschnittes, nämlich die Gegend von Lelow und Pzyrow’^ 
fällt in das Kartengebiet. 

2) Auf der Karte mit Kr ^ bezeichnet. 


Kreide-Formation. 


349 


nur Blöcke von weissem, grauem oder durch eingestreute Glaukonit-Körner 
grünlichem Sandstein mit kieseligem zum Theil auch kalkigem Bindemittel. 
Offenbar sind solche vereinzelt vorkommende Sandsteinblöcke nur die 
festen Ueberbleibsel einer an derselben Stelle früher vorhandenen locke- 
ren sandigen Bildung. Zuweilen ist statt des Sandsteins ein aus Quarz- 
geröllen mit einem glaukonitisch kalkigen Bindemittel bestehendes lockeres 
Conglomerat vorhanden. 

2. Verbreitung. 

Obgleich sich diese sandige Schichtenfolge von Krakau über Lelow 
bis in die Nähe von Pzyrow hat verfolgen lassen, so ist der Flächenraum, 
in welchem sie an der Oberfläche erscheint, doch ein äusserst beschränk- 
ter. Von der folgenden mergeligen Schichtenfolge überlagert kommt sie 
meistens nur als ein schmaler Streifen an der Auflagerungsgrenze auf dem 
weissen Jura zum Vorschein. Zunächst sind hierher gehörende Ablage- 
rungen nördlich und nordwestlich von Krakau verbreitet. Bei Witko- 
wice, ^|2 Meile nördlich von Krakau, sind an dem steilen Ufer des 
Baches Schichten eines grünlichen glaukonitischen Conglomerats mit Gale- 
rites subrotundus in einer Mächtigkeit von 2 bis 3 Fuss mit ziemlich steiler 
Neigung dem weissen Jura-Kalke ungleichförmig aufgelagert und werden 
von flach gelagertem weissem Kreide -Mergel mit Micraster gibbus und 
Belemnitella mucronata überlagert. Aehnlich ist das Verhalten bei Troja- 
nöwice, Boiecho wice und mehreren anderen Punkten nördlich von 
Krakau. Bei dem Dorfe Rudawa östlich von Krzeszowice liegen in 
dem Bette des Baches grosse bis 6 Fuss lange gerundete Blöcke von 
weissem Sandstein und an dem Ufer stehen lose weisse Sande an, aus 
welchen die Sandsteinblöcke als festere Concretionen offenbar ausge- 
waschen sind. Ganz in der Nähe stehen an dem steilen Gehänge eines 
Hügels, an dessen Fusse der Bach vorüberfliesst, weisse Kreide-Mergel 
mit Hornsteinknollen und mit Micraster gibbus an. Offenbar bedecken diese 
Mergel den Sand mit den weissen Sandsteinblöcken. Diese Aufschluss- 
stelle bei Rudawa ist übrigens auch der westlichste Punkt, an welchem 
die Kreide in dem Rudawa-Thale nachweisbar ist. 

Aehnliche Sandsteinblöcke, wie diese bei Rudawa, kommen nun auch 
weiter nördlich in dem Bereiche des jurassischen Höhenzuges in ganz ver- 
einzelten Gruppen vor. Bei der auffallenden Verschiedenheit des Gesteins 
dieser Blöcke gegen den ringsum herrschenden Jurakalk hält man sie auf 
den ersten Blick für aus der Ferne herbeigeführte erratische Blöcke oder 
Findlinge, allein sehr wahrscheinlich sind sie nur die festen Ueberbleibsel 


350 


Kreide-F ormation. 


einer vorherrschend lockeren sandigen Kreide-Bildung, welche ehemals an 
denselben Stellen anstehend war. Besonders in der Umgebung von Pilica 
sind solche Sandsteinblöcke an mehreren Stellen bekannt. Namentlich 
bei Dzwonowice nördlich von Pilica liegen sehr grosse solche Blöcke. 
Sie bestehen aus weissem Sandstein mit sehr sparsamen Bindemittel und 
mit einzelnen zum Theil erbsengrossen Quarzgeröllen. Einzelne der dor- 
tigen Blöcke bestehen aus Sandstein mit reichlichem kalkigen Bindemittel 
und von grünlich grauer durch eingestreute feine Glaukonit-Körner bewirk- 
ter Färbung. Auch westlich von Wolbrom wurden von uns solche Blöcke 
beobachtet. In dem meistens von Wald und Sümpfen eingenommenen 
flachen Gebiete, welches sich östlich von den am Ostabhange des jurassi- 
schen Höhenzuges gelegenen Städten Pilica, Lelow und Janow ver- 
breite